Diese Woche … bei Eintracht Frankfurt, KW 18

Von Patricia Seiwert

Vermeintliche Müdigkeit und Rechenspielchen 

Eine etwas ruhigere Woche für die Frankfurter Eintracht stand an, zumindest was den Spielrhythmus betrifft. Denn nachdem die Adler in der Vorwoche fulminant gegen Benfica Lissabon das Halbfinalticket lösten und weniger fulminant einen Punkt in Wolfsburg eintüteten, lag der Fokus nun allein auf dem Bundesligaheimspiel gegen Hertha BSC. Mit einer vergleichsweise langen Regenerations- und Vorbereitungszeit sollten bei diesem Heimspiel möglichst drei Punkte im heißen Kampf um Europa gesichert werden. Zumal mit den Gästen aus der Hauptstadt eine Mannschaft anreiste, für die die Saison eigentlich schon abgehakt ist, was sich zuletzt auch im zu wünschen übrig lassenden Elan der Berliner widerspiegelte. 

Besuch aus der Hauptstadt

Obwohl die Eintracht in den letzten Bundesligapartien selbst ihre Leichtigkeit vermissen ließ, sollte vor heimischer Kulisse vor den beiden langen Europapokalwochen und dem Ligafinale in München gegen zuletzt lethargische Berliner ein Sieg her. 

Dieser ließ aber auf sich warten, ganze 90. Minuten inklusive Nachspielzeit. Mit anderen Worten: er kam nicht. Die Teams trennten sich 0:0, in einer Partie, auf die ich gar nicht allzu genau eingehen möchte, über die es aber auch nicht sonderlich viel zu berichten gibt. Der Eintracht fehlte es, wie schon in den Bundesligaspielen zuvor, an Leichtigkeit und Kreativität. Die Chancen, die herausgespielt wurden, wurden mit aller Konsequenz vergeben – besonders häufig in Person von Jonathan de Guzman, der drei Großchancen nicht auf’s Tor zu bringen vermochte. Aber auch Ante Rebic scheiterte mit einem schwer haltbaren Aufsetzer an den fast unmenschlichen Reflexen von Hertha-Keeper Jarstein. 


Der Rückhalt der Frankfurter Eintracht, Kevin Trapp, lieferte jedoch ebenfalls einige wichtige Glanzparaden ab und hielt somit zumindest den einen Punkt fest. Denn trotz 10-minütiger Überzahl gelang es den Adlerträgern nicht mehr, das Spiel gegen die Berliner, die mutiger als erwartet auftraten, zu ihren Gunsten zu entscheiden.

War der Sandmann schon da?

Woran hat es nun wieder gelegen? Immer wieder stolperte man die letzten Wochen über Spekulationen zu etwaigen Ermüdungserscheinungen der Eintracht, die nach dem grauen 0:0 gegen die Hertha natürlich alles andere als verstummten. Auch wenn Trainer Adi Hütter davon nichts wissen will, ist es in den Medien sowie unter den Fans ein großes Thema, das die Meinungen spaltet. 

Nun ist es nach einer solch kräftezehrenden Saison sicherlich nicht abwegig, dass der ein oder andere langsam schwere Beine bekommt und auch der Kopf nicht mehr ganz so frisch ist wie noch vor ein paar Monaten. Für die mentale Müdigkeit sprechen zumindest die sich häufenden Unkonzentriertheiten im Passspiel und vor dem Tor. Gegen körperliche Müdigkeit sprechen zu Teilen die Statistiken, in denen die Frankfurter Eintracht auch im Spiel gegen Hertha BSC in den wesentlichen Belangen stärker war. Dennoch haben die Werte im Vergleich zu vor ein paar Wochen nachgelassen. Aber auch ohne Angaben zur Laufleistung lässt sich mit bloßem Auge erkennen, dass den Spielern zunehmend die Frische fehlt, was sich unter anderem durch verminderte Reaktionsschnelligkeit zeigt. Und auch unsere unermüdlichen Dauerläufer Kostic und da Costa wirken langsam aber sicher etwas schlapp. 

Ist es nun die körperliche oder die mentale Müdigkeit? Oder liegt es an der Formschwäche einiger Spieler? Vermutlich spielen alle Faktoren zu Teilen mit rein. 

