Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 46

von Patricia Seiwert

Zuhause ist es am schönsten

Gerade an Tagen wie diesen, an denen ein beißender Wind den Bäumen die letzten bunten Blätter von den Ästen weht, Spaziergänge durch die vom Nieselregen nassen Straßen nur mit Schal und Mütze erträglich sind und der Winter bereits den ersten Fuß in die Tür gesetzt hat, sagt man sich unverhältnismäßig oft: Zuhause ist’s doch am schönsten!

Genau das dürfte auch das Mindset beschreiben, mit dem die Frankfurter Eintracht zuletzt ihre Spiele bestritt. Eine klare Auswärtsschwäche zeichnete sich über die bisherige Saison hinweg ab und auch diese Woche sollte diese kein Ende finden. Die Euphoriewelle erreichte die Frankfurter nach dem 5:1 Kantersieg gegen den FC Bayern München zwar in voller Wucht, diese vermochten es aber nicht, auf ihr zu reiten und sollten alsbald vom kühlen Nass erwischt werden.

Von tragischen Figuren und noch tragischeren Schiedsrichtern

Die Tage der Ernüchterung sollten am vergangenen Donnerstag im belgischen Lüttich ihren Anfang nehmen. Dort reiste Eintracht Frankfurt an, nicht so aber die dazugehörigen, sonst so treuen Anhänger. Denen war es nämlich nicht nur wegen der verhängten Auswärtssperre verboten, das Spiel im Stadion zu verfolgen, auch die Stadt durften die reiselustigen Fans nicht betreten.

Doch die vielen Zuhausegebliebenen, die das Spiel am Bildschirm verfolgten und die wenigen, die sich doch undercover im Stadion befanden, bekamen alles andere als eine glanzvolle Partie zu sehen. Noch kürzlich machte Adi Hütter auf einer Pressekonferenz deutlich, seine Mannschaft könne nicht alle drei, vier Tage ein Feuerwerk abbrennen.

 

Selten wurde diese Aussage mehr gestützt, als durch die Diskrepanz zwischen der Leistung gegen Bayern und der Leistung an diesem Europapokalabend.

Lange Zeit gab diese Partie nichts her. Sie dümpelte so vor sich hin, vor einer Kulisse, von der einige mehr erwartet hatten, wurde doch das Lütticher Publikum im Vorfeld nicht selten als sehr leidenschaftlich angepriesen.

Selbst der Führungstreffer in der 56. Minute, den Standard Lüttich, wie sollte es anders sein, durch einen Standard erzielte, brachte nicht zwingend mehr Zug ins Spiel. Zwar glich die Eintracht keine 10 Minuten später durch Kostić aus, der einen direkten Freistoß verwandeln konnte, das war es aber auch mit den Highlights bis hier hin. Nachdem die Zeit ohne weitere große Geschehnisse verstrich und die Uhr 90 gespielte Minuten anzeigte, ging es in die vierminütige Nachspielzeit. Zu diesem Zeitpunkt war in vielen Köpfen bereits der 1:1 Endstand besiegelt. Scheinbar auch in denen der Frankfurter Abwehrreihe und genau das wurde den Hessen in Minute 90+4 zum Verhängnis. Hinteregger ging mit seinem Gegenspieler nicht ins Kopfballduell, sodass dieser einen langen Ball auf den anschließenden Torschützen Lestienne ablegen konnte, zu dem sowohl Hasebe als auch Abraham einen zu großen Abstand hatten.

In letzter Minute sicherte sich Lüttich also den Sieg.

Für die Frankfurter ist dies nicht zuletzt deshalb so bitter, weil Filip Kostic den 2:1 Führungstreffer vor dem Gegentreffer auf dem Fuß hatte, die tragische Figur dieses Abends den Schuss aber komplett verzog und im Gegenzug dann der Konter auf die in Gedanken bereits in der Kabine verweilende Frankfurter Abwehr zurollte.

Das Endergebnis sorgte aber nicht nur für Aufregung, weil die Eintracht somit in der Gruppe auf Platz 3 abrutschte, sondern auch, weil Lüttich seit der 64. Spielminute zu zehnt hätte auf dem Platz stehen müssen. Laifis zog nämlich die Notbremse gegen Rode. Obwohl dieser der letzte Mann war, sah der Zypriot aber keine rote Karte.

