Diese Woche bei … ratiopharm Ulm, KW 39

Von Tobias Fenster

Der Überblick

Zweimal Ulm – Vechta (einmal Bundesliga, einmal BBL-Pokal), zweimal Sieg für Ulm: War es zum Saisonauftakt noch ein 84:62, folgte dann dann im Pokal ein 88:71, letzten Endes also zwei deutliche Siege für Ulm

Das Fazit bringt Michael Körner auf den Punkt, der im Sportradio360-Postgame mit Augenzwinkern sagt: “Ulm hat hier eine neue Ära eingeleitet, sie spielen jetzt Verteidigung”. Das ist sicher einerseits überspitzt, andererseits auch der gegnersichen Leistung geschuldet, es fällt aber natürlich schon auf, dass Ulm nur 62 bzw. 71 Punkte zulässt.

Die harten Fakten

Womit wir auch schon bei den harten Fakten sind: Ulm hält Vechta bei verheerenden 27,5% im ersten sowie unterdurchschnittlichen 40% Trefferquote im zweiten Spiel bei allen Feldwürfen und trifft dabei selbst 48,2% bzw. 55%. Da Basketball nach wie vor das Spiel ist – Achtung, Binsenweisheit – bei dem der gewinnt, der den Ball häufiger durch den Korb befördert, ist der Schlüssel zum Sieg schnell gefunden. Da hat es dann auch keine entscheidende Auswirkung, dass Vechta in den beiden Spielen zusammen 39 (!) Offensivrebounds holt und in Summe 18 mal mehr auf den Korb wirft. Für zukünftige Spiele werden die Ulmer aber einen Weg finden müssen, wie sie ihre Gegner hier etwas mehr einschränken, wobei “nur” 7 Offensivrebounds für Vechta in der zweiten Hälfte des zweiten Spiels zumindest zeigen, dass es besser gehen kann.

Ebenfalls beeindruckend ist die Ulmer Assist-Quote: In den beiden Spielen treffen sie zusammen 60 mal aus dem Feld, 50 mal davon unterstützt von einem Assist. Was auf dem Statistikbogen schon nach mannschaftsdienlichem Spiel und wenig 1-gegen-1-Zock aussieht, macht jedem Basbetball-Fan richtig Spaß und führte dann auch zu Standing Ovations:

Darüber war zu reden

Prägende Figur für diesen Stil ist der gerade mal 18-jährige Kilian Hayes, der seit dieser Saison als Starter auf der so wichtigen Pointguard-Position in Ulm Regie führt. Gerade in diesem Alter muss man beim Blick auf Karrierestatistiken natürlich sehr vorsichtig sein, aber dass der Wurf zumindest aktuell noch nicht seine Stärke ist, das ist sicher sofort erkennbar. Wie er es dennoch mit einer herausragenden Kombination aus Spielverständnis, Übersicht und Größe schafft, seinen Mitspielern immer wieder freie Würfe aufzulegen, ist enorm beeindruckend. Sicher auch begünstigt durch viele spielintelligente und abseits des Balls sehr aktive Teamkollegen, ist es ein wahre Freude, wie er es fast komplett ohne eigenen Wurf schafft, durch eigentlich simples Pick and Roll die ganze gegnerische Verteidigung unter Druck zu setzen. Nach 6 Assists in 26 Minuten im ersten Spiel legte er dann in gerade mal 9 Minuten im zweiten Spiel schon 5 Assists auf (bei nur einem Wurfversuch), ehe ihn eine wohl nicht dramatische Knöchelverletzung zum Aussetzen zwang. In NBA-Mock-Drafts bereits als sogenannter Lottery-Pick, also einer der besten Spieler des Jahrgangs gehandelt, darf man sich in Ulm und der BBL jetzt schon freuen, einen solchen Spieler sehen zu dürfen.

Unsere persönlichen Favoriten

Nicht minder groß dürfte die Freude über Zoran Dragic sein. Der 30-jährige, NBA- und EuroLeague-erfahrene Slowene, der schon an der Seite von Ulms neuem Trainer Jaka Lakovic spielte, überzeugt mit ganz viel Einsatz an beiden Enden des Feldes und einer Cleverness, die Andy Obst im Sportradio360-Postgame trocken beschreibt: “Der hat ‘ne ganz kalte Schnauze”. Das zeigt sich dann in 18 bzw. 16 Punkten und der zweithöchsten bzw. höchsten +/- Wertung. Exemplarisch gleich die erste Szene der Saison, als er einen eigentlich schon verlorenen Ball zurückerobert und Hayes zu einfachen Punkten verhilft, genauso wie ein And-1 mit ganz viel Willen bei engem Spielstand im ersten Spiel:^

Da ist es fast schon eine Randnotiz, darf aber in den Favoriten nicht fehlen, dass die Ulmer Legende Per Günther nach langer Verletzungspause sein Comeback feiert und andeutet, dass noch einiges im Tank ist. Brauchen wird Ulm das allemal, denn selbst ein Talent wie Hayes wird mit 18 noch nicht komplett stabil sein können und hinter ihm lieferte Tyler Harvey zwar im zweiten Spiel eine bessere Leistung als Backup-Pointguard ab, aber 10-15 gute Günther-Minuten würden dieser Mannschaft sehr gut zu Gesicht stehen.

