Diese Woche… bei Hertha BSC, KW, 35

von Chris Butzke

Problemtier Wolf

Während in der vergangenen Woche nach Bruno mit Herthinho erneut ein Problem-Bär für Unruhe in Bayern gesorgt hat, scheint der Wolf sein niedersächsisches Jagdrevier bis nach Berlin ausgeweitet zu haben. Nicht nur die @drei90 ‏-Hosts wachen nachts schweißgebadet auf, wenn sie wieder vom Problemtier Wolf träumen, auch eine nicht näher bekannte alte Dame wird wohl immer häufiger von Wolf-Albträumen heimgesucht.

https://www.youtube.com/watch?v=tB5dzSXp7vU

Ah shit, here we go again!

Der VfL Wolfsburg war also zu Gast bei der Berliner Hertha und wie schon in der letzten Saison fuhr man mit drei Punkten wieder nach Hause. In Berlin hadert man mit dem Ergebnis, denn eigentlich begann das Spiel fulminant. Mit dem allerersten Angriff konnte man Duda im Strafraum gefährlich in Szene setzen, dieser ging ins Dribbling gegen Guilavogui und kam zu Fall. Schiedsrichter Winkmann zeigte sofort auf den Punkt! Elfmeter für Hertha, Vedad Ibisevic schnappte sich den Ball und war bereit, sein Team aus 11 Metern in Führung zu bringen. Doch dann meldete sich der Kölner Keller und wies Winkmann an, sich die Szene nochmal anzusehen und zu bewerten. Es kam, wie es kommen musste und der Strafstoß wurde zum Entsetzen der Berliner Fans zurückgenommen. Aus meiner persönlichen Sicht war es auch kein Foul. Zum einen spielt Guilavogui zuerst den Ball, Duda bleibt jedoch weiter am Ball, es kommt erneut zu einem Kontakt, der aber nicht ausreicht, um wirklich als Foul gewertet zu werden. Somit konnte man sich zwar in den Geschichtsbüchern verewigen, da es bisher der frühste VAR-Einsatz war und diese „Bestmarke“ auch noch eine Weile Bestand haben sollte, jedoch sorgte die letztendliche Entscheidung für Unmut in der Ostkurve.

Dieser Unmut wurde quasi im Gegenzug noch größer. Ein langer Ball sorgte für ein hartes Luftduell zwischen Stark und Schlager, welches der Wolfsburger für sich entscheiden konnte. Dadurch gelangte der Ball auf den komplett blanken Klaus, der sich plötzlich allein vor Rune Jarstein wiederfand. Kurz bevor er zum Abschluss kam, rauschte Karim Rekik, der vorher Klaus einfach laufen ließ und damit diese Chance erst ermöglichte, in wilder Kung-Fu-Manier heran und foulte den Wolfsburger klar. Folgerichtig entschied Schiedsrichter Winkmann erneut auf Elfmeter. Auf den ersten Blick war es eine eindeutige Geschichte, doch gab es energische Proteste der Herthaner. War bei dem Kopfballduell alles regelkonform oder wurde Abwehrchef Niklas Stark in der Luft unfair angegangen? Im Gegensatz zur ersten Elfmeterentscheidung blieb es dabei und somit hatte Winkmann das ganze Stadion gegen sich. Wenn man es aus neutraler Sicht sieht, kann man aber wohl sagen, dass beide Situationen richtig bewertet wurden. Für Hertha war es der zweite verursachte Elfmeter im zweiten Bundesliga-Spiel. Für die Fans ist dies ein wohlbekanntes Gefühl. Bereits letzte Saison verursachte man sogar in den ersten fünf Saisonspielen jeweils einen Elfmeter. Es riecht also wieder nach einer nervenaufreibenden Zeit. Wie schon letzte Woche verwandelte der Gegner sicher und somit brachte man sich erneut durch eigene grobe Schnitzer unnötig in eine schlechte Situation.

Mit der frühen Führung im Rücken überließ Wolfsburg in der Folge Hertha das Spiel. Die Mannschaft von Ante Covic, der seine Heimspiel-Premiere als Chef-Coach feierte, versuchte es spielerisch, besonders Dodi Lukebakio und Ondrej Duda hatten Lust und zeigten mit vielen guten und vor allem effizienten Hackenpässen, dass man in Zukunft einen Gegner mit Kombinationsspiel vor Probleme stellen kann. Lukebakio verursachte bei der Wolfsburger Abwehr Kopfschmerzen mit seinen Dribblings. Den Offensivbemühungen fehlte es aber an der letzten Konsequenz. Kapitän Ibisevic wurde so gut wie gar nicht ins Spiel eingebunden, auch Salomon Kalou konnte bis auf einen gefährlichen Kopfball kaum Akzente setzen. Die größte Chance auf den Ausgleich hatte Mittelfeld-Allrounder Grujic, dessen Ball in letzter Sekunde von Guilavoguis Fußspitze abgelenkt wurde. Danach verflachte die Partie wie ein Wortwitz von @jungerherr1892.

Planlose Offensive

In der zweiten Hälfte ließ Hertha all das vermissen, was in der ersten Halbzeit noch gut funktionierte. Statt Kurzpass-Kombinationen versuchte man es mit hohen Bällen in die Spitze, denen es aber an Präzision fehlte und somit Wolfsburg komplett in die Karten spielte.

Das System wurde mehrmals geändert und sollte für mehr offensiven Druck sorgen. Jedoch wirkte es eher wie bei einem alten iPhone, dass nach einem erneuten Systemupdate kaum noch funktioniert, das Betriebssystem sich öfter aufhängt und selbst die Grundbedienung immer mehr Ausfälle aufweist. Es gab offensive Wechsel, aber auch mit Selke und Redan fehlte jegliche Durchschlagskraft. Auf der anderen Seite wurde die Defensive immer weiter vernachlässigt. Dies nutzte Wolfsburg im Stile einer Spitzenmannschaft zu zwei weiteren Toren, so dass am Ende ein 0:3 in den Büchern stand. Ein Ergebnis, das die Kräfteverhältnisse kaum wirklich widerspiegelt. Wolfsburg agierte nach der Führung clever und nutzte in der zweiten Hälfte die gebotenen Räume eiskalt. Hertha nahm sich in der zweiten Hälfte selbst aus dem Spiel und so kam es zur ersten Saisonniederlage.

Aus Fehlern lernen

Besonders Trainer Ante Covic wird aus der Partie viele Erkenntnisse ziehen können und für die Zukunft besser auf ähnliche Spielsituationen reagieren.

Covic zeigt, dass er sich der eigenen Fehler bewusst ist. Die Fähigkeit zur Selbstkritik sollte den Fans Hoffnung geben. Covic scheint auch die Gründe für das planlose Auftreten gut analysiert zu haben. Es bringt halt nichts, drei oder vier nominelle Stürmer auf den Platz zu stellen, wenn es keinen Plan gibt, wie man diese in gefährliche Situationen bringt. Schon in den Vorbereitungsspielen hat man phasenweise mit langen Bällen agiert, auch dort eher mit mäßigem Erfolg. Lediglich Torunarigha konnte damals mit präzisen Bällen über 45-50 Meter auf sich aufmerksam machen. In der Bundesliga herrscht aber nochmal ein anderer Wind als in Testspielen gegen Eintracht Braunschweig oder Crystal Palace. Außerdem dürfte man zu dem Schluss kommen, dass Lukebakio für das Team durch Dribblings in den Sechszehner wichtiger ist als durch Flanken. Wenn für den anderen Flügel in naher Zukunft hoffentlich Javairo Dilrosun wieder fit ist, hat man die perfekten Voraussetzungen für schnelle flache Kombinationen und gefährliche Dribblings auf den Außen. Offensiv besitzt Hertha eine Menge Potential, welches durch Covic auch gefördert wird. Es ist eigentlich auch das optimale Pflaster für einen Stürmer wie Davie Selke. Wenn er den Schritt vom Talent zu einem wirklich guten Bundesliga-Spieler schaffen will, muss er diese Saison Ibisevic als erste Option im Sturm ablösen. Ansonsten könnte es eng für ihn werden.

Neben Selke ist auch Daishawn Redan eine Alterntive im Sturm. Der 18-jährige konnte Covic durch gute Leistungen in der zweiten Mannschaft schon früh in der Saison davon überzeugen und sich einen Kaderplatz sichern (für Köpke wird es wohl schwierig, diese Saison auf Einsatzzeiten zu kommen).

Redan ist nach Dilrosun bereits das zweite niederländische Top-Talent, das den Weg von einem großen Premier-League-Club in die deutsche Hauptstadt gefunden hat. Dies könnte ein Modell mit Zukunft sein. Dilrosun hat letzte Saison bereits gezeigt, dass Berlin auf junge Spieler setzt und man den nächsten Schritt in der Entwicklung nehmen kann. Redan wird ebenfalls einige Einsätze bekommen. Hertha erarbeitet sich einen guten Ruf und so könnte sich auch das ein oder andere Talent eine blau-weiße Zukunft vorstellen.

Gelsenkirchen vor der Brust

Der nächste Gegner verspricht wieder eine schwierige Aufgabe zu werden. Gegen das Team aus Gelsenkirchen tut sich Hertha traditionell schwer. Seit der Tedesco-Ära steht Schalke vor allem für defensiv orientierten Fußball und auch die ersten beiden Spiele unter dem neuen Trainer Wagner waren keine offensiven Highlights. Gegen Gladbach und Bayern hielt man aber gut mit. Hertha ist also gewarnt und weiß, dass einem die Punkte dort nicht geschenkt werden. Gegen die Bayern hatte Gelsenkirchen aber Probleme, sobald das Spiel schnell auf den Flügeln gemacht wurde. Besonders Coman konnte auf seiner Seite für Gefahr sorgen. Vielleicht wäre es daher eine Überlegung wert, Lukebakio nach links zu ziehen, damit man dort auch durch Dribblings Torchancen erspielt oder durch Doppelpässe mit Duda Lukebakio selbst in Abschlusssituationen kommt. Das Spiel könnte auch schon richtungsweisend für die kommenden Partien sein. Bisher ist es schwierig, das tatsächliche Leistungsvermögen einzuschätzen. Gegen Wolfsburg und Bayern hat man gute Ansätze gesehen. Aber schon Bibis Beauty Palace zeigt, dass nur Ansätze nicht immer für Qualität stehen. Covic möchte offensiv spielen lassen. Aus der Niederlage gegen Wolfsburg kann man schon Rückschlüsse ziehen, die bereits jetzt wichtig sein können. Ich bin optimistisch, dass in den nächsten Wochen aus den Ansätzen auch wunderbar herausgespielte Tore werden.

Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 34

Von Patricia Seiwert

Der Adler fliegt wieder

Da sind sie wieder, die Wochenenden mit gesteigertem Pizza- und Erfrischungsgetränkekonsum, mit einer Begleitmusik aus Freudenschreien, wutentbrannten Kraftausdrücken und leisem Gewinsel. Kurzum: die Bundesliga ist zurück!

Am vergangenen Freitag eröffneten die Bayern mit ihrem Gast, der alten Dame aus Berlin, die neue Saison.

Eine Woche vorher fanden bereits die Partien der 1. Runde des DFB Pokals statt.

Doch für die Frankfurter Eintracht starteten die Pflichtspiele schon deutlich früher. Als die Adler in der letzten Saison haarscharf auf Platz 7 landeten, stand fest: die Eintracht wird sich mit einer kurzen Vorbereitung zufriedengeben müssen.

Europapokal? Ist uns nicht egal!

Das erste Pflichtspiel der neuen Saison bestritten die Jungs unter Leitung von Cheftrainer Adi Hütter bereits am 25. Juli in Tallinn. In entspannter Atmosphäre bekamen die mitgereisten Fans einen 2:1 Sieg ihrer Eintracht zu Gesicht. Eine Woche später reisten dann die Esten in den Frankfurter Stadtwald. Mit überschaubarem, aber dafür sehr sympathischem, Anhang im Gepäck gelang dem FC Flora Tallinn ein durchaus ansehnliches Tor vor – zumindest für Frankfurter – gewohnt großartiger Kulisse inklusive Choreo (alle in weiß). Trotzdem sicherte sich die Eintracht erneut einen 2:1 Sieg und zog somit in die nächste Qualifikationsrunde ein. Aber vorher wurden die munteren Gäste aus Tallinn gebührend verabschiedet. Die Nordwestkurve feierte die gegnerische Mannschaft überschwänglich, was diese sichtlich genoss. Ein rundum gelungener Abend für beide Seiten neigte sich also mit tollen Bildern dem Ende zu.

Bereits eine Woche später ging die Reise für die Adlerträger weiter ins idyllische Liechtenstein. Mit dem FC Vaduz wartete der nächste Gegner auf dem Weg in die Europa League und dessen Wohnzimmer lässt sich durchaus sehen. Ein kleines Stadion inmitten von Alpenromantik – ein Traum! Traumhaft aus Sicht der Eintracht war auch das Ergebnis. Problemlos erspielten sich die Hessen ein 5:0, sodass im Rückspiel in Frankfurt ein 1:0 Sieg, erneut eingeläutet durch eine Choreo des Publikums (alle in rot), locker für den Play-off Einzug reichte. Mit Racing Straßburg wartet nun ein etwas größeres Kaliber als der FC Flora Tallinn oder der FC Vaduz auf Eintracht Frankfurt. Der Teilnehmer der französischen Ligue 1 sicherte sich den Qualifikationsplatz durch einen Pokalsieg.

Aufregendes Duell unter Freunden

Zwischen den beiden Qualifikationsspielen gegen Vaduz stand für die Eintracht außerdem noch die 1. Runde des DFB Pokals an. Die Zeichen deuteten alle darauf hin, dass dies ein besonderes Spiel werden sollte. Der Gegner war nämlich niemand geringeres als der SV Waldhof Mannheim, zu dessen Fans die Frankfurter Anhängerschaft eine enge Freundschaft pflegt. Dementsprechend gut war die Stimmung. Nachdem die Waldhöfer vor Anpfiff eine Choreo darboten, stimmten beide Fangruppen über das ganze Spiel hinweg immer wieder gemeinsame Gesänge an.

Zunächst sollten die Gastgeber aber ausgelassener feiern als die Frankfurter, denen bereits nach drei Minuten der Mund offenstand und nach elf Minuten die Kinnlade am Boden hing, denn zu diesem Zeitpunkt führte der SV Waldhof schon mit zwei Toren. Sulejmani war der Doppeltorschütze, der die Abwehr der Eintracht in der Anfangsphase des Spiels gnadenlos überrannte. Doch bis zur Halbzeit gelang es den Gästen wieder alles auf Anfang zu drehen. In der 21. Minute traf der junge Japaner Daichi Kamada, der erst kürzlich von seiner Leihstation in Belgien (VV St. Truiden) nach Frankfurt zurückkehrte. Den Ausgleich erzielte Filip Kostic dann in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit.

https://www.youtube.com/watch?v=SGdtGsx93rQ

In der zweiten Halbzeit durften dann noch einmal die Mannheimer jubeln. In der 72. Minute erzielte Marx den dritten Treffer für die Männer in Schwarzblau, bevor eine zuletzt immer wieder umstrittene Personalie einen lupenreinen Hattrick ablieferte. Die Rede ist von Ante Rebic. In der 76. Minute erzielte er den erneuten Ausgleich und legte dann jeweils in der 81. und in der 88. Minute nach. Somit sicherte der Kroate den Frankfurtern den Einzug in die 2. Runde, wo der FC St. Pauli wartet.

Abschiede, großes Geld und (nicht ganz so) neue Gesichter

Dass in letzter Zeit über ebendiesen wuchtigen Angriffsspieler unzählige Diskussionen geführt wurden, liegt nicht zuletzt daran, dass immer wieder ein Wechsel im Raum stand und immer noch steht, obwohl die neusten Entwicklungen bei einem der Hauptinteressenten, Inter Mailand, eher gegen eine Verpflichtung von Rebic sprechen.

Auch die Eintracht ist natürlich auf dem Transfermarkt tätig geworden. Nachdem sie mit Luka Jovic (Real Madrid) und Sébastien Haller (West Ham United) zwei der drei Büffel aus der vergangenen Saison ziehen lassen musste, konnten im Gegenzug mit Kevin Trapp, Sebastian Rode und Martin Hinteregger drei geliehene Leistungsträger fest verpflichtet werden. Letzterer wurde beim Heimspiel gegen den FC Flora Tallinn präsentiert und als Publikumsliebling so überschwänglich empfangen wie sonst nur junge Popstars von Teenie-Massen.

Durch die hohen Einnahmen der beiden Rekordverkäufe (zusammen 100 Mio. €) und auch mit TV Geldern aus der Bundesliga sowie den Prämien für die sehr erfolgreiche Teilnahme in der Europa League hat die Eintracht diesen Sommer einen ungewohnt großen finanziellen Spielraum. Diesen nutzte sie bisher unter anderem dafür, ihr Mittelfeld zu verstärken. Mit Dominik Kohr und Djibril Sow fanden neben Rode zwei weitere Mittelfeldspieler den Weg an den Main. Auch Linksverteidiger (und Weltmeister) Erik Durm entschied sich nach seinem Ausflug auf die Insel (Huddersfield Town) für ein Engagement bei der Frankfurter Eintracht.

Der einzige Zugang im Sturm ist – Stand jetzt – Dejan Joveljic. Der junge Serbe, dessen Nachname klingt wie die Pokémon-Vorentwicklungsstufe von Vorgänger Jovic, kommt von Roter Stern Belgrad. Anders als Luka Jovic legt dieser aber keinen Zwischenstopp bei Benfica in Portugal ein, sondern wagt direkt den Sprung in die Bundesliga. Der gerade erst 20 gewordene Jungstürmer wird sicherlich noch ein wenig Eingewöhnungszeit benötigen. Die Eintracht wäre also gut beraten, nicht all den Druck auf die Schultern des Neuankömmlings zu laden. Der Portugiese Gonçalo Paciência, der als einziger weiterer Mittelstürmer infrage kommt, wird es aber auch nicht alleine richten können, zumal das Kopfballmonster noch einige Schwächen am Boden aufweist. Auch deswegen dürfte sich die Eintracht aktuell für einen alten Bekannten aus der Bundesliga interessieren. Bas Dost soll von Sporting Lissabon in die Mainmetropole gelockt werden. Die Vereine sind sich laut eigener Aussage wohl einig, jedoch ließen neueste Medienberichte verlauten, dass es zwischen dem 1,96m großen Niederländer mit Berater und dem portugiesischen Noch-Arbeitgeber aktuell noch semifreundschaftlichen Gesprächsstoff gibt. Die Eintracht soll ihrerseits in der Angelegenheit ganz entspannt sein, dass der Transfer trotzdem, wenn auch mit einigen Tagen Verspätung, über die Bühne gehen wird. Ein erfahrener Abschlussstürmer dürfte dem Spiel der Frankfurter jedenfalls nicht schaden.

Zweik(r)ämpfe im Stadtwald

Ganz im Gegenteil, denn am Wochenende fand im Frankfurter Stadtwald das erste Bundesligaspiel der neuen Saison gegen die TSG Hoffenheim statt. Unter anderem wurde hierbei deutlich, dass ein Spieler wie Bas Dost ein dankbarer Abnehmer in dem oft flankenlastigen Spiel der Eintracht wäre. Denn Adi Hütter stellte gegen die Hoffenheimer keinen klassischen Mittelstürmer auf, sondern ließ Ante Rebic vor dem Tor agieren, gemeinsam mit Kamada, der die Rolle der hängenden Spitze übernahm. Überraschend an der Aufstellung war ebenfalls die Kombination aus Fernandes und Kohr im zentralen Mittelfeld, ist doch Lucas Torró einer der klaren Gewinner der Vorbereitung – zumindest, wenn man auf die Meinung zahlreicher Eintracht Anhänger vertraut. Jedenfalls ließ diese Mittelfeldkonstellation nicht allzu feinen Fußball vermuten. Dass sich dazu leider auch zu viele Ungenauigkeiten und vor allem Fehlpässe gesellten, wurde den Adlerträgern glücklicherweise nicht zum Verhängnis – zum einen, weil die Abwehr im Gegensatz zu anderen Aspekten im Frankfurter Spiel ziemlich gut funktionierte und zum anderen, weil die TSG aus dem Spiel heraus nach vorne relativ harmlos agierte.

https://www.youtube.com/watch?v=VaIKvmMFw9s

Ausbaufähig war auch die Chancenverwertung der Frankfurter. Zwar war Filip Kostic, unermüdlich wie eh und je, in herausragender Form, ließ regelmäßig mehrere Hoffenheimer am Stück stehen während er mit dem Ball am Fuß in Höchstgeschwindigkeit über das Feld in Richtung des gegnerischen Tors stürmte, scheiterte dann aber im Abschluss oder fand keinen Abnehmer für seine Hereingaben.

