Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 41

1000-mal probiert, 998-mal ist nichts passiert

von Patricia Seiwert

So oder so ähnlich lässt sich das vergangene Bundesligaspiel der Frankfurter Eintracht gegen Werder Bremen beschreiben. Nachdem die Hessen sich am vorigen Spieltag nicht am heißen Eisen verbrannten und 2:1 im Köpenicker Kessel gewannen, war zumindest der Auswärtsfluch gebrochen. Dies bestätigte sich auch im Europa League Spiel gegen Vitória Guimarães, wo die Adlerträger mit einem, wenn auch recht glanzlosen, 1:0 Sieg in der Tasche zurück nach Frankfurt reisen konnten.

Im Sonntagabendspiel gegen Werder Bremen schien zunächst auch die schlechte Angewohnheit der Eintracht, die erste Hälfte zu verschlafen, ein Ende zu finden. Dennoch hatte das Spiel großes Frustrationspotenzial.

Der erste Dämpfer erfolgte bereits vor Anpfiff der Partie. Bas Dost, der eigentlich gegen die Gäste aus dem Norden hätte stürmen sollen, fiel mit muskulären Problemen aus.

Gegen die Bremer Innenverteidigung, an diesem Abend bestehend aus Miloš Veljković (1,88m) und Christian Groß (1,83m), die beide die 1,90 Meter Marke nicht knacken, wäre der lange Niederländer mit seinen 1,96 Metern eine gute Waffe gewesen.

So blieb Adi Hütter die portugiesische Doppelspitze mit Silva und Paciência übrig, die es gegen die Werderaner richten sollte. Dahinter bildeten Kamada, Sow und Rode das zentrale Mittelfeld, Kostic und Startelfrückkehrer da Costa sollten auf den Außenpositionen das Feld beackern und die Innenverteidigung bestand aus Hinteregger, dem von seiner in Berlin zugezogenen Gehirnerschütterung genesenen Hasebe und Touré. Im Tor ersetzte Rönnow Stammkeeper Kevin Trapp, der sich ebenfalls in Berlin eine Rotatorenmanschettenruptur, zu Deutsch eine schwerwiegende Schulterverletzung, zuzog und für die Hinrunde ausfallen wird.

So gut wie alles im Griff, außer drei Punkte

Die Frankfurter starteten ungewohnt munter in das Heimspiel. Eine knappe halbe Stunde dominierten die Hausherren die Partie klar, erarbeiteten sich viele Chancen, die sie jedoch nicht in Tore verwandeln konnten. Alleine Kamada hätte zwei Mal treffen können, wurde sein Pech vor dem Tor aber auch in dieser Begegnung, die er ansonsten souverän bestritt, nicht los. Auch Paciência lag die Führung auf dem Kopf, den Ball vermochte er aber nicht ins Tor zu lenken. Entgegen des Spielverlaufs traf dann, quasi aus dem Nichts, Davy Klaassen für die Bremer.

Ein Treffer, der so gar nicht in der Luft lag. Die Gäste nutzten eine Chance zum Kontern eiskalt aus. Bittencourt hebelte mit einem Pass auf Sargent die komplette Frankfurter Abwehrreihe aus, dieser scheiterte im Abschluss aber zunächst am stark parierenden Rönnow. Der Abpraller landete erneut bei Bittencourt, der den Ball ans Aluminium knallte. Doch zum wiederholten Male bot sich ihm durch den zurückprallenden Ball die Chance, zu treffen. Diesmal blieb die Kugel an den Frankfurter Gegenspielern hängen, wurde von Hinteregger aber unglücklich abgelenkt und fand so ihren Weg zu Torschütze Davy Klaassen, der die slapstickartige Szenerie zu Ungunsten der Hessen mit dem Führungstreffer beendete.

