Jürgen Melzer – Legende in jeder Hinsicht

Mitarbeiter des Tages, 22. Mai 2019: Jürgen Melzer

Jürgen Melzer, liebe Tennisfreunde, die Ihr zu wenig Aufmerksamkeit nach Österreich richtet, ist eine Legende. In vielerlei Hinsicht, vor allem natürlich in sportlicher. Da hat Jürgen einen Spielstil im Angebot, den es heutzutage nur in Ausnahmefällen zu sehen gibt: viel Variation, Slice, Spin, eine Rückhand, bei der man immer Angst hat, dass diese den Weg nicht über´s Netz findet, so flach ist sie geschlagen. 2010 ist Jürgen damit bis ins Halbfinale der French Open vorgedrungen, hat dort gegen Rafael Nadal verloren.

Im Doppel dagegen stehen zwei Grand-Slam-Siege in der Bilanz, beide mit Philipp Petzschner. 2010 in Wimbledon, ein Jahr später bei den US Open. Ein Traumduo, das sich nie auseinander gelebt hat, sich aufgrund von Verletzungen aber nach anderen Partnern umsehen musste. In den kommenden Wochen wird Jürgen mit Nicolas Mahut spielen – und zählt sich zurecht zum Favoritenkreis der French Open und in Wimbledon.


Legendär aber auch die Hingabe, mit der Jürgen Melzer Davis Cup gespielt hat. Nicht immer erfolgreich zwar (gerade in Länderkämpfen entstand der etwas unschöne Begriff des “Vermelzerns” – das Verspielen einer hohen Führung also). Aber wenn der jeweilige Kapitän gerufen hat, dann war Jürgen immer da, zuletzt in Salzburg gegen Chile (Doppel mit Oliver Marach gewonnen), vor etwas mehr als einem Jahr auch in Russland, wo er gegen Evgeny Donskoy den entscheidenden Punkt zum Weiterkommen der Österreicher geholt hat.

Wie das bei Sportlegenden darüber hinaus so ist: Die Damenwelt nimmt Notiz. Und im Fall von Jürgen Melzer ganz besonders. Der Kavalier genießt und schweigt indes, seit geraumer Zeit kümmert sich Jürgen ja um Frau und Kind. Neid kommt hier keiner auf, allerdings an einer anderen Stelle: Wer selbst von Haarausfall gepeinigt ist, der starrt komplett ungläubig auf die Matte, die Jürgen Melzer auch an seinem heutigen 38. Geburtstag immer noch zu Markte trägt.

Ricky Williams – Ein nachdenklicher Longhorn

Mitarbeiter des Tages, 21. Mai 2019: Ricky Williams

Im Grunde wäre der Kollege Sal Mitha der richtige Mann, um über Ricky Williams profund Auskunft geben zu können. Ricky hat sein College-Leben wie Sal an der University of Texas verbracht, dass er eben dort ebenso viele Vorlesungen besucht hat wie unser Mann bei sporteagle.tv ist mit großer Sicherheit zu verneinen. Aber wer mit dem Ei in der Hand hurtig laufen kann, der hat im Grunde schon gewonnen, vielleicht sogar einen Abschluss an einer Uni.

Über die Absurdität des US-amerikanischen Sports, wo sich NBA und NFL mit den Colleges jeweils eine kostenlose Minor League halten, aus der sie dann Talente ziehen, kann man viele schwarze Zeichen auf weißes Papier schreiben. Auch darüber, dass einige von den Allerbesten von „Boostern“, Freunden der Uni-Familie also, ein paar Scheine auf den Tisch gelegt bekommen, obwohl die NCAA ja nach wie vor betont, dass es einzig um die akademische Ausbildung der jungen Sportler ginge. Und sich die Universitäten gleichzeitig aber aus fetten TV-Verträgen die Taschen voll machen. Und jene der Coaches füllen.