Spieler des Spiels, neben Filip Kostic, war Abwehrmann Martin Hinteregger, der bereits nach 36 Sekunden den Ball zum 1:0 hinter die Linie köpfte – der perfekte Eisbrecher für den Bundesligastart, der, wie erwähnt dank einer starken Frankfurter Abwehrreihe und einer schwächelnden Hoffenheimer Offensive, durch einen knappen Heimsieg gekrönt wurde. Aber nicht nur sein Tor und seine punktgenauen Grätschen sorgten an diesem Abend für Aufsehen, denn Martin „Hinti“ Hinteregger lag gegen Ende der zweiten Halbzeit mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden, hielt sich das Bein. Alle Frankfurter hielten den Atem an. Was, wenn genau dieser so wichtige Mentalitätsspieler nun lange ausfällt? Es sah jedenfalls nicht gut aus. Zum Erstaunen aller konnte Hinteregger dann aber weiterspielen und erklärte nach dem Spiel wie selbstverständlich, dass er ja nur einen Krampf gehabt habe, aber selbst nicht wusste, was das denn nun sei, schließlich wäre es sein allererster Krampf gewesen.

Langweilig wird es mit der Frankfurter Eintracht und ihren Repräsentanten auf und neben dem Feld also so schnell nicht, wie die Ereignisse der letzten Wochen eindrucksvoll beweisen. Und es geht Schlag auf Schlag weiter, denn die Hessen müssen sich am Donnerstag bereits im Elsass gegen Straßburg beweisen, bevor es am Sonntag nach Leipzig zum ersten Auswärtsspiel der Bundesligasaison geht. Drei Spiele in sieben Tagen – der mittlerweile fast schon normale Wahnsinn geht ohne große Pausen weiter.

Diese Woche bei … Hertha BSC, KW 34

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Von Chris Butzke

Berliner Schreckgespenst

Endlich war es soweit. Das Flutlicht strahlte über das weite Rund der Allianz-Arena hinaus, Menschenmassen strömten in den roten Fußballtempel, Menschen auf der ganzen Welt ließen sich im heimischen Wohnzimmer nieder und sehnten sich nach dem Bundesliga-Auftakt.

Für die meisten Zuschauer ist es mittlerweile Gewohnheit, den bayrischen Rekordmeister im ersten Spiel der neuen Saison zu sehen. Von den bisher 18 offiziellen Eröffnungsspielen wurden 11 Spiele mit Beteiligung des FC Bayern München ausgetragen. Von diesen Spielen wurde kein einziges verloren, sondern ganz im Gegenteil, man gewann sogar 10 Mal. Somit waren die Vorzeichen für einen erfolgreichen Auftakt für die Berliner Hertha fast aussichtslos, doch hatte man als selbsternannter künftiger„Big City Club“ (danke für diese unrealistische Einschätzung, Herr Windhorst) auch ein paar Aktien auf seiner Seite. Zum einen hat man sich in der jüngsten Vergangenheit sehr gut gegen die Bayern geschlagen. In den letzten fünf Bundesliga-Duellen ging man nur bei einer Partie als Verlierer vom Platz, das letzte Spiel in Berlin wurde sogar 2:0 gewonnen. Außerdem hat man mit Dodi Lukebakio das wohl größte Schreckgespenst geholt. Gerüchteweise werden Lukebakio-Masken als Halloweenkostüm hoch gehandelt bei den TSV 1860 München Anhängern. Zum anderen herrscht bei den roten Münchenern große Unruhe. Zwar wurde zum Zeitpunkt des Spiels Ivan Perisic verpflichtet (war jedoch noch gelb gesperrt), doch war das Hauptthema die eventuell bevorstehende Verpflichtung von Coutinho.

Klünter stellt die Bayern kalt

In der Vorberichterstattung spielte Hertha also eine kleinere Rolle als Rickon Stark in Game of Thrones. Ich bin mir fast sicher, dass der chinesische Fußballfan bis kurz vor dem Anpfiff maximal die Aufstellung von Hertha kannte. Ob er hingegen den Namen von Trainer Ante Covic kannte, der sein Bundesliga-Debüt als Trainer feierte, darf durchaus bezweifelt werden. Dafür dürften nach der Partie einige Namen etwas bekannter auf der internationalen Bühne sein.

Allen voran Lukas Klünter zeigte eine bemerkenswerte Leistung. Er nahm Kingsley Coman aus der Partie, bestach durch seine Geschwindigkeit und Entschlossenheit im Zweikampf. Klünter dürfte diese Partie ziemlich viel Selbstvertrauen geben. Nachdem die letzte Saison durch Verletzungen besonders in der Hinrunde eine persönliche Enttäuschung war, konnte er sich in der Rückrunde etwas zurückkämpfen. Die Leistung könnte ihn zum unumstrittenen Stammspieler als RV werden lassen. Wer die individuelle Klasse eines Comans stoppen kann, hat sich für künftige Aufgaben mehr als nur angeboten. Auf der anderen Seite erlebte Mittelstädt einen rabenschwarzen Tag. Hierbei muss man aber auch bedenken, dass das Berliner Eigengewächs erst kurzfristig fit wurde und in der Vorbereitung eine offensivere Rolle besetzte. Durch den Ausfall von Plattenhardt und der nicht so souveränen Leistung von Torunarigha im Pokal musste auch ein nicht ganz fitter Mittelstädt spielen. Gegen einen Gnabry reichte es so aber nicht. Die rechte Bayern-Seite bereitete der Hertha-Verteidigung große Probleme. Folgerichtig erspielte sich der FCB auch über diese Seite das 1:0 in der 24. Minute durch Lewandowski. Bis dahin wurde Hertha von Bayern regelrecht eingeschnürt, die taktische Ausrichtung mit einer Fünferkette erwies sich nicht als Erfolg. Aber Covic erkannte die Probleme besonders auf der rechten Seite und versuchte mit einer Umstellung auf ein 4-4-2 die Defensive zu stärken und gleichzeitig weniger leichte Ballverluste durch das Bayern-Pressing im eigenen Spielaufbau zu kassieren. Der Plan ging auf und man stand plötzlich deutlich sicherer.

Lukebakio trifft

In der Folge kam man besser in die Partie. Natürlich kam es dann in der 36. Minute, wie es kommen musste. Thiago und Thomas Müller schlotterten die Knie, als Lukebakio auf Höhe der Mittellinie zum Dribbling ansetzte. Sowohl Müller als auch Thiago erstarrten vor Angst, ließen den Berliner Neuzugang gewähren und so durfte er durch einen gezielten Schuss gegen Ibisevic’s Rücken mit einer Leichtigkeit Manuel Neuer überwinden. Der Ausgleich war gleichzeitig auch der erste wirkliche Abschluss auf das Bayern-Tor. Da war sie also wieder, die dardaische Effizienz, die die Mannschaft schon in den letzten Jahren auszeichnete. Kurz danach knockte Marko Grujic seinen Gegenspieler, immerhin 35-Mio-Neuzugang Pavard, im Kopfballduell aus, bekam einen mustergültigen Pass von Vedad Ibisevic (oder @DonnieOsullivan) und ließ Manuel genau eine Chance, nämlich keine Chance. Bumm, 2:1 für den Außenseiter. Ich kann die Reaktionen der chinesischen und amerikanischen Zuschauer vor den mobilen Endgeräten nur erahnen, aber zumindest die Menschen in Minnesota werden vor Freude auf der Straße getanzt haben. Immerhin hatte Hertha dort einen Teil des Sommers verbracht und einige Fans sammeln können. Mit diesem Ergebnis ging es dann in die Halbzeit.

Mit einem blauen Auge davongekommen

In der zweiten Halbzeit rissen die Münchener das Spiel wieder an sich und so kassierte man in der 60. Minute den überfälligen Ausgleich per Elfmeter. Jedoch war die Entstehung des Elfmeters schon sehr grotesk. Stahlschädel Grujic hatte anscheinend mit den Spätfolgen des Pavard-Zusammenstoßes zu kämpfen, anders kann man sich die Aktion nicht erklären. Völlig abseits des Geschehens, der Ball war weiter weg als Andre Schürrle von der Bundesliga, riss Marko Grujic den späteren Strafstoßschützen einfach um. Logischerweise kam der VAR zum Ergebnis, dass der Amateur-Wrestlingmove einen Elfer zur Folge hat. Somit haben wir schon am ersten Spieltag einen ganz heißen Kandidaten für die Kategorie „Unnötigste Aktion der Saison“. Eventuell wollte Grujic auch nur seine Bewunderung für Zinedine Zidane ausdrücken. Sein Torjubel ist an Cristiano Ronaldo angelegt, sein Verhalten abseits des Balles erinnert an Zidane vs Materazzi. Somit vereint Grujic schon einige Merkmale der ganz großen Spieler. Nach dem Ausgleich lieferte Hertha noch eine Abwehrschlacht und konnte am Ende einen Punkt aus München entführen.

Hertha also auf Augenhöhe mit Bayern?

Wie soll man nun diese Partie bewerten? Der Punkt war auf der einen Seite sehr glücklich, da Bayern zweifelsohne die überlegene Mannschaft war. Auf der anderen Seite war die Entstehung des Ausgleichs mehr als ärgerlich. Am Ende bleibt eine leidenschaftliche Leistung, jedoch kann man aus taktischer Sicht nur wenig für kommende Spiele ableiten. Man ist in der Lage, innerhalb eines Spiels verschiedene Systeme zu spielen. Covic erkennt Probleme und korrigiert von der Seitenlinie aus. Dieses Ingame-Coaching wird ein immer größerer Faktor, der Grad zwischen einem sinnvollen Switchen von Systemen und einer Überforderung der eigenen Mannschaft (Grüße an den FC Augsburg aus der letzten Saison) ist oft schmal. Covic möchte eigentlich einen offensiven Fußball spielen und selbst Druck ausüben. Gegen eine individuell aber so überlegene Mannschaft wie dem FC Bayern München wäre das aber der Weg ins eigene Verderben. Hertha hat das Ziel, die Lücke zur Top 7 zu verkleinern. Das Spiel gegen München hat gezeigt, dass man auf einem guten Weg ist, Covic auch keine Angst vor großen Namen hat und taktisch variabel ist. Nun muss man am kommenden Spieltag gegen Wolfsburg aber ganz neue Facetten zeigen. Im ersten Heimspiel der Saison wird man sich nicht hauptsächlich auf die Defensivarbeit beschränken können. Wolfsburg ist die Kategorie Mannschaft, zu der man aufschließen möchte. Deshalb wird diese Partie aussagekräftiger und richtungsweisender werden, als ein Ausnahmespiel gegen die stärkste deutsche Mannschaft.

