Diese Woche … beim VfB Eichstätt, KW 18

Von Karsten Kunert

Eine Woche im Zeichen der „Schnüdel“

Die vergangene Woche des VfB Eichstätt stand ganz im Zeichen des 1. FC Schweinfurt 05. Eichstätt selbst war am Wochenende zur Passivität verdammt. Das Auswärtsspiel beim SV Heimstetten musste verlegt werden und der Tabellenzweite verfolgte die Liga deshalb vom Sofa aus. Dennoch bescherte der 30. Spieltag der Regionalliga Bayern den Domstädtern den größten Erfolg der 97-jährigen Vereinsgeschichte. Der 1. FC Schweinfurt war nämlich das letzte Team, das #denJungs noch den Titel des bayerischen Amateurmeisters – und somit den direkten Einzug in den DFB Pokal – hätte streitig machen können. Schweinfurt allerdings unterlag zuhause Viktoria Aschaffenburg 2:3 und krönte so die Saisonleistung des VfB aus der Ferne.

Wenige Tage später reisten eben jene Schnüdel aus Unterfranken (wer sich über den interessanten Spitznamen der Schweinfurter wundert, kann dessen Entstehung hier nachlesen) dann persönlich zu dem in der Tabelle mittlerweile uneinholbarem VfB Eichstätt und holten sich die drei Punkte in der Domstadt zurück. Sportlich für das Heimteam natürlich unschön – für die Tabellenplatzierung allerdings irrelevant. Geschichten, die so nur der Fußball schreibt.

Der grün-weiße Virus greift um sich

Man merkt, dass fußballerisch etwas geschieht in Eichstätt. Das Spiel gegen Schweinfurt wurde aus Gründen, die mir niemand erklären konnte, als Sicherheitsspiel eingestuft. Besucher wurden vor Betreten des Stadions abgetastet, Security-Menschen und (relativ) viel Polizei waren Vorort und der Eintrittspreis wurde auf 12 Euro heraufgesetzt. Die gute Nachricht zuerst: alle Schutzkräfte konnten einen sehr entspannten Nachmittag im Liqui Moli Stadion verbringen. Von Randalen und Ausschreitungen war weit und breit nichts zu sehen.

Luftballons und nackte Oberkörper

Und das obwohl sich 1.600 Zuschauer im kleinen Stadion an der Altmühl eingefunden hatten, um den Einzug in den DFB Pokal gemeinsam mit der Mannschaft zu feiern. Mit dabei war natürlich auch die neu gegründete Ultra-Fraktion von Green White Unity, deren Arsenal sich seit ihrem ersten Auftritt vor zwei Wochen von zwei auf fünf Fahnen mehr als verdoppelt hat und die auch personell gewachsen schienen. Zum ersten Mal, seit ich das Stadion besuche (Zur Erinnerung: mein Debut war am 5. Spieltag am 03.08.2018 gegen Schalding-Heining), stimmte das Publikum Gegengesänge an. Auf der einen Seite die kleine Ultra-Gruppierung und auf der anderen Seite des Spielfeldes Zuschauer mit lauter Unterstützung zahlreicher Jugendspieler in grünen Trikots. Einfach. Richtig. Gut.

 

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Immer weiter 💚💪🏻

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Zusätzliche Stimmung sollten grün-weiße Luftballons bringen, die vor Spielbeginn an die Zuschauer verteilt wurden. Allerdings bedeutete diese Aktion in der ersten Halbzeit vorwiegend Zusatzarbeit für den Eichstätter Torwart Mustafa Özhitay. Dieser war nämlich während der Angriffsphasen seiner Mannschaft damit beschäftigt, auf das Spielfeld geflogene Luftballons zum Platzen zu bringen.

Führung abgegeben

Das Spiel selbst wurde mit ca. 20 Minuten Verspätung angepfiffen. Der Mannschaftsbus der Schweinfurter war auf der ca. 200 km langen Anreise im Stau stecken geblieben.

Eichstätt startete dann kontrolliert in die Partie und ging nach gut 20 Minuten durch Goalgetter Fabian Eberle in Führung. Die Franken aber zeigten eine starke Reaktion und drehten die Partie noch vor der Pause zu ihren Gunsten. Mit einem 1:2 ging es also in die Halbzeitpause. Auch nach dem Seitenwechsel sahen die 1.600 Zuschauer ein weiterhin spannendes Fußballspiel mit schönen Kombinationen und tollen Torhüterparaden, das mit fortlaufender Spieldauer aber immer nickliger wurde. Zeichen hierfür sind fünf gelbe Karten ab der 60. Minute. Immer mittendrin auf Eichstätter Seite war wieder Marcel Schelle. Der Mittelfeldstratege holte sich selber bereits in der ersten Halbzeit gelb ab und war dann maßgeblich an den drei gelben Karten für Schweinfurt beteiligt. Erst war er zweimal nur durch ein Foul zu bremsen, dann leitete er in der 79. Minute mit einem seiner flankenmäßigen Einwürfe den zwischenzeitlichen Ausgleich ein. Seine Vorlage landete im Strafraum und provozierte ein Foul am vier Minuten vorher eingewechselten Fabian Schäll. Klarer Elfmeter, gelbe Karte, Doppelpack Eberle und Ausgleich zum 2:2.

Als die Ultras bereits ruhiger wurden und auch das Publikum sich langsam mit einem Unentschieden abzufinden begann, nutzte Schweinfurt in Minute 90+5 doch noch eine Unachtsamkeit in der Eichstätter Abwehr. Nach einer Ecke drückten die Schnüdel den Ball über die Torlinie und holten sich quasi mit dem Schlusspfiff durch ein sehr spätes 2:3 die drei Punkte aus dem Altmühltal. In einer Partie, die eigentlich keinen Sieger oder Verlierer verdient hatte.

Wie geht’s weiter?

Der VfB Eichstätt hat in dieser Saison jetzt schon in allen Belangen überperformt und sich nicht zuletzt aufgrund dieser Leistungen selbst mit dem Einzug in den DFB Pokal und mit einer eigenen Ultra-Gruppierung belohnt. In den letzten vier Saisonspielen will die Truppe von Trainer Markus Mattes aber weiter angreifen und versuchen, die Sahne auf den Kuchen zu packen. Das wäre Tabellenplatz eins nach Abschluss der regulären Saison. Dazu müssten allerdings die Amateure des FC Bayern noch stolpern. Diese haben im Moment mit einem Spiel mehr sechs Punkte Vorsprung plus das bessere Torverhältnis.

Egal wie sich die Tabelle zum Saisonende darstellen wird, mit größter Spannung wird hier erst einmal die Auslosung des DFB Pokals erwartet. Dann wird sich auch herausstellen, gegen welchen Gegner aus der ersten oder zweiten Liga #dieJungs im August Heimrecht haben werden.

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