Diese Woche… bei Fortuna Köln, KW 45

Von Josina Anraad

Aufeinandertreffen zweier Traditionsvereine

Am Montagabend empfing der S.C. Fortuna Köln im Südstadion vor 2.613 Zuschauern die Mannschaft von Alemannia Aachen. Der Trainer der Fortuna Thomas Stratos wechselte im Vergleich zur 2:0 Niederlage im Mittelrheinpokal gegen den FC Pesch auf vier Positionen. Für Lionel Salla, Kai Försterling, Dennis Brock und den rot-gesperrten Firat Tuncer standen Noe Baba, Yannick Filipovic, Jannes Hoffmann und Lars Bender auf dem Platz. Alemannia Aachen konnte im Gegensatz zu den Fortunen die Pflichtaufgabe im Pokalspiel auswärts gegen den Bezirksligisten DJK Raspo Bran souverän mit 0:5 für sich entscheiden. Vor dem Spiel sagte Stratos: „Die Alemannia ist eine selbstbewusste und laufstarke Mannschaft. Sie wird bestimmt nicht hier hinkommen und uns das Spiel machen lassen“. Trotz der Blamage im Pokalspiel hofften die Fans auf einen positiven Ausgang des Spiels, denn die Fortuna ist seit immerhin sechs Spielen in Folge in der Regionalloga West ungeschlagen. Auch Stratos gibt sich selbstbewusst: „Wir haben von der beeindruckenden Kulisse in Essen gespielt und bestanden. Da waren die Jungs auch nicht nervös.“

Temporeiche Anfangsphase

In den ersten dreißig Minuten blieb es still im Südstadion. Die Fans beider Vereine hatten vorab einen Stimmungsboykott in den ersten 30 Minuten des Spiels angekündigt, um gegen die Anstoßzeit zu protestieren. Trotz der Stille im Stadion zeigten beide Mannschaft einen guten Auftakt in die Partie mit schnellen Kombinationen und vielen Chancen. Der erste Torschuss ging auf das Konto der Gastgeber. Hamsa Salman kam mit viel Platz vorm Strafraum zum Torabschluss, doch konnte den Ball nicht gut genug platzieren, so dass es Ricco Cymer problemlos gelang, den Ball zu entschärfen (6.). Nach einer von Kai-David Bösing scharf getretenen Ecke verlängerte Patrick Salate mit dem Hinterkopf. Im Fünfmeterraum kam schlussendlich David Pütz per Kopf zum Abschluss und verfehlte das Tor um wenige Meter (11.). Bis zu diesem Zeitpunkt war dies der gefährlichste Abschluss im Spiel der beiden Traditionsvereine, die unter den Top fünf der ewigen Tabelle der 2. Fußball-Bundesliga rangieren. Im weiteren Spielverlauf fand die Partie keine Ruhe. Die Alemannia lief die Gastgeber zwar früh an, doch wie Stratos es vor dem Spiel angekündigte, hielten dieFortunen stark dagegen. Beide Mannschaften schafften es immer wieder, sich in den gegnerischen Strafraum zu kombinieren, aber trotz vieler Torabschlüsse in der ersten halben Stunde verbuchten weder die Fortuna noch die Gäste den ersten Treffer für sich.

Klare Positionierungen der beiden Fanlager

Nach 30 Minuten kam es dann zu kuriosen Szenen im Kölner Süden. Die Fan-Gruppierungen beider Vereine hoben ihren Stimmungsboykott auf und es erschallte durch hunderte von Trillerpfeifen ein ohrenbetäubender Lärm im Südstadion. Zusätzlich warfen die Fans der S.C. Fortuna Tennis- und Massagebälle vom Stehplatz-Mitte auf das Spielfeld. Mit dieser Aktion protestieren die Fanlager gemeinsam gegen das Montagsspiel, das auch von dem TV-Sender Sport1 live übertragen wurde. Die Ultras positionierten sich mit Spruchbändern wie: „Fußball ist keine Late Night Show“ und „Ausbeutung des Fußballsports stoppen! Fußball gehört den Fans! Für fangerechte Anstoßzeiten!“ klar gegen die Anstoßzeit. Auch die Fans der Gäste enthüllten ein Banner auf dem stand „Wir pfeifen auf Sport1“.

