Dennis Rodman – Der König der Rebounds

Mitarbeiter des Tages, 13. Mai 2019: Dennis Rodman

Von Lars Mahrendorf

Affären, Ausraster & Alkohol

Wohl kein NBA-Profi der letzten 30 Jahre hat außerhalb des 94 x 50 Fuß großen Spielfelds für so viele Schlagzeilen gesorgt, wie Dennis Rodman. Seine Frisuren schillerten in mehr Farben als ein Regenbogen. Seine Biographie präsentierte er im Brautkleid. Madonna hatte eine Affäre mit ihm. Carmen Electra heiratete er in Las Vegas. Rodman wurde für den Tritt gegen einen Kameramann gesperrt. Sein erstes Comeback bei den Lakers dauerte 23 Spiele. Der zweite Versuch bei Nowitzkis Mavericks endete nach 12 Partien. Im Reality-TV erfuhren die Zuschauer von seiner Alkoholsucht. Zuletzt machte er Schlagzeilen durch Besuche in Nordkorea und eine angebliche Freundschaft mit Machthaber Kim Jong-Un. Es fällt leicht sich in den vielen Geschichten zu verlieren, die abseits des Basketballspiels über ihn geschrieben wurden. Dabei war Dennis Keith Rodman der bester Rebounder der National Basketball Association in den 90er Jahren.

Rebounds kombiniert mit knallharter Defense

Von 1991 bis 1998 sammelte sich Rodman in jeder Spielzeit die meisten Abpraller im Schnitt pro Spiel. Auch die Vereinswechsel von Detroit nach San Antonio und später zu Michael Jorden und den Bulls änderten nichts an dieser Konstante. Rodman war der König der Rebounds. Dabei sah das Spiel in der NBA in dieser Ära noch wesentlich anders aus, als heutzutage. Massive bullige Centerkanten wie Shaquille O’Neal, Patrick Ewing, Dikembe Mutombo, Hakeem Olajuwon oder echte Powerforwards wie Karl Malone und Charles Oakley regierten unter den Brettern der Liga. Dennoch war Rodman nicht nur besser im Sammeln von Rebounds, er dominierte diese Disziplin eindeutig.

In sieben Jahren sammelte Rodman pro Partie 16,7 Rebounds pro Spiel. Die Zweitplatzierten griffen sich 13,2 Abpraller. Das macht 3,5 Rebounds mehr als der nächstbeste Spieler, oder ca. 21 %. Dabei war Rodman mit offiziell 2,01m und 95 kg den oben genannten Gegnern körperlich weit unterlegen. Doch „The Worm“ hatte das Wühlen, Kratzen und Springen nach einem Fehlwurf zu seiner persönlichen Spezialität gemacht. Nebenbei spielte Dennis Rodman auch noch knallharte Verteidigung und brachte so manchen vermeintlichen Superstar zur Verzweiflung.

Dennis Rodman wird heute 58 Jahre alt.

Der Tag, Freitag, 03.05.2019: Machado, Bruins, Mainz

Frühmorgens

NBA – Die 76ers legten wieder vor und siegten gegen die Raptors mit 116:95. So führen die 76ers die Serie mit 2-1 an. Joel Embiid trug mit 33 Punkten und 9 Rebounds erheblich zum Sieg bei. Auch Jimmy Butler war an diesem Abend eine wichtige Säule im Spiel des Gastgebers.

NHL – Die Bruins siegten überraschend deutlich bei den Blue Jackets und stellten mit dem 4:1 die Serie auf Gleichstand (2-2). Auch die Serie zwischen der Avalanche und den Sharks steht bei 2-2, nachdem Colorado Spiel 4 mit 3:0 für die eigenen Farben entscheiden konnte.

MLB -Manny Machado und die Padres siegten zum Abschluss der Serie gegen die Braves und gehen in die Wochenend-Serie gegen die Dodgers mit zwei Siegen Rückstand. In der Offensive trug Machado zwei eigene Runs zum 11:2 bei. Auch defensiv wusste Machado zu glänzen.