Ein Wiedersehen mit alten Freunden

Neben dem Bundesliga-Auftakt gab es auch die Auslosung für die zweite Runde des DFB-Pokals. Die Losfee meinte es gut und so bekam man nicht nur einen Zweitligisten als Gegner (auf ein Erstliga-Duell kann man ruhig noch ein paar Runden verzichten), sondern auch ein Heimspiel sorgte für Begeisterung. Dynamo Dresden ist für seine reisfreudigen Fans bekannt (die sich hoffentlich auch als friedliche Gäste erweisen), wodurch das Stadion wohl ausverkauft sein wird. Mit Patrick Ebert kommt auch eine Berliner Legende zurück in die Heimat. Ihm wird man einen besonders warmen Empfang bereiten. Mit der SGD hat man also einen Gegner bekommen, den man sportlich eigentlich schlagen sollte und der viele Fans mitbringt. Es hätte durchaus schlimmer kommen können.

Diese Woche bei … Hertha BSC, KW 33

Von Chris Butzke

Kein Geld schießt auch keine Tore

Es war ein turbulenter Sommer in Berlin. Der Einstieg von Lars Windhorst und seiner Beteiligungsfirma „Tennor“ sorgte bundesweit für ein Aufhorchen. Für 125 Millionen Euro sicherte man sich 37,5% der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA und hat zusätzlich die Möglichkeit, im nächsten Jahr sogar auf insgesamt 49,9% aufzustocken, was nochmals 125 Millionen Euro auf das chronisch klamme Hertha-Konto spülen könnte. In Berlin wählt man also ein Modell, welches sich schon bei Borussia Dortmund bewährt hat. Die Borussen haben sogar über 94% ihrer KGaA-Anteile veräußert. Wächst in Berlin also ein neues Schwergewicht im deutschen Fußball heran? Dies muss man klar verneinen. Die neuen finanziellen Mittel können die Lücke zur Top 6 verkleinern, doch wird man nicht schlagartig Vereine mit regelmäßigen Einnahmen aus europäischen Wettbewerben oder mit einem erhöhten Sponsoring (Bayer und VW pumpen jährlich deutlich mehr in ihre Vereine, als es marktgerecht wäre) mithalten können, weder sportlich noch finanziell. Somit ist in Berlin nicht plötzlich ein „Big City Club“, auch wenn es der Wunschtraum von Lars Windhorst ist. Doch wie sagte schon Onkel Ben zu Peter Parker, aus großer Macht folgt große Verantwortung. Es liegt nun an Manager Michael Preetz, verantwortungsvoll mit den neuen finanziellen Möglichkeiten umzugehen. Bei dem überhitzen Transfermarkt ist frisches Geld schnell verbrannt, die Transfers müssen sitzen.

Der Bayernschreck holt Bayernschreck

Und somit kommen wir zum nächsten Teil des turbulenten Sommers. Aufgrund der neuen finanziellen Möglichkeiten war es für Hertha-Fans ein neues Gefühl, denn plötzlich gab es viele Gerüchte um junge, talentierte und somit auch teure Spieler. Reiss Nelson, Dodi Lukebakio und Francois Kamano sind eine Kategorie, aus der sich der Hertha Fan in den letzten Jahren maximal bei der eigenen FIFA-Karriere bedienen konnte, nachdem man am Budget-Regler gedreht hat. Letztendlich durfte sich Dodi Lukebakio, der maßgeblich an der Überraschungssaison von Fortuna Düsseldorf beteiligt war, die Krone als Königstransfer aufsetzen. 20 Millionen Euro flossen dafür nach England zum FC Watford. Außerdem schloss sich Eduard Löwen der alten Dame an und sorgt noch mehr Flexibilität in der Mittelfeldzentrale. Dort wird er sich mit Marko Grujic um Einsatzzeit streiten. Der serbische Shootingstar aus der letzten Saison wird auch dieses Jahr das Hertha-Trikot überstreifen und weiter Erfahrungen sammeln, um bald bei seinem Hauptarbeitgeber in Liverpool Spiele bestreiten zu können. Für den erweiterten Kader verstärken Dedryck Boyata (ablösefrei von Celtic Glasgow) und Sturmtalent Daishawn Redan (2,7 Millionen Euro von FC Chelsea). Während Boyata mit seinen 28 Jahren Erfahrung in die sonst junge Innenverteidgung bringt, ist Redan eine Investition in die Zukunft (mit etwas Hoffnung, dass er sich ähnlich schnell integriert wie Dilrosun letztes Jahr). Auf der Abgangsseite werden Lazaro und Lustenberger zu spüren sein. Lazaro fehlt mit seiner sportlichen Klasse, Lusti wird als Mensch eine Lücke hinterlassen, die niemand so schnell schließen kann.

Aua in Aue

Die Vorbereitung lief recht ruhig. Selbst ein grottenschlechter und lustloser Auftritt in Aue sorgte nicht für tiefe Sorgenfalten. Zu groß ist das Vertrauen in Covic und in seine Spielidee. In den anderen Testspielen waren die Auftritte zumindest bemüht, verschiedene Systeme wurden ausprobiert und einige wertvolle Erkenntnisse konnten gewonnen werden, zum Beispiel, dass die Position des Rechtsverteidigers am besten eine Mischung aus Leckie Klünter wäre. Vielleicht sollte man sich mit der Universität Tokio kurzschließen, schließlich sind dort die Experten, wenn es um das Kreuzen von Menschen, Wesen und menschlichen Wesen geht. Außerdem ist Esswein ein wirklich schneller Mann, es muss doch ein Team geben, dass Geschwindigkeit auf den Außen braucht (looking at you, Bayern Munich). Glücklicherweise blieb man auch von schweren Verletzungen verschont. So bleibt unter dem Strich eine recht erfolgreiche Vorbereitung stehen, zumindest soweit man aus Testspielen und Trainingslagerberichten eine aussagekräftige Meinung ableiten kann.

Pflichtsieg im Pflichtspiel

Der erste Härtetest war die Erstrundenpartie gegen den VfB Eichstätt. Gegen den Regionalligisten kam es zu einem letztendlich ungefährdeten 5:1-Sieg. Ein solch souveräner Auftritt in der ersten Runde ist man als Herthaner schon fast gar nicht mehr gewöhnt. Auffällig war die offensive Ausrichtung mit einer Viererkette, wobei Torunarigha und Leckie die Positionen der Außenverteidiger bekleideten. Durch Leckie als RV ging man kalkuliertes Risiko, da man defensiv so anfällig war. Sein Partner in crime auf der linken Seite war hingegen als defensive Absicherung eingeplant, spielte aber etwas forsch und musste zur Halbzeit wegen akuter Gelb-Rot-Gefahr runter. Für ihn kam mit Alex Esswein ein Spieler, der die Bühne nochmal nutzen konnte ( 1 Tor, 1 Vorlage), um sich auf den Zetteln von Robert Kovac und Co auf der Tribüne zu verewigen. Denn sind wir mal ehrlich, auch mit Perisic fehlt es dem Bayern-Kader etwas an Breite und Erfahrung.

 

Zum restlichen Spiel kann man sagen, dass sich Vladimir Darida mit einer starken Leistung als Dreh- und Angelpunkt in der Zentrale Hoffnungen auf mehr machen darf. Er gilt sowieso schon als der Gewinner der Vorbereitung und konnte den guten Eindruck bestätigen. Seinen Konkurrenten Maier, Grujic und Löwen hat er vor allem Erfahrung voraus. Insgesamt ist Hertha in diesem Mannschaftsteil hervorragend aufgestellt und kann somit die Ideen von Ante Cociv besser umsetzen, der einen höheren Fokus auf ein spielstarkes Mittelfeld legt als Vorgänger Pal Dardai.

 

Die Welt sieht die Hertha

Bereits am Freitag geht es nach München zum Bundesligaauftakt und somit bekommt Hertha internationale Aufmerksamkeits. Naturgemäß ist man gegen die Bayern Außenseiter, doch sind die Top-Clubs am Anfang der Saison auch noch auf der Suche nach der eigenen Identität. Gepaart mit der Unruhe, die man durch die eigenen Aussagen bezüglich eventueller Transfers selbst heraufbeschworen hat, könnte Hertha wieder ein unangenehmer Gegner für den Rekordmeister werden. Außerdem ist der 20-Milliionen-Mann Lukebakio besonders durch seinen Hattrick gegen die Münchner ins weltweite Rampenlicht gerückt. Man hat auf alle Fälle das Potential, um ein Stolperstein zu sein, aber genauso gut können die Bayern abgeklärt 5:1 über defensiv überforderte Berliner hinwegfegen. Ein Coman kann die Schwächen auf der rechten Seite wohl eher ausnutzen als ein Athedon Lushi vom VfB Eichstätt. Denn auch wenn Klünter defensiv deutlich stärker ist als Leckie, würde eine rechte Seite mit Klünter und Lukebakio (falls er schon fit genug für die erste Elf ist) oder Kalou anfällig sein, da sowohl Kalou als auch Lukebakio defensiv in etwa so sorgfältig arbeiten wie die Sportbild bei der Recherche über die Identitäten von Zweitliga-Spielern. Doch auch wenn man ein schweres Auftaktprogramm hat, kann Hertha über 34 Spieltage vielleicht den einstelligen Tabellenplatz erreichen. Wenn es nach Marko Grujic geht, ist sogar eventuell noch etwas mehr drin.

Diese Woche … bei Alba Berlin, KW 24

Von Heiko Eisser

Endlich ist es soweit: Die Finals der BB-Saison 18/19 stehen an. Die Wiederholung der letztjährigen Finalserie war von vielen vorausgesagt worden und für viele keine große Überraschung. Doch mussten beide Teams vorher noch ihre Halbfinalspiele gewinnen. Hatten die Bayern bereits am Vorabend mit einem 95:80 gegen Vechta den Einzug in die letzte Runde fest gemacht, musste Alba Berlin seinerseits noch zum Auswärtsspiel in Oldenburg antreten.

Unerwartet klar und doch hoch verdient

Die Ausgangsposition vor Spiel 3 der Halbfinalserie konnte für das Team von Alba Berlin nicht besser sein. Sie führten bereits vor der Reise nach Oldenburg mit 2:0 in der Serie und konnten sich entspannter auf die Begegnung vorbereiten als die Hausherren. Doch liessen die Mannen von Alba Coach Aito eine entspannte Einstellung gar nicht zu. Bereits nach Spiel 2 in eigener Halle machten die Albatrosse in Interviews deutlich, dass noch gar nichts gewonnen war. Der Einzug ins Final alles andere als sicher.

