Diese Woche… bei Rot-Weiss Köln, KW 47

Von Markus Lehnen

Ab in die Halle
Wie versprochen melde ich mich nach einer kleinen Pause zurück mit meinem Blog rund um den Kölner Tennis und Hockeyverein. Unzweifelhaft hat mittlerweile der Herbst in Deutschland Einzug gehalten. Es wird also Zeit sich ins Warme zu begeben. Und so geht es auch für die Hockeyspieler und Spielerinnen in die Halle.
Während viele Teams von Rot- Weiss, wie verschiedene Jugendmannschaften oder die 2. Mannschaft der Damen, bereits wieder den Punktspielbetrieb aufgenommen haben, befinden sich die Mädels und Jungs der 1. Mannschaften noch mitten in der Vorbereitung auf die Hallenhockey Bundesligasaison, die am Wochenende des 30.11/1.12. startet. Es wird fleißig trainiert und auch verschiedene Testturniere, wie letztes Wochenende beim Bonner THV, finden statt. Wenn man also am Wochenende in Müngersdorf ist, z.B. bei einem ausgiebigen Herbstspaziergang, lohnt es sich immer mal bei der Halle von Rot- Weiss vorbeizuschauen. Die Chance, dass dort gerade ein Spiel stattfindet ist durchaus groß. Wer sich genauer informieren möchte, sollte die Facebookseite von Rot- Weiss verfolgen, auf der u.a. einzelne Testpartien angekündigt werden.https://www.facebook.com/KTHC.RWK/

Ich werde es erst zum Saisonauftakt in die Halle schaffen, aber netterweise haben mir die Trainer der 1. Mannschaften, Markus Lonnes (Damen) und Andre Henning (Herren) 4 Fragen zur Hallensaison beantwortet. Diese Antworten werde ich vor allem nächste Woche in die beiden Saisonausblicke für die 1. Mannschaften einfließen lassen. Vielen Dank an Herrn Lonnes und Herrn Henning aber bereits jetzt für die Auskünfte!

Hallenhockey
Aber zunächst einmal möchte ich mich mit den Unterschieden zwischen Feld- und Hallenhockey beschäftigen. Im Grunde, so bestätigte es mir auch Markus Lonnes, ist Hallenhockey eine völlig andere Sportart als Feldhockey. Gespielt wird in der Halle mit Banden, der Ball darf nicht hoch gespielt werden, außer es handelt sich um einen Torschuss im Schusskreis. Gespielt wird mit 6 Spielern inklusive Torwart über 2 mal 30 Minuten. Da die Tore dieselbe Größe haben wie beim Feldhockey, ist Hallenhockey erheblich torreicher und meiner Meinung nach auch etwas kurzweiliger als die klassische Variante auf dem Feld. Den Torhütern kommt eine wichtigere Rolle zu, als dies auf dem Feld ist.

Als Zuschauer ist man näher am Geschehen und gerade für Laien ist das Spiel verständlicher als die klassische Variante, da man mehr sieht und mehr vom Spiel an sich mitbekommt. In der Halle gibt es spezielle Schläger, der Ball ist etwas leichter und auch die Schuhe unterscheiden sich vom klassischen Noppenschuh, der auf dem Feld verwendet wird. Laut Andre Henning ist das Spiel etwas taktischer. Die Bande kann als zusätzlicher “Mitspieler” benutzt werden und Strafecken führen in deutlich größerer Zahl als draußen zu Toren. Da der Ball nicht hoch gespielt werden darf, ist es möglich mit ein sogenanntes Brett mit dem Schläger zu legen, welches Angriffe des Gegners unterbinden kann.

Anfangs wurde Hallenhockey benutzt um in Mitteleuropa, vor allem aber in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die Winterzeit zu überbrücken. Die große Hockeynation Niederlande hat z.B. keinen eigenen Ligabetrieb im Hallenhockey und die Nationalmannschaften sind weit weniger erfolgreich, als auf dem Feld. Österreich wiederum, auf dem Feld eher hintendran wie auch die jüngste Olympiaqualifikation zeigte, ist in der Halle amtierender Weltmeister bei den Herren und auch bei den Damen immer wieder vorne dabei. So wurde das österreichische Damenteam mit der Rot- Weiss Spielerin Julia Busch z.B. 4. bei der Hallenhockey Weltmeisterschaft 2015.

Mittlerweile erfreut sich die Hallenvariante aber auch in Osteuropa größerer Beliebtheit, weswegen es international auf Nationen wie Tschechien, Weißrussland und Russland zu achten gilt.
Reine Spezialisten gibt es allerdings nicht. Die Teams treten in der Halle zu großen Teilen mit denselben Spielern und Spielerinnen an, die auch auf dem Feld spielen. Allerdings ist der Kader etwas kleiner, und gerade im olympischen Jahr hat bei den Nationalspielern und Spielerinnen die DHB Auswahl klare Priorität. So muss man diese Hallensaison leider größtenteils auf  die Danas und Honamas verzichten, dafür erhalten andere Akteure mehr Spielzeit. In der letzten Hallenspielzeit machte z.B. bei den Herren Thies Prinz auf sich aufmerksam, der im Sommer mit der Nationalmannschaft U21 Europameister wurde und mittlerweile auch für die A- Nationalmannschaft nominiert wurde.  Da Rot- Weiss einen großen Fundus an jungen Spielern und Spielerinnen hat, muss man sich auch ohne die Nationalspieler/innen keine Sorgen um die Saison der Kölner machen.
Im Januar finden sowohl bei den Herren, wie auch bei den Damen, Europameisterschaften statt. Das Herrenturnier, bei dem die deutsche Mannschaft vor allem mit Perspektivspielern auflaufen wird, findet vom 17.-19. Januar in Berlin statt. Die Damen spielen vom 24.- 26. in Minsk ihren Titelträger aus.


Hallenhockey Bundesliga Modus
Erst einmal eine Enttäuschung: In der Halle geht es nicht gegen Hamburger Teams, ich muss mir also zwingend einen neuen Running Gag einfallen lassen 😉
Gespielt wird in 4 Divisonen, mit jeweils 6 Teams im Norden, Westen, Osten und Süden. Rot- Weiss spielt logischerweise in der Westdivision und zwar bei den Damen gegen den Düsseldorfer HC, Uhlenhorst Mülheim, Club Raffelberg (Duisburg), Bonner THC und den Crefelder HTC. Die Herren messen sich mit dem Düsseldorf HC, Uhlenhorst Mülheim, dem Crefelder HTC, dem Gladbacher HTC und Blau- Weiss Köln. Es wird also bei den Herren 2 waschechte Kölner Derbys in der Halle geben.

Die beiden besten Teams einer jeden Division bestreiten das Viertelfinale, wobei der jeweils 1. Heimspiel gegen den 2. der Überkreuzdivision besitzt. Die 4 Sieger aus dem Viertelfinale bestreiten am 8. und 9.2. 2020 das Final 4 in der Scharr Arena von Stuttgart. Die jeweils letzten einer Division steigen ab.
Für die Teams nehmen also im Winter die Reisestrapazen etwas ab, dennoch ist die Saison durchaus knackig, werden doch mindestens 10 (im besten Fall 13) Spiele in knapp 2 Monaten bestritten, plus eine EM für einige Spieler und Spielerinnen.

Rot- Weisse Nationalmannschaften
Nach der erfolgreichen Qualifikation geht es jetzt direkt weiter  mit der Olympiavorbereitung für die deutschen Nationalmannschaften der Damen und Herren. Die Damen begeben sich mit dem neuen Co- Trainer Teun de Nooijer, seinerseits Hockeylegende, auf einen Lehrgang ins sommerliche Argentinien. Vom 25.11.- 8.12. sind unter anderem die Rot- Weiss Spielerinnen Rebecca Grote, Emma Boermans, Nike Lorenz, Cecile Pieper, Julia Sommer und Pia Maertens in Südamerika, um sich den ersten Schliff in Richtung Tokio 2020 zu holen.
Bei den Herren nominierte der neue Bundestrainer Kais al Saadi unter anderem die Rot- Weiss Spieler Victor Aly, Jonas Gomoll, Mats Grambusch, Tom Grambusch, Johannes Große, Timur Oruz, Thies Prinz und Christopher Rühr in seinen 32 Mann Kader für einen Lehrgang vom 24.11.-2.12. in Mannheim.
Insgesamt 14 Spieler und Spielerinnen vom Rot- Weiss gehen also auf Länderspielreisen. Eine durchaus stolze Zahl für die Domstädter.

Wie es weitergeht
Nächste Woche folgen dann die Vorschauen auf die Hallensaison der 1. Damen und der 1. Herren der Rot- Weissen Kölner. Bereits in knapp 2 Wochen, am 1.12. geht es dann für die Damen bereits los mit dem ersten Saisonspiel. Anpfiff gegen den Crefelder HTC wird  um 12 Uhr sein. Dann werde auch ich wieder vor Ort sein, so langsam wird es auch langweilig so ohne Livehockey am Wochenende.
Bis dahin, wie immer sportliche Grüße

Markus Lehnen

Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 46

von Patricia Seiwert

Zuhause ist es am schönsten

Gerade an Tagen wie diesen, an denen ein beißender Wind den Bäumen die letzten bunten Blätter von den Ästen weht, Spaziergänge durch die vom Nieselregen nassen Straßen nur mit Schal und Mütze erträglich sind und der Winter bereits den ersten Fuß in die Tür gesetzt hat, sagt man sich unverhältnismäßig oft: Zuhause ist’s doch am schönsten!

Genau das dürfte auch das Mindset beschreiben, mit dem die Frankfurter Eintracht zuletzt ihre Spiele bestritt. Eine klare Auswärtsschwäche zeichnete sich über die bisherige Saison hinweg ab und auch diese Woche sollte diese kein Ende finden. Die Euphoriewelle erreichte die Frankfurter nach dem 5:1 Kantersieg gegen den FC Bayern München zwar in voller Wucht, diese vermochten es aber nicht, auf ihr zu reiten und sollten alsbald vom kühlen Nass erwischt werden.

Von tragischen Figuren und noch tragischeren Schiedsrichtern

Die Tage der Ernüchterung sollten am vergangenen Donnerstag im belgischen Lüttich ihren Anfang nehmen. Dort reiste Eintracht Frankfurt an, nicht so aber die dazugehörigen, sonst so treuen Anhänger. Denen war es nämlich nicht nur wegen der verhängten Auswärtssperre verboten, das Spiel im Stadion zu verfolgen, auch die Stadt durften die reiselustigen Fans nicht betreten.

Doch die vielen Zuhausegebliebenen, die das Spiel am Bildschirm verfolgten und die wenigen, die sich doch undercover im Stadion befanden, bekamen alles andere als eine glanzvolle Partie zu sehen. Noch kürzlich machte Adi Hütter auf einer Pressekonferenz deutlich, seine Mannschaft könne nicht alle drei, vier Tage ein Feuerwerk abbrennen.

 

Selten wurde diese Aussage mehr gestützt, als durch die Diskrepanz zwischen der Leistung gegen Bayern und der Leistung an diesem Europapokalabend.