 

Nachmittags

ATP-Tour – Aus für Philipp Kohlschreiber und Alexander Zverev in München. Zverev verlor in einem engen Match den ersten Satz gegen Cristian Garin 4:6. Anschließend konnte Zverev Satz 2 mit 7:5 für sich entscheiden und erspielte sich im dritten Satz zwei Matchbälle bei Aufschlag Garin. Garin konnte sein Aufschlagspiel jedoch retten und nahm Zverev anschließend den Aufschlag ab. So siegte Garin am Ende 7:5 und spielt im Halbfinale gegen Marco Cecchinato. Auch Philipp Kohlschreiber verabschiedete sich anschließend gegen Matteo Berrettini aus dem Turnier. 6:4, 5:7, 4:6 hieß es nach 2:41 Stunden Spielzeit. Berrettini trifft im Halbfinale auf Roberto Bautista Agut.

WTA-Tour – Die Schweizerin Jil Belen Teichmann erreichte ihr erstes Finale auf der WTA-Tour. Nach dem 6:3, 6:0 gegen Barbora Strycova trifft Teichmann im Finale auf Karolina Muchova, die Bernarda Pera mit 6:2, 7:5 aus den Turnier nahm. Auch für Muchova ist es das erste Finale auf der höchsten Turnier-Ebene.

Abends

Basketball Champions League – Aus für Brose Bamberg im Halbfinale gegen Virtus Bologna. Beim Final4 in Antwerpen reichte es nach einer schwachen Offensivleistung nur zu einem 50:67. Tyrese Rice zeigte mit 21 Punkten eine ordentliche Leistung auf der Position des Aufbauspielers. Das war jedoch zu wenig, um gegen die gut aufgelegten Italiener zu bestehen.

2. Bundesliga – Der SC Paderborn vergibt im Ostwestfalen-Derby die Chance auf eine Absicherung des zweiten Tabellenplatzes. Die sonst so starke Offensive blieb in Bielefeld torlos. Kurz vor und kurz nach der Pause brachte Fabian Klos die Arminia mit 2:0 in Führung und sorgte damit für den Endstand. Dynamo Dresden darf nach dem 2:1 gegen den FC St. Pauli auch für die kommende Saison zweitklassig planen.

1. Bundesliga – Spektakel dann noch am Abend in Mainz. Der FSV holt im Heimspiel gegen RB Leipzig einen Punkt. Nach dem 3:1 durch Timo Werner hätten wohl nur wenige noch auf ein Remis gesetzt. Doch die Mainzer kämpften sich engagiert zurück und erspielten sich gute Möglichkeiten. Ein vielversprechender Auftakt in den 32. Spieltag.

Isiah Thomas – Bad Boy mit zu schlechtem Ruf

Mitarbeiter des Tages, 30. April 2019: Isiah Thomas

Von Lars Mahrendorf

Keine Nominierung ins Dream Team

Alle waren 1992 dabei. Amerika wollte endlich wieder die Goldmedaille im Basketball gewinnen. Dafür wurden erstmals Profispieler aus der National Basketball Association zu den olympischen Spielen nach Barcelona geschickt. Allen voran die absoluten Superstars und mehrfachen Meister Michael Jordan, Magic Johnson, und Larry Bird. Dazu Sidekick Scottie Pippen, und die Jungs, die ihre Titel in den folgenden Jahren gewinnen wollten. David Robinson, Charles Barkley, Chris Mullin, Clyde Drexler, Patrick Ewing, Karl Malone und John Stockton. Ergänzt wurde diese illustre Runde mit Collegespieler Christian Laettner. Einer fehlte jedoch in der Auswahl der USA – Isiah Thomas.

