Diese Woche… bei Eintracht Franktfurt, KW 35

von Patricia Seiwert

Drama, wir brauchen Drama

Eine turbulente Woche liegt hinter Eintracht Frankfurt. Nachdem der Bundesligastart gegen Hoffenheim noch gelang, brachten die letzten beiden Spiele gegen Racing Straßburg und RB Leipzig nicht die gewünschten Ergebnisse ein. Zu allem Überfluss dominierten dann noch unerfreuliche Schlagzeilen rund um den letzten verbleibenden Büffel, Ante Rebić, und die Posse um den Transfer von Bas Dost die Frankfurter Medienwelt.

Einige Probleme in Straßburg

Um die vielen Ereignisse der letzten Tage einigermaßen zu ordnen, richtet sich der Blick zunächst auf den vergangenen Donnerstagabend. Eine Reise nach Straßburg, in das nicht allzu weit entfernte Elsass, stand für die Adlerträger an.

Dort sollte sie ein gut gefülltes Stadion mit nicht zu verachtender Stimmung erwarten, denn die Franzosen sind selbst nicht minder heiß auf die Gruppenphase der Europa League. Dies sollten die Frankfurter auch auf dem Platz zu spüren bekommen. Besonders in der ersten Halbzeit gelang aus Sicht der Hessen wenig. Und Straßburg? Straßburg traf. In der 33. Minute brachte Zohi die Elsässer in Führung. Dieses Ergebnis begleitete die Mannschaften letztendlich auch in die Halbzeitpause.

Obwohl die Eintracht im zweiten Durchgang dann deutlich stärker agierte als in den ersten 45. Minuten, sollte es ihr nicht gelingen, das Spiel zu drehen und ein potenziell wichtiges Auswärtstor blieb ihr ebenso verwehrt. Aber auch Straßburg konnte die Führung in der zweiten Halbzeit nicht weiter ausbauen.

So blieb es letztlich bei einer unschönen Hinspielniederlage, die aber keinesfalls unmöglich zu drehen ist. Erst recht nicht, wenn die Frankfurter so auftreten, wie sie es in der zweiten Halbzeit getan haben – mit Willenskraft sowohl nach vorne als auch nach hinten. Der nötige Kampfgeist dürfte im ausverkauften Waldstadion mit den eigenen Fans im Rücken jedenfalls geweckt werden.

Es stellt sich jedoch die Frage, an was es an diesem unglücklichen Augustabend gescheitert ist. Zuallererst lässt sich da die Aufstellung anführen. In der Abwehr trat man wie gewohnt mit einer Dreierreihe auf, jedoch agierten hierbei Abraham und Hinteregger fast schon als Außenverteidiger. Nicht wenige Frankfurt Anhänger dürften sich die Augen gerieben haben, als sie plötzlich Martin Hinteregger anstelle von Filip Kostić Richtung Eckfahne marschieren sahen. Und obwohl der Österreicher immer mal wieder gut für ein Tor ist, erklärt es sich von selbst, dass dies weder für das Spiel nach vorne noch für die Verteidigung besonders zielführend ist, zumal Kostić, einem Spieler, der viel über Tempo kommt und demnach einiges an Platz benötigt, somit häufig die Räume genommen wurden. Die Löcher, die dadurch hinten in der Frankfurter Abwehr entstanden, nutzten die Straßburger glücklicherweise nicht optimal aus.

Im Angriff sollte es Rebić, wie schon gegen Hoffenheim, als einziger Mittelstürmer richten und mittlerweile können sich sicherlich alle darauf einigen, dass dies einfach nicht die ideale Position für den Kroaten ist. Besonders nicht, wenn der Spielaufbau so schwach ist, dass er sich fast ausschließlich auf lange Bälle beschränkt, die hinter die Abwehrreihe der Straßburger gelegt werden sollten. Zwischenzeitlich kam das Gefühl auf, als würden die Frankfurter vorne immer noch mit Haller rechnen, der genau diese Art von Pässen so wunderbar verwerten konnte (und dies mittlerweile bei West Ham macht. Nein es tut überhaupt nicht weh).

Natürlich stellte dieser Umstand den in letzter Zeit ohnehin schon sehr launisch auftretenden Ante Rebić nicht zufrieden, sodass er sich kurzerhand zur Halbzeit auswechseln ließ. Hütter hätte diese Entscheidung laut eigener Aussage aber ohnehin getroffen und setzte dem Angreifer zudem noch seinen Kumpel Gaćinović, der in der ersten Halbzeit ebenfalls nicht zu überzeugen wusste, an die Seite.

