Diese Woche… bei Hertha BSC, KW 41

Von Chris Butzke

Er ist wieder da

Da der Autor letzte Woche unpraktischerweise um 19 Uhr eine Zugfahrt quer durch das ganze Land hatte und das Spiel Hertha gegen Köln trotz einer Anfrage eines Gewissen Chris B. nicht verschoben wurde, musste man sich auf das WLAN des ICE 1657 verlassen. Nun ja, es Bedarf nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, wie das Resultat am Ende war. Es gab kurze Phasen, in denen Sequenzen in einer 32×24-Auflösung zu sehen waren. Dementsprechend schwierig erwies sich eine messerscharfe und perfekte Analyse, wie man es hier normalerweise gewohnt ist, weshalb auf einen gesonderten Artikel zu dem Spiel verzichtet wurde. Auffällig war jedoch, dass Hertha ganze vier Mal den Ball in das gegnerische Tor bugsieren konnte, während es der Effzeh nicht ein einziges Mal schaffte.

Hertha überstand die ersten 20 Minuten dank eines gut aufgelegten Geburtstagskinds zwischen den Pfosten, nur um dann durch einen erneuten Geniestreich von Dilrosun in Führung zu gehen. Eine klare rote Karte kurz vor der Halbzeit kam Berlin zusätzlich entgegen. Ibisevic traf in der zweiten Halbzeit doppelt gegen seinen Lieblingsgegner und Neuzugang und Abwehrbollwerk Dedryck Boyata durfte schließlich den 4:0 Entstand besiegeln. Der Sieg ging in Ordnung, da der Effzeh gerade in der zweiten Hälfte so harmlos war, dass man sie fast mit dem FC Augsburg hätte verwechseln können. Für Ante Covic und seine Spieler dürfte das Spiel als beste Paartherapie gedient haben. Es funktionierte längst nicht alles, aber die Mannschaft konnte ein spielfreudigeres Gesicht zeigen und die zuletzt gezeigten Leistungen etwas aus den Köpfen verdrängen.

Kein Fortüne für die Fortuna

Doch kommen wir zu der Partie, die der Autor in gestochen scharfer Bildqualität sah. Hertha empfing am Freitagabend den Angstgegner Fortuna Düsseldorf. Die Bildqualität war sogar so scharf, dass man in der 29. Minute die Stollenabdrücke von Dedryck Boyata auf dem Unterschenkel des Düsseldorfer Urgesteins Oliver Fink sehen konnte. Nach mehreren Minuten entschied Schiedsrichter Petersen nach einer eingehenden Videostudie folgerichtig auf Elfmeter für die Fortunen, den Hennings sicher verwandelte. Zuvor gab es bereits in der 25. Minute einen anderen Einsatz des VAR, der ein riskantes Einsteigen von Mittelstädt gegen Baker näher beäugte. Doch in dem Fall entschied der Unparteiische nicht auf Elfmeter. Meiner Meinung nach ist es eine vertretbare Entscheidung, jedoch wäre auch hier eine Entscheidung für Düsseldorf möglich gewesen. Für Petersen hatte der Kontakt aber nicht ausgereicht, um einen Elfmeter zur Folge zu haben.

Aus Berliner Sicht war der Rückstand mehr als ärgerlich, hatte man den Gegner bis auf diese beiden harmlosen Strafraumszenen, die jeweils zum VAR-Einsatz geführt haben, komplett in Griff. Doch die Mannschaft bewies Moral und konnte die Dominanz der ersten 30 Minuten aufrecht erhalten. Ibisevic konnte, wie sollte es anders sein, an seine Form gegen Köln anknüpfen und sorgte nach einer mustergültigen Flanke von Wolf bereits kurz nach der Düsseldorfer Führung wieder für den Ausgleich. Doch noch vor der Pause konnte das Wunderkind erneut sehenswert für die Hertha Führung sorgen. Die Mannschaft bewies Mentalität und schickte die Fortunen mit gesenkten Häuptern in die Pause.

In der zweiten Hälfte ließ das Team aus der Hauptstadt nichts mehr anbrennen und gestaltete weiterhin die Partie fast nach Belieben. Der eingewechselte Lukebakio, letztes Jahr noch im Dienste der Rheinstädter, setzte sich nochmal entschlossen auf der linken Seite durch und steckte mustergültig auf den starken Darida durch, der seine Leistungen der letzten beiden Spiele mit einem Tor vergoldete. So gab es einen hochverdienten Heimsieg. Es war der erste Erfolg gegen Düsseldorf nach 40 Jahren Pleiten, Pech und Pannen. Dadurch konnte die Covic-Elf den Fehlstart vergessen machen und ist nach einer 3-Spiele-Siegesserie im gesicherten Mittelfeld der Liga.

Aufwärts immer, downwärts nimmer!

Während der erste Sieg gegen Paderborn ein unsicherer und fast schon ängstlicher Auftritt war, wurde das Team in Köln nach einer schwachen Anfangsphase zunehmend sicherer und konnte gegen Düsseldorf den bisher überzeugendsten Auftritt der Saison feiern. Die Stimmung in Berlin ist gelöst und auch die Stimmen gegen Covic verstummen schlagartig. Was drei Spiele so alles ausmachen können. Die Mannschaft scheint dem Trainer mehr zu vertrauen und spielt dementsprechend selbstbewusster, Spieler wie Dilrosun und Ibisevic haben sich in einen Flow gespielt und gehören definitiv zu den Gewinnern der bisherigen Saison. Doch wo es Gewinner gibt, sind auch die Verlierer meist nicht weit. Bei Hertha haben Oldie Salomon Kalou und Ondrej Duda gerade eine unglückliche Phase, auch Selke konnte seine Chance nicht nutzen, weil er seine Chancen auf dem Feld nicht nutzte.

Milliardenmarke Hertha BSC

Sportlich hat man sich also aus der Krise gespielt, doch sorgen bestimmte Personen weiterhin für Unruhe und schlechte Laune bei den Fans. Investor Windhorst verspricht neue Investitionen noch in diesem Jahr und möchte aus Hertha BSC eine milliardenschwere Marke formen. Diese Aussagen sorgen nicht nur bei Fans der anderen Teams für Unmut. Zwar haben Mannschaften wie der BVB bereits über 94% der Lizenzspielerabteilung verkauft und sorgen mit dem dadurch erworbenen Kapital seit Jahren auch sportlich für Furore, doch hat in Dortmund kein Investor dem Kapitalgeber ein Gesicht und damit ein Feindbild gegeben. Windhorst verbessert mit seinen Aussagen auch nicht gerade das eigene Image, sondern sorgt viel mehr dafür, dass Hertha BSC neben der bisher glücklosen Stadionsuche nun auch für einen großkotzigen Investor steht. Für die Fans ist es auch nicht gerade beruhigend, dass Windhorst offen kommuniziert, dass er zwar Hertha viel Kapital zur Verfügung stellen möchte, jedoch nur aus Eigeninteresse, in der Hoffnung, dass durch den sportlichen Erfolg und steigenden TV- und Sponsorenverträge der Wert des Vereins steigt und somit auch der Wert der von ihm erworbenen Anteile. Hertha hat bereits Erfahrung mit Investoren. Ein Engagement der Investorengruppe KKR verlief ruhig und ohne mediales Aufsehen. Die Gruppe investierte in Anteile und ließ den Verein ohne öffentliche Forderungen das Kapital verwalten. Windhorst hingegen fiel innerhalb weniger Wochen bereits mehrmals durch markige und realitätsfremde Sprüche auf.

Die Causa Windhorst trübt zwar die allgemeine Stimmung, doch geht man als Hertha-Fan mit einem Lächeln in die Länderspielpause. Es ist auch bemerkenswert, wie schnell die Stimmung schwanken kann. Noch vor wenigen Wochen kroch Hertha wie ein angeknockter Boxer in die Pause und alle waren froh, dass man sich nochmal neu sortieren konnte. Jetzt ist man fast schon der Meinung, die Pause stört den aktuellen Rhythmus und kommt zur Unzeit. Für Niklas Stark kommen die Länderspiele genau im richtigen Moment. Gegen Düsseldorf zeigte er seine bisher beste Saisonleistung und darf sein Debüt in der Nationalmannschaft gegen Argentinien feiern.

Diese Woche… bei Hertha BSC, KW 39

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von Chris Butzke

Drei Punkte sind drei Punkte

Die Fußballwelt besteht aus vielen Phrasen. Zurzeit dürften vor allem „Drei Punkte sind drei Punkte“ und „In vier Wochen fragt keiner mehr danach, wie die Punkte geholt wurden.“ ein größeres Comeback feiern als die Spice Girls im Frühling dieses Jahres.

Hertha siegte zwar mit 2:1 gegen den Aufsteiger aus Paderborn, doch die gezeigte Leistung bot wenig Erbauliches. In der ersten Halbzeit waren herausgespielte Berliner Chancen seltener als ein Shiny Pikachu bei Pokemon Go. Folgerichtig war die Führung durch Shooting Star Javairo Dilrosun eine herausragende Einzelaktion, bei dem er in seiner unwiderstehlichen Art und Weise gleich vier Paderborner Spieler stehen ließ und erfolgreich abschloss. Doch über die gesamte erste Halbzeit war für den neutralen Zuschauer nicht ersichtlich, wer jetzt hier der neue Big City Club ist, der Anteile für eine neunstellige Summe verkauft hat, und wer der Aufsteiger mit einem Transferbudget von knapp 100.000€ ist. Fast schon ängstlich überließ man den Paderbornern das Spiel, denen man die 1:5-Pleite gegen Schalke aus der vergangenen Woche kaum anmerkte. Glücklicherweise ließen die Schwarz-blauen die letzte Konsequenz vermissen und konnten ihre Chancen nicht nutzen.

