Alexander Manninger – Immer noch der Beste?

Mitarbeiter des Tages, 04. Juni 2019: Alexander Manninger

Es ist ja so: Als Österreicher, der in den 1970er-Jahren erstmals mit dem Fußball und also der Cordoba-Generation in Berührung gekommen ist, der musste zwangsweise davon ausgehen, dass es nie, nie, nie ein Torhüter-Problem in Rot-Weiß-Rot geben könnte. Friedl Koncilia hatte neben seinen Paraden und dem geilen Namen auch ein kleines Wohlstandsbäuchlein anzubieten. Herbert „Funki“ Feurer einen gigantisch geilen Porno-Schnauzer. Und Klaus Lindenberger, der etwas später kam, ein rhetorisches Fundament, das Olaf Ton wie einen Mann ohne Hauptschulabschluss dastehen ließ.

Danach kam die Generation Michael Konsel und Franz Wohlfahrt, der eine natürlich bei Rapid, der andere bei der Austria, bevor sie beide das Weite gesucht haben. Aber dann?

Gähnende Leere, bis auf einen: Alexander Manninger. Ja, es schmerzt den Verfasser, dass Manninger, der heute seinen 42. Geburtstag feiert, ein Jahr lang beim kleineren, wiewohl damals gar nicht so hässlichen Grazer Club, dem GAK, gespielt hat. Ein Jahr später war es dann aber schon der FC Arsenal, ganz selten nur als erster Keeper, aber als jemand, den man angstfrei hätte aufstellen können.

Und selbst wenn Manninger über weite Strecken einer Saison etwa für die Fiorentina, Salzburg oder Juventus gar nicht gespielt hat – im Kreis der österreichischen Goalies war er ohne Zweifel der Beste. Um genau zu sein: Das wäre er auch im Juni 2019 noch immer. Jammerschade, dass es nur 34 Länderspiele geworden sind.

Jelena Isinbayeva – Abseits der Matte zu gesprächig

Mitarbeiterin des Tages, 03. Juni 2019: Jelena Isinbayeva

Der Stabhochsprung der Damen – er ist eine vergleichsweise junge Disziplin. Und seit dem Rücktritt von Jelena Isinbayeva auch irgendwie wieder aus dem Blickfeld der über den Fußballrand hinaus blickenden Sportfans verschwunden. Jelena hat nicht nur aus ihrer Sportart eine Show gemacht, sondern aus jedem einzelnen Sprung. Und ist dabei so verfahren wie Sergej Bubka, der sich auch immer um einen Zentimeter weiter nach oben geschraubt hat.

Um von den diversen Veranstaltern der Meetings eine Weltrekordprämie zu kassieren.
Jener von Jelena Isinbayeva war am Ende ihrer Karriere bei 5,06 Meter angelangt.

Sportlich also alles in Ordnung. Mehr als das, schließlich hat Jelena bei Olympischen Spielen zwei Mal Gold geholt. Abseits der Landematte hat sich Isinbayeva mit ihrer Unterstützung für die homophobe Politik von Wladimir Putin schlichtweg daneben benommen. Sie hätte einfach von ihrem Recht Gebrauch machen sollen, auch mal nichts zu sagen. Das aber ist einer Diva wie Jelena Isinbayeva wohl nicht in die Wiege gelegt worden.

Sergio Aguero – International titellos

Mitarbeiter des Tages, 02. Juni 2019: Sergio Agüero

Wer alles über die argentinischen Fußballspieler im allgemein, Lionel Messi und Sergio Agüero aber ganz besonders wissen möchte, der erinnere sich doch bitte an das Elfmeterschießen bei der Weltmeisterschaft 2014 gegen die Niederlande: zur Disposition ist ein Finalplatz gestanden, Argentinien hat tatsächlich gewonnen, Messi und Agüero ihre Elfer versenkt. Nur: Im Vergleich zu Mario Götze, der nach seinem größten Karriere-Tor die pure Freude ausgestrahlt hat, war bei Agüero vor allen eines abzulesen: Erleichterung.

