Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 44

von Patricia Seiwert

Stürmische Verteidiger, Vaterfreuden und verpasste Chancen

Englische Wochen sind längst keine Seltenheit mehr bei der Frankfurter Eintracht. Auch die vergangene Woche hielt wieder drei Spiele für die Hessen bereit, die sich sehr unterschiedlich gestalten sollten.

Türsteher Rönnow vermiest Leverkusen die Party

So wie sich die Ereignisse in Frankfurt überschlagen, ist der 8. Spieltag der Bundesliga fast schon wieder in Vergessenheit geraten, obwohl er aus der Sicht der Eintracht mehr als erfreulich verlief. Bereits im Freitagsspiel empfing man mit Bayer 04 Leverkusen den Tabellennachbarn.

Erwartet wurde ein schwieriges Spiel gegen eine gute Mannschaft, die durchaus flinken Offensivfußball darbieten kann. Aber auch die hin und wieder instabile Abwehr der Leverkusener ist als Schwachstelle bekannt und diese sollte Eintracht Frankfurt zumindest in der ersten Halbzeit mustergültig ausnutzen. Bereits in der 4. Spielminute konterte die Eintracht die Gäste, nach Ballgewinn von Bas Dost und einem haargenauen Pass von Danny da Costa auf Gonçalo Paciência, aus und erzielte den frühen Führungstreffer.

In der 17. Minute nutzte der Portugiese die Chance auf den Doppelpack durch einen Handelfmeter und baute die Führung aus. Zu diesem Zeitpunkt dominierte die Eintracht Leverkusen klar. Besonders Außenverteidiger Weiser sah gegen Kostić kein Land, zu flink agierte der Serbe.

Einziger Wehrmutstropfen dieser so gelungenen ersten Hälfte war die Verletzung von Touré. Für den Verteidiger, der die letzten Wochen immer besser in Form kam, endete die Partie wegen einer Oberschenkelblessur vorzeitig.

Mit einem 2:0 und einem guten Gefühl nach einer starken ersten Halbzeit ging es für die Hessen in die Pause. Doch die zweite Spielhälfte sollte anders verlaufen. Die Leverkusener kamen mutig aus der Kabine heraus. Das restliche Spiel war überwiegend von Rönnows Glanzleistung geprägt. Der Frankfurter Keeper vereitelte eine Leverkusener Chance nach der anderen und bewahrte seine Mannschaft vor Gegentreffern. Der Mann der Partie dürfte an diesem Abend sehr glücklich gewesen sein, so machte er nicht nur ein herausragendes Spiel, sondern wurde auch kurz zuvor erstmals Vater.

Obwohl die Offensivbemühungen der zweiten Halbzeit fast ausschließlich von Bayer Leverkusen kamen, gelang der Eintracht letztendlich noch der dritte Treffer durch Bas Dost, der im Nachhinein selbst von einem „hässlichen“ Tor sprach. Zum Glück der Frankfurter spielt die Ästhetik eines Treffers im Fußball jedoch keine Rolle und so trennten sich die beiden Mannschaften am Ende des Tages mit einem 3:0.

 

Mit Standards gegen Standard

Durch das Freitagsspiel hatte die Eintracht bis zur Europa League Begegnung mit Standard Lüttich ungewohnt viel Regenerationszeit. Diese konnte jedoch den bereits gegen Leverkusen verletzten Silva nicht heilen. Er laboriert bis heute weiterhin an einer Fußverletzung. Genaue Informationen darüber, wie schwerwiegend die Verletzung ist und wie lange der Stürmer ausfällt, gibt es nicht. Zum Erschrecken der Eintracht-Fans wurde vor dem Spiel außerdem bekannt, dass auch Bas Dost aufgrund von muskulären Problemen nicht zur Verfügung steht.

Die Eintracht lief im Heimspiel gegen Standard Lüttich also gezwungenermaßen mit einem Ein-Mann-Sturm, bestehend aus Gonçalo Paciência, auf.