Selbst wenn der Schiedsrichter seine rote Karte vergessen hätte, hätte es gereicht, wenn er ihm die gelbe gezeigt hätte, denn besagter Spieler war bereits verwarnt. Aber auch dies passierte bezeichnenderweise nicht. Ad absurdum wurde die ganze Situation spätestens aber dann geführt, als der Unparteiische auch noch dem falschen Lüttich-Spieler die gelbe Karte zeigte. Dieser hatte scheinbar die Planlosigkeit des offensichtlich überforderten Schiedsrichters erkannt und sich prompt als der Schuldige ausgegeben, um seinen vorbelasteten Teamkollegen vor einem Platzverweis zu schützen.

Völlig zurecht regten sich nach dem Spiel nicht nur die Fans, sondern auch Trainer Hütter über diese kuriosen Geschehnisse auf. Denn nach den verbleibenden 25 Minuten in Unterzahl, hätte es Standard Lüttich vermutlich nicht mehr geschafft, den Last-Minute-Siegtreffer in dieser Form herauszuspielen.

Der Eintracht bleibt nun die Erinnerung an einen gebrauchten Abend und immerhin die Chance, es drei Tage später in der Bundesliga gegen den SC Freiburg besser zu machen.

Ein wortwörtliches Kampfspiel

Doch auch diese Chance sollte vertan werden. Mit einem Sieg gegen den SC Freiburg hätte Eintracht Frankfurt die Gelegenheit gehabt, die Länderspielpause auf Platz 4 der Tabelle zu verbringen. Dies sollte gegen die Breisgauer aber nicht gelingen.

Obwohl die Gastgeber bisher eine überraschend starke Saison spielen, konnten sie gegen die Adler vom Main nicht gewohnt stark aufspielen. Die Eintracht lieferte zwar auch hier keine Leistung, bei der zahlreiche Kinnladen der Schwerkraft zum Opfer fallen würden, arbeitete aber dennoch solide gegen die Stärken der Freiburger.

Auch diese Partie lieferte nicht allzu viele Wow-Momente. Zwar gab es auf beiden Seiten die ein oder andere Torchance, diese wurden aber nicht verwandelt. Umso unnötiger war demnach das, was sich kurz vor dem Pausenpfiff ereignete.

Gelson Fernandes, der bereits gelb vorbestraft war, setzte gänzlich ohne Not zur Grätsche an und traf dann zu allem Übel auch noch nicht den Ball, sondern seinen Gegenspieler. Völlig zurecht, sah er für diese Aktion Gelb-Rot und völlig zurecht, regten sich alle auf, die es mit der Eintracht halten.

Es kündigte sich über die Halbzeit hinweg bereits an, dass Fernandes an diesem Abend wohl kaum die 90 Minuten zu Ende spielen würde, weshalb Hütter vielleicht vorsichtshalber lieber einen frühen Wechsel in Erwägung hätte ziehen sollen. Gleichzeitig war bis zur Pause aber zum Zeitpunkt des Platzverweises nicht mehr lange zu spielen und von einem erfahrenen Spieler wie Fernandes erwartete man sicherlich auch, dass dieser sich in die Halbzeit retten kann, bevor ihn dann ein frischer Spieler ersetzen kann. Dazu sollte es aber nicht kommen und so musste die Frankfurter Eintracht die zweite Halbzeit dezimiert bestreiten. ???

Dies gelang ihr gut. Sehr gut sogar. Denn auch mit einem Mann weniger war die Eintracht am Sonntagabend in Freiburg die deutlich bessere Mannschaft. Dennoch schaffte sie es, wie schon so oft in der laufenden Saison, nicht, ihre Überlegenheit in Tore umzumünzen. Wie es im Fußball scheinbar ungeschriebenes Gesetz ist, geht dann die andere Mannschaft in Führung und so erzielte Nils Petersen in der 77. Minute das erste und einzige Tor dieser Partie.

