John Isner – Der Anti-Tennisspieler

Von Daniel Hofmann

Es war der 24. Juni 2010 als es endlich passierte: John Isner verwandelte den Matchball gegen Nicolas Mahut. Es war das erste Break im fünften Satz und es stand damit 70:68. Neben, aber auch auf dem Court, war damals Erleichterung zu spüren. Das längste Match der Geschichte war vorbei. Nach über elf Stunden. Verteilt auf drei Tage. Diese Matches wird es so in Wimbledon bekanntlich nicht mehr geben. Aber es verhalf John Robert Isner, geboren am 26. April 1985 in Greensboro, North Carolina, zur weltweiten Bekanntheit.

113 Asse schlug Isner in der damaligen Partie. Für ein einziges Match eine unerreichte Marke. Lediglich sein damaliger Gegenüber Nicolas Mahut war mit 102 Assen ganz eng dran. Dieses Match sorgte beim Autor des Textes dafür, dass Aufschläge eine besondere Faszination wurden. Können sie doch die alles entscheidende Waffe sein, die ein Match entscheiden bzw. es maßgeblich beeinflussen kann. Und genau deswegen gehen viele Tennisfans Spielern wie John Isner aus dem Weg: zu langweilig, kein Spielfluss, zu wenig Bewegung im Spiel. Zugegeben: Matches mit John Isner sind in der Regel von einer gewissen Statik geprägt, auch was den Spielverlauf betrifft: niemand spielt auf der Tour so viele Tiebreaks wie John Isner.

Oft ist bei Turnieren zu hören, dass John Isner Matches zerstöre, aber das ist grundlegend falsch. Angelique Kerber zerstört Matches. Durch eine gute defensive Arbeit an der Grundlinie, durch die Willenskraft mit denen sie ihre Gegnerinnen auch bei Rückständen ins Wanken bringen kann. Das ist bei Isner nicht der Fall. Denn durch seine harten und präzisen Aufschläge entwickelt sich erst gar kein Spiel. Und wo sich nichts entwickelt, dort kann auch nichts zerstört werden! Es passt also besser diesen Stil als Anti-Tennis zu bezeichnen. Er ist sozusagen der perfekte Anti-Tennisspieler.

Diesen Stil gibt es sehr selten. Daher ist es für die meisten Spieler auch so schwer gegen Isner zu bestehen. Man bekommt wenige Chancen auf Breaks, muss trotzdem konzentriert bleiben. Auch wenn mehrere Aufschläge in Folge keinen Return erlauben. Eine völlig andere Herausforderung zu den sonstigen Matches, die die Spieler sonst bestreiten.

Isners Liste der Turniersiege ist in gewisser Weise speziell. 14 Titel kann Isner auf der ATP Tour vorweisen. Davon gewann er zwölf in den USA. Die anderen beiden sammelte er in Auckland ein. Isner hat den Ruf nur in den USA so richtig gut zu spielen. Sein größter Erfolg gelang ihm erst im Jahr 2018 und damit sehr spät in der Karriere. Er gewann in Miami gegen Sascha Zverev seinen bisher einzigen Masters-Titel. Sicherlich ein Ergebnis der Arbeit, die Isner hinter sich hat.

Durch seine Größe von 208 cm hat Isner den Nachteil unbeweglicher auf dem Court zu sein. So sehr sein Vorteil des Aufschlags ein starkes Gewicht hat, so sehr wird er für seine Return-Qualitäten immer wieder kritisiert. Doch dort hat Isner sich entwickelt. Nein, sicherlich ist das bis heute noch alles ausbaufähig, wenn man alle anderen Top20-Spieler zum Vergleich heranzieht. Aber seine Entwicklung hat aus Isner einen Spieler gemacht, die ihm die Top 10, einen Masters-Titel und ein Wimbledon-Halbfinale im Juni darauf ermöglichten. Das wird leider von vielen Fans oft ausgeblendet.

Beim ATP 250er-Turnier in New York hatte man den Eindruck, dass Isner von sich selbst geschlagen worden ist. Ihm gegenüber stand Reilly Opelka. Dieser ist nochmal drei Centimeter größer als Isner. Und mit seinen 21 Jahren noch deutlich limitierter und unbeweglicher. Denkt man an die obenstehende Defintion zurück, dann ist Opelka eindeutig der größere Anti-Tennisspieler.

Beide lieferten an diesem Tag das ab, was alle erwartet haben. Zusammen schlugen beide 81 Asse in den drei gespielten Sätzen. Rekord! Alle Sätze wurden im Tiebreak entschieden. Jener in Satz zwei brauchte für die Entscheidung 30 Punkte. Isner verlor gegen sein Spiegelbild und Opelka ist nicht nur deswegen eine ähnliche Karriere zuzutrauen, wenn er an den richtigen Punkten arbeitet. Aktuell steht Opelka auf Platz 59 in der Weltrangliste. Tendenz der letzten Monate: steigend.