Der Schiedsrichter Christian Scheper unterbrach daraufhin das Spiel. Zwischenzeitlich war es nicht klar, ob die Partie nochmals angepfiffen wird. Die Zuschauer, die das Spiel vor dem Fernseher verfolgten, sahen zwar kurzzeitig auch die Proteste, doch anstatt diese einzuordnen oder über die Regionalliga West zu berichten, schaltete der Sender lieber ins Studio und nahm auf jede erdenkliche Weise die Trennung zwischen Bayern München und Nico Kovac auseinander. Das falsche Spiel des Senders zeigt sich besonders dadurch, dass der Kommentator des Spiels Sekunden vorher noch betonte, wie sehr kleinere Vereine doch von der Berichterstattung profitieren könnten und er friedlich Proteste zwar gut heiße, sie aber trotzdem nicht nachvollziehen könne. Im Hinblick auf diese Aussage ist es eine Farce, wenn der Sender danach wieder über den größten Verein im deutschen Fußball anstatt über die kleineren Clubs in Deutschland berichtet. Nach knapp einer Viertelstunde kamen die Mannschaften langsam wieder aus der Kabine. Das gellende Pfeifkonzert war inzwischen abgeebbt. Trotzdem sprachen die Kapitäne Alexander Heinze und Franko Uzelac noch einmal mit den Fanvertretern der eigenen Mannschaft, um die Situation zu beruhigen, da sonst ein Spielabbruch gedroht hätte.

Nach einer 16 minütigen Unterbrechung konnte die Partie schlussendlich fortgesetzt werden. Nachdem die Mannschaften wieder auf dem Platz standen, zeigte sich schnell, dass das Tempo durch die lange Verzögerung gelitten hatte. Vor dem Halbzeitpfiff  fand die Fortuna nicht wieder ins Spiel zurück, im Gegensatz zur Alemannia. Nach einem starken Dribbling von Stipe Batarilo setzte dieser sich auf der linken Außenseite bis zur Grundlinie durch und flankte auf Vincent Boesen. Der Stürmer kam im Strafraum zum Abschluss, doch ein Kölner Abwehrbein konnte die Führung gerade noch verhindern.

Großchance für die Alemannia! Batarilo dribbelt auf dem linken Flügel mit viel Tempo bis zur Grundlinie und hat dann das Aug für Boesen. Die Kölner Abwehr kann den Schuss des Angreifers aber noch kurz vor der Linie klären (45.+8). Nur ein paar Minuten später landet der Ball dann nach einer Ecke doch im Tor der Fortunen. Der Schiedsrichter ließ das Tor aufgrund eines Offensivfouls im Sechzehner nicht zählen (45.+16).

Überraschende Führung durch Owuso

Nachdem der Schiedsrichter die zweite Halbzeit anpfiff und das Spiel wieder freigab, wurde das Spiel schnell wieder unterbrochen. Diesmal war eine Feuerwerkseinlage der mitgereisten Aachen-Fans Grund für eine weitere zweiminütige Verzögerung.

Weder den Südstädtern noch den Gästen gelang es nach Wiederanpfiff, an die Leistungen aus der ersten Halbzeit anzuknüpfen. So fiel das 1:0 für die Gastgeber durch Mike Owusowie aus dem Nichts. Batarilo schaffte es nicht, am Strafraumrand den Ball entscheiden zu klären, sondern schoss dem Stürmer der Fortuna an den Oberschenkel. Der Stürmer war daraufhin im Nachsetzen weder von Batarilo noch von Salata zu stoppen, trickste Matti Fiedler mit einer Finte aus und traf den Ball links oben in den linken Winkel zu seinem ersten Saisontor (55.).

Nach der überraschenden Führung gab es zuerst keine nennenswerten Chancen. Der Spielaufbau beider Mannschaften war geprägt von Fehlpässen. Die Hausherren versuchten, die Führung zu verteidigen und stellten sich hinten rein, so dass die Aachener in der Phase die spielbestimmende Mannschaft war. Der Ausgleich durch die Gäste bahnte sich schon Minuten vorher an und folgte zwangsweise durch Marco Müller, der damit ebenfalls sein erstes Saisontor vermelden konnte. Am Ende bleibt es bei einem verdienten Unentschieden. Nachdem das Aufeinandertreffen der Traditionsvereine nun zum 43. Mal stattfand, ist dies das inzwischen 23. Remis. Der eine Punkt bringt keine der Mannschaften in der Tabelle nach vorne. Die Gäste stehen mit 20 Zählern auf dem achten Platz. Nach nun sieben Spielen ohne Niederlage steht der S.C. Fortuna mit einem Punkt weniger auf dem elften Rang.

Am 9. November wartet die nächste Aufgabe auf die Südstädter. Sie müssen auswärts gegen Aufsteiger TuS Haltern antreten.

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