In der zweiten Halbzeit konnte Hertha durch Marius Wolf schnell das 2:0 erzielen. Auch hier war wieder Dilrosun mit einer mustergültigen Vorlage großer Anteilseigner. Fast im Gegenzug wurde Paderborn für die Bemühungen belohnt und verkürzte auf 2:1. In der Folge spielten die Gäste mit mehr Risiko, was zu einigen Kontern für Berlin führte. Diese wurden aber kläglich vergeben. Es bleibt also festzuhalten, dass Hertha als Heimmannschaft in fast allen Kategorien unterlegen war, aber zum Glück fragt ja in ein paar Wochen niemand mehr danach und die drei Punkte kann einem niemand mehr nehmen.

Lukebankio

Doch schieben wir die Phrasen zurück in die Doppelpass- und Sky-Talk-Schublade und widmen uns mal etwas detaillierter mit der Mannschaft, die den glorreichen ersten Saisonsieg errungen hat. Nachdem man gegen Mainz noch mit einer Dreier/Fünferkette agierte und Skjelbred als zusätzliche Absicherung hatte, vertraute Covic gegen Paderborn auf ein 4-1-4-1 und ließ dabei Lukebakio auf der Bank. Doch ähnlich wie schon in den vergangenen Wochen hatte Hertha überhaupt kein Interesse an Ballbesitz und ließ den Gegner kommen. Während man in Mainz wenigstens vereinzelt erfolgreich durch frühes Anlaufen der Spielaufbau stören könnte, war davon an diesem Spieltag nur wenig zu sehen. Paderborn konnte so recht behutsam das Spiel aufbauen und fand trotz der defensiven Herthaner Grundordnung immer wieder Räume auf den Außenbahnen. Sowohl Plattenhardt als auch Klünter hatten große Probleme auf ihrer Seite. Einzig Dedryck Boyata zeigte in der Viererkette eine überragende Leistung und konnte mehrmals in letzter Sekunde entscheidend die Paderborner beim Abschluss stören.

Wenn man den Gegner schon kommen lässt, dann muss man wenigstens durch schnelles Umschaltspiel für Gefahr sorgen, doch auch hier war es eine Katastrophe. Herthas Zentrale verschleppte fast immer das Tempo, Pässe auf die einzige Spitze Selke kamen mit der Präzision einer Schneekanone, die auf einen Nadelkopf zielt. Grujic und Duda konnten keine Impulse nach vorne setzen, Wolf wirkte wie ein Fremdkörper im Team. Die allgemeine Unsicherheit war mit jedem Pass zu spüren. Alles in allem war die erste Halbzeit eine einzige Enttäuschung. Die zweite Halbzeit begann mit dem ersten Stirnrunzler. Covic brachte mit Darida für Duda eine noch defensivere Aufstellung. Alles schrie nach Angst, Angst vor der nächsten Niederlage. Darida zeigte während der Partie eindrucksvoll, dass er offensiv das Team zurzeit bremst. Einige Male verpasste er den richtigen Abspielzeitpunkt auf Selke, womit dieser werner-est im Abseits stand, statt völlig frei auf das Tor zu stürmen. Auch die weiteren Wechsel werfen viele Fragezeichen auf. Für den rechten Flügelspieler Wolf kam der gelernte Linksverteidiger Mittelstädt, der auch Wolfs Position übernahm war und dort noch mehr lost war als das Staffelfinale von „Lost“. Dabei hatte einige sinnvollere Alternativen, beispielweise hat Lukebakio des Öfteren schon auf der Position gespielt, doch er blieb weiter auf der Bank. Am Ende kam Ibisevic für Selke, der aber für Konterfußball nicht geeignet ist und auch schnell wieder durch negative Emotionen auffiel. Auch hier gab es offensichtliche Alternativen. Mal kurz überlegen… wer könnte mit seiner Schnelligkeit vielleicht eine sinnvolle Einwechslung sein… Ahhhhh Lukebakio. Aber für Dodi war es ein entspannter Nachmittag auf der Bank. Insgesamt war es ein Auftritt, der zwar mit drei Punkten belohnt wurde, aber für viel Kopfzerbrechen sorgt.

https://www.youtube.com/watch?v=oB6IH1lvqug

Hertha wird geabstiegzoned

Es bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft diese fast schon panische Angst vor dem Gegner und eventueller Fehler ablegen kann. Der Fehlstart scheint die Mannschaft zu hemmen und sorgt für passive Auftritte gegen Gegner, vor denen man sich nicht verstecken muss. Hertha wirkt wie der schüchterne kleine Junge, der sein erstes Date hat, nachdem er mehrere Körbe bekommen hat. Deswegen möchte er das Date auf keinen Fall versauen, weshalb er alles überdenkt und es dadurch versaut, weil das Date keine Spannung hat. So landet der Junge am Ende in der Friendzone und Hertha in der Abstiegszone.

Man besitzt einen der breitesten Kader der letzten Jahre, hat viel Potential in der Offensive und auch das Versprechen von Covic, mit attraktivem Ballbesitzfußball den Gegner vor Probleme stellen zu wollen. Die aktuelle Mannschaft zeigt aber bisher in keiner Weise auch nur Ansätze dieser Idee. Sollte der Sieg für neues Selbstvertrauen und somit neuen Schwung sorgen, können endlich die eigentlichen Stärken genutzt werden. Bisher hat Hertha in den Phasen, wo sie den Ball wollten und spielerisch Chancen kreierten, den Gegner auch dominiert. Jedoch hat man es dort auch verpasst, sich mit Toren und Punkten zu belohnen. Vielleicht war es notwendig, sich einen Sieg mit einer defensiven Taktik und Glück zu erspielen, um den Druck des Gewinnenmüssens endlich ablegen zu können. Alles in allem hat der Sieg zwar punktetechnisch für etwas Beruhigung gesorgt, doch wirft die gezeigte Leistung viele Fragen auf.

Diese Woche… bei Hertha BSC, KW 38

Wake me up when September ends

von Chris Butzke

Es herrscht schon Anfang September eisige Stimmung. Nach schmerzhaften Niederlagen in Gelsenkirchen und Mainz steht die Berliner Hertha mit nur einem Punkt nach vier Spieltagen auf dem letzten Tabellenplatz, punktgleich mit Aufsteiger Paderborn. Die Saison sollte als Übergangssaison genutzt werden, um die Lücke auf das obere Tabellendrittel zu verkleinern und in den kommenden Jahren endgültig zu schließen. Doch durch den verpatzten Start heißt es erstmal, endlich den ersten Sieg einzufahren, um nicht schon das Projekt Covic in Frage zu stellen, bevor es überhaupt begonnen hat.

https://www.youtube.com/watch?v=osdHeVSS7KU

 

Der Passivmodus bleibt eingeschaltet

Die Leistung der Mannschaft gegen Gelsenkirchen war unterirdisch. Als Höhepunkt der Hektik und Unsicherheit im Team kann man die beiden Eigentore zählen, die den Gegner erst auf die Siegerstraße brachten. Ohne diese Hilfe wäre Schalke wohl nicht zu einem Treffer gekommen. Besonders das Eigentor von Rekik wirkte sehr unglücklich. Statt den Ball von Burgstaller einfach mit voller Kraft wegzuschlagen, versuchte der Innenverteidiger recht unbeholfen mit der Fußspitze den Ball ins Seitenaus zu lenken. Zu allem Überfluss wäre der Schuss in typischer Burgstaller-Manier recht weit neben das Tor gegangen. Starks Eigentor kann man noch als Reflex abheften in einer Situation, wo er schnell reagieren muss. Alles in allem lief es sehr unglücklich.

Doch neben der Unsicherheit im Abwehrverbund ist eine Tatsache nicht von der Hand zu weisen: Es fehlt an Führungsspielern. Und damit sind keine Spieler gemeint, die vorangehen. In keinem einzigen Spiel konnte man bisher in Führung gehen. Lukebakio hatte in Gelsenkirchen die Chance, als er allein vor Nübel auftauchte und sein versuchter Tunnel vom Keeper gerade noch abgewendet werden konnte. Gegen Mainz hatte Davie Selke sogar zweimal die Möglichkeit, das Team in Führung zu bringen. Sein erster Versuch aus vollem Lauf landete am Pfosten, bei seinem zweiten Abschluss traf er den Ball nicht richtig. In den letzten beiden Spielen wurde man durch die eigene mangelhafte Chancenverwertung bestraft und lag folgerichtig im Rückstand.

 

Doch man macht es sich zu einfach, wenn man die bisherige Misere nur auf die fehlenden Tore schiebt. Hertha wirkte merkwürdig passiv. Es macht Sinn, einer unkreativen Mannschaft wie Schalke 04 den Ball zu überlassen, da diese spielerisch limitiert sind. Doch braucht es anschließend im Umschaltspiel mehr, als einfach nur lange Bälle auf Lukebakio, in der Hoffnung, dass dieser durch seine Schnelligkeit etwas daraus kreieren kann. Denn wenn eben dieser Lukebakio einen schwachen Tag erwischt, sieht man das, was gegen Gelsenkirchen passiert. Nichts. Man traf auf einen Gegner, der selbst mit sich zu kämpfen hatte und schaffte es nicht, diesen vor Probleme zu stellen. Denn bis auf die bereits angesprochene Chance auf die Führung sorgte man für kaum gefährliche Aktionen. Es ist auch sehr fraglich, warum man es nicht über die eigenen spielstarken Achter versuchte, das Spiel aufzubauen. Gerade Grujic scheint eigentlich gut mit Duda und Lukebakio zu harmonieren.