Das steht an

Unter der Woche steht mit Virtus Bologna als Gegner im Eurocup ein echtes Highlight an: Nicht nur führt mit Milos Teodosic ein ehemaliger EuroLeague-MVP und NBA-Veteran das Team an, sondern mit Aleksandar Djordjevic steht auch ein aus der Bundesliga bekannter Spitzentrainer an der Seitenlinie. Wie sich hier das sehr junge Ulmer Team und sein Rookie-Coach schlagen, kann vielleicht ein erster Hinweis darauf sein, wie weit die Ulmer sich schon in der Bundesliga und auf europäischem Parkett nach vorn orientieren dürfen. Am Wochenende folgt dann in Braunschweig, die ebenfalls mit zwei Siegen (in Göttingen und in Ludwigsburg) in die Saison gestartet sind, das Wiedersehen mit dem ehemaligen Co-Trainer Pete Strobl.

Diese Woche … bei den Kölner Haien, KW 39

Das erste Roadtrip- Wochenende für die Kölner Haie

Das zweite Spielwochenende der noch frischen DEL Saison 2019/2020 führte die Kölner Haie am Freitag erst einmal nach Berlin. Von dort ging es dann zu dem Sonntagsspiel nach Nürnberg.

Im ersten Spiel des zweiten Spiele-Wochenendes gegen die Eisbären, mussten die Haie eine Niederlage hinnehmen. Dennoch nahmen sie wenigstens einen Punkt im Gepäck mit, denn das Spiel blieb bis zur 60 Minute unentschieden. Es schien bis dahin, als sei die reguläre Spielzeit der Mannschaft unter Mike Stewart viel zu kurz. Die Spieler verlängerten bisher drei von drei gespielten Spielen. Vielleicht mögen die Haie auch die Spannung und den nervenzerreißenden Moment? Dennoch konnten sie bisher nur Mannheim in der Overtime schlagen. Gegen Berlin verlor der KEC 3:2.

Spiele Köln gegen Berlin sind meist etwas emotionsgeladener. So begann es auch am Freitag. Köln startete ganz gut und erkämpfte sich einige Chancen. Ab der 12. Minute wurde es dann jedoch brenzlig, Taylor Aronson bekam die erste Strafe und Alexander Oblinger folgte sogleich. Oblinger bekam sogar eine 2 + 10 Minuten Strafe wegen Checks gegen den Kopf und Nacken. Doch keine der beiden Mannschaften war nach den ersten 20 Minuten erfolgreich. Es ging ohne Tore ins zweite Drittel. Frank Hördler war dann der erste Torschießer in der 25. Minute. Doch Köln glich vier Minuten später durch Frederik Tiffels aus. Der Mittelabschnitt endete mit 1:1. Und gleich vorweg: im letzten Drittel traf jede Mannschaft wieder jeweils einmal, Schützen waren der Kölner Colby Genoway und der Berliner Sean Backman. Die reguläre Spielzeit von 60 Minuten war vorbei und endete mit einem Gleichstand von 2:2. Also ging für die Kölner Haie wieder um den Sudden Death. Wer würde ihn dieses Mal sterben? Die Haie erlagen dem letzten Tor durch den Berliner Spieler Marcel Noebbels. Er besiegelte das Spiel mit einem Sieg für die Eisbären.

Vielleicht ging es dann mit etwas Frust und nur einem Punkt im Gepäck weiter nach Nürnberg, wo die Ice Tigers schon warteten und an der Bande kratzten. Es gab zwei Möglichkeiten: Köln hätte frustriert und niedergeschlagen spielen können oder gerade durch die kürzlich beigefügte Niederlage mit Kraft und umgewandelter Energie angreifen können. Welche Option wählten die Kölner?
Kleiner Spoiler: Köln war scheinbar zu niedergeschlagen.
Die Partie gegen Nürnberg blieb für den KEC eine Nullnummer. Am Ende stand es 4:0 für die Gastgeber aus Nürnberg. Joachim Ramoser, Brandon Buck, Patrick Reimer und Daniel Fischbuch waren die Nürnberger Torschützen.

Die Haie blieben insgesamt zu harmlos, zu blaß, zu schwach. In der Offensive zeigten sie Defizite, die Chefcoach Mike Stewart beheben muss. Noch sind Niederlagen zu verkraften, sind doch erst vier Spiele der noch jungen Saison gespielt. Doch zu viele Niederlagen sollten es nicht werden, schwächen sie doch auch sehr die mentale Verfassung und das Selbstbewusstsein der Spieler. Und festigt sich dies, wird es schwer aus dem Tief wieder rauszukommen. Dann wird viel mehr Kraft und Energie nötig sein.

Am kommenden Wochenende stehen dann wieder ein Heimspiel und ein Auswärtsspiel für die Mannschaft der Kölner Haie an. Zwei neue Chancen, die Bilanz positiv zu gestalten.