Lange Zeit gab diese Partie nichts her. Sie dümpelte so vor sich hin, vor einer Kulisse, von der einige mehr erwartet hatten, wurde doch das Lütticher Publikum im Vorfeld nicht selten als sehr leidenschaftlich angepriesen.

Selbst der Führungstreffer in der 56. Minute, den Standard Lüttich, wie sollte es anders sein, durch einen Standard erzielte, brachte nicht zwingend mehr Zug ins Spiel. Zwar glich die Eintracht keine 10 Minuten später durch Kostić aus, der einen direkten Freistoß verwandeln konnte, das war es aber auch mit den Highlights bis hier hin. Nachdem die Zeit ohne weitere große Geschehnisse verstrich und die Uhr 90 gespielte Minuten anzeigte, ging es in die vierminütige Nachspielzeit. Zu diesem Zeitpunkt war in vielen Köpfen bereits der 1:1 Endstand besiegelt. Scheinbar auch in denen der Frankfurter Abwehrreihe und genau das wurde den Hessen in Minute 90+4 zum Verhängnis. Hinteregger ging mit seinem Gegenspieler nicht ins Kopfballduell, sodass dieser einen langen Ball auf den anschließenden Torschützen Lestienne ablegen konnte, zu dem sowohl Hasebe als auch Abraham einen zu großen Abstand hatten.

In letzter Minute sicherte sich Lüttich also den Sieg.

Für die Frankfurter ist dies nicht zuletzt deshalb so bitter, weil Filip Kostic den 2:1 Führungstreffer vor dem Gegentreffer auf dem Fuß hatte, die tragische Figur dieses Abends den Schuss aber komplett verzog und im Gegenzug dann der Konter auf die in Gedanken bereits in der Kabine verweilende Frankfurter Abwehr zurollte.

Das Endergebnis sorgte aber nicht nur für Aufregung, weil die Eintracht somit in der Gruppe auf Platz 3 abrutschte, sondern auch, weil Lüttich seit der 64. Spielminute zu zehnt hätte auf dem Platz stehen müssen. Laifis zog nämlich die Notbremse gegen Rode. Obwohl dieser der letzte Mann war, sah der Zypriot aber keine rote Karte.

Selbst wenn der Schiedsrichter seine rote Karte vergessen hätte, hätte es gereicht, wenn er ihm die gelbe gezeigt hätte, denn besagter Spieler war bereits verwarnt. Aber auch dies passierte bezeichnenderweise nicht. Ad absurdum wurde die ganze Situation spätestens aber dann geführt, als der Unparteiische auch noch dem falschen Lüttich-Spieler die gelbe Karte zeigte. Dieser hatte scheinbar die Planlosigkeit des offensichtlich überforderten Schiedsrichters erkannt und sich prompt als der Schuldige ausgegeben, um seinen vorbelasteten Teamkollegen vor einem Platzverweis zu schützen.

Völlig zurecht regten sich nach dem Spiel nicht nur die Fans, sondern auch Trainer Hütter über diese kuriosen Geschehnisse auf. Denn nach den verbleibenden 25 Minuten in Unterzahl, hätte es Standard Lüttich vermutlich nicht mehr geschafft, den Last-Minute-Siegtreffer in dieser Form herauszuspielen.

Der Eintracht bleibt nun die Erinnerung an einen gebrauchten Abend und immerhin die Chance, es drei Tage später in der Bundesliga gegen den SC Freiburg besser zu machen.

Ein wortwörtliches Kampfspiel

Doch auch diese Chance sollte vertan werden. Mit einem Sieg gegen den SC Freiburg hätte Eintracht Frankfurt die Gelegenheit gehabt, die Länderspielpause auf Platz 4 der Tabelle zu verbringen. Dies sollte gegen die Breisgauer aber nicht gelingen.

Obwohl die Gastgeber bisher eine überraschend starke Saison spielen, konnten sie gegen die Adler vom Main nicht gewohnt stark aufspielen. Die Eintracht lieferte zwar auch hier keine Leistung, bei der zahlreiche Kinnladen der Schwerkraft zum Opfer fallen würden, arbeitete aber dennoch solide gegen die Stärken der Freiburger.

Auch diese Partie lieferte nicht allzu viele Wow-Momente. Zwar gab es auf beiden Seiten die ein oder andere Torchance, diese wurden aber nicht verwandelt. Umso unnötiger war demnach das, was sich kurz vor dem Pausenpfiff ereignete.

Gelson Fernandes, der bereits gelb vorbestraft war, setzte gänzlich ohne Not zur Grätsche an und traf dann zu allem Übel auch noch nicht den Ball, sondern seinen Gegenspieler. Völlig zurecht, sah er für diese Aktion Gelb-Rot und völlig zurecht, regten sich alle auf, die es mit der Eintracht halten.

Es kündigte sich über die Halbzeit hinweg bereits an, dass Fernandes an diesem Abend wohl kaum die 90 Minuten zu Ende spielen würde, weshalb Hütter vielleicht vorsichtshalber lieber einen frühen Wechsel in Erwägung hätte ziehen sollen. Gleichzeitig war bis zur Pause aber zum Zeitpunkt des Platzverweises nicht mehr lange zu spielen und von einem erfahrenen Spieler wie Fernandes erwartete man sicherlich auch, dass dieser sich in die Halbzeit retten kann, bevor ihn dann ein frischer Spieler ersetzen kann. Dazu sollte es aber nicht kommen und so musste die Frankfurter Eintracht die zweite Halbzeit dezimiert bestreiten. ???

Dies gelang ihr gut. Sehr gut sogar. Denn auch mit einem Mann weniger war die Eintracht am Sonntagabend in Freiburg die deutlich bessere Mannschaft. Dennoch schaffte sie es, wie schon so oft in der laufenden Saison, nicht, ihre Überlegenheit in Tore umzumünzen. Wie es im Fußball scheinbar ungeschriebenes Gesetz ist, geht dann die andere Mannschaft in Führung und so erzielte Nils Petersen in der 77. Minute das erste und einzige Tor dieser Partie.

Doch nicht die Partie bis zur 90. Minute ist es, die danach in aller Munde war, sondern die Nachspielzeit, in der ein Ball ins Aus ging – laut Freiburger Hymne eine Sache, die nie hätte passieren dürfen, denn dort geht, dem Liedchen zufolge, kein Ball ins Aus. Ging er aber nun mal doch.

Freiburg-Trainer Streich, dessen Mannschaft knapp führte, stoppte diesen Ball nicht, machte sogar noch einen Schritt nach rechts und stellte sich damit in den Laufweg von David Abraham, dessen Plan es war, den Einwurf schnellstmöglich auszuführen. Ehe er sich versah, wurde er auch schon vom heranpreschenden argentinischen Heißsporn, inklusive Bodycheck, umgerannt. So die Kurzfassung der anschließend viel diskutierten Geschehnisse.

Die Erkenntnisse hieraus sind, ebenfalls kurzgefasst, dass selbst jemand, der abseits des Platzes der vorbildlichste Mensch sein mag, im Eifer des Gefechts verständlicherweise auf seinen Vorteil bedacht ist und aus solchen Gegebenheiten heraus eventuell nicht immer auf die sportlichste Art und Weise handelt. Aber auch, dass dies keineswegs rechtfertigt, diesen jemanden anzurempeln, umzureißen oder, wie in dieser Aktion, nach allen Regeln der Kunst wegzuchecken.

Glücklicherweise kam niemand zu Schaden und alle Parteien vertrugen sich nach Abpfiff der Partie schnell. Neben Abraham sah auch der zu diesem Zeitpunkt bereits ausgewechselte Grifo zurecht die rote Karte. Dieser stürmte nach dem Rempler gemeinsam mit seinen Teamkollegen auf den Frankfurter Kapitän zu und fasste diesem ins Gesicht.

Sowohl Abraham als auch Grifo wurden also für ihr Fehlverhalten bestraft, wobei Abraham sicherlich noch mit einer längeren Sperre zu rechnen hat.

Böses Blut gibt es letztendlich aber auf keiner der beiden Seiten, nachdem Entschuldigungen ausgetauscht und klärende Gespräche geführt wurden.

Aus der Sicht der Eintracht doppelt bitter war die Szene deshalb, weil sie das Spiel beendete. Hätte Abraham es geschickt angestellt und wäre Streich trotz dessen kleinen Schrittes nach rechts ausgewichen, hätte er den Ball zurück ins Spiel befördern können und die Frankfurter hätten zumindest noch eine letzte Chance gehabt, an diesem kalten Novemberabend irgendwie noch den Ausgleich zu erzielen.

Zeit zum Durchatmen

Nun steht die Länderspielpause an, in denen sich die Gemüter der Spieler, Trainer, Fans und Medien beruhigen können.

Nach zwei Niederlagen aus zwei Partien muss es die Eintracht schaffen, diese enttäuschende Woche als das abzuschließen, was sie eben war: eine Woche, in der wenig bis gar nichts gelingen sollte und in der auch das Quäntchen Glück fehlte, das im Fußball mitunter benötigt wird.

Die Pause wird sicherlich dazu genutzt werden, die Köpfe wieder freizubekommen. Denn vor der Winterpause stehen noch wichtige Wochen für die Adlerträger an. Nach der Niederlage in Lüttich steht der Einzug in die K.o.-Phase der Europa League auf der Kippe, sodass den Spielen gegen Arsenal und Guimarães eine hohe Bedeutung zukommt.

Auch in der Bundesliga wurde es versäumt, die Länderspielpause auf einem Champions-League-Platz zu verbringen. In der immer noch engen Tabelle steht Eintracht Frankfurt auf Platz 9 und empfängt in zwei Wochen mit dem VfL Wolfsburg den punktgleichen Tabellennachbarn. Eine unbequeme Aufgabe, auch, weil sich Spiele gegen die Werkself für die Frankfurter traditionell oft schwierig gestalten.

Dennoch darf und muss diese Aufgabe mit positiver Einstellung angegangen werden, nicht zuletzt, weil der Austragungsort im Frankfurter Stadtwald im bisherigen Verlauf der Saison ein überwiegend glückliches Pflaster für die Hessen war.