Es gibt auch noch den 40-jährigen Ivo Karlovic, der sich im Herbst 2018 in die Top 100 zurückspielte. Karlovic hat die meisten Asse der ATP-Geschichte serviert. Auch sein Spiel lebte bei 211 cm stets davon, dass es sehr statisch daherkam. Sein Returnspiel ist bis heute für einen Profi teilweise unterirdisch. Doch er ist beliebt, gilt als Kultfigur, die ab und an zu Scherzen aufgelegt ist. Eine Eigenschaft, die Isner ebenfalls fehlt. Er gilt als sehr still, ausdruckslos und zeigt selten Emotionen auf dem Court. Letztes Jahr in Wimbledon machte Isner jedoch mal abseits des Platzes Schlagzeilen. Er spielte sich bis ins Halbfinale und kündigte an, bei Einzug ins Finale Donald Trump einfliegen zulassen. Bis heute ist nicht sicher, ob es vielleicht doch mal ein seltener Scherz gewesen ist, den Isner sich erlaubte. Allerdings bestehen da erhebliche Zweifel. Bei aller Unpopularität, die Trump entgegengebracht wird, hat Isner damit sicherlich nicht gerade für sich geworben. Seine Spielweise wird weiterhin nicht tun.

Im Halbfinale spielte Isner dann gegen Kevin Anderson. Ebenfalls mit starkem Service-Game ausgestattet. Das Spiel endete nach über sechs Stunden 7:6, 6:7, 6:7, 6:4, 24:26 zu Gunsten Andersons. Es war das drittlängste Match der Tennisgeschichte. Und sorgte in Wimbledon u.a. für eine Revolution: im fünften Satz wird ab diesem Jahr nach 12:12 ein Tiebreak gespielt. Um diese langen Matches zu vermeiden. Eine Tradition, die in Wimbledon damit verloren geht. Sicherlich zum Wohl der Spieler.

Isner zerstört also doch. Wenn es auch nur absurde Traditionen sind.

Johan Cruyff – Sein Fußball lebt weiter

Von Francois Duchateau

Johan Cruyff mag zwar vor drei Jahren, am 24. März 2016 in seiner Herzensheimat Barcelona verstorben sein, doch sein Geist, seine Fußballphilosophie, lebt womöglich mehr denn je.

Es war am Tag nachdem Ajax sein Champions-League-Rückspiel in Turin sensationell gewann und ins Halbfinale einzog, als über Cruyffs Facebook-Account ein Bild gepostet wurde, auf dem der Spieler mit der legendären Nummer 14 Frenkie de Jong in den Arm nahm. Der 21-Jährige erinnert die Fachwelt zwar wegen seiner überragenden Spielübersicht, Beidfüßigkeit und Ballkontrolle an die Ballkunst des früheren Weltfußballer – wird die Fachwelt nicht müde, oft und gern zu betonen – doch es ist weitaus mehr, was hinter dieser Bildmontage steckt.

Dass die Amsterdamer zum ersten Mal seit dem Ende der Neunziger Jahre wieder in die europäische Spitze vorgedrungen sind – sei es zunächst einmal nur für diese Saison – sind die Früchte einer Revolution, die Cruyff vor Jahren unter seinem Namen angestoßen hat. Mehr Ex-Fußballer mit Fußball-Sachverstand in den Gremien und auf dem Trainingsplatz, eine Transferstrategie, die der eigenen und noch weiter verbesserten Jugendarbeit nicht im Weg steht sowie eine Spielphilosophie auf dem Feld, die für die Schönheit des Spiels lebt. Ein mutiger Ballbesitzfußball, den Cruyff einst nicht nur selbst zu kicken pflegte, sondern auch predigte, als er an der Seitenlinie stand.

“Fußball zu spielen ist einfach. Doch einfachen Fußball zu spielen, ist das Schwierigste überhaupt”, ist eine seiner vielen typischen Weisheiten, die noch heute die holländische Sprache prägen. Zwanzig Jahre hat Ajax dafür gebraucht, um diese doch so simple Idee wieder in Erfolg umzumünzen. Der FC Barcelona, Cruyffs anderen Herzensclub, spielt und denkt schon länger nach seinen Vorstellungen und begeistert mit seinem schönen Spiel seit Jahren die Fußballästheten. Auch sein Jünger Pep Guardiola gibt die Lehren der holländischen Ikone weiter auf seinen Stationen. Nur ein Tor fehlte Manchester City und ein drittes Team mit Cruyff-Philosophie hätte zu den besten Vier dieser Champions-League-Saison gehört. Welch größere Würdigung kann es geben im Sport?

Johan Cruyff wäre heute 72 Jahre alt geworden. Seine Idee des Fußballs, sie lebt weiter und wird weiterleben.

Jure Kosir – Viel Spaß in Tombas Schatten

Von Lukas Zahrer

Jure Kosir hat in seiner Karriere drei Weltcup-Rennen gewonnen, trug aber erheblich zur lebendigen Ski-Kultur in seinem Heimatland Slowenien bei. Bis heute zählt er dort zur gehobenen Promi-Szene und genießt über die Landesgrenzen hinaus ein hohes Ansehen.

Fluch oder Segen? Mit Alberto Tomba war Kosir beinahe seiner gesamten 16 Jahre dauernden Karriere beschäftigt. 50 Siege feierte Tomba la bomba auf höchster Ebene, während es bei Kosir lediglich für magere drei Triumphe reichte.