Diese Woche … bei den Kölner Haien, KW 38

Ein Wochenende, zwei Spiele, drei Punkte.

Die Eishockey Saison der DEL hat begonnen und die Kölner Haie haben nach zwei Spielen eine Niederlage und einen Sieg, beides in der Verlängerung, auf dem Konto stehen. Das erste Spiel verloren die Haie gegen Iserlohn und nach dem zweiten Spiel gegen Mannheim fuhren sie als Sieger vom Eis. Es war zwar kein perfektes Wochenende für den KEC, aber schon ganz ok.

Erstes Heimspiel

Am Freitag war der Saisonauftakt, die Iserlohn Roosters kamen nach Köln zum Duell vor 17.456 Zuschauern. Doch das erste Spiel erwies sich leider eher mau für die Haie. Freitag der 13. war für Köln ein Pechtag. Das erste Drittel war noch gut, der KEC spielte kreativ und offensiv. Das zweite Drittel jedoch war desolat und im letzten Drittel gab sich der KEC wieder kämpferischer, doch die offensive Kaltschnäuzigkeit war nicht zu 100% zu spüren. Es ging sodann in die Verlängerung, beide Mannschaften erreichten in der regulären Spielzeit ein Unentschieden mit 2:2. In der 62. Minute machte Iserlohn jedoch den Traum von einem Auftaktsieg in Figur von Alex Petan zunichte. Sudden Death, plötzlicher Tod, hieß es für die Domstädter. In der Verlängerung ist nämlich das erste Tor auch das Letzte und die Mannschaft, die es geschossen hat, gewinnt. Dennoch bleibt ein Punkt in Köln.

Cheftrainer Mike Stewart erklärte nach dem Spiel folgendes: „Wir haben ein Spiel verloren, das wir nach Chancen auch hätten gewinnen können. Aber so ist Eishockey.“ (Quelle:www.haie.de)

Erstes Auswärtsspiel

Am Sonntag ging es für Köln dann nach Mannheim, zum amtierenden Meister. Mannheim war in der vergangenen Saison unfassbar gut, Trainer Pavel Gross hatte aus den Adlern ein schwer überwindbares Hindernis für alle anderen 13 Mannschaften in der DEL geformt. Sie wurden zu Recht Playoff Sieger und Deutscher Meister. Dementsprechend waren die Erwartungen auf Seiten der Kölner Haie Fans auch etwas heruntergeschraubt. Kölner Optimisten hofften natürlich auf den Sieg und ihr positiver Glaube in die neue Mannschaft unter Mike Stewart sollte tatasächlich Wahrheit werden.
Das erste Tor ging zugunsten der Mannheimer, Köln glich jedoch durch Jason Akeson aus. Das Ergebnis von 1:1 zog sich bis zur 60. Minute, es ging also wieder in die Verlängerung. In der 63. Minute war das Spiel beendet, Sudden Death für Mannheim, das siegreiche Tor wurde durch Jon Matsumoto, Neuzugang in Köln, geschossen. Das bedeutete zwei Punkte für den KEC.

Mike Stewart fasste das Ganze so zusammen: „Wir sind sehr stark in das erste Drittel gestartet und haben uns so das Momentum erspielt. Im Mittelabschnitt hat Mannheim dann besser ins Spiel gefunden. Aber wir waren heute in der Defensive gut organisiert. Im Schluss-Drittel ging’s dann bis zum Schluss hin und her. In der Overtime haben wir dann auch das nötige Glück auf unserer Seite. Aber das haben wir uns heute auch verdient. “ (Quelle:www.haie.de)

Ergebnis

Summa summarum stehen also drei Punkte nach zwei ersten Spielen in der Bilanz Kölns. Und der Erzfeind, der ewige Kölner Konkurrent, die DEG geht ohne Punkte aus dem ersten Eishockey Wochenende. Köln freut sich somit doppelt, den amtierenden Deutschen Meister besiegt zu haben und den Ligakonkurrenten Düsseldorf erstmal zurückzulassen.

Die Saison ist jedoch noch lang, noch 50 Spiele sind zu spielen. Es wird noch viel passieren, Siege und Niederlage wird es geben. Mal sehen wie es so weiter geht.

Diese Woche … bei den Kölner Haien, KW 37

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Die neue Eishockey-Saison steht schon vor der Tür und der KEC ist bereit zum Angriff

Die neue Saison der DEL steht vor der Tür und jedes der 14 Teams der Liga steckt mitten in der Vorbereitungsphase. Am 13. September ist es schließlich soweit.

So trainieren auch die Kölner Haie gerade und stimmen sich ein. Zum Training bestritt der KEC den Köln Cup und verschiedene Trainingsspiele, auch gegen die DEL Teams Wolfsburg und Krefeld.

