Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 34

Von Patricia Seiwert

Der Adler fliegt wieder

Da sind sie wieder, die Wochenenden mit gesteigertem Pizza- und Erfrischungsgetränkekonsum, mit einer Begleitmusik aus Freudenschreien, wutentbrannten Kraftausdrücken und leisem Gewinsel. Kurzum: die Bundesliga ist zurück!

Am vergangenen Freitag eröffneten die Bayern mit ihrem Gast, der alten Dame aus Berlin, die neue Saison.

Eine Woche vorher fanden bereits die Partien der 1. Runde des DFB Pokals statt.

Doch für die Frankfurter Eintracht starteten die Pflichtspiele schon deutlich früher. Als die Adler in der letzten Saison haarscharf auf Platz 7 landeten, stand fest: die Eintracht wird sich mit einer kurzen Vorbereitung zufriedengeben müssen.

Europapokal? Ist uns nicht egal!

Das erste Pflichtspiel der neuen Saison bestritten die Jungs unter Leitung von Cheftrainer Adi Hütter bereits am 25. Juli in Tallinn. In entspannter Atmosphäre bekamen die mitgereisten Fans einen 2:1 Sieg ihrer Eintracht zu Gesicht. Eine Woche später reisten dann die Esten in den Frankfurter Stadtwald. Mit überschaubarem, aber dafür sehr sympathischem, Anhang im Gepäck gelang dem FC Flora Tallinn ein durchaus ansehnliches Tor vor – zumindest für Frankfurter – gewohnt großartiger Kulisse inklusive Choreo (alle in weiß). Trotzdem sicherte sich die Eintracht erneut einen 2:1 Sieg und zog somit in die nächste Qualifikationsrunde ein. Aber vorher wurden die munteren Gäste aus Tallinn gebührend verabschiedet. Die Nordwestkurve feierte die gegnerische Mannschaft überschwänglich, was diese sichtlich genoss. Ein rundum gelungener Abend für beide Seiten neigte sich also mit tollen Bildern dem Ende zu.

Bereits eine Woche später ging die Reise für die Adlerträger weiter ins idyllische Liechtenstein. Mit dem FC Vaduz wartete der nächste Gegner auf dem Weg in die Europa League und dessen Wohnzimmer lässt sich durchaus sehen. Ein kleines Stadion inmitten von Alpenromantik – ein Traum! Traumhaft aus Sicht der Eintracht war auch das Ergebnis. Problemlos erspielten sich die Hessen ein 5:0, sodass im Rückspiel in Frankfurt ein 1:0 Sieg, erneut eingeläutet durch eine Choreo des Publikums (alle in rot), locker für den Play-off Einzug reichte. Mit Racing Straßburg wartet nun ein etwas größeres Kaliber als der FC Flora Tallinn oder der FC Vaduz auf Eintracht Frankfurt. Der Teilnehmer der französischen Ligue 1 sicherte sich den Qualifikationsplatz durch einen Pokalsieg.

Aufregendes Duell unter Freunden

Zwischen den beiden Qualifikationsspielen gegen Vaduz stand für die Eintracht außerdem noch die 1. Runde des DFB Pokals an. Die Zeichen deuteten alle darauf hin, dass dies ein besonderes Spiel werden sollte. Der Gegner war nämlich niemand geringeres als der SV Waldhof Mannheim, zu dessen Fans die Frankfurter Anhängerschaft eine enge Freundschaft pflegt. Dementsprechend gut war die Stimmung. Nachdem die Waldhöfer vor Anpfiff eine Choreo darboten, stimmten beide Fangruppen über das ganze Spiel hinweg immer wieder gemeinsame Gesänge an.

Zunächst sollten die Gastgeber aber ausgelassener feiern als die Frankfurter, denen bereits nach drei Minuten der Mund offenstand und nach elf Minuten die Kinnlade am Boden hing, denn zu diesem Zeitpunkt führte der SV Waldhof schon mit zwei Toren. Sulejmani war der Doppeltorschütze, der die Abwehr der Eintracht in der Anfangsphase des Spiels gnadenlos überrannte. Doch bis zur Halbzeit gelang es den Gästen wieder alles auf Anfang zu drehen. In der 21. Minute traf der junge Japaner Daichi Kamada, der erst kürzlich von seiner Leihstation in Belgien (VV St. Truiden) nach Frankfurt zurückkehrte. Den Ausgleich erzielte Filip Kostic dann in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit.

https://www.youtube.com/watch?v=SGdtGsx93rQ

In der zweiten Halbzeit durften dann noch einmal die Mannheimer jubeln. In der 72. Minute erzielte Marx den dritten Treffer für die Männer in Schwarzblau, bevor eine zuletzt immer wieder umstrittene Personalie einen lupenreinen Hattrick ablieferte. Die Rede ist von Ante Rebic. In der 76. Minute erzielte er den erneuten Ausgleich und legte dann jeweils in der 81. und in der 88. Minute nach. Somit sicherte der Kroate den Frankfurtern den Einzug in die 2. Runde, wo der FC St. Pauli wartet.

Abschiede, großes Geld und (nicht ganz so) neue Gesichter

Dass in letzter Zeit über ebendiesen wuchtigen Angriffsspieler unzählige Diskussionen geführt wurden, liegt nicht zuletzt daran, dass immer wieder ein Wechsel im Raum stand und immer noch steht, obwohl die neusten Entwicklungen bei einem der Hauptinteressenten, Inter Mailand, eher gegen eine Verpflichtung von Rebic sprechen.

Auch die Eintracht ist natürlich auf dem Transfermarkt tätig geworden. Nachdem sie mit Luka Jovic (Real Madrid) und Sébastien Haller (West Ham United) zwei der drei Büffel aus der vergangenen Saison ziehen lassen musste, konnten im Gegenzug mit Kevin Trapp, Sebastian Rode und Martin Hinteregger drei geliehene Leistungsträger fest verpflichtet werden. Letzterer wurde beim Heimspiel gegen den FC Flora Tallinn präsentiert und als Publikumsliebling so überschwänglich empfangen wie sonst nur junge Popstars von Teenie-Massen.

