Diese Woche … bei Alba Berlin, KW 24

Von Heiko Eisser

Endlich ist es soweit: Die Finals der BB-Saison 18/19 stehen an. Die Wiederholung der letztjährigen Finalserie war von vielen vorausgesagt worden und für viele keine große Überraschung. Doch mussten beide Teams vorher noch ihre Halbfinalspiele gewinnen. Hatten die Bayern bereits am Vorabend mit einem 95:80 gegen Vechta den Einzug in die letzte Runde fest gemacht, musste Alba Berlin seinerseits noch zum Auswärtsspiel in Oldenburg antreten.

Unerwartet klar und doch hoch verdient

Die Ausgangsposition vor Spiel 3 der Halbfinalserie konnte für das Team von Alba Berlin nicht besser sein. Sie führten bereits vor der Reise nach Oldenburg mit 2:0 in der Serie und konnten sich entspannter auf die Begegnung vorbereiten als die Hausherren. Doch liessen die Mannen von Alba Coach Aito eine entspannte Einstellung gar nicht zu. Bereits nach Spiel 2 in eigener Halle machten die Albatrosse in Interviews deutlich, dass noch gar nichts gewonnen war. Der Einzug ins Final alles andere als sicher.

Diese Einstellung legten sie zu Beginn der Partie in Oldenburg an den Tag und agierten hoch konzentriert vom Tip off an. Eine schnelle 12:4-Führung nach 2:50 Minuten als Zeichen an die Baskets, dass man auch den dritten Vergleich in der Saison 18/19 in Oldenburger Halle für sich entscheiden will.

Die zunächst nervös spielenden Mannen von EWE Coach Mladen Drijencic gingen im Laufe des ersten Viertels konzentrierter ans Werk. Die in Spiel zwei von außen vermissten Treffer fielen in der Anfangsphase nun besser. In seinem 484. BBL-Spiel konnten sich die Oldenburger zu Beginn auf ihr Urgestein Ricky Palding verlassen. Zum Ende des ersten Viertels war die EWE wieder in Reichweite und auf der Anzeigetafel prangte ein 25:28 aus Sicht der Baskets.

Doch diese Konstanz sollte sich auf Seiten der Oldenburger, wie in der vergangenen Partien gegen Alba, nicht stabilisieren. Im Laufe des zweiten Viertels verfehlten sie die Körbe und Alba nutzte hier die Chancen die sich ihnen boten. Besonders wurden wieder unter dem Korb durch Nnoko und Sikma die Reboundquote hoch gehalten. Ein Garant für die bisherigen Siege in den Partien der Halbfinalserie. Oldenbur konnte hier in keiner Partie Alba etwas entgegen setzen.

Das Team von Alba spielt im Laufe der Partie weiterhin sehr souverän und kann die Baskets in eigener Halle immer etwas entgegen setzen. Selbst als Center Nnoko – wieder im sehenswerten Duell mit Oldenburgs Mahalbasic – im Laufe des Viertels bereits mit drei persönlichen Fouls auf die Bank muss, kann Johannes Thiemann unterm Korb die Leistung der Alba Center hoch halten. Verdient geht Alba mit einer 47:43 Führung in die Halbzeit.

Nach dem Seitenwechsel hatten die Oldenburger wieder ihren Offensivdrang gefunden und starteten mit einem 8:0-Lauf in den zweiten Durchgang. Doch recht unbeeindruckt konterte Alba ebenfalls mit einem 8:0-Lauf. Dies schien in dieser Partie wieder der Faktor zu sein: Wenn Oldenburg einen Lauf hatte oder eine besondere Aktion, konnte Alba mit einem entsprechenden Wurf kontern. 70:67 ging es aus Alba Sicht in das letzte Viertel.

Die Oldenburger starteten durch Phillip Schwedthelm mit einem Dreier in den letzten Spielabschnitt und glichen zum 70:70 aus. Doch Alba hatte in Form eines wieder überragend agierenden Payton Siva die passende Antwort. Mit diesen Aktionen schienen die Oldenburger schier zu verzweifeln und verloren mit dem fünften Foul von Mahalbasic nicht nur einen entscheidenen Faktor auf dem Parkett. Alba hielt die Schlagzahl zum Ende der Partie hoch und fuhr ist dem 100:89 den insgesamt 21. Sieg mit mehr als 100 Punkten in dieser Saison ein.

Wiedersehen macht Freude

Am Sonntag startet nun die Finalserie gegen den FC Bayern München und somit eine Wiederholung des letztjährigen Finales. Diese hatte damals den besseren Ausgang für die Münchner, die diese Serie mit 3:2 für sich entscheiden konnten.

Eine Wiederholung der Finalserie fand zuletzt in der Saison 2003/2004 und 2004/2005 statt. Hier standen sich die Frankfurt Skyliners und die Bamberger gegenüber. Beide Mannschaften konnte jeweils eine Meisterschaft erringen: Frankfurt 2004 und Bamberg 2005.