Der Köln Cup verlief für die Haie nicht ganz nach Plan, sie wurden nur Zweitplatzierter von vier teilnehmenden Mannschaften. Das erste Spiel gegen die SCL Tigers (Langnau) gewann die Kölner Mannschaft mit 3:2. Das zweite Spiel des Turniers konnte der KEC gegen Moser Medical Graz 99ers mit 4:5 nach Verlängerung nicht für sich entscheiden. Und im letzten alles entscheidenden Duell gegen Rögle BK mussten sich die Haie knapp mit 1:2 geschlagen geben. Somit war der alte Köln Cup Sieger auch der Neue: Rögle BK. Dabei war der neue Spieler Kevin Gagné der sogenannte „Most valuable Player“ (MVP), also der hervorstechendste Spieler. Aber alles in allem sah der neue Trainer Mike Stewart dieses Turnier mit einer positiven Bewertung. Das Team habe sich gut geschlagen und schon viel von dem Gewünschten umgesetzt. Der KEC arbeitet bereits hart und so kann man mit gutem Gefühl aus der Trainingsphase in die Saison starten.

Nach dem Köln Cup gab es aber keine lange Pause für die Spieler des KEC, denn es musste hart trainiert werden. Es ging sehr zügig weiter nach Südtirol zum Vinschgau Cup in Latsch. Ziele waren Teambuilding und weiteres Training. Denn auch Mannschaftsgeist ist eine Kernkompetenz, die ein neu aufgebautes Team leisten muss. Demnach war dies ein weiterer wichtiger Schritt hin zur neuen Saison. Bereits letztes Jahr war das Trainingslager in Latsch ein Erfolg, und Erfolge sollen ja weitergeführt werden. Natürlich wollten die Haie den Cup auch holen und nach dem ersten Spiel gegen den HC Lugano sah es auch fast so aus, der KEC gewann mit 4:0 und einer souveränen Leistung, die Kölner waren klarer Sieger. Im Finale gegen den Hockey Club Bozen 2000 jedoch verlor die Mannschaft von Mike Stewart mit 2:5. Wie gewonnen, so zerronnen. Doch es ging im Grunde nicht um das Ergebnis, es ging darum, eine Mannschaft zu formen und an den Feinheiten zu arbeiten, das wird gelungen sein.

In Braunlage stand dann gegen Liga-Konkurrenten Wolfsburg ein weiterer Test an. Es war schon einmal das Abchecken beider Mannschaften zur neuen Saison. Wie weit sind die anderen denn schon mit dem Training und sind wir schon bereit es mit der Konkurrenz aufzunehmen? Dies könnten die entscheiden Fragen zum Kurzvorher-Test gewesen sein.

Kurz entspannen, je nachdem wie die Spieler das Event sehen, konnten die Haie beim Sommerfest. Traditionell wird hier die neue Mannschaft vorgestellt und gefeiert, dass die neue Saison nicht mehr weit weg ist. Es ist quasi ein kleines Einläuten auf das, was kommt.

In den letzten beiden Testspielen in der finalen Phase der Trainingsvorbereitung spielten die Haie gegen Bad Nauheim, neuer DEL2-Kooperationspartner, und gewannen 4:2. Und die spielten noch gegen einen Ligakonkurrenten, die Krefeld Pinguine. Gegen den KEV war es die sogenannte Generalprobe, die die Haie mit einem Erfolg beenden konnten. Am Ende stand gegen die Krefelder ein 2:1 auf dem Zettel.

Auch wenn nicht alle Spiele im Training gewonnen wurden und es im Ergebnis noch recht durchwachsen scheint, war es doch eine gute Vorbereitung. In der Saison gilt dann, alle Kräfte bündeln, die positiven Dinge für sich verinnerlichen und kämpfen, geschlossen als Mannschaft. Hier zählen dann Ergebnisse, nach den Trainingsergebnissen fragt nachher keiner mehr. Und dann kann doch eigentlich nichts mehr schief gehen.

Diese Woche bei … Hertha BSC, KW 33

Von Chris Butzke

Kein Geld schießt auch keine Tore

Es war ein turbulenter Sommer in Berlin. Der Einstieg von Lars Windhorst und seiner Beteiligungsfirma „Tennor“ sorgte bundesweit für ein Aufhorchen. Für 125 Millionen Euro sicherte man sich 37,5% der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA und hat zusätzlich die Möglichkeit, im nächsten Jahr sogar auf insgesamt 49,9% aufzustocken, was nochmals 125 Millionen Euro auf das chronisch klamme Hertha-Konto spülen könnte. In Berlin wählt man also ein Modell, welches sich schon bei Borussia Dortmund bewährt hat. Die Borussen haben sogar über 94% ihrer KGaA-Anteile veräußert. Wächst in Berlin also ein neues Schwergewicht im deutschen Fußball heran? Dies muss man klar verneinen. Die neuen finanziellen Mittel können die Lücke zur Top 6 verkleinern, doch wird man nicht schlagartig Vereine mit regelmäßigen Einnahmen aus europäischen Wettbewerben oder mit einem erhöhten Sponsoring (Bayer und VW pumpen jährlich deutlich mehr in ihre Vereine, als es marktgerecht wäre) mithalten können, weder sportlich noch finanziell. Somit ist in Berlin nicht plötzlich ein „Big City Club“, auch wenn es der Wunschtraum von Lars Windhorst ist. Doch wie sagte schon Onkel Ben zu Peter Parker, aus großer Macht folgt große Verantwortung. Es liegt nun an Manager Michael Preetz, verantwortungsvoll mit den neuen finanziellen Möglichkeiten umzugehen. Bei dem überhitzen Transfermarkt ist frisches Geld schnell verbrannt, die Transfers müssen sitzen.