Der Slowene fuhr 17 weitere Male aufs Podest, immer wieder musste er sich nur dem Italiener geschlagen geben. Noch heute streicht Kosir gerne jenes Rennen hervor, in dem ihm der Durchbruch gelang. „An Tombas Geburtstag im Dezember fanden so gut wie jedes Jahr Rennen in Madonna statt. 1993 konnte ich ihm seinen Freudentag so richtig vermiesen.“

Um neun Hundertselsekunden verwies Kosir seinen Rivalen erstmals in seiner Karriere in die Schranken. Das italienische Publikum im Zielraum verstummte, die Freudenschreie Kosirs waren umso deutlicher zu hören. Er feierte den ersten Sieg für seine Nation im alpinen Skiweltcup.


Die Rivalität mit Tomba hatte weitere Vorteile: So stammten so gut wie alle Sponsoren Kosirs aus Italien. Firmen erkannten den Mehrwert, auch Tombas direkten Konkurrenten mit Werbung zu versehen.

Erst viele Jahre nach seinem Premierensieg konnte Kosir zwei weitere Weltcup-Rennen gewinnen, darunter ein Heim-Slalom in Kranjska Gora und das Rennen auf dem Ganslernhang 1999. Kitzbühel nennt Kosir auch als seine Lieblingsstation im Weltcup-Kalender. Bei allen seiner 15 Starts sah er stets das Ziel. „Wenn man bedenkt, dass ich durch 30 Läufe kam, ist das ein wahres Wunder“, sagt Kosir.


Bei den Olympischen Winterspielen 1994 sorgte der 13-fache slowenische Meister für eine von gleich drei Bronzemedaillen – es waren die ersten in der noch jungen Geschichte Sloweniens. Mit Katja Koren und Alenka Dovzan waren zwei weitere Skiläuferinnen erfolgreich, der alpine Rennsport stieg endgültig zum Nationalsport auf. Zehntausende Fans empfingen die Helden von Lillehammer in ihrer Heimat.


Mittlerweile haben Sport-Größen wie Anze Kopitar, aber vor allem Luka Doncic, andere Sportarten das Rampenlicht erobert. Doch der Skisport ist dank der Erfolge von Tina Maze, Ilka Stuhec, Zan Kranjec und Co. weiterhin eine große Nummer. 

Doch Kosir war es, der so etwas wie eine Vorreiterrolle übernahm. Er fiel während seiner aktiven Karriere nicht nur mit seinem kraftvollen Fahrstil auf, sondern blickte immer wieder über den Tellerrand. Während sich Ex-Skiprofis wie Rainer Schönfelder, Felix Neureuther oder Hansi Hinterseer nach der Karriere in der Schlagermusik versuchten, war Kosir schon in seiner aktiven Zeit musikalisch tätig.

Er galt immer als großer Fan der Rap-Musik und schreckte nicht davor zurück, selbst Rhymes zu texten und vorzuführen. „Sometimes I ski slow, sometimes I ski fast“, lautet einer seiner vielsagenden Zeilen, mit der er ernsthaft den slowenischen Rap beeinflusste.


Abgesehen davon sorgte er vor dem Karriereende schon für die Skipension vor. Er engagierte sich im Sportmanagement und ist seither als Eventmanager, Model und Markenbotschafter tätig. Für einige Jahre war er zudem Präsident im slowenischen Skiverband, war aber schnell von der Trägheit in der dortigen Entscheidungsfindung enttäuscht und frustriert.

So hänge es laut Kosir etwa zu viel ab, wie wohlhabend die Eltern angehender Ski-Talente sind. „Zu viele Fördergelder gehen in die Weltcup- und Europacup-Teams“, kritisiert Kosir. Von einer Breitenförderung in der Jugend Sloweniens sei man weit entfernt. Auch versuchte er an der Mentalität in seinem Heimatland zu arbeiten. „Wenn Amerikaner ihr Land für Rennen verlassen, sagen sie sich: ‚Hol dir den Sieg!’ In Slowenien hörst du nur: ‚Pass auf, dass du dir nichts brichst!’“

Er arbeitete außerdem mit dem Ex-EBEL-Klub HK Jesenice zusammen und führte Medveszak Zagreb in die multinationale Eishockey-Liga. Auf seine Idee hin trugen die Kroaten einzelne Liga-Matches im spektakulären Ambiente des Colloseum von Pula auf Istrien aus. 

Nebenbei veranstaltet Kosir Charity-Events, zu denen er ehemalige Rivalen wie Tomba, aber auch Kjetil Andre Aamodt oder Sebastian Amiez einlädt. Sein großes Herz stellte er auch schon während seiner Rennfahr-Karriere unter Beweis. Nach einem zweiten Platz bei einem Slalom in Kranjska Gora spendete er sein Preisgeld dem bosnischen Skiverband, damit sich dieser Trainings und Teile der Ausrüstung leisten können. 