Frankfurt: 24-jähriger Franzose schmerzlich vermisst

Was sich aber mit Sicherheit sagen lässt, ist dass das Fehlen von Zielspieler Sébastian Haller einen großen Einfluss auf das Spiel der Eintracht hat. Der Franzose ist quasi ein Allrounder im Angriff. Neben seiner Torgefahr bringt er zahlreiche Attribute mit, die für die Eintracht nicht so leicht zu ersetzen sind. Beispielsweise ist er durch seine Größe und Körperlichkeit der perfekte Abnehmer für lange Bälle. Diese vermag er dann auch festzumachen und intelligent weiterzuverteilen. Der 24-jährige Stürmer verfügt über ein großes Spielverständnis und hat stets ein Auge für seine Mitspieler. Nicht umsonst ist er nach Filip Kostic (10) trotz Verletzungspause mit 9 Vorlagen der zweitbeste Frankfurter Vorlagengeber. Es ist nicht zu übersehen, dass besonders Luka Jovic auch von Haller profitierte, wirkt dieser doch in den letzten Wochen teilweise leicht verloren und büßt etwas an Torgefährlichkeit ein. Es fehlen momentan vor allem die Räume, die für das Angriffsspiel der Frankfurter elementar sind und diese wusste Haller gekonnt zu schaffen. 

Zurzeit befindet sich der Franzose in Österreich bei einem Spezialisten. Das Ziel ist es, den Heilungsprozess seiner Bauchmuskelverletzung ohne Operation vollenden zu können. 

Selbst wenn der österreichische Spezialist für verzwickte Verletzungen ein Wunderheiler wäre, ist es zumindest fraglich, ob Haller der Mannschaft so schnell wieder helfen kann, da man bedenken muss, dass er mittlerweile doch schon eine längere Zeit ausfällt und dadurch einen gewissen Trainingsrückstand zu bedauern hat. 

Aber als wöge der Ausfall Hallers nicht schwer genug, muss die Eintracht, zumindest mit Blick auf den nächsten Gegner Chelsea FC, auch noch auf Ante Rebic (Gelbsperre) und womöglich auf Mijat Gacinovic (muskuläre Probleme) verzichten. Dies ist insofern ärgerlich, als dass die Blues besonders bei frühem Pressing als fehleranfällig gelten. Mit Ante Rebic fehlt also ein Spieler, der für diese Aufgabe wie gemacht gewesen wäre. Bleibt zu hoffen, dass Gacinovic rechtzeitig fit wird, denn auch er kann mit seiner Schnelligkeit einiges bewirken und den Gegner früh anlaufen. 

Um bei all den Ausfällen aber auch etwas Positives vermelden zu können: Martin Hinteregger kehrte gegen Hertha BSC in die Startelf zurück und verstärkt nun wieder den Abwehrverbund. 

„Wenn wir hier drei Punkte holen und die dort nur einen…“

Nach der mageren Punkteausbeute gegen Hertha BSC mutierte so manch ein Eintracht-Anhänger zum Hobbymathematiker. Und wer mit der Mathematik auf Kriegsfuß steht, dem blieb der Tabellenrechner. Letzterer lief sicherlich heiß, musste er doch jedes noch so unwahrscheinliche aber theoretisch noch mögliche Szenario errechnen. Als höchstes aller Ziele wäre die Champions League zu nennen. Gleichermaßen kann man aber auch noch die Europa League Qualifikation verpassen.  

Die Befürchtungen, dass die Konkurrenz nun endgültig aufschließen kann, bestätigten sich zur allgemeinen Frankfurter Freude jedoch vorerst nicht. Borussia Mönchengladbach unterlag dem VfB Stuttgart mit 1:0 und Hoffenheim ging 4:1 in Wolfsburg unter. Auf beide Mannschaften machte die Eintracht somit mit ihrem Unentschieden gegen die Hertha einen Punkt gut. Besonders erfreulich aus Frankfurter Sicht: Durch die hohe Niederlage hat Hoffenheim nun ein schlechteres Torverhältnis als die Eintracht. Lediglich Leverkusen machte mit dem Sieg gegen Augsburg zwei Punkte auf die Adler gut. Hier hat es die Mannschaft nun selbst in der Hand. Am Sonntag steht nämlich das Auswärtsspiel gegen Bayer 04 an. Zugegebenermaßen unpraktisch gelegen zwischen den beiden Europa-League Partien gegen Chelsea, aber dennoch ist die Chance da, sich den Konkurrenten im direkten Duell vom Hals zu halten. 