Der Bayernschreck holt Bayernschreck

Und somit kommen wir zum nächsten Teil des turbulenten Sommers. Aufgrund der neuen finanziellen Möglichkeiten war es für Hertha-Fans ein neues Gefühl, denn plötzlich gab es viele Gerüchte um junge, talentierte und somit auch teure Spieler. Reiss Nelson, Dodi Lukebakio und Francois Kamano sind eine Kategorie, aus der sich der Hertha Fan in den letzten Jahren maximal bei der eigenen FIFA-Karriere bedienen konnte, nachdem man am Budget-Regler gedreht hat. Letztendlich durfte sich Dodi Lukebakio, der maßgeblich an der Überraschungssaison von Fortuna Düsseldorf beteiligt war, die Krone als Königstransfer aufsetzen. 20 Millionen Euro flossen dafür nach England zum FC Watford. Außerdem schloss sich Eduard Löwen der alten Dame an und sorgt noch mehr Flexibilität in der Mittelfeldzentrale. Dort wird er sich mit Marko Grujic um Einsatzzeit streiten. Der serbische Shootingstar aus der letzten Saison wird auch dieses Jahr das Hertha-Trikot überstreifen und weiter Erfahrungen sammeln, um bald bei seinem Hauptarbeitgeber in Liverpool Spiele bestreiten zu können. Für den erweiterten Kader verstärken Dedryck Boyata (ablösefrei von Celtic Glasgow) und Sturmtalent Daishawn Redan (2,7 Millionen Euro von FC Chelsea). Während Boyata mit seinen 28 Jahren Erfahrung in die sonst junge Innenverteidgung bringt, ist Redan eine Investition in die Zukunft (mit etwas Hoffnung, dass er sich ähnlich schnell integriert wie Dilrosun letztes Jahr). Auf der Abgangsseite werden Lazaro und Lustenberger zu spüren sein. Lazaro fehlt mit seiner sportlichen Klasse, Lusti wird als Mensch eine Lücke hinterlassen, die niemand so schnell schließen kann.

Aua in Aue

Die Vorbereitung lief recht ruhig. Selbst ein grottenschlechter und lustloser Auftritt in Aue sorgte nicht für tiefe Sorgenfalten. Zu groß ist das Vertrauen in Covic und in seine Spielidee. In den anderen Testspielen waren die Auftritte zumindest bemüht, verschiedene Systeme wurden ausprobiert und einige wertvolle Erkenntnisse konnten gewonnen werden, zum Beispiel, dass die Position des Rechtsverteidigers am besten eine Mischung aus Leckie Klünter wäre. Vielleicht sollte man sich mit der Universität Tokio kurzschließen, schließlich sind dort die Experten, wenn es um das Kreuzen von Menschen, Wesen und menschlichen Wesen geht. Außerdem ist Esswein ein wirklich schneller Mann, es muss doch ein Team geben, dass Geschwindigkeit auf den Außen braucht (looking at you, Bayern Munich). Glücklicherweise blieb man auch von schweren Verletzungen verschont. So bleibt unter dem Strich eine recht erfolgreiche Vorbereitung stehen, zumindest soweit man aus Testspielen und Trainingslagerberichten eine aussagekräftige Meinung ableiten kann.

Pflichtsieg im Pflichtspiel

Der erste Härtetest war die Erstrundenpartie gegen den VfB Eichstätt. Gegen den Regionalligisten kam es zu einem letztendlich ungefährdeten 5:1-Sieg. Ein solch souveräner Auftritt in der ersten Runde ist man als Herthaner schon fast gar nicht mehr gewöhnt. Auffällig war die offensive Ausrichtung mit einer Viererkette, wobei Torunarigha und Leckie die Positionen der Außenverteidiger bekleideten. Durch Leckie als RV ging man kalkuliertes Risiko, da man defensiv so anfällig war. Sein Partner in crime auf der linken Seite war hingegen als defensive Absicherung eingeplant, spielte aber etwas forsch und musste zur Halbzeit wegen akuter Gelb-Rot-Gefahr runter. Für ihn kam mit Alex Esswein ein Spieler, der die Bühne nochmal nutzen konnte ( 1 Tor, 1 Vorlage), um sich auf den Zetteln von Robert Kovac und Co auf der Tribüne zu verewigen. Denn sind wir mal ehrlich, auch mit Perisic fehlt es dem Bayern-Kader etwas an Breite und Erfahrung.