Diese Woche… bei Hertha BSC, KW 45

Von Chris Butzke

Nicht wütend, nur enttäuscht…

Schlusspfiff in Köpenick! Die Blicke der Spieler im blau-weißen Dress richten sich nach unten. Die erste Runde im Berliner Stadtderby wurde zu einer einzigen Enttäuschung. Die Leistung hatte am Ende einfach keinen Punkt verdient. Vor der Partie wurde von Spielern und Offiziellen betont, dass man um die Wichtigkeit des Derbys weiß, doch hatte man als Zuschauer zu keiner Zeit das Gefühl, dass Hertha das Spiel gewinnen wollte. Gegen den Aufsteiger vermisste man jegliche Spielkontrolle. Union stellte die Mannschaft von Ante Covic mit simplem Anlaufen bereits in der Herthaner Hälfte vor eine scheinbar unlösbare Aufgabe. Lange, planlose Bälle waren die Folge, ein durchdachter Spielaufbau war nicht existent. Es wirkte so, als wollte man um jeden Preis einen Rückstand vermeiden, auch wenn es auf Kosten der eigenen Offensive geht. Man spürte die Angst vor Fehlern, wie man sie diese Saison bereits oft erleben musste. Es fehlte die Bereitschaft, etwas in die Offensive zu investieren. Das Personal ließ mit Dilrosun, Wolf, Lukebakio und Ibisevic eigentlich den Schluss zu, dass es schnelle Umschaltmomente geben wird und man so zu Abschlüssen kommt. Die Realität war eine andere. So bleibt es ein enttäuschender Abend, der Fans durchaus Grund zur Sorge geben sollte. Wie schon unter Ex-Coach Dardai scheint die Mannschaft in Drucksituationen nicht zu funktionieren. Wann immer die Möglichkeit bestand, mit einem Sieg in den Kampf um die internationalen Plätze einzugreifen, verkrampfte die Mannschaft. Dieses Phänomen zeigte sich auch gegen Union und lässt die Frage zu, ob es der Mannschaft an mentaler Qualität fehlt. Spielerisch ist Hertha in der Lage, sich gegen fast jeden Gegner Torchancen zu erarbeiten. Sobald aber auch nur der kleinste mediale Druck auf das Team wirkt, bricht man ein und das sowohl unter Dardai als auch unter Covic.

Für das Fanherz macht es aber einen Unterschied, ob man erneut als Tabellenzehnter den Sprung in das obere Tabellendrittel verpasst oder man in einem Spiel gegen den gerade aufgestiegenen Stadtnachbarn kämpferisch, spielerisch und taktisch unterlegen ist. Die Niederlage schmerzt und hinterlässt eine Leere, die wohl lange nicht gefüllt werden kann. Zu groß ist die Enttäuschung, die man durchleben muss und zu groß sind die Zweifel an eine Verbesserung in den kommenden Spielen. Hertha hat es verpasst, für Optimismus für die Saison 2019/20 zu sorgen. Die allgemeine Erwartungshaltung war nicht utopisch. Eine spielerische Weiterentwicklung bei einem gesicherten Mittelfeldplatz und die Berliner Stadtmeisterschaft sollten es sein. Mit 11 Punkten orientiert man sich zurzeit Richtung unteres Tabellendrittel, jedoch kann das Team durchaus mit offensivem Fußball für spannende Duelle sorgen, die Niederlage gegen Union bringt die Saisonziele in akute Gefahr. Im Rückspiel muss die Mannschaft sich endlich der eigenen Stärke und dem offensiven Potential bewusst werden und darf sich nicht über 90 Minuten verstecken. Denn noch mehr Enttäuschungen haben die Hertha-Fans eigentlich nicht verdient.

Und die Hertha-Fans sind auch ein gutes Stichwort, denn die schwache Leistung der Mannschaft wird von den Geschehnissen auf den Rängen überschattet. Man kann über Pyro-Technik im Fanblock denken, was man möchte, jedoch sind abgefeuerte Raketen, die unkontrolliert durch das Stadion fliegen, ein absolutes No-Go.  Diese Entgleisungen gehen wohl auf das Konto der Ultra-Gruppierung „Kaliber 030“ und werfen ein schlechtes Licht auf die komplette Hertha-Fanszene. Der Verein distanziert sich von den Ausschreitungen und sieht die Übeltäter nicht als Hertha-Fans an, doch ist es mit dieser Einstellung wirklich getan? Sollte man aus Sicht der Verantwortlichen das Problem nicht erkennen und lieber nach einer Lösung suchen? Wie auch schon während der Fußball-Partie hat Union die Nase vorn. Im Interview mit radio1 bezeichnete ein Union-Offizieller auch die Fans, die über die Strengen schlagen, als Fans des Vereins. Diese Menschen schaden zwar dem Ansehen des Vereins, diese aber einfach nicht als Teil der Szene anzuerkennen, hilft niemanden weiter. Denn sie kommen auch weiterhin ins Stadion und fühlen sich dem Verein zugehörig, unabhängig davon, ob der Verein dies möchte oder nicht. Hertha versucht sich, der Verantwortung zu entziehen, statt sich der Sachlage zu stellen. So ist der Umgang mit der schwierigen Situation passend zum Umgang mit schwierigen Situationen auf dem Spielfeld.

Kein Verein ist stolz auf Bilder, wie man sie am Wochenende gesehen hat. Aber wie verhindert man dies, wenn man sich der Verantwortung einfach entzieht? Die Mannschaft, die Offiziellen und vor allem die Fans von Hertha BSC wollen dieses Stadtderby so schnell wie möglich aus den Köpfen streichen.

Eine Chance dafür bietet sich bereits am Wochenende gegen RB Leipzig. Die letzten Duelle waren nie auf Augenhöhe und gingen klar an die Sachsen. Außerdem gewann das Team von Julian Nagelsmann mal eben mit 6-1 im Pokal, 8-0 in der Liga und konnte auch das Champions League-Spiel gegen Zenit St. Petersburg erfolgreich gestalten. Die Vorzeichen sind also eindeutig und bei einer Niederlage wäre wohl niemand in Berlin überrascht. Daher kann die Mannschaft nach der blutleeren Vorstellung gegen Union ohne Druck befreit aufspielen, denn es erwartet niemand irgendwas.

Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 45

Von Patricia Seiwert

Wingardium Leviosamstag – Die Eintracht schwebt über den Platz

 War geil.

Eigentlich wäre mit diesen beiden Worten alles gesagt. Sie würden vielleicht halb Fußballdeutschland, mindestens aber allen denen, die es mit Eintracht Frankfurt halten, aus der Seele sprechen.

Da die Autorin dieses Textes ihre Aufgabe, die Geschehnisse und die Gefühlslage in Frankfurt schriftlich festzuhalten und das dabei entstandene Textstück dann in den Weiten des Internets zu verteilen, aber sehr ernst nimmt, folgen nun ein paar weitere Zeilen zu einem spektakulären Bundesliganachmittag in der Mainmetropole.

Wechselhaft war das Wetter an besagtem Samstagnachmittag. Standen vor Anpfiff der Partie noch rund ums Stadion herum zehntausende Menschen, die die sich durch die Wolken kämpfenden Sonnenstrahlen genossen, so brachen pünktlich zum Anstoß die Wolken und ein Schauer ergoss sich über den Frankfurter Stadtwald.

Beständig gut hingegen sollte die Laune der heimischen Fans an diesem Tag bleiben. Kaum einer derjenigen, die sich vor Beginn des Spiels das ein oder andere Kaltgetränk genehmigten und darüber philosophierten, wie das kurz bevorstehende Spiel gegen den FC Bayern München denn nun verlaufen könnte, hätte wohl mit dem gerechnet, was sich letztendlich ereignete.

Ein Sieg für die Bayern, die zwar zuletzt schwächelten, aber eben trotzdem noch die Bayern sind? Wahrscheinlich. Eine hart umkämpfte Partie, die am Ende keinen Sieger findet? Möglich. Ein knapper Sieg für mutig aufspielende Frankfurter? Wäre schön.

Sicher witzelte auch hin und wieder jemand darüber, dass man die Münchner in ihrer jetzigen Form doch abschießen müsse. Doch die wenigsten hätten mit dem Ergebnis gerechnet, das nach 90 Minuten auf der Anzeigetafel zu sehen war: ein 5:1 für die Heimmannschaft. Sechs Tore in einem Spiel, von denen eine ganze Hand voll aufs Konto der Adlerträger geht.

 

Schon während des Spiels bündelten sich Freude, Stolz, Erstaunen und ein kleines bisschen Unglaube in der Frankfurter Fan-Seele, während dem mitgereisten Bayern-Anhang zunächst blankes Entsetzen, am Ende aber eine resignierende Gleichgültigkeit in den Gesichtern stand.

Wie die Eintracht den deutschen Rekordmeister derart deklassieren konnte? Mit Cleverness, Spaß am eigenen Spiel, Unersättlichkeit und mit einem unerschütterlichen Selbstvertrauen, das auch nicht schwand, als die Gäste zwischenzeitlich durch ein ansehnliches Lewandowski-Tor auf 2:1 verkürzen konnten.

Sicherlich spielte den Frankfurtern auch in die Karten, dass sich bereits in der 9. Minute eine Schlüsselszene ereignete. Nachdem die ersten Minuten des Spiels eher die Gäste aus München am Drücker waren, entstand aus einer gelungenen Abwehraktion von Martin Hinteregger eine Gelegenheit zum Kontern, an deren Ende Gonçalo Paciência nur noch an Jérôme Boateng vorbeimusste, um alleine vor Torhüter Manuel Neuer aufzutauchen. Doch dazu sollte es nicht kommen. Boateng, dem es an Spielpraxis mangelt und der bei den Bayern durch die Verletzungen der Innenverteidiger Süle und Hernández quasi als Notnagel die Abwehrreihe komplettieren soll, setzte zur klärenden Grätsche an, traf dabei aber nicht das Rund, sondern den Frankfurter Stürmer.

Seine Entscheidung auf Elfmeter und gelb für Boateng, revidierte Schiedsrichter Markus Schmidt nach Eingreifen des Videoassistenten. Das Foul fand vor dem Strafraum statt und so gab es zwar keinen Elfmeter, aber rot für den Innenverteidiger des FC Bayern, der mit Paciência den letzten Mann, in dieser aus Sicht der Gäste verhängnisvollen Kontersituation, zu Fall brachte.

80 Minuten in Unterzahl standen für den amtierenden deutschen Meister nun an und obwohl aus der Freistoßsituation noch kein Tor für die Hessen entstand, sollte es sich ab hier zu einem sehr einseitigen Spiel entwickeln. Bis auf den deutlich angesäuerten Manuel Neuer, der eine noch höhere Niederlage seiner Mannschaft zu verhindern wusste und Robert Lewandowski, der durch seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 2:1 ein deutliches Lebenszeichen gab, wirkte die gesamte Mannschaft des FC Bayern München blutleer.

Quicklebendig hingegen waren zum einen das Frankfurter Publikum, dessen Selbstverständnis, die besten Fans der Liga zu sein, durch Ex-Trainer und Bayern-Trainer Niko Kovač im Vorfeld des Spiels noch einmal bestätigt wurde, und zum anderen die Jungs auf dem Rasen, die die Ränge regelmäßig so akribisch anfeuern. Mit jeder neuen Spielminute, die anbrach, sah man der heimischen Mannschaft den Spielspaß mehr und mehr an. Folgerichtig gingen die Adler in der 25. Minute durch Kostić in Führung. Ab jetzt überschlugen sich die Ereignisse. Djibril Sow baute die Führung mit seinem ersten Treffer für die Eintracht keine zehn Minuten später aus. Dieses 2:0 verdient den Titel „Perfektion“. Von der Entstehung bis hin zum Abschluss symbolisierte dieses Tor alles, was das Spiel der Frankfurter an diesem Nachmittag so ansehnlich machte, allem voran die Leichtigkeit. Hinteregger eröffnete den Spielzug mit einem Pass auf Dost. Dieser leitete den Ball in bester One-Touch-Manier auf Paciência weiter, dieser wiederum mit nur einer Berührung mit der Hacke weiter auf den nachrückenden Rode, der im gleichen Atemzug den Ball wieder für den Portugiesen ablegte. Dieser spielte nach links auf Filip Kostić ab, dessen abgefälschte Flanke Sow fand, der den Ball Volley nahm und ins Tor der Bayern knallte – eine Szene, an der sich Ästhetik-Liebhaber niemals satt sehen werden.

https://www.youtube.com/watch?v=tMnHgZcAf0s

Vor der Pause fiel nur noch der ebenfalls nett anzuschauende Anschlusstreffer durch Lewandowski, der durch eine Drehung mal ganz nebenbei drei Frankfurter an deren Strafraum stehen ließ und anschließend im Vorbeigehen einnetzte. Dies war der letzte Moment, an dem sich die Eintracht-Anhänger an diesem Nachmittag ärgern sollten.