Durch die hohen Einnahmen der beiden Rekordverkäufe (zusammen 100 Mio. €) und auch mit TV Geldern aus der Bundesliga sowie den Prämien für die sehr erfolgreiche Teilnahme in der Europa League hat die Eintracht diesen Sommer einen ungewohnt großen finanziellen Spielraum. Diesen nutzte sie bisher unter anderem dafür, ihr Mittelfeld zu verstärken. Mit Dominik Kohr und Djibril Sow fanden neben Rode zwei weitere Mittelfeldspieler den Weg an den Main. Auch Linksverteidiger (und Weltmeister) Erik Durm entschied sich nach seinem Ausflug auf die Insel (Huddersfield Town) für ein Engagement bei der Frankfurter Eintracht.

Der einzige Zugang im Sturm ist – Stand jetzt – Dejan Joveljic. Der junge Serbe, dessen Nachname klingt wie die Pokémon-Vorentwicklungsstufe von Vorgänger Jovic, kommt von Roter Stern Belgrad. Anders als Luka Jovic legt dieser aber keinen Zwischenstopp bei Benfica in Portugal ein, sondern wagt direkt den Sprung in die Bundesliga. Der gerade erst 20 gewordene Jungstürmer wird sicherlich noch ein wenig Eingewöhnungszeit benötigen. Die Eintracht wäre also gut beraten, nicht all den Druck auf die Schultern des Neuankömmlings zu laden. Der Portugiese Gonçalo Paciência, der als einziger weiterer Mittelstürmer infrage kommt, wird es aber auch nicht alleine richten können, zumal das Kopfballmonster noch einige Schwächen am Boden aufweist. Auch deswegen dürfte sich die Eintracht aktuell für einen alten Bekannten aus der Bundesliga interessieren. Bas Dost soll von Sporting Lissabon in die Mainmetropole gelockt werden. Die Vereine sind sich laut eigener Aussage wohl einig, jedoch ließen neueste Medienberichte verlauten, dass es zwischen dem 1,96m großen Niederländer mit Berater und dem portugiesischen Noch-Arbeitgeber aktuell noch semifreundschaftlichen Gesprächsstoff gibt. Die Eintracht soll ihrerseits in der Angelegenheit ganz entspannt sein, dass der Transfer trotzdem, wenn auch mit einigen Tagen Verspätung, über die Bühne gehen wird. Ein erfahrener Abschlussstürmer dürfte dem Spiel der Frankfurter jedenfalls nicht schaden.

Zweik(r)ämpfe im Stadtwald

Ganz im Gegenteil, denn am Wochenende fand im Frankfurter Stadtwald das erste Bundesligaspiel der neuen Saison gegen die TSG Hoffenheim statt. Unter anderem wurde hierbei deutlich, dass ein Spieler wie Bas Dost ein dankbarer Abnehmer in dem oft flankenlastigen Spiel der Eintracht wäre. Denn Adi Hütter stellte gegen die Hoffenheimer keinen klassischen Mittelstürmer auf, sondern ließ Ante Rebic vor dem Tor agieren, gemeinsam mit Kamada, der die Rolle der hängenden Spitze übernahm. Überraschend an der Aufstellung war ebenfalls die Kombination aus Fernandes und Kohr im zentralen Mittelfeld, ist doch Lucas Torró einer der klaren Gewinner der Vorbereitung – zumindest, wenn man auf die Meinung zahlreicher Eintracht Anhänger vertraut. Jedenfalls ließ diese Mittelfeldkonstellation nicht allzu feinen Fußball vermuten. Dass sich dazu leider auch zu viele Ungenauigkeiten und vor allem Fehlpässe gesellten, wurde den Adlerträgern glücklicherweise nicht zum Verhängnis – zum einen, weil die Abwehr im Gegensatz zu anderen Aspekten im Frankfurter Spiel ziemlich gut funktionierte und zum anderen, weil die TSG aus dem Spiel heraus nach vorne relativ harmlos agierte.

https://www.youtube.com/watch?v=VaIKvmMFw9s

Ausbaufähig war auch die Chancenverwertung der Frankfurter. Zwar war Filip Kostic, unermüdlich wie eh und je, in herausragender Form, ließ regelmäßig mehrere Hoffenheimer am Stück stehen während er mit dem Ball am Fuß in Höchstgeschwindigkeit über das Feld in Richtung des gegnerischen Tors stürmte, scheiterte dann aber im Abschluss oder fand keinen Abnehmer für seine Hereingaben.

Spieler des Spiels, neben Filip Kostic, war Abwehrmann Martin Hinteregger, der bereits nach 36 Sekunden den Ball zum 1:0 hinter die Linie köpfte – der perfekte Eisbrecher für den Bundesligastart, der, wie erwähnt dank einer starken Frankfurter Abwehrreihe und einer schwächelnden Hoffenheimer Offensive, durch einen knappen Heimsieg gekrönt wurde. Aber nicht nur sein Tor und seine punktgenauen Grätschen sorgten an diesem Abend für Aufsehen, denn Martin „Hinti“ Hinteregger lag gegen Ende der zweiten Halbzeit mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden, hielt sich das Bein. Alle Frankfurter hielten den Atem an. Was, wenn genau dieser so wichtige Mentalitätsspieler nun lange ausfällt? Es sah jedenfalls nicht gut aus. Zum Erstaunen aller konnte Hinteregger dann aber weiterspielen und erklärte nach dem Spiel wie selbstverständlich, dass er ja nur einen Krampf gehabt habe, aber selbst nicht wusste, was das denn nun sei, schließlich wäre es sein allererster Krampf gewesen.

Langweilig wird es mit der Frankfurter Eintracht und ihren Repräsentanten auf und neben dem Feld also so schnell nicht, wie die Ereignisse der letzten Wochen eindrucksvoll beweisen. Und es geht Schlag auf Schlag weiter, denn die Hessen müssen sich am Donnerstag bereits im Elsass gegen Straßburg beweisen, bevor es am Sonntag nach Leipzig zum ersten Auswärtsspiel der Bundesligasaison geht. Drei Spiele in sieben Tagen – der mittlerweile fast schon normale Wahnsinn geht ohne große Pausen weiter.

Diese Woche bei … Hertha BSC, KW 34

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Von Chris Butzke

Berliner Schreckgespenst

Endlich war es soweit. Das Flutlicht strahlte über das weite Rund der Allianz-Arena hinaus, Menschenmassen strömten in den roten Fußballtempel, Menschen auf der ganzen Welt ließen sich im heimischen Wohnzimmer nieder und sehnten sich nach dem Bundesliga-Auftakt.

Für die meisten Zuschauer ist es mittlerweile Gewohnheit, den bayrischen Rekordmeister im ersten Spiel der neuen Saison zu sehen. Von den bisher 18 offiziellen Eröffnungsspielen wurden 11 Spiele mit Beteiligung des FC Bayern München ausgetragen. Von diesen Spielen wurde kein einziges verloren, sondern ganz im Gegenteil, man gewann sogar 10 Mal. Somit waren die Vorzeichen für einen erfolgreichen Auftakt für die Berliner Hertha fast aussichtslos, doch hatte man als selbsternannter künftiger„Big City Club“ (danke für diese unrealistische Einschätzung, Herr Windhorst) auch ein paar Aktien auf seiner Seite. Zum einen hat man sich in der jüngsten Vergangenheit sehr gut gegen die Bayern geschlagen. In den letzten fünf Bundesliga-Duellen ging man nur bei einer Partie als Verlierer vom Platz, das letzte Spiel in Berlin wurde sogar 2:0 gewonnen. Außerdem hat man mit Dodi Lukebakio das wohl größte Schreckgespenst geholt. Gerüchteweise werden Lukebakio-Masken als Halloweenkostüm hoch gehandelt bei den TSV 1860 München Anhängern. Zum anderen herrscht bei den roten Münchenern große Unruhe. Zwar wurde zum Zeitpunkt des Spiels Ivan Perisic verpflichtet (war jedoch noch gelb gesperrt), doch war das Hauptthema die eventuell bevorstehende Verpflichtung von Coutinho.

Klünter stellt die Bayern kalt

In der Vorberichterstattung spielte Hertha also eine kleinere Rolle als Rickon Stark in Game of Thrones. Ich bin mir fast sicher, dass der chinesische Fußballfan bis kurz vor dem Anpfiff maximal die Aufstellung von Hertha kannte. Ob er hingegen den Namen von Trainer Ante Covic kannte, der sein Bundesliga-Debüt als Trainer feierte, darf durchaus bezweifelt werden. Dafür dürften nach der Partie einige Namen etwas bekannter auf der internationalen Bühne sein.

Allen voran Lukas Klünter zeigte eine bemerkenswerte Leistung. Er nahm Kingsley Coman aus der Partie, bestach durch seine Geschwindigkeit und Entschlossenheit im Zweikampf. Klünter dürfte diese Partie ziemlich viel Selbstvertrauen geben. Nachdem die letzte Saison durch Verletzungen besonders in der Hinrunde eine persönliche Enttäuschung war, konnte er sich in der Rückrunde etwas zurückkämpfen. Die Leistung könnte ihn zum unumstrittenen Stammspieler als RV werden lassen. Wer die individuelle Klasse eines Comans stoppen kann, hat sich für künftige Aufgaben mehr als nur angeboten. Auf der anderen Seite erlebte Mittelstädt einen rabenschwarzen Tag. Hierbei muss man aber auch bedenken, dass das Berliner Eigengewächs erst kurzfristig fit wurde und in der Vorbereitung eine offensivere Rolle besetzte. Durch den Ausfall von Plattenhardt und der nicht so souveränen Leistung von Torunarigha im Pokal musste auch ein nicht ganz fitter Mittelstädt spielen. Gegen einen Gnabry reichte es so aber nicht. Die rechte Bayern-Seite bereitete der Hertha-Verteidigung große Probleme. Folgerichtig erspielte sich der FCB auch über diese Seite das 1:0 in der 24. Minute durch Lewandowski. Bis dahin wurde Hertha von Bayern regelrecht eingeschnürt, die taktische Ausrichtung mit einer Fünferkette erwies sich nicht als Erfolg. Aber Covic erkannte die Probleme besonders auf der rechten Seite und versuchte mit einer Umstellung auf ein 4-4-2 die Defensive zu stärken und gleichzeitig weniger leichte Ballverluste durch das Bayern-Pressing im eigenen Spielaufbau zu kassieren. Der Plan ging auf und man stand plötzlich deutlich sicherer.

Lukebakio trifft

In der Folge kam man besser in die Partie. Natürlich kam es dann in der 36. Minute, wie es kommen musste. Thiago und Thomas Müller schlotterten die Knie, als Lukebakio auf Höhe der Mittellinie zum Dribbling ansetzte. Sowohl Müller als auch Thiago erstarrten vor Angst, ließen den Berliner Neuzugang gewähren und so durfte er durch einen gezielten Schuss gegen Ibisevic’s Rücken mit einer Leichtigkeit Manuel Neuer überwinden. Der Ausgleich war gleichzeitig auch der erste wirkliche Abschluss auf das Bayern-Tor. Da war sie also wieder, die dardaische Effizienz, die die Mannschaft schon in den letzten Jahren auszeichnete. Kurz danach knockte Marko Grujic seinen Gegenspieler, immerhin 35-Mio-Neuzugang Pavard, im Kopfballduell aus, bekam einen mustergültigen Pass von Vedad Ibisevic (oder @DonnieOsullivan) und ließ Manuel genau eine Chance, nämlich keine Chance. Bumm, 2:1 für den Außenseiter. Ich kann die Reaktionen der chinesischen und amerikanischen Zuschauer vor den mobilen Endgeräten nur erahnen, aber zumindest die Menschen in Minnesota werden vor Freude auf der Straße getanzt haben. Immerhin hatte Hertha dort einen Teil des Sommers verbracht und einige Fans sammeln können. Mit diesem Ergebnis ging es dann in die Halbzeit.

Mit einem blauen Auge davongekommen

In der zweiten Halbzeit rissen die Münchener das Spiel wieder an sich und so kassierte man in der 60. Minute den überfälligen Ausgleich per Elfmeter. Jedoch war die Entstehung des Elfmeters schon sehr grotesk. Stahlschädel Grujic hatte anscheinend mit den Spätfolgen des Pavard-Zusammenstoßes zu kämpfen, anders kann man sich die Aktion nicht erklären. Völlig abseits des Geschehens, der Ball war weiter weg als Andre Schürrle von der Bundesliga, riss Marko Grujic den späteren Strafstoßschützen einfach um. Logischerweise kam der VAR zum Ergebnis, dass der Amateur-Wrestlingmove einen Elfer zur Folge hat. Somit haben wir schon am ersten Spieltag einen ganz heißen Kandidaten für die Kategorie „Unnötigste Aktion der Saison“. Eventuell wollte Grujic auch nur seine Bewunderung für Zinedine Zidane ausdrücken. Sein Torjubel ist an Cristiano Ronaldo angelegt, sein Verhalten abseits des Balles erinnert an Zidane vs Materazzi. Somit vereint Grujic schon einige Merkmale der ganz großen Spieler. Nach dem Ausgleich lieferte Hertha noch eine Abwehrschlacht und konnte am Ende einen Punkt aus München entführen.

Hertha also auf Augenhöhe mit Bayern?

Wie soll man nun diese Partie bewerten? Der Punkt war auf der einen Seite sehr glücklich, da Bayern zweifelsohne die überlegene Mannschaft war. Auf der anderen Seite war die Entstehung des Ausgleichs mehr als ärgerlich. Am Ende bleibt eine leidenschaftliche Leistung, jedoch kann man aus taktischer Sicht nur wenig für kommende Spiele ableiten. Man ist in der Lage, innerhalb eines Spiels verschiedene Systeme zu spielen. Covic erkennt Probleme und korrigiert von der Seitenlinie aus. Dieses Ingame-Coaching wird ein immer größerer Faktor, der Grad zwischen einem sinnvollen Switchen von Systemen und einer Überforderung der eigenen Mannschaft (Grüße an den FC Augsburg aus der letzten Saison) ist oft schmal. Covic möchte eigentlich einen offensiven Fußball spielen und selbst Druck ausüben. Gegen eine individuell aber so überlegene Mannschaft wie dem FC Bayern München wäre das aber der Weg ins eigene Verderben. Hertha hat das Ziel, die Lücke zur Top 7 zu verkleinern. Das Spiel gegen München hat gezeigt, dass man auf einem guten Weg ist, Covic auch keine Angst vor großen Namen hat und taktisch variabel ist. Nun muss man am kommenden Spieltag gegen Wolfsburg aber ganz neue Facetten zeigen. Im ersten Heimspiel der Saison wird man sich nicht hauptsächlich auf die Defensivarbeit beschränken können. Wolfsburg ist die Kategorie Mannschaft, zu der man aufschließen möchte. Deshalb wird diese Partie aussagekräftiger und richtungsweisender werden, als ein Ausnahmespiel gegen die stärkste deutsche Mannschaft.

Ein Wiedersehen mit alten Freunden

Neben dem Bundesliga-Auftakt gab es auch die Auslosung für die zweite Runde des DFB-Pokals. Die Losfee meinte es gut und so bekam man nicht nur einen Zweitligisten als Gegner (auf ein Erstliga-Duell kann man ruhig noch ein paar Runden verzichten), sondern auch ein Heimspiel sorgte für Begeisterung. Dynamo Dresden ist für seine reisfreudigen Fans bekannt (die sich hoffentlich auch als friedliche Gäste erweisen), wodurch das Stadion wohl ausverkauft sein wird. Mit Patrick Ebert kommt auch eine Berliner Legende zurück in die Heimat. Ihm wird man einen besonders warmen Empfang bereiten. Mit der SGD hat man also einen Gegner bekommen, den man sportlich eigentlich schlagen sollte und der viele Fans mitbringt. Es hätte durchaus schlimmer kommen können.

Diese Woche bei … Hertha BSC, KW 33

Von Chris Butzke

Kein Geld schießt auch keine Tore

Es war ein turbulenter Sommer in Berlin. Der Einstieg von Lars Windhorst und seiner Beteiligungsfirma „Tennor“ sorgte bundesweit für ein Aufhorchen. Für 125 Millionen Euro sicherte man sich 37,5% der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA und hat zusätzlich die Möglichkeit, im nächsten Jahr sogar auf insgesamt 49,9% aufzustocken, was nochmals 125 Millionen Euro auf das chronisch klamme Hertha-Konto spülen könnte. In Berlin wählt man also ein Modell, welches sich schon bei Borussia Dortmund bewährt hat. Die Borussen haben sogar über 94% ihrer KGaA-Anteile veräußert. Wächst in Berlin also ein neues Schwergewicht im deutschen Fußball heran? Dies muss man klar verneinen. Die neuen finanziellen Mittel können die Lücke zur Top 6 verkleinern, doch wird man nicht schlagartig Vereine mit regelmäßigen Einnahmen aus europäischen Wettbewerben oder mit einem erhöhten Sponsoring (Bayer und VW pumpen jährlich deutlich mehr in ihre Vereine, als es marktgerecht wäre) mithalten können, weder sportlich noch finanziell. Somit ist in Berlin nicht plötzlich ein „Big City Club“, auch wenn es der Wunschtraum von Lars Windhorst ist. Doch wie sagte schon Onkel Ben zu Peter Parker, aus großer Macht folgt große Verantwortung. Es liegt nun an Manager Michael Preetz, verantwortungsvoll mit den neuen finanziellen Möglichkeiten umzugehen. Bei dem überhitzen Transfermarkt ist frisches Geld schnell verbrannt, die Transfers müssen sitzen.

Der Bayernschreck holt Bayernschreck

Und somit kommen wir zum nächsten Teil des turbulenten Sommers. Aufgrund der neuen finanziellen Möglichkeiten war es für Hertha-Fans ein neues Gefühl, denn plötzlich gab es viele Gerüchte um junge, talentierte und somit auch teure Spieler. Reiss Nelson, Dodi Lukebakio und Francois Kamano sind eine Kategorie, aus der sich der Hertha Fan in den letzten Jahren maximal bei der eigenen FIFA-Karriere bedienen konnte, nachdem man am Budget-Regler gedreht hat. Letztendlich durfte sich Dodi Lukebakio, der maßgeblich an der Überraschungssaison von Fortuna Düsseldorf beteiligt war, die Krone als Königstransfer aufsetzen. 20 Millionen Euro flossen dafür nach England zum FC Watford. Außerdem schloss sich Eduard Löwen der alten Dame an und sorgt noch mehr Flexibilität in der Mittelfeldzentrale. Dort wird er sich mit Marko Grujic um Einsatzzeit streiten. Der serbische Shootingstar aus der letzten Saison wird auch dieses Jahr das Hertha-Trikot überstreifen und weiter Erfahrungen sammeln, um bald bei seinem Hauptarbeitgeber in Liverpool Spiele bestreiten zu können. Für den erweiterten Kader verstärken Dedryck Boyata (ablösefrei von Celtic Glasgow) und Sturmtalent Daishawn Redan (2,7 Millionen Euro von FC Chelsea). Während Boyata mit seinen 28 Jahren Erfahrung in die sonst junge Innenverteidgung bringt, ist Redan eine Investition in die Zukunft (mit etwas Hoffnung, dass er sich ähnlich schnell integriert wie Dilrosun letztes Jahr). Auf der Abgangsseite werden Lazaro und Lustenberger zu spüren sein. Lazaro fehlt mit seiner sportlichen Klasse, Lusti wird als Mensch eine Lücke hinterlassen, die niemand so schnell schließen kann.