Diese Einstellung legten sie zu Beginn der Partie in Oldenburg an den Tag und agierten hoch konzentriert vom Tip off an. Eine schnelle 12:4-Führung nach 2:50 Minuten als Zeichen an die Baskets, dass man auch den dritten Vergleich in der Saison 18/19 in Oldenburger Halle für sich entscheiden will.

Die zunächst nervös spielenden Mannen von EWE Coach Mladen Drijencic gingen im Laufe des ersten Viertels konzentrierter ans Werk. Die in Spiel zwei von außen vermissten Treffer fielen in der Anfangsphase nun besser. In seinem 484. BBL-Spiel konnten sich die Oldenburger zu Beginn auf ihr Urgestein Ricky Palding verlassen. Zum Ende des ersten Viertels war die EWE wieder in Reichweite und auf der Anzeigetafel prangte ein 25:28 aus Sicht der Baskets.

Doch diese Konstanz sollte sich auf Seiten der Oldenburger, wie in der vergangenen Partien gegen Alba, nicht stabilisieren. Im Laufe des zweiten Viertels verfehlten sie die Körbe und Alba nutzte hier die Chancen die sich ihnen boten. Besonders wurden wieder unter dem Korb durch Nnoko und Sikma die Reboundquote hoch gehalten. Ein Garant für die bisherigen Siege in den Partien der Halbfinalserie. Oldenbur konnte hier in keiner Partie Alba etwas entgegen setzen.

Das Team von Alba spielt im Laufe der Partie weiterhin sehr souverän und kann die Baskets in eigener Halle immer etwas entgegen setzen. Selbst als Center Nnoko – wieder im sehenswerten Duell mit Oldenburgs Mahalbasic – im Laufe des Viertels bereits mit drei persönlichen Fouls auf die Bank muss, kann Johannes Thiemann unterm Korb die Leistung der Alba Center hoch halten. Verdient geht Alba mit einer 47:43 Führung in die Halbzeit.

Nach dem Seitenwechsel hatten die Oldenburger wieder ihren Offensivdrang gefunden und starteten mit einem 8:0-Lauf in den zweiten Durchgang. Doch recht unbeeindruckt konterte Alba ebenfalls mit einem 8:0-Lauf. Dies schien in dieser Partie wieder der Faktor zu sein: Wenn Oldenburg einen Lauf hatte oder eine besondere Aktion, konnte Alba mit einem entsprechenden Wurf kontern. 70:67 ging es aus Alba Sicht in das letzte Viertel.

Die Oldenburger starteten durch Phillip Schwedthelm mit einem Dreier in den letzten Spielabschnitt und glichen zum 70:70 aus. Doch Alba hatte in Form eines wieder überragend agierenden Payton Siva die passende Antwort. Mit diesen Aktionen schienen die Oldenburger schier zu verzweifeln und verloren mit dem fünften Foul von Mahalbasic nicht nur einen entscheidenen Faktor auf dem Parkett. Alba hielt die Schlagzahl zum Ende der Partie hoch und fuhr ist dem 100:89 den insgesamt 21. Sieg mit mehr als 100 Punkten in dieser Saison ein.

Wiedersehen macht Freude

Am Sonntag startet nun die Finalserie gegen den FC Bayern München und somit eine Wiederholung des letztjährigen Finales. Diese hatte damals den besseren Ausgang für die Münchner, die diese Serie mit 3:2 für sich entscheiden konnten.

Eine Wiederholung der Finalserie fand zuletzt in der Saison 2003/2004 und 2004/2005 statt. Hier standen sich die Frankfurt Skyliners und die Bamberger gegenüber. Beide Mannschaften konnte jeweils eine Meisterschaft erringen: Frankfurt 2004 und Bamberg 2005.

Solche ein Happy-End der Niederlagen-Serie in Finalspielen dürften sich Alba Berlin und deren Fans mehr als wünschen. Nach Niederlagen im BBL-Pokal gegen Bamberg und im Eurocup gegen Valencia will das Team um Kapitän Nils Giffey die Chance nutzen und die Meisterschaft nach 2008 endlich wieder an die Spree holen.

Die Serie startet in München, die als Hauptrunden Erster das Heimrecht erspielt haben. Das Alba in München bestehen kann haben sie nicht nur in der Finalserie im letzten Jahr bewiesen. Sie gewann in Spiel eins in. München 106:95.
In dieser Saison gewann Alba das Halbfinale im BBL-Pokal in München. Doch hatten die Bayern vor dieser Partie eine schwere Euroleague Woche mit Partien u.a. gegen Real Madrid.

In den Partien in der BBL-Saison konnten die Münchner beide Spiele für sich entscheiden. Nach dem knappen 83:81 in eigener Halle, besiegten die Bayern Alba am 30. Spieltag mit 85:75 in Berlin. Hier war Alba jedoch nach vier Spielen n zehn Tagen nicht frisch und erholt in die Partie gegangen.

Nach einer spielfreien Woche für beide Mannschaften, dürften die Karten neu gemischt sein. Bei Alba Berlin sind bis auf den langzeitverletzten Stefan Peno alle Leistungsträger an Bord.

Beide Teams sind auf den Positionen 1-5 und mit Spielern von der Bank kommend hervorragend besetzt. Lediglich auf der Point Guard Position haben die Bayern mit Stefan Jovic einen größentechnischen Vorteil gegenüber den etwas kleineren Berliner Guards Payton Siva oder Derrick Williems Jr. Um diesen Größennachteil auszugleichen könnte hierbei wieder Nachwuchsspieler Jonas Mattisseck zum Zuge kommen. Dieser hatte beim Sieg im Halbfinale des BBL-Pokals eine entscheidende Rolle gespielt und zum Sieg gegen die Bayern selbst 15 Punkte beigesteuert.

Unterm Korb dürfte es zwischen Bayerns Danilo Barthel und Albas Landry Nnoko zu einem ebenso interessanten Vergleich kommen. Hatte Nnoko im Halbfinale mit Oldenburgs Mahalbasic einen mehr als würdigen Gegner, wird im Finale der Albatros noch eine Schippe drauf legen müssen. Der deutsche Nationalspieler in Diensten der Bayern hat eine überragende Saison gespielt und dürfte mit dieser Leistung für NBA- und Euroleauge Teams mehr als interessant geworden sein.

Eine entscheidende Rolle dürfe auch den Bankspieler beider Mannschaften zukommen. Durch die Aufstellung als Euroleauge Team haben die Bayern hier vor der Saison tief in die Tasche gegriffen um den Einzug ins Top16 zu schaffen. Das dies nur knapp verpasst wurde, lässt den Kader der Bayern nicht weniger imposant erscheinen.

Mit Derrick Williams kommt ein Spieler als „Ergänzung“ aufs Parkett, der im NBA-Draft 2011 an zweiter Position gepickt wurde. Im Laufe seiner bisherigen Karriere machte er bis 2017 Stationen u.a bei den Dalles Mavericks, New York Nicks und Cleveland Cavaliers. Ein Spieler also, der Alba schweres Kopfzerbrechen bereiten kann.

Doch konnte Alba in dieser Saison immer wieder bei großen Spielen überzeugen und ihre Chancen nutzen. Obwohl fast alle Playoffspiele in dieser Saison mit einem Sweep beendet wurden – Ausnahme der Sieg von Rasta Vechta gegen Bamberg mit 3:1 – besteht die Hoffnung, dass diese Serie ähnlich spannend wird wie die Finals im letzten Jahr.

Das Team bleibt bestehen – fast

Mit dem Einzug ins Finale scheint die Teilnahme von Alba Berlin in der Euroleauge in der kommenden Saison sicher zu sein. Dies konnten die Albatrosse und deren Verantwortlichen umgehend nutzen und verlängerten den auslaufenden Vertrag mit Eurocup-MVP Luke Sikma um (im Basketball unüblich) vier (!) Jahre.

Luke Sikma ist vom Team und dem Umfeld überzeugt, so dass der 29-jährige der Alba-Familie die Treue hält. Viele Beobachter des Basketballs in Deutschland nehmen dies ebenfalls als Zeichen, dass sich Coach Aito auch weiterhin der Alba Mannschaft verschreiben hat.

Doch nicht alle werden bleiben. Mit Assistent Thomas Päch verlieren die Albatrosse einen hervorragenden Mann aus dem Trainerteam von Coach Aito. Päch wird in der kommenden Saison als Headcoach die Telekom Baskets Bonn anführen. Seine Führungsqualitäten hat Päch bereits zum Ende der Saison 2016/2017 bewiesen, als der damalige Coach Ahmet Çakı entlassen wurde. Viele Teams hatten sich um den allseits beliebten Thomas Päche bemüht und wird in Bonn Chris O’Shea ersetzen, der als Interimstrainer die zweite Saisonhälfte der Bonner absolvierte.

Diese Woche … bei den Füchsen Berlin, KW 24

Von Heiko Eisser

Beim letzten Heimspiel einer Saison herrscht immer ein wenig Wehmut:es wird auf spannende Spiele, knappe Siege zurück geblickt und ist ein wenig froh, dass etwas Ruhe einkehren kann. Ebenso werden Spieler verabschiedet, sei es in den Ruhestand oder dass sie aus sportlichen Gründen den Verein wechseln. Und natürlich sollte man sich als Heimmannschaft mit einem Sieg von den eigenen Fans verabschieden. Sollte.

Der letzte Auftritt der Saison

Tief durchatmen mussten Spieler, Funktionäre sowie die Fans im Fuchsbau am vergangenen Sonntag gegen 16:20 Uhr. Nach einer enttäuschenden Leistung gegen die HSG Wetzlar war letztendlich das Saisonziel mit der Teilnahme am EHF-Cup gesichert. Doch alles andere als zufrieden können die Jungs von Trainer Velimir Petkovic mit ihrer abschließenden Leistung sein.

Die Füchse trafen mit Wetzlar auf eine Mannschaft, die im Tabellenmittelfeld der Liga landete. Eine überaus stabile Saison für die Mittelhessen, die unter Trainer Kai Wandschneider im Rahmen ihrer Möglichkeiten blieb. Das die Saison seitens Wetzlar schon Ausklang, wurde durch die Mannschaftsfahrt nach Mallorca deutlich, die das Team zwischen dem vorletzten und letzten Spieltag durchführte. Eine Regeneration die in Handballkreisen nicht unüblich ist.

Diese eineinhalb Wochen spielfreie Zeit nutzte Füchse Coach Petkovic hingegen intensivst um sein Team auf den Gegner vorzubereiten. Mit den direkten Tabellennachbarn MT Melsungen und der Bergische HC konkurrierten die Füchse gegen zwei Teams, die eine gute Saison krönen wollten. Um sicher im EHF-Cup zu starten, benötigten die Füchse einen Sieg gegen Wetzlar.