Was in der zweiten Halbzeit folge, läuft unter dem Namen „Pure Extase“. In den verbleibenden 45 Minuten spielten sich die Frankfurter in einen Rausch.

Nur wenige Minuten nach Wiederanpfiff leistete sich Gnabry einen fatalen Ballverlust. Abraham nahm den hergeschenkten Ball dankend an, ließ ihn von Dost weiter auf da Costa verteilen, der eine Flanke hereingab, die nicht nur auf den Millimeter genau passte, sondern sich auch ganz genau so um die Abwehr herumlegte, dass Abraham letztendlich nichts anderes übrig blieb, als das 3:1 einzutüten. Spätestens jetzt waren die Bayern für diesen Spieltag endgültig gebrochen.

Und die Eintracht? Die kannte keine Gnade. Wie sagt man so schön in Frankfurt? Erbarme zu spät, die Hesse komme!

Die Innenverteidiger Abraham und Hinteregger mauserten sich zuletzt im Heimspiel gegen Standard Lüttich, als die Eintracht mit einem sehr schmal besetzten Sturm antreten musste, gewissermaßen zu Teilzeitstürmern. Nachdem der Kapitän gegen die Bayern bereits bewies, dass er vor dem Tor kein One-Hit-Wonder ist, legte nun auch Hinteregger nach. Nach einer Ecke köpfte er den Ball zum 4:1. Da war es wieder: das Frankfurter Innenverteidiger-Sturm-Duo.

Aber auch das sollte noch nicht alles an Freude gewesen sein, was den Eintracht-Fans beschert werden sollte. Nachdem die letzten Wochen die Sorge um André Silva und seine mysteriöse Achillessehnenproblematik immer weiter anwuchs, einige nicht mal mehr mit einem Hinrunden-Einsatz des vom AC Milan geliehenen Portugiesen rechneten, wechselte Adi Hütter, der offenbar noch nicht genug von seiner Offensive hatte, das Sorgenkind beim beachtlichen Stand von 4:1 ein.

Und André Silva? Der konnte zum Erstaunen vieler nicht nur rund laufen, sondern auch Tore vorbereiten. So nämlich geschehen fünf Minuten vor pünktlichem Schluss der Partie, als Silva zunächst Alaba vernaschte und anschließend seinen Landsmann und Kumpel aus Porto-Zeiten Paciência bediente, der nur noch einschieben musste. 5:1. Schlusspfiff. Ungebremste Euphorie.

Wenn die Hessen weder den Reformationstag noch Allerheiligen als offiziellen Feiertag zugesprochen bekommen, dann machen sie sich halt ihren eigenen. Denn an diesem Nachmittag passte auf Seiten der Frankfurter einfach alles: die Chancenverwertung, die Pässe, die ein schönes Kombinationsspiel ermöglichten, die Nähe zum Gegenspieler und die Aggressivität gegen den Ball, die Stabilität der Abwehrreihe, in der Hinteregger den pausierenden Hasebe in der Mitte der Dreierkette ersetzte und in der N’dicka sich endlich wieder zeigen durfte und sogleich ein exzellentes Spiel hinlegte. Auch der zuletzt häufig kritisierte Kapitän Abraham meldete sich mit einer starken Leistung zurück, die Kritiker, die ihn bereits voreilig abgeschrieben hatten, zurückrudern lassen dürfte.

Am Samstagabend waren alle Sorgen, alle negativen Gedanken wie weggeblasen. Apropos weggeblasen: Niko Kovač bot am darauffolgenden Sonntag seinen Rücktritt bei den Bayern an, woraufhin sich die Wege trennten. Fast schon ironisch, dass das Kapitel Bayern München für den Frankfurter Pokalsiegertrainer genau dort endete, wo es vor knapp über einem Jahr begann.

Böses Blut gibt es zwischen den meisten Eintracht-Fans und Niko Kovač dennoch nicht.

Die Adler haben, nicht zuletzt durch die erfolgreiche Entwicklung, die ihr Klub unter Hütter nahm, längst mit ihrem Ex-Trainer und allem Drumherum (inklusive kroatischem Fahrer) abgeschlossen.

Doch nicht alle Kapitel sind beendet. Weder das des DFB-Pokals, in dem der Eintracht für das Achtelfinale ein Heimspiel gegen RB Leipzig zugelost wurde, noch ist der Ausgang der Europa League Gruppenphase für Eintracht Frankfurt entschieden. Durch den Gegentreffer, den die Hessen beim siegreichen Hinspiel im eigenen Stadion gegen Standard Lüttich kassierten, ist das Schiff noch längst nicht im Hafen. Umso wichtiger ist es, dass trotz aller Euphorie, die nach dem vergangenen Bundesligaspieltag zurecht herrscht, die Konzentration weiterhin aufrechterhalten wird.

Um es mit Stammtischparolen zu sagen: Das Spiel in Lüttich wird ein ganz anderes als noch das Heimspiel gegen Bayern, das an einem perfekten Nachmittag eine Eigendynamik entwickelte, die ihresgleichen sucht.

Auch wenn die Belgier im Hinspiel weniger durch feinen Fußball überzeugten, spielen sie am kommenden Donnerstag im heimischen Stadion, das durchaus als gut besucht gilt. Kein einfaches Unterfangen also, besonders mit Blick auf die Auswärtssperre, die gegen die Eintracht-Fans verhängt wurde.

Das Team von Adi Hütter muss diesmal ohne das Publikum bestehen, das oftmals die rettende Pressluftflasche war, wenn die Luft auf dem Platz mal dünn wurde. Und das in einer Partie, die sicherlich hart umkämpft sein wird.

Dennoch muss und wird die Frankfurter Eintracht mit einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen nach Belgien reisen und wenn sie annähernd solch eine Leistung abrufen kann, wie am vergangenen Samstag, wird man auch nach dieser Partie in strahlende Gesichter schauen, die den Adler auf der Brust tragen.

Diese Woche… bei Fortuna Köln, KW 45

Von Josina Anraad

Aufeinandertreffen zweier Traditionsvereine

Am Montagabend empfing der S.C. Fortuna Köln im Südstadion vor 2.613 Zuschauern die Mannschaft von Alemannia Aachen. Der Trainer der Fortuna Thomas Stratos wechselte im Vergleich zur 2:0 Niederlage im Mittelrheinpokal gegen den FC Pesch auf vier Positionen. Für Lionel Salla, Kai Försterling, Dennis Brock und den rot-gesperrten Firat Tuncer standen Noe Baba, Yannick Filipovic, Jannes Hoffmann und Lars Bender auf dem Platz. Alemannia Aachen konnte im Gegensatz zu den Fortunen die Pflichtaufgabe im Pokalspiel auswärts gegen den Bezirksligisten DJK Raspo Bran souverän mit 0:5 für sich entscheiden. Vor dem Spiel sagte Stratos: „Die Alemannia ist eine selbstbewusste und laufstarke Mannschaft. Sie wird bestimmt nicht hier hinkommen und uns das Spiel machen lassen“. Trotz der Blamage im Pokalspiel hofften die Fans auf einen positiven Ausgang des Spiels, denn die Fortuna ist seit immerhin sechs Spielen in Folge in der Regionalloga West ungeschlagen. Auch Stratos gibt sich selbstbewusst: „Wir haben von der beeindruckenden Kulisse in Essen gespielt und bestanden. Da waren die Jungs auch nicht nervös.“

Temporeiche Anfangsphase

In den ersten dreißig Minuten blieb es still im Südstadion. Die Fans beider Vereine hatten vorab einen Stimmungsboykott in den ersten 30 Minuten des Spiels angekündigt, um gegen die Anstoßzeit zu protestieren. Trotz der Stille im Stadion zeigten beide Mannschaft einen guten Auftakt in die Partie mit schnellen Kombinationen und vielen Chancen. Der erste Torschuss ging auf das Konto der Gastgeber. Hamsa Salman kam mit viel Platz vorm Strafraum zum Torabschluss, doch konnte den Ball nicht gut genug platzieren, so dass es Ricco Cymer problemlos gelang, den Ball zu entschärfen (6.). Nach einer von Kai-David Bösing scharf getretenen Ecke verlängerte Patrick Salate mit dem Hinterkopf. Im Fünfmeterraum kam schlussendlich David Pütz per Kopf zum Abschluss und verfehlte das Tor um wenige Meter (11.). Bis zu diesem Zeitpunkt war dies der gefährlichste Abschluss im Spiel der beiden Traditionsvereine, die unter den Top fünf der ewigen Tabelle der 2. Fußball-Bundesliga rangieren. Im weiteren Spielverlauf fand die Partie keine Ruhe. Die Alemannia lief die Gastgeber zwar früh an, doch wie Stratos es vor dem Spiel angekündigte, hielten dieFortunen stark dagegen. Beide Mannschaften schafften es immer wieder, sich in den gegnerischen Strafraum zu kombinieren, aber trotz vieler Torabschlüsse in der ersten halben Stunde verbuchten weder die Fortuna noch die Gäste den ersten Treffer für sich.

Klare Positionierungen der beiden Fanlager

Nach 30 Minuten kam es dann zu kuriosen Szenen im Kölner Süden. Die Fan-Gruppierungen beider Vereine hoben ihren Stimmungsboykott auf und es erschallte durch hunderte von Trillerpfeifen ein ohrenbetäubender Lärm im Südstadion. Zusätzlich warfen die Fans der S.C. Fortuna Tennis- und Massagebälle vom Stehplatz-Mitte auf das Spielfeld. Mit dieser Aktion protestieren die Fanlager gemeinsam gegen das Montagsspiel, das auch von dem TV-Sender Sport1 live übertragen wurde. Die Ultras positionierten sich mit Spruchbändern wie: „Fußball ist keine Late Night Show“ und „Ausbeutung des Fußballsports stoppen! Fußball gehört den Fans! Für fangerechte Anstoßzeiten!“ klar gegen die Anstoßzeit. Auch die Fans der Gäste enthüllten ein Banner auf dem stand „Wir pfeifen auf Sport1“.