 

Zum restlichen Spiel kann man sagen, dass sich Vladimir Darida mit einer starken Leistung als Dreh- und Angelpunkt in der Zentrale Hoffnungen auf mehr machen darf. Er gilt sowieso schon als der Gewinner der Vorbereitung und konnte den guten Eindruck bestätigen. Seinen Konkurrenten Maier, Grujic und Löwen hat er vor allem Erfahrung voraus. Insgesamt ist Hertha in diesem Mannschaftsteil hervorragend aufgestellt und kann somit die Ideen von Ante Cociv besser umsetzen, der einen höheren Fokus auf ein spielstarkes Mittelfeld legt als Vorgänger Pal Dardai.

 

Die Welt sieht die Hertha

Bereits am Freitag geht es nach München zum Bundesligaauftakt und somit bekommt Hertha internationale Aufmerksamkeits. Naturgemäß ist man gegen die Bayern Außenseiter, doch sind die Top-Clubs am Anfang der Saison auch noch auf der Suche nach der eigenen Identität. Gepaart mit der Unruhe, die man durch die eigenen Aussagen bezüglich eventueller Transfers selbst heraufbeschworen hat, könnte Hertha wieder ein unangenehmer Gegner für den Rekordmeister werden. Außerdem ist der 20-Milliionen-Mann Lukebakio besonders durch seinen Hattrick gegen die Münchner ins weltweite Rampenlicht gerückt. Man hat auf alle Fälle das Potential, um ein Stolperstein zu sein, aber genauso gut können die Bayern abgeklärt 5:1 über defensiv überforderte Berliner hinwegfegen. Ein Coman kann die Schwächen auf der rechten Seite wohl eher ausnutzen als ein Athedon Lushi vom VfB Eichstätt. Denn auch wenn Klünter defensiv deutlich stärker ist als Leckie, würde eine rechte Seite mit Klünter und Lukebakio (falls er schon fit genug für die erste Elf ist) oder Kalou anfällig sein, da sowohl Kalou als auch Lukebakio defensiv in etwa so sorgfältig arbeiten wie die Sportbild bei der Recherche über die Identitäten von Zweitliga-Spielern. Doch auch wenn man ein schweres Auftaktprogramm hat, kann Hertha über 34 Spieltage vielleicht den einstelligen Tabellenplatz erreichen. Wenn es nach Marko Grujic geht, ist sogar eventuell noch etwas mehr drin.

Uwe Krupp – Erster deutscher Meistermacher

Mitarbeiter des Tages, 24. Juni 2019: Uwe Krupp

Von Sascha Staat

“Ja ist es denn zu fassen? Ausgerechnet Uwe Krupp!” Genau diese Worte sprach damals der sehr geschätzte Günter-Peter Ploog, leider vor ein paar Jahren plötzlich und unerwartet verstorben, an diesem Juni-Morgen 1996. Es muss irgendwann gegen 6:30 Uhr gewesen sein. Ein Treffer von Uwe Krupp, ein harmloser Schlagschuss von der blauen Linie, entscheidet das bis dahin torlose vierte Spiel des Stanley-Cup-Finals zwischen den Colorado Avalanche und den Florida Panthers in der dritten Verlängerung.

Es ist nicht nur das “game-wining goal”, sondern es macht sowohl Krupp als auch sein Team, das erst ein Jahr zuvor von Quebec nach Denver umgezogen war, zum ersten Mal zum NHL-Champion. Der Kölner ist der erste Deutsche, dem das gelingen sollte. Moderator Christian Sprenger und Experte Lance Nethery lesen Faxe vor, die von den Zuschauern ins Premiere-Studio geschickt werden. Wolfgang Büttner spricht mit Krupp später noch auf dem Eis. Es waren andere TV-Zeiten damals.


Die Nachberichterstattung kann für einen 16 Jahre alten und völlig verrückten  US-Sport-Fan nicht lange genug dauern. Zum Glück ist sie aber zu Ende, als die Schule ruft, wobei das an diesem Tag natürlich eine völlig untergeordnete Rolle. Kaum dort angekommen fragen andere interessierte Mitschüler, ob ich das Ergebnis kennen würde. Ja, sage ich, Krupp hat das entscheidende Tor geschossen. Geglaubt wird mir erst einen Tag später, als der Videotext mich bestätigt hat.

Uwe Krupp jedenfalls hat das große Ziel seiner Laufbahn erreicht. Er ist eine Art Türöffner für andere Deutsche auf dem Weg in die stärkste Liga der Welt. Es folgen Marco Sturm und Jochen Hecht, später Marcel Goc, Christian Ehrhoff und Dennis Seidenberg, die sich dauerhaft etablieren können. Krupp gerät als Spieler irgendwie in Vergessenheit, spätestens seitdem Leon Draisatil in der NHL zu einem absoluten Topspieler geworden ist.

Wahrscheinlich aber ist er der beste deutsche Verteidiger aller Zeiten, sorry an die Kollegen Ehrhoff und Seidenberg. Krupp gewinnt den Cup nochmal mit Detroit, wenn auch ohne großes Zutun. Als er zu den Red Wings wechselt und dort einen hochdotierten Vertrag unterschreibt landet die Meldung auf der ersten Seite der USA Today. Damals war Krupp eine große Nummer. Später wird er ein im Rahmen der Möglichkeiten erfolgreicher Nationaltrainer, inklusive Rang vier bei der Heim-WM 2010.

