Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 8

von Patricia Seiwert

Warum man als Eintracht-Fan keine Seifenopern mehr braucht

Die Eintracht aus Frankfurt verlangt ihren Fans momentan ganz schön was ab – besonders zeitlich, ist sie doch zusätzlich zur Bundesliga noch in beiden Pokalwettbewerben vertreten. Da bleibt nicht viel Zeit übrig, um in die präferierte Seifenoper reinzuzappen. Das ist aber auch gar nicht nötig. Warum? Weil Eintracht Frankfurt all das mitbringt, wovon TV-Soap-Macher träumen.

Ein Wechselbad der Gefühle

Eine Seifenoper lebt von den stetig wechselnden Höhen und Tiefen im Handlungsstrang – so auch Eintracht Frankfurt. Nicht umsonst wird der in der Mainmetropole ansässige Club von seiner Anhängerschaft auch liebevoll „Diva vom Main“ genannt.

Furios startete Eintracht Frankfurt in die Rückrunde. Besonders die zwei eher unerwarteten Siege gegen RB Leipzig in der Liga und im DFB-Pokal sorgten für überschwängliche Stimmung. Aber auch der 5:0 Kantersieg vor heimischem Publikum gegen Angstgegner Augsburg versetzte die Hessen in Feierlaune.

Die Viererkette steht, der Angriff kommt nun endlich auch ins Rollen. Juhu! Oder? Ja. Wären da nicht noch diese lästigen Auswärtsspiele, die die Hütter-Elf zu bestreiten hat. Schon beim Rückrundenauftakt in Hoffenheim präsentierten sich die Hessen nicht von ihrer stärksten Seite. Die Leistung reichte dennoch für drei Punkte – anders als in Düsseldorf.

Ja, richtig gehört. Die gleiche Eintracht, die zweimal in kürzester Zeit RB Leipzig bezwingen konnte, schaffte es nicht, beim damaligen Tabellenletzten Fortuna Düsseldorf als Sieger vom  Platz zu gehen.

Mit einem Last-Minute-Tor konnten sich die Frankfurter zwar zumindest einen Punkt sichern, dennoch lieferten sie eine extrem schwache Leistung ab. Zusammen lief da gar nichts mehr. Die Eintracht zeigte ihr zweites Gesicht und sorgte für hängende Mundwinkel.

Für die perfekte Berg- und Talfahrt sorgte die Aneinanderreihung der so unterschiedlichen Leistungen. Auf einen durchwachsenen Start in Hoffenheim folgte der Bundesligasieg gegen RB Leipzig. Dieser sorgte innerhalb der Partie übrigens auch für Stimmungsschwankungen. Nach der ersten Halbzeit konnte man froh sein, nicht in Rückstand geraten zu sein und in der zweiten Hälfte tütete man den Heimsieg ein. Danach ging es zu besagter Auswärtspartie nach Düsseldorf. Anschließend wurde Leipzig gnadenlos aus dem Pokal gekegelt und Augsburg kassierte eine deftige Klatsche.

Ein Seifenopern-Drehbuchautor, der sich rasantere Auf und Abs zusammendichtet? Schwer zu finden.

Vorhersehbare Geschehnisse, die dennoch enttäuschen

Dass auf den Einzug ins DFB-Pokal Viertelfinale und den Sahneabend gegen den FC Augsburg nun ein Dämpfer folgen muss, liegt nahe – die üblichen Hoch und Tiefs eben.

Und das Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund lieferte genau das. Anders als bei den bereits erwähnten schockierenden Rückschlägen, wie zum Beispiel in der Episode „Kein Fortune gegen Düsseldorf“, war dies aber eines dieser Ereignisse, die man im Vorfeld schon erahnen konnte.

Typisch: Man weiß eigentlich schon, was in der nächsten Folge passieren wird, hat aber die Hoffnung, dass die Drehbuchautoren doch noch einen Kniff eingebaut haben, der für einen unerwarteten Überraschungsmoment sorgt. Meist passiert dies dann aber nicht und man sitzt ernüchtert, wenngleich auch nicht am Boden zerstört – man ahnte es ja – vor dem TV-Gerät.