Für diesen kam Sebastian Rode ins Spiel und mit ihm auch neuer Schwung ins Mittelfeld. Neben der verbesserten Einstellung der Mannschaft verhalf ebendieser neue Antrieb in der Zentrale den Frankfurtern zu einer deutlich ansehnlicheren zweiten Hälfte. Ebenfalls positiv hervorzuheben war außerdem Daichi Kamada. Der junge Japaner bewies einmal mehr, dass er zumindest eine Alternative im offensiven Mittelfeld sein kann.

Diva vom Main meets Diva vom Balkan

Nach dem Spiel bemängelte Kevin Trapp die Einstellung einiger Spieler, die seiner Ansicht nach nicht alles gegeben hätten. Ohne Namen zu nennen, wusste natürlich trotzdem jeder, um wen es sich hierbei am wahrscheinlichsten handelt. Trainer Adi Hütter wurde diesbezüglich sogar noch genauer, zähle Ante Rebić öffentlich an. Man sei mit seiner Leistung nicht zufrieden gewesen. Hütter beflügelte auch die Wechselgerüchte noch einmal, indem er betonte, dass wenn der Kroate wechseln wolle, man eine Lösung finden müsse. Bobic bestätigte einige Tage später, dass mehrere Vereine Interesse bekundet hätten, fügte aber hinzu, dass alle Parameter für einen Wechsel stimmen müssten, was scheinbar bisher aber noch nicht der Fall war.

Intern scheint es also was die Personalie Rebic angeht zu kriseln und auch unter den Fans gehen die Meinungen stark auseinander, sowohl was den Spieler und sein Verhalten selbst angeht als auch die Äußerungen von Trapp und Hütter.

Meiner Meinung nach wäre es zumindest wünschenswert, dass, sollte es wie erwartet zu einem Wechsel kommen, es ein versöhnliches Ende gibt. Denn Ante Rebić ist nicht nur gleich unserem geliebten Verein eine Diva, sondern auch ein Pokalheld, der der Eintracht viele schöne und einen unvergesslichen Moment beschert hat. Dies sollten wir uns alle in Erinnerung rufen, wenn wir, völlig zurecht, sein Verhalten kritisieren. Ihn zum alleinigen Sündenbock zu erklären, wird ihm nicht gerecht und sich zu Hasstiraden auf einen Spieler, der uns jahrelang Freude bereitet hat, hinreißen zu lassen, tut weder dem Verein, noch dem Spieler noch uns als leidenschaftlichen Anhängern und erst recht nicht unseren Fanseelen gut – zumal wir bisher nicht wissen und vermutlich auch nie wissen werden, was genau über einen unbestimmten Zeitraum hinweg vorgefallen ist und wer in welcher Form involviert war.

Einiges an Lob aber keine Punkte

Nachdem alle Welt in Aufruhr versetzt wurde und mehr Drama herrschte als bei Shakespeare, stand am Sonntagnachmittag ein Auswärtsspiel in Leipzig an. Wie es der Zufall wollte, fehlten Rebic und Gacinovic mit Blessuren – zumindest offiziell.

Nach einem aufreibenden Spiel in Straßburg, das alles andere als einen mentalen Push mit sich brachte, schätzte man die Zeichen auf ein erfolgreiches Spiel eher gering ein. Zudem fanden sich einige Änderungen in der Startaufstellung. Danny da Costa, zuletzt nicht immer gänzlich überzeugend, bekam eine Pause. Erik Durm rückte für ihn in die Startaufstellung. Auch Hinteregger durfte sich eine Auszeit genehmigen, während N’Dicka neben Hasebe und Abraham in die Abwehr rückte. Paciência übernahm die Stürmerposition für den daheimgebliebenen Rebić und wurde von Bundesligadebütant Dejan Joveljic unterstützt, sodass der zuletzt wenig erfolgreiche Ein-Mann-Sturm vorerst ausgedient hatte. Rode spielte diesmal ebenfalls von Beginn an.