Ricky Williams also hat die Heisman Trophy gewonnen, als bester College-Spieler seines Jahrgangs. Dann zunächst in New Orleans gespielt, dann bei den Miami Dolphins, dann eine nicht ganz freiwillige Pause gemacht, dann noch einmal Miami, am Ende Baltimore. Wenn die Erinnerung nicht trügt, war er in guten Zeiten eine Freude für den Zuschauer. Wie gut Ricky während seiner Karriere insgesamt abgeschnitten hat, das mögen die Experten, wie etwa Sal, beurteilen.

Wir hingegen verlassen uns auf das Wort von Dan LeBatard. Der hat, als er noch nicht bei ESPN zunächst berühmt und zuletzt auch ordentlich reich wurde, für den Miami Herald über die Dolphins berichtet. Und dabei so etwas wie eine Freundschaft mit Ricky Williams geschlossen. Der, so LeBatard, ein eher nachdenklicher Sportler war. Und dem Dan LeBatard heute sicher zu seinem 42. Geburtstag gratuliert.

David Wells – Ein perfekter Nachmittag im Mai

Mitarbeiter des Tages, 20. Mai 2019: David Wells

Ältere TV-Freunde werden sich daran erinnern: Viele Monde sind seitdem vergangen, aber es gab mal eine Serie, die in der deutschen Fassung „Boomer, der Streuner“ hieß. Ein Hund auf Abwegen, der sich nicht an Etikette und Regeln hält, aber irgendwie doch liebenswert war.

Ob David Wells ein liebenswerter Kerl ist: man weiß es nicht. Den Spitznamen „Boomer“ hat er dennoch ausgefasst, vielleicht, weil man sich sehr gut vorstellen konnte, dass Wells durch die Bars von New York City streunt. Nicht zuletzt deshalb, weil der linkshändige Werfer damit in eigenen Erzählungen nicht hinter dem Berg gehalten hat. Aber wenn jemand den Ball präzise in der Strikezone unterbringt, dann sehen auch die Amerikaner über kleinere menschliche Schwächen hinweg, ja, feiern diese sogar.

Und David Wells hat eben diese Strikezone mit einer Präzision getroffen, die ihresgleichen gesucht hat. Nicht der härteste Werfer der Liga, aber einer von denjenigen, die den Schlägern extrem wenig geschenkt haben. Geschichte hat Wells auch geschrieben, im Mai 1998. Da konnte natürlich noch keiner ahnen, dass die New York Yankees zu einer historischen Saison ansetzen würden, gekrönt mit dem Erfolg gegen die harmlosen San Diego Padres in den World Series.

Wells jedenfalls hat sich an einem Nachmittag im Mai angeschickt, alle 27 Schlagmänner der Minnesota Twins, die frech an die Platte getreten waren, gruß- und hit- und walklos wieder auf die Bank zu schicken. Ein Perfect Game, das bis dorthin erst 15. der Geschichte der Major League Baseball. Im Trikot der Yankees hatte das zuvor nur Don Larsen geschafft, der allerdings hatte das 1956 im Rahmen des Endspiels geschafft, dies bewertet der MLB-Freak noch eine Nuance höher.

Wells, der heute seinen 56. Geburtstag feiert, hat die ersten 16 Jahre seiner professionellen Karriere in der American League verbracht. Das ist jene Division, in der der Werfer nicht ans Schlagmal treten muss. Eine gute Entscheidung, Wells war mit einem genialen Arm und stabilen Körperbau gesegnet, nicht aber mit der Eigenschaft, sich so schnell als möglich die etwas mehr als 27 Meter von der Home Plate bis zur ersten Base zu bewegen. Es hat ihm nicht zum Schaden gereicht.

Andrea Pirlo – Geburtstagssynphonie für den Maestro

Von Patricia Seiwert

Vor 25 Jahren begann Andrea Pirlo seine Profikarriere in der Lombardei bei Brescia. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch nicht geboren, kam mit meinen italienischen Wurzeln jedoch letztendlich nicht um diese Legende des italienischen Fußballs herum – zum Glück! 