Der Schiedsrichter Christian Scheper unterbrach daraufhin das Spiel. Zwischenzeitlich war es nicht klar, ob die Partie nochmals angepfiffen wird. Die Zuschauer, die das Spiel vor dem Fernseher verfolgten, sahen zwar kurzzeitig auch die Proteste, doch anstatt diese einzuordnen oder über die Regionalliga West zu berichten, schaltete der Sender lieber ins Studio und nahm auf jede erdenkliche Weise die Trennung zwischen Bayern München und Nico Kovac auseinander. Das falsche Spiel des Senders zeigt sich besonders dadurch, dass der Kommentator des Spiels Sekunden vorher noch betonte, wie sehr kleinere Vereine doch von der Berichterstattung profitieren könnten und er friedlich Proteste zwar gut heiße, sie aber trotzdem nicht nachvollziehen könne. Im Hinblick auf diese Aussage ist es eine Farce, wenn der Sender danach wieder über den größten Verein im deutschen Fußball anstatt über die kleineren Clubs in Deutschland berichtet. Nach knapp einer Viertelstunde kamen die Mannschaften langsam wieder aus der Kabine. Das gellende Pfeifkonzert war inzwischen abgeebbt. Trotzdem sprachen die Kapitäne Alexander Heinze und Franko Uzelac noch einmal mit den Fanvertretern der eigenen Mannschaft, um die Situation zu beruhigen, da sonst ein Spielabbruch gedroht hätte.

Nach einer 16 minütigen Unterbrechung konnte die Partie schlussendlich fortgesetzt werden. Nachdem die Mannschaften wieder auf dem Platz standen, zeigte sich schnell, dass das Tempo durch die lange Verzögerung gelitten hatte. Vor dem Halbzeitpfiff  fand die Fortuna nicht wieder ins Spiel zurück, im Gegensatz zur Alemannia. Nach einem starken Dribbling von Stipe Batarilo setzte dieser sich auf der linken Außenseite bis zur Grundlinie durch und flankte auf Vincent Boesen. Der Stürmer kam im Strafraum zum Abschluss, doch ein Kölner Abwehrbein konnte die Führung gerade noch verhindern.

Großchance für die Alemannia! Batarilo dribbelt auf dem linken Flügel mit viel Tempo bis zur Grundlinie und hat dann das Aug für Boesen. Die Kölner Abwehr kann den Schuss des Angreifers aber noch kurz vor der Linie klären (45.+8). Nur ein paar Minuten später landet der Ball dann nach einer Ecke doch im Tor der Fortunen. Der Schiedsrichter ließ das Tor aufgrund eines Offensivfouls im Sechzehner nicht zählen (45.+16).

Überraschende Führung durch Owuso

Nachdem der Schiedsrichter die zweite Halbzeit anpfiff und das Spiel wieder freigab, wurde das Spiel schnell wieder unterbrochen. Diesmal war eine Feuerwerkseinlage der mitgereisten Aachen-Fans Grund für eine weitere zweiminütige Verzögerung.

Weder den Südstädtern noch den Gästen gelang es nach Wiederanpfiff, an die Leistungen aus der ersten Halbzeit anzuknüpfen. So fiel das 1:0 für die Gastgeber durch Mike Owusowie aus dem Nichts. Batarilo schaffte es nicht, am Strafraumrand den Ball entscheiden zu klären, sondern schoss dem Stürmer der Fortuna an den Oberschenkel. Der Stürmer war daraufhin im Nachsetzen weder von Batarilo noch von Salata zu stoppen, trickste Matti Fiedler mit einer Finte aus und traf den Ball links oben in den linken Winkel zu seinem ersten Saisontor (55.).

Nach der überraschenden Führung gab es zuerst keine nennenswerten Chancen. Der Spielaufbau beider Mannschaften war geprägt von Fehlpässen. Die Hausherren versuchten, die Führung zu verteidigen und stellten sich hinten rein, so dass die Aachener in der Phase die spielbestimmende Mannschaft war. Der Ausgleich durch die Gäste bahnte sich schon Minuten vorher an und folgte zwangsweise durch Marco Müller, der damit ebenfalls sein erstes Saisontor vermelden konnte. Am Ende bleibt es bei einem verdienten Unentschieden. Nachdem das Aufeinandertreffen der Traditionsvereine nun zum 43. Mal stattfand, ist dies das inzwischen 23. Remis. Der eine Punkt bringt keine der Mannschaften in der Tabelle nach vorne. Die Gäste stehen mit 20 Zählern auf dem achten Platz. Nach nun sieben Spielen ohne Niederlage steht der S.C. Fortuna mit einem Punkt weniger auf dem elften Rang.

Am 9. November wartet die nächste Aufgabe auf die Südstädter. Sie müssen auswärts gegen Aufsteiger TuS Haltern antreten.

Diese Woche… bei Rot-Weiss Köln, KW 45

Von Markus Lehnen

Rot- Weiss auf dem Weg nach Tokio
Damen Olympiaqualifikation: Deutschland- Italien 2:0 und 7:0
Es hat also geklappt! Vor jeweils gut 4000 Zuschauern im Hockeypark von Mönchengladbach hat sich die Damen Nationalmannschaft zum 10. mal in Serie für die Olympischen Spiele qualifiziert. Spielt die Gesundheit mit, werden die Rot- Weiss Spielerinnen Rebecca Grote, Nike Lorenz, Cecile Pieper, Julia Sonntag und Pia Maertens im Juli 2020 nach Tokio reisen, und hoffentlich mit Edelmetall um den Hals nach Köln Müngersdorf zurückzukehren.
Ich konnte diesmal nicht vor Ort sein, habe aber beide Spiele per Stream verfolgt. War das Spiel am Samstag mit 2:0 noch knapper, so ließen die Danas am Sonntag von Anfang an absolut nichts anbrennen. Die Rot- Weiss Spielerinnen Lorenz und Pieper stellten noch vor der 3.Minute den Spielstand auf 2:0, und damit die Zeichen früh auf Olympiaqualifikation. War Samstag noch die Strafeckeneffizienz das große Problem, konnte man am Sonntag direkt eine Eckenvariante veredeln. In der Folge waren die italienischen Gegnerinnen überfordert und die deutschen Mädels konnten das Spiel nach Belieben dominieren. Cecile Pieper traf noch zum zwischenzeitlichen 5:0, Pia Maertens konnte mit dem 7:0 die starke Leistung der Danas abrunden.

Herren Olympiaqualifikation: Deutschland- Österreich 5:0 und 5:3
Auch die Herrennationalmannschaft mit den Kölnern Mats Grambusch, Victor Aly, Johannes Große, Timur Oruz und Christopher Rühr gab sich bei der Qualifikation keine Blöße und fährt zu den Olympischen Spielen 2020 nach Tokio. Die Herren zeigten vor allem im ersten Spiel am Samstag, dass sie zurecht die klaren Favoriten im Duell mit dem südöstlichen Nachbarn waren. Unter anderen Christopher Rühr (3:0) und Timur Oruz (5:0) trafen beim nie gefährdeten 5:0 Sieg. Am Sonntag wurde es etwas wilder, gerade die Strafecken der Österreicher funktionierten erheblich besser, so dass es zu einem unterhaltsamen Schlagabtausch kam. Beim letztendlichen 5:3 konnten die Rot- Weiss Spieler Mats Grambusch (1:0) und Christopher Rühr (5:3) treffen.
Am Rande der Spiele wurde bekannt, dass Interimsnationaltrainer Markus Weise durch den Hamburger Kais al Saadi abgelöst wird, der damit das Team zu Olympia führen wird. Der 42 Jährige arbeite vorher als Chefcoach des UHC Hamburg und lässt seinen Beruf ruhen, um sich der Aufgabe als Cheftrainer der Honamas zu widmen.

Dies und Das
Insgesamt also mindestens 10 Spieler und Spielerinnen von Rot- Weiss fahren zu den Olympischen Spielen nach Tokio! Ein stolzer Wert, der vielleicht sogar noch erhöht werden kann. Wer also Lust hat die Olympioniken zu sehen, der sollte am besten schon ab Dezember zur Hallensaison nach Köln- Müngersdorf kommen. Fern der Nationalspieler/innen lohnt es sich natürlich auch alle anderen Rot- Weiss Zocker und Zockerinnen anzuschauen.
Los geht’s am 1.12. um 12 Uhr mit den Damen gegen den Crefelder HTC in der äußerst gemütlichen Sporthalle im Plus Server Sportpark. In der Woche drauf, am 7. und 8.12. steht dann jeweils ein Doubleheader mit Damen und Herren hintereinander an.
Noch ist aber etwas Zeit bis zur Hallensaison und so ist der Blog diese Woche auch etwas kürzer. Erwähnen möchte ich noch, dass es über die stets verlässliche Torfrau von Rot- Weiss, Julia Sonntag, einen Beitrag auf sportschau.de gibt. Klickt mal rein, denn an diesem Beispiel kann man wieder einmal gut erkennen, was die Spielerinnen für ihre Passion Hockey auf sich nehmen.
https://www.sportschau.de/weitere/hockey/video-von-der-zahnarztpraxis-zu-olympia-hockey-torfrau-julia-sonntag-100.html

Wie es weitergeht
Content suchen. Möglicherweise nehme ich in den nächsten beiden Wochen eine kleine Auszeit, bevor es dann direkt zur Hallensaison geht. Also nicht wundern, wenn ich nächste und übernächste Woche nicht berichte, aber aktuell gibt es eben auch nicht so viel, über das man schreiben könnte. Die letzten Spiele auf dem Feld sind gespielt, die Halle wird noch vorbereitet. Ihr werdet aber definitiv demnächst wieder von mir hören!

In diesem Sinne
Wie immer sportliche Grüße aus dem nun doch viel zu herbstlichen Köln
Markus Lehnen

Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 44, Teil 2

von Patricia Seiwert

Die zwei Gesichter Eintracht Frankfurts

Am vergangenen Mittwochabend war es soweit. Der DFB-Pokal ging auch für Eintracht Frankfurt in die nächste Runde. Die Adler landeten nach knapp 400 Kilometern Luftlinie in Hamburg, wo sich laut Banner im Stadion auch die Fans das Ziel gesetzt hatten, in der Hansestadt Schiffe versenken zu spielen.

Doch auch der Anhang des FC St. Pauli scheute keine Kosten und Mühen, um ihre Mannschaft vor Anpfiff der Partie gegen den Europa League Teilnehmer mit einer Choreo an diesem kalten Abend heiß auf den Sieg zu machen.

Angelehnt an das leuchtende, glitzernde und funkelnde Las Vegas, schmückten die Norddeutschen ihre Tribüne mit einer blinkenden Lichterkette, goldglänzenden Fähnchen inklusive Konfetti und einer Nachstellung des berühmten „Welcome to Fabulous Las Vegas“ Schildes mit Sankt Pauli Schriftzug.

Dass sich die Energie von den Rängen aber zu Spielbeginn auf die Frankfurter Spieler überträgt, denen imposante Choreos aus dem eigenen Stadion bereits bestens bekannt sind, statt auf die eigene Mannschaft, das war von den Sankt Paulianern sicherlich nicht so geplant.