Seine aktive Karriere erlitt durch eine radikale Änderung im Material einen großen Rückschlag. „Ich war eigentlich die Nummer zwei der Welt und stand knapp vor meinem Durchbruch“, erinnert sich Kosir. Doch der Wechsel zur Carving-Technik machte ihm schwer zu schaffen. „Plötzlich musste ich 20 Jahre eintrainierte Bewegungsabläufe vergessen. Über einen einzigen Sommer stürzte alles zusammen.“

Andruw Jones – Instinkt-Baseballer ohne Titel

Mitarbeiter des Tages, 23. April 2019: Andruw Jones

Von den World Series 1996 werden den Baseballfans mehrere Bilder in Erinnerung geblieben sein: Der Homerun von Jim Leyritz gegen Mark Wohlers in Spiel 4 etwa. Oder die Helikopter, die vor Spiel eins das überfeuchte Spielfeld im Yankee Stadium kraft ihrer Rotor-Blätter trocknen sollten. Oder aber ein junger Mann aus Curacao, für den alles ganz einfach zu sein schien: sowohl in der Defensive – aber auch am Schlagmal. 


Andruw Jones war im Herbst gerade mal 19 Jahre alt – und vermittelte nicht den Eindruck, dass Baseball für ihn viel mehr wäre als ein Spiel. Vielleicht hat ihm das die nötige Lockerheit verliehen, einen Pitch von Andy Pettitte in Spiel zwei gnadenlos über die Mauer zu hämmern. Was am Ende im Übrigen nicht zum gewinn des Meistertitels gereicht hat. Weder im Herbst 1996 noch jemals danach. Gewissermaßen blieb Andruw Jones also ein Unvollendeter, indes einer, der mit 434 Home Runs gute Aussichten auf einen Platz in der Hall of Fame in Cooperstown hat. Gut, 51 alleine im Jahr 2005 werfen natürlich Fragen auf – und zwar eher in medizinischer Hinsicht.


Aber da war eben auch seine unglaublichen Präsenz im Centerfield. Heutzutage sind alle Offensivspieler derart ausgeleuchtet, dass sich die Verteidigung auf zwei Meter genau dorthin orientiert, wo der Ball dann auch tatsächlich hingeschlagen wird. Andruw Jones hat noch nach Instinkt gehandelt. Und der war schlichtweg sensationell.

Wie auch seine Vereinstreue: Bis 2007 blieb er den Braves erhalten, dann ging es weiter zu den Dodgers und den White Sox. Die beiden letzten Spielzeiten in der Uniform der Yankees hat er dann schon nicht mehr im Centerfield bestritten. Da hatte der Körper den Instinkt bereits übertölpelt.

Andruw Jones wird heute 42 Jahre alt.

Mark van Bommel – Anführer und Abräumer

Mitarbeiter des Tages, 22. April 2019: Mark Van Bommel

Von Markus Lehnen

Es gibt eine Geschichte über Mark van Bommel, die man sich im Umfeld des FC Bayern noch immer gerne erzählt. In seinen viereinhalb Jahren beim deutschen Rekordmeister soll er die weiblichen Angestellten an der Säbener Straße zum jeweiligen Geburtstag stets mit Blumen bedacht haben. Ob diese Story wahr ist, oder ein Fankurvenmythos darstellt, das man sie für möglich hält, sagt einiges über Mark van Bommel aus. Ein Spieler, der neben dem Platz wie der netteste Mensch des Planeten herüberkam, immer freundlich, immer zum Interview parat und dabei meist noch mit einem Lächeln auf dem Lippen. Auf dem Platz aber etwas, nun ja, anders war. Für ihn wurde die Wortschöpfung Aggressive- Leader von Ottmar Hitzfeld geschaffen, er war Anführer aber auch Abräumer, vor allem in seiner Zeit beim deutschen Rekordmeister. Der in Maasbracht geborene Niederländer war einer dieser Spieler, die man gerne in seinem Team hat, sie aber hasst, wenn sie für das gegnerische Team auflaufen.


Aber der Reihe nach, denn bevor er für den FC Bayern spielte, war van Bommel bis nach seinem 28. Geburtstag in der niederländischen Eredivisie aktiv, zunächst für Fortuna Sittard, dann sechs Jahre lang für die PSV Eindhoven. Dort gelang dem fußballerischen Spätzünder dann auch der Durchbruch, als er u.a. 2004/ 05 in der Champions League glänzte. Ihn zog es danach zum großen FC Barcelona, wo er an der Seite der auf dem Höhepunkt ihres Schaffens stehenden Ronaldinho und Deco, sowie einem aufstrebenden, jungen Argentinier namens Lionel Messi, die Champions League 2005/06 in Paris mit einem 2:1 gegen den FC Arsenal gewann.

Auch wenn er im Stade de France durchspielte, wirklicher Stammspieler war van Bommel in Barcelona nicht, weswegen im Sommer der FC Bayern auf den Niederländer zukam. Die Münchner hatten gerade ihren Starspieler Michael Ballack an den FC Chelsea verloren und suchten einen Ersatz für die 10, die damals meist in der Raute gespielt wurde. Nun kann man diskutieren, ob Ballack ein 10er war, van Bommel war es jedenfalls nicht. Im Laufe seiner Karriere wurde er defensiver, und so wurde der für 6 Millionen Euro verpflichtete Niederländer (das waren noch Zeiten) in München der Abräumer im Mittelfeld. Erst alleine, später in der unter Louis van Gaal praktizierten Doppelsechs.

