Carlos Reutemann – Als Teamkollege untragbar

Mitarbeiter des Tages, 12. April 2019: Carlos Reutemann

Wer den Österreicher als solchen verstehen will, sollte Folgendes wissen: für uns gibt es kein Grau, es ist alles entweder blütenweiß oder kohlrabenschwarz. Vor allem im Sport. Wer im Camp von Thomas Muster war, musste Horst Skoff hassen. Hermann Maier oder Stephan Eberharter, diese Frage konnte tatsächlich nur mit „oder“ beantwortet werden.

Vereint stehen wir indes zum Großteil hinter unseren Nationalheroen (von denen es erstaunlich wenige gibt). Das Schwarz-Weiß-Denken greift aber natürlich auch hier, am deutlichsten in jenen Jahren, da Österreich noch aussichtsreiche Formel-1-Fahrer zu bestaunen hatte: Niemand wurde eher ins schlechte Licht gerückt als die jeweiligen Teamkollegen von Gerhard Berger (mit der Ausnahme von Ayrton Senna – auf den konnten wir uns fast alle einigen) und vor allem Niki Lauda (gut: John Watson im Mclaren hat auch niemandem Angst gemacht).

Carlos Reutemann war einer davon. 1977 stieß Reutemann zum Ferrari-Team, wenige Monate also, nachdem Niki Lauda bei seinem Unfall am Nürburgring fast gestorben wäre. Den Weltmeister-Titel hatte Lauda 1976 im Regen von Fuji James Hunt mit freundlichen Grüßen übergeben, nun aber nach Einschätzung der österreichischen Aficionados das zweite Championat her. Und dann erdreistete sich Carlos Reutemann tatsächlich, schon sein zweites Rennen im Ferrari zu gewinnen. Gut, über die ganze Saison betrachtet hatte Lauda die Nase vorne, 1978 war der Niki dann ohnehin schon zu Brabham abgerauscht. Reutemann blieb bei Ferrari, ging dann zu Williams, gewann zwölf Grand Prixs, aber keinen Weltmeistertitel.

Irgendwann hatte auch Carlos Reutemann genug davon, nur noch im Kreis zu fahren, er wandte sich der Politik zu. Wie zu lesen ist, wurde auch ihm, der heute seinen 76. Geburtstag feiert, ein angesehener Gouverneur in der Provinz Santa Fé, respektiert von Unterstützern und Gegnern. Auch das wäre mit dem österreichischen Denken im Übrigen nicht vereinbar.