Mit einer gewohnt eindrucksvollen Choreo empfingen die Frankfurter Anhänger ihre Mannschaft auf dem Rasen.

Weniger eindrucksvoll verlief jedoch die Partie. Keine der beiden Mannschaften fand zu ihrem Spiel, womit einhergeht, dass auch niemand diese Begegnung deutlich dominierte. Lüttich wurde von den Frankfurtern im Stadtwald also keineswegs so überrollt, wie noch wenige Tage zuvor Bayer Leverkusen.

Nach einer knappen halben Stunde jedoch gelang der Eintracht dann durch eine Standardsituation der Führungstreffer. Kamadas Hereingabe lenkte Kapitän David Abraham gekonnt ins Tor. Wortspielliebhaber lagen sich in den Armen. Und sowohl von Innenverteidigern als auch von Standards sollte später im Spiel noch einmal die Rede sein.

Auch wenn die Lütticher selten einmal vor dem Frankfurter Tor auftauchten, war das Spiel alles andere als ein offener Schlagabtausch. Für Momente der Aufregung sorgte indes die wiederholt bescheidene Schiedsrichterleistung in der Europa League. Mindestens einen, wenn nicht sogar zwei Strafstöße, hätte die Eintracht zugesprochen bekommen müssen, doch die Pfeife des Unparteiischen blieb still.

In der zweiten Halbzeit rückte nach ein wenig mehr als 70 Minuten Spielzeit erneut ein Frankfurter Innenverteidiger in den Mittelpunkt. Wieder stand Standard-Experte Daichi Kamada an der Eckfahne bereit. Ein Standard-Experte in zweierlei Hinsicht ist er sogar, denn nicht nur kümmert sich der Japaner häufig um die ruhenden Bälle der Eintracht, auch war er in der letzten Saison nach Belgien ausgeliehen und konnte dort bereits Erfahrungen mit Standard Lüttich sammeln. Den Ball brachte Kamada perfekt herein, sodass Publikumsliebling Martin Hinteregger mit dem Kopf den Treffer zum 2:0 erzielen konnte.

Nach dem Ausfall der zwei im Sommer an den Main gekommenen Stürmer Silva und Dost, rissen die beiden Innenverteidiger also kurzerhand die Aufgabe an sich, Tore zu erzielen. Der Anhängerschaft der Adlerträger soll’s recht sein.

Doch auch einen Gegentreffer mussten die Frankfurter gegen Ende der Partie hinnehmen. Amallah traf in der 82. Minute für die Gäste.

Schlussendlich endete die Partie mit einem 2:1 Heimsieg für Eintracht Frankfurt. Kein Feuerwerk, dennoch ein Pflichtsieg, der letztendlich eingefahren wurde.

Verpasste Chancen

Wenige Tage später stand für die Hessen erneut ein schweres Spiel in der Bundesliga an. Die Reise ging am vergangenen Sonntag nach Mönchengladbach, wo der Tabellenführer des letzten Spieltags auf die Adler wartete.

Auch die Fohlenelf spielte unter der Woche in der Europa League und mühte sich im verregneten Rom durch einen fragwürdigen Elfmeter zum 1:1 Unentschieden.

Vor der Partie war nicht richtig klar, was man denn nun erwarten darf. Einerseits wendeten beide Mannschaften wenige Tage zuvor bereits international einige Kräfte auf, andererseits sind aber auch beide für eine mutige, offensive Spielweise bekannt.

Recht schnell wurde an diesem Abend klar, dass die Partie alles andere als ein müder Kick werden würde. Wer im internationalen Wettbewerb einen Schlagabtausch vermisst hatte, kam am Sonntagabendspiel der Bundesliga auf seine Kosten.

Erneut spielte die Eintracht mit einem Ein-Mann-Sturm in Person von Paciência. Neben den ohnehin verletzten Stürmern Silva und Dost, sowie Verteidiger Touré, fehlte in dieser Partie auch Mijat Gaćinović, der wie Rönnow ebenfalls Vater wurde, aufgrund muskulärer Probleme.