Denn Andrea Pirlo hat eine beeindruckende Profikarriere hingelegt, die bis auf einen kurzen Abstecher nach New York am Ende seiner aktiven Laufbahn ausschließlich in Italien stattfand. Von Brescia über Mailand, sowohl bei Inter als auch beim AC, ging es zum italienischen Rekordmeister Juventus Turin. 

Und in all seinen Stationen überzeugte Pirlo mit seinen brillanten technischen Fähigkeiten. Ein Meister am Ball, der mit seiner wunderbaren Spielübersicht stets das Auge für seine Mitspieler hatte, die er mit gezielten Pässen exzellent in Szene setzte. 

Aber nicht nur im Köpfchen hat es der Italiener, auch seine Schussstärke enttäuschte selten. Als wäre all dies noch nicht genug, verfügte er über die nötige Präzision am Ball, weshalb Gegner seine Freistöße und Eckstöße zu fürchten lernten. 

Sein Talent, das Spiel so hervorragend aufzubauen und zu dirigieren, brachte ihm die Spitznamen „Maestro“ und „l’architetto“ (deutsch: der Architekt) ein. 


Sein fußballerisches Können weckte natürlich nicht ausschließlich in Italien Begehrlichkeiten, jedoch scheiterte Real Madrid bei der Verpflichtung des italienischen Ballzauberers am AC Milan. Die Rossoneri waren von Pirlos Fähigkeiten wohl dermaßen überzeugt, dass ihm angeboten wurde, seine Gehaltshöhe selbst zu wählen – das allein sagt schon viel über das hohe Ansehen aus, das Andrea Pirlo genoss. 

Natürlich durchlief dieser Ausnahmespieler alle Jugendmannschaften der italienischen Nationalmannschaft, bevor er 2002 in die A-Nationalmannschaft berufen wurde. 

Dort fiel mir Andrea Pirlo, der bei den Azzurri selbstverständlich schnell zu einem der Leistungsträger wurde, zum ersten Mal richtig ins Auge. Einen seiner größten Erfolge, wenn nicht sogar den größten, feierte der Italiener ebenda. Vier Jahre nach seinem Nationalelfdebüt, durfte er am 9. Juli 2006 den WM-Pokal in den Berliner Himmel recken. 

Verfolgte ich mit meinen 10 Jahren das Halbfinale gegen Deutschland noch mit einem lachenden und einem weinenden Auge, strahlten beide Kinderaugen an jenem 9. Juli als die Squadra Azzurra Frankreich im Finale besiegte. Mittendrin Andrea Pirlo, der Spielgestalter, der Architekt. 

Mittlerweile genießt der Italiener stilsicher wie eh und je seine wohlverdiente Fußballrente, unter anderem mit frischer Limonade auf Capri. 

Es sei dir gegönnt, Maestro. Tanti auguri! Alles Gute! 

Yannick Noah – Zu große Fußstapfen für die nächsten Generationen

Mitarbeiter des Tages, 18.Mai 2019: Yannick Noah

Der Französische Tennisverband ist ein bisserl wie der HSV: Jahr für Jahr wird unheimlich viel Geld in die Landschaft geblasen, um an frühere Erfolge anzuschließen. Und Jahr für Jahr enttäuschen die Richard Gasquets, Jo-Wilfried Tsongas oder Gael Monfils´ ebenso wie die wechselnde Belegschaft der Herren im Trikot mit der Raute. Immerhin: während Hamburg in Liga zwei noch mindestens eine Ehrenrunde dreht, spielt Frankreich konstant in der obersten Etage des Mannschaftstennis mit, holte sich zuletzt 2017 den Titel im Davis Cup. Maßgeblich dafür verantwortlich: Yannick Noah.

Noah, der heute seinen 59. Geburtstag feiert, ist der Maßstab, an dem die französischen Herren Jahr für Jahr zerbrechen, seit 1983 genau genommen. Was das Charisma anbelangt, befinden sich Tsonga und Monfils auf einem guten Weg, aber der Erfolg bei einem Grand-Slam-Turnier? Den wird es nicht mehr spielen.