Die letzte Konstante

Also immer noch alles drin in dieser Saison, im positiven sowie im negativen Sinne. Angesichts der anstrengenden Wochen mit schweren Gegnern geht so manch einem Fan ordentlich die Düse. Dazu kommen noch das schmerzliche Vermissen eines Sébastien Hallers und die Müdigkeit der Mannschaft als Elefant im Raum. Dass dies den ein oder anderen etwas bedrückt, ist nicht von der Hand zu weisen. 

Doch bei all den berechtigten Diskussionen um die aktuellen Leistungen in der Bundesliga, darf nicht vergessen werden, welch großartige Saison wir bis hierhin erleben durften – und diese ist noch nicht vorbei. Ganz im Gegenteil, alles ist immer noch möglich. 

Es scheint, als würden auf den letzten Metern alle Konstanten wegbrechen: Schlüsselspieler Haller komplett, die Dauerläufer da Costa und Kostic in Teilen ihrer Leistung. Aber der Schein trügt. Nicht alle Konstanten wanken momentan, denn eine, nicht zu unterschätzende Kraft bleibt stabil, wenn sie nicht sogar noch einmal richtig Fahrt aufnimmt. Die Rede ist von der Unterstützung der Fans, die auch beim weniger begeisternden 0:0 gegen Berlin voll da waren und hinter ihrer Mannschaft standen. 

Wie wichtig diese Komponente ist, haben wir alle über die ganze bisherige Saison miterleben dürfen. Und wieso eigentlich sollten diese Supporter nicht erneut das Team dazu beflügeln können trotz schwindenden Kräften noch einmal alles zu geben, in Europa, in der Bundesliga, bis zum Schluss? 

Der Glaube an den Erfolg sollte zu diesem Zeitpunkt bei jedem noch vorhanden sein, sowohl bei den Fans als auch bei der Mannschaft. Und wie man letzte Saison im DFB-Pokal sehen konnte, kann dieser in Kombination mit harter Arbeit Berge versetzen. 

Diese Woche bei … Eintracht Frankfurt, KW 17

Von Patricia Seiwert

Eine Party kommt selten ohne Kater

Gegensätzlicher hätte eine Woche wohl kaum sein können. Die Frankfurter Eintracht traf in der letzten Woche im Europapokal auf Benfica Lissabon und in der Bundesliga auf den VfL Wolfsburg. Die Atmosphäre wie auch die sportliche Leistung unterschied sich in den beiden Spielen stark. 

Ostermontag – auf der Suche nach etwas Zählbarem

Montag, 20:30 Uhr, auswärts in Wolfsburg, nach einer Woche mit einer europäischen Pokalnacht – die Vorzeichen lassen schon nicht unbedingt übermäßige Freude aufkommen. Das Spiel war dann letztendlich über große Strecken genauso mitreißend wie die Stimmung in der Wolfsburger Volkswagen Arena in der 1. Halbzeit (Tipp: Es gab aufgrund des Montagsspiels einen Stimmungsboykott). 

Auch wenn in der Liga von himmelhoch jauchzend bis zumindest leicht betrübt noch alles drin ist und auch dieses Spiel, wie jedes weitere, das in dieser Saison noch folgen wird, immens wichtige Punkte liefern konnte, hatte man doch nicht die allerhöchsten Erwartungen. Zu Gast ist man nämlich bei Wolfsburg, gegen die man sich in der Vergangenheit schon häufig schwergetan hatte, die zudem eine solide Saison spielen und mit drei Punkten aus diesem Spiel noch realistische Hoffnungen auf einen europäischen Tabellenplatz haben dürften. Die Wolfsburger sind beileibe nicht die angenehmste Mannschaft, auf die man nach einem kräftezehrenden Europapokalspiel treffen kann. 

Das zeigte sich dann auch in der Partie, die in der ersten Hälfte überwiegend vor sich hinplätscherte, in die die Wolfsburger aber immer besser hineinfanden und sich im Laufe des Spiels auch zur dominierenden Mannschaft mauserten. Der Eintracht fehlte es an Durchschlagskraft, waren doch sichtlich die körperlichen Reserven zu vermissen. 

