Diese Woche… bei Hertha BSC, KW 41

Von Chris Butzke

Er ist wieder da

Da der Autor letzte Woche unpraktischerweise um 19 Uhr eine Zugfahrt quer durch das ganze Land hatte und das Spiel Hertha gegen Köln trotz einer Anfrage eines Gewissen Chris B. nicht verschoben wurde, musste man sich auf das WLAN des ICE 1657 verlassen. Nun ja, es Bedarf nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, wie das Resultat am Ende war. Es gab kurze Phasen, in denen Sequenzen in einer 32×24-Auflösung zu sehen waren. Dementsprechend schwierig erwies sich eine messerscharfe und perfekte Analyse, wie man es hier normalerweise gewohnt ist, weshalb auf einen gesonderten Artikel zu dem Spiel verzichtet wurde. Auffällig war jedoch, dass Hertha ganze vier Mal den Ball in das gegnerische Tor bugsieren konnte, während es der Effzeh nicht ein einziges Mal schaffte.

Hertha überstand die ersten 20 Minuten dank eines gut aufgelegten Geburtstagskinds zwischen den Pfosten, nur um dann durch einen erneuten Geniestreich von Dilrosun in Führung zu gehen. Eine klare rote Karte kurz vor der Halbzeit kam Berlin zusätzlich entgegen. Ibisevic traf in der zweiten Halbzeit doppelt gegen seinen Lieblingsgegner und Neuzugang und Abwehrbollwerk Dedryck Boyata durfte schließlich den 4:0 Entstand besiegeln. Der Sieg ging in Ordnung, da der Effzeh gerade in der zweiten Hälfte so harmlos war, dass man sie fast mit dem FC Augsburg hätte verwechseln können. Für Ante Covic und seine Spieler dürfte das Spiel als beste Paartherapie gedient haben. Es funktionierte längst nicht alles, aber die Mannschaft konnte ein spielfreudigeres Gesicht zeigen und die zuletzt gezeigten Leistungen etwas aus den Köpfen verdrängen.

Kein Fortüne für die Fortuna

Doch kommen wir zu der Partie, die der Autor in gestochen scharfer Bildqualität sah. Hertha empfing am Freitagabend den Angstgegner Fortuna Düsseldorf. Die Bildqualität war sogar so scharf, dass man in der 29. Minute die Stollenabdrücke von Dedryck Boyata auf dem Unterschenkel des Düsseldorfer Urgesteins Oliver Fink sehen konnte. Nach mehreren Minuten entschied Schiedsrichter Petersen nach einer eingehenden Videostudie folgerichtig auf Elfmeter für die Fortunen, den Hennings sicher verwandelte. Zuvor gab es bereits in der 25. Minute einen anderen Einsatz des VAR, der ein riskantes Einsteigen von Mittelstädt gegen Baker näher beäugte. Doch in dem Fall entschied der Unparteiische nicht auf Elfmeter. Meiner Meinung nach ist es eine vertretbare Entscheidung, jedoch wäre auch hier eine Entscheidung für Düsseldorf möglich gewesen. Für Petersen hatte der Kontakt aber nicht ausgereicht, um einen Elfmeter zur Folge zu haben.

Aus Berliner Sicht war der Rückstand mehr als ärgerlich, hatte man den Gegner bis auf diese beiden harmlosen Strafraumszenen, die jeweils zum VAR-Einsatz geführt haben, komplett in Griff. Doch die Mannschaft bewies Moral und konnte die Dominanz der ersten 30 Minuten aufrecht erhalten. Ibisevic konnte, wie sollte es anders sein, an seine Form gegen Köln anknüpfen und sorgte nach einer mustergültigen Flanke von Wolf bereits kurz nach der Düsseldorfer Führung wieder für den Ausgleich. Doch noch vor der Pause konnte das Wunderkind erneut sehenswert für die Hertha Führung sorgen. Die Mannschaft bewies Mentalität und schickte die Fortunen mit gesenkten Häuptern in die Pause.