1983 also, Finale in Roland Garros. Auf der einen Seite des Netzes Mats Wilander, der der damals erfolgreichen und sehr schwedischen Philosophie anhängte, dass es reiche, den Ball einmal öfter als der Gegner ins Feld zu spielen. Und auf der anderen Yannick Noah, der gegen jede Konvention die Flucht nach vorne suchte. Und an jenem Sonntag auf dem Court Philippe Chatrier auch fand. 6:2, 7:5 und 7:6 (3), der bis dato letzte Erfolg eines Einheimischen auf der Terre Battue in Paris. Und auch der einzige von Noah auf diesem Level.

Vielleicht auch, weil ihm der Ruf nacheilte, nicht demselben asketischen Lebensstil eines Ivan Lendls zu pflegen. Noah war mehr in Richtung John McEnroe orientiert, konsumiert wird, was auf den Tisch kommt – und da ist dem Vernehmen nach einiges angekarrt worden, in jedem Aggregatzustand. Musiziert hat Noah ebenso wie McEnroe, der ein Jahr nachdem Triumph von Noah gegen den damals humorlosen Lendl in Roland Garros ein Finale verlor, das er eigentlich schon gewonnen hatte.

Noah ist dem Tennis treu geblieben, hat schon früh als Davis-Cup-Kapitän mit Frankreich Geschichte geschrieben (1991 mit dem Heimsieg im Finale gegen die USA). Und hat auch als Vater überzeugt, zumindest in sportlicher Hinsicht: Sohn Joakim darf auf einen sehr anständige NBA-Karriere zurück blicken. Die ihn auch zu den New York Knicks geführt hat. Die allerdings stehen in der Reihe der großen Geldverbrenner noch vor dem Französischen Tennisverband und dem Hamburger Sportverein.

Matt Ryan – Angeblich aus Eis gebaut

Mitarbeiter des Tages, Freitag, 17.05.2019:  Matt Ryan

Von Heiko Eisser

Die Fans der Atlanta Falcons sind sich einig: Matt Ryan wird in den kommenden Jahren ein noch besserer Quaterback werden und somit in die Reichweite eines GOATs kommen. Eine hohe Erwartungshaltung an den Mann aus Exton, Pennsylvania.

Der Number One Pick der Falcons im Jahr 2008 zahlte unmittelbar in seinem ersten Spiel dieses Vertrauen zurück, in dem er mit seinem ersten Wurf einen Touchdown-Pass warf. Doch hierbei sollte es nicht bleiben. Dem Rookie-of-the-year 2008 gelang in seiner Premierensaison, was keinem zuvor gelungen war: er bestritt alle Spiele als Starter und führte die Falcons mit seinem beständigen Offensiv-Spiel in das Playoff Wild Card Spiel gegen die Cardinals. Zwar scheiterten die Falcons dort, doch Matt Ryans Weg schien vorgezeichnet.

In den folgenden Jahren gelang ihm das, was viele Spieler in der NFL sich wünschen würden: Verbesserung und Konstanz. Im Gegensatz zu seinem Team, welches ihn in der letzten Saison stark im Stich lies. Ohne Ryan, der mit seinen 4924 Passung yards und 35 Toudown Pässen (bei nur 7 Interceptions) wieder Hall-of-Fame-Niveau agierte, wäre Atlanta wohl noch weniger als die sieben Siege gelungen. Die Quittung war die Nicht-Teilnahme an der Postseason nur zwei Jahre nach dem Einzug in den Super Bowl.

Der Super Bowl 2016 stellt das bisherige Laufbahn-Highlight dar, dürfte allerdings auch die bitterste Niederlage für Season-MVP Matt Ryan gewesen sein. Nach den Playoff Siegen gegen die Seahawks und einem deutlichen 44-21 gegen die Greenbay Packers warteten im Finale die übermächtigen New England Patriots.