Die Bremer, die bis dato absolut keinen Zugriff auf das Spiel fanden, nutzten die Konteranfälligkeit der Gastgeber aus. Schon die ganze Saison über beklagen die Frankfurter zu viele Gegentreffer. Dass Konter ein gelegenes Mittel gegen die Eintracht sind, liegt nicht zuletzt daran, dass zwei der drei Innenverteidiger ungemein hoch stehen. Besonders auffällig ist, dass Touré, eigentlich in der Dreierkette aktiv, viele Flanken schlägt. Undiskutabel ist, dass ihm dies gut gelingt. Und auch Hinteregger fiel in Nähe des Bremer Strafraums auf, beispielsweise als er Klaassen gekonnt den Ball zwischen den Beinen durchschob. Jedoch ist im Umkehrschluss klar, dass wenn die Innenverteidiger regelmäßig in Offensivaktionen eingebunden sind, sie nicht rechtzeitig den Weg zurückfinden können, wenn ein Konter auf das eigene Tor zurollt. Einzig und allein Hasebe sichert hinten ab und muss sich darauf verlassen, dass zumindest das defensive Mittelfeld den Angreifer rechtzeitig stören kann. Andernfalls bleibt auf eine Glanzparade des Torwarts oder die Unfähigkeit des Gegenspielers im Abschluss zu hoffen.

Im Anschluss an den 1:0 Rückstand zeigten sich die Hausherren sichtlich geschockt, schafften es kaum, Ruhe ins Spiel zu bringen. Die Partie blieb bis zum Halbzeitpfiff wild und die Frankfurter Dominanz war vorerst dahin.

Doch mit Anpfiff der zweiten Hälfte fanden die Adlerträger ihren Mut wieder und starteten ähnlich aufbrausend, wie zu Beginn der Begegnung. Gefühlt fünf Chancen und noch mehr Halbchancen später, wurde den Frankfurtern ein Eckball zugesprochen. Der Ball fand nach Ausführung dieser zwar zunächst nur einen klärenden Bremer Kopf, doch fiel Sebastian Rode anschließend genau vor die Füße. Gekonnt nahm dieser die Kugel mit der Brust an und legte sie sich gleichzeitig zum Volley vor, den er mit einer Wucht ins Tor beförderte, die ihresgleichen sucht. Der gebürtige Hesse erzielte ein Traumtor, das den längst überfälligen Ausgleich bedeutete.

Doch die Eintracht wollte mehr. Den dominanten Auftritt wollten sie mit einem Sieg belohnen und das dafür benötigte Tor folgte nach einer Flanke aus dem Halbfeld von Touré. Diese erreichte zunächst Paciência, dessen Kopfball der stark performende Pavlenka abwehrte. Zum Erschrecken der Bremer, ließ der Torwart den Ball jedoch nach vorne abprallen. Silva reagierte schnell, schnappte sich den Nachschuss und verwandelte zum hochverdienten 2:1.

Bis hierhin sah alles nach einem Happy End für die Hessen aus. Doch die Bremer stürmten noch einmal auf das Frankfurter Tor zu, Rashica kam zum Abschluss, den Rönnow zwar parieren, wie sein Gegenüber Pavlenka, aber nur abprallen lassen konnte. Den Ball versuchte sich Klaassen zu sichern und der sonst so fehlerfreie Hasebe, leistete sich kurz vor Abpfiff der Partie einen folgenschweren Fauxpas. Er schätzte die Situation falsch ein und kam zu spät. Klaassen nahm die Situation und die Berührung selbstverständlich dankend an, sodass die Gäste einen Last-Minute-Elfmeter zugesprochen bekamen. Diesen verwandelte Milot Rashica in der Nachspielzeit zum, aus Sicht der Eintracht mehr als frustrierenden, 2:2 Endstand.

Flankenfanatiker mit mangelnder Effizienz

Ein ernüchterndes Ergebnis nach einer engagierten Frankfurter Leistung. Die Bremer hatten zu keinem Zeitpunkt das Spiel wirklich in der Hand, lauerten fast ausschließlich auf Konter und kamen mit einem für sie glücklichen 2:2 davon.