Zugegebenermaßen erwartete man als Fan nicht allzu viel gegen einen Gegner wie Leipzig, der Fehler im Spiel meist gnadenlos ausnutzt und mit schnellen Spielern freie Räume optimal zu nutzen weiß. Sogar die Angst vor einer deutlichen Niederlange schwang mit.

Doch die Frankfurter schlugen sich erstaunlich gut, dominierten die Anfangsphase bis… ja bis die Leipziger eine Ecke zugesprochen bekamen. Diese brachte Sabitzer hinein, Poulsen verlängerte und Werner musste nur noch einschieben. Unpraktischerweise hatte der sonst so fehlerfreie Makoto Hasebe einen schwachen Moment, stand zu weit weg von seinem Gegenspieler und zu allem Übel ließ Kevin Trapp auch noch die kurze Ecke offen. Ehe man sich versah, stand es 1:0 für Leipzig. Dieses Ergebnis entsprach absolut nicht dem Spielverlauf.

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Im Anschluss an das Gegentor wirkten die Frankfurter zunächst unsicherer, Leipzig drückte. Dies sollte jedoch nicht lange anhalten. Die Eintracht fand wieder zurück zu ihrem Spiel, das im Vergleich zur Partie gegen Straßburg deutlich verbesserte spielerische Elemente aufwies. Im Anschluss an das Bundesligaduell attestierte der gegnerische Trainer Julian Nagelsmann der Eintracht, die dominantere Mannschaft gewesen zu sein. Die Leipziger fanden kaum Zugriff auf das Spiel.

Dies ging ihm sicherlich trotzdem recht leicht über die Lippen, denn entgegen des Spielverlaufs, erzielte Poulsen (nach einer Wunderheilung, 5 Sekunden vorher lag er noch vor Schmerzen am Boden) das 2:0. N’Dicka erlaubte sich einen Schnitzer und Trapp bekam die Beine nicht mehr rechtzeitig zusammen. Wieder führten individuelle Fehler zum Gegentor. Besonders bitter für die Eintracht ist der Umstand, dass die Leipziger kaum gefährlich wurden, aber ihnen ihre gnadenlose Effizienz zu Gute kam.

Kurz vor Schluss erzielte Paciência, das portugiesische Kopfballmonster, nach Hereingabe vom eingewechselten Chandler mit dem Fuß (!) ein Tor, das zwar nett anzusehen war, aber letztendlich auch nur noch in der Tordifferenz eine Rolle spielt. Zu selten zeigte der Stürmer seine Qualitäten.

Die Eintracht täte also gut daran, sich im Sturm weiter zu verstärken, denn auch Debütant Joveljic wies zwar einen Torriecher auf und machte deutlich, dass er alsbald einnetzen möchte. Seine mangelnde Erfahrung und sein junges Alter ließen ihn aber oftmals noch zu aufgeregt agieren.

Verstärkung im Sturm

 Am darauffolgenden Montag hatte Eintracht Frankfurt seinen Fans im Hinblick auf die Problematik im Sturm dann jedoch etwas Erfreuliches mitzuteilen. Nach Verhandlungen, die sich länger hinzogen als das Vorgeplänkel bei DFB Pokal Auslosungen, konnte mit Sporting Lissabon endlich eine Einigung erzielt werden: Bas Dost wechselt für 7 Mio. Euro (mit möglichen Boni 7,5 Mio. Euro) an den Main und wird mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet. Der 30-jährige hochgewachsene Niederländer soll nun für die Eintracht auf Torejagd gehen und scheint heiß auf seine Rückkehr in die Bundesliga zu sein.

Bei der kommenden Aufgabe zuhause gegen Racing Straßburg kann Dost unglücklicherweise noch nicht helfen. Die bisher wichtigste Aufgabe der Saison müssen die Adlerträger mit dem bereits gemeldeten Kader bestreiten. Für das Bundesligaheimspiel gegen Düsseldorf dürfte der neue Mittelstürmer aber durchaus eine Option sein, nachdem er in Lissabon bereits die komplette Vorbereitung absolviert hat.

Angesichts der Entwicklungen um Ante Rebić und mit Blick auf den Sturm dürften die nächsten Tage nicht nur wichtige Aufgaben im internationalen Wettkampf sowie in der heimischen Liga mit sich bringen, sondern auch eine spannende letzte Woche auf dem Transfermarkt anstehen. Es gibt für diejenigen, die es mit der Diva vom Main halten, also allen Grund „hibbelisch“ zu sein…

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