Solche ein Happy-End der Niederlagen-Serie in Finalspielen dürften sich Alba Berlin und deren Fans mehr als wünschen. Nach Niederlagen im BBL-Pokal gegen Bamberg und im Eurocup gegen Valencia will das Team um Kapitän Nils Giffey die Chance nutzen und die Meisterschaft nach 2008 endlich wieder an die Spree holen.

Die Serie startet in München, die als Hauptrunden Erster das Heimrecht erspielt haben. Das Alba in München bestehen kann haben sie nicht nur in der Finalserie im letzten Jahr bewiesen. Sie gewann in Spiel eins in. München 106:95.
In dieser Saison gewann Alba das Halbfinale im BBL-Pokal in München. Doch hatten die Bayern vor dieser Partie eine schwere Euroleague Woche mit Partien u.a. gegen Real Madrid.

In den Partien in der BBL-Saison konnten die Münchner beide Spiele für sich entscheiden. Nach dem knappen 83:81 in eigener Halle, besiegten die Bayern Alba am 30. Spieltag mit 85:75 in Berlin. Hier war Alba jedoch nach vier Spielen n zehn Tagen nicht frisch und erholt in die Partie gegangen.

Nach einer spielfreien Woche für beide Mannschaften, dürften die Karten neu gemischt sein. Bei Alba Berlin sind bis auf den langzeitverletzten Stefan Peno alle Leistungsträger an Bord.

Beide Teams sind auf den Positionen 1-5 und mit Spielern von der Bank kommend hervorragend besetzt. Lediglich auf der Point Guard Position haben die Bayern mit Stefan Jovic einen größentechnischen Vorteil gegenüber den etwas kleineren Berliner Guards Payton Siva oder Derrick Williems Jr. Um diesen Größennachteil auszugleichen könnte hierbei wieder Nachwuchsspieler Jonas Mattisseck zum Zuge kommen. Dieser hatte beim Sieg im Halbfinale des BBL-Pokals eine entscheidende Rolle gespielt und zum Sieg gegen die Bayern selbst 15 Punkte beigesteuert.

Unterm Korb dürfte es zwischen Bayerns Danilo Barthel und Albas Landry Nnoko zu einem ebenso interessanten Vergleich kommen. Hatte Nnoko im Halbfinale mit Oldenburgs Mahalbasic einen mehr als würdigen Gegner, wird im Finale der Albatros noch eine Schippe drauf legen müssen. Der deutsche Nationalspieler in Diensten der Bayern hat eine überragende Saison gespielt und dürfte mit dieser Leistung für NBA- und Euroleauge Teams mehr als interessant geworden sein.

Eine entscheidende Rolle dürfe auch den Bankspieler beider Mannschaften zukommen. Durch die Aufstellung als Euroleauge Team haben die Bayern hier vor der Saison tief in die Tasche gegriffen um den Einzug ins Top16 zu schaffen. Das dies nur knapp verpasst wurde, lässt den Kader der Bayern nicht weniger imposant erscheinen.

Mit Derrick Williams kommt ein Spieler als „Ergänzung“ aufs Parkett, der im NBA-Draft 2011 an zweiter Position gepickt wurde. Im Laufe seiner bisherigen Karriere machte er bis 2017 Stationen u.a bei den Dalles Mavericks, New York Nicks und Cleveland Cavaliers. Ein Spieler also, der Alba schweres Kopfzerbrechen bereiten kann.

Doch konnte Alba in dieser Saison immer wieder bei großen Spielen überzeugen und ihre Chancen nutzen. Obwohl fast alle Playoffspiele in dieser Saison mit einem Sweep beendet wurden – Ausnahme der Sieg von Rasta Vechta gegen Bamberg mit 3:1 – besteht die Hoffnung, dass diese Serie ähnlich spannend wird wie die Finals im letzten Jahr.

Das Team bleibt bestehen – fast

Mit dem Einzug ins Finale scheint die Teilnahme von Alba Berlin in der Euroleauge in der kommenden Saison sicher zu sein. Dies konnten die Albatrosse und deren Verantwortlichen umgehend nutzen und verlängerten den auslaufenden Vertrag mit Eurocup-MVP Luke Sikma um (im Basketball unüblich) vier (!) Jahre.

Luke Sikma ist vom Team und dem Umfeld überzeugt, so dass der 29-jährige der Alba-Familie die Treue hält. Viele Beobachter des Basketballs in Deutschland nehmen dies ebenfalls als Zeichen, dass sich Coach Aito auch weiterhin der Alba Mannschaft verschreiben hat.

Doch nicht alle werden bleiben. Mit Assistent Thomas Päch verlieren die Albatrosse einen hervorragenden Mann aus dem Trainerteam von Coach Aito. Päch wird in der kommenden Saison als Headcoach die Telekom Baskets Bonn anführen. Seine Führungsqualitäten hat Päch bereits zum Ende der Saison 2016/2017 bewiesen, als der damalige Coach Ahmet Çakı entlassen wurde. Viele Teams hatten sich um den allseits beliebten Thomas Päche bemüht und wird in Bonn Chris O’Shea ersetzen, der als Interimstrainer die zweite Saisonhälfte der Bonner absolvierte.

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