 

Niemand aus Berlin mag Karneval

In Mainz stellte Covic die Mannschaft auf ein 3-5-2 um. Die Doppelspitze aus Lukebakio und Selke sollte für mehr Gefahr sorgen, defensiv wurde neben einem zusätzlichen Innenverteidiger mit Skjelbred ein sehr defensiv orientierter Mittelfeldspieler aufgestellt. Im Duell zwischen dem Letzten und dem Vorletzten hatte man aber nicht das Gefühl, dass Hertha unbedingt auf Sieg gespielt hat. Die beiden Führungschancen durch Selke waren das Resultat guter Einzelaktionen vom neuen Mann im Sturm, doch konnte man wieder spielerisch für wenig Gefahr sorgen. Auffällig war, dass Skjelbred einige Umschaltsituationen einleitete, weil er gedanklich am schnellsten von Defensive auf Offensive schalten konnte. Weder Duda noch Grujic machten in diesen Angriffen die nötigen Laufwege, um eine Überzahl in der gegnerischen Hälfte zu schaffen, wodurch die Mainzer Konterabsicherung kaum vor Probleme gestellt wurde. Ähnlich wie gegen Gelsenkirchen wirkte die Mannschaft seltsam passiv und so wurden eigentlich harmloser Mainzer zu Torchancen eingeladen. Die letztendliche Führung entstand durch ein verlorenes Kopfballduell von Torunarigha etwa 35m vor dem eigenen Tor nach einem weiten Abschlag des Mainzer Keepers. Mainz köpfte den Ball auf die Außen, Plattenhardt kam nicht wirklich in den Zweikampf, die Hereingabe konnte nicht verhindert werden und am langen Pfosten durfte Quaison komplett ungedeckt einschieben. Insgesamt gab die gesamte Abwehr kein gutes Bild ab. Angefangen von Grujic, der viel zu langsam in der Rückwärtsbewegung ist und dadurch Torunarigha fast schon zum Verlassen der Dreierlette zwingt und dadurch für Chaos in der Verteidigung sorgt und dann auch das entscheidende Kopfballduell verliert, über Plattenhardt und Boyata, die die Hereingabe zulassen bis hinzu zu Wolf (Neuzugang vom BVB) und Stark, die Quaison aus den Augen verlieren. Unter dem Strich bleibt ein viel zu leichtes Gegentor und zum vierten Mal läuft man diese Saison einem Rückstand hinterher.

 

Nach der Pause muss der Mannschaft zu gute halten, dass sie starke 10-15 Min hatte und auf den Ausgleich drängte. Jedoch flachte danach die Partie wieder ab. Erst mit der Einwechslung von Javairo Dilrosun kam wieder Schwung in die Mannschaft. Eben dieser niederländische Wunderblitz sorgte mit einer präzisen Maßflanke für einen sehenswerten Grujic-Kopfball. Doch die Freude über den Ausgleich währte nur kurz. Nach einer Ecke ging Mainz kurz vor Schluss wieder in Führung, es war die erste richtige Chance der Mainzer im zweiten Durchgang und am Ende steht man aus Berliner Sicht wieder ohne Ertrag da.

Mit dem Wolfsburger Strohhalm die Paderborner wegschlürfen

Nun geht es als Tabellenletzter gegen den Vorletzten aus Paderborn. Nach zwei Auswärtsspielen darf man endlich wieder zuhause antreten. Auch wenn einige Fans nach diesem Fehlstart bereits einen neuen Trainer fordern, sollte man nicht schon alles über den Haufen werfen. Es werden die bisherigen Spiele analysiert und so die Stärken des Teams hoffentlich gefördert. Wenn demnächst auch Arne Maier wieder komplett fit und einsatzfähig ist, besitzt man ein starkes Mittelfeld. Covic hatte vor der Saison bereits angekündigt, eine spielstarke Zentrale nutzen zu wollen in einem 4-3-3. Er ist jetzt schon von seinem System abgerückt, aber gegen Wolfsburg hat man sehr gute Ansätze gesehen. Wenn man also versucht, seine passsicheren Spieler wie Grujic und Duda im Spielaufbau zu nutzen und diese nicht mit langen Bällen zu überspielen, könnte das gesamte Hertha-Spiel davon profitieren. Außerdem sollte man Dilrosun vielleicht nicht erst als dritten Spieler einwechseln, sondern ihn als erste offensive Wechseloption nutzen, wenn es für ihn noch nicht für 90 Min reicht. Gegen Paderborn bedarf es wieder einer besseren Konterabsicherung als gegen Gelsenkirchen. Die erste Halbzeit gegen Wolfsburg ist zurzeit der Strohhalm, an den sich die Hertha Fans klammern sollten. Kann man diese Leistung gegen Paderborn wieder zeigen, sollte endlich der erste Sieg möglich und damit etwas Ruhe einkehren.

Diese Woche… bei Hertha BSC, KW, 35

von Chris Butzke

Problemtier Wolf

Während in der vergangenen Woche nach Bruno mit Herthinho erneut ein Problem-Bär für Unruhe in Bayern gesorgt hat, scheint der Wolf sein niedersächsisches Jagdrevier bis nach Berlin ausgeweitet zu haben. Nicht nur die @drei90 ‏-Hosts wachen nachts schweißgebadet auf, wenn sie wieder vom Problemtier Wolf träumen, auch eine nicht näher bekannte alte Dame wird wohl immer häufiger von Wolf-Albträumen heimgesucht.

https://www.youtube.com/watch?v=tB5dzSXp7vU

Ah shit, here we go again!

Der VfL Wolfsburg war also zu Gast bei der Berliner Hertha und wie schon in der letzten Saison fuhr man mit drei Punkten wieder nach Hause. In Berlin hadert man mit dem Ergebnis, denn eigentlich begann das Spiel fulminant. Mit dem allerersten Angriff konnte man Duda im Strafraum gefährlich in Szene setzen, dieser ging ins Dribbling gegen Guilavogui und kam zu Fall. Schiedsrichter Winkmann zeigte sofort auf den Punkt! Elfmeter für Hertha, Vedad Ibisevic schnappte sich den Ball und war bereit, sein Team aus 11 Metern in Führung zu bringen. Doch dann meldete sich der Kölner Keller und wies Winkmann an, sich die Szene nochmal anzusehen und zu bewerten. Es kam, wie es kommen musste und der Strafstoß wurde zum Entsetzen der Berliner Fans zurückgenommen. Aus meiner persönlichen Sicht war es auch kein Foul. Zum einen spielt Guilavogui zuerst den Ball, Duda bleibt jedoch weiter am Ball, es kommt erneut zu einem Kontakt, der aber nicht ausreicht, um wirklich als Foul gewertet zu werden. Somit konnte man sich zwar in den Geschichtsbüchern verewigen, da es bisher der frühste VAR-Einsatz war und diese „Bestmarke“ auch noch eine Weile Bestand haben sollte, jedoch sorgte die letztendliche Entscheidung für Unmut in der Ostkurve.

Dieser Unmut wurde quasi im Gegenzug noch größer. Ein langer Ball sorgte für ein hartes Luftduell zwischen Stark und Schlager, welches der Wolfsburger für sich entscheiden konnte. Dadurch gelangte der Ball auf den komplett blanken Klaus, der sich plötzlich allein vor Rune Jarstein wiederfand. Kurz bevor er zum Abschluss kam, rauschte Karim Rekik, der vorher Klaus einfach laufen ließ und damit diese Chance erst ermöglichte, in wilder Kung-Fu-Manier heran und foulte den Wolfsburger klar. Folgerichtig entschied Schiedsrichter Winkmann erneut auf Elfmeter. Auf den ersten Blick war es eine eindeutige Geschichte, doch gab es energische Proteste der Herthaner. War bei dem Kopfballduell alles regelkonform oder wurde Abwehrchef Niklas Stark in der Luft unfair angegangen? Im Gegensatz zur ersten Elfmeterentscheidung blieb es dabei und somit hatte Winkmann das ganze Stadion gegen sich. Wenn man es aus neutraler Sicht sieht, kann man aber wohl sagen, dass beide Situationen richtig bewertet wurden. Für Hertha war es der zweite verursachte Elfmeter im zweiten Bundesliga-Spiel. Für die Fans ist dies ein wohlbekanntes Gefühl. Bereits letzte Saison verursachte man sogar in den ersten fünf Saisonspielen jeweils einen Elfmeter. Es riecht also wieder nach einer nervenaufreibenden Zeit. Wie schon letzte Woche verwandelte der Gegner sicher und somit brachte man sich erneut durch eigene grobe Schnitzer unnötig in eine schlechte Situation.

Mit der frühen Führung im Rücken überließ Wolfsburg in der Folge Hertha das Spiel. Die Mannschaft von Ante Covic, der seine Heimspiel-Premiere als Chef-Coach feierte, versuchte es spielerisch, besonders Dodi Lukebakio und Ondrej Duda hatten Lust und zeigten mit vielen guten und vor allem effizienten Hackenpässen, dass man in Zukunft einen Gegner mit Kombinationsspiel vor Probleme stellen kann. Lukebakio verursachte bei der Wolfsburger Abwehr Kopfschmerzen mit seinen Dribblings. Den Offensivbemühungen fehlte es aber an der letzten Konsequenz. Kapitän Ibisevic wurde so gut wie gar nicht ins Spiel eingebunden, auch Salomon Kalou konnte bis auf einen gefährlichen Kopfball kaum Akzente setzen. Die größte Chance auf den Ausgleich hatte Mittelfeld-Allrounder Grujic, dessen Ball in letzter Sekunde von Guilavoguis Fußspitze abgelenkt wurde. Danach verflachte die Partie wie ein Wortwitz von @jungerherr1892.

Planlose Offensive

In der zweiten Hälfte ließ Hertha all das vermissen, was in der ersten Halbzeit noch gut funktionierte. Statt Kurzpass-Kombinationen versuchte man es mit hohen Bällen in die Spitze, denen es aber an Präzision fehlte und somit Wolfsburg komplett in die Karten spielte.