Von Beginn an führten beide Mannschaften eine harte Partie. Kein Ball sollte verloren gehen, kein Tor sollte ohne enormen Aufwand erzielt werden. Auf Berliner Seite war wieder Kapitän Hans Lindberg gefordert, der mit seinen Siebenmetern die Füchse im Spiel hielt. Wetzlar steckte zunächst nicht auf, und konnte den Hausherren die Stirn bieten.

Mit Hilfe zweier Zweiminuten-Strafen schafften es die Füchse in der zwölften Minute das 5:3 zu erzielen und einen kleinen Puffer zu den Gästen heraus zu spielen. Doch fehlte im Abschluss mitunter bei der Mannschaft von Coach Petkovic die Konzentration diesen Vorsprung noch zu erhöhen. Mit dem Halbzeitpfiff und einem Siebenmeter durch Holst, blieb Wetzlar mit 11:14 in Reichweite.

Der zweite Spielabschnitt hielt dann sein Versprechen aus der ersten Hälfte, dass es sich um ein hart umkämpftes Match handelt. Im Laufe der Zeit agierten die Gäste jedoch konzentrierter und machen in der 43. Minute den Ausgleich zum 17:17.

In der Folge reagierten die Füchse eher als sie die spielbestimmende Mannschaft zu sein und hatte in der Abwehr viele unkonzentrierte Momente, die die Gäste zu einfachen Torerfolgen kommen lies. Ohne Abwehr Spieler Mandalinic fehlte eine zusätzliche Option vor Torhüter Silvio Heinevetter. Zumindest dieser agierte an diesem Tag durchweg auf hohem Niveau und war mit elf Paraden mehr als im Soll seiner Schaffenskraft.

Doch waren seine Mannschaftskameraden in dieser Phase der Partie nicht in der Lage noch zuzulegen und den Sieg unbedingt zu wollen. Als die Gäste während einer zwei Minuten Strafe der Füchse die 27:25 Führung erzielten, glaubten selbst berufliche Optimisten nicht mehr an einen Triumph der Füchse in den noch anstehenden 50 Sekunden. Nun kam es auf die Begegnungen der direkten Kontrahenten um die internationalen Plätze an.

Fernduell um den EHF-Cup

Als Tabellensechster vor dem letzten Spieltag hatte die MT Melsungen mit dem TBV Lemgo Lippe wohl den einfacheren Gegner. Zwar fand diese letzte Partie der Saison wieder als Gastspiel in Kassel statt, doch wollten die Spieler der MT den Sieg und die Reise nach Europa klar machen.

Die Mannschaft um Nationalspieler Tobias Reichmann startete in die Partie als klarer Favorit und konnte dieser Stellung im Laufe der ersten Hälfte gerecht werden. Nach der Verabschiedung der Müller Zwillinge kam nur kurz entsprechender Schmerz auf, der durch einen überragenden Michael Allendorf schnell gestillt wurde. Unter seiner Führung gingen die Nordhessen konzentriert ans Werk und hielt das Team von Lemgo Coach Florian Kehrmann immer auf Abstand. Am Ende stand mit dem 31:27-Sieg der nächste Meilenstein der MT Melsungen fest: die Teilnahme am EHF-Cup.

Die Teilnahme an diesem Wettbewerb wäre für den Aufsteiger Bergischer HC eine sehr große Überraschung. Das Team um Kapitän Kristian Nippes empfing in der abschließenden Partie die SG Flensburg-Handewitt. Für diesen Abschluss der Saison wurde das Heimspiel in die Kölner ISS-Dom verlegt und so fanden 10 043 Zuschauer platz. Dies war nötig, da von den Gästen rund 2500 Fans ihrem Team bei der wohl anstehenden Meisterkrönung bei stehen wollten und ins Rheinland reisten.

Schnell konnte man als neutraler Zuschauer sehen, dass es die Hausherren dem Gast nicht zu leicht machen wollten, sondern die eigene Chance auf den Start im internationalen Geschäft bewahren. Die Gäste mussten alles aufbieten, damit sie die Meisterschaft nicht am letzten Spieltag an den THW Kiel abgaben. Doch am Ende Stand ein 27:24-Erfolg der Flensburger, die damit ihre zweite Meisterschaft in Folge feierten und den Berliner Füchsen so den Start im EHF-Cup ermöglichten.

Die Erleichterung der Füchse und ihrer Anhänger konnte man an diesem späten Sonntagnachmittag im der Max-Schmeling-Halle greifen. Nach einer durchwachsenen und von zahlreichen Verletzungen begleiteten Saison, war das Minimalziel EHF-Cup Teilnahme gesichert.

Blick zurück nach vorn

Vor der Begegnung wurde seitens der Berliner Verantwortlichen vermeldet, dass der mit Jacob Holm geschlossene Vertrag vorzeitig bis 2014 verlängert wurde. Die Verantwortlichen der Füchse sehen noch einiges an Entwicklungsmöglichkeiten beim 23 Jahre alten Dänen.

Mit Nachwuchsspieler Torben Matzken wurde ein weiterer Spieler aus dem Nachwuchs mit einem Profivertrag ausgestattet. Die Kaderschmiede der Hauptstädter entwickelte in den letzten Jahren sehr viele junge Akteure, die mittlerweile in Berlin oder anderen Bundesligastandorten auf Punktejagd gehen. Nicht wurden die Nationalspieler Fabian Wiede und Paul Drux im Füchse Nachwuchs ausgebildet und zu Topniveau geformt.

Mit den bereits verkündeten Verpflichtungen für die neue Saison scheint die Arbeit von Manager Bob Hanning vorerst in der Sommerpause zu sein. Mit dem langzeitverletzten Nationalspieler Simon Ernst soll mit dem Start der Vorbereitung auf die neue Saison am 10.7. in die Mannschaft zurück kehren. Ebenfalls dürfte der an der Schulter operierte Fabian Wiede den Trainingsbetrieb mit seinem Mannschaftskameraden aufnehmen.

Bis dahin ist allerdings Sommerpause, die die Füchse nach der durchwachsenen Saison dringend benötigen.

Diese Woche … in der Handball-Bundesliga, KW 24

Von Sascha Staat

Jubel, Trubel, Traurigkeit

Womit anfangen nach einer mal wieder historischen Woche im Handball? Dass heute Abend die deutsche Nationalmannschaft in Israel ein Spiel in der EM-Qualifikation bestreitet und diese dann am Wochenende in Nürnberg abschließt, ist momentan ganz sicher eine Randnotiz. Denn die wichtigen Schlagzeilen schreibt momentan die DKB Handball-Bundesliga. So hat sich die SG Flensburg-Handewitt zum zweiten Mal in Serie und zum dritten Mal überhaupt den Titel sichern können. Am letzten Spieltag machten gut 2.500 Fans, die aus dem Norden mitgereist waren, die Partie beim Bergischen HC im mit über 10.000 Besuchern dem Anlass entsprechend gefüllten ISS Dome in Düsseldorf fast zu einem Heimspiel.

Nur vier Minuspunkte bei zwei Niederlagen (in Magdeburg und Kiel wurde mit einem bzw. zwei Toren Differenz verloren) sprechen eine klare Sprache, der Titel ist mehr als verdient. Dabei ragte in seinem letzten Jahr als Aktiver Abwehrchef und Kapitän Tobias Karlsson ebenso heraus wie der Däne Rasmus Lauge. Er wurde zum MVP der Liga gewählt, als Nachfolger des fünffachen  Andy Schmid von den Rhein-Neckar Löwen. Trainer Maik Machulla ist übrigens erst der zweite Trainer, der in seinen ersten beiden Jahre in der Bundesliga jeweils den Titel holt. Das schaffte vor ihm nur Klaus Zöll 1978 und 1979 mit dem TV Großwallstadt. Dem Meister(coach) gelang also Historisches.

Dramatisch war es bei den Flensburgern zum Ende hin selten, ganz im Gegenteil zum Abstiegskampf, wo gleich drei Teams noch die Chance hatten in der Liga zu bleiben. Zwei davon, die SG BBM Bietigheim und der ruhmreiche VfL Gummersbach, trafen sogar im direkten Duell aufeinander. “The winner takes it all” lautete das Motto, ein Remis würde allerding die Eulen aus Ludwigshafen, die auch zwei Jahre nach der Namensänderung oft noch als TSG Friesenheim bezeichnet werden, wieder mit in die Verlosung bringen.

Der Leser kann es sich an dieser Stelle denken, Bietigheim und Gummersbach trennten sich Unentschieden, es kam also auf die Eulen an. Die lagen in ihrem drittletzten Spiel zuhause gegen den Bergischen HC schon mit acht Treffern zurück, gewannen die Partie aber ebenso wie das Spiel bei den hochfavorisierten Rhein-Neckar Löwen und in allerletzter Sekunde auch noch die Begegnung gegen GWD Minden, weil der letzte Wurf der Gäste das Ziel verfehlte. Das nennt man ein Comeback. Gummersbach, der Handball-HSV, trauert nach 53 Erstligazugehörigkeit inklusive Vereinsikone Heiner Brand tief.

Ein Blick zurück auf das Wochenende zuvor sollte nicht fehlen. Warum? Weil Handball in Mazedonien eine andere Nummer ist als überall woanders. Vardar gewann trotz großer finanzieller Sorgen mit einer Rumpftruppe sowie dem Deutschen Christian Dissinger die Champions League. Das halbe Land feierte die Helden von Köln bei ihrer Rückkehr nach Skopje. Sowas sieht man hierzulande leider nur im Fußball. In Mazedonien sind die Spieler jedenfalls Legenden. Und unsterblich.

Gepostet von RK Vardar am Montag, 3. Juni 2019

 

Wie immer, es war gut was los im Handball. Business as usual.

Diese Woche … bei ALBA Berlin, KW 23

Von Heiko Eisser

Basketballherz, was willst du mehr. Bereits vor der ersten Begegnung konnten sich die Fans von Alba Berlin und den Baskets Oldenburg auf diese Spiele freuen. Ebenfalls hatten die neutralen Experten auf eine hochklassige Serie gehofft – keine Seite sollte enttäuscht werden. Also fast. Die Oldenburger dürften mit dem Stand in der Serie eher unzufrieden sein.

Am Sonntag kommt es nun zum dritten Vergleich im BBL-Halbfinale. Alba könnte mit einem erneuten Auswärtserfolg einen Sweep holen. Die Oldenburger müssen ihr Heimspiel gewinnen, wollen sie eine Rekordsaison nicht im Halbfinale beenden.