Aua in Aue

Die Vorbereitung lief recht ruhig. Selbst ein grottenschlechter und lustloser Auftritt in Aue sorgte nicht für tiefe Sorgenfalten. Zu groß ist das Vertrauen in Covic und in seine Spielidee. In den anderen Testspielen waren die Auftritte zumindest bemüht, verschiedene Systeme wurden ausprobiert und einige wertvolle Erkenntnisse konnten gewonnen werden, zum Beispiel, dass die Position des Rechtsverteidigers am besten eine Mischung aus Leckie Klünter wäre. Vielleicht sollte man sich mit der Universität Tokio kurzschließen, schließlich sind dort die Experten, wenn es um das Kreuzen von Menschen, Wesen und menschlichen Wesen geht. Außerdem ist Esswein ein wirklich schneller Mann, es muss doch ein Team geben, dass Geschwindigkeit auf den Außen braucht (looking at you, Bayern Munich). Glücklicherweise blieb man auch von schweren Verletzungen verschont. So bleibt unter dem Strich eine recht erfolgreiche Vorbereitung stehen, zumindest soweit man aus Testspielen und Trainingslagerberichten eine aussagekräftige Meinung ableiten kann.

Pflichtsieg im Pflichtspiel

Der erste Härtetest war die Erstrundenpartie gegen den VfB Eichstätt. Gegen den Regionalligisten kam es zu einem letztendlich ungefährdeten 5:1-Sieg. Ein solch souveräner Auftritt in der ersten Runde ist man als Herthaner schon fast gar nicht mehr gewöhnt. Auffällig war die offensive Ausrichtung mit einer Viererkette, wobei Torunarigha und Leckie die Positionen der Außenverteidiger bekleideten. Durch Leckie als RV ging man kalkuliertes Risiko, da man defensiv so anfällig war. Sein Partner in crime auf der linken Seite war hingegen als defensive Absicherung eingeplant, spielte aber etwas forsch und musste zur Halbzeit wegen akuter Gelb-Rot-Gefahr runter. Für ihn kam mit Alex Esswein ein Spieler, der die Bühne nochmal nutzen konnte ( 1 Tor, 1 Vorlage), um sich auf den Zetteln von Robert Kovac und Co auf der Tribüne zu verewigen. Denn sind wir mal ehrlich, auch mit Perisic fehlt es dem Bayern-Kader etwas an Breite und Erfahrung.

 

Zum restlichen Spiel kann man sagen, dass sich Vladimir Darida mit einer starken Leistung als Dreh- und Angelpunkt in der Zentrale Hoffnungen auf mehr machen darf. Er gilt sowieso schon als der Gewinner der Vorbereitung und konnte den guten Eindruck bestätigen. Seinen Konkurrenten Maier, Grujic und Löwen hat er vor allem Erfahrung voraus. Insgesamt ist Hertha in diesem Mannschaftsteil hervorragend aufgestellt und kann somit die Ideen von Ante Cociv besser umsetzen, der einen höheren Fokus auf ein spielstarkes Mittelfeld legt als Vorgänger Pal Dardai.

 

Die Welt sieht die Hertha

Bereits am Freitag geht es nach München zum Bundesligaauftakt und somit bekommt Hertha internationale Aufmerksamkeits. Naturgemäß ist man gegen die Bayern Außenseiter, doch sind die Top-Clubs am Anfang der Saison auch noch auf der Suche nach der eigenen Identität. Gepaart mit der Unruhe, die man durch die eigenen Aussagen bezüglich eventueller Transfers selbst heraufbeschworen hat, könnte Hertha wieder ein unangenehmer Gegner für den Rekordmeister werden. Außerdem ist der 20-Milliionen-Mann Lukebakio besonders durch seinen Hattrick gegen die Münchner ins weltweite Rampenlicht gerückt. Man hat auf alle Fälle das Potential, um ein Stolperstein zu sein, aber genauso gut können die Bayern abgeklärt 5:1 über defensiv überforderte Berliner hinwegfegen. Ein Coman kann die Schwächen auf der rechten Seite wohl eher ausnutzen als ein Athedon Lushi vom VfB Eichstätt. Denn auch wenn Klünter defensiv deutlich stärker ist als Leckie, würde eine rechte Seite mit Klünter und Lukebakio (falls er schon fit genug für die erste Elf ist) oder Kalou anfällig sein, da sowohl Kalou als auch Lukebakio defensiv in etwa so sorgfältig arbeiten wie die Sportbild bei der Recherche über die Identitäten von Zweitliga-Spielern. Doch auch wenn man ein schweres Auftaktprogramm hat, kann Hertha über 34 Spieltage vielleicht den einstelligen Tabellenplatz erreichen. Wenn es nach Marko Grujic geht, ist sogar eventuell noch etwas mehr drin.

Zinedine Zidane – MJ überholt

Mitarbeiter des Tages, 23. Juni 2019: Zinedine Zidane

Quervergleiche zwischen Epochen verbieten sich im Sport angeblich ja ganz generell, was soll dann erst für interdisziplinäre Analysen gelten? Aber gut, wir dürfen hier alles: Zinedine Zidane und Michael Jordan verbindet noch mehr, als dass die beiden für eine Zeitlang die Besten ihrer Zunft waren – Jordan ein bisserl länger als Zizou, aber das ist jetzt unerheblich.

Denn, liebe Kinder, was ihr Euch jetzt gar nicht so richtig vorstellen könnt: Bevor Michael Jordan und Zinedine Zidane die beiden großartigsten Glatzen im Weltsport geworden sind, hatten die Buben tatsächlich Haare auf dem Kopf. Und beiden ist das im Nachhinein betrachtet nicht gerade überragend gestanden.

Kleine Beobachtung am Rande: als beim letztjährigen Endspiel der French Open zwischen Rafael Nadal und Dominic Thiem für einen kurzen Moment Zinedine Zidane gezeigt wurde, der sich eigentlich auf den unscheinbaren Rängen versteckt hatte, da brach beinahe ungehemmter Applaus aus. Offenbar haben die Franzosen Zidane dessen Abgang im WM Finale 2006 verziehen, selbst 13 Jahre später noch ein Jammer. 1998 hat Zidane die L´Équipe Tricolore zum Finalsieg gegen Brasilien geköpft, acht Jahre später waren die Franzosen auf einem guten Weg, dann hält Buffon diesen herrlichen Kopfball, dann macht Materazzi das einzige, was so ein Volldolm eben macht. Es schmerzt noch immer.