 Los ging es noch offensiver, als er bei seinem ersten Spiel für die Bayern früh zum 1:0 bei der Arminia in Bielefeld traf. Ich war damals live im Stadion und konnte mich zu diesem Zeitpunkt noch freuen, was sich später ändern sollte, als Bayern das Spiel noch mit 1:2 verlor. In Erinnerung blieb mir aber ein Spieler, der schon in seinem ersten Spiel so laut Kommandos gab, dass man ihn ohne Probleme auf der Tribüne verstehen konnte.
Im Februar 2007 kam es zur vielleicht berühmtesten Aktion van Bommels, als er im Champions League Achtelfinale bei Real Madrid kurz vor Schluss zum 2:3 traf und den Madrilenen die Stinkefaust (dessen Existenz mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt war) entgegen streckte.

Keine direkte rote Karte

Ansonsten sah van Bommel zwar mit 40 Stück in 123 Spielen einige Gelbe Karten, mit direkt Rot flog er allerdings in der Bundesliga nie vom Platz.

Bei Bayern gewann er 2008 und 2010 das Double aus Pokal und Meisterschaft, war ab 2008 der Nachfolger von Oliver Kahn als Kapitän des Rekordmeisters und dazu der unangefochtene Anführer einer aufstrebenden jungen Mannschaft mit Spielern wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Franck Ribery, Arjen Robben und Miroslav Klose. International aber lief es noch nicht. Das Viertelfinale in der Champions League und das Halbfinale waren das maximale, was die Bayern mit van Bommel bis zur Saison 09/10 europäisch erreichten.

Dies sollte sich 2010 ändern, als die Münchner nach Teils spektakulären Auftritten wie beim 2:3 (Hinspiel 2:1) in Manchester, das Finale der Champions League in Madrid gegen Inter Mailand erreichten. Unvergessen bleibt, wie van Bommel das Team nach dem 0:3 Gegentor in Manchester anschnauzte aber vor allem aufbaute. Eine Szene, die wie keine zweite für seine Fähigkeit stand ein Team zu führen. Das Team hörte auf ihn, und konnte an diesem magischen Abend von Old Trafford noch die für das Weiterkommen nötigen zwei Auswärtstore erzielen. Und nebenbei dafür sorgen, dass der Autor dieses Textes sein WG Zimmer im Jubel ziemlich auseinandernahm.

Das Champions League Finale ging dann aber genauso verloren, wie das WM Finale mit der niederländischen Nationalmannschaft Wochen später in Südafrika. In beiden Spielen spielte van Bommel durch, in beiden Spielen konnte er allerdings nicht überzeugen. Die durchschnittlichen Leistungen in großen Spielen sind einer der negativen Facetten an der Karriere des Niederländers.

Streitbarer Charakter auf dem Platz

Und so ging van Bommels Zeit beim deutschen Rekordmeister ungekrönt zu Ende, als er sich im Winter 2010 mit Louis van Gaal überwarf, und daraufhin im Januar 2011 zum AC Mailand wechselte. Dort gehörte er dann noch zur bis heute letzten Meisterschaftsmannschaft Italiens, die nicht Juventus Turin hieß. Nachdem er noch eine Saison für Eindhoven spielte, beendete Mark van Bommel im Sommer 2013 seine erfolgreiche Karriere. Just in dem Jahr, als ,,sein” Team um die mittlerweile gereiften Lahm, Schweinsteiger, Robben und Ribery das Triple gewann.

In Erinnerung bleibt mir ein Mentalitätsmonster, der neben seiner rauen Spielweise dadurch glänzte eine Mannschaft führen zu können und der junge Spieler, wie Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm, an deren Rollen als Führungsspieler gekonnt heranführte. Ein streitbarer Charakter auf dem Platz, ein, wie der Producer sagen würde, Galan neben dem Platz.

Seit Sommer 2018 trainiert der ehemalige FC Bayern Kapitän die PSV Eindhoven.
Wer weiß, wie gerne die Münchner Verantwortlichen Trainer mit Stallgeruch verpflichten, der kann sich sehr gut vorstellen, dass van Bommel auf kurz oder lang als Trainer an die Säbener Straße zurückkehrt. Die weiblichen Angestellten dort würden sich darüber sicherlich sehr freuen. 

Tony Romo – Vom QB zum Wahrsager

Mitarbeiter des Tages, 21. April 2019: Tony Romo

Früher einmal, ältere Beobachter werden sich daran erinnern, gab es im US-amerikanischen Profisport drei Positionen, die per se unfassbares Prestige und eine turmhohe Erfolgserwartung miteinander vereinten: Center Fielder bei den New York Yankees. Center bei den Los Angeles Lakers. Und Quarterback bei den Dallas Cowboys.

Das mit der Erfolgserwartung mag sich ein wenig gewandelt haben: Die Yankees haben zuletzt 2009 die World Series gewonnen, wenn die Erinnerung nicht trübt mit Brett Gardner im Center Field. Schnell, solide, sehr unglamourös. Die Center-Spiel in der NBA hat an Glanz deutlich eingebüßt, was bei den Lakers allerdings für alle Positionen gilt, die nicht gerade von LeBron james bekleidet werden. Und die Cowboys warten gar seit 1994 auf ein Championat. Damals hat noch Troy Aikman die Bälle geworfen, Emmitt Smith ist mit dem Ei gelaufen.