Wolfsburg ließ einiges liegen, sodass die Frankfurter zunächst mit einem blauen Auge und einigen Aluminiumtreffern davonkamen. Der stets konzentriert agierende Makoto Hasebe klärte in letzter Not sogar einmal auf der Linie und auch Keeper Kevin Trapp bewahrte seine Mannschaft des Öfteren vor dem Rückstand. 

Zugegebenermaßen ziemlich glücklich ging die Eintracht in der 78. Minute dann durch einen Treffer des eingewechselten de Guzman 1:0 in Führung. Inklusive Nachspielzeit hätte diese Führung noch über etwa 15 Minuten gerettet werden müssen, um auch ein durchwachsenes Spiel zu einem positiven Ende mit drei wichtigen Punkten zu bringen. Doch dies sollte nicht geschehen: Nicht unverdient, aber trotzdem bitter für die Adlerträger, glich der VfL im letzten Moment durch Brooks aus. 

So stand man da nun, etwas ratlos ob des soeben Erlebten. Einerseits kam dieser Ärger über den späten Ausgleich auf, andererseits war da das Wissen, dass dieses Spiel durchaus auch hätte schlimmer enden können. Alles in allem muss man nach einer mäßigen Leistung, die nach einer harten Woche erbracht wurde, zufrieden mit dem Punkt sein, regenerieren und nach vorne schauen. Immer noch befindet sich die Eintracht auf einem Champions League Platz. Immer noch ist es aber auch möglich, komplett aus den internationalen Plätzen herauszurutschen, zumal die im Endspurt stark aufspielende TSG Hoffenheim mittlerweile bis auf drei Punkte aufschließen konnte. Die Liga ist und bleibt für die Frankfurter Eintracht ein nicht enden wollender Krimi. 

12 gegen 11

Wie unschwer zu erkennen ist, war aber nicht das Bundesligaspiel gegen Wolfsburg das Highlight der letzten Woche. Die Euphorie, die an einem Montagabend mit Stimmungsboykott in der ersten Hälfte schwer aufzukommen vermochte, konzentrierte sich umso stärker auf den Donnerstagabend im Frankfurter Stadtwald. Zu Gast war Benfica Lissabon. Die portugiesischen Adler reisten mit einem 4:2 Heimsieg im Hinspiel an. Es hieß also für die Frankfurter alles oder nichts. Endspielstimmung kam auf – und was für eine. Fans und Mannschaft wussten um die Wichtigkeit dieses Spiels. Dies hätte sowohl auf den Rängen als auch auf dem Platz an diesem Abend deutlicher kaum zu spüren sein können. 

Ich kann nur für mich sprechen, jedoch bin ich mir ziemlich sicher, dass auch jeder andere Eintracht-Fan an diesem Abend im Stadion von einem Wechselbad der Gefühle übermannt wurde. Von Tränen in den Augen, über nervenzerreißende Anspannung und überschwängliche Freude war alles dabei. 

Begonnen mit einer erneut unfassbaren Choreo, die über das ganze Stadionrund ging und aus zwei Phasen bestand, gab jeder einzelne Stadionbesucher an diesem Abend alles, was er hatte. Anders war der Lautstärkepegel, über den man von Pokalspiel zu Pokalspiel dachte, dass er nicht noch einmal zu überbieten sei, nicht zu erklären. 

Und nicht nur die Fans liefen zu Hochformen auf, auch die Mannschaft warf alles in dieses Spiel hinein, was sie hatte. Jeder einzelne Spieler kämpfte, als gäbe es kein Morgen mehr. Manch einer wuchs sogar über sich hinaus. Simon Falette zum Beispiel, der für den verletzten Hinteregger in die Startelf rückte, machte das Spiel seines Lebens. Die meisten hatten wohl vor der Partie ein mulmiges Gefühl, wenn sie daran dachten, dass ein Spieler, der seit drei Monaten keinen Pflichtspieleinsatz mehr vorzuweisen hatte, nun gegen die Offensivpower Benficas verteidigen sollte. Doch Falette bewies jedem das Gegenteil und lieferte eine überragende Partie ab. Der Franzose mit guineischen Wurzeln war wohl die Überraschung des Abends. 