Das System wurde mehrmals geändert und sollte für mehr offensiven Druck sorgen. Jedoch wirkte es eher wie bei einem alten iPhone, dass nach einem erneuten Systemupdate kaum noch funktioniert, das Betriebssystem sich öfter aufhängt und selbst die Grundbedienung immer mehr Ausfälle aufweist. Es gab offensive Wechsel, aber auch mit Selke und Redan fehlte jegliche Durchschlagskraft. Auf der anderen Seite wurde die Defensive immer weiter vernachlässigt. Dies nutzte Wolfsburg im Stile einer Spitzenmannschaft zu zwei weiteren Toren, so dass am Ende ein 0:3 in den Büchern stand. Ein Ergebnis, das die Kräfteverhältnisse kaum wirklich widerspiegelt. Wolfsburg agierte nach der Führung clever und nutzte in der zweiten Hälfte die gebotenen Räume eiskalt. Hertha nahm sich in der zweiten Hälfte selbst aus dem Spiel und so kam es zur ersten Saisonniederlage.

Aus Fehlern lernen

Besonders Trainer Ante Covic wird aus der Partie viele Erkenntnisse ziehen können und für die Zukunft besser auf ähnliche Spielsituationen reagieren.

Covic zeigt, dass er sich der eigenen Fehler bewusst ist. Die Fähigkeit zur Selbstkritik sollte den Fans Hoffnung geben. Covic scheint auch die Gründe für das planlose Auftreten gut analysiert zu haben. Es bringt halt nichts, drei oder vier nominelle Stürmer auf den Platz zu stellen, wenn es keinen Plan gibt, wie man diese in gefährliche Situationen bringt. Schon in den Vorbereitungsspielen hat man phasenweise mit langen Bällen agiert, auch dort eher mit mäßigem Erfolg. Lediglich Torunarigha konnte damals mit präzisen Bällen über 45-50 Meter auf sich aufmerksam machen. In der Bundesliga herrscht aber nochmal ein anderer Wind als in Testspielen gegen Eintracht Braunschweig oder Crystal Palace. Außerdem dürfte man zu dem Schluss kommen, dass Lukebakio für das Team durch Dribblings in den Sechszehner wichtiger ist als durch Flanken. Wenn für den anderen Flügel in naher Zukunft hoffentlich Javairo Dilrosun wieder fit ist, hat man die perfekten Voraussetzungen für schnelle flache Kombinationen und gefährliche Dribblings auf den Außen. Offensiv besitzt Hertha eine Menge Potential, welches durch Covic auch gefördert wird. Es ist eigentlich auch das optimale Pflaster für einen Stürmer wie Davie Selke. Wenn er den Schritt vom Talent zu einem wirklich guten Bundesliga-Spieler schaffen will, muss er diese Saison Ibisevic als erste Option im Sturm ablösen. Ansonsten könnte es eng für ihn werden.

Neben Selke ist auch Daishawn Redan eine Alterntive im Sturm. Der 18-jährige konnte Covic durch gute Leistungen in der zweiten Mannschaft schon früh in der Saison davon überzeugen und sich einen Kaderplatz sichern (für Köpke wird es wohl schwierig, diese Saison auf Einsatzzeiten zu kommen).

Redan ist nach Dilrosun bereits das zweite niederländische Top-Talent, das den Weg von einem großen Premier-League-Club in die deutsche Hauptstadt gefunden hat. Dies könnte ein Modell mit Zukunft sein. Dilrosun hat letzte Saison bereits gezeigt, dass Berlin auf junge Spieler setzt und man den nächsten Schritt in der Entwicklung nehmen kann. Redan wird ebenfalls einige Einsätze bekommen. Hertha erarbeitet sich einen guten Ruf und so könnte sich auch das ein oder andere Talent eine blau-weiße Zukunft vorstellen.

Gelsenkirchen vor der Brust

Der nächste Gegner verspricht wieder eine schwierige Aufgabe zu werden. Gegen das Team aus Gelsenkirchen tut sich Hertha traditionell schwer. Seit der Tedesco-Ära steht Schalke vor allem für defensiv orientierten Fußball und auch die ersten beiden Spiele unter dem neuen Trainer Wagner waren keine offensiven Highlights. Gegen Gladbach und Bayern hielt man aber gut mit. Hertha ist also gewarnt und weiß, dass einem die Punkte dort nicht geschenkt werden. Gegen die Bayern hatte Gelsenkirchen aber Probleme, sobald das Spiel schnell auf den Flügeln gemacht wurde. Besonders Coman konnte auf seiner Seite für Gefahr sorgen. Vielleicht wäre es daher eine Überlegung wert, Lukebakio nach links zu ziehen, damit man dort auch durch Dribblings Torchancen erspielt oder durch Doppelpässe mit Duda Lukebakio selbst in Abschlusssituationen kommt. Das Spiel könnte auch schon richtungsweisend für die kommenden Partien sein. Bisher ist es schwierig, das tatsächliche Leistungsvermögen einzuschätzen. Gegen Wolfsburg und Bayern hat man gute Ansätze gesehen. Aber schon Bibis Beauty Palace zeigt, dass nur Ansätze nicht immer für Qualität stehen. Covic möchte offensiv spielen lassen. Aus der Niederlage gegen Wolfsburg kann man schon Rückschlüsse ziehen, die bereits jetzt wichtig sein können. Ich bin optimistisch, dass in den nächsten Wochen aus den Ansätzen auch wunderbar herausgespielte Tore werden.

Diese Woche bei … Hertha BSC, KW 34

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Von Chris Butzke

Berliner Schreckgespenst

Endlich war es soweit. Das Flutlicht strahlte über das weite Rund der Allianz-Arena hinaus, Menschenmassen strömten in den roten Fußballtempel, Menschen auf der ganzen Welt ließen sich im heimischen Wohnzimmer nieder und sehnten sich nach dem Bundesliga-Auftakt.

Für die meisten Zuschauer ist es mittlerweile Gewohnheit, den bayrischen Rekordmeister im ersten Spiel der neuen Saison zu sehen. Von den bisher 18 offiziellen Eröffnungsspielen wurden 11 Spiele mit Beteiligung des FC Bayern München ausgetragen. Von diesen Spielen wurde kein einziges verloren, sondern ganz im Gegenteil, man gewann sogar 10 Mal. Somit waren die Vorzeichen für einen erfolgreichen Auftakt für die Berliner Hertha fast aussichtslos, doch hatte man als selbsternannter künftiger„Big City Club“ (danke für diese unrealistische Einschätzung, Herr Windhorst) auch ein paar Aktien auf seiner Seite. Zum einen hat man sich in der jüngsten Vergangenheit sehr gut gegen die Bayern geschlagen. In den letzten fünf Bundesliga-Duellen ging man nur bei einer Partie als Verlierer vom Platz, das letzte Spiel in Berlin wurde sogar 2:0 gewonnen. Außerdem hat man mit Dodi Lukebakio das wohl größte Schreckgespenst geholt. Gerüchteweise werden Lukebakio-Masken als Halloweenkostüm hoch gehandelt bei den TSV 1860 München Anhängern. Zum anderen herrscht bei den roten Münchenern große Unruhe. Zwar wurde zum Zeitpunkt des Spiels Ivan Perisic verpflichtet (war jedoch noch gelb gesperrt), doch war das Hauptthema die eventuell bevorstehende Verpflichtung von Coutinho.

Klünter stellt die Bayern kalt

In der Vorberichterstattung spielte Hertha also eine kleinere Rolle als Rickon Stark in Game of Thrones. Ich bin mir fast sicher, dass der chinesische Fußballfan bis kurz vor dem Anpfiff maximal die Aufstellung von Hertha kannte. Ob er hingegen den Namen von Trainer Ante Covic kannte, der sein Bundesliga-Debüt als Trainer feierte, darf durchaus bezweifelt werden. Dafür dürften nach der Partie einige Namen etwas bekannter auf der internationalen Bühne sein.

Allen voran Lukas Klünter zeigte eine bemerkenswerte Leistung. Er nahm Kingsley Coman aus der Partie, bestach durch seine Geschwindigkeit und Entschlossenheit im Zweikampf. Klünter dürfte diese Partie ziemlich viel Selbstvertrauen geben. Nachdem die letzte Saison durch Verletzungen besonders in der Hinrunde eine persönliche Enttäuschung war, konnte er sich in der Rückrunde etwas zurückkämpfen. Die Leistung könnte ihn zum unumstrittenen Stammspieler als RV werden lassen. Wer die individuelle Klasse eines Comans stoppen kann, hat sich für künftige Aufgaben mehr als nur angeboten. Auf der anderen Seite erlebte Mittelstädt einen rabenschwarzen Tag. Hierbei muss man aber auch bedenken, dass das Berliner Eigengewächs erst kurzfristig fit wurde und in der Vorbereitung eine offensivere Rolle besetzte. Durch den Ausfall von Plattenhardt und der nicht so souveränen Leistung von Torunarigha im Pokal musste auch ein nicht ganz fitter Mittelstädt spielen. Gegen einen Gnabry reichte es so aber nicht. Die rechte Bayern-Seite bereitete der Hertha-Verteidigung große Probleme. Folgerichtig erspielte sich der FCB auch über diese Seite das 1:0 in der 24. Minute durch Lewandowski. Bis dahin wurde Hertha von Bayern regelrecht eingeschnürt, die taktische Ausrichtung mit einer Fünferkette erwies sich nicht als Erfolg. Aber Covic erkannte die Probleme besonders auf der rechten Seite und versuchte mit einer Umstellung auf ein 4-4-2 die Defensive zu stärken und gleichzeitig weniger leichte Ballverluste durch das Bayern-Pressing im eigenen Spielaufbau zu kassieren. Der Plan ging auf und man stand plötzlich deutlich sicherer.