Doch nicht die Partie bis zur 90. Minute ist es, die danach in aller Munde war, sondern die Nachspielzeit, in der ein Ball ins Aus ging – laut Freiburger Hymne eine Sache, die nie hätte passieren dürfen, denn dort geht, dem Liedchen zufolge, kein Ball ins Aus. Ging er aber nun mal doch.

Freiburg-Trainer Streich, dessen Mannschaft knapp führte, stoppte diesen Ball nicht, machte sogar noch einen Schritt nach rechts und stellte sich damit in den Laufweg von David Abraham, dessen Plan es war, den Einwurf schnellstmöglich auszuführen. Ehe er sich versah, wurde er auch schon vom heranpreschenden argentinischen Heißsporn, inklusive Bodycheck, umgerannt. So die Kurzfassung der anschließend viel diskutierten Geschehnisse.

Die Erkenntnisse hieraus sind, ebenfalls kurzgefasst, dass selbst jemand, der abseits des Platzes der vorbildlichste Mensch sein mag, im Eifer des Gefechts verständlicherweise auf seinen Vorteil bedacht ist und aus solchen Gegebenheiten heraus eventuell nicht immer auf die sportlichste Art und Weise handelt. Aber auch, dass dies keineswegs rechtfertigt, diesen jemanden anzurempeln, umzureißen oder, wie in dieser Aktion, nach allen Regeln der Kunst wegzuchecken.

Glücklicherweise kam niemand zu Schaden und alle Parteien vertrugen sich nach Abpfiff der Partie schnell. Neben Abraham sah auch der zu diesem Zeitpunkt bereits ausgewechselte Grifo zurecht die rote Karte. Dieser stürmte nach dem Rempler gemeinsam mit seinen Teamkollegen auf den Frankfurter Kapitän zu und fasste diesem ins Gesicht.

Sowohl Abraham als auch Grifo wurden also für ihr Fehlverhalten bestraft, wobei Abraham sicherlich noch mit einer längeren Sperre zu rechnen hat.

Böses Blut gibt es letztendlich aber auf keiner der beiden Seiten, nachdem Entschuldigungen ausgetauscht und klärende Gespräche geführt wurden.

Aus der Sicht der Eintracht doppelt bitter war die Szene deshalb, weil sie das Spiel beendete. Hätte Abraham es geschickt angestellt und wäre Streich trotz dessen kleinen Schrittes nach rechts ausgewichen, hätte er den Ball zurück ins Spiel befördern können und die Frankfurter hätten zumindest noch eine letzte Chance gehabt, an diesem kalten Novemberabend irgendwie noch den Ausgleich zu erzielen.

Zeit zum Durchatmen

Nun steht die Länderspielpause an, in denen sich die Gemüter der Spieler, Trainer, Fans und Medien beruhigen können.

Nach zwei Niederlagen aus zwei Partien muss es die Eintracht schaffen, diese enttäuschende Woche als das abzuschließen, was sie eben war: eine Woche, in der wenig bis gar nichts gelingen sollte und in der auch das Quäntchen Glück fehlte, das im Fußball mitunter benötigt wird.

Die Pause wird sicherlich dazu genutzt werden, die Köpfe wieder freizubekommen. Denn vor der Winterpause stehen noch wichtige Wochen für die Adlerträger an. Nach der Niederlage in Lüttich steht der Einzug in die K.o.-Phase der Europa League auf der Kippe, sodass den Spielen gegen Arsenal und Guimarães eine hohe Bedeutung zukommt.

Auch in der Bundesliga wurde es versäumt, die Länderspielpause auf einem Champions-League-Platz zu verbringen. In der immer noch engen Tabelle steht Eintracht Frankfurt auf Platz 9 und empfängt in zwei Wochen mit dem VfL Wolfsburg den punktgleichen Tabellennachbarn. Eine unbequeme Aufgabe, auch, weil sich Spiele gegen die Werkself für die Frankfurter traditionell oft schwierig gestalten.

Dennoch darf und muss diese Aufgabe mit positiver Einstellung angegangen werden, nicht zuletzt, weil der Austragungsort im Frankfurter Stadtwald im bisherigen Verlauf der Saison ein überwiegend glückliches Pflaster für die Hessen war.

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