Die erste Halbzeit gehörte allein den Frankfurtern, Benfica agierte recht harmlos. Dann fiel in der 39. Minute das 1:0 für die Eintracht durch Filip Kostic. Der Serbe stand zwar im Abseits, dies blieb aber vom Linienrichter unbemerkt, weil da Costas vorzügliches „Stellungspiel“ ihm, im aus Frankfurter Sicht richtigen Moment, die Sicht auf das Geschehen nahm. 

Wessen Hoffnung bis jetzt noch nicht lebte, der war spätestens ab diesem Moment vollends dabei. Ich für meinen Teil hatte nach Vereinshymne und Choreo zu diesem Zeitpunkt bereits zum zweiten Mal das ein oder andere Tränchen im Auge. 

Mit der Führung ging es in die Pause. Aus dieser kamen die Lissabonner, denen auch nicht entgangen ist, dass der Eintracht nur noch ein Tor zum Weiterkommen fehlte, mutiger zurück aufs Feld. Jetzt bloß nicht den Gegentreffer kassieren, dachte man sich. Die Anspannung war greifbar. Für mich als voller Hoffnung geladenes Nervenbündel sollte es eine lange zweite Hälfte werden. Diese war stark umkämpft und der Eintracht fehlte, sollte Benfica torlos bleiben, ein einziges Tor zum Halbfinale. 

In der 67. Minute war es dann soweit. Das Stadion kochte über. Sebastian „Seppl“ Rode, seines Zeichens menschgewordener Kampfgeist, traf zum lang ersehnten 2:0. Niemand konnte sich jetzt noch halten. Meine Heiserkeit am nächsten Tag war spätestens in diesem Moment besiegelt. Rode, einer der Spieler des Spiels, traf nach Vorlage des ebenso stark auftretenden Ante Rebic, den Trainer Adi Hütter nach dem Spiel als besten Mann auf dem Platz bezeichnete. 

Die Freude über diesen Treffer hätte größer nicht sein können, wären da nicht noch 23 Minuten zu spielen, denen noch vier Minuten Nachspielzeit folgen sollten. In dieser knappen halben Stunde musste jeder noch einmal alles geben. Die vor Moral strotzenden Spieler mussten ihre letzten Kräfte mobilisieren und die Fans darauf achten, dass das vor Aufregung hämmernde Herz nicht aus der Brust springt. Ich war mittlerweile bei irgendwelchen semiprofessionellen Atemübungen angelangt, die ich beim Anfeuern immer mal wieder dazwischenschieben musste, um meine zittrigen Hände in den Griff zu bekommen. 

Jeder kämpfte für jeden und der Glaube an das Erreichen des Ziels war voll da, bis zum Abpfiff. Ja, da war er: der Abpfiff! Bei so vielen Steinen, die in diesem Moment von den Frankfurter Herzen fielen, konnte man froh sein, dass das Stadion, was die Statik betrifft, 1A in Schuss ist. Zumindest in dem Punkt. 

Es folgten schöne Bilder, wie Fans und Mannschaft hinter dem Tor und vor der Kurve gemeinsam das Weiterkommen feierten. 

 

Gemäß dem Motto standen an diesem Abend tatsächlich „12 gegen 11“ auf dem Platz. Ich bin mir sicher, dass nicht nur ich beim Revue passieren lassen dieses unvergesslichen Abends Gänsehaut bekomme.

Spannung bis zum Schluss

Die letzte Woche der Eintracht war wie eine lange, ausgelassene Party an deren Ende keiner mehr so richtig Kraft hat, im Endeffekt aber trotz Kater auf eine gute Zeit zurückblickt. 

Die lange Saison steckt der Eintracht langsam merklich in den Knochen. Doch die positive Grundstimmung bleibt trotz kleinen Ärgernissen bestehen. Man hat es verpasst, den 4. Platz weiter zu festigen und den Abstand auf Platz 7 zu vergrößern, dennoch steht man im anderen Wettbewerb im Halbfinale, wo mit Chelsea erneut ein hochkarätiger Gegner wartet. Zwei Spiele trennen die Eintracht noch vom Finale in Baku. Wahnsinn.