Es muss so um 2014 sein, als ich im Krupp-Trikot der Quebec Nordiques, hierzulande wohl eine absolute Rarität, auf der Tribüne bei einem Spiel der Kölner Haie sitze, wo mein Eishockey-Held der 90er als Trainer hinter der Bande steht. Eine ältere Frau spricht mich an und fragt mich, wie das denn sein könne. “Ist es denn zu fassen? Ausgerechnet Uwe Krupp!”, mag ihr da wohl durch den Kopf gegangen sein, der Mutter von Krupp, wie ich später erfuhr.

Im gleichen Jahr, in der Saison zuvor und auch 2018 (mit den EIsbären Berlin) wird er Vizemeister in der DEL. Der Gewinn des Stanley Cups 1996 bleibt daher bis heute der größte Triumph für Krupp. Es ist ein Sommermärchen, das in Deutschland kaum wahrgenommen wird. Damals dachte ich: “Ist es denn zu fassen? Ausgerechnet Uwe Krupp!” Seine Mutter dachte damals wahrscheinlich genau das gleiche. Leider habe ich sie nicht gefragt. Heute gratuliere ich jedenfalls. Alles Gute, Uwe Krupp!

Zinedine Zidane – MJ überholt

Mitarbeiter des Tages, 23. Juni 2019: Zinedine Zidane

Quervergleiche zwischen Epochen verbieten sich im Sport angeblich ja ganz generell, was soll dann erst für interdisziplinäre Analysen gelten? Aber gut, wir dürfen hier alles: Zinedine Zidane und Michael Jordan verbindet noch mehr, als dass die beiden für eine Zeitlang die Besten ihrer Zunft waren – Jordan ein bisserl länger als Zizou, aber das ist jetzt unerheblich.

Denn, liebe Kinder, was ihr Euch jetzt gar nicht so richtig vorstellen könnt: Bevor Michael Jordan und Zinedine Zidane die beiden großartigsten Glatzen im Weltsport geworden sind, hatten die Buben tatsächlich Haare auf dem Kopf. Und beiden ist das im Nachhinein betrachtet nicht gerade überragend gestanden.

Kleine Beobachtung am Rande: als beim letztjährigen Endspiel der French Open zwischen Rafael Nadal und Dominic Thiem für einen kurzen Moment Zinedine Zidane gezeigt wurde, der sich eigentlich auf den unscheinbaren Rängen versteckt hatte, da brach beinahe ungehemmter Applaus aus. Offenbar haben die Franzosen Zidane dessen Abgang im WM Finale 2006 verziehen, selbst 13 Jahre später noch ein Jammer. 1998 hat Zidane die L´Équipe Tricolore zum Finalsieg gegen Brasilien geköpft, acht Jahre später waren die Franzosen auf einem guten Weg, dann hält Buffon diesen herrlichen Kopfball, dann macht Materazzi das einzige, was so ein Volldolm eben macht. Es schmerzt noch immer.

Auch wenn davon auszugehen ist, dass sich der französische Großmeister, der heute seinen 47. Geburtstag feiert, dieser Tage mit anderen Dingen beschäftigt, etwa dem Wiederaufbau von Real Madrid. Nach der aktiven Karriere übrigens hat Zinedine Zidane den Spieß umgedreht: Michael Jordans Karriere als Funktionär schmiert gegen jene des Franzosen als Coach gnadenlos ab.

TV und Stream, 23.06.2019: Halle, IndyCar, BBL

Sky – Zwei Finali von ATP-Tour-500-Turnieren stahen an: Ab 1430 jenes im Londoner Queen´s Club, der gute alte Gilles Simon spielt gegen den noch älteren Feliciano Lopez. In Halle und auf Sky Austria versucht Roger Federer ab 1300 seinen zehnten Titel vor Ort zu holen.

DAZN – Ab 1430 kümmert sich Herbert Gogel um das Damen-Finale in Birmingham, Julia Görges spielt gegen Ashleigh Barty. Um 1530 geht es auf Mallorca um den Titel, Belinda Bencic und Sofia Kenin werden von Oliver Faßnacht begeleitet. Ab 1850 hat Guido Hüsgen die IndyCar-Serie im Blick. Und wer unbedingt schon mal Katar bei der Copa sehen wollte: Ab 2100 kommentiert Freddy Schulz das Match gegen Argentinien.

Das Erste – Ab 2100 gibt Thomas Broich den fantastischen Experten bei der U21-EM zwischen Deutschland und Österreich.

Magentasport – Ab 1745 beginnen die Meisterfeierlichkeiten des FC Bayern Basketball gegen ALBA Berlin. Michael Körner wird die weisen Worte sprechen, nebst den Experten Konrad Wysocki und Alex Vogel.

TV und Stream, 22.06.2019: Federer, Copa, Kerber

Sky – Ab 1300 gibt es die Halbfinali aus Halle, zunächst Mateo Berrettini gegen David Goffin, nicht vor 1530 dann Roger Federer gegen Pierre-Hugues Herbert. Dies kommt auf Sky Austria. Das Turnier im Queen´s Club beginnt auf Sky ab 1400.

