Diese Woche … bei Eintracht Frankfurt, KW 18

Von Patricia Seiwert

Vermeintliche Müdigkeit und Rechenspielchen 

Eine etwas ruhigere Woche für die Frankfurter Eintracht stand an, zumindest was den Spielrhythmus betrifft. Denn nachdem die Adler in der Vorwoche fulminant gegen Benfica Lissabon das Halbfinalticket lösten und weniger fulminant einen Punkt in Wolfsburg eintüteten, lag der Fokus nun allein auf dem Bundesligaheimspiel gegen Hertha BSC. Mit einer vergleichsweise langen Regenerations- und Vorbereitungszeit sollten bei diesem Heimspiel möglichst drei Punkte im heißen Kampf um Europa gesichert werden. Zumal mit den Gästen aus der Hauptstadt eine Mannschaft anreiste, für die die Saison eigentlich schon abgehakt ist, was sich zuletzt auch im zu wünschen übrig lassenden Elan der Berliner widerspiegelte. 

Besuch aus der Hauptstadt

Obwohl die Eintracht in den letzten Bundesligapartien selbst ihre Leichtigkeit vermissen ließ, sollte vor heimischer Kulisse vor den beiden langen Europapokalwochen und dem Ligafinale in München gegen zuletzt lethargische Berliner ein Sieg her. 

Dieser ließ aber auf sich warten, ganze 90. Minuten inklusive Nachspielzeit. Mit anderen Worten: er kam nicht. Die Teams trennten sich 0:0, in einer Partie, auf die ich gar nicht allzu genau eingehen möchte, über die es aber auch nicht sonderlich viel zu berichten gibt. Der Eintracht fehlte es, wie schon in den Bundesligaspielen zuvor, an Leichtigkeit und Kreativität. Die Chancen, die herausgespielt wurden, wurden mit aller Konsequenz vergeben – besonders häufig in Person von Jonathan de Guzman, der drei Großchancen nicht auf’s Tor zu bringen vermochte. Aber auch Ante Rebic scheiterte mit einem schwer haltbaren Aufsetzer an den fast unmenschlichen Reflexen von Hertha-Keeper Jarstein. 


Der Rückhalt der Frankfurter Eintracht, Kevin Trapp, lieferte jedoch ebenfalls einige wichtige Glanzparaden ab und hielt somit zumindest den einen Punkt fest. Denn trotz 10-minütiger Überzahl gelang es den Adlerträgern nicht mehr, das Spiel gegen die Berliner, die mutiger als erwartet auftraten, zu ihren Gunsten zu entscheiden.

War der Sandmann schon da?

Woran hat es nun wieder gelegen? Immer wieder stolperte man die letzten Wochen über Spekulationen zu etwaigen Ermüdungserscheinungen der Eintracht, die nach dem grauen 0:0 gegen die Hertha natürlich alles andere als verstummten. Auch wenn Trainer Adi Hütter davon nichts wissen will, ist es in den Medien sowie unter den Fans ein großes Thema, das die Meinungen spaltet. 

Nun ist es nach einer solch kräftezehrenden Saison sicherlich nicht abwegig, dass der ein oder andere langsam schwere Beine bekommt und auch der Kopf nicht mehr ganz so frisch ist wie noch vor ein paar Monaten. Für die mentale Müdigkeit sprechen zumindest die sich häufenden Unkonzentriertheiten im Passspiel und vor dem Tor. Gegen körperliche Müdigkeit sprechen zu Teilen die Statistiken, in denen die Frankfurter Eintracht auch im Spiel gegen Hertha BSC in den wesentlichen Belangen stärker war. Dennoch haben die Werte im Vergleich zu vor ein paar Wochen nachgelassen. Aber auch ohne Angaben zur Laufleistung lässt sich mit bloßem Auge erkennen, dass den Spielern zunehmend die Frische fehlt, was sich unter anderem durch verminderte Reaktionsschnelligkeit zeigt. Und auch unsere unermüdlichen Dauerläufer Kostic und da Costa wirken langsam aber sicher etwas schlapp. 

Ist es nun die körperliche oder die mentale Müdigkeit? Oder liegt es an der Formschwäche einiger Spieler? Vermutlich spielen alle Faktoren zu Teilen mit rein. 

Frankfurt: 24-jähriger Franzose schmerzlich vermisst

Was sich aber mit Sicherheit sagen lässt, ist dass das Fehlen von Zielspieler Sébastian Haller einen großen Einfluss auf das Spiel der Eintracht hat. Der Franzose ist quasi ein Allrounder im Angriff. Neben seiner Torgefahr bringt er zahlreiche Attribute mit, die für die Eintracht nicht so leicht zu ersetzen sind. Beispielsweise ist er durch seine Größe und Körperlichkeit der perfekte Abnehmer für lange Bälle. Diese vermag er dann auch festzumachen und intelligent weiterzuverteilen. Der 24-jährige Stürmer verfügt über ein großes Spielverständnis und hat stets ein Auge für seine Mitspieler. Nicht umsonst ist er nach Filip Kostic (10) trotz Verletzungspause mit 9 Vorlagen der zweitbeste Frankfurter Vorlagengeber. Es ist nicht zu übersehen, dass besonders Luka Jovic auch von Haller profitierte, wirkt dieser doch in den letzten Wochen teilweise leicht verloren und büßt etwas an Torgefährlichkeit ein. Es fehlen momentan vor allem die Räume, die für das Angriffsspiel der Frankfurter elementar sind und diese wusste Haller gekonnt zu schaffen. 