In der nationalen Liga ist noch alles offen. Einen internationalen Platz möchte nun vermutlich jeder eintüten und sollte es am Ende für die Champions League reichen, dann immer her damit. Doch dafür müssen mindestens die beiden letzten Heimspiele gegen Hertha BSC und Mainz 05 gewonnen werden. Besser wäre natürlich noch, auch zumindest aus einem der beiden schweren Auswärtsspiele bei Bayer 04 Leverkusen und dem FC Bayern, bei dem es am letzten Spieltag durchaus zu einem Showdown kommen könnte, etwas Zählbares mitzunehmen. 

Bei diesem Restprogramm wäre es wünschenswert, wenn Haller nach seiner Verletzungspause zurückkehren würde, da er immens wichtig für das Spiel der Frankfurter ist. Auch Hinteregger, der zumindest schon wieder im Training dabei war und eventuell sogar eine Option gegen Hertha sein könnte, könnte der Abwehr auf den letzten Metern noch einmal zusätzliche Stabilität verleihen. 

Egal wie man es dreht und wendet, zur Ruhe kommen ist für die Frankfurter Eintracht und ihre Anhänger vorerst nicht angesagt. 

 

Diese Woche …. bei Eintracht Frankfurt, KW 14

Von langem Zetern und späten Elfmetern

Nachdem die Frankfurter Eintracht sich am letzten Spieltag mit einem Sieg gegen den VfB Stuttgart vor Borussia Mönchengladbach auf einen Champions League Platz geschoben hat, stand diese Woche nun das nächste Duell gegen eine Mannschaft aus dem Tabellenkeller an. Die Adler gastierten bei Schalke 04, wo mit Omar Mascarell, Bastian Oczipka und Ersatztorhüter Ralf Fährmann mehr oder weniger alte Bekannte alles dranlegen wollten, um ihre schwierige Tabellensituation zu verbessern. 

Bäumchen wechsle dich

Nicht ganz sorgenfrei ging die Eintracht in diese Partie hinein. Die Hessen mussten erneut auf Mittelfeldmann Mijat Gacinovic verzichten. Zudem hatten sie noch die Ausfälle von Sebastian Rode und Sturmspitze Sébastien Haller zu beklagen, die sich im Laufe des Spiels auch bemerkbar machen sollten. 

Hütter musste demnach im Vergleich zum Spiel in Stuttgart einige Änderungen in der Startaufstellung vornehmen. Der Österreicher verzichtete darauf, Haller eins zu eins durch Paciência zu ersetzen. Dieser nahm vorerst auf der Bank Platz, während Rebic und Jovic die Sturmspitze bildeten. Neu in die Mannschaft rückten dafür Jonathan de Guzman und Jetro Willems, die an der Seite vom erfahrenen Mentalitätsspieler Gelson Fernandes im zentralen Mittelfeld agieren sollten. In der Abwehr durften sich die Frankfurter über Rückkehrer und Kapitän David Abraham freuen, der für Evan N’Dicka in die Startelf rückte. Der junge Franzose sollte zunächst also eine Pause bekommen. 

Geduldspiel mit Happy End

Schon aus dem Hinspiel sollte man wissen, dass gegen die Schalker einiges an Geduld nötig sein wird. Bevor es der Eintracht im vergangenen November im heimischen Stadion gelingen sollte das erste Tor gegen die Königsblauen zu erzielen, musste erst eine ganze zähe Stunde Spielzeit vergehen. 

Auch der Blick auf den neuen alten Trainer der Schalker lässt ein Geduldspiel erwarten, ist Huub Stevens doch bekannt dafür, seine Mannschaften defensiv gut einzustellen. 

Doch die Nerven, die sich so mancher Eintracht-Fan für diese Partie aufgespart hat, sollten stark auf die Probe gestellt werden. Aber von vorne…