Lukebakio trifft

In der Folge kam man besser in die Partie. Natürlich kam es dann in der 36. Minute, wie es kommen musste. Thiago und Thomas Müller schlotterten die Knie, als Lukebakio auf Höhe der Mittellinie zum Dribbling ansetzte. Sowohl Müller als auch Thiago erstarrten vor Angst, ließen den Berliner Neuzugang gewähren und so durfte er durch einen gezielten Schuss gegen Ibisevic’s Rücken mit einer Leichtigkeit Manuel Neuer überwinden. Der Ausgleich war gleichzeitig auch der erste wirkliche Abschluss auf das Bayern-Tor. Da war sie also wieder, die dardaische Effizienz, die die Mannschaft schon in den letzten Jahren auszeichnete. Kurz danach knockte Marko Grujic seinen Gegenspieler, immerhin 35-Mio-Neuzugang Pavard, im Kopfballduell aus, bekam einen mustergültigen Pass von Vedad Ibisevic (oder @DonnieOsullivan) und ließ Manuel genau eine Chance, nämlich keine Chance. Bumm, 2:1 für den Außenseiter. Ich kann die Reaktionen der chinesischen und amerikanischen Zuschauer vor den mobilen Endgeräten nur erahnen, aber zumindest die Menschen in Minnesota werden vor Freude auf der Straße getanzt haben. Immerhin hatte Hertha dort einen Teil des Sommers verbracht und einige Fans sammeln können. Mit diesem Ergebnis ging es dann in die Halbzeit.

Mit einem blauen Auge davongekommen

In der zweiten Halbzeit rissen die Münchener das Spiel wieder an sich und so kassierte man in der 60. Minute den überfälligen Ausgleich per Elfmeter. Jedoch war die Entstehung des Elfmeters schon sehr grotesk. Stahlschädel Grujic hatte anscheinend mit den Spätfolgen des Pavard-Zusammenstoßes zu kämpfen, anders kann man sich die Aktion nicht erklären. Völlig abseits des Geschehens, der Ball war weiter weg als Andre Schürrle von der Bundesliga, riss Marko Grujic den späteren Strafstoßschützen einfach um. Logischerweise kam der VAR zum Ergebnis, dass der Amateur-Wrestlingmove einen Elfer zur Folge hat. Somit haben wir schon am ersten Spieltag einen ganz heißen Kandidaten für die Kategorie „Unnötigste Aktion der Saison“. Eventuell wollte Grujic auch nur seine Bewunderung für Zinedine Zidane ausdrücken. Sein Torjubel ist an Cristiano Ronaldo angelegt, sein Verhalten abseits des Balles erinnert an Zidane vs Materazzi. Somit vereint Grujic schon einige Merkmale der ganz großen Spieler. Nach dem Ausgleich lieferte Hertha noch eine Abwehrschlacht und konnte am Ende einen Punkt aus München entführen.

Hertha also auf Augenhöhe mit Bayern?

Wie soll man nun diese Partie bewerten? Der Punkt war auf der einen Seite sehr glücklich, da Bayern zweifelsohne die überlegene Mannschaft war. Auf der anderen Seite war die Entstehung des Ausgleichs mehr als ärgerlich. Am Ende bleibt eine leidenschaftliche Leistung, jedoch kann man aus taktischer Sicht nur wenig für kommende Spiele ableiten. Man ist in der Lage, innerhalb eines Spiels verschiedene Systeme zu spielen. Covic erkennt Probleme und korrigiert von der Seitenlinie aus. Dieses Ingame-Coaching wird ein immer größerer Faktor, der Grad zwischen einem sinnvollen Switchen von Systemen und einer Überforderung der eigenen Mannschaft (Grüße an den FC Augsburg aus der letzten Saison) ist oft schmal. Covic möchte eigentlich einen offensiven Fußball spielen und selbst Druck ausüben. Gegen eine individuell aber so überlegene Mannschaft wie dem FC Bayern München wäre das aber der Weg ins eigene Verderben. Hertha hat das Ziel, die Lücke zur Top 7 zu verkleinern. Das Spiel gegen München hat gezeigt, dass man auf einem guten Weg ist, Covic auch keine Angst vor großen Namen hat und taktisch variabel ist. Nun muss man am kommenden Spieltag gegen Wolfsburg aber ganz neue Facetten zeigen. Im ersten Heimspiel der Saison wird man sich nicht hauptsächlich auf die Defensivarbeit beschränken können. Wolfsburg ist die Kategorie Mannschaft, zu der man aufschließen möchte. Deshalb wird diese Partie aussagekräftiger und richtungsweisender werden, als ein Ausnahmespiel gegen die stärkste deutsche Mannschaft.

Ein Wiedersehen mit alten Freunden

Neben dem Bundesliga-Auftakt gab es auch die Auslosung für die zweite Runde des DFB-Pokals. Die Losfee meinte es gut und so bekam man nicht nur einen Zweitligisten als Gegner (auf ein Erstliga-Duell kann man ruhig noch ein paar Runden verzichten), sondern auch ein Heimspiel sorgte für Begeisterung. Dynamo Dresden ist für seine reisfreudigen Fans bekannt (die sich hoffentlich auch als friedliche Gäste erweisen), wodurch das Stadion wohl ausverkauft sein wird. Mit Patrick Ebert kommt auch eine Berliner Legende zurück in die Heimat. Ihm wird man einen besonders warmen Empfang bereiten. Mit der SGD hat man also einen Gegner bekommen, den man sportlich eigentlich schlagen sollte und der viele Fans mitbringt. Es hätte durchaus schlimmer kommen können.

Diese Woche bei … Hertha BSC, KW 33

Von Chris Butzke

Kein Geld schießt auch keine Tore

Es war ein turbulenter Sommer in Berlin. Der Einstieg von Lars Windhorst und seiner Beteiligungsfirma „Tennor“ sorgte bundesweit für ein Aufhorchen. Für 125 Millionen Euro sicherte man sich 37,5% der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA und hat zusätzlich die Möglichkeit, im nächsten Jahr sogar auf insgesamt 49,9% aufzustocken, was nochmals 125 Millionen Euro auf das chronisch klamme Hertha-Konto spülen könnte. In Berlin wählt man also ein Modell, welches sich schon bei Borussia Dortmund bewährt hat. Die Borussen haben sogar über 94% ihrer KGaA-Anteile veräußert. Wächst in Berlin also ein neues Schwergewicht im deutschen Fußball heran? Dies muss man klar verneinen. Die neuen finanziellen Mittel können die Lücke zur Top 6 verkleinern, doch wird man nicht schlagartig Vereine mit regelmäßigen Einnahmen aus europäischen Wettbewerben oder mit einem erhöhten Sponsoring (Bayer und VW pumpen jährlich deutlich mehr in ihre Vereine, als es marktgerecht wäre) mithalten können, weder sportlich noch finanziell. Somit ist in Berlin nicht plötzlich ein „Big City Club“, auch wenn es der Wunschtraum von Lars Windhorst ist. Doch wie sagte schon Onkel Ben zu Peter Parker, aus großer Macht folgt große Verantwortung. Es liegt nun an Manager Michael Preetz, verantwortungsvoll mit den neuen finanziellen Möglichkeiten umzugehen. Bei dem überhitzen Transfermarkt ist frisches Geld schnell verbrannt, die Transfers müssen sitzen.

Der Bayernschreck holt Bayernschreck

Und somit kommen wir zum nächsten Teil des turbulenten Sommers. Aufgrund der neuen finanziellen Möglichkeiten war es für Hertha-Fans ein neues Gefühl, denn plötzlich gab es viele Gerüchte um junge, talentierte und somit auch teure Spieler. Reiss Nelson, Dodi Lukebakio und Francois Kamano sind eine Kategorie, aus der sich der Hertha Fan in den letzten Jahren maximal bei der eigenen FIFA-Karriere bedienen konnte, nachdem man am Budget-Regler gedreht hat. Letztendlich durfte sich Dodi Lukebakio, der maßgeblich an der Überraschungssaison von Fortuna Düsseldorf beteiligt war, die Krone als Königstransfer aufsetzen. 20 Millionen Euro flossen dafür nach England zum FC Watford. Außerdem schloss sich Eduard Löwen der alten Dame an und sorgt noch mehr Flexibilität in der Mittelfeldzentrale. Dort wird er sich mit Marko Grujic um Einsatzzeit streiten. Der serbische Shootingstar aus der letzten Saison wird auch dieses Jahr das Hertha-Trikot überstreifen und weiter Erfahrungen sammeln, um bald bei seinem Hauptarbeitgeber in Liverpool Spiele bestreiten zu können. Für den erweiterten Kader verstärken Dedryck Boyata (ablösefrei von Celtic Glasgow) und Sturmtalent Daishawn Redan (2,7 Millionen Euro von FC Chelsea). Während Boyata mit seinen 28 Jahren Erfahrung in die sonst junge Innenverteidgung bringt, ist Redan eine Investition in die Zukunft (mit etwas Hoffnung, dass er sich ähnlich schnell integriert wie Dilrosun letztes Jahr). Auf der Abgangsseite werden Lazaro und Lustenberger zu spüren sein. Lazaro fehlt mit seiner sportlichen Klasse, Lusti wird als Mensch eine Lücke hinterlassen, die niemand so schnell schließen kann.

Aua in Aue

Die Vorbereitung lief recht ruhig. Selbst ein grottenschlechter und lustloser Auftritt in Aue sorgte nicht für tiefe Sorgenfalten. Zu groß ist das Vertrauen in Covic und in seine Spielidee. In den anderen Testspielen waren die Auftritte zumindest bemüht, verschiedene Systeme wurden ausprobiert und einige wertvolle Erkenntnisse konnten gewonnen werden, zum Beispiel, dass die Position des Rechtsverteidigers am besten eine Mischung aus Leckie Klünter wäre. Vielleicht sollte man sich mit der Universität Tokio kurzschließen, schließlich sind dort die Experten, wenn es um das Kreuzen von Menschen, Wesen und menschlichen Wesen geht. Außerdem ist Esswein ein wirklich schneller Mann, es muss doch ein Team geben, dass Geschwindigkeit auf den Außen braucht (looking at you, Bayern Munich). Glücklicherweise blieb man auch von schweren Verletzungen verschont. So bleibt unter dem Strich eine recht erfolgreiche Vorbereitung stehen, zumindest soweit man aus Testspielen und Trainingslagerberichten eine aussagekräftige Meinung ableiten kann.