In der zweiten Hälfte ließ das Team aus der Hauptstadt nichts mehr anbrennen und gestaltete weiterhin die Partie fast nach Belieben. Der eingewechselte Lukebakio, letztes Jahr noch im Dienste der Rheinstädter, setzte sich nochmal entschlossen auf der linken Seite durch und steckte mustergültig auf den starken Darida durch, der seine Leistungen der letzten beiden Spiele mit einem Tor vergoldete. So gab es einen hochverdienten Heimsieg. Es war der erste Erfolg gegen Düsseldorf nach 40 Jahren Pleiten, Pech und Pannen. Dadurch konnte die Covic-Elf den Fehlstart vergessen machen und ist nach einer 3-Spiele-Siegesserie im gesicherten Mittelfeld der Liga.

Aufwärts immer, downwärts nimmer!

Während der erste Sieg gegen Paderborn ein unsicherer und fast schon ängstlicher Auftritt war, wurde das Team in Köln nach einer schwachen Anfangsphase zunehmend sicherer und konnte gegen Düsseldorf den bisher überzeugendsten Auftritt der Saison feiern. Die Stimmung in Berlin ist gelöst und auch die Stimmen gegen Covic verstummen schlagartig. Was drei Spiele so alles ausmachen können. Die Mannschaft scheint dem Trainer mehr zu vertrauen und spielt dementsprechend selbstbewusster, Spieler wie Dilrosun und Ibisevic haben sich in einen Flow gespielt und gehören definitiv zu den Gewinnern der bisherigen Saison. Doch wo es Gewinner gibt, sind auch die Verlierer meist nicht weit. Bei Hertha haben Oldie Salomon Kalou und Ondrej Duda gerade eine unglückliche Phase, auch Selke konnte seine Chance nicht nutzen, weil er seine Chancen auf dem Feld nicht nutzte.

Milliardenmarke Hertha BSC

Sportlich hat man sich also aus der Krise gespielt, doch sorgen bestimmte Personen weiterhin für Unruhe und schlechte Laune bei den Fans. Investor Windhorst verspricht neue Investitionen noch in diesem Jahr und möchte aus Hertha BSC eine milliardenschwere Marke formen. Diese Aussagen sorgen nicht nur bei Fans der anderen Teams für Unmut. Zwar haben Mannschaften wie der BVB bereits über 94% der Lizenzspielerabteilung verkauft und sorgen mit dem dadurch erworbenen Kapital seit Jahren auch sportlich für Furore, doch hat in Dortmund kein Investor dem Kapitalgeber ein Gesicht und damit ein Feindbild gegeben. Windhorst verbessert mit seinen Aussagen auch nicht gerade das eigene Image, sondern sorgt viel mehr dafür, dass Hertha BSC neben der bisher glücklosen Stadionsuche nun auch für einen großkotzigen Investor steht. Für die Fans ist es auch nicht gerade beruhigend, dass Windhorst offen kommuniziert, dass er zwar Hertha viel Kapital zur Verfügung stellen möchte, jedoch nur aus Eigeninteresse, in der Hoffnung, dass durch den sportlichen Erfolg und steigenden TV- und Sponsorenverträge der Wert des Vereins steigt und somit auch der Wert der von ihm erworbenen Anteile. Hertha hat bereits Erfahrung mit Investoren. Ein Engagement der Investorengruppe KKR verlief ruhig und ohne mediales Aufsehen. Die Gruppe investierte in Anteile und ließ den Verein ohne öffentliche Forderungen das Kapital verwalten. Windhorst hingegen fiel innerhalb weniger Wochen bereits mehrmals durch markige und realitätsfremde Sprüche auf.

Die Causa Windhorst trübt zwar die allgemeine Stimmung, doch geht man als Hertha-Fan mit einem Lächeln in die Länderspielpause. Es ist auch bemerkenswert, wie schnell die Stimmung schwanken kann. Noch vor wenigen Wochen kroch Hertha wie ein angeknockter Boxer in die Pause und alle waren froh, dass man sich nochmal neu sortieren konnte. Jetzt ist man fast schon der Meinung, die Pause stört den aktuellen Rhythmus und kommt zur Unzeit. Für Niklas Stark kommen die Länderspiele genau im richtigen Moment. Gegen Düsseldorf zeigte er seine bisher beste Saisonleistung und darf sein Debüt in der Nationalmannschaft gegen Argentinien feiern.

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