Oldenburg – immer ein Reise wert

Zum Start der Serie trat Alba Berlin bei den Baskets in Oldenburg an. Die Marschrichtung der Hausherren war klar umrissen, damit Alba nicht direkt zum Start der Serie den Heimvorteil „klaut“.
Zunächst ging der Plan der Oldenburger auf, mit einem aggressiven Abwehrverhalten und schnellem Rückzug nach eigenen Versuchen den Fluss der Berliner zu stoppen. Die Belohnung war ein 2:9 aus Berliner Sicht.

Doch zollte die Spielweise der Baskets schnell ihren Tribut, da bereits zu Ende der ersten Viertels der Season-MVP Will Cummings mit zwei Fouls auf die Bank musste. Was zunächst als Schwächung gesehen werden konnte, nahm Cummings „Ersatzmann“ Frantz Massenat als Anlass seine Fähigkeiten zu zeigen.

Das die Berliner nie aufstecken demonstrierten sie, als zum Ende des ersten Viertels noch wenige Sekunden zu spielen war. Peyton Siva nahm sich den Ball und netzte zum 21:21 ein. Dies war recht ungewöhnlich, da die Berliner im ersten Viertel zehn ihrer 21 Punkte von der Freiwurflinie holten. Bis zum Ende der Partie wurden den Berliner 22 Mal an die Linie geschickt. Das Oldenburger Abwehrverhalten zog sich durch die ganze Partie und sollte ausschlaggebend für den Ausgang des Spiels sein.

Die Hausherren agierten weiterhin sehr physisch und gerieten schnell in Foulprobleme. Cummings und Center Mahalbasic waren bereits zur Halbzeit der Partie mit je vier Fouls belastet und mussten von Coach Drijencic aus der Partie genommen werden.
Die Albatrosse setzten hingegen weiterhin auf den Zug zum Korb, da die Würfe von aussen nicht fallen wollten. Zwar holten sie unterm Korb die zahlreiche Rebounds und kamen oft zu zweiten Chancen, ließen sie diese jedoch liegen. Nach einem 11:2-Lauf zu Beginn des zweiten Viertels, gaben sie den Baskets in einer sechsminütigen Phase ohne eigenen Korb die Möglichkeit wieder heran zu kommen. Zum Ende der ersten Hälfte stand es 73:72 für die Oldenburger.

Ein schönes Duell unter den Körben konnte man zwischen Albas Nnoko und Oldenburgs Mahalbasic beobachten. Beide sind nicht bekannt für ihr filigrane Art des Verteidigens, doch wusste der jeweils andere immer, wie man seinen gegenüber ausspielen konnte. Das Landry Nnoko hier der clevere Teil des Duells war, wurde mit Mahalbasic´s viertem persönlichen Foul kur vor Ende der ersten Halbzeit deutlich.

Will Cummings, ebenfalls mit vier Fouls im zweiten Durchgang, versuchte nun die Partie zu entscheiden. Dass er dies mit einem ungestümen offensiv Foul sogar tat, war den Zuschauern in der ausverkauften EWE-Arena schnell bewusst. Als im Laufe der zweiten Hälfte auch Mahalbasic ihm auf die Bank folgte hatten die Oldenburger den Glauben an einen Sieg verloren. Bereits zwei Minuten vor Ende führten die Hauptstädter mit 92:83 und machten nicht den Anschein den Sieg verspielen zu wollen. Mit dem 100:93 durch Luke Sikma war die Partie zu Ende.

Den Berlinern gelang damit der zweite Auswärtserfolg in Oldenburg in der Saison und bleiben das einzige Team der BBL, die bei den Baskets gewinnen konnten. Eine gute Ausgangslage für den zweiten Vergleich in Berlin war gelegt.

Heimstärke bewiesen

Die Oldenburger hatten in der regulären Saison Alba die erste Heimniederlage beschert. Um den Heimvorteil wieder in den eigenen Hände zu halten, musste in Berlin ein erneuter Sieg geholt werden.

Diesen Willen bewiesen die Baskets unmittelbar zum Start der Partie, als sie konzentriert zu Werke ging und durch Ricky Paulding mit zwei erfolgreichen Dreiern aus identischer Position ein 7:2 heraus gespielt wurde. Alba im Gegensatz mit einer im Abschluss unkonzentrierten Anfangsphase. Durch die wieder starke Reboundleistung – in der kompletten Partie griffen sich die Albatrosse 43 Rebounds – kamen die Jungs von Coach Aito immer wieder zu zweiten bzw. dritten Chancen, die jedoch zunächst nicht durch die Reuse gehen wollten.

Bei Oldenburg erwischte MVP Will Cummings einen eher durchwachsenen Start. Hinzu kamen seiner Meinung nach schlechte Pfiffe des Schiedsrichtergespanns um Robert Lottermoser. Eine hitzige Partie, die hin und wieder auch bei den Zuschauern fragende Gesichter zurück lies. Aber diese engen und ruppig geführten Partien sind das Salz in einer jeden Playoffrunde.

Nach dem 17:13 aus Alba Sicht nach dem ersten Viertel, ging Oldenburg konzentrierter ans Werk und legte zu Beginn des zweiten Durchgangs einen 5:0-Lauf hin. Alba konterte seinerseits mit einem 7:0-Lauf und unterbanden den Offensivdrang der Niedersachsen. Um Will Cummings runter zu kühlen, entschloss sich Basket Coach Maden Drijencic ihn auf die Bank zu beordern. Sein Backup Frantz Massenat vertrat ihn erfragend und die EWE ging zwei Minuten vor der Halbzeit mit 29:28 in Führung. Mit starkem Willen verteidigte Alba in dieser Phase und ging mit einer 32:29-Führung in die Halbzeit.

Die weiterhin sehenswerte Partie wurde in der zweiten Hälfte vor 9200 Zuschauern in der Arena am Ostbahnhof noch intensiver. Besonders ist hierbei das Duell unterm Korb zwischen Landry Nnoko und Rashid Mahalbasic zu erwähnen. Wie auch in Partie eins lieferten sich beide Spieler einen spektakulär anzusehenden Infight, der meist nur mit einem Foul gestoppt werden konnte. Beide am Ende der Partie mit jeweils vier persönlichen Fouls.

Zum Ende des dritten Viertels leistet sich Oldenburg dann eine schwache Phase, die durch Luke Sikma und Co effektiv ausgenutzt wurde. Eine acht Punkte Führung veranlasste EWE-Coach Drijencic umgehend zur Auszeit. Doch hielt Alba nach dieser weiterhin dagegen und Oldenburg auf Abstand. 60:52 endete das Viertel.

Im letzten Durchgang konnte Oldenburg nicht zulegen. Alba hingegen besserte seine schlechte Freiwurfquote aus der ersten Hälfte (1 von 7 fanden ihr Ziel) aus und vergrösserte so den Abstand zu Oldenburg. Bereits 1:11 Minuten vor Ende der Partie führt Alba mit 13 Punkten und für am Ende einen 79:68 und das 2:0 in der Serie ein.

Sweep oder Pause bis zum Finale?

Besonders stolz dürfte das Team um Alba Berlin auf die Leistung in der ersten Hälfte des Heimspiels gegen Oldenburg nicht sein. Die Würfe von aussen wollten nicht fallen. Doch konnte dieses Manko mit einem wieder starken Rebounding ausgeglichen werden. Erst in der zweiten Hälfte fielen die Dreier, die vom Publikum in der Arena am Ostbahnhof gefeiert werden.

Zuvor mussten die intensiven Duelle in der Abwehr gegen die Oldenburger gewonnen werden. Hier sah man im Laufe der Partie wieder das gewohnt starke Verhalten der Albatrosse in der Verteidigung. Eine Mannschaftsleistung, die für das dritte Spiel in Oldenburg erneut gezeigt werden muss.

Bei den Baskets machte sich in der zweiten Hälfte bemerkbar, dass die drei Topspiele Cummings, Mahalbasic und Paulding in jeder Partie 35 und mehr Minuten spielen müssen. In der entscheidenden Phase konnten sie nicht zulegen und die Bankspieler schafften an der Spree nicht den entscheiden Punch zum Sieg.

Es wird sehr spannend zu sehen sein, wie Oldenburg das dritte Halbfinale für sich entscheiden will. Für Oldenburg dürfte es ungleich schwerer werden, da diese auch die fehlende internationalen Spiele während der Saison nun sehr kurze Wochen sind.

Alba hingegen wird durch die Siege und die gute Abwehrleistung beim 79:68 gestärkt nach Niedersachsen fahren. Egal wie die Partie nun ausgehen wird, es wird wieder ein Basketballfest für alle Zuseher.

Diese Woche…bei den Füchsen Berlin KW 23

Von Heiko Eisser

In das letzten Spiel der Saison gehen die Füchse zumindest gut vorbereitet. Die lange Unterbrechung zwischen dem vorletzten und der letzten Begegnung in der Liga beruhte auf das Champions League Finalwochenende in Köln. Zumindest für einen zukünftigen Fuchs war dieses Wochenende sehr zufriedenstellend. Doch schwitzten die Mannen von Trainer Velimir Petkovic nicht nur aufgrund der hohen Temperaturen in der Trainingshalle in Hohenschönhausen, sondern schwitzten um das Saisonziel Europa noch zu verwirklichen. Und nach dem Spiel gegen Flensburg musste vieles wieder berichtigt werden.

Heimstärke trifft auf Auswärtshoffnung

Die Partie bei der SG Flensburg-Handewitt brachte bereits am Vortag eine Hiobsbotschaft: Fabian Wiede musste aufgrund starker Schulterbeschwerden ins MRT. Bei dieser Untersuchung wurde eine schwere Verletzung festgestellt und eine Operation notwendig. Somit fiel Fabian Wiede für die Partie ins Flensburg sowie für die abschließende Partie gegen Wetzlar aus. Mit Blick auf die äusserst heimstarken Flensburger ein herber Dämpfer.

Hektisch die Anfangsphase. Beide Teams starteten aggressiv im Angriff, doch die Würfe der Angriffsreihen wurden durch beide Torhüter pariert. Bezeichnend, dass das 1:0 für die SG nach knapp drei Minuten durch einen Siebenmeter durch Flensburgs Rasumus Lauge erzielt wurde.

Im weiteren Verlauf suchten die Füchse im Angriff den Schlüssel für die 5-1-Abwehr der Norddeutschen. Gefunden wurde dieser über Linkaussen Bjarne Elisson, der die ersten Torerfolge für die Füchse holte. Allerdings gelangen den Flensburger mit ihren schnell vorgetragenen Angriffen die „einfacheren“ Treffer. Nach dreizehn Minuten lagen die Füchse 3:6 hinten und Coach Petkovic nahm die erste Auszeit.