Hatten im Vorfeld die meisten Analysten New England als klaren Favoriten ausgemacht, schien Matt Rayn diese Lügen strafen zu wollen. Mitte des dritten Viertels führten die Falcons 28:3 und schienen die Patriots in die Knie zu zwingen. Doch hatte wohl niemand mit dem nun Folgenden gerechnet: Tom Brady holte in der Folge 25 Punkte mit seinem Team und steuerte mit einer 2-point-conversion 58 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit die wichtigen Zähler zum 28:28-Ausgleich selbst bei. In der Overtime bekam Matt Ryan nicht mehr die Möglichkeit zurück zu schlagen und Atlanta verlor diese Partie mit 28:36 gegen die Patriots. Die Falcons waren in der Historie des Super Bowl das erste Team, welches nach einer 17 Punkte Führung zu Beginn des letzten Viertels den Titel nicht holte.

Doch schenken die Verantwortlichen der Atlanta Falcons ihrem Number-One-Pick 2008 weiter großes Vertrauen. Vor der kommenden Saison statteten sie Matt Ryan mit einem satten 150 Millionen-Dollar Vertrag für die kommenden fünf Jahre aus und ist nach Aaron Rogers der bestverdienende Quaterback der NFL-Geschichte.

Herzlichen Glückwunsch zum 34.Geburtstag, Matt „Matty Ice“ Ryan!

Gabriela Sabatini – Keine Gefahr für die Gräfin

Mitarbeiterin des Tages, 16. Mai 2019: Gabriela Sabatini

Man tut Gabriela Sabatini vielleicht Unrecht, sie mit Stan Wawrinka zu vergleichen. Vielleicht tut man aber auch Stan nichts Gutes, wenn man ihn in eine Reihe mit Gaby stellt. Es ist nur so: Ende der 1980er-Jahre hat der geneigte Tennisfreund von der Rückhand der Argentinierin in gleichem Maße geschwärmt wie wir Aficionados das mit jener von Stan über das letzte Jahrzehnt getan haben.

Sabatini jedenfalls hat dem Ball so viel Spin mit auf die Reise gegeben, dass in österreichischen, vielleicht auch süddeutschen Gefilden mithin von einer „überrissenen“ Rückhand die Rede war. Schöner Schlag, der halt leider nur manchmal gut genug war, um der Vorhand von Stefanie Graf etwas entgegenzusetzen. Für eben die brauchte es keine Kunstvokabeln – die Gegnerinnen konnten sie zumeist einfach nicht zurück ins Feld spielen.

Das ist Sabatini nicht anders ergangen, auch wenn sie ab und zu gegen Graf gewonnen hat: in 40 Versuchen elf Mal, das ist nun nicht grundsätzlich desaströs. 1990 hat Sabatini, die heute 49 Jahre alt wird, bei den US Open triumphiert, der einzige Grand-Slam-Erfolg im Einzel (hier trennen sich die Wege zu Stan Wawrinka: der hat schon drei Majors geholt).

Und ja: dass sich hier eine dunkelhaarige Südamerikanerin mit einer blonden Mitteleuropäerin duelliert, ist in der Öffentlichkeit nicht schlecht angekommen. Zumal Graf von Sabatini ja nur selten etwas zu befürchten hatte. Und zumal die beiden miteinander auch des öfteren gemeinsam Doppel gespielt habe, recht erfolgreich übrigens. Das war mit der Ankunft von Monica Seles plötzlich anders. Aber deren Geschichte hat bekanntermaßen eine traurige Wendung genommen.