Der Druck, dem die Post-Maradona-Generation in Argentinien ausgesetzt ist, muss kein Spaß sein. Schon gar nicht, wenn man wie Agüero auch noch in die Familie des großen Meisters eingeheiratet hat. Die Ehe mit Tochter Maradona ist längst geschieden, das grundsätzliche Problem aber geblieben: Agüero, der heute 31 Jahre alt wird, ist ein zauberhafter Fußballspieler ohne große internationale Titel. Messi kann wenigstens auf ein paar Champions-League-Trophäen verweisen.

Kun hingegen, wer sonst, hat im Hinspiel des Viertelfinals 2019 bei Tottenham einen Elfer verschossen. Dabei wäre das doch ein schöner Anlass gewesen, sich so richtig zu freuen. Aber wahrscheinlich wäre Sergio Agüero auch da lediglich eine gewisse Erleichterung anzusehen gewesen.

Justine Henin – Die Platzvermesserin

Mitarbeiterin des Tages, 1. Juni 2019: Justine Henin

Wie der Zufall so spielt, ist Justine Henin am Freitagnachmittag für eine kleine Würdigung auf den Court Suzanne Lenglen spaziert. Die Belgierin, bei den French Open vier Mal erfolgreich, ist nicht wesentlich gewachsen in den vergangenen Jahren. Was den jüngeren Mädchen, die dieser Tage so auf kraftvolles Tennis setzen aber zu denken geben sollte: Wie konnte eine Dame mit einer derart zierlichen Gestalt auf Asche derart dominieren?

Vier Mal hat Henin in Roland Garros gewonnen, 2007 schon wieder alleine mit ihrem Mädchennamen, der Ehe mit Herrn Hardenne war keine allzu lange Dauer beschieden. Henin, die heute ihren 37. Geburtstag feiert, hat den Platz vermessen wie vor ihr wohl nur Martina Hingis. Aber dann doch mehr Tempo auf die Kugel gebracht als die Schweizerin, vor allem mit ihrer einhändigen Rückhand. In Australien und bei den US Open hat Henin auch gewonnen, lediglich der Wimbledon-Titel blieb ihr bei zwei Finalteilnahmen verwehrt. Eine große Frage allerdings war nie so richtig zu beantworten: wie viel Spaß macht Justine Henin ihr Beruf eigentlich? Selten hat man die Belgierin positiv gestimmt auf dem Tenniscourt gesehen. 2011 jedenfalls hat sie sich nach einem kurzen Comeback ganz dem Privatleben zugewandt.


Nach der Ehrung von Henin musste übrigens ein Mann auf den Lenglen zur Arbeit antreten, der sogar noch ein Jahr mehr auf dem Buckel hat: Roger Federer. Der gewann in drei Sätzen gegen Casper Ruud aus Norwegen, 20 Jahre alt. Federer ist aktuell die Nummer drei der Welt. Und wer das Post-Match-Interview mit Cedric Pioline gesehen hat, wird den Eindruck nicht los: Federer hat allein in diesem Match ebenso viel Freude am Tennis gespürt wie Justine Henin in ihrer gesamten Karriere. Hoffentlich liegen wir da falsch.

Marco Reus – Warten auf das Happy End

Von Sascha Staat

Marco Reus ist so ein wenig der tragische Held der deutschen Fußballneuzeit. Immer wenn es darauf ankam, war der Dortmunder nicht mit dabei. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, die seiner Karriere in der Nationalmannschaft. Heute wird Reus 30 Jahre alt. Irgendwie kaum zu glauben, aber er ist dann doch schon länger mit dabei als viele denken. Sein Stern ging auf, als er mit seinem Ex-Club Borussia Mönchengladbach am Abgrund stand. Relegation 2011, gegen den VfL Bochum. Den Fohlen drohte der erneute Abstieg in die Zweitklassigkeit. Das Hinspiel hatte sein Team mit 1:0 gewonnen, im Rückspiel führte Bochum durch ein Eigentor mit 1:0. In einem grausamen Kick deutete alles auf die Verlängerung hin, doch Reus traf zum Ausgleich und Gladbach blieb in der Liga.