Pflichtsieg im Pflichtspiel

Der erste Härtetest war die Erstrundenpartie gegen den VfB Eichstätt. Gegen den Regionalligisten kam es zu einem letztendlich ungefährdeten 5:1-Sieg. Ein solch souveräner Auftritt in der ersten Runde ist man als Herthaner schon fast gar nicht mehr gewöhnt. Auffällig war die offensive Ausrichtung mit einer Viererkette, wobei Torunarigha und Leckie die Positionen der Außenverteidiger bekleideten. Durch Leckie als RV ging man kalkuliertes Risiko, da man defensiv so anfällig war. Sein Partner in crime auf der linken Seite war hingegen als defensive Absicherung eingeplant, spielte aber etwas forsch und musste zur Halbzeit wegen akuter Gelb-Rot-Gefahr runter. Für ihn kam mit Alex Esswein ein Spieler, der die Bühne nochmal nutzen konnte ( 1 Tor, 1 Vorlage), um sich auf den Zetteln von Robert Kovac und Co auf der Tribüne zu verewigen. Denn sind wir mal ehrlich, auch mit Perisic fehlt es dem Bayern-Kader etwas an Breite und Erfahrung.

 

Zum restlichen Spiel kann man sagen, dass sich Vladimir Darida mit einer starken Leistung als Dreh- und Angelpunkt in der Zentrale Hoffnungen auf mehr machen darf. Er gilt sowieso schon als der Gewinner der Vorbereitung und konnte den guten Eindruck bestätigen. Seinen Konkurrenten Maier, Grujic und Löwen hat er vor allem Erfahrung voraus. Insgesamt ist Hertha in diesem Mannschaftsteil hervorragend aufgestellt und kann somit die Ideen von Ante Cociv besser umsetzen, der einen höheren Fokus auf ein spielstarkes Mittelfeld legt als Vorgänger Pal Dardai.

 

Die Welt sieht die Hertha

Bereits am Freitag geht es nach München zum Bundesligaauftakt und somit bekommt Hertha internationale Aufmerksamkeits. Naturgemäß ist man gegen die Bayern Außenseiter, doch sind die Top-Clubs am Anfang der Saison auch noch auf der Suche nach der eigenen Identität. Gepaart mit der Unruhe, die man durch die eigenen Aussagen bezüglich eventueller Transfers selbst heraufbeschworen hat, könnte Hertha wieder ein unangenehmer Gegner für den Rekordmeister werden. Außerdem ist der 20-Milliionen-Mann Lukebakio besonders durch seinen Hattrick gegen die Münchner ins weltweite Rampenlicht gerückt. Man hat auf alle Fälle das Potential, um ein Stolperstein zu sein, aber genauso gut können die Bayern abgeklärt 5:1 über defensiv überforderte Berliner hinwegfegen. Ein Coman kann die Schwächen auf der rechten Seite wohl eher ausnutzen als ein Athedon Lushi vom VfB Eichstätt. Denn auch wenn Klünter defensiv deutlich stärker ist als Leckie, würde eine rechte Seite mit Klünter und Lukebakio (falls er schon fit genug für die erste Elf ist) oder Kalou anfällig sein, da sowohl Kalou als auch Lukebakio defensiv in etwa so sorgfältig arbeiten wie die Sportbild bei der Recherche über die Identitäten von Zweitliga-Spielern. Doch auch wenn man ein schweres Auftaktprogramm hat, kann Hertha über 34 Spieltage vielleicht den einstelligen Tabellenplatz erreichen. Wenn es nach Marko Grujic geht, ist sogar eventuell noch etwas mehr drin.

Arne Friedrich – Nicht immer eine Liebesgeschichte

Von Chris Butzke

Happy Birthday, Arne! Ich wünsche dir im Namen aller Hertha-Fans eine wunderbare Feier mit vielen Freunden, die deine Profi-Karriere bewundern, deine Persönlichkeit schätzen und dir dein Engagement auch außerhalb der Fußballblase hoch anrechnen.

Im Sommer 2002 hast du Ostwestfalen hinter dir gelassen, der Wechsel von Bielefeld nach Berlin war für beide Seiten ein Glücksfall. Auch wenn du dich in Berlin an die ganzen Kreisverkehre und mehrspurigen Straßen gewöhnen musstest, warst du schnell ein Teil der Stadt. Bei der Hertha konntest du zum Nationalspieler reifen, während der Verein sich im oberen Tabellendrittel etablierte. In 231 Spielen gelangen dir 14 Tore für die alte Dame, 2009 schrammte man knapp an der deutschen Meisterschaft vorbei (das Folgejahr streichen wir mal lieber, auch wenn der sportliche Misserfolg zu einer Trennung geführt hat). 

Auch bei der Nationalmannschaft hast du einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Unvergessen ist dein erstes Tor für die Nationalmannschaft bei der WM 2010 gegen Argentinien. Du hast nicht nur einen der besten Fußballer aller Zeiten im Griff gehabt, sondern auch endlich die Anerkennung bekommen, die du verdienst! 

 


Denn die Karriere beim DFB war nicht immer eine Liebesgeschichte. Bei der WM 2006 im eigenen Land wurdest du als Notnagel für die Position des Rechtsverteidigers dargestellt. Doch du hast die Medien und die Fans mit Leistung überzeugt. Während andere Spieler mit Vorschusslorbeeren überhäuft wurden und ihr Standing schon vor dem ersten Spiel äußerst positiv war, musstest du dir alles erkämpfen. Meinen tiefsten Respekt davor. Gerade als Fan von Hertha BSC ist es schwierig, Spieler auch in der Nationalmannschaft anfeuern zu dürfen, aber du hast es allen gezeigt und warst auf Jahre eine Größe (82 Länderspiele), zu der man nicht nur in Berlin aufgeschaut hat.

Leider musstest du deine Karriere aufgrund anhaltender Rückenprobleme beenden und konntest das Abenteuer in Chicago nicht so genießen, wie du es dir gewünscht hattest. Aber wie überall hast du auch in den USA deine Fußspuren hinterlassen. Nicht umsonst hast du für FOX Soccer schon einige Turniere als Experte begleitet. Deine sympathische authentische Art und die sportliche Kompetenz ist ein fast so sicheres Zusammenspiel wie das von dir und Steve von Bergen im blau-weißen Dress. Und wie deine Leistungen am Ball waren auch die Leistungen am Mikro auf allerhöchstem Niveau. Nicht umsonst hast du sogar in China die WM 2014 begleitet, bist ein gern gesehener Sportschau-Gast beim DFB Pokalfinale und hast eine große Followerzahl in den sozialen Medien (wobei man hier fairerweise sagen muss, dass du die Hälfte deiner Insta Abos deinem überragenden Bart zu verdanken hast).

 

 

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🇩🇪 Ich hoffe ihr hattet einen guten Start in die Woche! 🇺🇸 Hope you had a great start into the week! #focussignificance #monday #mondaymotivation

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Und ich bin mir sicher, dass nicht nur die Menschen in Ostwestfalen, Berlin, Chicago und China heute an dich denken, sondern dir überall auf der Welt Menschen gratulieren möchten.

Diese Woche … bei Hertha BSC, KW 20

Von Chris Butzke

Der neue alte Weg

Nun ist es also offiziell. Ante Čović wird zur neuen Saison das Erbe von Pál Dárdai antreten. Mit dieser Entscheidung geht Manager Michael Preetz den wohl einfachsten Weg. Mit Čović, dem aktuellen U23 Trainer, wählt man eine interne Lösung, bei der die Verantwortlichen genau wissen, was sie bekommen und welche Vision der Trainer auf den Platz bringen will. 

 

Wie schon damals bei Dárdai, den man aus der U15 hochgezogen hatte, nimmt man ein Herthaner Urgestein, der die Vereinsphilosophie verinnerlicht hat und auch in Zukunft ein Hauptaugenmerk auf die Talentförderung der eigenen Jugendspieler setzen wird. Ante Čović steht für einen offensiv ausgerichteten Fußball. Rückpässe sind nicht gern gesehen, der erste Ballkontakt sollte stets nach vorne ausgerichtet sein. Diese Denkweise war auch schon diese Saison unter Dárdai zu erkennen. Gerade am Anfang der Spielzeit überraschte Hertha mit erfrischendem Offensivfußball. Wenn Čović seine Spielweise aus der Regionalliga übertragen möchte, scheint sein Vorgänger die richtige Grundlage bereitgestellt zu haben. Besonders Spieler wie Arne Maier und Ondrej Duda könnten in der Zentrale davon profitieren und ihre Stärken noch besser ausspielen. 

Ein Trainer mit Hertha-DNS

Man hat sich also einen Trainer geholt, der die Hertha DNS verkörpert, Dárdais Grundlage weiter nutzen kann und weiterhin die Integration eigener Talente fördert. Mit diesen Eigenschaften sollte doch das blau-weiße Fanherz höherschlagen. Mitnichten! Auf allen Social Media Plattformen schießen Fans gegen diese Entscheidung und setzen mit ihr den Abstieg in der nächsten Saison gleich. Hertha spart sich tot, riskiert nichts und wird so nie etwas erreichen. Nach Bekanntgabe der Trainerentscheidung haben sich einige Fans sogar schon komplett vom Verein abgewendet.