Im weiteren Verlauf zeigte Flensburg die besseren Aktionen. Die SG strahlte im Gegensatz zu den Füchsen die nötige Selbstsicherheit aus, dieses Spiel gewinnen zu wollen. Im Angriff mühten sie die Berliner zum Abschluss zu kommen, wobei sich hier der Ausfall von Fabian Wiede besonders bemerkbar machte. Gelang es den Füchsen einmal die gut gestaffelte Abwehr der SG zu überwinden, wartete im Tor noch Flensburgs Buric der einige Würfe der Füchse entschärfte. Die Flensburger gingen verdient mit 14:8 in die Pause.

Nach dem Pausentee war die Abwehr der Füchse endlich im Spiel und stand gegen die Flensburger besser. Hinzu kam ein kleines privat Duell zwischen Silvio Heinevetter und Flensburgs Lauge, der im Laufe der Partie eher selten den Schlussmann der Füchse bezwingen konnte. Heinevetter an diesem Abend der einzige Berliner der mit seinen zwölf gehaltenen Würfen auf Normalniveau agierte. Doch hielten die Hausherren zunächst den sechs Tore Vorsprung gegenüber den Füchsen.

Aber der 42.Minuten schienen die Flensburger das Spiel schon gewonnen zu haben und ließen im Angriff die zuvor gezeigte konzentrierte Spielweise vermissen. Die Füchse holten sich die Bälle und kamen mit zwei Tempogegenstöße zum Torerfolg und auf 15:20 an die SG heran. Flensburgs Coach Maik Machulla reagierte sofort und brachte mit einer Auszeit sein Team wieder auf Linie.

Die kurze Ansprache weckte die SG und ging wieder konzentrierter zur Sache. Selbst in einer Überzahl konnte die Füchse den Rückstand auf die Norddeutschen nicht verkürzen und lagen in der 51.Minuten bereits mit 16:23 hinten. Bis zum Ende der Partie spielte die SG ihre personelle Überlegenheit aus. Die Füchse konnten den Ausfall von Fabian Wiede an diesem Abend nicht kompensieren und traten mit einer deutlichen 26:18-Niederlage den langen Heimweg in den Fuchsbau an.

Dreikampf für Europa

Die Füchse haben es nun vor dem letzten Saisonspiel gegen die HSG Wetzlar selbst in der Hand, die Teilnahme am EHF-Cup zu holen.

Der Bergische HC als direkter und punktgleicher Konkurrent um Platz 6, hat ein um 13 Treffer schlechteres Torverhältnis. Zum Saisonabschluss empfangen die Rheinländer die SG Flensburg-Handewitt, die ihrerseits mit einem Sieg die Titelverteidigung sicher machen und erneut die Meisterschale an die Ostsee holen könnten. Zumal die HC nur eines der letzten zehn Duelle gegen die SG gewinnen konnten. Dieser Sieg datiert aus dem März 2015.

Die ebenfalls im Rennen um die internationale Teilnahme kämpfende MT Melsungen erwartet zum Saisonabschluss den TBV Lemgo-Lippe. Die Nordhessen stehen mit 40 Punkten auf dem fünften Tabellenplatz und sollten diesen verteidigen können. Im direkten Vergleich stehen die Lemgoer mit 14-11 Siegen besser da. Doch haben die Verantwortlichen der MT mit der Verpflichtung von Kai Häfner ab der kommenden und Silvio Heinvetter ab der übernächsten Saison deutlich gemacht, wohin die Reise gehen soll. Hier dürfte das Motto lauten: „Je früher, desto besser“.

Beim letzten Heimspiel der Füchse kommt die HSG Wetzlar an die Spree. Die Mittelhessen werden nach einer durchwachsenen Saison wohl im unteren Mittelfeld der Tabelle enden. Dem Abstieg schon früh entronnen, konnte man sich auf die kommende Saison konzentrieren und hat wenige Abgänge zu beklagen. Zum Heimschluss besiegte das Team von Trainer Kai Wandschneider den TBV Stuttgart 26:23 und konnte so vor heimischer Kulisse einen versöhnlichen Abschluss mit dem Publikum feiern.

Nach den elf Tagen Pause, zwischen dem Spiel in Flensburg und der kommenden Begegnung gegen die HSG Wetzlar, musste Füchse Coach Velimir Petkovic viel Variation in sein Training bringen. Zum letzten Heimspiel im Fuchsbau muss weiterhin der Ausfall von Fabian Wiede kompensiert werden. Das die Aufgabe für Matthias Holm durchaus schwierig ist, zeigte die Partie gegen Flensburg. Hier dürfte wieder mehr Verantwortung auf den Schultern von Matthias Zachrisson liegen, der den Spielgestalter durchaus zuverlässig geben kann.

Gegen die HSG, die die spielfreie Zeit für einen Mannschaftsausflug nach Mallorca genutzt hat, muss ein Sieg zum erklärten Saisonziel internationaler Wettbewerb eingefahren werden. Besinnt sich die das Team um Kapitän Hans Lindberg auf ihre Stärken, dürfte ein Sieg nicht in Frage stehen.

Vor dem Spiel werden allerdings einige Spieler, die die Füchse in dieser Saison eine große Hilfe waren, verabschiedet. Bjarne Ellison, der starke Mann auf Linksaussen, wird die Füchse Richtung Lemgo verlassen. Hier wird sich zeigen, welche Pfeile Manager Bob Hanning hier im Köcher hat, um diesen Abgang zu ersetzen. Ebenfalls verabschiedet werden Eric Schmidt (SC Magdeburg), Nachwuchsspieler Christoph Reißky und Torwart Malte Semisch (GWD Minden).

Ein emotionaler Nachmittag, der mit einem Sieg gegen Wetzlar und die Teilnahme am EHF-Cup, allen beteiligten einen schönen Saisonabschluss bescheren würde.

Was sonst noch wichtig ist

Vor dem Final Four der Champions League konnte Bob Hanning die erste größere Baustelle schließen und mit Dejan Milosavljev eines der Top Torwarttalente im europäischen Handball verpflichten. Dieser feierte mit Vardar Skopje am vergangenen Wochenende überraschend den Sieg in der Champions League gegen Vezsprem und dürfte gestärkt zu seiner neuen Mannschaft stoßen.

Wie sich allerdings die Torwartsituation in der kommenden Saison bei den Füchsen darstellen wird, ist durchaus offen. Mit dem von Skopje kommenden Milosavljev, dem von der MT Melsungen verpflichteten Martin Ziemer und Silvio Heinevetter haben die Füchse wohl drei hervorragende Schlussmänner im Kader.

In wiefern sich die Teilnahme der MT Melsungen am EHF-Cup auf eine frühzeitige Verpflichtung von Silvio Heinevetter auswirkt, wird wohl erst in den kommenden Wochen klar werden. Zwar versicherten Hanning und Heinevetter nach einigen Unstimmigkeiten, die die Bekanntgabe des Wechsels nach Melsungen für 2020 begleitete, ihr Verhältnis sei wieder in Takt. Doch sind die Verpflichtung von Ziemer und Milosavljev ein deutlicher Fingerzeig, dass die Füchse Heinevetter auch früher gegen ein gewisses Entgelt ziehen lassen würden. Eine interessante Zeit nach der Saison kommt auf die Fans der Füchse Berlin zu.

Diese Woche … auf der PGA-Tour, KW 23

Kaymers Auferstehung?

Von Daniel Hofmann

In Dublin, Ohio, trafen sich die Spieler der PGA-Tour zum MEMORIAL 2019. Die European Tour suchte in der vergangenen Woche einen Sieger beim Belgian Knockout in Antwerpen.

Die harten Fakten

Der üblichen Turnierform abweichend, wird beim Belgian Knockout der Sieger im Matchplaymodus ausgespielt. Sieger war Guido Migliozzi , der sich gegen Darius van Driel im Finale durchsetzen konnte. Der Gewinner der Vorwoche, Bernd Wiesberger, scheiterte im Viertelfinale am späteren Sieger. Ebenfalls Schluss im Viertelfinale war für Marcel Siem.

Auf der PGA-Tour siegte Patrick Cantlay, der am Finaltag Martin Kaymer und und Adam Scott mit einer Runde von acht Schlägen unter par überholen konnte. Scott wurde Zweiter. Martin Kaymer landete auf Platz 3.

Darüber war zur reden

Martin Kaymer hatte bis zu diesem Wochenende eine lange Durststrecke hinter sich, konnte in Dublin endlich wieder ein TOP10-Ergebnis einfahren. Doch am Ende wirkte der dritte Platz fast etwas enttäuschend. Kaymer führte nach Tag 2 und Tag 3, konnte nach tollen Runden mit 67, 68 und 66 Schlägen am Sonntag jedoch nur eine 72 spielen, die ihm letztlich den Sieg kostete. Ein Sieg, der sicherlich unerwartet gekommen wäre, nach den ersten Tag jedoch nicht als unverdient hätte eingeordnet werden können.

Kaymer wird aus diesem Ergebnis hoffentlich Selbstvertrauen ziehen können, das über die letzten Monate so sehr fehlte. Die ehemalige Nummer 1 der Welt spielte nicht mehr nur um Ergebnisse, sondern um die Teilnahmeberechtigung an der PGA-Tour und an den großen Turnieren.

Unsere persönlichen Favoriten

Phil Mickelson verabschiedete sich in Ohio schon nach zwei Tagen aus dem Turnier, ebenfalls am Cut scheiterten Tony Finau und Justin Thomas. Henrik Stenson wurde geteilter 37. Tiger Woods konnte am Schlusstag 16 Plätze im Leaderboard gut machen und wurde geteilter 9.

Das steht an

Eine Woche vor den US Open macht die PGA-Tour einen Abstecher nach Kanada. Im Hamilton Golf & Country Club testen zahlreiche Stars der Szene ihre Form, darunter Sergio Garcia, Rory McIlroy, Brooks Koepka oder Dustin Johnson. Aus deutschsprachiger Sicht versuchen sich Alex Cejka, Stephan Jäger und Sepp Straka bei den Canadian Open.

Die European Tour spielt in dieser Woche im portugisischen Cascais die Sieger des Golf Sixes aus. Die Spieler gehen an diesem Wochenende in 2er-Teams an den Start und vertreten ihre Nation in Matchplays. Für Deutschland gehen mit Laura Fünfstück und Esther Henseleit zwei Damen für die deutschen Farben an den Start. Eine nähere Erläuterung zum Turnier findet sich hier: