Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 8

von Patricia Seiwert

Warum man als Eintracht-Fan keine Seifenopern mehr braucht

Die Eintracht aus Frankfurt verlangt ihren Fans momentan ganz schön was ab – besonders zeitlich, ist sie doch zusätzlich zur Bundesliga noch in beiden Pokalwettbewerben vertreten. Da bleibt nicht viel Zeit übrig, um in die präferierte Seifenoper reinzuzappen. Das ist aber auch gar nicht nötig. Warum? Weil Eintracht Frankfurt all das mitbringt, wovon TV-Soap-Macher träumen.

Ein Wechselbad der Gefühle

Eine Seifenoper lebt von den stetig wechselnden Höhen und Tiefen im Handlungsstrang – so auch Eintracht Frankfurt. Nicht umsonst wird der in der Mainmetropole ansässige Club von seiner Anhängerschaft auch liebevoll „Diva vom Main“ genannt.

Furios startete Eintracht Frankfurt in die Rückrunde. Besonders die zwei eher unerwarteten Siege gegen RB Leipzig in der Liga und im DFB-Pokal sorgten für überschwängliche Stimmung. Aber auch der 5:0 Kantersieg vor heimischem Publikum gegen Angstgegner Augsburg versetzte die Hessen in Feierlaune.

Die Viererkette steht, der Angriff kommt nun endlich auch ins Rollen. Juhu! Oder? Ja. Wären da nicht noch diese lästigen Auswärtsspiele, die die Hütter-Elf zu bestreiten hat. Schon beim Rückrundenauftakt in Hoffenheim präsentierten sich die Hessen nicht von ihrer stärksten Seite. Die Leistung reichte dennoch für drei Punkte – anders als in Düsseldorf.

Ja, richtig gehört. Die gleiche Eintracht, die zweimal in kürzester Zeit RB Leipzig bezwingen konnte, schaffte es nicht, beim damaligen Tabellenletzten Fortuna Düsseldorf als Sieger vom  Platz zu gehen.

Mit einem Last-Minute-Tor konnten sich die Frankfurter zwar zumindest einen Punkt sichern, dennoch lieferten sie eine extrem schwache Leistung ab. Zusammen lief da gar nichts mehr. Die Eintracht zeigte ihr zweites Gesicht und sorgte für hängende Mundwinkel.

Für die perfekte Berg- und Talfahrt sorgte die Aneinanderreihung der so unterschiedlichen Leistungen. Auf einen durchwachsenen Start in Hoffenheim folgte der Bundesligasieg gegen RB Leipzig. Dieser sorgte innerhalb der Partie übrigens auch für Stimmungsschwankungen. Nach der ersten Halbzeit konnte man froh sein, nicht in Rückstand geraten zu sein und in der zweiten Hälfte tütete man den Heimsieg ein. Danach ging es zu besagter Auswärtspartie nach Düsseldorf. Anschließend wurde Leipzig gnadenlos aus dem Pokal gekegelt und Augsburg kassierte eine deftige Klatsche.

Ein Seifenopern-Drehbuchautor, der sich rasantere Auf und Abs zusammendichtet? Schwer zu finden.

Vorhersehbare Geschehnisse, die dennoch enttäuschen

Dass auf den Einzug ins DFB-Pokal Viertelfinale und den Sahneabend gegen den FC Augsburg nun ein Dämpfer folgen muss, liegt nahe – die üblichen Hoch und Tiefs eben.

Und das Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund lieferte genau das. Anders als bei den bereits erwähnten schockierenden Rückschlägen, wie zum Beispiel in der Episode „Kein Fortune gegen Düsseldorf“, war dies aber eines dieser Ereignisse, die man im Vorfeld schon erahnen konnte.

Typisch: Man weiß eigentlich schon, was in der nächsten Folge passieren wird, hat aber die Hoffnung, dass die Drehbuchautoren doch noch einen Kniff eingebaut haben, der für einen unerwarteten Überraschungsmoment sorgt. Meist passiert dies dann aber nicht und man sitzt ernüchtert, wenngleich auch nicht am Boden zerstört – man ahnte es ja – vor dem TV-Gerät.

So ging es dem Eintracht-Fan auch nach der Bundesligapartie am vergangenen Freitagabend in Dortmund. Eine Niederlage? Einkalkuliert. Das einzige, was für Verwunderung sorgte, war der blutleere Auftritt der Adlerträger.

Einen einzigen Schuss gaben die Frankfurter auf das Tor von BVB-Keeper Bürki ab. Planlos wirkten sie, spielten zu viele Fehlpässe und auch die Abwehr war den Dortmundern nicht gewachsen.

So endete die Partie 4:0. „War ja zu erwarten“, dachte sich der Eintracht-Fan, dessen klitzekleine Hoffnung auf eine unerwartete Wendung mit jeder verstrichenen Spielminute weiter schwand.

Der mysteriöse Krankheitsfall

Natürlich darf es einer Soap nicht an Dramatik fehlen. Häufig reißen die Drehbuchautoren einen Charakter einfach gnadenlos aus dem Leben. Gott sei Dank ist es bei der Eintracht nicht ganz so tragisch.

Die Lightversion vom plötzlichen Tod ist der mysteriöse Krankheitsfall, der ganz plötzlich eintritt. Glücklicherweise ist der Patient dann üblicherweise aber schnell wieder geheilt – auch wenn keiner so genau weiß wie.

Selbstredend finden wir solch einen Fall auch bei Eintracht Frankfurt. Bas Dost ist der typische „Arme Kerl“, der viel einstecken muss und ständig Rückschläge erleidet.

Seit der Niederländer in Frankfurt angekommen ist, plagen ihn diverse Verletzungen und ein unzureichender Fitnesszustand.

Zuletzt aber überraschte eine Schlagzeile über seine Gesundheit: Dost musste mit anhaltend starken Magen-Darm-Problemen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Seit der Meldung gab es einige Tage keinerlei Updates zu Dosts Zustand. Was hat er? Ist es etwas Schlimmeres? Geht es ihm bereits besser? Wann steigt er wieder ins Training ein? Die vielen Fragezeichen rund um Bas Dost rissen nicht ab.

Glücklicherweise verlief dann doch alles gut, denn kurze Zeit später stand er bereits wieder im Kader. Die mysteriöse Krankheit war letzten Endes also halb so wild.

Gibt es nun also ein Happy-End für den Unglücksraben der Show? Wohl kaum. Zuletzt trainierte Dost erneut individuell. Aktuell plagen ihn Adduktorenprobleme.

Typische Serienfiguren, die wir alle kennen

Selbstverständlich hat die Eintracht neben dem Pechvogel Bas Dost auch weitere typische Go-To-Charaktere vorzuweisen, die Pepp in jede Seifenofer bringen.

Sonnenkönig Bobic

Es gibt beispielsweise häufig diesen einen mächtigen Seriencharakter, der um seine hohe Stellung weiß und aus diesem Privileg keinen Hehl macht. Natürlich kommt der Erfolg des Sonnenkönigs nicht von ungefähr. Er neigt aber auch hin und wieder zu Arroganzanfällen.

Der den Frankfurtern zugeneigte Leser erkennt darin sicher ein Stück weit einen Verantwortlichen der Eintracht. Ja, die Rede ist von Fredi Bobic.

In letzter Zeit zeigte sich Bobic häufiger von seiner dünnhäutigen Seite, wirkte in Interviews merklich genervt, wenn er auf Kritik angesprochen wurde.

Auch gegenüber den Fans fährt er einen Kurs, der nicht jedem schmeckt.

Die stark umstrittene Causa Möller dient hierfür als Paradebeispiel. Nicht, dass er als Sportvorstand irgendwelche Personalentscheidungen abhängig von der Meinung der Fans machen sollte – keinesfalls. Dennoch hätte sich der ein oder andere sicherlich gewünscht, dass Bobic den Unmut einiger Anhänger souveräner aufnimmt und nicht in aller Öffentlichkeit mit einem arroganten Unterton gegen ebendiese schießt.

Ähnlich gereizt reagierte Bobic auf lautwerdende Kritik bezüglich des eher spärlich ausgefallenen Wintertransferfensters. Nach dem relativ erfolgreichen Rückrundenstart konnte er es sich nicht verkneifen, den Kritikern einen Seitenhieb zu verpassen: Die Panik im Umfeld sei lächerlich gewesen, äußerte er sich diesbezüglich in einem Interview.

Auch hier: eine gewollt spitze Wortwahl des Sportvorstands. Aber das macht ihn und seine für die Unterhaltung unverzichtbare Soap-Rolle nun mal aus.

Die aufstrebende Nebenrolle

Neben diversen Hauptcharakteren gibt es auch immer einige Nebenrollen. Manche sind schlichtweg egal und fallen kaum auf. Andere sorgen, wenn sie denn mal auftauchen, durch kuriose Auftritte für Aufsehen.

André Silva ist gewissermaßen eine Mischung dieser beiden Nebencharakter-Typen. Große Aufmerksamkeit zog er auf sich, als er auf Leihbasis im Tausch mit Publikumsliebling Rebic an den Main wechselte. Doch genauso schnell und unverhofft, wie er in Frankfurt ankam, tauchte er auch wieder ab.

Lange Zeit spielte Silva keine Rolle in Hütters Aufstellungen – wirklich gar keine Rolle, nicht einmal eine Nebenrolle. Teilweise hätte man glatt vergessen können, dass der Portugiese überhaupt zur Eintracht gewechselt ist – wäre da nicht seine Präsenz in den sozialen Netzwerken.

Neben diversen Bildern von sich im Training (lange der einzige Hinweis darauf, dass er überhaupt mittrainierte) und Aufnahmen, die auch in der GQ hätten abgedruckt werden können, bespielte Silva auch regelmäßig seine Instagram-Story. Und genau dort wurde es kurios.

Der Stürmer veröffentlichte ein Bild, dass die Rechnung seines Lebensmitteleinkaufs zeigt. So weit, so normal. Nicht mehr normal allerdings, war die Summe des Einkaufs. Rund 2000€ gab der Portugiese im Supermarkt von nebenan aus – das wertvolle Gut: Trüffel. Na gut, Trüffel und ein paar Champignons. Gemundet hat es sicherlich.

Doch wer voreilig gedacht hat, André Silva sei lediglich eine Nebenrolle, die hin und wieder durch kuriose Aktionen auf sich aufmerksam macht, der hat falsch gedacht. Denn Silva bekam Spielzeit. Und Silva nutzte diese Einsätze, um sich weiterhin zu empfehlen. Mittlerweile steht der Sommer-Neuzugang der Eintracht regelmäßig in der Startelf und präsentiert sich auf dem Platz mal mehr und mal weniger auffällig, selten aber als Totalausfall.

Nebenrollen mit Qualität schaffen eben hin und wieder doch den Aufstieg zur Hauptrolle. Ob Silva es auch bis zum Publikumsliebling schafft? Bleiben Sie dran!

Sympathie und Antipathie

Es liegt in der Natur der Sache, dass man einige Charaktere besser leiden kann, als andere. Manchmal ändert sich die Meinung auch.

Bei der Eintracht sorgte Last-Minute-Winterneuzugang Ilsanker zunächst für lange Gesichter. Die Fans wünschten sich sehnlichst einen Neuzugang. Am Deadline Day war es einigen fast schon egal wer kommt, solange überhaupt irgendetwas passiert.

Ganz so egal schien es dann doch nicht zu sein, denn die Eintracht verpflichtete Stefan Ilsanker von RB Leipzig. Der Stefan Ilsanker, der die Tennisball-Protestaktion der Eintracht-Anhänger im Montagsspiel gegen Leipzig in der Vergangenheit als „dumm“ betitelte.

Die Fans verzichteten auf Freudensprünge.

Ilsanker entschuldigte sich nach seinem Wechsel natürlich dafür, lobte die Fans und nachdem er gegen seinen Ex-Club nicht spielberechtigt war, durfte er gegen Augsburg von Beginn an ran. Und seine Sache machte er gut.

Zwar ist er noch lange kein Publikumsliebling, doch solange er sich im Trikot der Eintracht reinhängt und solide Leistungen abliefert, dürfte der Großteil der Fans zufrieden sein. Ein Charakter, der anfangs viel Hass auf sich zog, wird jetzt zumindest akzeptiert.

Ganz anders reagiert das Fan-Herz auf Timothy Chandler. Ein echter Frankfurter Jung‘, der schon jahrelang für die Eintracht aktiv und ganz nebenbei ein echter Sympathieträger ist – stets gut gelaunt, immer für einen Spaß zu haben und beliebt bei den Mitspielern.

Er ist einer der Charaktere, denen man nur das Beste wünscht. Eben einer jener, die einem sofort ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

Umso zufriedenstellender ist es, dass Chandler – lange vom Verletzungspech verfolgt – in der Rückrunde richtig aufdreht. Der Rechtsverteidiger bekleidet im neuen System die rechte Mittelfeldposition und mauserte sich dort zum waschechten Torjäger. Vier Tore und eine Torvorlage bescherte er der Eintracht in der bisherigen Rückrunde. Mit vielem hätte man rechnen können, aber das kam überraschend.

Timothy Chandler als der sympathische, liebenswerte Charakter, dem nach langer Leidenszeit endlich mal etwas richtig, richtig Gutes widerfährt – einen schöneren Plot twist hätte man kaum schreiben können.

Der Herzensbrecher

Es gibt Herzensbrecher innerhalb der Show und es gibt deinen Liebling, der dein Herz bricht, weil er urplötzlich die Show verlässt – nur um in einer der unzähligen anderen Soaps in neuer Rolle wiederaufzutauchen!

Wir wissen alle, dass hier nur von einem die Rede sein kann: Ante Rebic. Den Last-Minute-Ausstieg im Sommer verarbeitet man in Frankfurt auch heute noch…

Spezialepisode „Europäische Adler“

Ein absolutes Highlight einer jeden Seifenoper sind die Jubiläumsfolgen. Alles ist in diesen Spezialepisoden immer etwas größer, dramatischer und spannender als in den alltäglichen Folgen.

Und genau so etwas Großes und Spektakuläres steht am Donnerstagabend für Eintracht Frankfurt an. Im Stadtwald gastiert in der ersten Europa League K.o.-Runde RB Salzburg. Ob es der Eintracht gelingt, die Salzburger vor heimischem Publikum genauso erfolgreich zu bespielen, wie ihr deutsches Pendant RB Leipzig, bleibt abzuwarten.

Die Österreicher mussten im Wintertransferfenster einige Leistungsträger ziehen lassen, unter anderem das norwegische Ausnahmetalent Erling Haaland, der nun für Borussia Dortmund auf Torejagd geht.

Aber auch die Frankfurter müssen auf einige Spieler verzichten. Defensiv-Stammkraft und Ex-Salzburger Martin Hinteregger fehlt gelbgesperrt. Und auch Dost und Gacinovic fallen für Donnerstagabend aus. Unglücksrabe Dost klagt über Adduktorenprobleme, Gacinovic schlägt sich mit einer Erkältung herum.

Eins dürfte jedoch sicher sein: Die Eintracht Fans werden dafür sorgen, dass die Hütter-Elf auf dem Platz von einer außergewöhnlichen Atmosphäre profitieren kann. Auf die Sonderfolge „Europäische Adler“ darf man freudig gespannt sein.

Wenngleich auch die UEFA die geplante Choreo der Frankfurter Ultras trotz Genehmigung der Stadt Frankfurt verboten hat – Wunderkerzen, sehr gefährliche Sache.

Da ist er wieder: der zu erwartende Dämpfer. Doch auf ein Tief folgt bei den häufig so leicht zu durchschauenden Seifenopern auch immer ein Hoch – so hoffentlich auch bei der ähnlich strukturierten Frankfurter Eintracht.

Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 5

Von Patricia Seiwert

Leidenschaft schlägt das, was dem Fußball Leiden schafft

Nachdem Eintracht Frankfurt zum Rückrundenstart drei Punkte aus Hoffenheim entführen konnte, war am Wochenende Tabellenführer RB Leipzig zu Gast. Selbstredend wurde ein gänzlich anderes Spiel erwartet, als noch gegen die TSG.

Ein bekanntes Muster aus der Hinrunde zeigte sich in dieser Partie. Die Eintracht brachte zwei ziemlich unterschiedliche Halbzeiten aufs Feld. Die erste Spielhälfte war geprägt von Leipziger Überlegenheit, Glück und Kevin Trapp.

Bis auf einen einzigen Abschluss von Innenverteidiger Abraham ging der Eintracht die Torgefahr in Halbzeit eins gänzlich ab.

Vielmehr waren die Hessen damit beschäftigt, das eigene Tor sauber zu halten. Besonders mit Nkunku hatte Touré zuweilen seine Schwierigkeiten.

Glücklicherweise war Kevin Trapp auch an diesem Spieltag in bestechend guter Form, parierte einige Male stark. Neben Kevin Trapp, konnte die Hütter-Elf auch den schwachen Abschlüssen der Leipziger danken. Denn trotz aller Dominanz, die die Gäste ausstrahlten, war die Gefahr vor dem Frankfurter Tor überschaubar.

Aus der Kabine kamen die Gastgeber dann aber mit neuem Schwung, bemühten sich zunehmend auch um Offensivaktionen. Dass die Hessen bereits drei Minuten nach Wiederanpfiff in Führung gehen sollten, ließ der bisherige Spielverlauf mitnichten vermuten. Und der Führungstreffer konnte sich sehen lassen. Almamy Touré bretterte den Ball per Direktannahme und mit voller Wucht ins Leipziger Tor. Dass ihm solch ein ansehnlicher Treffer gelingen würde, damit hatte der Verteidiger wohl selbst nicht gerechnet.

Die Chance aufs 2:0 ließ Kostic zwar wenig später liegen, dennoch war klar: Mit der Eintracht ist zu rechnen.

Von Leipziger Offensivpower war im restlichen Spiel wenig zu spüren. Das lag vor allem an der erneut kompaktstehenden Frankfurter Abwehrreihe, die wenig zuließ. Die Eintracht verteidigte leidenschaftlich und geschlossen gegen den immer wieder vergeblich anrennenden Tabellenführer.

Ganz Frankfurt – mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar große Teile Fußballdeutschlands – fieberte beim Stand von 1:0 dem Abpfiff entgegen, erfreut sich RB Leipzig doch bekanntlich eher weniger großer Beliebtheit. Immerhin war die Eintracht bis zu diesem Zeitpunkt gegen Leipzig zuhause ungeschlagen, wieso sollte diese Serie ausgerechnet an diesem Samstagnachmittag reißen?

Scheinbar fand auch das Schicksal auf diese Frage keine Antwort und so sollte Filip Kostic, der besonders in der zweiten Halbzeit auffällig aktiv war, die Partie kurz vor dem Abpfiff mit seinem Treffer zum 2:0 abrunden. Die Vorlage lieferte der eingewechselte Paciência, dessen Lauf- und Zweikampfbereitschaft die Schlussphase der Frankfurter bereicherte.

Mit dem recht unerwarteten, aber durch den cleveren Auftritt in Halbzeit zwei nicht ganz unverdienten Sieg, sichert sich Eintracht Frankfurt vorläufig mit Platz 9 einen einstelligen Tabellenplatz – für die Augen der Fans ein zufriedenstellender Anblick.

Transfermarktflaute und Personalentscheidungen

Tabellenführer schlagen kann die Eintracht also. Aber kann sie auch Wintertransfers? Bisher muss die Antwort darauf zum Unmut weiter Teile der Fans „nein“ lauten. Zwar äußerte sich Fredi Bobic zuletzt zu seinem Vorhaben auf dem Transfermarkt zumindest aktiv zu suchen, dennoch verzeichnet die Eintracht bisher keinen Winterneuzugang.

Außerdem sind einige Fans darüber verwundert, auf welcher Position Bobic laut eigener Aussage tätig werden möchte. So soll Verstärkung für das zentrale Mittelfeld gesucht sein, wo die Eintracht doch eigentlich – trotz des Ausfalls von Gelson Fernandes – recht breit besetzt ist.

Als viel dringlicher werden immer noch Verstärkungen auf dem rechten Flügel sowie in der Innenverteidigung angesehen. In der Innenverteidigung eben wegen der Systemumstellung auf die Viererkette und auf dem rechten Flügel, da dort momentan Timothy Chandler spielt, der seine Sache in den letzten beiden Spielen zwar solide machte, jedoch als gelernter Außenverteidiger eigentlich nicht als Dauerlösung geeignet ist. Ein klassischer Gegenpart zu Filip Kostic, der die linke, offensive Seite bespielt, findet sich im Kader der Eintracht bisher nicht.

Dennoch verkündete Eintracht Frankfurt vor dem Spiel gegen RB Leipzig zwei Personalentscheidungen. Zum einen verlängerte Stürmer Gonçalo Paciência seinen Vertrag vorzeitig um ein Jahr bis 2023.

Zum anderen gab Eintracht Frankfurt – zu einem relativ unerwarteten Zeitpunkt – bekannt, dass die Zusammenarbeit mit Torwarttrainer Manfred „Moppes“ Petz im Einvernehmen beendet wird – nicht zum Sommer, sondern sofort. Jan Zimmermann, bis dahin noch 4. Torwart der Frankfurter, übernimmt den Posten von nun an.

Dass die Eintracht sich neu orientieren möchte, sickerte bereits durch. Dennoch war eher zu erwarten, dass die Saison noch gemeinsam beendet wird, bevor sich die Wege trennen. Nun soll oder will sich Moppes Petz wohl doch schon früher beruflich neu ausrichten.

Die „Hals über Kopf“-Verkündung ließ viele Fans mit Fragezeichen über dem Kopf zurück. Was führte zu einer solch übereilten Trennung mitten in der Saison? Die genauen Gründe sind unbekannt.

Petz stand seit 2011 bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag. Der Sympathieträger erfreute sich großer Beliebtheit bei Spielern und Fans. Unvergessen ist seine Performance auf dem Römerbalkon nach dem DFB-Pokalsieg 2018, als er  spontan ein Liedchen trällerte.

Schwarz, weiß, rot – Das sind unsere Farben

Frohe Kunde gab es auf der Mitgliederversammlung am vergangenen Sonntag.

Besonders das Thema Stadionausbau traf auf interessierte Ohren. Ab 01. Juli 2020 übernimmt die Eintracht das Stadion als Dauermieter und somit auch als Betreiber. Es wird eine Miete von 8 Millionen Euro jährlich fällig, jedoch erhält die Eintracht auch alle Einnahmen.

Die Stadt hat dem Ausbau des Stadions zugestimmt. Vor allem mehr Stehplätze soll es geben. Auch die Digitalisierung soll vorangetrieben werden, beispielsweise mit einem neuen Videowürfel – längst überfällig, sah man doch auf Teilen des alten Würfels kaum noch was. Auch einen neuen Caterer wird es geben.

Eine Herzensangelegenheit für Eintracht-Anhänger sind auch die Pläne, das Stadion endlich in Vereinsfarben zu schmücken. Statt blau und gelb, sollen nun endlich die Farben schwarz, weiß und rot erstrahlen.

Und es wird noch besser: Der leidliche Name „Commerzbank-Arena“ könnte bald Geschichte sein, denn Eintracht Frankfurt darf auch die Namensrechte für das Stadion neu verhandeln. Sicher ist bezüglich der Namensfindung aber noch nichts. Wer weiß, vielleicht dürfen sich die Frankfurt-Fans ja bald auch offiziell wieder zahlreich im „Waldstadion“ versammeln.

Bloß nicht stolpern

Während das Wintertransferfenster aus Fan-Sicht bisher unbefriedigend ausfällt, stellt der gelungene Rückrundenstart die Anhänger sehr zufrieden.

Am kommenden Samstag sind die Frankfurter bei Fortuna Düsseldorf zu Gast. Der Tabellenletzte entließ am Mittwoch Cheftrainer Friedhelm Funkel.

Trotz „Trainereffekt“ sollten die Düsseldorfer die Eintracht vor keine Mammut-Aufgabe stellen, vor allem, da die letzten 4 Spiele zugunsten der Frankfurter ausgingen. Dennoch darf das Spiel nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn die Adlerträger tun sich traditionell schwer, gegen die vermeintlich kleineren Gegner. Wichtig ist, dass die beiden erfreulichen Siege gegen Hoffenheim und Leipzig nun durch Punktgewinne gegen Düsseldorf und Augsburg, quasi ein gefühlter Angstgegner der Hessen, vergoldet werden. Besonders, wenn die Eintracht sich in der oberen Tabellenhälfte behaupten möchte.

Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 4

Von Patricia Seiwert

Mit Viererkette zu drei Punkten

Zum Rückrundenauftakt durften die nach Sinsheim mitgereisten Fans von Eintracht Frankfurt Augenzeugen einer Seltenheit in dieser Saison werden: Ein Auswärtssieg stand nach Abpfiff der Partie gegen die TSG Hoffenheim zu Buche. Für Mannschaft und Fans war das ein befreiendes Gefühl, holte die Eintracht doch zuletzt aus sieben Ligaspielen lediglich einen einzigen Punkt.

Das Trainingslager in den USA nutzte Eintracht Frankfurt also nicht nur, um ein Büro in New York zu eröffnen, sondern auch zur sportlichen Vorbereitung in Florida. Dort studierten die Hessen intensiv die Viererkette ein, um in der Rückrunde flexibler auftreten zu können – angesichts der leichten Ausrechenbarkeit der Frankfurter keine schlechte Idee.

Die Pause im sonnigen Florida schien den Spielern gut getan zu haben, denn das Spiel gegen die TSG Hoffenheim hatten die Frankfurter weitestgehend im Griff. Im neuen 4-2-3-1 System (4-4-2 gegen den Ball) wirkte die Hütter-Elf deutlich frischer als zuletzt. Die Merkmale, die für die sonst so energische Eintracht typisch waren, suchte man zuletzt vergeblich, doch gegen Hoffenheim stimmte die Einstellung wieder. Die Adlerträger zeigten sich kämpferisch und boten eine solide Mannschaftsleistung dar. Auffällig war auch, dass wieder häufiger vertikal gespielt wurde.

Gacinovic und Dost, denen gute Leistungen im Trainingslager nachgesagt wurden, zeigten zumindest einmal, dass mit ihnen zu rechnen ist und fädelten die 1:0 Führung früh im Spiel (18. Minute) ein. Der schmerzfreie Bas Dost tat das, wofür er geholt wurde, nämlich einnetzen und Mijat Gacinovic, der kleine, flinke Serbe, an dem so mancher Fan nicht selten verzweifelte, stellte mit seinen bedachten Aktionen einen wichtigen Part im Frankfurter Angriffsspiel dar. Doch wer denkt, vom „alten“ Gacinovic sei nichts mehr übrig, der irrt. Trotz solider Leistung traf der serbische Nationalspieler hin und wieder falsche Entscheidungen.

Auch Kevin Trapp durfte die Eintracht nach seiner Verletzungspause zurück im Tor begrüßen. Und der Stammtorwart war direkt wieder voll da -nicht nur mit seiner Ausstrahlung – auch zwischen den Pfosten parierte er einige Male stark. Nur beim 1:1 Ausgleichstreffer durch Stafylidis kurz nach Wiederanpfiff musste Trapp hinter sich greifen.

Gewohnt stark agierte auch Filip Kostic. Der Flügelspieler bediente seine Mitspieler mit einigen guten Flanken. Im eigenen Abschluss fehlte ihm aber das nötige Glück. Gleich zweimal knallte der Serbe den Ball an die Latte.

Auch sein Gegenpart auf der rechten Seite, Timothy Chandler, befindet sich derzeit in einer guten Form. Nicht nur war er am Treffer zum 1:0 beteiligt, er sicherte mit seinem Tor zum 2:1 seinem Team auch drei wichtige Punkte. Nach einer wunderbar getretenen Flanke von Kostic, schraubte sich der gebürtige Frankfurter in der 62. Spielminute in die Luft und netzte mit dem Kopf ein.

Chandler zeigt, dass er für die rechte Mittelfeldposition durchaus eine Alternative sein kann. Dennoch weist der Deutschamerikaner auch einige Schwächen auf. Besonders im technischen Bereich hakt es. Unsaubere Ballannahmen und einige ungenaue Pässe resultieren daraus.

Die Eintracht wäre daher gut beraten, wenn sie sich im verbleibenden Transferfenster um einen offensiven Spieler für Rechtsaußen bemühen würde. Besonders in Partien, in denen die Frankfurter offensiver auftreten und das Spiel machen müssen, sind Chandler und auch da Costa als gelernte Verteidiger nicht die beste Wahl.

Doch nicht nur im rechten Mittelfeld ist Handlungsbedarf. Durch die Systemumstellung auf die Viererkette könnte auch ein weiterer Innenverteidiger eine Überlegung wert sein. Bisher tätigte Eintracht Frankfurt keinen einzigen Wintertransfer und hielt sich bezüglich möglicher Neuzugänge weitestgehend bedeckt.

Der 2:1 Auswärtssieg bei der TSG Hoffenheim, von dem sich der Frankfurter Anhang erhofft, dass er den Auswärtsfluch der Eintracht beendet hat (nur bei Union Berlin konnte man bis dato in der bisherigen Saison drei Punkte nach Frankfurt entführen), darf bei aller Freude über die wichtigen Punkte aber nicht überbewertet werden. Denn mit Hoffenheim stand ein relativ harmloser Gegner auf dem Platz. Den Kraichgauern fehlte es an Ideen gegen die Frankfurter – auch, weil diese die Räume eng machten und kompakt standen.

Obwohl die Eintracht das Spiel über weite Strecken unter Kontrolle hatte, begann die zweite Halbzeit holprig. In dieser Spielphase, in der auch das Gegentor fiel, schwächelten die Gäste merklich. Es wurde deutlich, dass die Frankfurter keineswegs unerschütterlich sind. Im Gegenteil: Die Hessen wirkten plötzlich wieder unsicher.

Dennoch kann der Hütter-Elf zugutegehalten werden, dass es ihr im weiteren Verlauf der zweiten Spielhälfte gelang, sich wieder zu stabilisieren und den Siegtreffer zu erzielen.

Trotz der am Wochenende hinzugewonnenen drei Punkte bleibt die Tabellensituation weiterhin angespannt. Klar ist, dass die Eintracht weiterhin diszipliniert an ihren Schwächen arbeiten muss. Am kommenden Samstag gastiert der Tabellenführer im Frankfurter Stadtwald. Das Spiel gegen die formstarken Leipziger könnte eine Bewährungsprobe sein – insbesondere für die neue Viererkette.

Ob es der Eintracht gelingt, Leipzig zumindest einen Punkt abzuringen, wird sich zeigen. Sicher ist, dass die Adlerträger mit dem Auftaktsieg neues Selbstvertrauen schöpfen konnten. Auch die Fans, die das Auswärtsspiel gegen Hoffenheim eindrucksvoll zu einem gefühlten Heimspiel machten, erwarten von ihrer Mannschaft, dass sie mit garantiert lautstarker Unterstützung im Rücken den kleinen Aufwind nutzt und eine ordentliche Leistung abliefert. Sollte diese mit einem Punktgewinn belohnt werden, umso besser…

Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 46

von Patricia Seiwert

Zuhause ist es am schönsten

Gerade an Tagen wie diesen, an denen ein beißender Wind den Bäumen die letzten bunten Blätter von den Ästen weht, Spaziergänge durch die vom Nieselregen nassen Straßen nur mit Schal und Mütze erträglich sind und der Winter bereits den ersten Fuß in die Tür gesetzt hat, sagt man sich unverhältnismäßig oft: Zuhause ist’s doch am schönsten!

Genau das dürfte auch das Mindset beschreiben, mit dem die Frankfurter Eintracht zuletzt ihre Spiele bestritt. Eine klare Auswärtsschwäche zeichnete sich über die bisherige Saison hinweg ab und auch diese Woche sollte diese kein Ende finden. Die Euphoriewelle erreichte die Frankfurter nach dem 5:1 Kantersieg gegen den FC Bayern München zwar in voller Wucht, diese vermochten es aber nicht, auf ihr zu reiten und sollten alsbald vom kühlen Nass erwischt werden.

Von tragischen Figuren und noch tragischeren Schiedsrichtern

Die Tage der Ernüchterung sollten am vergangenen Donnerstag im belgischen Lüttich ihren Anfang nehmen. Dort reiste Eintracht Frankfurt an, nicht so aber die dazugehörigen, sonst so treuen Anhänger. Denen war es nämlich nicht nur wegen der verhängten Auswärtssperre verboten, das Spiel im Stadion zu verfolgen, auch die Stadt durften die reiselustigen Fans nicht betreten.

Doch die vielen Zuhausegebliebenen, die das Spiel am Bildschirm verfolgten und die wenigen, die sich doch undercover im Stadion befanden, bekamen alles andere als eine glanzvolle Partie zu sehen. Noch kürzlich machte Adi Hütter auf einer Pressekonferenz deutlich, seine Mannschaft könne nicht alle drei, vier Tage ein Feuerwerk abbrennen.

 

Selten wurde diese Aussage mehr gestützt, als durch die Diskrepanz zwischen der Leistung gegen Bayern und der Leistung an diesem Europapokalabend.

Lange Zeit gab diese Partie nichts her. Sie dümpelte so vor sich hin, vor einer Kulisse, von der einige mehr erwartet hatten, wurde doch das Lütticher Publikum im Vorfeld nicht selten als sehr leidenschaftlich angepriesen.

Selbst der Führungstreffer in der 56. Minute, den Standard Lüttich, wie sollte es anders sein, durch einen Standard erzielte, brachte nicht zwingend mehr Zug ins Spiel. Zwar glich die Eintracht keine 10 Minuten später durch Kostić aus, der einen direkten Freistoß verwandeln konnte, das war es aber auch mit den Highlights bis hier hin. Nachdem die Zeit ohne weitere große Geschehnisse verstrich und die Uhr 90 gespielte Minuten anzeigte, ging es in die vierminütige Nachspielzeit. Zu diesem Zeitpunkt war in vielen Köpfen bereits der 1:1 Endstand besiegelt. Scheinbar auch in denen der Frankfurter Abwehrreihe und genau das wurde den Hessen in Minute 90+4 zum Verhängnis. Hinteregger ging mit seinem Gegenspieler nicht ins Kopfballduell, sodass dieser einen langen Ball auf den anschließenden Torschützen Lestienne ablegen konnte, zu dem sowohl Hasebe als auch Abraham einen zu großen Abstand hatten.

In letzter Minute sicherte sich Lüttich also den Sieg.

Für die Frankfurter ist dies nicht zuletzt deshalb so bitter, weil Filip Kostic den 2:1 Führungstreffer vor dem Gegentreffer auf dem Fuß hatte, die tragische Figur dieses Abends den Schuss aber komplett verzog und im Gegenzug dann der Konter auf die in Gedanken bereits in der Kabine verweilende Frankfurter Abwehr zurollte.

Das Endergebnis sorgte aber nicht nur für Aufregung, weil die Eintracht somit in der Gruppe auf Platz 3 abrutschte, sondern auch, weil Lüttich seit der 64. Spielminute zu zehnt hätte auf dem Platz stehen müssen. Laifis zog nämlich die Notbremse gegen Rode. Obwohl dieser der letzte Mann war, sah der Zypriot aber keine rote Karte.

Selbst wenn der Schiedsrichter seine rote Karte vergessen hätte, hätte es gereicht, wenn er ihm die gelbe gezeigt hätte, denn besagter Spieler war bereits verwarnt. Aber auch dies passierte bezeichnenderweise nicht. Ad absurdum wurde die ganze Situation spätestens aber dann geführt, als der Unparteiische auch noch dem falschen Lüttich-Spieler die gelbe Karte zeigte. Dieser hatte scheinbar die Planlosigkeit des offensichtlich überforderten Schiedsrichters erkannt und sich prompt als der Schuldige ausgegeben, um seinen vorbelasteten Teamkollegen vor einem Platzverweis zu schützen.

Völlig zurecht regten sich nach dem Spiel nicht nur die Fans, sondern auch Trainer Hütter über diese kuriosen Geschehnisse auf. Denn nach den verbleibenden 25 Minuten in Unterzahl, hätte es Standard Lüttich vermutlich nicht mehr geschafft, den Last-Minute-Siegtreffer in dieser Form herauszuspielen.

Der Eintracht bleibt nun die Erinnerung an einen gebrauchten Abend und immerhin die Chance, es drei Tage später in der Bundesliga gegen den SC Freiburg besser zu machen.

Ein wortwörtliches Kampfspiel

Doch auch diese Chance sollte vertan werden. Mit einem Sieg gegen den SC Freiburg hätte Eintracht Frankfurt die Gelegenheit gehabt, die Länderspielpause auf Platz 4 der Tabelle zu verbringen. Dies sollte gegen die Breisgauer aber nicht gelingen.

Obwohl die Gastgeber bisher eine überraschend starke Saison spielen, konnten sie gegen die Adler vom Main nicht gewohnt stark aufspielen. Die Eintracht lieferte zwar auch hier keine Leistung, bei der zahlreiche Kinnladen der Schwerkraft zum Opfer fallen würden, arbeitete aber dennoch solide gegen die Stärken der Freiburger.

Auch diese Partie lieferte nicht allzu viele Wow-Momente. Zwar gab es auf beiden Seiten die ein oder andere Torchance, diese wurden aber nicht verwandelt. Umso unnötiger war demnach das, was sich kurz vor dem Pausenpfiff ereignete.

Gelson Fernandes, der bereits gelb vorbestraft war, setzte gänzlich ohne Not zur Grätsche an und traf dann zu allem Übel auch noch nicht den Ball, sondern seinen Gegenspieler. Völlig zurecht, sah er für diese Aktion Gelb-Rot und völlig zurecht, regten sich alle auf, die es mit der Eintracht halten.

Es kündigte sich über die Halbzeit hinweg bereits an, dass Fernandes an diesem Abend wohl kaum die 90 Minuten zu Ende spielen würde, weshalb Hütter vielleicht vorsichtshalber lieber einen frühen Wechsel in Erwägung hätte ziehen sollen. Gleichzeitig war bis zur Pause aber zum Zeitpunkt des Platzverweises nicht mehr lange zu spielen und von einem erfahrenen Spieler wie Fernandes erwartete man sicherlich auch, dass dieser sich in die Halbzeit retten kann, bevor ihn dann ein frischer Spieler ersetzen kann. Dazu sollte es aber nicht kommen und so musste die Frankfurter Eintracht die zweite Halbzeit dezimiert bestreiten. ???

Dies gelang ihr gut. Sehr gut sogar. Denn auch mit einem Mann weniger war die Eintracht am Sonntagabend in Freiburg die deutlich bessere Mannschaft. Dennoch schaffte sie es, wie schon so oft in der laufenden Saison, nicht, ihre Überlegenheit in Tore umzumünzen. Wie es im Fußball scheinbar ungeschriebenes Gesetz ist, geht dann die andere Mannschaft in Führung und so erzielte Nils Petersen in der 77. Minute das erste und einzige Tor dieser Partie.

Doch nicht die Partie bis zur 90. Minute ist es, die danach in aller Munde war, sondern die Nachspielzeit, in der ein Ball ins Aus ging – laut Freiburger Hymne eine Sache, die nie hätte passieren dürfen, denn dort geht, dem Liedchen zufolge, kein Ball ins Aus. Ging er aber nun mal doch.

Freiburg-Trainer Streich, dessen Mannschaft knapp führte, stoppte diesen Ball nicht, machte sogar noch einen Schritt nach rechts und stellte sich damit in den Laufweg von David Abraham, dessen Plan es war, den Einwurf schnellstmöglich auszuführen. Ehe er sich versah, wurde er auch schon vom heranpreschenden argentinischen Heißsporn, inklusive Bodycheck, umgerannt. So die Kurzfassung der anschließend viel diskutierten Geschehnisse.

Die Erkenntnisse hieraus sind, ebenfalls kurzgefasst, dass selbst jemand, der abseits des Platzes der vorbildlichste Mensch sein mag, im Eifer des Gefechts verständlicherweise auf seinen Vorteil bedacht ist und aus solchen Gegebenheiten heraus eventuell nicht immer auf die sportlichste Art und Weise handelt. Aber auch, dass dies keineswegs rechtfertigt, diesen jemanden anzurempeln, umzureißen oder, wie in dieser Aktion, nach allen Regeln der Kunst wegzuchecken.

Glücklicherweise kam niemand zu Schaden und alle Parteien vertrugen sich nach Abpfiff der Partie schnell. Neben Abraham sah auch der zu diesem Zeitpunkt bereits ausgewechselte Grifo zurecht die rote Karte. Dieser stürmte nach dem Rempler gemeinsam mit seinen Teamkollegen auf den Frankfurter Kapitän zu und fasste diesem ins Gesicht.

Sowohl Abraham als auch Grifo wurden also für ihr Fehlverhalten bestraft, wobei Abraham sicherlich noch mit einer längeren Sperre zu rechnen hat.

Böses Blut gibt es letztendlich aber auf keiner der beiden Seiten, nachdem Entschuldigungen ausgetauscht und klärende Gespräche geführt wurden.

Aus der Sicht der Eintracht doppelt bitter war die Szene deshalb, weil sie das Spiel beendete. Hätte Abraham es geschickt angestellt und wäre Streich trotz dessen kleinen Schrittes nach rechts ausgewichen, hätte er den Ball zurück ins Spiel befördern können und die Frankfurter hätten zumindest noch eine letzte Chance gehabt, an diesem kalten Novemberabend irgendwie noch den Ausgleich zu erzielen.

Zeit zum Durchatmen

Nun steht die Länderspielpause an, in denen sich die Gemüter der Spieler, Trainer, Fans und Medien beruhigen können.

Nach zwei Niederlagen aus zwei Partien muss es die Eintracht schaffen, diese enttäuschende Woche als das abzuschließen, was sie eben war: eine Woche, in der wenig bis gar nichts gelingen sollte und in der auch das Quäntchen Glück fehlte, das im Fußball mitunter benötigt wird.

Die Pause wird sicherlich dazu genutzt werden, die Köpfe wieder freizubekommen. Denn vor der Winterpause stehen noch wichtige Wochen für die Adlerträger an. Nach der Niederlage in Lüttich steht der Einzug in die K.o.-Phase der Europa League auf der Kippe, sodass den Spielen gegen Arsenal und Guimarães eine hohe Bedeutung zukommt.

Auch in der Bundesliga wurde es versäumt, die Länderspielpause auf einem Champions-League-Platz zu verbringen. In der immer noch engen Tabelle steht Eintracht Frankfurt auf Platz 9 und empfängt in zwei Wochen mit dem VfL Wolfsburg den punktgleichen Tabellennachbarn. Eine unbequeme Aufgabe, auch, weil sich Spiele gegen die Werkself für die Frankfurter traditionell oft schwierig gestalten.

Dennoch darf und muss diese Aufgabe mit positiver Einstellung angegangen werden, nicht zuletzt, weil der Austragungsort im Frankfurter Stadtwald im bisherigen Verlauf der Saison ein überwiegend glückliches Pflaster für die Hessen war.

Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 45

Von Patricia Seiwert

Wingardium Leviosamstag – Die Eintracht schwebt über den Platz

 War geil.

Eigentlich wäre mit diesen beiden Worten alles gesagt. Sie würden vielleicht halb Fußballdeutschland, mindestens aber allen denen, die es mit Eintracht Frankfurt halten, aus der Seele sprechen.

Da die Autorin dieses Textes ihre Aufgabe, die Geschehnisse und die Gefühlslage in Frankfurt schriftlich festzuhalten und das dabei entstandene Textstück dann in den Weiten des Internets zu verteilen, aber sehr ernst nimmt, folgen nun ein paar weitere Zeilen zu einem spektakulären Bundesliganachmittag in der Mainmetropole.

Wechselhaft war das Wetter an besagtem Samstagnachmittag. Standen vor Anpfiff der Partie noch rund ums Stadion herum zehntausende Menschen, die die sich durch die Wolken kämpfenden Sonnenstrahlen genossen, so brachen pünktlich zum Anstoß die Wolken und ein Schauer ergoss sich über den Frankfurter Stadtwald.

Beständig gut hingegen sollte die Laune der heimischen Fans an diesem Tag bleiben. Kaum einer derjenigen, die sich vor Beginn des Spiels das ein oder andere Kaltgetränk genehmigten und darüber philosophierten, wie das kurz bevorstehende Spiel gegen den FC Bayern München denn nun verlaufen könnte, hätte wohl mit dem gerechnet, was sich letztendlich ereignete.

Ein Sieg für die Bayern, die zwar zuletzt schwächelten, aber eben trotzdem noch die Bayern sind? Wahrscheinlich. Eine hart umkämpfte Partie, die am Ende keinen Sieger findet? Möglich. Ein knapper Sieg für mutig aufspielende Frankfurter? Wäre schön.

Sicher witzelte auch hin und wieder jemand darüber, dass man die Münchner in ihrer jetzigen Form doch abschießen müsse. Doch die wenigsten hätten mit dem Ergebnis gerechnet, das nach 90 Minuten auf der Anzeigetafel zu sehen war: ein 5:1 für die Heimmannschaft. Sechs Tore in einem Spiel, von denen eine ganze Hand voll aufs Konto der Adlerträger geht.

 

Schon während des Spiels bündelten sich Freude, Stolz, Erstaunen und ein kleines bisschen Unglaube in der Frankfurter Fan-Seele, während dem mitgereisten Bayern-Anhang zunächst blankes Entsetzen, am Ende aber eine resignierende Gleichgültigkeit in den Gesichtern stand.

Wie die Eintracht den deutschen Rekordmeister derart deklassieren konnte? Mit Cleverness, Spaß am eigenen Spiel, Unersättlichkeit und mit einem unerschütterlichen Selbstvertrauen, das auch nicht schwand, als die Gäste zwischenzeitlich durch ein ansehnliches Lewandowski-Tor auf 2:1 verkürzen konnten.

Sicherlich spielte den Frankfurtern auch in die Karten, dass sich bereits in der 9. Minute eine Schlüsselszene ereignete. Nachdem die ersten Minuten des Spiels eher die Gäste aus München am Drücker waren, entstand aus einer gelungenen Abwehraktion von Martin Hinteregger eine Gelegenheit zum Kontern, an deren Ende Gonçalo Paciência nur noch an Jérôme Boateng vorbeimusste, um alleine vor Torhüter Manuel Neuer aufzutauchen. Doch dazu sollte es nicht kommen. Boateng, dem es an Spielpraxis mangelt und der bei den Bayern durch die Verletzungen der Innenverteidiger Süle und Hernández quasi als Notnagel die Abwehrreihe komplettieren soll, setzte zur klärenden Grätsche an, traf dabei aber nicht das Rund, sondern den Frankfurter Stürmer.

Seine Entscheidung auf Elfmeter und gelb für Boateng, revidierte Schiedsrichter Markus Schmidt nach Eingreifen des Videoassistenten. Das Foul fand vor dem Strafraum statt und so gab es zwar keinen Elfmeter, aber rot für den Innenverteidiger des FC Bayern, der mit Paciência den letzten Mann, in dieser aus Sicht der Gäste verhängnisvollen Kontersituation, zu Fall brachte.

80 Minuten in Unterzahl standen für den amtierenden deutschen Meister nun an und obwohl aus der Freistoßsituation noch kein Tor für die Hessen entstand, sollte es sich ab hier zu einem sehr einseitigen Spiel entwickeln. Bis auf den deutlich angesäuerten Manuel Neuer, der eine noch höhere Niederlage seiner Mannschaft zu verhindern wusste und Robert Lewandowski, der durch seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 2:1 ein deutliches Lebenszeichen gab, wirkte die gesamte Mannschaft des FC Bayern München blutleer.

Quicklebendig hingegen waren zum einen das Frankfurter Publikum, dessen Selbstverständnis, die besten Fans der Liga zu sein, durch Ex-Trainer und Bayern-Trainer Niko Kovač im Vorfeld des Spiels noch einmal bestätigt wurde, und zum anderen die Jungs auf dem Rasen, die die Ränge regelmäßig so akribisch anfeuern. Mit jeder neuen Spielminute, die anbrach, sah man der heimischen Mannschaft den Spielspaß mehr und mehr an. Folgerichtig gingen die Adler in der 25. Minute durch Kostić in Führung. Ab jetzt überschlugen sich die Ereignisse. Djibril Sow baute die Führung mit seinem ersten Treffer für die Eintracht keine zehn Minuten später aus. Dieses 2:0 verdient den Titel „Perfektion“. Von der Entstehung bis hin zum Abschluss symbolisierte dieses Tor alles, was das Spiel der Frankfurter an diesem Nachmittag so ansehnlich machte, allem voran die Leichtigkeit. Hinteregger eröffnete den Spielzug mit einem Pass auf Dost. Dieser leitete den Ball in bester One-Touch-Manier auf Paciência weiter, dieser wiederum mit nur einer Berührung mit der Hacke weiter auf den nachrückenden Rode, der im gleichen Atemzug den Ball wieder für den Portugiesen ablegte. Dieser spielte nach links auf Filip Kostić ab, dessen abgefälschte Flanke Sow fand, der den Ball Volley nahm und ins Tor der Bayern knallte – eine Szene, an der sich Ästhetik-Liebhaber niemals satt sehen werden.

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Vor der Pause fiel nur noch der ebenfalls nett anzuschauende Anschlusstreffer durch Lewandowski, der durch eine Drehung mal ganz nebenbei drei Frankfurter an deren Strafraum stehen ließ und anschließend im Vorbeigehen einnetzte. Dies war der letzte Moment, an dem sich die Eintracht-Anhänger an diesem Nachmittag ärgern sollten.

Was in der zweiten Halbzeit folge, läuft unter dem Namen „Pure Extase“. In den verbleibenden 45 Minuten spielten sich die Frankfurter in einen Rausch.

Nur wenige Minuten nach Wiederanpfiff leistete sich Gnabry einen fatalen Ballverlust. Abraham nahm den hergeschenkten Ball dankend an, ließ ihn von Dost weiter auf da Costa verteilen, der eine Flanke hereingab, die nicht nur auf den Millimeter genau passte, sondern sich auch ganz genau so um die Abwehr herumlegte, dass Abraham letztendlich nichts anderes übrig blieb, als das 3:1 einzutüten. Spätestens jetzt waren die Bayern für diesen Spieltag endgültig gebrochen.

Und die Eintracht? Die kannte keine Gnade. Wie sagt man so schön in Frankfurt? Erbarme zu spät, die Hesse komme!

Die Innenverteidiger Abraham und Hinteregger mauserten sich zuletzt im Heimspiel gegen Standard Lüttich, als die Eintracht mit einem sehr schmal besetzten Sturm antreten musste, gewissermaßen zu Teilzeitstürmern. Nachdem der Kapitän gegen die Bayern bereits bewies, dass er vor dem Tor kein One-Hit-Wonder ist, legte nun auch Hinteregger nach. Nach einer Ecke köpfte er den Ball zum 4:1. Da war es wieder: das Frankfurter Innenverteidiger-Sturm-Duo.

Aber auch das sollte noch nicht alles an Freude gewesen sein, was den Eintracht-Fans beschert werden sollte. Nachdem die letzten Wochen die Sorge um André Silva und seine mysteriöse Achillessehnenproblematik immer weiter anwuchs, einige nicht mal mehr mit einem Hinrunden-Einsatz des vom AC Milan geliehenen Portugiesen rechneten, wechselte Adi Hütter, der offenbar noch nicht genug von seiner Offensive hatte, das Sorgenkind beim beachtlichen Stand von 4:1 ein.

Und André Silva? Der konnte zum Erstaunen vieler nicht nur rund laufen, sondern auch Tore vorbereiten. So nämlich geschehen fünf Minuten vor pünktlichem Schluss der Partie, als Silva zunächst Alaba vernaschte und anschließend seinen Landsmann und Kumpel aus Porto-Zeiten Paciência bediente, der nur noch einschieben musste. 5:1. Schlusspfiff. Ungebremste Euphorie.

Wenn die Hessen weder den Reformationstag noch Allerheiligen als offiziellen Feiertag zugesprochen bekommen, dann machen sie sich halt ihren eigenen. Denn an diesem Nachmittag passte auf Seiten der Frankfurter einfach alles: die Chancenverwertung, die Pässe, die ein schönes Kombinationsspiel ermöglichten, die Nähe zum Gegenspieler und die Aggressivität gegen den Ball, die Stabilität der Abwehrreihe, in der Hinteregger den pausierenden Hasebe in der Mitte der Dreierkette ersetzte und in der N’dicka sich endlich wieder zeigen durfte und sogleich ein exzellentes Spiel hinlegte. Auch der zuletzt häufig kritisierte Kapitän Abraham meldete sich mit einer starken Leistung zurück, die Kritiker, die ihn bereits voreilig abgeschrieben hatten, zurückrudern lassen dürfte.

Am Samstagabend waren alle Sorgen, alle negativen Gedanken wie weggeblasen. Apropos weggeblasen: Niko Kovač bot am darauffolgenden Sonntag seinen Rücktritt bei den Bayern an, woraufhin sich die Wege trennten. Fast schon ironisch, dass das Kapitel Bayern München für den Frankfurter Pokalsiegertrainer genau dort endete, wo es vor knapp über einem Jahr begann.

Böses Blut gibt es zwischen den meisten Eintracht-Fans und Niko Kovač dennoch nicht.

Die Adler haben, nicht zuletzt durch die erfolgreiche Entwicklung, die ihr Klub unter Hütter nahm, längst mit ihrem Ex-Trainer und allem Drumherum (inklusive kroatischem Fahrer) abgeschlossen.

Doch nicht alle Kapitel sind beendet. Weder das des DFB-Pokals, in dem der Eintracht für das Achtelfinale ein Heimspiel gegen RB Leipzig zugelost wurde, noch ist der Ausgang der Europa League Gruppenphase für Eintracht Frankfurt entschieden. Durch den Gegentreffer, den die Hessen beim siegreichen Hinspiel im eigenen Stadion gegen Standard Lüttich kassierten, ist das Schiff noch längst nicht im Hafen. Umso wichtiger ist es, dass trotz aller Euphorie, die nach dem vergangenen Bundesligaspieltag zurecht herrscht, die Konzentration weiterhin aufrechterhalten wird.

Um es mit Stammtischparolen zu sagen: Das Spiel in Lüttich wird ein ganz anderes als noch das Heimspiel gegen Bayern, das an einem perfekten Nachmittag eine Eigendynamik entwickelte, die ihresgleichen sucht.

Auch wenn die Belgier im Hinspiel weniger durch feinen Fußball überzeugten, spielen sie am kommenden Donnerstag im heimischen Stadion, das durchaus als gut besucht gilt. Kein einfaches Unterfangen also, besonders mit Blick auf die Auswärtssperre, die gegen die Eintracht-Fans verhängt wurde.

Das Team von Adi Hütter muss diesmal ohne das Publikum bestehen, das oftmals die rettende Pressluftflasche war, wenn die Luft auf dem Platz mal dünn wurde. Und das in einer Partie, die sicherlich hart umkämpft sein wird.

Dennoch muss und wird die Frankfurter Eintracht mit einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen nach Belgien reisen und wenn sie annähernd solch eine Leistung abrufen kann, wie am vergangenen Samstag, wird man auch nach dieser Partie in strahlende Gesichter schauen, die den Adler auf der Brust tragen.

Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 44, Teil 2

von Patricia Seiwert

Die zwei Gesichter Eintracht Frankfurts

Am vergangenen Mittwochabend war es soweit. Der DFB-Pokal ging auch für Eintracht Frankfurt in die nächste Runde. Die Adler landeten nach knapp 400 Kilometern Luftlinie in Hamburg, wo sich laut Banner im Stadion auch die Fans das Ziel gesetzt hatten, in der Hansestadt Schiffe versenken zu spielen.

Doch auch der Anhang des FC St. Pauli scheute keine Kosten und Mühen, um ihre Mannschaft vor Anpfiff der Partie gegen den Europa League Teilnehmer mit einer Choreo an diesem kalten Abend heiß auf den Sieg zu machen.

Angelehnt an das leuchtende, glitzernde und funkelnde Las Vegas, schmückten die Norddeutschen ihre Tribüne mit einer blinkenden Lichterkette, goldglänzenden Fähnchen inklusive Konfetti und einer Nachstellung des berühmten „Welcome to Fabulous Las Vegas“ Schildes mit Sankt Pauli Schriftzug.

Dass sich die Energie von den Rängen aber zu Spielbeginn auf die Frankfurter Spieler überträgt, denen imposante Choreos aus dem eigenen Stadion bereits bestens bekannt sind, statt auf die eigene Mannschaft, das war von den Sankt Paulianern sicherlich nicht so geplant.

Von Anfang an dominierte die Eintracht, die an diesem Abend ordentlich rotierte und gleich fünf neue Spieler im Vergleich zum Spiel in Mönchengladbach auf den Platz schickte, den Zweitligisten klar. Folgerichtig fiel auch das 1:0 für die Frankfurter früh. Hinteregger durfte ganz unbedrängt eine Flanke aus dem Halbfeld auf den rechtzeitig zum Pokalspiel genesenen Bas Dost schlagen, der diese mit dem Kopf bereits in der 4. Minute gekonnt im Tor der Gegner unterbrachte.

Und die Führung sollte schnell ausgebaut werden. 12 Minuten später klingelte es erneut im Kasten der Gastgeber. Der Torschütze? Wieder Bas Dost. Nach einem perfekten Pass von Kohr, eilte der Niederländer der Abwehrreihe in ihrem Rücken davon und lupfte den Ball gekonnt über Torwart Müller, ohne sich vom seitlich zu einer Grätsche ansetzenden Abwehrmann aus der Ruhe bringen zu lassen. Lässig wäre untertrieben.

Nach einer knappen viertel Stunde führte die Eintracht also schon relativ komfortabel mit 2:0, in einem Spiel, das sie vollends unter Kontrolle zu haben schien. Doch wer sich zu diesem Zeitpunkt auf einen entspannten Fußballabend gefreut hat, dem sollte der weitere Verlauf der Partie gehörig eine Lektion erteilen.

Kurz vor dem Ende der 1. Halbzeit folgte der Schock für die Adler. Hinteregger bekommt im eigenen Strafraum den Ball an die Hand. Dies zwar aus gefühlt 5 Zentimetern Entfernung inklusive Bein des Gegenspielers, aber da sein Arm sich über seiner Schulter befand, spielen all diese Umstände laut neuer Handregel– wenn man denn von einer Regel sprechen will, hat man doch in letzter Zeit häufiger das Gefühl, niemand inklusive der Schiedsrichter weiß so recht, wann etwas als Handspiel zählt und wann eben nicht – keine Rolle. So schrillte die Pfeife des Unparteiischen, um den Gastgebern einen Strafstoß zuzusprechen. Der am Punkt angetretene Sobota erzielte den Anschlusstreffer für den FC St. Pauli und spätestens jetzt war der Zweitligist wieder voll im Spiel.

Scheinbar hinterließ das Gegentor bei den Frankfurtern Spuren, denn nach der Halbzeit kam eine Mannschaft aus der Kabine, die wie ausgewechselt erschien und das, obwohl mit Abraham für den am Knie angeschlagenen Hinteregger und mit da Costa für Chandler lediglich zwei positionsgetreue Wechsel stattfanden. Verflogen waren die Dominanz und die Sicherheit, die die Hessen über weite Teile der ersten Hälfte noch ausstrahlten und damit auch der Zug zum Tor. Keine nennenswerte Aktion vor dem gegnerischen Tor brachten die Gäste zustande, dafür witterten die St. Paulianer ihre Chance.

Immer wieder tauchten sie, eingeladen durch Frankfurter Ungenauigkeiten, vor Rönnows Tor auf, schafften es jedoch nicht, mehr aus ihren Möglichkeiten zu machen – zum Glück der harmlosen Frankfurter. Nach einer sehr zerstreuten Phase schafften die Gäste es zumindest, die Abwehr weitestgehend zu stabilisieren, sodass die ständigen Offensivbemühungen St. Paulis im Nichts versandeten. Entlastung nach vorne schafften die Adlerträger jedoch bis zum Schlusspfiff keine mehr.

So blieb es letztendlich beim 2:1 für die Frankfurter Eintracht und die Zuschauer, die in letzter Zeit zwar gewohnt waren, dass häufiger mal eine Halbzeit, vorzugsweise die erste, verschlafen wird, waren an diesem Abend dennoch von der starken Diskrepanz der beiden Spielhälften verwundert, wenn nicht sogar schockiert.

Das Auftreten in der zweiten Halbzeit war kein verwaltendes Kräftesparen im Stil einer Topmannschaft, auch wenn man sich das als Fan sicherlich gerne einreden würde. Die Eintracht kann von Glück sprechen, dass St. Pauli nicht in der Lage war diesen Leistungsabfall auszunutzen, dass die eigene Abwehr dann doch meist souverän agierte und dass Dost, der in der zweiten Hälfte genauso wie der eingewechselte Paciência vergeblich auf Bälle hoffte, zu Beginn des Spiels die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor ins Spiel der Frankfurter zurückbrachte, die zuletzt vermisst wurde.

Dennoch muss den Frankfurtern zu Gute gehalten werden, dass sie ein derartig kippendes Spiel letztendlich doch erfolgreich über die Bühne bringen konnten und das Ziel, nämlich den Einzug ins DFB-Pokal-Achtelfinale, erreicht haben. Vor nicht allzu langer Zeit waren es nämlich genau solche Spiele, die die Eintracht nicht über die volle Spielzeit bringen konnte.

Die Freude über das Weiterkommen ist trotz aller Strapazen riesig. Einzig die Verletzungssituation bereitet jenen, die es mit den Hessen halten, Bauchschmerzen. Zwar kehrte Bas Dost zurück aufs Spielfeld, jedoch fehlte diesmal Filip Kostić mit Knieproblemen. Es bleibt zu hoffen, dass nichts Schwerwiegenderes vorliegt, ist der Serbe doch einer der Grundpfeiler im Frankfurter Spiel. Auch Mijat Gaćinović wurde nicht rechtzeitig fit und setzte ebenso wie einige Langzeitverletzte und André Silva, dessen Situation weiterhin im Nebel hängt, aus.

Erfreuliche Entwicklungen bezüglich der Stadionnutzung

Neben dem Einzug in die nächste Runde des DFB-Pokals hatte die Eintracht am Donnerstag eine weitere positive Nachricht zu verkünden. Der Verein hat sich mit der Stadt bezüglich der Nutzung der Commerzbank-Arena geeinigt.

Genau bedeutet das für die Eintracht, dass sie das Stadion inklusive Trainingsgelände uneingeschränkt nutzen darf, die Namensrechte sowie das Recht zur Untervermietung des Stadions für andere Veranstaltungen hält, das Catering selbst bestimmen, sowie umfangreiche Investitionen für den Ausbau der digitalen Infrastruktur des Stadions tätigen darf.

Zusätzlich – und das ist ein Punkt, der auch unter den Fans sehr häufig diskutiert und gefordert wurde – wird die Stadionkapazität für die Bundesliga auf bis zu 60.000 Plätze erweitert. Dies soll spätestens bis zu Beginn der Saison 2023/24 realisiert werden. Vor allem sollen hierbei die Sitzplätze im Oberrang der Nordwestkurve zu Stehplätzen umfunktioniert werden.

Ein angeschlagener Riese gastiert in Frankfurt

Am kommenden Samstag empfangen die Adlerträger mit einem Sieg im Rücken und einem fitten Bas Dost nun das zuletzt strauchelnde Schwergewicht FC Bayern München. Ex-Frankfurt-Trainer Niko Kovac äußerte sich zuletzt vollen Lobes über den Anhang der Eintracht, was den Unterstützern des Rekordmeisters natürlich übel aufstieß.

Die mitreisenden Münchner können sich am Wochenende nun aber selbst von der Kulisse in Frankfurt überzeugen, denn trotz vielen erfolglosen Partien gegen den FC Bayern, glüht in den Herzen der Eintracht-Fans immer wieder aufs Neue der kleine Funke Hoffnung, diesmal siegreich aus dem Spiel hervorzugehen. Im Hinblick auf die wachsende Unzufriedenheit der Bayern kann man es ihnen aber auch nicht verdenken.

Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 44

von Patricia Seiwert

Stürmische Verteidiger, Vaterfreuden und verpasste Chancen

Englische Wochen sind längst keine Seltenheit mehr bei der Frankfurter Eintracht. Auch die vergangene Woche hielt wieder drei Spiele für die Hessen bereit, die sich sehr unterschiedlich gestalten sollten.

Türsteher Rönnow vermiest Leverkusen die Party

So wie sich die Ereignisse in Frankfurt überschlagen, ist der 8. Spieltag der Bundesliga fast schon wieder in Vergessenheit geraten, obwohl er aus der Sicht der Eintracht mehr als erfreulich verlief. Bereits im Freitagsspiel empfing man mit Bayer 04 Leverkusen den Tabellennachbarn.

Erwartet wurde ein schwieriges Spiel gegen eine gute Mannschaft, die durchaus flinken Offensivfußball darbieten kann. Aber auch die hin und wieder instabile Abwehr der Leverkusener ist als Schwachstelle bekannt und diese sollte Eintracht Frankfurt zumindest in der ersten Halbzeit mustergültig ausnutzen. Bereits in der 4. Spielminute konterte die Eintracht die Gäste, nach Ballgewinn von Bas Dost und einem haargenauen Pass von Danny da Costa auf Gonçalo Paciência, aus und erzielte den frühen Führungstreffer.

In der 17. Minute nutzte der Portugiese die Chance auf den Doppelpack durch einen Handelfmeter und baute die Führung aus. Zu diesem Zeitpunkt dominierte die Eintracht Leverkusen klar. Besonders Außenverteidiger Weiser sah gegen Kostić kein Land, zu flink agierte der Serbe.

Einziger Wehrmutstropfen dieser so gelungenen ersten Hälfte war die Verletzung von Touré. Für den Verteidiger, der die letzten Wochen immer besser in Form kam, endete die Partie wegen einer Oberschenkelblessur vorzeitig.

Mit einem 2:0 und einem guten Gefühl nach einer starken ersten Halbzeit ging es für die Hessen in die Pause. Doch die zweite Spielhälfte sollte anders verlaufen. Die Leverkusener kamen mutig aus der Kabine heraus. Das restliche Spiel war überwiegend von Rönnows Glanzleistung geprägt. Der Frankfurter Keeper vereitelte eine Leverkusener Chance nach der anderen und bewahrte seine Mannschaft vor Gegentreffern. Der Mann der Partie dürfte an diesem Abend sehr glücklich gewesen sein, so machte er nicht nur ein herausragendes Spiel, sondern wurde auch kurz zuvor erstmals Vater.

Obwohl die Offensivbemühungen der zweiten Halbzeit fast ausschließlich von Bayer Leverkusen kamen, gelang der Eintracht letztendlich noch der dritte Treffer durch Bas Dost, der im Nachhinein selbst von einem „hässlichen“ Tor sprach. Zum Glück der Frankfurter spielt die Ästhetik eines Treffers im Fußball jedoch keine Rolle und so trennten sich die beiden Mannschaften am Ende des Tages mit einem 3:0.

 

Mit Standards gegen Standard

Durch das Freitagsspiel hatte die Eintracht bis zur Europa League Begegnung mit Standard Lüttich ungewohnt viel Regenerationszeit. Diese konnte jedoch den bereits gegen Leverkusen verletzten Silva nicht heilen. Er laboriert bis heute weiterhin an einer Fußverletzung. Genaue Informationen darüber, wie schwerwiegend die Verletzung ist und wie lange der Stürmer ausfällt, gibt es nicht. Zum Erschrecken der Eintracht-Fans wurde vor dem Spiel außerdem bekannt, dass auch Bas Dost aufgrund von muskulären Problemen nicht zur Verfügung steht.

Die Eintracht lief im Heimspiel gegen Standard Lüttich also gezwungenermaßen mit einem Ein-Mann-Sturm, bestehend aus Gonçalo Paciência, auf.

Mit einer gewohnt eindrucksvollen Choreo empfingen die Frankfurter Anhänger ihre Mannschaft auf dem Rasen.

Weniger eindrucksvoll verlief jedoch die Partie. Keine der beiden Mannschaften fand zu ihrem Spiel, womit einhergeht, dass auch niemand diese Begegnung deutlich dominierte. Lüttich wurde von den Frankfurtern im Stadtwald also keineswegs so überrollt, wie noch wenige Tage zuvor Bayer Leverkusen.

Nach einer knappen halben Stunde jedoch gelang der Eintracht dann durch eine Standardsituation der Führungstreffer. Kamadas Hereingabe lenkte Kapitän David Abraham gekonnt ins Tor. Wortspielliebhaber lagen sich in den Armen. Und sowohl von Innenverteidigern als auch von Standards sollte später im Spiel noch einmal die Rede sein.

Auch wenn die Lütticher selten einmal vor dem Frankfurter Tor auftauchten, war das Spiel alles andere als ein offener Schlagabtausch. Für Momente der Aufregung sorgte indes die wiederholt bescheidene Schiedsrichterleistung in der Europa League. Mindestens einen, wenn nicht sogar zwei Strafstöße, hätte die Eintracht zugesprochen bekommen müssen, doch die Pfeife des Unparteiischen blieb still.

In der zweiten Halbzeit rückte nach ein wenig mehr als 70 Minuten Spielzeit erneut ein Frankfurter Innenverteidiger in den Mittelpunkt. Wieder stand Standard-Experte Daichi Kamada an der Eckfahne bereit. Ein Standard-Experte in zweierlei Hinsicht ist er sogar, denn nicht nur kümmert sich der Japaner häufig um die ruhenden Bälle der Eintracht, auch war er in der letzten Saison nach Belgien ausgeliehen und konnte dort bereits Erfahrungen mit Standard Lüttich sammeln. Den Ball brachte Kamada perfekt herein, sodass Publikumsliebling Martin Hinteregger mit dem Kopf den Treffer zum 2:0 erzielen konnte.

Nach dem Ausfall der zwei im Sommer an den Main gekommenen Stürmer Silva und Dost, rissen die beiden Innenverteidiger also kurzerhand die Aufgabe an sich, Tore zu erzielen. Der Anhängerschaft der Adlerträger soll’s recht sein.

Doch auch einen Gegentreffer mussten die Frankfurter gegen Ende der Partie hinnehmen. Amallah traf in der 82. Minute für die Gäste.

Schlussendlich endete die Partie mit einem 2:1 Heimsieg für Eintracht Frankfurt. Kein Feuerwerk, dennoch ein Pflichtsieg, der letztendlich eingefahren wurde.

Verpasste Chancen

Wenige Tage später stand für die Hessen erneut ein schweres Spiel in der Bundesliga an. Die Reise ging am vergangenen Sonntag nach Mönchengladbach, wo der Tabellenführer des letzten Spieltags auf die Adler wartete.

Auch die Fohlenelf spielte unter der Woche in der Europa League und mühte sich im verregneten Rom durch einen fragwürdigen Elfmeter zum 1:1 Unentschieden.

Vor der Partie war nicht richtig klar, was man denn nun erwarten darf. Einerseits wendeten beide Mannschaften wenige Tage zuvor bereits international einige Kräfte auf, andererseits sind aber auch beide für eine mutige, offensive Spielweise bekannt.

Recht schnell wurde an diesem Abend klar, dass die Partie alles andere als ein müder Kick werden würde. Wer im internationalen Wettbewerb einen Schlagabtausch vermisst hatte, kam am Sonntagabendspiel der Bundesliga auf seine Kosten.

Erneut spielte die Eintracht mit einem Ein-Mann-Sturm in Person von Paciência. Neben den ohnehin verletzten Stürmern Silva und Dost, sowie Verteidiger Touré, fehlte in dieser Partie auch Mijat Gaćinović, der wie Rönnow ebenfalls Vater wurde, aufgrund muskulärer Probleme.

Vorneweg: das Endergebnis der Partie lautete 4:2 für die Gastgeber. Frustrierend für die Frankfurter, aber dennoch keine Schande, bedenkt man, dass die Gladbacher bisher eine wahnsinnig starke Saison spielen.

Bei der Eintracht kamen einige Faktoren zusammen, die dazu führten, dass sie trotz vorbildlicher Moral, keine Punkte einfahren konnte. Denn trotz eines 2:0 Rückstandes zur Halbzeit gab sich die Mannschaft zu keinem Zeitpunkt auf und kämpfte sich immer wieder zurück in die Partie.

Dass die Gäste vom Main überhaupt mit einem Zwei-Tore-Rückstand in die Kabine marschierten, lag nicht zuletzt daran, dass sie, wie in so vielen Spielen in dieser Saison, die erste Halbzeit wieder einmal komplett verschliefen. Zu viele Ungenauigkeiten und individuelle Fehler schlichen sich in das Spiel der Eintracht ein. Fehler von da Costa und dem sonst so fast schon unmenschlich konstanten Hasebe führten letztendlich zu den Gegentreffern.

Während die Gladbacher ihre Chancen in Tore ummünzten, gelang dies der Eintracht zu selten. Besonders in der zweiten Halbzeit, in der sich die Frankfurter viel wacher und deutlich stärker präsentierten als noch in den ersten 45 Minuten, lag es nicht an fehlenden Möglichkeiten, sondern eher an der Abschlussschwäche der Frankfurter und besonders an der des Daichi Kamadas, dem sich über das Spiel hinweg einige gute Chancen boten, einzunetzen. Der junge Japaner bewegt sich stets gut, ist ein cleverer Spieler und ein toller Vorbereiter. Seinen Torriecher hat er bei der Eintracht bislang jedoch noch nicht gefunden.

Auch den Anschlusstreffer der Frankfurter in der zweiten Halbzeit bereitete Kamada nach einer perfekten Flanke von Kostic trotz Bedrängnis in aller Seelen Ruhe vor und da Costa bügelte mit seinem Tor seine unglücklichen Momente in der ersten Halbzeit wieder aus. Nach diesem Treffer sah es so aus, als wäre die Eintracht nah dran am Ausgleich. Doch wie das im Fußball so ist, wird das Liegenlassen der eigenen Großchancen gerne mal im Umkehrschluss mit einem Gegentor bestraft. So auch in dieser Partie, als die Gastgeber ihren Vorsprung auf 3:1 ausbauten.

Aber auch davon ließen sich die Adlerträger nicht lang schocken. Nur drei Minuten später, nach einer Ecke von Assist-Garant Kamada, köpfte Innenverteidiger und offensichtlich auch Teilzeitstürmer Martin Hinteregger, der ohnehin wieder positiv hervorzuheben ist, die Frankfurter erneut ran. 3:2 stand es nun, in einer offenen Partie, in der es unaufhörlich hin und her ging.

Doch nach einem Ballverlust von Makoto Hasebe besiegelte die Borussia in Person von Zakaria endgültig den 4:2 Endstand einer Begegnung, in der sich die abgeklärtere Mannschaft durchzusetzen vermochte.

 

So verpasste die Frankfurter Eintracht nicht nur viele Torchancen, sondern auch die Chance in der Tabelle, die nun erneut Borussia Mönchengladbach anführt, an Platz 3 zu rücken.

Viel Zeit mit sich zu hadern, bleibt jedoch ohnehin nicht. Bereits am kommenden Mittwoch geht die Reise für die Frankfurter in den Norden Deutschlands. Beim FC St. Pauli gastieren die Adlerträger im DFB-Pokal, bevor am Samstag in der Bundesliga mit Bayern München der nächste Hochkaräter im Stadtwald auflaufen wird. Die ereignisreichen Wochen finden also auch in nächster Zeit erst einmal kein Ende.

Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 41

1000-mal probiert, 998-mal ist nichts passiert

von Patricia Seiwert

So oder so ähnlich lässt sich das vergangene Bundesligaspiel der Frankfurter Eintracht gegen Werder Bremen beschreiben. Nachdem die Hessen sich am vorigen Spieltag nicht am heißen Eisen verbrannten und 2:1 im Köpenicker Kessel gewannen, war zumindest der Auswärtsfluch gebrochen. Dies bestätigte sich auch im Europa League Spiel gegen Vitória Guimarães, wo die Adlerträger mit einem, wenn auch recht glanzlosen, 1:0 Sieg in der Tasche zurück nach Frankfurt reisen konnten.

Im Sonntagabendspiel gegen Werder Bremen schien zunächst auch die schlechte Angewohnheit der Eintracht, die erste Hälfte zu verschlafen, ein Ende zu finden. Dennoch hatte das Spiel großes Frustrationspotenzial.

Der erste Dämpfer erfolgte bereits vor Anpfiff der Partie. Bas Dost, der eigentlich gegen die Gäste aus dem Norden hätte stürmen sollen, fiel mit muskulären Problemen aus.

Gegen die Bremer Innenverteidigung, an diesem Abend bestehend aus Miloš Veljković (1,88m) und Christian Groß (1,83m), die beide die 1,90 Meter Marke nicht knacken, wäre der lange Niederländer mit seinen 1,96 Metern eine gute Waffe gewesen.

So blieb Adi Hütter die portugiesische Doppelspitze mit Silva und Paciência übrig, die es gegen die Werderaner richten sollte. Dahinter bildeten Kamada, Sow und Rode das zentrale Mittelfeld, Kostic und Startelfrückkehrer da Costa sollten auf den Außenpositionen das Feld beackern und die Innenverteidigung bestand aus Hinteregger, dem von seiner in Berlin zugezogenen Gehirnerschütterung genesenen Hasebe und Touré. Im Tor ersetzte Rönnow Stammkeeper Kevin Trapp, der sich ebenfalls in Berlin eine Rotatorenmanschettenruptur, zu Deutsch eine schwerwiegende Schulterverletzung, zuzog und für die Hinrunde ausfallen wird.

So gut wie alles im Griff, außer drei Punkte

Die Frankfurter starteten ungewohnt munter in das Heimspiel. Eine knappe halbe Stunde dominierten die Hausherren die Partie klar, erarbeiteten sich viele Chancen, die sie jedoch nicht in Tore verwandeln konnten. Alleine Kamada hätte zwei Mal treffen können, wurde sein Pech vor dem Tor aber auch in dieser Begegnung, die er ansonsten souverän bestritt, nicht los. Auch Paciência lag die Führung auf dem Kopf, den Ball vermochte er aber nicht ins Tor zu lenken. Entgegen des Spielverlaufs traf dann, quasi aus dem Nichts, Davy Klaassen für die Bremer.

Ein Treffer, der so gar nicht in der Luft lag. Die Gäste nutzten eine Chance zum Kontern eiskalt aus. Bittencourt hebelte mit einem Pass auf Sargent die komplette Frankfurter Abwehrreihe aus, dieser scheiterte im Abschluss aber zunächst am stark parierenden Rönnow. Der Abpraller landete erneut bei Bittencourt, der den Ball ans Aluminium knallte. Doch zum wiederholten Male bot sich ihm durch den zurückprallenden Ball die Chance, zu treffen. Diesmal blieb die Kugel an den Frankfurter Gegenspielern hängen, wurde von Hinteregger aber unglücklich abgelenkt und fand so ihren Weg zu Torschütze Davy Klaassen, der die slapstickartige Szenerie zu Ungunsten der Hessen mit dem Führungstreffer beendete.

Die Bremer, die bis dato absolut keinen Zugriff auf das Spiel fanden, nutzten die Konteranfälligkeit der Gastgeber aus. Schon die ganze Saison über beklagen die Frankfurter zu viele Gegentreffer. Dass Konter ein gelegenes Mittel gegen die Eintracht sind, liegt nicht zuletzt daran, dass zwei der drei Innenverteidiger ungemein hoch stehen. Besonders auffällig ist, dass Touré, eigentlich in der Dreierkette aktiv, viele Flanken schlägt. Undiskutabel ist, dass ihm dies gut gelingt. Und auch Hinteregger fiel in Nähe des Bremer Strafraums auf, beispielsweise als er Klaassen gekonnt den Ball zwischen den Beinen durchschob. Jedoch ist im Umkehrschluss klar, dass wenn die Innenverteidiger regelmäßig in Offensivaktionen eingebunden sind, sie nicht rechtzeitig den Weg zurückfinden können, wenn ein Konter auf das eigene Tor zurollt. Einzig und allein Hasebe sichert hinten ab und muss sich darauf verlassen, dass zumindest das defensive Mittelfeld den Angreifer rechtzeitig stören kann. Andernfalls bleibt auf eine Glanzparade des Torwarts oder die Unfähigkeit des Gegenspielers im Abschluss zu hoffen.

Im Anschluss an den 1:0 Rückstand zeigten sich die Hausherren sichtlich geschockt, schafften es kaum, Ruhe ins Spiel zu bringen. Die Partie blieb bis zum Halbzeitpfiff wild und die Frankfurter Dominanz war vorerst dahin.

Doch mit Anpfiff der zweiten Hälfte fanden die Adlerträger ihren Mut wieder und starteten ähnlich aufbrausend, wie zu Beginn der Begegnung. Gefühlt fünf Chancen und noch mehr Halbchancen später, wurde den Frankfurtern ein Eckball zugesprochen. Der Ball fand nach Ausführung dieser zwar zunächst nur einen klärenden Bremer Kopf, doch fiel Sebastian Rode anschließend genau vor die Füße. Gekonnt nahm dieser die Kugel mit der Brust an und legte sie sich gleichzeitig zum Volley vor, den er mit einer Wucht ins Tor beförderte, die ihresgleichen sucht. Der gebürtige Hesse erzielte ein Traumtor, das den längst überfälligen Ausgleich bedeutete.