Auch wenn davon auszugehen ist, dass sich der französische Großmeister, der heute seinen 47. Geburtstag feiert, dieser Tage mit anderen Dingen beschäftigt, etwa dem Wiederaufbau von Real Madrid. Nach der aktiven Karriere übrigens hat Zinedine Zidane den Spieß umgedreht: Michael Jordans Karriere als Funktionär schmiert gegen jene des Franzosen als Coach gnadenlos ab.

Anna Veith – Die Frau, die nicht kaputt geht

Mitarbeiterin des Tages, 18.Juni 2019: Anna Veith

Von Lukas Zahrer

Ihr letzter Weltcup-Sieg liegt bereits knapp zwei Jahre zurück. Als bestes Saisonergebnis aus dem vergangenen Jahr steht ein sechster Platz zu Buche. Dennoch ist Anna Veith in Österreich seit Jahren für Medien die beliebteste Skirennläuferin.

Ihre Erfolge sprechen für sich: Back-to-Back Gesamtweltcupsiegerin in den Saisonen 2013/14 und 2014/15, in denselben Jahren holte sie sich auch die kleine Kristallkugel im Riesenslalom. Bei Großereignissen holte die Siegerin von 15 Weltcup-Rennen neun Medaillen, vier davon erstrahlen in Gold.

Dass in Pyeongchang keine fünfte hinzukam, hat einen Grund: Ester Ledecka. In TV-Interviews sprach sie bereits vom größten Sieg ihrer Karriere, ehe die tschechische Snowboarderin Veith um eine Hundertselsekunde schlug.


Am bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere, nach ihrem zweiten Gesamtweltcupsieg, schrieb Veith auch im Sommer 2015 Schlagzeilen. Weil ihr Management mit Mercedes-Benz über ein Individual-Sponsoring verhandelte, der ÖSV allerdings seit Jahren von Audi unterstützt wird, entwickelte sich ein Streit mit dem ÖSV. Präsident Peter Schröcksnadel forderte eine Trennung von ihrem Manager, Veith verlangte ein erweitertes Betreuerteam während der Saison.

Veith drohte an einem Zeitpunkt der Verhandlungen gar mit einem Rücktritt, auch ein Nationenwechsel stand im Raum. Doch nach mehreren Wochen intensiver Diskussionen, die teils auch medial geführt wurden, einigte man sich auf eine weitere Zusammenarbeit.

Seither konnte die heute 30-Jährige nicht mehr an ihre Glanzzeiten anschließen. Drei Tage vor Beginn der Saison 2015/16 zog sie sich in Sölden eine schwere Knieverletzung zu. Kreuz- und Innenband im rechten Knie waren ebenso wie die Patellasehne gerissen – Totalschaden.

14 Monate später kehrte sie in den Weltcup zurück und schaffte Ende Jänner im Super-G von Cortina gar den Sprung aufs Podest. Bei der WM in St. Moritz musste sie allerdings die Saison vorzeitig beenden, eine OP am linken Knie wurde notwendig. Der volle Fokus lag ab diesem Zeitpunkt auf den Olympischen Winterspielen 2018. Mit einem Sieg im Super-G von Val d’Isere machte sie ihre Aspirationen für die Titelkämpfe klar und wurde von der österreichischen Delegation zur Fahnenträgerin ernannt.

Aus heiterem Himmel zog sich Veith im Jänner 2019, wie der erste Monat des Jahres in Österreich heißt, einen weiteren Kreuzbandriss zu. Bei einem Trainingslauf in Pozza di Fassa erwischte Veith einen Schlag und verletzte sich schwer, ohne zu Sturz zu kommen. Nur einen Tag zuvor erlitt ÖSV-Technikerin Stephanie Brunner an selbiger Stelle die gleiche Verletzung.

Abseits der Skipisten setzt sich Veith für die Erhaltung der Geparden-Population ein. Deshalb ziert ihr Helm nicht nur das Logo ihres Kopfsponsors, sondern auch ein Gepardfell, um Aufmerksamkeit für die Bedrohung des Aussterbens von Geparden zu schaffen.

Die seit 2016 mit dem ehemaligen Snowboarder Manuel verheiratete Veith ist zudem als Unternehmerin tätig. In Schladming betreiben die beiden ein Weinbistro, das auf regionale Produkte setzt. Mit dem selbsternannten Boutique-Hotel ARX und dem integrierten Ski-Fachgeschäft Veith Sport hat die gebürtige Halleinerin zwei weitere Standbeine für die Karriere danach geschaffen.

 

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was du denkst bist du, was du bist strahlst du aus, was du ausstrahlst ziehst du an. ich denke an mein drittes comback. #imherzenzart

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Doch noch will Veith davon nichts wissen. “Ich war anfangs schon einige Zeit ziemlich hin- und hergerissen, wollte zunächst Abstand vom Skisport gewinnen“, sagte sie vor wenigen Tagen bei einem Medientermin in Wien zu ihrer dritten Knie-Operation.

Das Feuer sei allerdings wieder entbrannt. “Ich habe gemerkt, dass mir der Sport sehr wichtig ist und ich als Person durch und durch Sportlerin bin. Deshalb möchte ich noch ein Comeback starten.” Mit dem Ziel der Rückkehr an die Spitze, wie sie selbst betont. Im Idealfall beginnend mit dem Saison-Auftakt in Sölden.

Justin Leonard – Der ewige Schmerz

Mitarbeiter des Tages, 15. Juni 2019: Justin Leonard

Wer sich als Sportfan etwas über den Tellerrand des Fußballs hinaus interessiert, der wird hoffentlich mit folgendem Urteil übereinstimmen: Nie fühlt man sich mehr als Europäer als während jener drei Tage, an denen die Golfer aus Großbritannien, Italien, Deutschland, etc. gegen die Sportkameraden aus den USA antreten. Der Ryder Cup schafft jenen Zusammenhalt, den wir der EU gerne wünschten. Auch weil es bei aller Rivalität zwischen den Teams in Rot und Blau immer fair zugeht. Eigentlich.