Tony Romo, der heute 39 Jahre alt wird, hat 2006 die sportliche Nachfolge von Aikman angetreten, mit den Cowboys ein paar Mal die Playoffs erreicht – nicht aber den Super Bowl.

Gut, es liegt nicht immer nur am Quarterback, da stehen ja noch genügend andere Hanseln auf dem Football-Field. Von denen allerdings nur die wenigsten so gut aussehen und sich so eloquent ausdrücken können wie Tony Romo. Dass sich dieser Mann eines Tages im TV wiederfinden würde, lag auf der Hand. Dass er im Handumdrehen seinem Karriere-Ende 2016 zu jenem Experten aufsteigen würde, der sich vor Lob für seine präzisen Analysen (und vor allem: todsicheren Vorhersagen, welches Play denn als nächstes ansteht) kaum retten kann, war nicht zwingend vorherzusehen. Good for him. Romo werkelt also an der Seite von Jim Nantz für CBS, den alten Phil Simms haben sie dort zu einer Studiosendung hinaus komplimentiert.

248 Touchdown-Pässe hat Tony Romo geworfen, war vier Mal beim Pro Bowl dabei. Das ist natürlich aller Ehren wert. Als einer von ganz wenigen Ausnahme-Sportlern hat er aber nach seiner Karriere auf dem Feld im zweiten Leben etwas gefunden, in dem er noch besser zurechtkommt als vor gar nicht langer Zeit im Trikot der Dallas Cowboys.

Alexander Zverev – Diesmal kein Geburtstag auf dem Center Court

Von Paul Häuser

Er wollte unbedingt an seinem 22. Geburtstag noch bei seinem Heimatturnier in Monte Carlo mit von der Partie sein. Das Halbfinale war das Minimalziel von Alexander Zverev im Fürstentum. Doch zwei Tage vor seinem Ehrentag war bereits Endstation für die deutsche Nummer Eins. Gegen den Italiener Fabio Fognini verlor Zverev glatt in zwei Sätzen mit 6:7 und 1:6.

Im zweiten Durchgang ging Zverev unter. Zu viele vermeidbare Fehler, zu passiv in seiner Spielanlage, dazu ein glänzend aufgelegter Fognini.Zverev haderte mit dem Wind und dem eigenen schwachen Spiel in einer Tour. Sein Vater Alexander Senior musste sich einiges anhören, es wurde wild auf russisch geflucht und dann flog natürlich auch noch der Schläger.

Es half alles nichts.

Auch die einfachsten Passierbälle vergeigte Zverev. Nach einem ausgeglichenen ersten Satz verabschiedete sich die Nummer drei der Welt ohne große Gegenwehr beim dritten Masters-Turnier der Saison.

In den sozialen Netzwerken wird die kleine Krise des jungen Ausnahmekönners auch immer wieder mit viel Schadenfreude aufgenommen. Der Deutsche polarisiert mit seiner Art nach wie vor enorm und ist auch noch weit davon entfernt eine breite Fanbasis in Tennis-Deutschland hinter sich zu bringen.

Zverev braucht nun nach einer heftigen Grippe in Indian Wells noch etwas Zeit und einige Matches um sein Toplevel wieder zu erreichen. Nach dem Turnier in Acapulco, bei dem er es ins Finale schaffte, wurde Zverev zehn Tage lang von einem Fieber niedergestreckt.

Die Pleiten gegen Jan-Lennard Struff in Indian Wells und David Ferrer in Miami waren die logische Folge, zu geschwächt war der gebürtige Hamburger.

Doch nun sollte die Saison 2019 für Alexander Zverev so richtig in Fahrt kommen. Letztes Jahr brillierte er auf der roten Asche. Halbfinale Monte Carlo, Sieg in München, Sieg in Madrid, Finale in Rom, Viertelfinale bei den French Open.

Zverev hat so viele Punkte zu verteidigen in den kommenden Wochen, dazu liegt der Deutsche im Race to London nur auf Platz 19 bislang.

Viel zu wenig für die hohen Ansprüche des letztjährigen World Tour Finals Champion.

Die Qualifikation für das Finalturnier in London ist für Zverev besonders wichtig, dort will er seinen Titel verteidigen.

Andere junge Wilde wie Daniil Medvedev oder Stefanos Tsitsipas drängen nach oben, die Konkurrenz ist gewaltig, das Herrentennis erlebt derzeit eine enorme spannende Zeit.

Zverev hat sich selbst immer als den Anführer der Next Gen gesehen, nun muss er seine exponierte Stellung als Topstar der Szene und Kandidat für die Spitze nach Djokovic, Federer und Nadal verteidigen.

Die Gefahr für einen ähnlichen Absturz wie bei Grigor Dimitrov, dem World Tour Finals Sieger von 2017, scheint nicht sehr groß. Davor schützt ihn sein enormes Talent, sein gewaltiger Ehrgeiz und sein hochprofessionelles Umfeld.

Zverev und sein Team haben erkannt, dass er noch weit weg ist von der starken Form aus der Sandplatzsaison und dass ihm aktuell die Matches fehlen.