Von Anfang an dominierte die Eintracht, die an diesem Abend ordentlich rotierte und gleich fünf neue Spieler im Vergleich zum Spiel in Mönchengladbach auf den Platz schickte, den Zweitligisten klar. Folgerichtig fiel auch das 1:0 für die Frankfurter früh. Hinteregger durfte ganz unbedrängt eine Flanke aus dem Halbfeld auf den rechtzeitig zum Pokalspiel genesenen Bas Dost schlagen, der diese mit dem Kopf bereits in der 4. Minute gekonnt im Tor der Gegner unterbrachte.

Und die Führung sollte schnell ausgebaut werden. 12 Minuten später klingelte es erneut im Kasten der Gastgeber. Der Torschütze? Wieder Bas Dost. Nach einem perfekten Pass von Kohr, eilte der Niederländer der Abwehrreihe in ihrem Rücken davon und lupfte den Ball gekonnt über Torwart Müller, ohne sich vom seitlich zu einer Grätsche ansetzenden Abwehrmann aus der Ruhe bringen zu lassen. Lässig wäre untertrieben.

Nach einer knappen viertel Stunde führte die Eintracht also schon relativ komfortabel mit 2:0, in einem Spiel, das sie vollends unter Kontrolle zu haben schien. Doch wer sich zu diesem Zeitpunkt auf einen entspannten Fußballabend gefreut hat, dem sollte der weitere Verlauf der Partie gehörig eine Lektion erteilen.

Kurz vor dem Ende der 1. Halbzeit folgte der Schock für die Adler. Hinteregger bekommt im eigenen Strafraum den Ball an die Hand. Dies zwar aus gefühlt 5 Zentimetern Entfernung inklusive Bein des Gegenspielers, aber da sein Arm sich über seiner Schulter befand, spielen all diese Umstände laut neuer Handregel– wenn man denn von einer Regel sprechen will, hat man doch in letzter Zeit häufiger das Gefühl, niemand inklusive der Schiedsrichter weiß so recht, wann etwas als Handspiel zählt und wann eben nicht – keine Rolle. So schrillte die Pfeife des Unparteiischen, um den Gastgebern einen Strafstoß zuzusprechen. Der am Punkt angetretene Sobota erzielte den Anschlusstreffer für den FC St. Pauli und spätestens jetzt war der Zweitligist wieder voll im Spiel.

Scheinbar hinterließ das Gegentor bei den Frankfurtern Spuren, denn nach der Halbzeit kam eine Mannschaft aus der Kabine, die wie ausgewechselt erschien und das, obwohl mit Abraham für den am Knie angeschlagenen Hinteregger und mit da Costa für Chandler lediglich zwei positionsgetreue Wechsel stattfanden. Verflogen waren die Dominanz und die Sicherheit, die die Hessen über weite Teile der ersten Hälfte noch ausstrahlten und damit auch der Zug zum Tor. Keine nennenswerte Aktion vor dem gegnerischen Tor brachten die Gäste zustande, dafür witterten die St. Paulianer ihre Chance.

Immer wieder tauchten sie, eingeladen durch Frankfurter Ungenauigkeiten, vor Rönnows Tor auf, schafften es jedoch nicht, mehr aus ihren Möglichkeiten zu machen – zum Glück der harmlosen Frankfurter. Nach einer sehr zerstreuten Phase schafften die Gäste es zumindest, die Abwehr weitestgehend zu stabilisieren, sodass die ständigen Offensivbemühungen St. Paulis im Nichts versandeten. Entlastung nach vorne schafften die Adlerträger jedoch bis zum Schlusspfiff keine mehr.

So blieb es letztendlich beim 2:1 für die Frankfurter Eintracht und die Zuschauer, die in letzter Zeit zwar gewohnt waren, dass häufiger mal eine Halbzeit, vorzugsweise die erste, verschlafen wird, waren an diesem Abend dennoch von der starken Diskrepanz der beiden Spielhälften verwundert, wenn nicht sogar schockiert.

Das Auftreten in der zweiten Halbzeit war kein verwaltendes Kräftesparen im Stil einer Topmannschaft, auch wenn man sich das als Fan sicherlich gerne einreden würde. Die Eintracht kann von Glück sprechen, dass St. Pauli nicht in der Lage war diesen Leistungsabfall auszunutzen, dass die eigene Abwehr dann doch meist souverän agierte und dass Dost, der in der zweiten Hälfte genauso wie der eingewechselte Paciência vergeblich auf Bälle hoffte, zu Beginn des Spiels die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor ins Spiel der Frankfurter zurückbrachte, die zuletzt vermisst wurde.

Dennoch muss den Frankfurtern zu Gute gehalten werden, dass sie ein derartig kippendes Spiel letztendlich doch erfolgreich über die Bühne bringen konnten und das Ziel, nämlich den Einzug ins DFB-Pokal-Achtelfinale, erreicht haben. Vor nicht allzu langer Zeit waren es nämlich genau solche Spiele, die die Eintracht nicht über die volle Spielzeit bringen konnte.

Die Freude über das Weiterkommen ist trotz aller Strapazen riesig. Einzig die Verletzungssituation bereitet jenen, die es mit den Hessen halten, Bauchschmerzen. Zwar kehrte Bas Dost zurück aufs Spielfeld, jedoch fehlte diesmal Filip Kostić mit Knieproblemen. Es bleibt zu hoffen, dass nichts Schwerwiegenderes vorliegt, ist der Serbe doch einer der Grundpfeiler im Frankfurter Spiel. Auch Mijat Gaćinović wurde nicht rechtzeitig fit und setzte ebenso wie einige Langzeitverletzte und André Silva, dessen Situation weiterhin im Nebel hängt, aus.

Erfreuliche Entwicklungen bezüglich der Stadionnutzung

Neben dem Einzug in die nächste Runde des DFB-Pokals hatte die Eintracht am Donnerstag eine weitere positive Nachricht zu verkünden. Der Verein hat sich mit der Stadt bezüglich der Nutzung der Commerzbank-Arena geeinigt.

Genau bedeutet das für die Eintracht, dass sie das Stadion inklusive Trainingsgelände uneingeschränkt nutzen darf, die Namensrechte sowie das Recht zur Untervermietung des Stadions für andere Veranstaltungen hält, das Catering selbst bestimmen, sowie umfangreiche Investitionen für den Ausbau der digitalen Infrastruktur des Stadions tätigen darf.

Zusätzlich – und das ist ein Punkt, der auch unter den Fans sehr häufig diskutiert und gefordert wurde – wird die Stadionkapazität für die Bundesliga auf bis zu 60.000 Plätze erweitert. Dies soll spätestens bis zu Beginn der Saison 2023/24 realisiert werden. Vor allem sollen hierbei die Sitzplätze im Oberrang der Nordwestkurve zu Stehplätzen umfunktioniert werden.

Ein angeschlagener Riese gastiert in Frankfurt

Am kommenden Samstag empfangen die Adlerträger mit einem Sieg im Rücken und einem fitten Bas Dost nun das zuletzt strauchelnde Schwergewicht FC Bayern München. Ex-Frankfurt-Trainer Niko Kovac äußerte sich zuletzt vollen Lobes über den Anhang der Eintracht, was den Unterstützern des Rekordmeisters natürlich übel aufstieß.

Die mitreisenden Münchner können sich am Wochenende nun aber selbst von der Kulisse in Frankfurt überzeugen, denn trotz vielen erfolglosen Partien gegen den FC Bayern, glüht in den Herzen der Eintracht-Fans immer wieder aufs Neue der kleine Funke Hoffnung, diesmal siegreich aus dem Spiel hervorzugehen. Im Hinblick auf die wachsende Unzufriedenheit der Bayern kann man es ihnen aber auch nicht verdenken.

Diese Woche… bei Fortuna Köln, KW 44

Glanzloser Auftritt beim Stadt-Duell

von Josina Anraad

Der S.C. Fortuna Köln hatte gestern zum Auswärtsspiel gegen Oberliga-Aufsteiger FC Pesch eine kurze Anfahrt  in den Norden Kölns. 800 Zuschauer begleiteten die erste Runde des Mittelrhein-Pokals auf dem Kunstrasenplatz der Helmut Kusserow Sportanlage. Die Südstädter reisten mit großen Ambitionen an, standen sie doch in der letzten Saison noch im Finale gegen Alemannia Aachen.

Im Vergleich zum Unentschieden beim Wuppertaler SV, rotierte Trainer Thomas Stratos auf fünf Positionen. Der Kapitän des letzten Spieltags Franko Uzelac musste zuerst auf der Bank Platz nehmen. Für ihn übernahm Top-Toschütze Roman Prokoph die Kapitänsbinde. Der ehemalige Lauterer Yannick Filipovic ersetzte in der Abwehr den wegen einer Tätlichkeit rot-gesperrten Firat Tuncat.

Bei kalten Außentemperaturen kam die Mannschaft von Stratos mäßig ins Spiel. Die Gastgeber waren laufbereiter und gingen früh in die Zweikämpfe. So gelang Pesch in der fünften Minute auch der erste Torabschluss aus 20 Metern durch Iskender Papazoglu. Zwar erhöhte die Fortuna daraufhin den Druck etwas, konnten jedoch die nächste Großchance nicht verhindern. Ergün Yildiz läuft nach gewonnenem Zweikampf im Mittelfeld alleine aufs Tor von Kevin Rahut zu und schließt aus 15 Metern ab (14.). Der Torhüter der Südstädter kann parieren und lenkt den Ball ins Seitenaus.  Die Gäste können sich kaum befreien und kurz darauf passt Mark Rizoski dem auf der rechten Außenbahn gestarteten Marcel Dawidowski zu. Der Stürmer flankt in den Sechzehner und Papazogulu kann zum 1:0 einköpfen (17.). Für die Spieler des FC Pesch ein bis dahin gelungener Auftritt vor heimischer Kulisse. Mit der verdienten Führung im Rücken kämpfen die Hausherren um jeden Ball. Nach einem Steilpass aus der Abwehr bekommt Dawidoski den Ball und erneut steht ein Pescher Spieler alleine vorm Tor der Fortuna. Diesmal kann Rahut nichts ausrichten und es klingelt zum 2:0 (30.). Für die Fortuna sieht es schon früh nach einem rabenschwarzen Tag aus. Stratos versucht noch vor der Halbzeit positive Impulse durch einen positionsgetreuen Dreifachwechsel zu setzen. Blendi Idrizi kommt für Ali Ceylan ins Spiel, Hyun Jung Sung ersetzt Kelvin Lunga und Serhat Güler muss für Mike Owusu weichen. Bevor einer der eingewechselten Fortunen zünden kann, ertönt der Halbzeitpfiff und das Schiedsrichtergespann bittet beide Mannschaften in die Kabine. Vor allem die Pescher Spieler haben sich in der ersten Halbzeit durch eine starke läuferische Leistung gut präsentiert. Der Spielaufbau der Gäste ist geprägt von Stockfehlern und bei beiden Toren ließen sie sich hinten zu einfach überlaufen und ausspielen.