Denn 1999 in Brookline ist der Wettkampf in einer Weise eskaliert, die dem Golffan normalerweise eher fremd ist. Und mittendrin: Justin Leonard, der heute seinen 47. Geburtstag feiert. Die US-Amerikaner mussten am Sonntag einen Vier-Punkte-Rückstand aufholen. Und ließen sich von Anfang an nicht lumpen. Kulminiert ist das Ganze dann in einem Putt von Leonard in seinem Match gegen Jose Maria Olazabal. Es schmerzt heute noch.

Diese Woche … bei den Füchsen Berlin, KW 24

Von Heiko Eisser

Beim letzten Heimspiel einer Saison herrscht immer ein wenig Wehmut:es wird auf spannende Spiele, knappe Siege zurück geblickt und ist ein wenig froh, dass etwas Ruhe einkehren kann. Ebenso werden Spieler verabschiedet, sei es in den Ruhestand oder dass sie aus sportlichen Gründen den Verein wechseln. Und natürlich sollte man sich als Heimmannschaft mit einem Sieg von den eigenen Fans verabschieden. Sollte.

Der letzte Auftritt der Saison

Tief durchatmen mussten Spieler, Funktionäre sowie die Fans im Fuchsbau am vergangenen Sonntag gegen 16:20 Uhr. Nach einer enttäuschenden Leistung gegen die HSG Wetzlar war letztendlich das Saisonziel mit der Teilnahme am EHF-Cup gesichert. Doch alles andere als zufrieden können die Jungs von Trainer Velimir Petkovic mit ihrer abschließenden Leistung sein.

Die Füchse trafen mit Wetzlar auf eine Mannschaft, die im Tabellenmittelfeld der Liga landete. Eine überaus stabile Saison für die Mittelhessen, die unter Trainer Kai Wandschneider im Rahmen ihrer Möglichkeiten blieb. Das die Saison seitens Wetzlar schon Ausklang, wurde durch die Mannschaftsfahrt nach Mallorca deutlich, die das Team zwischen dem vorletzten und letzten Spieltag durchführte. Eine Regeneration die in Handballkreisen nicht unüblich ist.

Diese eineinhalb Wochen spielfreie Zeit nutzte Füchse Coach Petkovic hingegen intensivst um sein Team auf den Gegner vorzubereiten. Mit den direkten Tabellennachbarn MT Melsungen und der Bergische HC konkurrierten die Füchse gegen zwei Teams, die eine gute Saison krönen wollten. Um sicher im EHF-Cup zu starten, benötigten die Füchse einen Sieg gegen Wetzlar.

Von Beginn an führten beide Mannschaften eine harte Partie. Kein Ball sollte verloren gehen, kein Tor sollte ohne enormen Aufwand erzielt werden. Auf Berliner Seite war wieder Kapitän Hans Lindberg gefordert, der mit seinen Siebenmetern die Füchse im Spiel hielt. Wetzlar steckte zunächst nicht auf, und konnte den Hausherren die Stirn bieten.

Mit Hilfe zweier Zweiminuten-Strafen schafften es die Füchse in der zwölften Minute das 5:3 zu erzielen und einen kleinen Puffer zu den Gästen heraus zu spielen. Doch fehlte im Abschluss mitunter bei der Mannschaft von Coach Petkovic die Konzentration diesen Vorsprung noch zu erhöhen. Mit dem Halbzeitpfiff und einem Siebenmeter durch Holst, blieb Wetzlar mit 11:14 in Reichweite.

Der zweite Spielabschnitt hielt dann sein Versprechen aus der ersten Hälfte, dass es sich um ein hart umkämpftes Match handelt. Im Laufe der Zeit agierten die Gäste jedoch konzentrierter und machen in der 43. Minute den Ausgleich zum 17:17.

In der Folge reagierten die Füchse eher als sie die spielbestimmende Mannschaft zu sein und hatte in der Abwehr viele unkonzentrierte Momente, die die Gäste zu einfachen Torerfolgen kommen lies. Ohne Abwehr Spieler Mandalinic fehlte eine zusätzliche Option vor Torhüter Silvio Heinevetter. Zumindest dieser agierte an diesem Tag durchweg auf hohem Niveau und war mit elf Paraden mehr als im Soll seiner Schaffenskraft.

Doch waren seine Mannschaftskameraden in dieser Phase der Partie nicht in der Lage noch zuzulegen und den Sieg unbedingt zu wollen. Als die Gäste während einer zwei Minuten Strafe der Füchse die 27:25 Führung erzielten, glaubten selbst berufliche Optimisten nicht mehr an einen Triumph der Füchse in den noch anstehenden 50 Sekunden. Nun kam es auf die Begegnungen der direkten Kontrahenten um die internationalen Plätze an.

Fernduell um den EHF-Cup

Als Tabellensechster vor dem letzten Spieltag hatte die MT Melsungen mit dem TBV Lemgo Lippe wohl den einfacheren Gegner. Zwar fand diese letzte Partie der Saison wieder als Gastspiel in Kassel statt, doch wollten die Spieler der MT den Sieg und die Reise nach Europa klar machen.

Die Mannschaft um Nationalspieler Tobias Reichmann startete in die Partie als klarer Favorit und konnte dieser Stellung im Laufe der ersten Hälfte gerecht werden. Nach der Verabschiedung der Müller Zwillinge kam nur kurz entsprechender Schmerz auf, der durch einen überragenden Michael Allendorf schnell gestillt wurde. Unter seiner Führung gingen die Nordhessen konzentriert ans Werk und hielt das Team von Lemgo Coach Florian Kehrmann immer auf Abstand. Am Ende stand mit dem 31:27-Sieg der nächste Meilenstein der MT Melsungen fest: die Teilnahme am EHF-Cup.

Die Teilnahme an diesem Wettbewerb wäre für den Aufsteiger Bergischer HC eine sehr große Überraschung. Das Team um Kapitän Kristian Nippes empfing in der abschließenden Partie die SG Flensburg-Handewitt. Für diesen Abschluss der Saison wurde das Heimspiel in die Kölner ISS-Dom verlegt und so fanden 10 043 Zuschauer platz. Dies war nötig, da von den Gästen rund 2500 Fans ihrem Team bei der wohl anstehenden Meisterkrönung bei stehen wollten und ins Rheinland reisten.

Schnell konnte man als neutraler Zuschauer sehen, dass es die Hausherren dem Gast nicht zu leicht machen wollten, sondern die eigene Chance auf den Start im internationalen Geschäft bewahren. Die Gäste mussten alles aufbieten, damit sie die Meisterschaft nicht am letzten Spieltag an den THW Kiel abgaben. Doch am Ende Stand ein 27:24-Erfolg der Flensburger, die damit ihre zweite Meisterschaft in Folge feierten und den Berliner Füchsen so den Start im EHF-Cup ermöglichten.