So ging es dem Eintracht-Fan auch nach der Bundesligapartie am vergangenen Freitagabend in Dortmund. Eine Niederlage? Einkalkuliert. Das einzige, was für Verwunderung sorgte, war der blutleere Auftritt der Adlerträger.

Einen einzigen Schuss gaben die Frankfurter auf das Tor von BVB-Keeper Bürki ab. Planlos wirkten sie, spielten zu viele Fehlpässe und auch die Abwehr war den Dortmundern nicht gewachsen.

So endete die Partie 4:0. „War ja zu erwarten“, dachte sich der Eintracht-Fan, dessen klitzekleine Hoffnung auf eine unerwartete Wendung mit jeder verstrichenen Spielminute weiter schwand.

Der mysteriöse Krankheitsfall

Natürlich darf es einer Soap nicht an Dramatik fehlen. Häufig reißen die Drehbuchautoren einen Charakter einfach gnadenlos aus dem Leben. Gott sei Dank ist es bei der Eintracht nicht ganz so tragisch.

Die Lightversion vom plötzlichen Tod ist der mysteriöse Krankheitsfall, der ganz plötzlich eintritt. Glücklicherweise ist der Patient dann üblicherweise aber schnell wieder geheilt – auch wenn keiner so genau weiß wie.

Selbstredend finden wir solch einen Fall auch bei Eintracht Frankfurt. Bas Dost ist der typische „Arme Kerl“, der viel einstecken muss und ständig Rückschläge erleidet.

Seit der Niederländer in Frankfurt angekommen ist, plagen ihn diverse Verletzungen und ein unzureichender Fitnesszustand.

Zuletzt aber überraschte eine Schlagzeile über seine Gesundheit: Dost musste mit anhaltend starken Magen-Darm-Problemen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Seit der Meldung gab es einige Tage keinerlei Updates zu Dosts Zustand. Was hat er? Ist es etwas Schlimmeres? Geht es ihm bereits besser? Wann steigt er wieder ins Training ein? Die vielen Fragezeichen rund um Bas Dost rissen nicht ab.

Glücklicherweise verlief dann doch alles gut, denn kurze Zeit später stand er bereits wieder im Kader. Die mysteriöse Krankheit war letzten Endes also halb so wild.

Gibt es nun also ein Happy-End für den Unglücksraben der Show? Wohl kaum. Zuletzt trainierte Dost erneut individuell. Aktuell plagen ihn Adduktorenprobleme.

Typische Serienfiguren, die wir alle kennen

Selbstverständlich hat die Eintracht neben dem Pechvogel Bas Dost auch weitere typische Go-To-Charaktere vorzuweisen, die Pepp in jede Seifenofer bringen.

Sonnenkönig Bobic

Es gibt beispielsweise häufig diesen einen mächtigen Seriencharakter, der um seine hohe Stellung weiß und aus diesem Privileg keinen Hehl macht. Natürlich kommt der Erfolg des Sonnenkönigs nicht von ungefähr. Er neigt aber auch hin und wieder zu Arroganzanfällen.

Der den Frankfurtern zugeneigte Leser erkennt darin sicher ein Stück weit einen Verantwortlichen der Eintracht. Ja, die Rede ist von Fredi Bobic.

In letzter Zeit zeigte sich Bobic häufiger von seiner dünnhäutigen Seite, wirkte in Interviews merklich genervt, wenn er auf Kritik angesprochen wurde.

Auch gegenüber den Fans fährt er einen Kurs, der nicht jedem schmeckt.

Die stark umstrittene Causa Möller dient hierfür als Paradebeispiel. Nicht, dass er als Sportvorstand irgendwelche Personalentscheidungen abhängig von der Meinung der Fans machen sollte – keinesfalls. Dennoch hätte sich der ein oder andere sicherlich gewünscht, dass Bobic den Unmut einiger Anhänger souveräner aufnimmt und nicht in aller Öffentlichkeit mit einem arroganten Unterton gegen ebendiese schießt.

