Diese Woche…bei den Füchsen Berlin KW 23

Von Heiko Eisser

In das letzten Spiel der Saison gehen die Füchse zumindest gut vorbereitet. Die lange Unterbrechung zwischen dem vorletzten und der letzten Begegnung in der Liga beruhte auf das Champions League Finalwochenende in Köln. Zumindest für einen zukünftigen Fuchs war dieses Wochenende sehr zufriedenstellend. Doch schwitzten die Mannen von Trainer Velimir Petkovic nicht nur aufgrund der hohen Temperaturen in der Trainingshalle in Hohenschönhausen, sondern schwitzten um das Saisonziel Europa noch zu verwirklichen. Und nach dem Spiel gegen Flensburg musste vieles wieder berichtigt werden.

Heimstärke trifft auf Auswärtshoffnung

Die Partie bei der SG Flensburg-Handewitt brachte bereits am Vortag eine Hiobsbotschaft: Fabian Wiede musste aufgrund starker Schulterbeschwerden ins MRT. Bei dieser Untersuchung wurde eine schwere Verletzung festgestellt und eine Operation notwendig. Somit fiel Fabian Wiede für die Partie ins Flensburg sowie für die abschließende Partie gegen Wetzlar aus. Mit Blick auf die äusserst heimstarken Flensburger ein herber Dämpfer.

Hektisch die Anfangsphase. Beide Teams starteten aggressiv im Angriff, doch die Würfe der Angriffsreihen wurden durch beide Torhüter pariert. Bezeichnend, dass das 1:0 für die SG nach knapp drei Minuten durch einen Siebenmeter durch Flensburgs Rasumus Lauge erzielt wurde.

Im weiteren Verlauf suchten die Füchse im Angriff den Schlüssel für die 5-1-Abwehr der Norddeutschen. Gefunden wurde dieser über Linkaussen Bjarne Elisson, der die ersten Torerfolge für die Füchse holte. Allerdings gelangen den Flensburger mit ihren schnell vorgetragenen Angriffen die „einfacheren“ Treffer. Nach dreizehn Minuten lagen die Füchse 3:6 hinten und Coach Petkovic nahm die erste Auszeit.

Im weiteren Verlauf zeigte Flensburg die besseren Aktionen. Die SG strahlte im Gegensatz zu den Füchsen die nötige Selbstsicherheit aus, dieses Spiel gewinnen zu wollen. Im Angriff mühten sie die Berliner zum Abschluss zu kommen, wobei sich hier der Ausfall von Fabian Wiede besonders bemerkbar machte. Gelang es den Füchsen einmal die gut gestaffelte Abwehr der SG zu überwinden, wartete im Tor noch Flensburgs Buric der einige Würfe der Füchse entschärfte. Die Flensburger gingen verdient mit 14:8 in die Pause.

Nach dem Pausentee war die Abwehr der Füchse endlich im Spiel und stand gegen die Flensburger besser. Hinzu kam ein kleines privat Duell zwischen Silvio Heinevetter und Flensburgs Lauge, der im Laufe der Partie eher selten den Schlussmann der Füchse bezwingen konnte. Heinevetter an diesem Abend der einzige Berliner der mit seinen zwölf gehaltenen Würfen auf Normalniveau agierte. Doch hielten die Hausherren zunächst den sechs Tore Vorsprung gegenüber den Füchsen.

Aber der 42.Minuten schienen die Flensburger das Spiel schon gewonnen zu haben und ließen im Angriff die zuvor gezeigte konzentrierte Spielweise vermissen. Die Füchse holten sich die Bälle und kamen mit zwei Tempogegenstöße zum Torerfolg und auf 15:20 an die SG heran. Flensburgs Coach Maik Machulla reagierte sofort und brachte mit einer Auszeit sein Team wieder auf Linie.

Die kurze Ansprache weckte die SG und ging wieder konzentrierter zur Sache. Selbst in einer Überzahl konnte die Füchse den Rückstand auf die Norddeutschen nicht verkürzen und lagen in der 51.Minuten bereits mit 16:23 hinten. Bis zum Ende der Partie spielte die SG ihre personelle Überlegenheit aus. Die Füchse konnten den Ausfall von Fabian Wiede an diesem Abend nicht kompensieren und traten mit einer deutlichen 26:18-Niederlage den langen Heimweg in den Fuchsbau an.

Dreikampf für Europa

Die Füchse haben es nun vor dem letzten Saisonspiel gegen die HSG Wetzlar selbst in der Hand, die Teilnahme am EHF-Cup zu holen.