Die Erleichterung der Füchse und ihrer Anhänger konnte man an diesem späten Sonntagnachmittag im der Max-Schmeling-Halle greifen. Nach einer durchwachsenen und von zahlreichen Verletzungen begleiteten Saison, war das Minimalziel EHF-Cup Teilnahme gesichert.

Blick zurück nach vorn

Vor der Begegnung wurde seitens der Berliner Verantwortlichen vermeldet, dass der mit Jacob Holm geschlossene Vertrag vorzeitig bis 2014 verlängert wurde. Die Verantwortlichen der Füchse sehen noch einiges an Entwicklungsmöglichkeiten beim 23 Jahre alten Dänen.

Mit Nachwuchsspieler Torben Matzken wurde ein weiterer Spieler aus dem Nachwuchs mit einem Profivertrag ausgestattet. Die Kaderschmiede der Hauptstädter entwickelte in den letzten Jahren sehr viele junge Akteure, die mittlerweile in Berlin oder anderen Bundesligastandorten auf Punktejagd gehen. Nicht wurden die Nationalspieler Fabian Wiede und Paul Drux im Füchse Nachwuchs ausgebildet und zu Topniveau geformt.

Mit den bereits verkündeten Verpflichtungen für die neue Saison scheint die Arbeit von Manager Bob Hanning vorerst in der Sommerpause zu sein. Mit dem langzeitverletzten Nationalspieler Simon Ernst soll mit dem Start der Vorbereitung auf die neue Saison am 10.7. in die Mannschaft zurück kehren. Ebenfalls dürfte der an der Schulter operierte Fabian Wiede den Trainingsbetrieb mit seinem Mannschaftskameraden aufnehmen.

Bis dahin ist allerdings Sommerpause, die die Füchse nach der durchwachsenen Saison dringend benötigen.

Steffi Graf – Eine Klasse für sich

Mitarbeiterin des Tages, 14. Juni 2019: Stefanie Graf

Now, Steffi Graf, die schon seit längerer Zeit Stefanie genannt werden möchte, Stefanie Graf also ist die größte deutsche Sportlerin aller Zeiten. Und das Rennen ist nicht einmal knapp. Da muss jetzt bitte keiner mit Birgit Fischer oder sonst jemanden um die Ecke kommen. Deutschland. Graf. Nummer eins.

Was die Jubilarin (heute feiert Frau Graf ihren 50. Geburtstag) so umtreibt, das kann man am besten hier nachlesen, in den warmen Worten des großen Kollegen Jörg Allmeroth.

Die Frage allerdings, ob Stefanie Graf die größte Tennisspielerin aller Zeiten ist, muss global abwegig beschieden werden (was der ehemaligen Steffi natürlich komplett wurst sein wird). 22 Grand-Slam-Titel im Einzel, der Golden Slam 1988 mit dem olympischen Sieg in Seoul, das ist natürlich unglaublich. Und, ja: Käme Steffi Graf in der 1988er-Form (und, ganz wichtig: mit ihrem 1988er-Dunlop-Schläger) dieser Tage für zwei Wochen zurück auf die WTA-Tour – das Halbfinale in Paris oder Wimbledon wäre ihr jederzeit zuzutrauen. Mit dem aktuellen Material sogar der Sieg. Niemand bewegt sich dieser Tage so wie Graf damals, am nächsten kommt ihr noch Simona Halep.

Die größte Spielerin aller Zeiten ist indes Serena Williams, die herrliche Drama Queen. Einfach wegen der, über die Karriere betrachtet, größeren Konkurrenz. Und der vielen, manchmal auch etwas komischen Dinge, die Serena neben dem Court veranstaltet hat. Und auch, weil die allergrößte Rivalin von Steffi Graf, Monica Seles, von einem Verbrecher aus dem Wettbewerb genommen wurde. Sportlich wird sich natürlich nie sagen lassen, ob eine Serena an ihrem besten Tag besser als eine Steffi an ihrem besten Tag war.

Aber noch einmal: Das wird Frau Graf komplett egal sein. Weil sie extrem happy damit zu sein scheint, dass sie zuhause in Las Vegas ihre Ruhe hat. Herrlich. Alles Gute.

Paavo Nurmi – Im Sprachschatz enthalten

Wenig ist bekannt über den finnischen Wunderläufer, der sich noch vor dem Zweiten Weltkrieg bei Olympischen Spielen selbst ein Denkmal gesetzt hat. Ganz generell weiß man eigentlich wenig über den Finnen als solchen – ist es die Sprachbarriere? Nurmi, der heute 122 Jahre alt geworden wäre (was ihm ohne weiteres zuzutrauen war – auch wenn er 73-jährig verstorben ist)  jedenfalls konnte schnell laufen und das sehr dauerhaft. In einer Stunde fast 20 Kilometer weit.

Was Paavo Nurmi aber nicht wusste – dass er dereinst in den Sprachschatz der deutschen Zunge aufgenommen werden würde. Noch Generationen nach seinen größten Erfolgen werden Aufforderungen, die eine oder andere Sache etwas weiter entfernt abzuholen, mit einem so eindeutigen wie richtigen “Ich bin ja nicht Dein Nurmi” quittiert.

Egon Schiele – Die pure Kraft

Mitarbeiter des Tages, 12. Juni 2019: Egon Schiele

Schiele? Wirklich? Wirklich. Hatte mit Sport nach allem, was wir wissen, exakt nichts zu tun. Hat aber mit einer Kraft gemalt, die einen auch mehr als ein Jahrhundert nach seinem Tod noch staunen lässt. Und mit einer Eindeutigkeit, die 2019 einen schweren Stand hätte. Wer nach Wien fährt – und das ist in jedem Fall dringend anzuraten, egal zu welcher Jahreszeit – der muss ins Leopold Museum pilgern. Dieses ist eingebettet ins Museumsquartier direkt am Fuße der Mariahilfer Straße. Die permanente Schiele-Ausstellung ist der einzige Pflichtprogrammpunkt. Heute vor 129 Jahren wurde er geboren, nicht einmal 30 Jahre alt ist Schiele geworden, im gleichen Jahr der Spanischen Grippe erlegen wie wenige Monate zuvor seine Frau. 

Aber, liebe Kinder, die Kraft seiner Bilder, die haut einen immer noch um.