Ähnlich gereizt reagierte Bobic auf lautwerdende Kritik bezüglich des eher spärlich ausgefallenen Wintertransferfensters. Nach dem relativ erfolgreichen Rückrundenstart konnte er es sich nicht verkneifen, den Kritikern einen Seitenhieb zu verpassen: Die Panik im Umfeld sei lächerlich gewesen, äußerte er sich diesbezüglich in einem Interview.

Auch hier: eine gewollt spitze Wortwahl des Sportvorstands. Aber das macht ihn und seine für die Unterhaltung unverzichtbare Soap-Rolle nun mal aus.

Die aufstrebende Nebenrolle

Neben diversen Hauptcharakteren gibt es auch immer einige Nebenrollen. Manche sind schlichtweg egal und fallen kaum auf. Andere sorgen, wenn sie denn mal auftauchen, durch kuriose Auftritte für Aufsehen.

André Silva ist gewissermaßen eine Mischung dieser beiden Nebencharakter-Typen. Große Aufmerksamkeit zog er auf sich, als er auf Leihbasis im Tausch mit Publikumsliebling Rebic an den Main wechselte. Doch genauso schnell und unverhofft, wie er in Frankfurt ankam, tauchte er auch wieder ab.

Lange Zeit spielte Silva keine Rolle in Hütters Aufstellungen – wirklich gar keine Rolle, nicht einmal eine Nebenrolle. Teilweise hätte man glatt vergessen können, dass der Portugiese überhaupt zur Eintracht gewechselt ist – wäre da nicht seine Präsenz in den sozialen Netzwerken.

Neben diversen Bildern von sich im Training (lange der einzige Hinweis darauf, dass er überhaupt mittrainierte) und Aufnahmen, die auch in der GQ hätten abgedruckt werden können, bespielte Silva auch regelmäßig seine Instagram-Story. Und genau dort wurde es kurios.

Der Stürmer veröffentlichte ein Bild, dass die Rechnung seines Lebensmitteleinkaufs zeigt. So weit, so normal. Nicht mehr normal allerdings, war die Summe des Einkaufs. Rund 2000€ gab der Portugiese im Supermarkt von nebenan aus – das wertvolle Gut: Trüffel. Na gut, Trüffel und ein paar Champignons. Gemundet hat es sicherlich.

Doch wer voreilig gedacht hat, André Silva sei lediglich eine Nebenrolle, die hin und wieder durch kuriose Aktionen auf sich aufmerksam macht, der hat falsch gedacht. Denn Silva bekam Spielzeit. Und Silva nutzte diese Einsätze, um sich weiterhin zu empfehlen. Mittlerweile steht der Sommer-Neuzugang der Eintracht regelmäßig in der Startelf und präsentiert sich auf dem Platz mal mehr und mal weniger auffällig, selten aber als Totalausfall.

Nebenrollen mit Qualität schaffen eben hin und wieder doch den Aufstieg zur Hauptrolle. Ob Silva es auch bis zum Publikumsliebling schafft? Bleiben Sie dran!

Sympathie und Antipathie

Es liegt in der Natur der Sache, dass man einige Charaktere besser leiden kann, als andere. Manchmal ändert sich die Meinung auch.

Bei der Eintracht sorgte Last-Minute-Winterneuzugang Ilsanker zunächst für lange Gesichter. Die Fans wünschten sich sehnlichst einen Neuzugang. Am Deadline Day war es einigen fast schon egal wer kommt, solange überhaupt irgendetwas passiert.

Ganz so egal schien es dann doch nicht zu sein, denn die Eintracht verpflichtete Stefan Ilsanker von RB Leipzig. Der Stefan Ilsanker, der die Tennisball-Protestaktion der Eintracht-Anhänger im Montagsspiel gegen Leipzig in der Vergangenheit als „dumm“ betitelte.

Die Fans verzichteten auf Freudensprünge.

Ilsanker entschuldigte sich nach seinem Wechsel natürlich dafür, lobte die Fans und nachdem er gegen seinen Ex-Club nicht spielberechtigt war, durfte er gegen Augsburg von Beginn an ran. Und seine Sache machte er gut.

