Diese Woche … bei ALBA Berlin, KW 22

Von Heiko Eisser

Kurz und zumindest aus Berliner Sicht schmerzlos. Mit einem 3:0 im Viertelfinale haben die Albatrosse die best-of-three-serie gegen Rathiopharm Ulm gewonnen und sind ins Halbfinale der diesjährigen Playoff-Season gegen die Bassets Oldenburg eingezogen. Diese Serie dürfte – mit Verlaub – die enger, spannendere Serie werden. Es trifft der Hauptrunden Zweite (Oldenburg) auf den Dritte und startet am Sonntag um 15 Uhr. Da beide Mannschaften die offensivstärksten der aktuellen BBL-Saison waren, dürften die Körbe nur so fallen. Ausserdem winkt bei einem Sieg eine besondere Belohnung.

Viertelfinale im Sweep

Aus Sicht der Berliner konnte das Viertelfinal-Serie nur mit einer schlechten Nachricht beginnen – warum die Postseason nicht so gestalten wie den bisherigen Saisonverlauf? Vor dem ersten Spiel gegen die Ulmer meldete sich Payton Siva mit einer Knöchelverletzung ab.

Im ersten Vergleich konnte dieser Ausfall dennoch spielend durch die anderen Akteure Albas kompensiert werden. Die Berliner starteten konzentriert in Offensive und Defensive und liessen den Ulmer kaum Räume sich und ihr Spiel zu entfalten. Besonders unter dem Korb wurde der Platz eng und die Gäste mussten ihr Glück von außen suchen. Doch im Gegensatz zu den vorherigen Monaten, gelang hier selten der benötigte Treffer. Bereits nach dem ersten Viertel lag Alba mit 29:16 in Führung.

Im weiteren Verlauf der Partie hielten die Berliner an ihrem Spiel fest und konnten ihre besondere Qualitäten ausspielen. Als Zuschauer hatte man schnell das Gefühl das „alte“ Alba der Saison zu sehen. Besonders Derrick Walton Jr fand im ersten Spiel gegen Ulm zur bisher nicht gezeigten Passstärke und heimste zwölf Assists ein. Dies kam besonders Albas Centern zu Gute und Johannes Thiemann zeigte mit 15 Punkten gegen seine ehemaligen Mannschaftskameraden eine für ihn im Albadress eher selten gesehene Leistung.

Alba baute im Spielverlauf stetig den Abstand zu den Ulmern auf, die mit ihrer Leistung in Spiel 1 alles andere als zufrieden sein konnten. Weder die Dreier fielen noch konnte die Defensive der Gäste ihre in den letzten Wochen gezeigte Standfestigkeit unter Beweis stellen. Ein deutlicher 107:78 Sieg von Alba markierte einen guten Start in das Viertelfinale.

Im Heimspiel wollten die Ulmer den Ausgleich holen und die Serie wieder offen gestalten. Doch mit dem Ausfall von Patrick Miller und einem grippegeschwächten Dwayne Evans waren die Vorzeichen alles andere als rosig.

Damit es nicht die letzte Partie für Coach Thorsten Leibenath in der Halle an der Memminger Straße werden sollte, warfen sich die Spatzen ins Geschehen. Die Unterstützung von den Rängen half ihnen, einen 6:0-Lauf der Albatrosse im ersten Viertel ebenfalls mit einem entsprechenden Lauf zu kontern. Das Viertel endete 19:23 aus Sicht der Gastgeber.

Das die Hausherren aus den beiden letzten Partien gegen Alba gelernt hatten, sah man an der Unterbrechung des Fast-break-Spiels. Im zweiten sowie im dritten Viertelfinale kam die Mannschaft um Teamkapitän Nils Giffey zu weniger schnellen Abschlüssen und die Punkte mussten auf andere Weise geholt werden. Glücklicherweise finden sich in den Reihen diese Spieler, die in Form von Luke Sikma diese Punkte holen.

Die Partie war weiterhin eine enge Angelegenheit. Nach einer Führung zur Halbzeit durch Alba (47:43) wollten beide Teams in der zweiten Hälfte nun den Punkteschnitt nach oben schrauben. Doch kam ins Ulmergetriebe Sand und die durch eine Verletzung von Per Günther zusätzlich geschwächt wurden. Ohne Per Günther musste Ulm schließlich auch das Spiel 3 in Berlin bestreiten.