Vorneweg: das Endergebnis der Partie lautete 4:2 für die Gastgeber. Frustrierend für die Frankfurter, aber dennoch keine Schande, bedenkt man, dass die Gladbacher bisher eine wahnsinnig starke Saison spielen.

Bei der Eintracht kamen einige Faktoren zusammen, die dazu führten, dass sie trotz vorbildlicher Moral, keine Punkte einfahren konnte. Denn trotz eines 2:0 Rückstandes zur Halbzeit gab sich die Mannschaft zu keinem Zeitpunkt auf und kämpfte sich immer wieder zurück in die Partie.

Dass die Gäste vom Main überhaupt mit einem Zwei-Tore-Rückstand in die Kabine marschierten, lag nicht zuletzt daran, dass sie, wie in so vielen Spielen in dieser Saison, die erste Halbzeit wieder einmal komplett verschliefen. Zu viele Ungenauigkeiten und individuelle Fehler schlichen sich in das Spiel der Eintracht ein. Fehler von da Costa und dem sonst so fast schon unmenschlich konstanten Hasebe führten letztendlich zu den Gegentreffern.

Während die Gladbacher ihre Chancen in Tore ummünzten, gelang dies der Eintracht zu selten. Besonders in der zweiten Halbzeit, in der sich die Frankfurter viel wacher und deutlich stärker präsentierten als noch in den ersten 45 Minuten, lag es nicht an fehlenden Möglichkeiten, sondern eher an der Abschlussschwäche der Frankfurter und besonders an der des Daichi Kamadas, dem sich über das Spiel hinweg einige gute Chancen boten, einzunetzen. Der junge Japaner bewegt sich stets gut, ist ein cleverer Spieler und ein toller Vorbereiter. Seinen Torriecher hat er bei der Eintracht bislang jedoch noch nicht gefunden.

Auch den Anschlusstreffer der Frankfurter in der zweiten Halbzeit bereitete Kamada nach einer perfekten Flanke von Kostic trotz Bedrängnis in aller Seelen Ruhe vor und da Costa bügelte mit seinem Tor seine unglücklichen Momente in der ersten Halbzeit wieder aus. Nach diesem Treffer sah es so aus, als wäre die Eintracht nah dran am Ausgleich. Doch wie das im Fußball so ist, wird das Liegenlassen der eigenen Großchancen gerne mal im Umkehrschluss mit einem Gegentor bestraft. So auch in dieser Partie, als die Gastgeber ihren Vorsprung auf 3:1 ausbauten.

Aber auch davon ließen sich die Adlerträger nicht lang schocken. Nur drei Minuten später, nach einer Ecke von Assist-Garant Kamada, köpfte Innenverteidiger und offensichtlich auch Teilzeitstürmer Martin Hinteregger, der ohnehin wieder positiv hervorzuheben ist, die Frankfurter erneut ran. 3:2 stand es nun, in einer offenen Partie, in der es unaufhörlich hin und her ging.

Doch nach einem Ballverlust von Makoto Hasebe besiegelte die Borussia in Person von Zakaria endgültig den 4:2 Endstand einer Begegnung, in der sich die abgeklärtere Mannschaft durchzusetzen vermochte.

 

So verpasste die Frankfurter Eintracht nicht nur viele Torchancen, sondern auch die Chance in der Tabelle, die nun erneut Borussia Mönchengladbach anführt, an Platz 3 zu rücken.

Viel Zeit mit sich zu hadern, bleibt jedoch ohnehin nicht. Bereits am kommenden Mittwoch geht die Reise für die Frankfurter in den Norden Deutschlands. Beim FC St. Pauli gastieren die Adlerträger im DFB-Pokal, bevor am Samstag in der Bundesliga mit Bayern München der nächste Hochkaräter im Stadtwald auflaufen wird. Die ereignisreichen Wochen finden also auch in nächster Zeit erst einmal kein Ende.

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