Viele fordern einen frischen Wind, werfen Preetz Vetternwirtschaft vor und Angst vor neuen Reizen. Doch frage ich mich, wen man realistisch erwartet hat. Wer wäre denn für die ganzen Čović-Kritiker ein besserer Name gewesen, der nach Berlin gepasst hätte? Dieter Hecking und Bruno Labbadia sind zurzeit noch mit ihren aktuellen Teams im Kampf um Europa, für eine Ausarbeitung eines Konzepts und etwaige Vertragsverhandlungen haben beide wohl eher wenig Zeit. Domenico Tedesco hat sich auf Schalke das Image eines ausschließlich defensiv geprägten Taktikers „erarbeitet“. Mit Schalke und Wolfsburg haben zwei finanzstarke Vereine die potentiellen Kandidaten David Wagner und Oliver Glasner bereits unter Vertrag genommen. Ten Hag und Seoane haben Hertha einen Korb gegeben. Wer bleibt dann noch für Hertha übrig? Wer hätte bei den Fans Jubelstürme ausgelöst? Mir fällt schlichtweg niemand ein, der unbedingt zu einem durchschnittlichen Bundesliga-Verein möchte, gleichzeitig ein offensichtliches Upgrade zu Čović wäre und Hertha BSC finanziell nicht zu sehr belastet.

Natürlich ist aber auch Skepsis erlaubt und man sollte die Entscheidungen der Hertha Verantwortlichen kritisch hinterfragen. Denn wie schon bei der Stadion-Thematik gibt es auch bei der Trennung von Dárdai einige Anhaltspunkte, die für Unruhe sorgen. War der Rücktritt wirklich einvernehmlich, obwohl erst kurz vorher der Vertrag verlängert wurde? Gab es Risse im Verhältnis zwischen Preetz und Dárdai? Fühlte sich der Vorstand von Dárdais bescheidenen und sehr unbekümmerten Art nicht ausreichend repräsentiert? Es bleibt zumindest das Gefühl, dass neben der sportlichen Talfahrt auch zwischenmenschliche Probleme auschlaggebend für das Ende waren.

Das zweite Jahr wurde Luhukay zum Verhängnis

Doch kommen wir zurück zu Čović. Ein Grund für eine interne Lösung könnte auch die bisherige Trainerwahl von Preetz sein. Nach der Entlassung von Lucien Favre kam mit Friedhelm Funkel ein Fehlgriff. Dem folgte mit Markus Babbel ein Trainer, der sportlich gute Ergebnisse lieferte, es aber zu zwischenmenschlichen Problemen mit Preetz kam. Mit Skibbe und Rehhagel entwickelte man sich zum Gespött der deutschen Fußballlandschaft. Anschließend konnte man mit Luhukay die zweite Liga dominieren und schaffte auch das Übersatteln in Liga 1, nur wurde das verflixte zweite Bundesliga-Jahr Luhukay zum Verhängnis. Im Abstiegskampf übernahm U15-Trainer Dárdai und sorgte endlich für langfristige Ruhe auf der Trainerposition. So scheint es auf den ersten Blick nur logisch, dass sich Preetz wieder für einen Coach aus den eigenen Reihen entscheidet. Andererseits plädierte Preetz noch während der Dárdai-Amtszeit für einen externen Co-Trainer als Nachfolger für Rainer Widmayer. Man hat also erkannt, dass es frische Impulse braucht, um die Mannschaft aus der eigenen Zufriedenheit und Lethargie zu locken und neue Gier zu wecken. Čović gilt auch als Persönlichkeit, die bei ihren Spielern den Willen nach mehr auslösen kann. Taktisch ist er wie bereits erwähnt offensiver eingestellt als Dárdai. Nur bleibt die Frage, ob ein Trainer ohne Profi-Erfahrung bei gestandenen Bundesliga-Profis ähnliche Reizpunkte setzen kann. 

Ich persönlich kann mit Čović als neuem Trainer sehr gut leben. Wenn man die angesprochenen Punkte berücksichtigt, ist er vielleicht nicht die spektakulärste Lösung, aber er kann dennoch das Werk von Dárdai fortführen. Ich habe mir eigentlich einen externen Impuls gewünscht, doch bleibt die Frage, wer genau dieser Impuls sein soll. Ich bin froh, dass kein Stöger, Gisdol oder Klinsmann auf der Trainerbank sitzen wird. Mit Čović hat man einen jungen, modernen Trainer, der Charakter hat und der hoffentlich seinen Stil auf die Mannschaft übertragen kann. Ich bin gespannt auf die neue Saison und hoffe, dass die Berliner Fans sich schnell geschlossen hinter Čović stellen, um ihm so die Arbeit so einfach wie möglich zu gestalten.

Diese Woche … bei Hertha BSC, KW 19

Von Chris Butzke

Ein ungewohntes Gefühl

Die alte Dame ist nun endgültig aus dem Winterschlaf erwacht. Reichlich spät, aber eine echte Diva kommt immer etwas später, um dann einen großen Auftritt zu haben. Nur kommt die Renaissance viel zu spät. Nach sieben Pflichtspielen ohne Sieg konnte die Hertha endlich wieder drei Punkte einfahren. Der letzte Sieg datiert vom 02.03.2019, zwei Monate mussten die Fans also auf dieses warme Gefühl des Erfolgs warten. 

Dementsprechend erleichtert war ganz Berlin. Ganz Berlin? Nein, ein von unbeugsamen Schwaben besetzter Stadtteil hörte nach der Partie nicht auf, Widerstand gegen die blau-weiße Freude zu leisten.

Der Prenzlauer Berg weint

Das Cannstatter Exil im Prenzlauer Berg konnte sich vermutlich nicht wirklich über den Sieg freuen. Denn die damit gleichbedeutende Stuttgarter Niederlage war wohl die Vorentscheidung im Abstiegskampf. Der VfB wird wohl in die Relegation müssen. Auf wen sie dort treffen, ist nicht abzusehen, aber es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Reise wieder nach Berlin geht. 

Dabei waren die Vorzeichen für Hertha recht ungünstig. Zum einen ist da die bereits erwähnte eigene Erfolgslosigkeit in den letzten Monaten, zum anderen ist Stuttgart durch den zwölften Trainerwechsel in den letzten fünf Jahren mit einem Sieg gegen Gladbach in die Willig-Ära gestartet. Immerhin konnte Hertha BSC in den letzten beiden Spielen wieder punkten, jedoch wäre das Highlight-Video sogar noch kürzer als die Amtszeit des nächsten VfB-Trainers. Gegen Hannover und Frankfurt gab es kein einziges Tor für eine der Mannschaften zu bestaunen, die Erwartungshaltung war dementsprechend gering. So war auch das erste richtige Highlight im Spiel keine Torchance, sondern Karim Rekiks Beweis, dass Hertha auf der Position der Torhüter wirklich tief besetzt ist. Nach einer Ecke faustete er souverän den Ball aus dem Sechzehner. Zur Überraschung aller hielt sich der VAR bei der Bewertung dieses eindeutigen Handspiels zurück und so gab es zum Ärgernis vieler Stuttgarter Fans keinen Elfmeter, obwohl es hierbei keine zwei Meinungen geben kann. Glück gehabt. Und da Rune Jarstein sich diese Woche einer Knie-OP unterziehen wird, entfacht ein Dreikampf um die Position des Torhüters für die Partie gegen Augsburg. Dardai hat die Wahl zwischen Kraft, Smarsch und Rekik, wird sich aber wohl für Thomas Kraft entscheiden. Der nichtgegebene Elfmeter war aber die einzige aufregende Szene im Berliner Strafraum. 

Die älteste Startelf der Saison (29 Jahre im Schnitt) spielte mit all ihrer Erfahrung unaufgeregt das Spiel herunter. Das 1:0 war nur folgerichtig. Nach einer mustergültigen Flanke von Plattenhardt konnte Zieler den Kopfball von Leckie noch parieren, beim Nachschuss vom Vedator war er jedoch machtlos. Eben dieser Vedator war auch beim 2:0 der entscheidende Spieler. Einen schönen Steckpass von Duda konnte Ibisevic mit der Fußspitze noch gegen den armen Zieler spitzeln, doch der Ball prallte zurück zu Duda, der dann leichtes Spiel hatte. Bei beiden Toren hatte die gesamte Stuttgarter Hintermannschaft eine Handlungsschnelligkeit, bei der man sich fragte, welche Mannschaft hier gegen den Abstieg spielte und dringend punkten musste. 


In der zweiten Halbzeit kamen dann mit Grujic, Selke und Dilrosun die jungen Wilden. Hertha war weiter spielbestimmend, ohne aber wirkliche Gefahr auszustrahlen. Doch dann nahm sich Dilrosun ein Herz, halbierte mit einem Sprint den Marktwert von Stuttgarts Top-Wintertransfer Kabak, der wahrscheinlich jetzt mit einer Angina im Bett liegt, weil er zu lange im Zugwind von Dilrosun stand. Dieses Dribbling entschädigt für so viel Leerlauf in den letzten Wochen. Dilrosun zeigt bei jeder seiner Einwechslungen sein Talent und versprüht Spielfreude, man möchte Dardai schon fast anflehen, den Jungen von Anfang an zu bringen. Die Kirsche auf der Dribblingtorte war dann die Hereingabe, die Kalou zum vorentscheidenen 3:0 verwertete. 

Stuttgart kam durch Mario Gomez nochmal auf 3:1 heran, aber man hatte eigentlich keine Angst, dass man das Spiel noch aus der Hand gibt. So stand am Ende ein überraschend ungefährdeter Sieg. Anhand des Stuttgarter Auftritts könnte man zu dem Entschluss kommen, dass Stuttgart selbst mit einem Handelfmetertor nicht als Sieger vom Platz gegangen wäre.

So ist man seit drei Spielen ungeschlagen und schafft vielleicht noch ein würdiges Ende Dardais als Chefcoach.

Alter vor Schönheit?