Andy Murray – Hoffnung auf eine Hüfte aus purem Gold

Mitarbeiter des Tages, 15. Mai 2019, Andy Murray

Wer Andy Murray 2015 bei den BMW Open in München erlebt hat und nicht sofort zum Fan des Schotten geworden ist, der sollte dringend seinen Empathie-Kompass neu einrichten lassen. Murray ist jedem der Autogramm- und Selfie-Wünsche nachgekommen, und das waren nicht wenige. So nebenbei hat er das Turnier extrem ernst genommen, keine Selbstverständlichkeit für Spitzenspieler, die mit großem Geld eingekauft werden (dem Vernehmen nach lag das Antrittsgeld dereinst bei 350.000.- EUR). Murray hat das Event gewonnen, im Tiebreak des dritten Satzes gegen Philipp Kohlschreiber im Finale am Montag. Und ein paar Tage später auch noch gleich das Masters in Madrid.

Etwas mehr als vier Jahre später fragen wir, deren Empathie-Kompass perfekt funktioniert, ob wir Sir Andrew denn noch einmal zu sehen bekommen. Auf dem Court. Und in einer Verfassung, die den Ansprüchen eines ehemaligen Weltranglisten-Ersten genügt. Die Verabschiedung bei den Australian Open 2019 war tränenreich, hatte etwas Endgültiges. Danach hat sich Murray eine neue Hüfte gegeben, so wie Bob Bryan, der seit Jahresbeginn wieder echtes Tennis spielt. Allerdings im Doppel.

Den Mondball salonfähig gemacht

Andy Murray hat immer echtes Tennis gespielt, vor allem aber sehr schlaues. Er hat den Mondball wieder salonfähig gemacht, und zwar jenen, von dem man stets annehmen durfte, dass die Wuchtel tatsächlich das Himmelszelt streift. Murray hat sich damit in Position gebracht, auf die nächste Kugel wieder draufgefetzt. Niemand hat schöner und ausdauernder genörgelt als Andy Murray – und warum wird hier in der Vergangenheit formuliert?

Murray war der erste Spieler, der sich einen richtigen Super-Coach geholt hat: Ivan Lendl. Und nebenbei dafür gesorgt hat, dass Lendl plötzlich als überraschend humorig betrachtet wurde. Murray hat es mit Amélie Mauresmo als Übungsleiterin versucht, das darf man ruhig als bahnbrechend bezeichnen. Und er hat halt auch das Pech gehabt, in einer Ära mit Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic zu spielen. Wiewohl ihn der gemeine Tennis-Beobachter zu den Big Four dazu zählt (mathematisch korrekt, weil sonst wären es ja nur drei).

Die Veranstalter im Queen´s Club haben für Andy Murray eine Wildcard beiseite gelegt, wenn es dort klappt, könnte noch ein letzter Auftritt in Wimbledon anstehen. Es sei denn, die neue Hüfte entpuppt sich als pures Gold. Dann ist bei den Lobeshymnen auf den zweifachen Goldmedaillen-Gewinner bei Olympischen Spielen doch noch eine Zeit lang die Gegenwartsform angebracht.

Roy Halladay – Marathonmann auf dem Mound

Mitarbeiter des Tages, 14. Mai 2019, Roy Halladay

Nichts ist mehr so, wie es einmal war. Schon gar nicht im Baseball, wo das allerhöchste Bestreben der Regelhüter dahin geht, die Matches zu verkürzen. Ab dem kommenden Jahr muss ein Werfer mindestens drei Schlagmänner bearbeiten, oder aber einen Spielabschnitt beenden. Bis dahin allerdings dürfen die Manager nach Belieben die Herren auf dem Wurfhügel wechseln – ein Strategiespiel, das die Hardcore-Fans freut, den gemeinen Zuseher mit geringerer Aufmerksamkeitsspanne allerdings eher zum Umschalten bewegt.

Bei Roy Halladay haben wohl nur wenige den Kanal gewechselt. Auch, weil man auf den Pitcher der Blue Jays und später der Phillies, der heute 42 Jahre alt geworden wäre, zählen konnte. Nicht ein Inning, nicht drei, sondern nicht selten acht und satte 67 Mal sogar neun, die volle Distanz also. Zum Vergleich: in der aktuellen Spielzeit sind Stand Mitte Mai insgesamt elf Complete Games erfasst worden. Von zehn unterschiedlichen Werfern.