Der Bergische HC als direkter und punktgleicher Konkurrent um Platz 6, hat ein um 13 Treffer schlechteres Torverhältnis. Zum Saisonabschluss empfangen die Rheinländer die SG Flensburg-Handewitt, die ihrerseits mit einem Sieg die Titelverteidigung sicher machen und erneut die Meisterschale an die Ostsee holen könnten. Zumal die HC nur eines der letzten zehn Duelle gegen die SG gewinnen konnten. Dieser Sieg datiert aus dem März 2015.

Die ebenfalls im Rennen um die internationale Teilnahme kämpfende MT Melsungen erwartet zum Saisonabschluss den TBV Lemgo-Lippe. Die Nordhessen stehen mit 40 Punkten auf dem fünften Tabellenplatz und sollten diesen verteidigen können. Im direkten Vergleich stehen die Lemgoer mit 14-11 Siegen besser da. Doch haben die Verantwortlichen der MT mit der Verpflichtung von Kai Häfner ab der kommenden und Silvio Heinvetter ab der übernächsten Saison deutlich gemacht, wohin die Reise gehen soll. Hier dürfte das Motto lauten: „Je früher, desto besser“.

Beim letzten Heimspiel der Füchse kommt die HSG Wetzlar an die Spree. Die Mittelhessen werden nach einer durchwachsenen Saison wohl im unteren Mittelfeld der Tabelle enden. Dem Abstieg schon früh entronnen, konnte man sich auf die kommende Saison konzentrieren und hat wenige Abgänge zu beklagen. Zum Heimschluss besiegte das Team von Trainer Kai Wandschneider den TBV Stuttgart 26:23 und konnte so vor heimischer Kulisse einen versöhnlichen Abschluss mit dem Publikum feiern.

Nach den elf Tagen Pause, zwischen dem Spiel in Flensburg und der kommenden Begegnung gegen die HSG Wetzlar, musste Füchse Coach Velimir Petkovic viel Variation in sein Training bringen. Zum letzten Heimspiel im Fuchsbau muss weiterhin der Ausfall von Fabian Wiede kompensiert werden. Das die Aufgabe für Matthias Holm durchaus schwierig ist, zeigte die Partie gegen Flensburg. Hier dürfte wieder mehr Verantwortung auf den Schultern von Matthias Zachrisson liegen, der den Spielgestalter durchaus zuverlässig geben kann.

Gegen die HSG, die die spielfreie Zeit für einen Mannschaftsausflug nach Mallorca genutzt hat, muss ein Sieg zum erklärten Saisonziel internationaler Wettbewerb eingefahren werden. Besinnt sich die das Team um Kapitän Hans Lindberg auf ihre Stärken, dürfte ein Sieg nicht in Frage stehen.

Vor dem Spiel werden allerdings einige Spieler, die die Füchse in dieser Saison eine große Hilfe waren, verabschiedet. Bjarne Ellison, der starke Mann auf Linksaussen, wird die Füchse Richtung Lemgo verlassen. Hier wird sich zeigen, welche Pfeile Manager Bob Hanning hier im Köcher hat, um diesen Abgang zu ersetzen. Ebenfalls verabschiedet werden Eric Schmidt (SC Magdeburg), Nachwuchsspieler Christoph Reißky und Torwart Malte Semisch (GWD Minden).

Ein emotionaler Nachmittag, der mit einem Sieg gegen Wetzlar und die Teilnahme am EHF-Cup, allen beteiligten einen schönen Saisonabschluss bescheren würde.

Was sonst noch wichtig ist

Vor dem Final Four der Champions League konnte Bob Hanning die erste größere Baustelle schließen und mit Dejan Milosavljev eines der Top Torwarttalente im europäischen Handball verpflichten. Dieser feierte mit Vardar Skopje am vergangenen Wochenende überraschend den Sieg in der Champions League gegen Vezsprem und dürfte gestärkt zu seiner neuen Mannschaft stoßen.

Wie sich allerdings die Torwartsituation in der kommenden Saison bei den Füchsen darstellen wird, ist durchaus offen. Mit dem von Skopje kommenden Milosavljev, dem von der MT Melsungen verpflichteten Martin Ziemer und Silvio Heinevetter haben die Füchse wohl drei hervorragende Schlussmänner im Kader.

In wiefern sich die Teilnahme der MT Melsungen am EHF-Cup auf eine frühzeitige Verpflichtung von Silvio Heinevetter auswirkt, wird wohl erst in den kommenden Wochen klar werden. Zwar versicherten Hanning und Heinevetter nach einigen Unstimmigkeiten, die die Bekanntgabe des Wechsels nach Melsungen für 2020 begleitete, ihr Verhältnis sei wieder in Takt. Doch sind die Verpflichtung von Ziemer und Milosavljev ein deutlicher Fingerzeig, dass die Füchse Heinevetter auch früher gegen ein gewisses Entgelt ziehen lassen würden. Eine interessante Zeit nach der Saison kommt auf die Fans der Füchse Berlin zu.

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