Nachdem man gegen den VfB Stuttgart die älteste Elf auflaufen ließ, bleibt die Frage, ob man in den kommenden Spielen nicht den Spielern mit Entwicklungspotential mehr Einsatzzeit geben sollte. Obwohl sowohl Ibisevic (dessen Vertrag eventuell um ein Jahr mit Option verlängert wird) und Kalou ihre Tore gegen Stuttgart machten, bleibt die Frage, ob nicht lieber ein Selke einen Platz in der Startelf haben sollte. Da sich Leckie verletzt hat (bei einem Torschuss #justLeckieThings), könnte auf dem Flügel der Platz für Dilrosun frei werden. Vielleicht rutscht auch Lazaro auf den offensiven Flügel und Klünter kommt nach seiner Sperre wieder zurück. Ebenfalls fit genug für die Startelf könnten Grujic und Torunarigha sein. Dardai kann also wieder flexibler planen. Seinen Platz in der Zentrale könnte Maxi Mittelstädt sicher haben, der auf seiner neuen Position besonders im Zusammenspiel mit Skjelbred starke Leistungen zeigt (sehr zur Freude von Plattenhardt, der so wieder eine Rolle als LV spielt).

Ich bau dir ein Schloss, das in den Wolken liegt

Während es sportlich also wieder bergauf geht, gibt es einige Unruheherde neben dem Sportplatz. Wobei wenn man es genau nimmt, ist der Sportplatz sogar ein Grund für die Unruhe. Es geht mal wieder um das Thema des Stadionbaus. Nachdem man es verpasst hatte, sich mit den Bewohnern auf dem Gelände des Olympiaparks zu einigen (besser gesagt hat man sich nie mit ihnen in Kontakt gesetzt und war dann überrascht, dass sie nicht freiwillig das Feld für die tolle Hertha räumen) und auch noch anderes Bauland innerhalb Berlins gefunden hat, sorgte Sportgeschäftsführer Michael Preetz mit einigen Aussagen erneut für Aufsehen.

Demnach zieht man 2025 definitiv aus dem Olympiastadion aus. Man hat zwar weder ein Gelände, auf dem man bauen könnte, noch scheint es in naher Zukunft eine Einigung mit den Bewohnern im Olympiapark zu geben, weshalb nicht damit zu rechnen ist, dass es bald den ersten Spatenstich für den Stadionbau gibt. Doch laut Preetz ist das kein Problem, schließlich kann man ganz schnell ein temporäres Stadion bauen. Doch auch hier stellt sich eine elementare Frage. Wo baut man das Stadion? Denn egal ob temporär oder nicht, es bedarf an Platz und genau das ist das Problem. Aber man hat sich ja bisher auch sehr kompetent in der Stadionthematik gezeigt, deshalb wird auch der mögliche Bau eines temporären Stadions kein Problem darstellen.

Während also beim Stadionbau viele Fragezeichen stehen, gibt es bei Herthas Social Media Kanälen jetzt nicht nur „?“, sondern auch „¿“. Es gibt jetzt endlich einen spanischsprachigen Twitter Account. Damit dürfte der nächste Neuzugang wohl aus Lateinamerika kommen und man bekommt endlich die Millionen neuen Follower, nach denen man sich schon so lange sehnt.

Bei der Trainerfrage gibt es fast schon täglich neue fixe Verträge. Allein diese Woche haben sowohl Bern Storck als auch Ante Covic bereits unterschrieben. Es bleibt also spannend, wenn die Medienberichte so weitergehen, stehen nächste Saison dreizehn Trainer am Spielfeldrand. Der VfB Stuttgart wäre neidisch.

Diese Woche … bei Hertha BSC, KW 18

Von Chris Butzke

Die Null steht überall!

Nachdem man schon letzte Wochen sensationell gegen den Tabellenletzten aus Hannover eine Negativserie von 5 Niederlagen stoppte, legte man gegen die Frankfurter Eintracht nach. Die Ausbeute aus 180 Minnuten Bundesliga-Fußball: 0 Tore geschossen, 0 Tore kassiert. Dabei hatten beide Spiele bis auf das Fehlen von Toren nicht viel gemein. Hannover war das erste Heimspiel nach Bekanntgabe der Trennung von Pal Dardai zum Saisonende. Zudem erwartete man nach den Ergebnissen und vor allem den Auftritten der letzten Wochen eine Reaktion der Mannschaft. Bisher konnte man sich sicher sein, dass Spiele, an die man eine Erwartung hatte, in schöner Regelmäßigkeit in den Sand gesetzt wurden. Und mit „Erwartung“ ist keinesfalls gemeint, dass Hertha den Gegner herspielen soll. Mittlerweile fällt unter den Begriff „Erwartung“ schon, dass man den 11 Herthanern auf dem Platz anmerkt, dass sie überhaupt Lust haben. Dieses Gefühl ließ man in der Rückrunde nur allzu oft vermissen. Und so hatte man auch gegen Hannover wieder diese „Erwartung“, dass das Team bei Dardai’s Abschiedstour alles gibt. Und doch wurde man wieder enttäuscht. Es schien nicht so, als wäre der Wille vorhanden, den Trainer mit einem Geschenk zu verabschieden. Nach dieser Leistung hatte niemand mehr eine „Erwartung“ für die restlichen Spiele, das Fanherz hat eine Enttäuschung zu viel erlebt. 

Kein Torreigen dank Norwegen

Und natürlich kam gegen die Frankfurter Eintracht wieder eine Leistung, die man sich in all den Spielen zuvor gewünscht hatte. Es war kein fußballerischer Leckerbissen, aber man hielt gegen einen physischen Gegner mit, nahm die Zweikämpfe an und zeigte, dass man heute nicht verlieren wird. Per Skjelbred ist hierbei besonders hervorzuheben. Der Norweger, der wahrlich keine einfache Saison hatte, war überall auf dem Spielfeld. Er gab keinen Ball verloren, stemmte sich gegen jede Widrigkeit und schaffte sogar fast ein Wunder, als er kurz vor Ende der Partie offensiv Impulse setzte und plötzlich frei vor Trapp auftauchte. 

Unser Per, als Zerstörer verschrien, hatte den Sieg auf dem Fuß. Auch wenn er die Chance liegen ließ, ist es genau das, was die Hertha Fans sehen wollen. Spieler, die sich ein Herz nehmen. Spieler, die dem Gegner mit jeder Faser ihres Körpers signalisieren, dass man heute nicht verliert. So ist es auch einem Skjelbred zu verdanken, dass junge Spieler auf ungewohnten Positionen eine gute Leistung zeigen. Maxi Mittelstädt weiß, dass er auch mal einen Fehler machen kann als Notlösung in der Mittelfeldzentrale, weil Skjelbred ihm den Rücken stärkt (ganz nebenbei ist die Kicker Note 5.0 für Mittelstädt und 3.5 für Skjelbred eine absolute Frechheit, aber vielleicht geht man beim Kicker mit einer anderen „Erwartung“ an Hertha Spiele, die gerade auf der letzten Rille dem Saisonende entgegenfahren). Aber auch sein norwegischer Landsmann ist schon seit Wochen ein unsung Hero. Rune Jarstein ließ die Frankfurter bei ihren wenigen Schüssen auf das Gehäuse verzweifeln. Besonders sein unmenschlicher Reflex gegen Rebic würde vielen im Gedächtnis bleiben, hätte das Spiel etwas Bedeutung. Unser Torhüter ist seit Wochen in glänzender Form und bewahrte Hertha ein ums andere Mal vor noch höheren Niederlagen.

Ausblick

Man verlangte Frankfurt einiges ab und konnte das Spiel auf Augenhöhe bestreiten. Nur welche Schlüsse soll man daraus ziehen? Warum hat man gerade in der Rückrunde das Gefühl, Hertha könnte viel mehr, wenn sie nur wollen würden? Auffällig ist, dass die Spiele dann zumindest von der kämpferischen Einstellung stimmen, wenn die Aufstellung eher einer Notlösung gleicht. Schon gegen Hoffenheim, wo man notgedrungen mit einer Elf spielte, die nie wieder so auf dem Platz stehen wird, wurde man zwar vorgeführt, aber das Team zeigte Moral. Auch gegen Frankfurt spielte man mit einer Viererkette, die so zum ersten Mal agierte. Dazu war mit Skjelbred und Mittelstädt ein Duo vor der Abwehr, welches immer mit viel Herzblut agiert. Es zeigt auch, dass es dem jungen Team an Leadern fehlte. Wenn Dardai aus den Vollen schöpfen kann, spielt Hertha in der Zentrale mit Duda, Maier und Grujic. Alle drei sind für sich hervorragende Kicker und haben zu Beginn der Hinrunde, als Hertha im Flow war, viel Freude bereitet. Jedoch kann man in Zeiten, in denen es nicht so läuft, von den jungen Talenten nicht erwarten, dass sie das Team anführen. Die Hereinnahme von Mentalitätsspielern wie Skjelbred, die nicht so talentiert sind wie der Nachwuchs, aber mit Disziplin und Willen vorangehen, ist für die jetzige Phase wichtig. Die letzten Spiele haben keine Bedeutung in sportlicher Hinsicht, doch können Leader-Qualitäten von der neuen Hertha Generation geformt werden. Neben Mittelstädt wächst Rekik von Spiel zu Spiel an der wachsenden Verantwortung (durch den erneuten Stark-Ausfall ist er wieder der Abwehrchef). Vielleicht sollte Dardai auch wieder mehr auf Selke als Stürmer setzen, um ihn in seiner Entwicklung zu fördern. Denn es geht nur noch um die Weiterentwicklung der Spieler für die kommende Saison und dafür bedarf es ein junges Team, dass angeführt von abgezockten Routiniers aufspielen kann und dabei auch Fehler machen darf und soll. Man soll mutig spielen, lernen und das Gelernte verinnerlichen. Aber das ist schon wieder zu viel „Erwartung“, vielleicht wird man gegen Stuttgart nicht enttäuscht.