Ach, ja: Von diesen 67 kompletten Spielen ist es der gegnerischen Mannschaft in 20 nicht gelungen, gegen Halladay einen Run zu erzielen. Einmal, im Mai 2010, haben es die Florida Marlins nicht einmal geschafft, einen Runner auf Base zu bringen – ein perfektes Spiel, die höchste Weihe für einen Pitcher. Und Roy Halladay hat in derselben Saison noch einen draufgesetzt, in den Playoffs einen No-Hitter geworfen. Und wurde damit erst der zweite Werfer, dem dies in der entscheidenden Phase einer Major-League-Baseball-Spielzeit gelang.

Dass Roy Halladay einen Platz in der Baseball Hall of Fame in Cooperstown zugestanden bekommen hat, versteht sich fast von selbst. Dass dies allerdings posthum geschehen ist, stimmt traurig. Ende 2017 starb Halladay beim Absturz seiner Privatmaschine.

Dennis Rodman – Der König der Rebounds

Mitarbeiter des Tages, 13. Mai 2019: Dennis Rodman

Von Lars Mahrendorf

Affären, Ausraster & Alkohol

Wohl kein NBA-Profi der letzten 30 Jahre hat außerhalb des 94 x 50 Fuß großen Spielfelds für so viele Schlagzeilen gesorgt, wie Dennis Rodman. Seine Frisuren schillerten in mehr Farben als ein Regenbogen. Seine Biographie präsentierte er im Brautkleid. Madonna hatte eine Affäre mit ihm. Carmen Electra heiratete er in Las Vegas. Rodman wurde für den Tritt gegen einen Kameramann gesperrt. Sein erstes Comeback bei den Lakers dauerte 23 Spiele. Der zweite Versuch bei Nowitzkis Mavericks endete nach 12 Partien. Im Reality-TV erfuhren die Zuschauer von seiner Alkoholsucht. Zuletzt machte er Schlagzeilen durch Besuche in Nordkorea und eine angebliche Freundschaft mit Machthaber Kim Jong-Un. Es fällt leicht sich in den vielen Geschichten zu verlieren, die abseits des Basketballspiels über ihn geschrieben wurden. Dabei war Dennis Keith Rodman der bester Rebounder der National Basketball Association in den 90er Jahren.

Rebounds kombiniert mit knallharter Defense

Von 1991 bis 1998 sammelte sich Rodman in jeder Spielzeit die meisten Abpraller im Schnitt pro Spiel. Auch die Vereinswechsel von Detroit nach San Antonio und später zu Michael Jorden und den Bulls änderten nichts an dieser Konstante. Rodman war der König der Rebounds. Dabei sah das Spiel in der NBA in dieser Ära noch wesentlich anders aus, als heutzutage. Massive bullige Centerkanten wie Shaquille O’Neal, Patrick Ewing, Dikembe Mutombo, Hakeem Olajuwon oder echte Powerforwards wie Karl Malone und Charles Oakley regierten unter den Brettern der Liga. Dennoch war Rodman nicht nur besser im Sammeln von Rebounds, er dominierte diese Disziplin eindeutig.

In sieben Jahren sammelte Rodman pro Partie 16,7 Rebounds pro Spiel. Die Zweitplatzierten griffen sich 13,2 Abpraller. Das macht 3,5 Rebounds mehr als der nächstbeste Spieler, oder ca. 21 %. Dabei war Rodman mit offiziell 2,01m und 95 kg den oben genannten Gegnern körperlich weit unterlegen. Doch „The Worm“ hatte das Wühlen, Kratzen und Springen nach einem Fehlwurf zu seiner persönlichen Spezialität gemacht. Nebenbei spielte Dennis Rodman auch noch knallharte Verteidigung und brachte so manchen vermeintlichen Superstar zur Verzweiflung.

Dennis Rodman wird heute 58 Jahre alt.