Nur ein Jahr später war Reus Fußballer des Jahres geworden. Schon während der Saison war klar, dass seine Zukunft nicht am Niederrhein liegen würde. Die Heimat rief, der BVB, und der verlorene Sohn kehrte in seine Geburtsstadt zurück. Zu dem Verein, der ihn einst für zu schlecht befand. Zuvor durfte er sein erstes Turnier im DFB-Trikot absolvieren. Im EM-Viertelfinale 2012 gegen Griechenland spielte er famos auf, im Halbfinale saß er dann plötzlich wieder auf der Bank. Gegen Italien war Deutschland chancenlos, weil Reus nicht mit dabei war. Bundestrainer Joachim Löw entschied sich für Lukas Podolski. Das Ergebnis ist bekannt. Es sollte nicht das letzte Mal bleiben. Reus und das Trikot mit dem Adler, es blieb eine Art Hassliebe.


Reus und Titel, es blieb ebenfalls eine lange Sehnsucht. Zusammen mit Mario Götze brillierte er in seinem ersten Jahr in Schwarzgelb vor allem in der Champions League, doch die traumhafte Saison des BVB wurde im Finale jäh gestoppt. Genau wie im DFB-Pokal. Gleich drei Mal verlor Reus das Endspiel. Dazwischen lag die verpasste Weltmeisterschaft 2014, nachdem er ich in einem Testspiel vor dem Turnier schwer verletzt hatte. Auch die EM 2016 fand ohne Reus statt.

Als es dann endlich was zu feiern gab konnte Reus nur bedingt mithelfen. Im Pokalfinale 2017 musste er zur Halbzeit verletzt vom Platz und der Triumph von Berlin fühlte sich für Borussia Dortmund nach einem turbulenten Jahr mehr wie eine große Erleichterung als eine große Freude an. Wieder im Kader stand er dann bei der Weltmeisterschaft 2018, das Ende ist bekannt. Mittlerweile schwärmen, wiedervereint mit seinem Lieblingstrainer Lucien Favre, viele vom besten Reus aller Zeiten. Er ist Kapitän, frischgebackener Vater und das Gesicht das Vereins. Dass er in der wohl besten Saison seiner Kariere wahrscheinlich erneut ohne Titel bleibt, es passt irgendwie zu der Geschichte von Marco Reus. Eine tragische Figur, auf die irgendwann vielleicht doch noch ein Happy End wartet.

Steven Gerrard – Die Legende

Von Markus Lehnen

Champions League Finale 2005

Es bedurfte einiger Überzeugungsarbeit um meiner Schwester klar zu machen, dass ich ein Champions League Finale natürlich auch dann schauen muss, wenn kein deutsches Team beteiligt ist und man, zwecks Urlaub, auf der Mittelmeerinsel Samos weilt.

Ich hatte Erfolg und saß an einem gewissen 25. Mai 2005 um 20:45 in einer Hafenkneipe des kleines Städtchens Phythagorio, nichts ahnend, ein Spiel zu sehen, dass in die Sportgeschichte eingehen würde. Und was untrennbar mit einem Namen verbunden ist, Steven Gerrard, dem damaligen Kapitän des FC Liverpool.

AC Mailand gegen den FC Liverpool hieß das Duell an diesem Finalabend im Istanbuler Atatürk- Olympiastadion. Die Favoritenrolle war hierbei klar auf Seiten der Italiener.

Während Milan nur im Halbfinale gegen die PSV Eindhoven Probleme hatte, erreichten Gerrards Reds das Achtelfinale nur durch das bessere Torverhältnis, bevor sie im Halbfinale durch ein Geistertor, Chelsea mit 1:0 nach Hin- und Rückspiel schlagen konnten. Ob der Ball von Luis Garcia die Torlinie vollständig passierte, wird man nie ultimativ beweisen können, den Bildern nach kann dies aber stark bezweifelt werden.

Das Tor zählte, und so konnte Steven Gerrard die Nordwestengländer an diesem Mittwoch in ihr erstes Champions League Finale überhaupt, und ihr erstes Landesmeister Endspiel seit der  Heysel- Katastrophe von 1985, führen.