Zwar ist er noch lange kein Publikumsliebling, doch solange er sich im Trikot der Eintracht reinhängt und solide Leistungen abliefert, dürfte der Großteil der Fans zufrieden sein. Ein Charakter, der anfangs viel Hass auf sich zog, wird jetzt zumindest akzeptiert.

Ganz anders reagiert das Fan-Herz auf Timothy Chandler. Ein echter Frankfurter Jung‘, der schon jahrelang für die Eintracht aktiv und ganz nebenbei ein echter Sympathieträger ist – stets gut gelaunt, immer für einen Spaß zu haben und beliebt bei den Mitspielern.

Er ist einer der Charaktere, denen man nur das Beste wünscht. Eben einer jener, die einem sofort ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

Umso zufriedenstellender ist es, dass Chandler – lange vom Verletzungspech verfolgt – in der Rückrunde richtig aufdreht. Der Rechtsverteidiger bekleidet im neuen System die rechte Mittelfeldposition und mauserte sich dort zum waschechten Torjäger. Vier Tore und eine Torvorlage bescherte er der Eintracht in der bisherigen Rückrunde. Mit vielem hätte man rechnen können, aber das kam überraschend.

Timothy Chandler als der sympathische, liebenswerte Charakter, dem nach langer Leidenszeit endlich mal etwas richtig, richtig Gutes widerfährt – einen schöneren Plot twist hätte man kaum schreiben können.

Der Herzensbrecher

Es gibt Herzensbrecher innerhalb der Show und es gibt deinen Liebling, der dein Herz bricht, weil er urplötzlich die Show verlässt – nur um in einer der unzähligen anderen Soaps in neuer Rolle wiederaufzutauchen!

Wir wissen alle, dass hier nur von einem die Rede sein kann: Ante Rebic. Den Last-Minute-Ausstieg im Sommer verarbeitet man in Frankfurt auch heute noch…

Spezialepisode „Europäische Adler“

Ein absolutes Highlight einer jeden Seifenoper sind die Jubiläumsfolgen. Alles ist in diesen Spezialepisoden immer etwas größer, dramatischer und spannender als in den alltäglichen Folgen.

Und genau so etwas Großes und Spektakuläres steht am Donnerstagabend für Eintracht Frankfurt an. Im Stadtwald gastiert in der ersten Europa League K.o.-Runde RB Salzburg. Ob es der Eintracht gelingt, die Salzburger vor heimischem Publikum genauso erfolgreich zu bespielen, wie ihr deutsches Pendant RB Leipzig, bleibt abzuwarten.

Die Österreicher mussten im Wintertransferfenster einige Leistungsträger ziehen lassen, unter anderem das norwegische Ausnahmetalent Erling Haaland, der nun für Borussia Dortmund auf Torejagd geht.

Aber auch die Frankfurter müssen auf einige Spieler verzichten. Defensiv-Stammkraft und Ex-Salzburger Martin Hinteregger fehlt gelbgesperrt. Und auch Dost und Gacinovic fallen für Donnerstagabend aus. Unglücksrabe Dost klagt über Adduktorenprobleme, Gacinovic schlägt sich mit einer Erkältung herum.

Eins dürfte jedoch sicher sein: Die Eintracht Fans werden dafür sorgen, dass die Hütter-Elf auf dem Platz von einer außergewöhnlichen Atmosphäre profitieren kann. Auf die Sonderfolge „Europäische Adler“ darf man freudig gespannt sein.

Wenngleich auch die UEFA die geplante Choreo der Frankfurter Ultras trotz Genehmigung der Stadt Frankfurt verboten hat – Wunderkerzen, sehr gefährliche Sache.

Da ist er wieder: der zu erwartende Dämpfer. Doch auf ein Tief folgt bei den häufig so leicht zu durchschauenden Seifenopern auch immer ein Hoch – so hoffentlich auch bei der ähnlich strukturierten Frankfurter Eintracht.

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