Die Ausfälle konnte Ulm nun nicht mehr abfangen. Alba hingegen nutze die Chancen die sich ihnen boten und fuhren einen 98:83-Sieg ein, der die Ulmer Leistung leider nicht widerspiegelt. Doch wie Ismet Akpinar bereits nach Spiel 1 sagte: „Es ist egal, ob du mit einem oder mit 30 verlierst.“ Doch waren die Schwächungen im Team durch die restlichen Ulmer nicht zu kompensieren.

Die Vorzeichen standen bei Alba nun wieder voll auf Sieg in Spiel drei der Serie. Der zurück gekehrte Peyton Siva sowie 10.600 Zuschauer in der Halle am Ostbahnhof wollten diese Partie gewinnen und den Einzug in das Playoff Halbfinale sicher stellen. Ulm musste hingegen reiste mit nur zehn Spielern an und hoffte eher auf einen schlechten Tag der Albatrosse.

Ein 8:0-Lauf der Hausherren machte die Marschrichtung für dieses Spiel zunächst sehr deutlich. Konzentriert und gewillt eine fast spielfreie Woche zu haben, legte Alba los. Die Ulmer mussten erst durch eine Auszeit durch Coach Leibenath geweckt werden. Das das Team seinem Coach noch eine weitere Begegnung in Ulm holen wollten, zeigten sie nach der Standpauke. Mit 17:20 und einer Ulmer Führung wurde das erste Viertel beendet.

Im zweiten Spielabschnitt entwickelte sich eine hitzige Partie. Die Schiedsrichter trafen hier manche Entscheidung, die auf beiden Seiten Verwunderung und auf den Rängen Ärger hinterließ.

Doch Alba ging nach dieser Phase konzentrierter ans Werk und waren auf Kurs zum Sieg. Bei Ulm machte sich jedoch der Kräfteverschleiß und die wenigen Möglichkeiten zur Rotation bemerkbar. Hinzu kam bei den Gästen, dass Dwayne Evans nie in diese Partie fand und seine Teamkameraden nicht wie gewohnt unterstützen konnte. Ein deutliches 75:58 zu Gunsten Albas nach Viertel drei zeigte hierbei die Richtung.

Ein kleines Aufbäumen der Ulmer Mitte des letzten Abschnittes sollte hierbei dennoch keine Zweifel bei den Albatrossen säen. Das letzte Spiel dieser Serie ging mit 100:83 an die Berliner. Der Einzug ins Halbfinale war perfekt.

Der Weg in die Euroleauge

Dem Halbfinal Duell zwischen Alba Berlin den den EWE Baskets Oldenburg wird in diesem Jahr eine besondere Bedeutung bei gemessen. Sollte der FC Bayern die zweite Halbfinalserie gegen Vechta gewinnen, dürfte dem Sieger aus der Serie Oldenburg – Berlin die Teilnahme am höchsten europäischen Wettbewerb winken.

Durch die Wildcard des FC Bayern für die kommenden zwei Spielzeiten, könnten sich nämlich die Verantwortlichen der Euroleauge zu einem zweiten deutschen Teilnehmer durch ringen. Das hierbei Berlin durch die gegebenen Begleitumstände (Metropole, große Arena mit mehr als 10.000 Sitzplätzen) willkommener zu sein scheinen, dürfte nur eine Nebenrolle spielen. Doch zuerst muss der Einzug ins Finale gelingen, wobei beide Mannschaften diesen Schritt gehen wollen.

Die Oldenburger starten hierbei mit dem Vorteil des Heimrechts als Tabellenzweiter der abgelaufenen Saison. Hatte sich dieser im vergangenen Jahr deutlich für die Niedersachsen ausgezahlt – beide Heimspiele wurden gegen Alba in den Playoffs 17/18 gewonnen – sind ausgerechnet die Heimspiele beider Mannschaften in dieser Saison jeweils durch den Gast gewonnen worden. Berlin siegte in Oldenburg mit 84:93, die Baskets gewann das Rückspiel 94:78 und brachte den Albatrossen die erste Heimniederlage der Saison bei. Nicht verschwiegen werden sollte, dass bei dieser Niederlage die Berliner direkt vom Eurocup-Spiel aus Malaga kamen.