Schnell sah es so aus, als hätte ich den Abend doch im Hotel verbringen sollen. Bereits in der 1. Minute ging Milan durch Maldini in Führung, bis zur Halbzeit legte Hernan Crespo noch 2mal, zum 3:0 Halbzeitstand, nach. Der Traum des Mannes, der zu diesem Zeitpunkt bereits 16 Jahre für die Reds spielte, und noch 10 weitere dort spielen sollte, schien ausgeträumt. Schluss mit dem Traum den Henkelpott in den Nachthimmel recken und es  Legenden des ikonischen Liverpool Football Clubs, wie Emlyn Hughes, Kevin Keegan, Ian Rush oder natürlich Kenny Dalglish, nach zu machen. Aus der Traum, den nächsten Europapokal nach dem UEFA Pokal 2001 zu gewinnen, als Gerrard in Dortmund bei einem epischen 5:4 nach Golden Goal gegen Deportivo Alaves, früh zum zwischenzeitlichen 2:0 traf.

Enttäuschungen bei den Three Lions

Es schien so ein Abend zu werden, wie ihn der damals 24 Jährige mit der englischen Nationalmannschaft ein Jahr zuvor bei der Europameisterschaft in Portugal erlebte, als die hoch talentierten Three Lions mit Spielern wie Gerrard, Frank Lampard, John Terry, Wayne Rooney, David Beckham, Paul Scholes und Michael Owen, wieder einmal im Elfmeterschießen, im Viertelfinale an Portugal scheiterten. Ein Abend der Enttäuschung, wie er ihn noch so oft mit Team England erleben sollte, mit dem er Zeit seiner Karriere nicht 1 Finale erreichte.

Das Comeback

Ich dachte in dieser Halbzeitpause des 25.Mai daran zum Hotel zurück zu kehren. denn das Spiel war vermeintlich gelaufen. Die Siegerehrung könne man sich dann noch dort angucken, so mein damaliger Gedanke. Ich könnte jetzt sagen, dass ich irgendwie so ein Gefühl hatte, es könne noch etwas passieren in diesem Spiel. Das wäre allerdings gelogen. Es war ein schöner Mai Abend, und da meine Schwester einen Cocktail trinken wollte, beschlossen wir einfach in die Bar nebenan zu wechseln und dort halt noch nebenher die 2.Halbzeit zu schauen. Wir sollten es nicht bereuen, und irgendwie waren, im Gegensatz zur Kneipe der ersten Halbzeit, dort auch die Liverpool Fans in der klaren Überzahl.

Liverpool Trainer Rafa Benitez und Kapitän Steven Gerrard schienen die richtigen Worte in der Pause gefunden zu haben, denn Liverpool kam alles andere als geschlagen aus der Kabine. Benitez hatte seinen Spieler gesagt, dass mit einem frühen Tor ,,vielleicht noch etwas gehen könnte”. Und dieses frühe Tor fiel in der 54. Minute, natürlich durch den Anführer himself, Steven Gerrard. Die nächsten 6 Minuten werden wohl als mit die verrücktesten in die Fußballgeschichte eingehen, denn jetzt entfachte der damalige englische Rekordmeister einen wahren Angriffssturm. Vladimir Smicer erzielte in der 56. Minute den 2:3 Anschlusstreffer und wieder Gerrard holte in der 60. Minute einen Elfmeter heraus. Diesen trat der gefoulte nicht selbst, sondern überließ ihn Xabi Alonso. Milan Keeper Dida konnte den Ball halten, aber nur nach vorne abwehren, Nachschuss Alonso, Tor, 3:3- Spiel ausgeglichen. Der Wahnsinn war fürs erste perfekt, in Istanbul und auch in einer kleinen Bar im Hafen von Phytagorio auf Samos.

Gerrard und ,,sein” LFC

Gerrard hatte gezeigt, wie der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Nordengländer mit Rückschlägen umgeht, nämlich mit Einsatz, Leidenschaft und Kampf. Dass er nebenbei eine ausgezeichnete Technik und einen sehr harten Rechtsschuss besaß, machte ihn zu dem außergewöhnlichen Spieler, der er war. Er kam 1998 bereits mit 8 Jahren zu dem Herzensverein seiner gesamten Familie und sollte den Liverpool F.C. in den nächsten 27 Jahren auch nicht mehr verlassen. Zur Familiengeschichte der Gerrards gehört auch, dass Steves Cousin Jon- Paul Gilhooley einst das jüngste der 96 Todesopfer der Hillsborough Katastrophe war. Eine Tragödie, die sicherlich ein bedeutendes Puzzlestück in Gerrards großer Treue und Liebe zu ,,seinen” Reds ist.