DAZN – Tennis auch hier, ab 1230 kommentiert Herbert Gogel die Halbfinali in Birmingham, Julia Görges bestreitet das zweite Match gegen Petra Martic aus Kroatien. Oliver Faßnacht hat dann die beiden Semifinal-Matches auf Mallorca, Angelique Kerber gegen Belinda Bencic nicht vor 1700. Wer die Brasilianer bei der Copa America sehen möchte, der darf um 2100 Marcel Seufert beim Spiel gegen Peru lauschen.

Dirk Nowitzki – Der Dunking Deutschman

Mitarbeiter des Tages, 19. Juni 2019: Dirk Nowotzki

Von Sascha Staat

Was schreiben über jemanden, über den jedes Wort schon verloren wurde? Sicher kein leichtes Unterfangen. Zweifelsohne ist Dirk Nowitzki einer der größten Sportler, den Deutschland je gesehen hat. Gleichzeitig ist er einer der größten Spieler in der Geschichte seiner Sportart. Heute feiert der “Dunking Deutschman” seinen 41. Geburtstag. Vor einigen Wochen ist seine beeindruckende Laufbahn zu Ende gegangen. Glückwunsch, zu beidem.


Um die Eingangsfrage zu beantworten: Vielleicht ein paar Worte aus der eigenen Erinnerung in Verbindung mit dem todsicheren “rookie of the year”? Das war jedenfalls damals meine Hoffnung, als Don Nelson (ein damaliger Trainer) einst Ende der 90er Jahre großspurig ankündigte, dass der “Germinator” bestimmt zum besten Liganeuling gewählt werden würde. Ganz knapp reichte es nicht. Nelson hatte mich angelogen. Was für eine Enttäuschung.

Zurück zu den Wahrheiten: Die Vorfreude auf sein NBA-Debüt war jedenfalls riesig und nach dem Streik meinte es der Spielplan besonders gut, denn der gute Dirk dürfte gegen den damals noch besseren Detlef Schrempf ran. Das Duell der Generation war keines. Nowitzki machte zwei Punkte, per Freiwurf. Dafür war ich extra aufgeblieben, um Himmels Willen, würde es im Desaster enden? Was dann passierte ist bekannt, es lief recht solide.

Alle, die sich im Ansatz für Basketball interessieren wissen, was alles folgte. Etliche Nominierungen für das NBA All-Star Game, Medaillen mit der Nationalmannschaft, MVP-Auszeichnungen bei der EURO Basket, der WM und für die Regular Season der NBA, aber keine Titel. Dazu eine bittere Pleite im Finale 2006 mit den Dallas Mavericks gegen die Miami Heat. Nowitzki hatte zu diesem Zeitpunkt fast alle Höhen und Tiefen erlebt, nur der ganz große Triumph fehlte noch.

Als Fan kann das schon ziemlich hart sein. Während sich überall woanders in der Liga mindestens zwei Superstars fanden, um eine bärenstarke Truppe zum Titel zu führen, war das eigene Idol immer auf sich alleine gestellt. Als es dann soweit war hing ich in Italien fest, bei guten Freunden zu Besuch. Aber wie jetzt das sechste Spiel der Finalserie 2011 schauen? Wie der Zufall so wollte waren schlaue Mobiltelefone damals ein Trend, vor dem auch ich mich nicht verschließen konnte.

Back Camera

Der NBA Daily Pass für wahrscheinlich viel zu teures Geld machte es dann möglich. Dann das wirklich spektakuläre Comeback der Mavs, Dirk rennt in die Kabine, ist Champion, MVP der Finals, hat es allen gezeigt. Bodenständig, fleißig, volksnah. Und jetzt der Beste, mit einem Team aus Veteranen wie Shawn Marion oder Jason Kidd. Grund genug um völlig durchzudrehen und darauf zu hoffen, dass die Legend im Herbst auch wieder das DBB-Trikot trägt.

Die Basketball-EM fand 2011 in Litauen statt. Da könnte man hin, denken ich ein sehr guter Freund und ich. Gesagt, getan. Flug nach Riga, von dort per völlig wildem Shuttle-Bus nach Šiauliai, in der Gruppe sind Topspieler wie Tony Parker oder Milos Teodosic dabei. Und Dirk. Dass der am Ende seiner Kräfte ist spielt da keine Rolle mehr. Hauptsache ich war mal dabei, wie der vielleicht beste deutsche Einzelsportler aller Zeiten auf dem Court stand.

Es war der Höhepunkt, dieser Sommer 2011, für alle Fans von Dirk Nowitzki. Alles, was danach kam, war Zubrot. Die Meilensteine, die Anerkennung und der Respekt. Die Talente, die alle so sein wollten wie er, groß, beweglich, treffsicher. Er hat den Basketballsport mit seiner Spielweise verändert, überall auf der Welt. Der Junge aus Würzburg, Germany. 21 Jahre in der NBA, bei einer Franchise. Einzigartig. Und einzigartig bemerkenswert. Alles Gute, Dirk, zum ersten Geburtstag als Rentner!