Dabei hatte der Point Guard die Detroit Pistons 1989 und 1990 zu zwei Titeln in Folge geführt. Aber er wurde das Opfer seiner Rolle bei den Bad Boys der Detroit Pistons. Im Buch “When the Game Was Ours” wird Magic Johnson mit folgenden Worten zitiert: “Isiah zerstörte seine eigenen Chancen, was die olympischen Spiele betrifft. Niemand in dieser Mannschaft wollte mit ihm spielen… Michael wollte nicht mit ihm Spielen, Scottie wollte nichts mit ihm zu tun haben. Bird hat sich nicht für ihn eingesetzt. Karl Malone wollte ihn nicht. Wer hat gesagt, “Wir brauchen diesen Jungen?” Niemand.” Thomas war für Spieler und Fans außerhalb Detroits ein Feindbild.

Mit einem Knöchel fast zum ersten Titel

Sportlich hätte Isiah Lord Thomas III definitiv eine Nominierung in den Olympiakader der Vereinigten Staaten verdient gehabt. Dabei waren die beiden Titel zwar der größte Erfolg in seiner Karriere, sein Meisterstück lieferte Thomas aber vielleicht in Spiel sechs der Finalserie 1988 ab. Die Detroit Pistons führten gegen die Los Angeles Lakers mit drei zu zwei Spielen. Nur ein Sieg fehlte noch zur Meisterschaft. Zur Halbzeit lagen die Lakers im heimischen Forum mit 53:46 vorne.

Thomas führte die Pistons mit 14 Punkten fast im Alleingang wieder heran. Ausgerechnet bei einer Vorlage auf Mitspieler Joe Dumars verletzte sich Thomas dann aber schwer. Er landete auf dem Fuß von Gegner Michael Cooper und knickte mit dem rechten Knöchel um. Thomas musste vom Spielfeld geführt werden, weil er den Fuß nicht mehr belasten konnte. Doch Aufgeben war keine Option. Mit zusammengebissenen Zähnen humpelte “Zeke” wieder aufs Parkett. Trotz sichtbar lädiertem Knöchel, versuchte Isiah Thomas weiterhin alles um die Lakers zu schlagen. Elf der nächsten 14 Punkte erzielte Thomas selbst. Im dritten Viertel waren es 25 von 35 Punkten – bis heute ein Rekord für ein Finalspiel.

Doch auch die insgesamt 43 Zähler von Thomas in Spiel sechs reichten nicht aus. Die Lakers siegten (nach einem zweifelhaften Foul an Kareem Abdul-Jabbar) mit 103:102. Im entscheidenden siebten Spiel war Thomas durch seine Verletzung nicht mehr in der Lage Detroit die entscheidenden Impulse zu geben. Die Pistons mussten noch ein Jahr auf den ersten Titel warten.

Jordan, Bird, die halbe Liga – eine lange Liste von Feinden

Die Gründe für die Ausbootung von Thomas im Vorfeld von Barcelona 1992 liegen tiefer. Bereits 1985 gab es angeblich die ersten Probleme mit Michael Jordan. Eine Legende besagt, dass Thomas der Anführer einer Art Verschwörung war, die es zum Ziel hatte, dass der Rookie der Bulls während des All-Star Games so gut wie keine Pässe von seinen Mitspielern bekam. Bis heute gibt es für diese These keine Belege, und selbst Jordan zweifelt die Konspiration an.

Belegt ist jedoch ein Zitat von Isiah Thomas. “Wenn Larry Bird schwarz wäre, dann wäre er nur irgendein Kerl”, sagte Thomas über den Flügelspieler der Boston Celtics. Die Aussage fiel direkt nach dem Aus der Pistons in den Eastern Conference Finals 1987 in der Umkleidekabine. Tage später flog Thomas nach Los Angeles um zusammen mit Larry Bird klarzustellen, dass er diesen Kommentar als Scherz gemeint hatte. Der Ruf war da aber bereits angekratzt.

Selbstverständlich war Thomas in erster Linie vor allem der Anführer der Bad Boys. Die von Chuck Daly trainierte Mannschaft der Detroit Pistons verbreitete Ende der 80er und Anfang der 90er mit kompromisslosem, teils brutalem Spiel Angst und Schrecken in der NBA. Die Drecksarbeit übernahmen dabei eher Center Bill Laimbeer, Forwards Rick Mahorn oder Dennis “the Menace” Rodman, aber auch Thomas war sich für manchen “Dirty Play” nicht zu schade.