Dramatik in Istanbul

Das Spiel in Istanbul beruhigte sich ab dem 3:3 etwas und lebte nun von der Spannung. Milan Trainer Ancelotti schaffte es sein Team wieder in die Spur zu bringen. Superstar Andrii Shevchenko und der spätere Weltmeister Andrea Pirlo hatten sogar noch gute Chance das Spiel in der regulären Spielzeit für den AC Mailand zu entscheiden, verfehlten aber jeweils knapp das englische Tor.

Liverpool rettete sich in die Verlängerung, aber es wurde deutlich, dass die Aufholjagd dem Außenseiter viel Kraft gekostet hatte. Das Gegenmittel war, wie so oft bei Teams mit Steven Gerrard, Kampf und Leidenschaft, an diesem Abend aber vor allem auch Jerzy Dudek. Das dieser Abend etwas Besonderes mit dem polnischen Torhüter vor hatte, deutete sich an, als Shevchenko erst per Kopf, und dann aus gut 2m, freistehend mit dem Fuß, am Polen scheiterte.
Es kam zum Elfmeterschießen. Und das Klischee wurde auch in der griechischen Bar häufig bemüht, von Deutschen , Italienern, Griechen und Briten gleichermaßen: Engländer können kein Elfmeterschießen, Vorteil AC Mailand.
Es sollte dieses eine Mal anders kommen. Serginho verschoss gleich zu Beginn, den Versuch von Pirlo konnte der unaufhörlich tänzelnde (und damit ziemlich irregulär handelnde) Dudek halten. Bei Liverpool vergab nur John Arne Risse gegen Dida.

Und so musste Andrii Shevchenko verwandeln, damit Steven Gerrard überhaupt zum 5. und letzten Elfmeter antreten musste. Musste er nicht. Dudek hielt den schlecht, halbhoch mittig, geschossenen Elfmeter und der Wahnsinn brach los. In Istanbul, in Liverpool und auch in der mittlerweile mit noch mehr Redsfans gefüllten Bar im Hafen von Phytagorio. Einer dieser Fans rannte weg und tauchte erst Minuten später, nach einem Bad im Hafenbecken, völlig durchnässt wieder auf. Ein irrsinniges Spiel war zu Ende, nach dessen Ende Steven Gerrard wirklich den Henkelpott in die Höhe recken konnte, und endgültig zu einer Vereinslegende wie Paisley, Shankly, Dalglish und Co. aufstieg.

Die weitere Karriere als Legende

2007 kam es in Athen erneut zum Champions League Finalduell zwischen Milan und Liverpool, diesmal mit dem besseren Ende für die Norditaliener. Den ersehnten Meistertitel konnte Gerrard nicht mehr gewinnen, auch weitere internationale Titel blieben ihm verwehrt, was aber seine Popularität unter den LFC Fans in keinster Weise negativ beeinflusste.

Was Gerrard für den Verein von der Anfield Road bedeutet, zeigt dieses Video allerdings weitaus besser, als ich es je beschreiben könnte. Vorsicht, Gänsehautgarantie!


Bevor Stevie G, so sein Spitzname, seinen Liverpool F.C. 2015, nach 27 Jahren, verließ, absolvierte er als erst 3. Spieler (nach Jamie Carragher und Ryan Giggs) sein 500. Premier League Spiel. 4 weitere folgten, bevor er sich noch für ein Jahr L.A. Galaxy anschloss um dort in der MLS seine Karriere ausklingen zu lassen.
Heute trainiert die Legende des FC Liverpool die kaum minder traditionsreichen Glasgow Rangers. Bei allem aktuellen Hype um Jürgen Klopp, es scheint unausweichlich, dass Gerrard, wie Vereinsikone Kenny Dalglish, eines Tages seine Reds trainieren wird.

In Erinnerung an eine geniale Fußballnacht  im Samosurlaub von 2005, gratuliere ich einem der großartigsten Spieler, die ich je sehen durfte, Steven Gerrard, zu seinem 39. Geburtstag, den er heute feiert!
Und den er vielleicht morgen, mit dem Gewinn des 1. Champions League Titels seines Vereins seit dem Wunder von Istanbul, gleich weiter feiern kann.

