Andy Murray – Hoffnung auf eine Hüfte aus purem Gold

Mitarbeiter des Tages, 15. Mai 2019, Andy Murray

Wer Andy Murray 2015 bei den BMW Open in München erlebt hat und nicht sofort zum Fan des Schotten geworden ist, der sollte dringend seinen Empathie-Kompass neu einrichten lassen. Murray ist jedem der Autogramm- und Selfie-Wünsche nachgekommen, und das waren nicht wenige. So nebenbei hat er das Turnier extrem ernst genommen, keine Selbstverständlichkeit für Spitzenspieler, die mit großem Geld eingekauft werden (dem Vernehmen nach lag das Antrittsgeld dereinst bei 350.000.- EUR). Murray hat das Event gewonnen, im Tiebreak des dritten Satzes gegen Philipp Kohlschreiber im Finale am Montag. Und ein paar Tage später auch noch gleich das Masters in Madrid.

Etwas mehr als vier Jahre später fragen wir, deren Empathie-Kompass perfekt funktioniert, ob wir Sir Andrew denn noch einmal zu sehen bekommen. Auf dem Court. Und in einer Verfassung, die den Ansprüchen eines ehemaligen Weltranglisten-Ersten genügt. Die Verabschiedung bei den Australian Open 2019 war tränenreich, hatte etwas Endgültiges. Danach hat sich Murray eine neue Hüfte gegeben, so wie Bob Bryan, der seit Jahresbeginn wieder echtes Tennis spielt. Allerdings im Doppel.

Den Mondball salonfähig gemacht

Andy Murray hat immer echtes Tennis gespielt, vor allem aber sehr schlaues. Er hat den Mondball wieder salonfähig gemacht, und zwar jenen, von dem man stets annehmen durfte, dass die Wuchtel tatsächlich das Himmelszelt streift. Murray hat sich damit in Position gebracht, auf die nächste Kugel wieder draufgefetzt. Niemand hat schöner und ausdauernder genörgelt als Andy Murray – und warum wird hier in der Vergangenheit formuliert?

Murray war der erste Spieler, der sich einen richtigen Super-Coach geholt hat: Ivan Lendl. Und nebenbei dafür gesorgt hat, dass Lendl plötzlich als überraschend humorig betrachtet wurde. Murray hat es mit Amélie Mauresmo als Übungsleiterin versucht, das darf man ruhig als bahnbrechend bezeichnen. Und er hat halt auch das Pech gehabt, in einer Ära mit Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic zu spielen. Wiewohl ihn der gemeine Tennis-Beobachter zu den Big Four dazu zählt (mathematisch korrekt, weil sonst wären es ja nur drei).

Die Veranstalter im Queen´s Club haben für Andy Murray eine Wildcard beiseite gelegt, wenn es dort klappt, könnte noch ein letzter Auftritt in Wimbledon anstehen. Es sei denn, die neue Hüfte entpuppt sich als pures Gold. Dann ist bei den Lobeshymnen auf den zweifachen Goldmedaillen-Gewinner bei Olympischen Spielen doch noch eine Zeit lang die Gegenwartsform angebracht.

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