Die mutigen Frankfurter überrumpelten Schalke zu Beginn der Partie nahezu. Einseitig war das Spiel ca. die ersten 20 Minuten. Die Gelsenkirchener waren überhaupt nicht im Spiel, verloren leichtfertig den Ball und kamen gegen das Anrennen der Eintracht nicht an. Bereits nach sieben Minuten hatten die Frankfurter zwei Großchancen zu verzeichnen: einmal vereitelte Nübel gegen Jovic, der nach einer flachen Hereingabe von da Costa zum Zug kam und das andere Mal verpasste da Costa knapp den Ball, den Jovic elegant per Hacke auf ihn ablegen wollte. Mit Tempo und Spielfreude überrannte die Mannschaft von Adi Hütter die nahezu hilflosen Schalker und in der 13. Minute passierte das, was sich von Minute eins an angekündigt hatte: Ante Rebic verwandelt zum 1:0. Von der Entstehung bis hin zum Abschluss war dieser Treffer perfekt. Einen langen Ball der Schalker köpft der gewohnt starke Hinteregger auf Kostic, der passgenau auf Rebic durchsteckt und der Kroate spielt den Schalker Torwart Nübel vor dem Treffer eiskalt aus. 

 

Eine besonders gute Partie spielte bis hierhin Publikumsliebling Martin Hinteregger. Schon die erste Großchance entstand nach einem seiner wichtigen Ballgewinne. Sein großes Selbstvertrauen stellt er aber nicht nur in Abwehraktionen unter Beweis. Als er sieht, dass Nübel etwas weit aus seinem Tor herausspaziert ist, feuert Hinteregger, der in seiner Jugend auch im Sturm spielte, prompt einen Ball aus 50 Metern Distanz aufs Schalker Tor und scheitert hierbei nur knapp am Torwart, der den Weg zurück schnell genug fand. 

Zu diesem Zeitpunkt war es aus Sicht der Frankfurter eine nette Partie – frühe Führung, Schalker ohne Torgefahr. Doch unverhofft kommt oft. So auch der Gegentreffer zum 1:1, der sich bis hierhin absolut nicht abgezeichnet hat. Nach einem Foul von Hinteregger macht sich Caligiuri zwischen rechter Strafraumgrenze und Außenlinie zum Freistoß bereit. Die Frankfurter Abwehr steht alles andere als kompakt, sodass mitten im Strafraum ein freier Raum entsteht in dem Embolo ungestört zum Kopfball kommt. Trapp rettet, lässt den Ball jedoch nach vorne abprallen und muss sich dann Serdar geschlagen geben, der den Abpraller in der 21. Minute ungestört ins Tor befördern kann. Jovic stand bei dieser Aktion viel zu weit vom Gegenspieler entfernt. 

Der Gegentreffer ist insofern absolut unnötig, als dass sich Schalke bis hierhin mehr als harmlos präsentierte. Zudem dürfte bekannt sein, dass die Königsblauen gerade bei Standards ihre Chance wittern. Schaut man sich die Expected Goals an, muss man mit Entsetzen feststellen, dass der Wert der zu erwartenden Tore aus dem laufenden Spiel heraus bei den Schalkern bei 0,03 liegt. Schaut man jedoch den Wert bei ruhenden Bällen an liegt dieser bei 0.75. 

Mit dem Ausgleich kehrte der Kampfgeist und auch ein wenig die Ordnung bei den Schalkern zurück, sodass es ab hier ein schweres Spiel für die Adlerträger werden sollte. Von nun an bekamen die Zuschauer genau das Kampfspiel, auf das sie sich eingestellt hatten. Soweit also noch nichts, dass einem gut vorbereiteten Eintracht-Fan an die Substanz gehen müsste, oder? Falsch. Denn die Rechnung haben die meisten ohne Schiedsrichter Sascha Stegemann gemacht, der spätestens nach einer knappen halben Stunde den Zorn der Adlerträger auf sich zog. Rebic, der mit Ball im gegnerischen Strafraum unterwegs ist, wird von Bruma mit Armeinsatz bearbeitet und kommt nach einem zusätzlichen Kontakt am Unterschenkel zu Fall. Stegemanns Pfeife bleibt stumm. Hat er bestimmt nicht gesehen, oder? Doch. Denn der Schiedsrichter wird nach Kontakt mit dem Videoschiri zum Bildschirm gebeten, schaut sich die Situation noch einmal genau an und verweigert den Frankfurtern abermals den klaren Elfer. 

Als wären die Gemüter nicht schon erhitzt genug, muss Hinteregger, der eine gute Partie ablieferte, einige Minuten später verletzt ausgewechselt werden. Der Österreicher bekam das ganze Spiel über schon die Körperlichkeit der Schalker zu spüren, zog sich im Spiel sowohl eine Kehl- und Brustkorbprellung sowie einen Mittelhandbruch zu. Ihn ersetzte in der 37. Minute Evan N’Dicka. 