Arne Friedrich – Nicht immer eine Liebesgeschichte

Von Chris Butzke

Happy Birthday, Arne! Ich wünsche dir im Namen aller Hertha-Fans eine wunderbare Feier mit vielen Freunden, die deine Profi-Karriere bewundern, deine Persönlichkeit schätzen und dir dein Engagement auch außerhalb der Fußballblase hoch anrechnen.

Im Sommer 2002 hast du Ostwestfalen hinter dir gelassen, der Wechsel von Bielefeld nach Berlin war für beide Seiten ein Glücksfall. Auch wenn du dich in Berlin an die ganzen Kreisverkehre und mehrspurigen Straßen gewöhnen musstest, warst du schnell ein Teil der Stadt. Bei der Hertha konntest du zum Nationalspieler reifen, während der Verein sich im oberen Tabellendrittel etablierte. In 231 Spielen gelangen dir 14 Tore für die alte Dame, 2009 schrammte man knapp an der deutschen Meisterschaft vorbei (das Folgejahr streichen wir mal lieber, auch wenn der sportliche Misserfolg zu einer Trennung geführt hat). 

Auch bei der Nationalmannschaft hast du einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Unvergessen ist dein erstes Tor für die Nationalmannschaft bei der WM 2010 gegen Argentinien. Du hast nicht nur einen der besten Fußballer aller Zeiten im Griff gehabt, sondern auch endlich die Anerkennung bekommen, die du verdienst! 

 


Denn die Karriere beim DFB war nicht immer eine Liebesgeschichte. Bei der WM 2006 im eigenen Land wurdest du als Notnagel für die Position des Rechtsverteidigers dargestellt. Doch du hast die Medien und die Fans mit Leistung überzeugt. Während andere Spieler mit Vorschusslorbeeren überhäuft wurden und ihr Standing schon vor dem ersten Spiel äußerst positiv war, musstest du dir alles erkämpfen. Meinen tiefsten Respekt davor. Gerade als Fan von Hertha BSC ist es schwierig, Spieler auch in der Nationalmannschaft anfeuern zu dürfen, aber du hast es allen gezeigt und warst auf Jahre eine Größe (82 Länderspiele), zu der man nicht nur in Berlin aufgeschaut hat.

Leider musstest du deine Karriere aufgrund anhaltender Rückenprobleme beenden und konntest das Abenteuer in Chicago nicht so genießen, wie du es dir gewünscht hattest. Aber wie überall hast du auch in den USA deine Fußspuren hinterlassen. Nicht umsonst hast du für FOX Soccer schon einige Turniere als Experte begleitet. Deine sympathische authentische Art und die sportliche Kompetenz ist ein fast so sicheres Zusammenspiel wie das von dir und Steve von Bergen im blau-weißen Dress. Und wie deine Leistungen am Ball waren auch die Leistungen am Mikro auf allerhöchstem Niveau. Nicht umsonst hast du sogar in China die WM 2014 begleitet, bist ein gern gesehener Sportschau-Gast beim DFB Pokalfinale und hast eine große Followerzahl in den sozialen Medien (wobei man hier fairerweise sagen muss, dass du die Hälfte deiner Insta Abos deinem überragenden Bart zu verdanken hast).

 

 

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🇩🇪 Ich hoffe ihr hattet einen guten Start in die Woche! 🇺🇸 Hope you had a great start into the week! #focussignificance #monday #mondaymotivation

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Und ich bin mir sicher, dass nicht nur die Menschen in Ostwestfalen, Berlin, Chicago und China heute an dich denken, sondern dir überall auf der Welt Menschen gratulieren möchten.

Kirk Gibson – Auf einem Bein zur Legende

Mitarbeiter des Tages, 28. Mai 2019: Kirk Gibson

Schon wieder Baseball? Aber ja! Wer sich hierzulande ab den 1980ern für die MLB zu interessieren begonnen hat, dem sind ja nicht alle ikonischen Szenen der MLB Geschichte („The Catch“, „The Shot Heard Around The World“) sofort gewahr. Man muss also in der eigenen Erfahrung kramen – und kommt nicht an Kirk Gibson vorbei. Der feiert heute seinen 62. Geburtstag. Und wird sicher immer noch gerne auf das erste Spiel der World Series 1988 zwischen den Los Angeles Dodgers und den hoch favorisierten Oakland Athletics angesprochen.