Vor der Halbfinal-Serie hatten beide Teams nun eine Woche Trainingszeit, welche besonders bei Alba Coach Aito sehr gut ankam. Der Coach bemängelte die enge Taktung des Spielplans mit BBL, Eurocup und Pokal schon die ganze Saison. Daher begrüsste er es sehr, seit der Vorbereitung wieder mal eine komplette Trainingswoche mit seinem Team zu haben.

Durch diese freie Zeit konnte sich das Lager der verletzten Spieler der Albatrosse ebenfalls merklich lichten. Nach dem Peyton Siva bereits zu Spiel drei gegen Ulm seine Knöchelverletzung überwunden hatte, dürften Aito nun auch Dennis Clifford und Landry Nnoko wieder zur Verfügung stehen. Die Bestbesetzung wird durchaus benötigt, da mit Will Cummings auf Oldenburger Seite der MVP der BBL-Saison wartet, der mit Rasid Mahalbasic einen kongenialen Partner hat.

Nach Platz sieben in der Vorsaison und dem Verzicht auf den europäischen Wettbewerb, konnte sich das Team von Coach Mladen Drijencic wöchentlich optimal auf die Gegner vorbereiten. Der Lohn der gewohnt akribischen Arbeitsweise, war Tabellenplatz zwei am Ende der Saison mit dem entsprechenden Heimrecht in den Playoffs. Dieses Heimrecht wird mit einer überragenden Saison von Will Cummings (21.1 Punkte pro Spiel) und einem x-ten Frühling von Oldenburgs Urgestein Rickey Paulding (13.3 Pkt) gekrönt.

Doch nicht nur diese zwei Spieler konnten diese Saison für sich nutzen. Mit Philipp Schwethelm, Karsten Tada und Rasid Mahalbasic stehen ebenfalls starke Routiniers auf dem Parket, die zum Erfolg der Oldenburger enorm viel beitrugen.

Die harten Fakten

Die Anhänger beider Mannschaft sowie die neutralen Zuschauer dürfte in dieser Serie ein Punktefestival erwarten. Es trifft das offensivste Team Oldenburg (93.4 Punkte pro Spiel) auf das zweit offensivste Team (92.7 Punkte) der BBL. Hingegen kann Berlin die meisten Assits (23.4) und die meisten Rebounds (36 / Spiel) für sich verbuchen. Von der Freiwurflinie sind die Niedersachsen allerdings sicherer mit 78.1% zu 75.3% der genutzten Freiwürfe.

Auf Berliner Seite arbeitet Coach Aito mit einer sehr selbstbestimmten Mannschaft, die Situation erkennen und auf diese im Spiel reagieren soll. Eine Einflussnahme von außen sieht man eher selten. Wenn Aito in einem Viertel auf eine Auszeit zurück greifen muss, dann läuft schon einiges schief.

In der Defensive praktizieren die Albatrosse ein Switch-System, welches viele Gegner mittlerweile einfach als NEXT-System deklarieren. Die Spieler übergeben den Gegner ihrem Nebenmann und wissen daraufhin ungemein schnell, wer nun auf sie als „Nächster“ wartet. Bei Ballgewinn wird schnell umgeschaltet und auf das Fastbreak gesetzt. Dies hatte Ulm in der Viertelfinale-Serie besonders im Spiel zwei gut um Griff. Hier wird auch Oldenburg ansetzen müssen.

Basket Coach Drijencic ist auf der Seitenlinie ein gewohnt aktiver Trainer. Er setzt auf den Impuls von außen und dirigiert seine Mannen. Die erste Fünf von Oldenburg wird in der Serie viel Spielzeit bekommen und muss der tiefen Bank Albas die entsprechenden Punkte entgegensetzen. Das Tempo Albas sollten die Oldenburger nicht mitgehen, da der Kader dies nicht so kompensieren kann wie die Hauptstädter.

Besondere Aufmerksamkeit sollten man auf den Heimvorteil legen. Das dieser enorm wichtig sein kann – besonders in einer Playoff-Serie – zeigte sich im vergangenen Jahr, als Oldenburg als Tabellensiebter im Halbfinale beide Partien gegen den damaligen Tabellenzweiten Alba gewinnen konnte.

Los gehts am Sonntag um 15 Uhr aus Oldenburg, live bei Magneta Sport und Sport1. Spiel zwei der Serie aus der Arena am Ostbahnhof wird am Mittwoch, 05.Juni um 20:30 Uhr eröffnet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.