Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 39

von Patricia Seiwert

Eine Woche voller Highlights

Gewohnt terminreich gestaltete sich die vergangene Woche bei Eintracht Frankfurt. Auf der To-Do-Liste standen nicht weniger als zwei echte Top-Spiele in der heimischen Spielstätte. Zum einen war da die Europa-League-Begegnung mit dem Arsenal FC am Donnerstagabend, zum anderen die Bundesligapartie gegen die Borussia aus Dortmund.

Zurück in der Realität

Rappelvoll war das Frankfurter Wohnzimmer am Donnerstag. Gefüllt mit einer Masse aus Eintracht-Anhängern, in freudiger Erwartung auf eine magische Europapokal-Nacht und einigen Fans der Gunners, die ihrerseits darauf hofften, den Adlerträgern die Feierstimmung vermiesen zu können.

Da das Ergebnis aber bekanntlich nicht durch demokratische Abstimmung der Zuschauer vor Ort entschieden wird, sondern 11 gegen 11 auf dem Platz, durfte sich an diesem Abend nur ein kleiner Teil des Stadions ausgiebig freuen. Und das gleich dreimal, denn Arsenal gelang es genau so oft, den Ball ins Tor von Kevin Trapp zu befördern. Obwohl der Frankfurter Keeper einen starken Tag erwischte und noch Schlimmeres zu verhindern wusste, blieb ihm nach Toren von Willock (38.), Saka (85.) und Aubameyang (87.) nichts anderes übrig, als hinter sich zu greifen.

Dennoch spiegelt sich im 3:0 Endstand nicht das eigentliche Spiel wider, denn die Hessen waren keinesfalls so deutlich unterlegen, wie es den Anschein macht. Auch sie erspielten sich Chancen – mal mehr und mal weniger deutliche – aber der Zug in Richtung gegnerisches Tor stimmte. Angekreidet werden muss jedoch, dass sie keinen dieser Angriffe veredeln konnten. Im Gegenzug lud man Arsenal durch leichte Ballverluste im Mittelfeld und individuelle Fehler zu häufig ein. Teilweise Trapp, teilweise die eigene Dusseligkeit der Gäste aus London führte dazu, dass der Videowürfel lange Zeit nur eine knappe Führung von 1:0 anzeigte.

Trotzdem verdeutlichte sich die fehlende Kaltschnäuzigkeit der Adlerträger vor dem Tor sowie ein wackliges Abwehrverhalten. Kapitän David Abraham war an diesem Abend erneut weit von seinem Leistungsniveau entfernt und die hochstehenden Außenverteidiger, die häufig als Stärke der Frankfurter gesehen werden, stellten durch die zu leichten Ballverluste im Mittelfeld einen Unsicherheitsfaktor in der Konterabsicherung dar, sodass letztendlich eine deutliche Niederlage hingenommen werden musste.

Alles in allem taugte der Abend sicherlich nicht als magische Pokalnacht. Die Realität hielt Einzug bei den von der Europa League sonst so verwöhnten Hessen. Der Stimmung tat dies trotzdem keinen großen Abbruch. Die Anhängerschaft der Eintracht feierte ihre Mannschaft nach Abpfiff und spendete Trost.

Immerhin war der Gegner niemand, gegen den man sich schämen müsste, zu verlieren. Außerdem handelte es sich lediglich um das erste von 6 Gruppenspielen, sodass noch lange nichts verloren ist.

Ein Unentschieden auf dem Platz, doch ein Sieg für den Kopf

Auch in der Bundesliga war am 5. Spieltag selbstverständlich noch lange nichts verloren. Nach kurzer Regenerationszeit hatte die Eintracht in diesem Wettbewerb nun den BVB vor der Brust. Wahrlich kein leichter Gegner, zumal dieser nach einem torlosen Unentschieden gegen den FC Barcelona in der Champions League mit Rückenwind nach Frankfurt flatterte.

Eintracht Frankfurt hingegen musste nicht nur die kürzlich kassierte 3:0 Niederlage gegen Arsenal verdauen. Auch das letzte Bundesligaspiel auswärts in Augsburg ging ziemlich glanzlos verloren.

Nach dem Spiel unter der Woche rotierte Hütter bei der Aufstellung gegen die Dortmunder. Der in Augsburg noch erkrankte Filip Kostic kehrte, wie schon gegen Arsenal, zurück in die Startelf. Touré begann für Abraham und auch mit Gelson Fernandes tauchte ein neues Gesicht auf. Zudem pausierte Danny da Costa. Für ihn fand sich Erik Durm auf dem Platz wieder. Auch Kamada bekam zunächst eine Auszeit.

Für Sow bedeutete dies eine etwas offensivere Rolle als in den vergangenen Spielen. Er sollte vor Kohr und Fernandes agieren, was ihm sichtlich guttat. Der junge Neuzugang leistete sich zwar immer noch Fehler, die den ein oder anderen Fan dazu veranlasst haben dürften, sich die Haare zu raufen. Jedoch blitzte in dieser Formation sein Potenzial auf.