Neuntes Inning also, die Dodgers liegen zuhause mit 3:4 zurück. Stehen drei Outs vor einem 0:1-Rückstand. Und Tony La Russa, der damals schon fast legendäre Manager der Athletics hat seinen Closer, Dennis Eckersley, auf den Pitcherhügel geschickt. Bei dem traditionell nie was angebrannt ist.

Tommy Lasorda dagegen, der damals schon ganz sicherlich legendäre Manager der Dodgers, hat aber noch eine Idee. Und schickt mit einem Mann auf der ersten Base Kirk Gibson zur Platte. Der im Grunde zu malad ist, um überhaupt mitzuspielen. Was man ihm beim Hatsch zur Home Plate, und auch bei den ersten Schwüngen anmerkt. Bis … (und ja: es dauert ein bisserl bis zur entscheidenden Szene. Aber so bekommt man alles mit, was Baseball in der Post Season ausmacht. Dazu den Kommentar des legendären Vin Scully).

Paul Gascoigne – Zwischen Genialität und Wahnsinn

Von Sascha Staat

Pures Talent und Genialität, aber auch der blanke Wahnsinn, sie kamen während und nach der Karriere von Paul Gascoigne so zusammen wie bei kaum einem anderen Spieler in der Geschichte des englischen Fußballs. George Best reloaded, sozusagen. Dass die Briten generell stark am Tresen sind, stellte der 1967 in Gateshead geborene Mittelfeldkünstler regelmäßig unter Beweis. Er rauchte, trank und zockte. Aber vielleicht sorgte auch das dafür, dass Gazza bei seinen Landsleuten so beliebt war. Insbesondere der Fan der 80er und 90er konnte sich mit dem Gegenteil eines Musterprofis besonders gut identifizieren. Ein Vorteil vielleicht, ein Klischee, durchaus. Aber Gascoigne bediente es wo er nur konnte.

Auf sich aufmerksam gemacht hatte er zwischen 1984 und 1988 im Trikot von Newcastle United. Danach folgte er dem Lockruf der Tottenham Hotspur. Doch sein Übergewicht sorgte beim Club aus London für Startschwierigkeiten. Auch das passte bestens ins Bild. Sein Stern ging endgültig auf, als er dann während der Weltmeisterschaft 1990 in Italien mit England bis ins Halbfinale stürmte. Zu diesem Zeitpunkt war Gascoigne erst 23 Jahre alt und die Fußballwelt stand ihm offen. Bei der WM hatte er wohl so einen bleibenden Eindruck auf dem Stiefel hinterlassen, dass Lazio ihn im Sommer 1992 unter Vertrag nahm. Zuvor hatte er wegen eines Kreuzbandrisses ein Jahr pausieren müssen. Die Ironie dabei war, dass er sich bei einem Foul verletzte, das er begangen hatte. Wieder eine Szene, die ins Bild passte.

Seine Vorstellung bei Lazio sorgte für großes Medienaufkommen. Da ließ sich der Showman natürlich nicht zwei Mal bitten und sprach in Richtung von Club-Präsident Sergio Cragnotti lobende Worte in Bezug auf dessen Tochter. “Tua figlia, grande tette.” Das Bild des Machos war mal wieder bestätigt. Gascoigne wurde schnell zum Helden der Laziali, aber Verletzungen bremsten ihn immer wieder aus.

Sein Wechsel zu den Glasgow Rangers nach drei Jahren in Rom verhalf ihm dann aber nochmal zu seinem letzten sportlichen Frühling. In Schottland wurde er verehrt, zum Fußballer des Jahres 1996 gewählt und auf dem Weg zur Heim-EM wieder eine wichtige Größe in der englischen Nationalmannschaft. Sein Tor in der Gruppenphase gegen den großen Rivalen aus Schottland ist unvergessen bei vielen Fußballfans, genauso wie sein provokanter Jubel im Anschluss.