Eintracht Frankfurt muss sich die fehlende Effizienz ankreiden lassen. Aus dem klaren Chancenplus konnten die Gastgeber letztendlich nur zwei Tore erzielen – genauso viele wie der klar unterlegene Gegner.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die vorhin bereits angesprochenen großen Lücken in der Abwehr, die durch hochstehende Innenverteidiger entstehen. Dass Touré ein guter Flankengeber ist, steht außer Frage. Dennoch sollte diese Aufgabe hauptsächlich von den Außenverteidigern Kostic und da Costa übernommen werden, die beide nicht an ihr eigentliches Leistungsniveau rankamen. Sollte man auf Tourés präzise Flanken nicht verzichten wollen, wäre es eine Überlegung wert, ihn für da Costa als Außenverteidiger auflaufen zu lassen und N’dicka stattdessen in die Innenverteidigung zu stellen, auch, wenn Hütter offenbar kein großer Fan von zwei Linksfüßen in der Dreierkette ist.

Apropos Flanken: keine Mannschaft flankt so häufig, wie die Frankfurter Eintracht.

Dieser Fakt ist auf dem Spielfeld schwer mitanzuschauen, erst recht, wenn ein Großteil der Hereingaben im Nichts versanden.

Einer körperlich unterlegenen Bremer Innenverteidigung Flanken entgegenzusetzen, ist prinzipiell keine schlechte Idee, jedoch ist dies, ohne einen Zielspieler wie Bas Dost auf dem Feld, müßig. Man hat mit Paciência und besonders mit Silva Spieler auf dem Platz, die durchaus den Ball festmachen können und auch wissen, wie sie mit ihm umgehen sollen. Vor allem André Silva ließ zuletzt immer wieder seine technischen Fähigkeiten durchblitzen. Dass das Frankfurter Angriffsspiel dann fast ausschließlich über Flanken läuft, ist unbefriedigend.

Es mangelt an einem geordneten Aufbauspiel. Dabei sind Rode und Sow gerade dabei, sich gegenseitig zu finden.

Auch die individuellen Leistungen der beiden Mittelfeldspieler ließen sich gegen Bremen sehen. Rode war neben Touré der beste Mann auf dem Platz. Nicht nur sein wunderschöner Treffer zum 1:1 sorgte für Aufsehen, auch sein unermüdlicher Einsatz, sich in die Zweikämpfe reinzuschmeißen und diese häufig auch für sich entscheiden zu können, begeisterte. Und auch Sow steigert sich von Spiel zu Spiel.

Ebenfalls Lob ernten, sollte Frederik Rönnow. Der dänische Torwart hielt, trotz fehlender Spielpraxis, was zu halten war. Außerdem gefielen seine Abstöße, die in der Partie gegen Bremen sehr genau waren und fast immer beim eigenen Mann landeten. Auch wenn er seine Leistung nicht mit einem gehaltenen Elfmeter krönen konnte, bleibt zu hoffen, dass ihm in den folgenden Spielen keine groben Schnitzer unterlaufen und er schnellstmöglich Selbstvertrauen sammeln kann.

Dieses kann der Frankfurter Rückhalt gut gebrauchen, denn sollte die Eintracht ihre offensive Ausrichtung in der jetzigen Form beibehalten, wird sicherlich noch der ein oder andere Konter auf das Tor des Dänen zurollen.

Nun steht erst einmal die Länderspielpause an. Auf die Adlerträger wartet sicherlich einiges an Arbeit, dennoch ist längst nicht alles fürchterlich, denn gute Ansätze und Qualität im Kader sind durchaus vorhanden. Es bleibt zu wünschen, dass sich dies nach der Auszeit, trotz des anstehenden straffen Programms (Leverkusen, Gladbach, Bayern, dazwischen Pokalspiele gegen Lüttich und St. Pauli), in Siegen wiederspiegelt.

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