Der BVB dominierte die erste Halbzeit deutlich und ging folgerichtig bereits in der 11. Minute durch Axel Witsel in Führung. Besonders im Mittelfeld wurde die Dortmunder Überlegenheit sichtbar. Dennoch schöpften die Gäste ihre Möglichkeiten nach dem Führungstreffer nicht mehr ausreichend aus, sodass es der Eintracht gelang noch kurz vor dem Pausenpfiff durch André Silva den Ausgleich zu erzielen. Dem Portugiesen, der zwar nicht fehlerfrei aber dennoch ballsicher und agil agierte, gelang somit sein erstes Bundesliga-Tor. Vorlagengeber war bei diesem Treffer kein geringerer als der oben erwähnte Djibril Sow.

Im Laufe der zweiten Spielhälfte kämpften sich die Frankfurter dann immer weiter ins Spiel hinein, agierten weniger passiv. Doch in der 66. Minute folgte der Rückschlag: Sancho brachte die Dortmunder erneut in Führung. Und die Eintracht? Die wollte in diesem Spiel unbedingt mindestens einen Punkt holen. Aus diesem Willen resultierte der stetig steigende Druck, den die Frankfurter seit dem Gegentreffer aufbauten. Diese Mühen sollten sich schlussendlich auch auszahlen. Kurz vor Ende der Partie, in der 88. Minute, fiel der herbeigekämpfte Ausgleich endlich. Der eingewechselte Kamada war es, der nach einem scharfen Querpass von Hinteregger an den Ball kam und diesen in den Fünfmeterraum verfrachtete. Dort sah Thomas Delaney sich gezwungen, dem Ball den Weg ins eigene Tor zu ebnen.

Am Ende stand ein 2:2 Unentschieden zu Buche, das sich für die Gastgeber fast schon wie ein Sieg anfühlte. Von dem waren die Frankfurter gegen Ende der Partie übrigens gar nicht so weit entfernt. Bas Dost konnte eine gute Möglichkeit jedoch nicht in ein Tor ummünzen.

Den Punktgewinn haben die Frankfurter nicht zuletzt auch ihrem Trainer Adi Hütter zu verdanken, der bei den Einwechslungen ein gutes Händchen bewies.

Kamada kam in der 67. Minute für Dominik Kohr und hatte mit seinen Aktionen im offensiven Mittelfeld sofort einen positiven Einfluss auf das Spiel der Hessen – gekrönt durch das erzwungene Eigentor.

In der 79. Minute wechselte Hütter Dost für Paciência ein. Auch der im Hinblick auf seine Fitness noch schwächelnde Niederländer machte eine solide Partie.

Wenige Minuten später betrat dann noch Chandler den Platz. Für ihn ging Touré, der eine überraschend starke Leistung ablieferte (war maßgeblich am 1:1 Ausgleich beteiligt, indem er Sow bediente) und in der Form eine ernstzunehmende Alternative für den zuletzt schwächelnden Abraham darstellt. Chandler fügte sich sofort gut ins druckreiche Spiel der Frankfurter in der Schlussphase ein, sorgte für Tempo über die Außenbahn und bediente den hochgewachsenen Dost im Strafraum immer wieder mit Flanken.

Eine weitere freudige Erkenntnis dieses Spiels ist, dass die Mannschaft trotz Rotation im Stande ist, ordentliche Leistungen abzurufen. Beispielhaft dafür steht nicht nur der eben schon erwähnte Almamy Touré, sondern unter anderem auch Erik Durm, der seine spielerische Klasse gegen seinen Ex-Klub unter Beweis stellen konnte.

Gekoppelt mit der starken Mentalität der Adlerträger führte das clevere Coaching Hütters letztendlich zum wichtigen Punktgewinn gegen einen nicht konsequent genug agierenden BVB.

Erster Auswärtssieg der Saison?

Auch im Hinblick auf das kommende Spiel am Freitagabend bei Union Berlin war der Punkt gegen Dortmund befreiend. Nicht nur, weil die Adlerträger dadurch einiges an Selbstbewusstsein tanken konnten, sondern auch, weil es sich mit drei Niederlagen aus den letzten drei Spielen in einem Hexenkessel wie der Alten Försterei in Köpenick sicherlich nicht einfacher spielen würde.

Doch auch mit dem Erfolgserlebnis gegen den BVB ist die Partie bei den Eisernen noch lange nicht gespielt. Sicher ist, dass es ein ganz anderes Spiel als gegen Dortmund oder Arsenal werden wird. Die Eintracht trifft mit Union auf einen Gegner, der ihr traditionell schlechter liegt. Konnten die Frankfurter gegen mitspielende Gegner zuletzt häufig gute Leistungen abrufen, so taten sie sich gegen vermeintlich schwächere Mannschaften regelmäßig schwer. Das aktuellste Beispiel hierfür ist der FC Augsburg.

Wünschenswert wäre es, wenn die Eintracht es schaffen würde, Union Berlin mit breiter Brust ihr Spiel aufzuzwingen, um drei Punkte an den Main mitbringen zu können.

Auf das anstehende Flutlichtspiel, das alleine schon durch die leidenschaftlichen Anhänger beider Mannschaften stimmungsvoll sein wird, darf man also gespannt sein.

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