Es ist und bleibt bis zum Schlusspfiff ein Spiel, das mehr von Härte als von spielerischer Qualität geprägt ist – unter Leitung eines Schiedsrichters ohne klare Linie. Durch einige Unkonzentriertheiten der Frankfurter Eintracht kam Schalke auch aus dem Spiel heraus zu einigen wenigen, aber nicht ungefährlichen Chancen. Beispielsweise entstand aus einer Schalker Unterzahlsituation in der 67. Minute eine Doppelchance, die zu verhindern war, aber erst durch Kapitän Abraham und Führungsspieler Kevin Trapp im Tor geklärt werden konnte. 

In der Nachspielzeit hatte sich der durch multiple Wutausbrüche und exzessives Kopfschütteln merklich gezeichnete Eintracht-Fan schon fast mit einem Remis abgefunden. Immerhin war es die schwächste Rückrundenleistung bisher und zumindest wäre man in diesem Jahr trotzdem weiterhin ungeschlagen. Kann man gegen solch einen unangenehmen Kontrahenten auch mal akzeptieren, oder? Falsch. Denn diese unfassbare Saison der Eintracht ist auch immer wieder von außergewöhnlichen Momenten geprägt – so auch dieser. In der Nachspielzeit sieht zunächst Serdar nach einem Foul an Filip Kostic gelb-rot. Der daraus resultierende Freistoß für Eintracht Frankfurt sollte in der 94. Minute die letzte Aktion des Spiels sein, doch plötzlich gibt es nach der Hereingabe von Willems Proteste im Schalker Strafraum. Die Frankfurter, allen voran Abraham, wollen ein Handspiel von Caligiuri gesehen haben. Stegemann macht sich erneut auf den Weg zum Bildschirm und gibt, zum Erstaunen einiger Frankfurter Fans, die längst mit dem Schiedsrichter gebrochen hatten, Elfmeter für die Eintracht! Ausführen sollte diesen nun Luka Jovic, der seine Aufgabe mehr als erfüllt. Eiskalt und unbeeindruckt vom aufgeregten Treiben um ihn herum, knallt der junge Serbe in der 99. Minute (!!!) den Ball unter die Latte. Die Eintracht knackt damit noch ganz nebenbei einen weiteren Rekord: der späteste Elfmetertreffer in der Bundesliga seit detaillierter Datenauffassung. 

Ende gut, alles gut? 

Der späte Treffer sorgt verständlicherweise für jede Menge Euphorie. Dies soll trotzdem nicht darüber hinwegtäuschen, dass diesmal auch einige Dinge nicht optimal liefen. Das Fehlen von Haller und Rode hat sich im Spiel der Eintracht deutlich bemerkbar gemacht. Dass Haller Bälle hervorragend festzumachen weiß und diese auch klug weiterverteilt fällt umso mehr auf, wenn er nicht auf dem Platz steht. Es fehlte zudem an Stabilität im Mittelfeld. Besonders Willems ist kein adäquater Ersatz für Rode. Seine Spielweise ist zu hektisch, was verbunden mit vielen Fehlpässen und fragwürdigen Spielentscheidungen ist. 

Trotzdem sollte man die Saisonleistung der Eintracht nicht zu kritisch sehen, denn ein abstiegsgefährdeter, defensiv eingestellter Gegner, der auf seine Körperlichkeit setzt, ist selten angenehm zu bespielen. Unter solchen Partien leidet häufig auch die eigene Spielqualität, aber auch diese Aufgaben müssen gemeistert werden und das hat die Eintracht am Ende mit etwas Glück auch geschafft. 

Nach dieser Partie lässt sich feststellen, dass normal in dieser Saison kaum möglich zu sein scheint und auch wenn das ein oder andere Fan-Herz starken Belastungen standhalten muss, trifft man momentan wohl kaum einen Eintracht-Fan ohne breites Grinsen im Gesicht an. 

Zurecht, denn am Donnerstag ruft erneut eine Champions League Mannschaft. Im vollen Estádio da Luz wartet mit der Euro League Partie gegen Benfica Lissabon schon wieder ein ganz anderes Spiel auf die Frankfurter Eintracht.