Deshalb nutzt er nun auch eine Wildcard nächste Woche beim Turnier in Barcelona.

Zverev hat nun ein straffes Programm vor sich. Die Erfolge von Tsitsipas (Halbfinale bei den Australian Open), Auger-Aliassime, Shapovalov (beide Halbfinale in Miami) und nun von Daniil Medvedev in Monte Carlo dürften ihn besonders antreiben.

Alexander Zverev ist nun erst 22 Jahre alt und er hat bereits drei Masters-Turniere und die World Tour Finals gewonnen. Aber dies soll erst der Anfang einer gigantischen Karriere gewesen sein.

Zverev kann viel Charme versprühen. Bei den World Tour Finals, beim Hopman Cup und in Acapulco lieferte er beeindruckende Dankesreden und begeisterte das Publikum. Sein Starpotential ist immens und seine spielerische Klasse auch.

Nicht selten müssen hochveranlagte Spieler zu Beginn ihrer Karriere auch durch einige Formtäler durchgehen um danach das nächste Plateau zu erreichen. Genau darum geht es nun auch für Alexander Zverev.

„Druck ist eine gute Sache“, sagte Zverev kürzlich in einem Interview mit der französischen L’Équipe. Druck hat er nun reichlich und in den kommenden Wochen auch einige Gelegenheiten damit erfolgreich umzugehen.

Herzlichen Glückwunsch Alexander Zverev, die Zukunft gehört Ihnen.

 

Al Unser jr. – Die dunklen Phasen hinter sich gelassen

Von Pete Fink

Er galt als eines der größten Talente im IndyCar-Sport: Al Unser Jr. feiert heute seinen 56. Geburtstag. Über das Auf- und Ab einer Motorsport-Legende.

Wie so oft im US-amerikanischen Motorsport stammt Al Unser Jr. aus einer echten Dynastie: Papa Al Unser gewann das Indy 500 gleich viermal, Onkel Bobby Unser stand dreimal in der Victory Lane. “Little Al” Unser Jr. steuerte zwei Siege bei. So ist die Familie aus dem beschaulichen Albuquerque, New Mexico, mit ihren insgesamt neun Erfolgen die erfolgreichste Familie im “Greatest Spectale in Racing”, wie die Amerikaner das Indy 500 in ihrer so typischen Bescheidenheit gerne bezeichnen.

Unvergessen in der langen Karriere Unsers sind vor allem die frühen 1990er-Jahre. Damals bildete er zusammen mit Bobby Rahal im kleinen Team von Galles/Kraco-Racing ein Fahrer-Duo, das den Großkopferten der IndyCar-Szene nur allzu gerne Kopfschmerzen bereitete. Ein Beispiel gefällig? Im Sommer 1990 gewann Unser Jr. die vier Rennen von Toronto, Michigan, Denver und Vancouver hintereinander und holte sich folgerichtig am Jahresende seinen längst überfälligen ersten IndyCar-Titel.

Es ist wenig verwunderlich, dass “Little Al” irgendwann in seiner Karriere den Lockrufen von Team Penske nicht länger widerstehen konnte. Schließlich waren Roger Penske und Co. bereits in dieser Zeit die klare Nummer 1 im IndyCar-Zirkus. Prompt brannte Unser Jr. 1994, in seinem ersten Penske-Jahr, gleich acht Saisonsiege und Titel Nummer zwei in den Asphalt. Darunter befand sich sein zweiter Indy-500-Erfolg, weil sein damaliger Teamkollege Emerson Fittipaldi nach einem späten Mauerkontakt strandete.

Was ab Ende 1995 folgte, war eine völlig unübliche Krise im Hause Penske, deren Inhouse-Chassis vor allem gegen die Reynard-Konkurrenz unterlegen waren. Unser Jr. hatte bis dato 31 IndyCar-Rennen gewonnen, in den Jahren 1996 bis 1999 gelang ihm als Penske-Pilot kein einziger Erfolg mehr. Es begann die schwierige Zeit seines Lebens, in der er zum ersten Mal mit dem Problem-Thema Alkohol konfrontiert war.

Folgerichtig war zum Jahrtausendwechsel – Unser Jr. war damals bereits 38 Jahre alt – sein Penske-Engagement beendet. Zwar gewann er später noch einmal drei Rennen der Indy Racing League, aber ein schwerer Quad-Unfall im Herbst 2003 deutete das endgültige Karriere-Finale an. Es war durchaus ein Ende mit Schrecken, denn Unser Jrs. permanente Probleme mit dem Thema Alkohol führten in der Folge zu drei Verhaftungen und einer Scheidung.

Heute, so sagt er, habe er diese “dunklen Zeiten hinter sich gelassen.” Unser Jr. arbeitet derzeit als Berater für das noch junge IndyCar-Team von Harding/Steinbrenner Racing. Deren Pilot Colton Herta im März 2019 das Rennen auf dem Cicuit of the Americas in Austin gewann. Damit machte sich der erst 18-jährige Herta zum jüngsten IndyCar-Sieger aller Zeiten. Sein Fahrer-Coach heisst Al Unser Jr. – “Little Al” kann es also immer noch. Zumindest indirekt.