Hatten die mitgereisten Fans der Fortuna in der Halbzeit noch Hoffnung, dass ihre Mannschaft das Spiel in den zweiten 45 Minuten drehen könnte, wurde diese nach Wiederanpfiff schnell enttäuscht. Pesch greift die Gäste früh an und zwingt die Fortuna zu Fehlern. Es dauert bis kurz vor Ende der Partie, dass Spieler aus dem Kölner Süden alles nach vorne werfen. Doch selbst zu diesem Zeitpunkt sind die Pescher die überlegene Mannschaft. Alle Schüsse auf das eigene Tor werden von einer starken Abwehrreihe abgefangen und durch lange Pässe nach vorne zu gefährlichen Kontern für die Fortuna. Den Fortunen fehlt das gesamte Spiel über der nötige Zugriff und kurz vor Abpfiff lassen bereits die ersten Spieler die Köpfe hängen. So bleibt es schlußendlich bei einer verdienten 2:0 Niederlage gegen den klassentieferen FC Pesch.

Neben Dem S.C. Fortuna Köln ist auch Viktoria Köln überraschend mit einem 0:1 gegen den Oberligisten FC Hennef ausgeschieden.

Diese Woche… bei Hertha BSC, KW 44

Von Chris Butzke

Warum einfach, wenn es auch legendär geht?

Was war das für eine Berliner Pokal-Nacht? Vor 70.000 begeisterten Zuschauern hatte das Duell zwischen Hertha BSC und Dynamo Dresden alles, um es in die Kategorie „Weißt du noch damals…“-Spiele zu schaffen. Die Gäste kamen mit über 30.000 Fans und sorgten für die richtigen Rahmenbedingen eines denkwürdigen Spiels. Die Ostkurve zeigte einen herausragenden Support und so war es ein Zweitrunden-Spiel im DFB-Pokal mit Final-Charakter.

Hertha wurde früh der Favoritenrolle gerecht und erspielte sich zum Teil herausragende Chancen. Doch wie schon im letzten Bundesliga-Spiel gegen die TSG Hoffenheim wollte der Ball einfach nicht ins Netz. Während die Berliner Fans schon leicht verzweifelt alle Fußballgötter verfluchten, merkte man den schwarz-gelben Dresdnern die Erleichterung an, als es nach 15 Minuten immer noch 0:0 stand. Nun kam auch Dynamo besser ins Spiel, was aber auch an haarsträubenden Fehlern in der Hertha-Defensive lag. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, wobei Berlin weiterhin dominanter auftrat. Doch in der 37. Spielminute kam es zu einem fatalen Standard. Hertha musste einen Eckball ausführen und wurde nur folgerichtig ausgekontert, wobei auch hier das Abwehrverhalten allenfalls mit „Stets bemüht“ bewertet werden konnte. Marius Wolf löste die Zuordnung auf und so tauchte Kone frei vor Thomas Kraft auf, der das Berliner Tor im Pokal hüten darf, und schob den Ball  langsam, sehr langsam, sehr sehr sehr langsam, zur glücklichen Dresdner Führung ein. Für Hertha-Fans war dies aber schon Routine, lief man doch im aktuellen Ligabetrieb in 8 Spielen gleich 6x einem Rückstand hinterher. Nach diesem Schock ging es erstmal in die Pause.

Der Beginn der zweiten Halbzeit war dann eine Blaupause des ersten Spielabschnitts. Hertha war gleich mit dem Kopf auf dem Platz und drückte auf das Dynamo-Tor. Doch während man in der ersten Hälfte die Chancen noch fahrlässig verballerte, saß jetzt gleich der erste Schuss. Wolf, der in dieser Partie eindrucksvoll zeigte, dass seine Stärken eindeutig in der Offensive liegen und man über seine Defensivaktionen lieber den Mantel des Schweigens legen sollte, brachte eine perfekte Vorlage in den Fünfmeter-Raum, wo Dodi Lukebakio nur noch einschieben brauchte. Der Ausgleich war geschafft, die Fanherzen etwas beruhigt, denn sollte der Spielverlauf nicht komplett auf den Kopf gestellt werden, dann würde Hertha jetzt auf die Führung drücken.

Und so kam es auch. Zwei Aluminiumtreffer und einige Paraden des Dynamo-Goalies ließen das Gefühl aufkommen, dass man heute einfach nicht treffen kann. So mussten in der 84. Minute schon die Dresdner Spieler ordentlich Mithilfe leisten, damit Berlin endlich die überfällige Führung erzielen konnte. Völlig ohne Not foulte man Lukebakio an der Strafraumgrenze, die aber noch zum Strafraum gehört, und Duda verwandelte den fälligen Elfmeter sicher. Allen Blau-weißen fiel mindestens ein Stein vom Herzen, egal ob Spieler, Trainer, den Zuschauern im Stadion oder vor dem TV-Gerät. Kurz vor Schluss wurde das Spiel also doch noch gedreht und man zieht halbwegs souverän in die dritte Pokalrunde ein. Was soll noch schiefgehen, Dynamo war recht harmlos in der zweiten Hälfte und hat jetzt den K.O. kassiert. Die paar Minuten bis zum Abpfiff spielt man als gestandene Bundesliga-Mannschaft gekonnt runter… Oder man macht es wie Niklas Stark und foult unnötig Kone und schenkt den Gästen ebenfalls einen Elfmeter. Man will ja schließlich nicht als unhöflicher Gastgeber erscheinen, der zwar Gastgeschenke annimmt, aber selbst keine verteilt.

So trat Patrick Ebert, der 15 Jahre im Dienst der Hertha stand, im direkten Duell gegen seinen ehemaligen Mitspieler Thomas Kraft an… und verwandelte, auch wenn Kraft noch am Ball war. Der Ausgleich fühlte sich an wie ein „Der Hobbit“-Filmmarathon. Es gab eine innere Leere, man hinterfragte die eigene Existenz und womit man das verdient hatte, die Zeit blieb stehen und man wurde zu einer seelenlosen Hülle. Fußball kann so grausam sein.

So musste das Spiel also in die Verlängerung. Dort war dann der Zweitligist plötzlich aktiver, denn auch sie merkten, dass sie heute das Glück auf ihrer Seite hatten. Ein Angriff über die linke Dresdner Seite brachte dann die Führung für Dynamo, bei der sich aber Thomas Kraft den Ball eher selbst ins Tor haute. Halten wir also fest, man vergibt Chance um Chance, kassiert Gegentore nach einem eigenen Eckball, einen unnötigen Elfmeter und einen kapitalen Torwartfehler… wenn es nicht der eigene Herzensverein wäre, könnte man schon darüber lachen. Aber es ist die alte Dame, die sich mal wieder selbst im Weg steht. In der Verlängerung brachte Hertha kaum noch einen gescheiten Ball nach vorne, es waren bereits 120 Minuten gespielt, als plötzlich der Ball den eingewechselten Torunarigha fand und der Innenverteidiger den Ball mit handgestoppten 293 km/h ins Tor schweißte… Stille… emotionale Stille… niemand bekam noch alles mit… Ante Covic konnte nicht mehr jubeln… es war zu viel, mehr als ein Mensch aushalten kann… Freude traf auf Erleichterung… wo man sich gerade mit einer unglücklichen Pokal-Niederlage abgefunden hatte, keimte plötzlich wieder Hoffnung. Man rettete sich ins Elfmeterschießen.

Dort wurde dann Thomas Kraft mit drei (eigentlich vier) gehaltenen Elfmetern zum Helden und man durfte sich nach einem Wechselbad der Gefühle über das Weiterkommen freuen.

Und auch nach der Partie ging es mit emotionalen Höhepunkten weiter. Patrick Ebert, der alte Rowdy, verabschiedete sich unter tosendem Beifall aus der Ostkurve (Hey, Sandro Wagner, so kann es zwischen Spielern und Ex-Vereinen auch laufen).

So ist das Team zwar völlig entkräftet, aber mit dem positiven Gefühl einer legendären Pokal-Nacht geht es bereits am Wochenende zum nächsten Highlight.

Berliner Festtage

Das einzige Stadtderby der Bundesliga (Grüße an die Löwen aus München und nach Hamburg) wird in Berlin ausgetragen. Auch wenn dies für viele Unioner eine neue Information sein wird, aber Köpenick ist ein Stadtteil Berlins. Union Berlin will sich zwar unbedingt von Berlin abgrenzen, aber wie auch schon John F. Kennedy treffend sagte, wir sind alle Berliner. Mit zwei Teams in der höchsten deutschen Spielklasse ist Berlin nun auch die Fußball-Hauptstadt. Vergesst die Allianz-Arena. Dortmund gegen Gelsenkirchen, who cares? Leipzig braucht neue Spieler aus Salzburg, weil sie trotz dem deutschen Super-Trainer Nagelsmann die Schwächephasen der anderen Mannschaften nicht nutzen können? Sollen sie doch. Wer wahren Fußball sehen möchte, der voller echter Leidenschaft strotzt und zugleich für Gegensatz und Gemeinsamkeit steht, der freut sich auf das Spiel Berlin gegen Berlin. Die Hauptstadt lädt ganz Deutschland, nein sogar die ganze Welt ein, um ein Fußballfest zu feiern.

Aus Herthaner Sicht ist das Derby wichtig, um auch über die Stadtgrenze hinaus vielleicht mehr Sympathien zu sammeln.

Union wirkt wie die neue Hipster-Mate, die überall getrunken werden will, weil sie etwas anders schmeckt als die anderen Mates auf dem Markt. Einige werden sie vielleicht mit einer Mate aus Hamburg verwechseln, die aber immer ein Regal weiter unten angeboten wird. Hertha hingegen wird von vielen Menschen als eine alte Biermarke gesehen, die sich nicht von den anderen größeren Marken geschmacklich unterscheidet und deshalb nur wenig gekauft wird. Sie ist leicht angestaubt und einige haben sogar schon vergessen, dass es sie gibt. Doch diese Marke hat jetzt neue Sorten mit belgischen und niederländischen Hopfensorten, die eigentlich ganz gut schmecken und mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Das Derby ist also eine Chance, die neuen Qualitäten einer großen Zuschauerschar zeigen zu können und vielleicht wird man so wieder attraktiv und steht wieder bei mehr Leuten auf dem Zettel.

Nach einer berauschenden, aber auch kräftezehrenden Pokalnacht geht es gegen Union zum nächsten Festspiel. Für die eigene Gesundheit hofft man auf vielleicht etwas weniger Momente, die einem den Atem rauben, aber die offensive Herthaner Spielweise ist fesselnd wie schon lange nicht mehr. Und wenn am Ende wieder ein knapper Sieg mit vielen Toren auf der Anzeigetafel steht, wird sich vermutlich niemand in Berlin beschweren, nur eventuell in Köpenick.

Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 44

von Patricia Seiwert

Stürmische Verteidiger, Vaterfreuden und verpasste Chancen

Englische Wochen sind längst keine Seltenheit mehr bei der Frankfurter Eintracht. Auch die vergangene Woche hielt wieder drei Spiele für die Hessen bereit, die sich sehr unterschiedlich gestalten sollten.