Zurzeit befindet sich der Franzose in Österreich bei einem Spezialisten. Das Ziel ist es, den Heilungsprozess seiner Bauchmuskelverletzung ohne Operation vollenden zu können. 

Selbst wenn der österreichische Spezialist für verzwickte Verletzungen ein Wunderheiler wäre, ist es zumindest fraglich, ob Haller der Mannschaft so schnell wieder helfen kann, da man bedenken muss, dass er mittlerweile doch schon eine längere Zeit ausfällt und dadurch einen gewissen Trainingsrückstand zu bedauern hat. 

Aber als wöge der Ausfall Hallers nicht schwer genug, muss die Eintracht, zumindest mit Blick auf den nächsten Gegner Chelsea FC, auch noch auf Ante Rebic (Gelbsperre) und womöglich auf Mijat Gacinovic (muskuläre Probleme) verzichten. Dies ist insofern ärgerlich, als dass die Blues besonders bei frühem Pressing als fehleranfällig gelten. Mit Ante Rebic fehlt also ein Spieler, der für diese Aufgabe wie gemacht gewesen wäre. Bleibt zu hoffen, dass Gacinovic rechtzeitig fit wird, denn auch er kann mit seiner Schnelligkeit einiges bewirken und den Gegner früh anlaufen. 

Um bei all den Ausfällen aber auch etwas Positives vermelden zu können: Martin Hinteregger kehrte gegen Hertha BSC in die Startelf zurück und verstärkt nun wieder den Abwehrverbund. 

„Wenn wir hier drei Punkte holen und die dort nur einen…“

Nach der mageren Punkteausbeute gegen Hertha BSC mutierte so manch ein Eintracht-Anhänger zum Hobbymathematiker. Und wer mit der Mathematik auf Kriegsfuß steht, dem blieb der Tabellenrechner. Letzterer lief sicherlich heiß, musste er doch jedes noch so unwahrscheinliche aber theoretisch noch mögliche Szenario errechnen. Als höchstes aller Ziele wäre die Champions League zu nennen. Gleichermaßen kann man aber auch noch die Europa League Qualifikation verpassen.  

Die Befürchtungen, dass die Konkurrenz nun endgültig aufschließen kann, bestätigten sich zur allgemeinen Frankfurter Freude jedoch vorerst nicht. Borussia Mönchengladbach unterlag dem VfB Stuttgart mit 1:0 und Hoffenheim ging 4:1 in Wolfsburg unter. Auf beide Mannschaften machte die Eintracht somit mit ihrem Unentschieden gegen die Hertha einen Punkt gut. Besonders erfreulich aus Frankfurter Sicht: Durch die hohe Niederlage hat Hoffenheim nun ein schlechteres Torverhältnis als die Eintracht. Lediglich Leverkusen machte mit dem Sieg gegen Augsburg zwei Punkte auf die Adler gut. Hier hat es die Mannschaft nun selbst in der Hand. Am Sonntag steht nämlich das Auswärtsspiel gegen Bayer 04 an. Zugegebenermaßen unpraktisch gelegen zwischen den beiden Europa-League Partien gegen Chelsea, aber dennoch ist die Chance da, sich den Konkurrenten im direkten Duell vom Hals zu halten. 

Die letzte Konstante

Also immer noch alles drin in dieser Saison, im positiven sowie im negativen Sinne. Angesichts der anstrengenden Wochen mit schweren Gegnern geht so manch einem Fan ordentlich die Düse. Dazu kommen noch das schmerzliche Vermissen eines Sébastien Hallers und die Müdigkeit der Mannschaft als Elefant im Raum. Dass dies den ein oder anderen etwas bedrückt, ist nicht von der Hand zu weisen. 

Doch bei all den berechtigten Diskussionen um die aktuellen Leistungen in der Bundesliga, darf nicht vergessen werden, welch großartige Saison wir bis hierhin erleben durften – und diese ist noch nicht vorbei. Ganz im Gegenteil, alles ist immer noch möglich. 

Es scheint, als würden auf den letzten Metern alle Konstanten wegbrechen: Schlüsselspieler Haller komplett, die Dauerläufer da Costa und Kostic in Teilen ihrer Leistung. Aber der Schein trügt. Nicht alle Konstanten wanken momentan, denn eine, nicht zu unterschätzende Kraft bleibt stabil, wenn sie nicht sogar noch einmal richtig Fahrt aufnimmt. Die Rede ist von der Unterstützung der Fans, die auch beim weniger begeisternden 0:0 gegen Berlin voll da waren und hinter ihrer Mannschaft standen. 

Wie wichtig diese Komponente ist, haben wir alle über die ganze bisherige Saison miterleben dürfen. Und wieso eigentlich sollten diese Supporter nicht erneut das Team dazu beflügeln können trotz schwindenden Kräften noch einmal alles zu geben, in Europa, in der Bundesliga, bis zum Schluss? 

Der Glaube an den Erfolg sollte zu diesem Zeitpunkt bei jedem noch vorhanden sein, sowohl bei den Fans als auch bei der Mannschaft. Und wie man letzte Saison im DFB-Pokal sehen konnte, kann dieser in Kombination mit harter Arbeit Berge versetzen. 

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