Diese Woche … bei ratiopharm Ulm, KW 21

Von Tobias Fenster

Der Überblick

Noch mehr als in der regulären Saison gilt in den Playoffs, dass nur Ergebnisse zählen. Gut oder schlecht gespielt, volle Kapelle oder Rumpftruppe, Einsatz bis zum Umfallen oder eher lustlos über den Platz geschlendert, all das tritt in den Hintergrund, wenn es darum geht drei Siege aus fünf Spielen zu holen. Und da steht es in der Viertelfinal-Serie von ratiopharm Ulm (Hauptrunden-Sechster) gegen ALBA Berlin (Dritter) nach zwei deutlichen bis sehr deutlichen Siegen von Berlin (107:78 und 98:83) 2:0 für die Hauptstädter.

Die harten Fakten

Ganz egal ob 2er-Quote, 3er-Quote, Freiwurf-Quote, Rebounds, Assists, Steals, Turnover oder Blocks: Bis auf ganz wenige Ausnahmen, in denen Ulm leichte Vorteile hat, haben die Berliner überall mehr oder weniger deutlich die Nase vorn. Selbst der kurzfristige Ausfall von Peyton Siva schwächte Berlin nicht wesentlich, da Derrick Walton und Martin Hermannsson herausragende Leistungen zeigten: Walton brachte seine ganz sicher auf oberem Starter-Niveau in der BBL anzusiedelnden Qualitäten mit elf Punkten (80% aus dem Feld) und zwölf Assists bei nur einem Turnover in Spiel eins sowie neun Punkten und neun Assists bei drei Turnovern in Spiel zwei ein. Hermannsson ließ es mit 14 Punkten (63% aus dem Feld) und vier Assists in Spiel eins noch relativ ruhig angehen, um dann Spiel zwei mit 23 Punkten (64%) und sieben Assists bei nur zwei Turnovern zu dominieren. Da konnten Spieler wie Giedraits und Sikma für ihre Verhältnisse sogar eher ruhigere Auftritte einstreuen.
Bei Ulm hielten am ehesten noch Akpinar (in beiden Spielen je 13 Punkte bei 50% Feldwurfquote und vier Assists) und Green (zwölf Punkte bei 67% aus dem Feld, drei Rebounds, zwei Steals in Spiel eins sowie 18 Punkte bei 64%, vier Rebounds und zwei Assists in Spiel zwei) dagegen, ohne das Spiel ganz maßgeblich beeinflussen oder gar dominieren zu können. Auch die in dieser Saison noch so große Stärke, an die Freiwurflinie zu kommen, konnten die Ulmer nur in Spiel eins mit 22 Versuchen einigermaßen in die Playoffs übertragen. In Spiel zwei waren es dann nur noch 13 Versuche und damit zwölf weniger als im Saisonschnitt, was Thorsten Leibenath in der Pressekonferenz zu ungewöhnlich deutlichen Worten gegenüber den Schiedsrichtern veranlasste. Ebenso klar formulierte Leibenath aber auch, dass es ein völlig verdienter Sieg von Berlin war.

Darüber war zu reden

In Spiel eins hatten die Berliner noch die Ulmer – wie so viele andere Teams – mit ihren überfallartigen Fastbreaks und Early Offense Plays vor große Probleme gestellt. Hier behalfen sich die Ulmer in Spiel zwei recht erfolgreich mit einer etwas weniger aggressiven Verteidigung, die entsprechend auch weniger anfällig für schnelles Überbspielen war, wie auch Konrad Wysocki im Postgame-Interview bei Sportradio360 erläuterte. Das konnten die Berliner allerdings durch viele gut herausgespielte, manchmal auch von Ulm schlecht verteidigte Würfe kompensieren, wo insbesondere Giedraitis sogar noch den ein oder anderen Schuss liegen ließ, den er sonst schon häufig getroffen hat.

Unsere persönlichen Favoriten

Vielleicht beschert ihm seine Mannschaft nochmal eines oder gar mehrere, aber wahrscheinlicher ist es, dass Thorsten Leibenath sein letztes Heimspiel als Headcoach von ratiopharm Ulm bestritten hat. Zeit also, um einen zu loben, der in Ulm immer wieder in der Fan- und Presse-Kritik stand  und doch im Rest von Basketball-Deutschland und insbesondere von den Experten dieser Sportart genauso regelmäßig sehr gelobt wird. Ausdruck dessen sind auch die beiden Auszeichnungen zum Trainer des Jahres in 2012 und 2017. In sieben von acht Saisons coachte er seine Ulmer Teams in die Playoffs mit den beiden Vizemeisterschaften 2012 und 2016 als absolute Highlights, auch wenn ihm ein Titel verwehrt blieb. Ebenfalls mit ihm an der Seitenlinie gelang 2016/17 die längste Siegesserie in der Bundesligageschichte mit 27 Erfolgen in Serie. Spektakulärer, schneller Team-Basketball mit Fokus auf der Offense bei manchmal unterschätzter Defense ist seine Handschrift, genauso wie die beeindruckende Entwicklung junger Spieler wie Per Günther, Robin Benzing, Daniel Theis oder des gerade zum Euroleague-Final4-MVP gekürten Will Clyburn. So werden es große Fußstapfen sein, die sein Nachfolger zur Saison 2019/20 ausfüllen muss. Und auch für Leibenath selbst wird es vermutlich nicht einfach sein, einen Schritt zurück zu treten, gerade wenn das Spiel läuft. Aber wenn es jemandem zuzutrauen ist, dass er den Übergang vom Headcoach zum Sportdirektor gut hinbekommt, dann ihm.

Das steht an

Das möglicherweise entscheidende Spiel drei findet am kommenden Sonntag um 15h wieder in Berlin statt. Sofern notwendig kommt es dann am folgenden Dienstag (in Ulm) und Donnerstag (in Berlin) zu den Spielen vier und fünf. 2013/14 reisten die Ulmer schon mal bei 0:2 in einem Playoff-Viertelfinale nach Berlin, um dann dort nicht zuletzt durch 20 Punkte und zwölf Rebounds des heutigen NBA-Spielers Daniel Theis einen Auswärtssieg zu holen, aber auf eine Wiederholung in 2019 würde ich nicht allzu viel Geld setzen.

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