Justine Henin – Die Platzvermesserin

Mitarbeiterin des Tages, 1. Juni 2019: Justine Henin

Wie der Zufall so spielt, ist Justine Henin am Freitagnachmittag für eine kleine Würdigung auf den Court Suzanne Lenglen spaziert. Die Belgierin, bei den French Open vier Mal erfolgreich, ist nicht wesentlich gewachsen in den vergangenen Jahren. Was den jüngeren Mädchen, die dieser Tage so auf kraftvolles Tennis setzen aber zu denken geben sollte: Wie konnte eine Dame mit einer derart zierlichen Gestalt auf Asche derart dominieren?

Vier Mal hat Henin in Roland Garros gewonnen, 2007 schon wieder alleine mit ihrem Mädchennamen, der Ehe mit Herrn Hardenne war keine allzu lange Dauer beschieden. Henin, die heute ihren 37. Geburtstag feiert, hat den Platz vermessen wie vor ihr wohl nur Martina Hingis. Aber dann doch mehr Tempo auf die Kugel gebracht als die Schweizerin, vor allem mit ihrer einhändigen Rückhand. In Australien und bei den US Open hat Henin auch gewonnen, lediglich der Wimbledon-Titel blieb ihr bei zwei Finalteilnahmen verwehrt. Eine große Frage allerdings war nie so richtig zu beantworten: wie viel Spaß macht Justine Henin ihr Beruf eigentlich? Selten hat man die Belgierin positiv gestimmt auf dem Tenniscourt gesehen. 2011 jedenfalls hat sie sich nach einem kurzen Comeback ganz dem Privatleben zugewandt.


Nach der Ehrung von Henin musste übrigens ein Mann auf den Lenglen zur Arbeit antreten, der sogar noch ein Jahr mehr auf dem Buckel hat: Roger Federer. Der gewann in drei Sätzen gegen Casper Ruud aus Norwegen, 20 Jahre alt. Federer ist aktuell die Nummer drei der Welt. Und wer das Post-Match-Interview mit Cedric Pioline gesehen hat, wird den Eindruck nicht los: Federer hat allein in diesem Match ebenso viel Freude am Tennis gespürt wie Justine Henin in ihrer gesamten Karriere. Hoffentlich liegen wir da falsch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.