Zusätzlichen Unmut von Michael Jordan zog sich der Point Guard dann 1991 zu. Nachdem Thomas’ Pistons Jordan’s Bulls mehrfach aus den Playoffs geworfen hatten, war 1991 Zeit für die Revanche. In nur vier Partien “sweepte” Chicago den Erzrivalen aus der Endrunde. Statt dem neuen Champion im Osten zu gratulieren, verließen die Pistons rund um Isiah Thomas bereits Minuten vor dem Ende der Partie das Halleninnere. Zum Ruf der knallharten Gewinner, die auch die Gesundheit ihrer Gegner für den eigenen Erfolg riskierten, kam jetzt noch das Image der schlechten Verlierer.

Zweierlei Maßstäbe

Wie scheinheilig manche Argumente gegenüber Isiah Thomas waren, zeigt die Entscheidung ausgerechnet Chuck Daily als Trainer des Dream Teams auszusuchen. Daily war es, der als Übungsleiter die “Jordan Rules” bei den Pistons einführte, nach denen alles dafür getan werden sollte, “His Airness” am Korberfolg zu hindern.

Jordan selbst mag nie die körperliche Härte von Thomas an den Tag gelegt haben, aber wenn es um psychologische Spielchen mit Gegnern, aber sogar den eigenen Mitspielern ging, dann war Michael Jordan auch in diesem Feld die Nummer eins. Legendär die “Dankesrede” von Jordan, bei seiner Aufnahme in die Hall of Fame. Mit allem und jedem rechnete “Air Jordan” dabei ab, ob die Hintergründe stimmten oder nicht.

Karl Malone verpasste Thomas im Dezember 1991 einen Ellbogencheck, als dieser zum Korb gezogen war. Der “Mailman” wollte sich dafür rächen, dass Isiah Thomas im vorangegangenen Saisonspiel John Stockton 44 Punkte eingeschenkt hatte. Thomas sah in Stockton denjenigen, der an seiner statt ins Dream Team aufgerückt war. Malone bekam für seine brutale Aktion eine Geldstrafe von 10.000 Dollar und ein Spiel Sperre. Thomas wurde mit 40 Stichen genäht, kehrte aber sogar noch in die Partie zurück.

Während bei allen ausgewählten Spielern des Dream Teams die sportlichen Argumente im Vordergrund standen, wurden gegenüber Thomas unterschiedliche Maßstäbe angelegt.

Rücktritt 1994 vor der WM

Wenigstens für die Weltmeisterschaft 1994 wurde Isiah Thomas ins amerikanische Nationalteam berufen. Dennoch stand er nie im Trikot der USA auf dem Feld. Der Raubbau am eigenen Körper forderte seinen Tribut. Der unbedingte Wille sich gegen Schmerzen und Verletzungen zu stemmen hatte in diesem Fall die Achillessehne zu sehr verschlissen.

Nach 979 Spielen, 18.822 Punkten (19,2 Pro Spiel), 9.061 Vorlagen (9,3), 12 Nominierungen fürs All-Star Game, zwei Titeln und einem MVP als wertvollster Spieler der Finalserie 1990 erklärte Isiah Thomas im Sommer 1994 seinen Rücktritt vom Basketball. 2000 wurde er bei der ersten Gelegenheit in die Basketball Hall of Fame aufgenomnen. Eine späte Genugtuung für den nur 1,85 m Aufbauspieler aus Chicago.

Ein Grund für den immer noch sehr schlechten Ruf von Isiah Thomas ist natürlich ebenfalls seine Karriere nach der Karriere. Die Jahrzehnte seit 1994, in denen er u.a. die Fans der Knicks mit seinen Entscheidungen im Management und als Trainer zur Weißglut brachte sind aber ein anderes Kapitel, dessen Aufarbeitung bis zu einem runden Geburtstag warten kann. Isiah Thomas wird heute 58 Jahre alt.