José Mourinho – The Very Special One

Von Patricia Seiwert

Achtmaliger Meister und zweimaliger Champions-League-Sieger mit Teams aus vier unterschiedlichen Ländern. Hinzu kommen diverse Pokalsiege und zwei UEFA-Pokal/Europa League Siege. Die bisherigen Erfolge von José Mourinho als Cheftrainer können sich durchaus sehen lassen.

Mourinho sammelt Titel wie Souvenirs

 Wer sich Mourinhos Trainerlaufbahn und die dazugehörigen Titel mal eben kurz ansehen möchte, merkt schnell, dass da in 20 Jahren Trainertätigkeit doch so einiges zusammengekommen ist.

Der heutige Spitzentrainer begann seine Cheftrainer-Karriere in seinem Heimatland Portugal. Bei Benfica Lissabon trat Mourinho im Sommer 2000 sein erstes Traineramt an, das er bereits im Dezember selbigen Jahres wieder niederlegte, nachdem der neue Vereinspräsident es ablehnte, vorzeitig seinen Vertrag zu verlängern.

Kurze Zeit später heuerte das ambitionierte Trainertalent bei União Leiria an. Dem Verein verhalf er zur besten Platzierung seiner Geschichte – Platz 5 stand am Ende der Saison zu Buche.

Anfang 2002 übernahm Mourinho den Trainerposten beim FC Porto, wo er seine ersten Titel feiern sollte. In seiner Amtszeit führte er die Nordportugiesen zweimal zur Meisterschaft, gewann einmal den portugiesischen Pokal sowie den Supercup und einmal den UEFA Pokal. 2004 führte Mourinho – keine 5 Jahre Cheftrainer-Erfahrung auf dem Buckel – den FC Porto zum Champions-League-Titel. Dieser Erfolg ebnete dem damals 41-Jährigen den Weg in die europäischen Topligen.

Ein Engagement beim FC Chelsea in der Premier League folgte auf seine erfolgreiche Zeit in Porto. Und auch in England sollte Mourinho einschlagen. Sechs Titel in drei Jahren sammelte er während seiner Zeit in London, bevor er in die nächste Topliga weiterzog.

Mit zwei Meisterschaften, einem Pokal- und zwei Ligapokalsiegen sowie einen Supercup-Gewinn im Gepäck führte Mourinhos Weg zu Inter Mailand. In Italien sollte der Portugiese seinen bisher größten Erfolg verzeichnen: Er holte das große europäische Triple und damit seinen zweiten Champions-League-Sieg. Zusätzlich zum Triple in der Saison 2009/10 gewann er mit Inter noch ein weiteres Mal die italienische Meisterschaft und den Supercup.

Nach gut einem Jahrzehnt als Cheftrainer blickte Mourinho bereits auf insgesamt sechs Meisterschaften, zwei Champions League Siege und ein Triple zurück. Doch satt war der Erfolgstrainer noch lange nicht und so zog es ihn in die nächste Topliga, zum nächsten Topverein. Dieser sollte kein geringerer als Real Madrid sein. Bei den Königlichen sammelte der titelhungrige Portugiese immerhin noch einen Meistertitel, einen Pokal- und einen Supercupsieg, bevor es wieder zurück in die Premier League gehen sollte, zurück zu den Blues.

Mit dem Verein aus der britischen Hauptstadt feierte er eine weitere Meisterschaft sowie einen weiteren Ligapokalsieg, bevor er innerhalb der Liga bei einem anderen großen Verein landen sollte.

Manchester United war die nächste Trainerstation von José Mourinho, der mittlerweile in vier unterschiedlichen Ligen Teams zur Meisterschaft führen konnte. Dies gelang ihm in seiner Zeit in Manchester nicht, doch titellos endete diese dennoch nicht: einen Ligapokal, einen Supercup und einen Europa League Titel gewann der Portugiese mit den Reds. Der Sieg im europäischen Wettbewerb ist sein bisher letzter Titel gewesen.

Aktuell coacht Mourinho wieder in London – aber nicht zum dritten Mal beim FC Chelsea. Im November 2019 übernahm der portugiesische Erfolgstrainer den Posten von Mauricio Pochettino bei Tottenham Hotspur.

Rekordtrainer mit Rekordallüren

Ein Mann, der diverse Titelgewinne in England, Italien, Spanien und Portugal, sowie internationale Erfolge verzeichnen kann, darf durchaus als einer der größten Trainer im aktuellen Fußballgeschäft bezeichnet werden. Praktisch, dass der frühere Übersetzer sich für die vielen Titelglückwünsche überall in der jeweiligen Landessprache bedanken kann, spricht er doch sechs Sprachen fließend.

Es gibt Personen, die sich angesichts ihrer Erfolge eher in Bescheidenheit üben – José Mourinho gehört sicherlich nicht dazu.

Dem Mann, der sich selbst auf einer seiner vielen, mittlerweile legendären, Pressekonferenzen den Titel „The Special One“ verpasste, entgeht selten eine Gelegenheit seine zahlreichen Erfolge zu erwähnen. So beklagte Mourinho beispielsweise während seiner Zeit in Manchester den mangelnden Respekt, der ihm von der englischen Presse entgegengebracht wurde und stellte prompt klar, dass er allein mehr englische Meistertitel gewonnen habe, als die 19 anderen Trainer zusammen. Glücklicherweise hatte Arsène Wenger zum Zeitpunkt dieser Aussage kein Traineramt mehr inne.