Türsteher Rönnow vermiest Leverkusen die Party

So wie sich die Ereignisse in Frankfurt überschlagen, ist der 8. Spieltag der Bundesliga fast schon wieder in Vergessenheit geraten, obwohl er aus der Sicht der Eintracht mehr als erfreulich verlief. Bereits im Freitagsspiel empfing man mit Bayer 04 Leverkusen den Tabellennachbarn.

Erwartet wurde ein schwieriges Spiel gegen eine gute Mannschaft, die durchaus flinken Offensivfußball darbieten kann. Aber auch die hin und wieder instabile Abwehr der Leverkusener ist als Schwachstelle bekannt und diese sollte Eintracht Frankfurt zumindest in der ersten Halbzeit mustergültig ausnutzen. Bereits in der 4. Spielminute konterte die Eintracht die Gäste, nach Ballgewinn von Bas Dost und einem haargenauen Pass von Danny da Costa auf Gonçalo Paciência, aus und erzielte den frühen Führungstreffer.

In der 17. Minute nutzte der Portugiese die Chance auf den Doppelpack durch einen Handelfmeter und baute die Führung aus. Zu diesem Zeitpunkt dominierte die Eintracht Leverkusen klar. Besonders Außenverteidiger Weiser sah gegen Kostić kein Land, zu flink agierte der Serbe.

Einziger Wehrmutstropfen dieser so gelungenen ersten Hälfte war die Verletzung von Touré. Für den Verteidiger, der die letzten Wochen immer besser in Form kam, endete die Partie wegen einer Oberschenkelblessur vorzeitig.

Mit einem 2:0 und einem guten Gefühl nach einer starken ersten Halbzeit ging es für die Hessen in die Pause. Doch die zweite Spielhälfte sollte anders verlaufen. Die Leverkusener kamen mutig aus der Kabine heraus. Das restliche Spiel war überwiegend von Rönnows Glanzleistung geprägt. Der Frankfurter Keeper vereitelte eine Leverkusener Chance nach der anderen und bewahrte seine Mannschaft vor Gegentreffern. Der Mann der Partie dürfte an diesem Abend sehr glücklich gewesen sein, so machte er nicht nur ein herausragendes Spiel, sondern wurde auch kurz zuvor erstmals Vater.

Obwohl die Offensivbemühungen der zweiten Halbzeit fast ausschließlich von Bayer Leverkusen kamen, gelang der Eintracht letztendlich noch der dritte Treffer durch Bas Dost, der im Nachhinein selbst von einem „hässlichen“ Tor sprach. Zum Glück der Frankfurter spielt die Ästhetik eines Treffers im Fußball jedoch keine Rolle und so trennten sich die beiden Mannschaften am Ende des Tages mit einem 3:0.

 

Mit Standards gegen Standard

Durch das Freitagsspiel hatte die Eintracht bis zur Europa League Begegnung mit Standard Lüttich ungewohnt viel Regenerationszeit. Diese konnte jedoch den bereits gegen Leverkusen verletzten Silva nicht heilen. Er laboriert bis heute weiterhin an einer Fußverletzung. Genaue Informationen darüber, wie schwerwiegend die Verletzung ist und wie lange der Stürmer ausfällt, gibt es nicht. Zum Erschrecken der Eintracht-Fans wurde vor dem Spiel außerdem bekannt, dass auch Bas Dost aufgrund von muskulären Problemen nicht zur Verfügung steht.

Die Eintracht lief im Heimspiel gegen Standard Lüttich also gezwungenermaßen mit einem Ein-Mann-Sturm, bestehend aus Gonçalo Paciência, auf.

Mit einer gewohnt eindrucksvollen Choreo empfingen die Frankfurter Anhänger ihre Mannschaft auf dem Rasen.

Weniger eindrucksvoll verlief jedoch die Partie. Keine der beiden Mannschaften fand zu ihrem Spiel, womit einhergeht, dass auch niemand diese Begegnung deutlich dominierte. Lüttich wurde von den Frankfurtern im Stadtwald also keineswegs so überrollt, wie noch wenige Tage zuvor Bayer Leverkusen.

Nach einer knappen halben Stunde jedoch gelang der Eintracht dann durch eine Standardsituation der Führungstreffer. Kamadas Hereingabe lenkte Kapitän David Abraham gekonnt ins Tor. Wortspielliebhaber lagen sich in den Armen. Und sowohl von Innenverteidigern als auch von Standards sollte später im Spiel noch einmal die Rede sein.

Auch wenn die Lütticher selten einmal vor dem Frankfurter Tor auftauchten, war das Spiel alles andere als ein offener Schlagabtausch. Für Momente der Aufregung sorgte indes die wiederholt bescheidene Schiedsrichterleistung in der Europa League. Mindestens einen, wenn nicht sogar zwei Strafstöße, hätte die Eintracht zugesprochen bekommen müssen, doch die Pfeife des Unparteiischen blieb still.

In der zweiten Halbzeit rückte nach ein wenig mehr als 70 Minuten Spielzeit erneut ein Frankfurter Innenverteidiger in den Mittelpunkt. Wieder stand Standard-Experte Daichi Kamada an der Eckfahne bereit. Ein Standard-Experte in zweierlei Hinsicht ist er sogar, denn nicht nur kümmert sich der Japaner häufig um die ruhenden Bälle der Eintracht, auch war er in der letzten Saison nach Belgien ausgeliehen und konnte dort bereits Erfahrungen mit Standard Lüttich sammeln. Den Ball brachte Kamada perfekt herein, sodass Publikumsliebling Martin Hinteregger mit dem Kopf den Treffer zum 2:0 erzielen konnte.

Nach dem Ausfall der zwei im Sommer an den Main gekommenen Stürmer Silva und Dost, rissen die beiden Innenverteidiger also kurzerhand die Aufgabe an sich, Tore zu erzielen. Der Anhängerschaft der Adlerträger soll’s recht sein.

Doch auch einen Gegentreffer mussten die Frankfurter gegen Ende der Partie hinnehmen. Amallah traf in der 82. Minute für die Gäste.

Schlussendlich endete die Partie mit einem 2:1 Heimsieg für Eintracht Frankfurt. Kein Feuerwerk, dennoch ein Pflichtsieg, der letztendlich eingefahren wurde.

Verpasste Chancen

Wenige Tage später stand für die Hessen erneut ein schweres Spiel in der Bundesliga an. Die Reise ging am vergangenen Sonntag nach Mönchengladbach, wo der Tabellenführer des letzten Spieltags auf die Adler wartete.

Auch die Fohlenelf spielte unter der Woche in der Europa League und mühte sich im verregneten Rom durch einen fragwürdigen Elfmeter zum 1:1 Unentschieden.

Vor der Partie war nicht richtig klar, was man denn nun erwarten darf. Einerseits wendeten beide Mannschaften wenige Tage zuvor bereits international einige Kräfte auf, andererseits sind aber auch beide für eine mutige, offensive Spielweise bekannt.

Recht schnell wurde an diesem Abend klar, dass die Partie alles andere als ein müder Kick werden würde. Wer im internationalen Wettbewerb einen Schlagabtausch vermisst hatte, kam am Sonntagabendspiel der Bundesliga auf seine Kosten.

Erneut spielte die Eintracht mit einem Ein-Mann-Sturm in Person von Paciência. Neben den ohnehin verletzten Stürmern Silva und Dost, sowie Verteidiger Touré, fehlte in dieser Partie auch Mijat Gaćinović, der wie Rönnow ebenfalls Vater wurde, aufgrund muskulärer Probleme.

Vorneweg: das Endergebnis der Partie lautete 4:2 für die Gastgeber. Frustrierend für die Frankfurter, aber dennoch keine Schande, bedenkt man, dass die Gladbacher bisher eine wahnsinnig starke Saison spielen.

Bei der Eintracht kamen einige Faktoren zusammen, die dazu führten, dass sie trotz vorbildlicher Moral, keine Punkte einfahren konnte. Denn trotz eines 2:0 Rückstandes zur Halbzeit gab sich die Mannschaft zu keinem Zeitpunkt auf und kämpfte sich immer wieder zurück in die Partie.

Dass die Gäste vom Main überhaupt mit einem Zwei-Tore-Rückstand in die Kabine marschierten, lag nicht zuletzt daran, dass sie, wie in so vielen Spielen in dieser Saison, die erste Halbzeit wieder einmal komplett verschliefen. Zu viele Ungenauigkeiten und individuelle Fehler schlichen sich in das Spiel der Eintracht ein. Fehler von da Costa und dem sonst so fast schon unmenschlich konstanten Hasebe führten letztendlich zu den Gegentreffern.

Während die Gladbacher ihre Chancen in Tore ummünzten, gelang dies der Eintracht zu selten. Besonders in der zweiten Halbzeit, in der sich die Frankfurter viel wacher und deutlich stärker präsentierten als noch in den ersten 45 Minuten, lag es nicht an fehlenden Möglichkeiten, sondern eher an der Abschlussschwäche der Frankfurter und besonders an der des Daichi Kamadas, dem sich über das Spiel hinweg einige gute Chancen boten, einzunetzen. Der junge Japaner bewegt sich stets gut, ist ein cleverer Spieler und ein toller Vorbereiter. Seinen Torriecher hat er bei der Eintracht bislang jedoch noch nicht gefunden.

Auch den Anschlusstreffer der Frankfurter in der zweiten Halbzeit bereitete Kamada nach einer perfekten Flanke von Kostic trotz Bedrängnis in aller Seelen Ruhe vor und da Costa bügelte mit seinem Tor seine unglücklichen Momente in der ersten Halbzeit wieder aus. Nach diesem Treffer sah es so aus, als wäre die Eintracht nah dran am Ausgleich. Doch wie das im Fußball so ist, wird das Liegenlassen der eigenen Großchancen gerne mal im Umkehrschluss mit einem Gegentor bestraft. So auch in dieser Partie, als die Gastgeber ihren Vorsprung auf 3:1 ausbauten.

Aber auch davon ließen sich die Adlerträger nicht lang schocken. Nur drei Minuten später, nach einer Ecke von Assist-Garant Kamada, köpfte Innenverteidiger und offensichtlich auch Teilzeitstürmer Martin Hinteregger, der ohnehin wieder positiv hervorzuheben ist, die Frankfurter erneut ran. 3:2 stand es nun, in einer offenen Partie, in der es unaufhörlich hin und her ging.

Doch nach einem Ballverlust von Makoto Hasebe besiegelte die Borussia in Person von Zakaria endgültig den 4:2 Endstand einer Begegnung, in der sich die abgeklärtere Mannschaft durchzusetzen vermochte.

 

So verpasste die Frankfurter Eintracht nicht nur viele Torchancen, sondern auch die Chance in der Tabelle, die nun erneut Borussia Mönchengladbach anführt, an Platz 3 zu rücken.

Viel Zeit mit sich zu hadern, bleibt jedoch ohnehin nicht. Bereits am kommenden Mittwoch geht die Reise für die Frankfurter in den Norden Deutschlands. Beim FC St. Pauli gastieren die Adlerträger im DFB-Pokal, bevor am Samstag in der Bundesliga mit Bayern München der nächste Hochkaräter im Stadtwald auflaufen wird. Die ereignisreichen Wochen finden also auch in nächster Zeit erst einmal kein Ende.