Es folgten nach drei Spielzeiten in Glasgow noch je zwei Jahre in Middlesborough und Everton, bevor er leidgeplagt 2004 seine Schuhe an den Nagel hing. Aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwand er danach allerdings nicht. Er blieb dem Alkohol, Schlägereien und anderen Skandalen treu. Eine Entziehungskur jagte die nächste. Irgendwann wird sein Körper den Strapazen nicht mehr standhalten können. Heute wirkt Gazza wie ein Fußballer aus einer fernen Zeit. Er war ein Genie, das noch heute sich und andere in den Wahnsinn treibt. Aber auch ein wenig ein Spieler, nachdem sich viele sehnen. Ohne Skandale, einfach nur genial.

Luca Toni – Der wärmende Italiener

Mitarbeiter des Tages, 26. Mai 2019: Luca Toni

Von Lars Mahrendorf

Erster Besuch in der Allianz Arena

Nachdem meine damalige Freundin – heutige Ehefrau – bereits seit knapp drei Monaten in München wohnte, wurde es Zeit, dem lokalen Fußballverein einen ersten Besuch abzustatten. Der Wettbewerb war aber ungewöhnlich. Zum einen war es bereits 2007 nahezu unmöglich an Eintrittskarten für die Bundesligaspiele der Bayern zu kommen. Zum anderen spielte der große FCB in der Saison 2007/08 nicht in der Champions League, sondern im, Zitat Franz Beckenbauer, „Verlierercup“, dem ungeliebten Uefa-Pokal. Statt Manchester United gastierten die Bolton Wanderers in der Allianz Arena. Alternative für Benfica Lissabon war S.C. Braga. Am 19. Dezember wartete im letzten Pflichtspiel der Saison Aris Thessaloniki F.C. aus Griechenland als Gegner.

Klose, Ribéry … und Luca Toni!

Das Wetter war winterlich kalt, um nicht zu sagen saukalt. -10° standen auf dem Thermometer, gefühlt waren es eher -25°. Die Bayern versprachen zumindest einen Gratispunsch für jeden Besucher. Selbiger stellte sich aber direkt als lauwarmes Gebräu heraus. Die Hoffnung lag also darauf, dass ein gutes Spiel die Zuschauer wärmen würde.

Neben Miroslav Klose und Franck Ribéry verstärkte ein Italiener namens Luca Toni vor der Saison die Mannschaft. Ich wusste zwar, dass der 1,93m große Hüne mit Italien Weltmeister und beim AC Florenz Torschützenkönig geworden war, aber wirklich näher kannte ich Toni nicht. Das änderte sich in den ersten Monaten dieser Spielzeit, und an diesem kalten Dezemberabend sollte der Stürmer auch live überzeugen.

Anmerkung: Entschuldigung für die Videoqualtität! Falls jemand aus der fernen Vergangenheit 2007 ein bessere Video findet, bitte bei uns melden!

Schlitzohr mit Torriecher

Unter gütiger Mithilfe des griechischen Torhüter Chalkias, staubte Luca Toni in der ersten Halbzeit zweimal ab, und brachte die Bayern schon früh auf die Siegerstraße. Am Ende schnürte er einen Viererpack, oder wie der Münchner Stadionsprecher Stephan Lehmann es ausdrückte, „eine fußballerische Pizza Quattro Stagioni“. An Toni lag es nicht, dass wir an diesem Abend dennoch mächtig durchgefroren zuhause ankamen.

Als Tormusik hatten sich die Bayern für den Italiener „Bello e impossibile“ von Gianna Nannini ausgesucht. Der Titel passte sehr gut, denn Toni bezauberte nicht nur die Münchner Damenwelt mit seinem Äußeren, sondern war fußballerisch in der Lage, Tore auf jede erdenkliche Weise zu erzielen. Mal filigran, mal mit Wucht, traf Toni für den FC Bayern in 60 Einsätzen insgesamt 36 Mal. In besonderer Erinnerung bleiben dabei wohl vor allem sein 2:1 in der Nachspielzeit 2009 gegen die TSG Hoffenheim, und die beiden Tore zum 3:3 nach Verlängerung in Getafe. Außerdem bildete er im Verbund mit Franck Ribéry ein kongeniales Duo auf und neben dem Platz, diverse Albereien und Späßchen inklusive.

Bei Louis Van Gaal fiel Toni schnell in Ungnade. Anfang 2010 wurde er nach Cagliari ausgeliehen, und war danach noch bis 2016 für verschiedene Mannschaften aktiv. Luca Toni wird heute 42 Jahre alt.