Ganz unrecht hat Mourinho aber natürlich nicht, denn er ist wortwörtlich ein Rekordtrainer. Nicht nur wurde er als einziger Trainer Meister, Pokal- bzw. Supercupsieger in England, Spanien und Italien, er hält zurzeit auch drei Rekorde im Guinness-Buch der Rekorde: Premier-League-Trainer mit den wenigsten Gegentoren, längste Heimserie eines Premier-League-Trainers ohne Niederlage und jüngster Trainer mit 100 Champions-League-Spielen. Seinen vierten Rekord musste er an Trainerkollege Pep Guardiola abgeben. Der ist nämlich momentan der Premier-League-Trainer mit den meisten Punkten in einer Saison.

Aufgrund seiner extrovertierten, provokativen Art ist Mourinho nicht nur einer der erfolgreichsten, sondern auch einer der kontroversesten aktiven Trainer im europäischen Fußball. Der Portugiese hat gewiss einen Hang zur Dramatik. Kritiker bezeichnen ihn als „Selbstdarsteller“.

Fakt ist, dass Mourinho, egal wo er unter Vertrag steht, auffällt – meist mit grenzwertigem Verhalten gegenüber der Presse, Trainerkollegen und Schiedsrichtern.

So äußerte er beispielsweise öffentlich Bestechungsvorwürfe gegenüber FIFA-Schiri Frisk, der sich im Anschluss daran wegen zahlreicher Drohungen sogar gezwungen sah, seine Karriere zu beenden.

Ein anderes Mal sprach der Startrainer in einem Champions-League-Halbfinale, das er mit Real Madrid gegen den Erzrivalen FC Barcelona 0:2 verlor, von einer Verschwörung von Gegner, der UEFA, den Schiedsrichtern und Barça-Trikotsponsor UNICEF.

Auch gegenüber seinen Spielern verhielt sich Mourinho nicht immer tadellos. So verscherzte er es sich in seiner Zeit bei Real Madrid mit Schlüsselspielern wie Casillas und Ramos, sowie mit seinen Landsmännern Pepe und Ronaldo. Nachdem Mourinho die Kabine verlor, verlor er auch seinen Trainerjob in der spanischen Hauptstadt.

Ein weiterer Starspieler, mit dem den Portugiesen alles andere als eine innige Freundschaft verbindet, ist Paul Pogba. Nachdem der französische Nationalspieler Mourinho öffentlich für seinen Umgang mit den Spielern kritisierte, entzog dieser ihm vor versammelter Mannschaft das Vizekapitänsamt, bezeichnete ihn als „Virus“ und setzte ihn kaum noch ein.

Fans des umstrittenen Startrainers, zu denen die Autorin dieses Textes trotz seiner komplizierten Art gehört, fasziniert aber genau dieses provokante Auftreten, das er mal mit steinerner Miene, mal mit einem süffisanten Grinsen untermalt.

Sein Verhalten bleibt im Gedächtnis. Aber vor allem zieht es alle Aufmerksamkeit auf sich und lenkt diese somit auch von anderen Dingen ab. Bekommt Mourinho auf einer Pressekonferenz oder in einem Mixed-Zone-Interview einen seiner Arroganzanfälle, ist sicher, dass die Sportpresse sich auf diesen stürzt. Die Kritik am Trainer nimmt zu, während die Mannschaft, besonders aber einzelne Spieler, weitestgehend in Ruhe trainieren und sich auf die nächsten Aufgaben konzentrieren können. José Mourinho ist sicherlich kein selbstloser Engel, dennoch stellte er sich in der Vergangenheit immer wieder schützend vor seine Mannschaft – zum Teil auch durch clevere Spielchen mit der Presse.

Von seinem medienwirksamen Auftreten und seiner zuweilen arrogant anmutenden aber gewiss unverkennbaren Art kann der gemeine Fußballfreund halten, was er möchte. Auch auf seinen Spielstil, der immer aus einer massierten Defensive heraus funktioniert und nicht selten als Antifußball verschrien wird, muss nicht jeder begeisterte Lobeshymnen singen. Doch dass José Mourinho einer dieser „Typen“ ist, an den man sich auch lange nach seiner aktiven Trainerkarriere erinnern wird, wird niemand bestreiten können.

Die Autorin dieses Geburtstagstextes wünscht sich jedenfalls noch viele kuriose Mourinho-Momente, ohne die der Fußball- sowie der Boulevardwelt etwas fehlen würde.

Herzlichen Glückwunsch und nur das Beste zum 57. Geburtstag, Special One!

 

 

Weitere Geburtstagskinder am 26. Januar:

1977, Vincent Lamar ,,Vince” Carter, Basketball

  • 1998 bis heute NBA Profi bei den Toronto Raptors (deswegen Spitzname Air Canada), New Jersey Nets, Orlando Magic, Phoenix Suns, Dallas Mavericks, Memphis Grizzlies, Sacramento Kings und Atlanta Hawks (aktuelles Team)
  • NBA Rookie of the Year 1999
  • 2mal All NBA Team, 8mal NBA Allstar
  • 18 Spiele für die US- Amerikanische Basketballnationalmannschaft
  • Bis zum Start dieser Saison 1481 Regular Season Spiele und 88 Postseason Spiele in der NBA

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.