Diese Woche bei … ratiopharm Ulm, KW 39

Von Tobias Fenster

Der Überblick

Zweimal Ulm – Vechta (einmal Bundesliga, einmal BBL-Pokal), zweimal Sieg für Ulm: War es zum Saisonauftakt noch ein 84:62, folgte dann dann im Pokal ein 88:71, letzten Endes also zwei deutliche Siege für Ulm

Das Fazit bringt Michael Körner auf den Punkt, der im Sportradio360-Postgame mit Augenzwinkern sagt: “Ulm hat hier eine neue Ära eingeleitet, sie spielen jetzt Verteidigung”. Das ist sicher einerseits überspitzt, andererseits auch der gegnersichen Leistung geschuldet, es fällt aber natürlich schon auf, dass Ulm nur 62 bzw. 71 Punkte zulässt.

Die harten Fakten

Womit wir auch schon bei den harten Fakten sind: Ulm hält Vechta bei verheerenden 27,5% im ersten sowie unterdurchschnittlichen 40% Trefferquote im zweiten Spiel bei allen Feldwürfen und trifft dabei selbst 48,2% bzw. 55%. Da Basketball nach wie vor das Spiel ist – Achtung, Binsenweisheit – bei dem der gewinnt, der den Ball häufiger durch den Korb befördert, ist der Schlüssel zum Sieg schnell gefunden. Da hat es dann auch keine entscheidende Auswirkung, dass Vechta in den beiden Spielen zusammen 39 (!) Offensivrebounds holt und in Summe 18 mal mehr auf den Korb wirft. Für zukünftige Spiele werden die Ulmer aber einen Weg finden müssen, wie sie ihre Gegner hier etwas mehr einschränken, wobei “nur” 7 Offensivrebounds für Vechta in der zweiten Hälfte des zweiten Spiels zumindest zeigen, dass es besser gehen kann.

Ebenfalls beeindruckend ist die Ulmer Assist-Quote: In den beiden Spielen treffen sie zusammen 60 mal aus dem Feld, 50 mal davon unterstützt von einem Assist. Was auf dem Statistikbogen schon nach mannschaftsdienlichem Spiel und wenig 1-gegen-1-Zock aussieht, macht jedem Basbetball-Fan richtig Spaß und führte dann auch zu Standing Ovations:

Darüber war zu reden

Prägende Figur für diesen Stil ist der gerade mal 18-jährige Kilian Hayes, der seit dieser Saison als Starter auf der so wichtigen Pointguard-Position in Ulm Regie führt. Gerade in diesem Alter muss man beim Blick auf Karrierestatistiken natürlich sehr vorsichtig sein, aber dass der Wurf zumindest aktuell noch nicht seine Stärke ist, das ist sicher sofort erkennbar. Wie er es dennoch mit einer herausragenden Kombination aus Spielverständnis, Übersicht und Größe schafft, seinen Mitspielern immer wieder freie Würfe aufzulegen, ist enorm beeindruckend. Sicher auch begünstigt durch viele spielintelligente und abseits des Balls sehr aktive Teamkollegen, ist es ein wahre Freude, wie er es fast komplett ohne eigenen Wurf schafft, durch eigentlich simples Pick and Roll die ganze gegnerische Verteidigung unter Druck zu setzen. Nach 6 Assists in 26 Minuten im ersten Spiel legte er dann in gerade mal 9 Minuten im zweiten Spiel schon 5 Assists auf (bei nur einem Wurfversuch), ehe ihn eine wohl nicht dramatische Knöchelverletzung zum Aussetzen zwang. In NBA-Mock-Drafts bereits als sogenannter Lottery-Pick, also einer der besten Spieler des Jahrgangs gehandelt, darf man sich in Ulm und der BBL jetzt schon freuen, einen solchen Spieler sehen zu dürfen.

Unsere persönlichen Favoriten

Nicht minder groß dürfte die Freude über Zoran Dragic sein. Der 30-jährige, NBA- und EuroLeague-erfahrene Slowene, der schon an der Seite von Ulms neuem Trainer Jaka Lakovic spielte, überzeugt mit ganz viel Einsatz an beiden Enden des Feldes und einer Cleverness, die Andy Obst im Sportradio360-Postgame trocken beschreibt: “Der hat ‘ne ganz kalte Schnauze”. Das zeigt sich dann in 18 bzw. 16 Punkten und der zweithöchsten bzw. höchsten +/- Wertung. Exemplarisch gleich die erste Szene der Saison, als er einen eigentlich schon verlorenen Ball zurückerobert und Hayes zu einfachen Punkten verhilft, genauso wie ein And-1 mit ganz viel Willen bei engem Spielstand im ersten Spiel:^

Da ist es fast schon eine Randnotiz, darf aber in den Favoriten nicht fehlen, dass die Ulmer Legende Per Günther nach langer Verletzungspause sein Comeback feiert und andeutet, dass noch einiges im Tank ist. Brauchen wird Ulm das allemal, denn selbst ein Talent wie Hayes wird mit 18 noch nicht komplett stabil sein können und hinter ihm lieferte Tyler Harvey zwar im zweiten Spiel eine bessere Leistung als Backup-Pointguard ab, aber 10-15 gute Günther-Minuten würden dieser Mannschaft sehr gut zu Gesicht stehen.

Das steht an

Unter der Woche steht mit Virtus Bologna als Gegner im Eurocup ein echtes Highlight an: Nicht nur führt mit Milos Teodosic ein ehemaliger EuroLeague-MVP und NBA-Veteran das Team an, sondern mit Aleksandar Djordjevic steht auch ein aus der Bundesliga bekannter Spitzentrainer an der Seitenlinie. Wie sich hier das sehr junge Ulmer Team und sein Rookie-Coach schlagen, kann vielleicht ein erster Hinweis darauf sein, wie weit die Ulmer sich schon in der Bundesliga und auf europäischem Parkett nach vorn orientieren dürfen. Am Wochenende folgt dann in Braunschweig, die ebenfalls mit zwei Siegen (in Göttingen und in Ludwigsburg) in die Saison gestartet sind, das Wiedersehen mit dem ehemaligen Co-Trainer Pete Strobl.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.