Das gepflegte Rollenspiel – KW 15

Wir expandieren in den Golfsport mit einem zweifachen Masters-Champion, holen uns einen einen Handball-National-Torwart in die Studios, wollen aber auch dem besten Spieler des BVB und dem Trainer von Fortuna Düsseldorf ein Forum geben. Wie auch dem Anchorman Markus Gaupp (Sky) und dem Producer.

Linford Christie – In die US-Lücke gestoßen

Mitarbeiter des Tages, 02. April 2019: Linford Christie

Von Jens Huiber

Helsinki 1983. Jeder aufrechte Sportfan sollte sich spätestens zum Anlass der damals, erstaunlicherweise, ersten Weltmeisterschaft der Leichtathleten mit den Grundfesten der Sprinter, Springer, Stoßer angefreundet haben. Zumal die Olympische Spiele davor in Moskau und danach, das war schon zu ahnen, in Los Angeles eines großen Teil der Medaillenkandidaten ermangelten. Der Politik sei Dank.

Und was haben wir frühen Tartan-Aficionados in Helsinki 1983 erkannt, natürlich für immer? Dass der schnellste Mann der Welt aus den USA kommen müsse. Und im Zweifel Carl Lewis heißen sollte. Der nicht nur schnell, sondern, genau so wie Michael Jordan  übrigens, auch ein ausnehmend gut aussehender Mann war. Vielleicht sogar noch ist, man sieht den Carl nur zu selten.

Carl Lewis verpasst Olympia-Qualifikation über die 100 Meter

Lewis gewinnt also 1983 vor dem bei weitem nicht so gut aussehenden Calvin Smith, 1984 in Los Angeles, 1988 nach Disqualifikation von Ben Johnson auch in Seoul. Theorie bestätigt: Im Zweifel sind die US-Amerikaner die schnellsten. Und im naiven Selbstverständnis des Teenagers auch sauber. Dass Carl Lewis im fortgeschrittenen Alter noch einmal den Schritt zur Zahnspange gewagt hat, hatte sicherlich nichts mit dem vehementen Einsatz von Wachstumshormonen zu tun.

Wie zum Henker konnte dann Linford Christie 1992 in Barcelona olympisches Gold holen? Nun, zum einen war Christie kein Nasenbohrer, hatte schon 1988 eine Bronzene geerbt. Dann war unser persönlicher Held Lewis bei den US Trials in der Qualifikation gescheitert. Und, nicht zu vergessen, natürlich stand Christie dem Rest des Feldes pharmazeutisch um nichts nach. Auch wenn er erst 1999 bei den Doping-Fahndern auffällig wurde. Einen Verdacht gab es schon 1988, aber dem IOC war die gute alte Ginseng-Tee-Ausrede gut genug.

Linford Christie leistet sich Fehlstart

Lewis also in Barcelona nicht dabei, Leroy Burrell sollte es für die Amis machen. Christie fabrizierte einen Fehlstart, beim nächsten Versuch passte Dennis Mitchell etwas nicht, der dritte Schuss saß. Und Christie machte es wie Carl Lewis und später Usain Bolt: eher bescheidener Start, dann das Feld von hinten paniert. Und in 9,96 Sekunden über die Ziellinie gelaufen. Eine Zeit, für die Bolt nicht einmal aufgestanden wäre, aber der konnte ja auf die Kräfte der jamaikanischen Spätkartoffel vertrauen.

Linford Christie also Olympiasieger, der offiziell schnellste Mann der Welt anno 1992. Was ja fast zwangsläufig zum Rittertitel in Großbritannien führt. Und irgendwie kann man Christie nach der Jan-Ullrich-Theorie nicht böse sein: es ist davon auszugehen, dass er niemanden betrogen hat. Zumindest niemanden, der in Barcelona gegen ihn gelaufen war.
Linford Christie wird heute 59 Jahre alt.

Diese Woche … auf der WTA-Tour, KW 13

Siegerin der Woche

Ashleigh Barty. Größter Karriere-Erfolg in Miami beim Premier-Mandatory-Turnier und der erstmalige Einzug unter die Top Ten. Im Finale profitiert sie ein bisserl davon, dass Karolina Pliskova nicht mehr ganz frisch wirkt, aber geschenkt. Das Tennis von Ash ist zauberhaft schön, angefangen beim sehr geschmeidigen Aufschlag über die wunderbar geslicete Rückhand hin zur Vorhand mit Topspin.

Anmerkung der Woche

Die Veranstalter haben den Umzug von Key Biscayne in das Stadion der Miami Dolphins naturgemäß gefeiert. Viele Plätze sind dennoch leer geblieben, auch die, für die tatsächlich Tickets verkauft worden sind. Dass die Kamera-Winkel auch nicht vom allerfeinsten war, hat der Atmosphäre im Hard Rock Stadium nicht geholfen. Weder bei den Damen noch bei den Herren.

Der Aufreger der Woche

Ein kleiner Aufreger, zugegeben. Aber Angie Kerber war um halb zwei Uhr Früh am vergangenen Sonntag in Miami alles andere als amused über Bianca Andreescu, die sich, wie schon in Indian Wells, im dritten Satz eine Rund-Um-Sorglos-Behandlung bei der Physiotherapeutin geholt hat. Kerber verlor den Satz, also auch das Match. Und ein bisserl auch die Contenance. Den TV-Mikros sei Dank wissen wir jetzt, wer die größte Drama Queen aller Zeiten ist: Andreescu nämlich. Die eher humorlose WTA allerdings hat dafür gesorgt, dass in ein paar Jahren nur noch das blanke Ergebnis zu lesen sein wird, nicht aber der spannende Nachklapp.

Was ein kleiner Pep-Talk, von wem auch immer, aber ausmachen kann, hat Angie ein paar Stunden nach dem Match dann höchstselbst gezeigt.