Jochen Rindt – Niemand braucht den Titel “posthum”

Mitarbeiter des Tages, 18. April 2019: Jochen Rindt

Ein Leben ohne Heinz Prüller wäre für den österreichischen Formel-1-Fan weder möglich noch sinnvoll gewesen: Wer ab Mitte der 1970er-Jahre im ORF aufmerksam der Königsklasse zugesehen hat, der durfte/konnte/musste auch dem Heinz lauschen. Und wem das nicht genug war, der wünschte sich von der Oma alljährlich auch noch die Grand Prix Story aus der Feder vom Heinz – Kunstwerke waren das, mit einer unglaublichen Detailverliebtheit und Anekdoten, die einer kritischen Prüfung womöglich nicht standgehalten hätten.

Jochen Rindt war da schon längst tot. Verunglückt in Monza 1970. Aber lebendig im Kommentatoren-Schatz von Heinz Prüller, der es wie kein Zweiter verstand, jeden Unfall auf eine Verkettung unglücklicher Umstände zu reduzieren. Eine besser angezogene Schraube da, etwas mehr Reifendruck dort, und vor allem: kompetentere Ärzte – und die Todesliste in der Formel 1 wäre wesentlich kürzer ausgefallen.

Wer sich die Bilder von Jochen Rindts Unfall in Monza ansieht, dem muss klar sein, dass kein Mensch einen Crash dieser Art überleben kann. Schon gar nicht 1970, wo die Auslaufzonen Auge mal Pi vermessen wurden, die Strecken nicht neu asphaltiert wurden, die Chassis eher dekorativ denn schützend waren. Heinz Prüller hat das vielleicht auch so gesehen, aber doch zu bedenken gegeben, dass mit einer nur geringfügigen Verschiebung der Variablen alles anders gekommen wäre. Was haben wir selbst Jahre später Colin Chapman noch gehasst, der Rindt den Lotus hingestellt hat, mit dem der dann verunglückt ist!

Heinz Prüller hat alle Formel-1-Fahrer geliebt, am allermeisten aber natürlich die österreichischen. Dass Jochen Rindt in Mainz geboren wurde und erst mit sechs Jahren nach Graz zog, tat dem Patriotismus Prüllers keinen Abbruch.

In Erinnerung bleibt das verwegene Antlitz Jochen Rindts, das Halstuch. Und die Erweiterung des Wortschatzes um eine Vokabel, die man sich gerne erspart hätte: „Posthum“. In der Formel-1-Wertung 1970 hat kein Fahrer Jochen Rindt überholt. Der erste und bis dato einzige posthume Weltmeister.

Jochen Rindt wäre heute 79 Jahre alt geworden.

Jo-Wilfried Tsonga – Melancholie und innere Ruhe

Mitarbeiter des Tages, 17. April 2019: Jo-Wilfried Tsonga

Was im Tennissport falsch läuft, hat sich vor wenigen Tagen an der Vergabe der Wildcards für das ATP-Masters-1000-Turnier in Miami sehr schön veranschaulichen lassen: Bei aller Liebe für Christopher Eubanks und Nicola Kuhn, denen vielleicht einmal die Zukunft gehören wird, aber wie zur Teufel können die Veranstalter Jo-Wilfried Tsonga in die Quali schicken? Und nicht mit Freifahrtschein in das Hauptfeld? Konsequenterweise hat sich Jo dann auch nicht weiter bemüht, ist gegen Pablo Cuevas schmucklos rausgegangen.

Dabei sollte sich jedes Turnier nach wie vor mit Tsonga, der heute seinen 34. Geburtstag feiert, schmücken. Zum einen, weil er natürlich immer noch bestechend gutes Tennis spielen kann. Siehe den Turniersieg in Montpellier zu Beginn dieses Jahres. Aber Jo-Wilfried Tsonga ist halt auch ein Mann mit Wiedererkennungswert, der zuweilen eine wunderbare Melancholie vor sich herzuschieben scheint, sodass man den guten Mann eigentlich in den Arm nehmen möchte.

Haas paniert Tsonga

Es ist schon ein paar Jahre her, da war Tsonga zu Gast in München. Ende April nimmt der Tennisfan beim MTTC Iphitos gerne die Winterjacke mit zum Tennis, Jo-Wilfried Tsonga ist ein Sonnenkind. Das kleine Schmerzensgeld, das ihm die Veranstalter der BMW Open damals für sein Antreten im Spätwinter bezahlt hatten, war nicht gut angelegt – immerhin aber war der Center Court voll, als der Haas Tommy den Tsonga Jo eher rasch verabschiedet hat.

Besonders hart hat es den Franzosen nicht getroffen, denn neben der angesprochenen Melancholie strahlt Tsonga auch noch eine große innere Ruhe aus. Weil er vielleicht weiß, dass wir eigentlich alle so sein wollen wie er: lässig, nicht verbissen, dennoch überdurchschnittlich erfolgreich, verdammt gut aussehend. Was zur einzigen zuverlässigen Prognose über Jo-Wilfried Tsongas Zukunft führt: Sohn Shugar kann mit Blick auf die Eltern nur das hübscheste Kind aller Zeiten werden. Auf dass der Junge nie auf Wildcards aus Miami angewiesen sein wird.