Doch die Eintracht wollte mehr. Den dominanten Auftritt wollten sie mit einem Sieg belohnen und das dafür benötigte Tor folgte nach einer Flanke aus dem Halbfeld von Touré. Diese erreichte zunächst Paciência, dessen Kopfball der stark performende Pavlenka abwehrte. Zum Erschrecken der Bremer, ließ der Torwart den Ball jedoch nach vorne abprallen. Silva reagierte schnell, schnappte sich den Nachschuss und verwandelte zum hochverdienten 2:1.

Bis hierhin sah alles nach einem Happy End für die Hessen aus. Doch die Bremer stürmten noch einmal auf das Frankfurter Tor zu, Rashica kam zum Abschluss, den Rönnow zwar parieren, wie sein Gegenüber Pavlenka, aber nur abprallen lassen konnte. Den Ball versuchte sich Klaassen zu sichern und der sonst so fehlerfreie Hasebe, leistete sich kurz vor Abpfiff der Partie einen folgenschweren Fauxpas. Er schätzte die Situation falsch ein und kam zu spät. Klaassen nahm die Situation und die Berührung selbstverständlich dankend an, sodass die Gäste einen Last-Minute-Elfmeter zugesprochen bekamen. Diesen verwandelte Milot Rashica in der Nachspielzeit zum, aus Sicht der Eintracht mehr als frustrierenden, 2:2 Endstand.

Flankenfanatiker mit mangelnder Effizienz

Ein ernüchterndes Ergebnis nach einer engagierten Frankfurter Leistung. Die Bremer hatten zu keinem Zeitpunkt das Spiel wirklich in der Hand, lauerten fast ausschließlich auf Konter und kamen mit einem für sie glücklichen 2:2 davon.

Eintracht Frankfurt muss sich die fehlende Effizienz ankreiden lassen. Aus dem klaren Chancenplus konnten die Gastgeber letztendlich nur zwei Tore erzielen – genauso viele wie der klar unterlegene Gegner.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die vorhin bereits angesprochenen großen Lücken in der Abwehr, die durch hochstehende Innenverteidiger entstehen. Dass Touré ein guter Flankengeber ist, steht außer Frage. Dennoch sollte diese Aufgabe hauptsächlich von den Außenverteidigern Kostic und da Costa übernommen werden, die beide nicht an ihr eigentliches Leistungsniveau rankamen. Sollte man auf Tourés präzise Flanken nicht verzichten wollen, wäre es eine Überlegung wert, ihn für da Costa als Außenverteidiger auflaufen zu lassen und N’dicka stattdessen in die Innenverteidigung zu stellen, auch, wenn Hütter offenbar kein großer Fan von zwei Linksfüßen in der Dreierkette ist.

Apropos Flanken: keine Mannschaft flankt so häufig, wie die Frankfurter Eintracht.

Dieser Fakt ist auf dem Spielfeld schwer mitanzuschauen, erst recht, wenn ein Großteil der Hereingaben im Nichts versanden.

Einer körperlich unterlegenen Bremer Innenverteidigung Flanken entgegenzusetzen, ist prinzipiell keine schlechte Idee, jedoch ist dies, ohne einen Zielspieler wie Bas Dost auf dem Feld, müßig. Man hat mit Paciência und besonders mit Silva Spieler auf dem Platz, die durchaus den Ball festmachen können und auch wissen, wie sie mit ihm umgehen sollen. Vor allem André Silva ließ zuletzt immer wieder seine technischen Fähigkeiten durchblitzen. Dass das Frankfurter Angriffsspiel dann fast ausschließlich über Flanken läuft, ist unbefriedigend.

Es mangelt an einem geordneten Aufbauspiel. Dabei sind Rode und Sow gerade dabei, sich gegenseitig zu finden.

Auch die individuellen Leistungen der beiden Mittelfeldspieler ließen sich gegen Bremen sehen. Rode war neben Touré der beste Mann auf dem Platz. Nicht nur sein wunderschöner Treffer zum 1:1 sorgte für Aufsehen, auch sein unermüdlicher Einsatz, sich in die Zweikämpfe reinzuschmeißen und diese häufig auch für sich entscheiden zu können, begeisterte. Und auch Sow steigert sich von Spiel zu Spiel.

Ebenfalls Lob ernten, sollte Frederik Rönnow. Der dänische Torwart hielt, trotz fehlender Spielpraxis, was zu halten war. Außerdem gefielen seine Abstöße, die in der Partie gegen Bremen sehr genau waren und fast immer beim eigenen Mann landeten. Auch wenn er seine Leistung nicht mit einem gehaltenen Elfmeter krönen konnte, bleibt zu hoffen, dass ihm in den folgenden Spielen keine groben Schnitzer unterlaufen und er schnellstmöglich Selbstvertrauen sammeln kann.

Dieses kann der Frankfurter Rückhalt gut gebrauchen, denn sollte die Eintracht ihre offensive Ausrichtung in der jetzigen Form beibehalten, wird sicherlich noch der ein oder andere Konter auf das Tor des Dänen zurollen.

Nun steht erst einmal die Länderspielpause an. Auf die Adlerträger wartet sicherlich einiges an Arbeit, dennoch ist längst nicht alles fürchterlich, denn gute Ansätze und Qualität im Kader sind durchaus vorhanden. Es bleibt zu wünschen, dass sich dies nach der Auszeit, trotz des anstehenden straffen Programms (Leverkusen, Gladbach, Bayern, dazwischen Pokalspiele gegen Lüttich und St. Pauli), in Siegen wiederspiegelt.

Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 39

von Patricia Seiwert

Eine Woche voller Highlights

Gewohnt terminreich gestaltete sich die vergangene Woche bei Eintracht Frankfurt. Auf der To-Do-Liste standen nicht weniger als zwei echte Top-Spiele in der heimischen Spielstätte. Zum einen war da die Europa-League-Begegnung mit dem Arsenal FC am Donnerstagabend, zum anderen die Bundesligapartie gegen die Borussia aus Dortmund.

Zurück in der Realität

Rappelvoll war das Frankfurter Wohnzimmer am Donnerstag. Gefüllt mit einer Masse aus Eintracht-Anhängern, in freudiger Erwartung auf eine magische Europapokal-Nacht und einigen Fans der Gunners, die ihrerseits darauf hofften, den Adlerträgern die Feierstimmung vermiesen zu können.

Da das Ergebnis aber bekanntlich nicht durch demokratische Abstimmung der Zuschauer vor Ort entschieden wird, sondern 11 gegen 11 auf dem Platz, durfte sich an diesem Abend nur ein kleiner Teil des Stadions ausgiebig freuen. Und das gleich dreimal, denn Arsenal gelang es genau so oft, den Ball ins Tor von Kevin Trapp zu befördern. Obwohl der Frankfurter Keeper einen starken Tag erwischte und noch Schlimmeres zu verhindern wusste, blieb ihm nach Toren von Willock (38.), Saka (85.) und Aubameyang (87.) nichts anderes übrig, als hinter sich zu greifen.

Dennoch spiegelt sich im 3:0 Endstand nicht das eigentliche Spiel wider, denn die Hessen waren keinesfalls so deutlich unterlegen, wie es den Anschein macht. Auch sie erspielten sich Chancen – mal mehr und mal weniger deutliche – aber der Zug in Richtung gegnerisches Tor stimmte. Angekreidet werden muss jedoch, dass sie keinen dieser Angriffe veredeln konnten. Im Gegenzug lud man Arsenal durch leichte Ballverluste im Mittelfeld und individuelle Fehler zu häufig ein. Teilweise Trapp, teilweise die eigene Dusseligkeit der Gäste aus London führte dazu, dass der Videowürfel lange Zeit nur eine knappe Führung von 1:0 anzeigte.

Trotzdem verdeutlichte sich die fehlende Kaltschnäuzigkeit der Adlerträger vor dem Tor sowie ein wackliges Abwehrverhalten. Kapitän David Abraham war an diesem Abend erneut weit von seinem Leistungsniveau entfernt und die hochstehenden Außenverteidiger, die häufig als Stärke der Frankfurter gesehen werden, stellten durch die zu leichten Ballverluste im Mittelfeld einen Unsicherheitsfaktor in der Konterabsicherung dar, sodass letztendlich eine deutliche Niederlage hingenommen werden musste.

Alles in allem taugte der Abend sicherlich nicht als magische Pokalnacht. Die Realität hielt Einzug bei den von der Europa League sonst so verwöhnten Hessen. Der Stimmung tat dies trotzdem keinen großen Abbruch. Die Anhängerschaft der Eintracht feierte ihre Mannschaft nach Abpfiff und spendete Trost.

Immerhin war der Gegner niemand, gegen den man sich schämen müsste, zu verlieren. Außerdem handelte es sich lediglich um das erste von 6 Gruppenspielen, sodass noch lange nichts verloren ist.

Ein Unentschieden auf dem Platz, doch ein Sieg für den Kopf

Auch in der Bundesliga war am 5. Spieltag selbstverständlich noch lange nichts verloren. Nach kurzer Regenerationszeit hatte die Eintracht in diesem Wettbewerb nun den BVB vor der Brust. Wahrlich kein leichter Gegner, zumal dieser nach einem torlosen Unentschieden gegen den FC Barcelona in der Champions League mit Rückenwind nach Frankfurt flatterte.

Eintracht Frankfurt hingegen musste nicht nur die kürzlich kassierte 3:0 Niederlage gegen Arsenal verdauen. Auch das letzte Bundesligaspiel auswärts in Augsburg ging ziemlich glanzlos verloren.

Nach dem Spiel unter der Woche rotierte Hütter bei der Aufstellung gegen die Dortmunder. Der in Augsburg noch erkrankte Filip Kostic kehrte, wie schon gegen Arsenal, zurück in die Startelf. Touré begann für Abraham und auch mit Gelson Fernandes tauchte ein neues Gesicht auf. Zudem pausierte Danny da Costa. Für ihn fand sich Erik Durm auf dem Platz wieder. Auch Kamada bekam zunächst eine Auszeit.

Für Sow bedeutete dies eine etwas offensivere Rolle als in den vergangenen Spielen. Er sollte vor Kohr und Fernandes agieren, was ihm sichtlich guttat. Der junge Neuzugang leistete sich zwar immer noch Fehler, die den ein oder anderen Fan dazu veranlasst haben dürften, sich die Haare zu raufen. Jedoch blitzte in dieser Formation sein Potenzial auf.

Der BVB dominierte die erste Halbzeit deutlich und ging folgerichtig bereits in der 11. Minute durch Axel Witsel in Führung. Besonders im Mittelfeld wurde die Dortmunder Überlegenheit sichtbar. Dennoch schöpften die Gäste ihre Möglichkeiten nach dem Führungstreffer nicht mehr ausreichend aus, sodass es der Eintracht gelang noch kurz vor dem Pausenpfiff durch André Silva den Ausgleich zu erzielen. Dem Portugiesen, der zwar nicht fehlerfrei aber dennoch ballsicher und agil agierte, gelang somit sein erstes Bundesliga-Tor. Vorlagengeber war bei diesem Treffer kein geringerer als der oben erwähnte Djibril Sow.

Im Laufe der zweiten Spielhälfte kämpften sich die Frankfurter dann immer weiter ins Spiel hinein, agierten weniger passiv. Doch in der 66. Minute folgte der Rückschlag: Sancho brachte die Dortmunder erneut in Führung. Und die Eintracht? Die wollte in diesem Spiel unbedingt mindestens einen Punkt holen. Aus diesem Willen resultierte der stetig steigende Druck, den die Frankfurter seit dem Gegentreffer aufbauten. Diese Mühen sollten sich schlussendlich auch auszahlen. Kurz vor Ende der Partie, in der 88. Minute, fiel der herbeigekämpfte Ausgleich endlich. Der eingewechselte Kamada war es, der nach einem scharfen Querpass von Hinteregger an den Ball kam und diesen in den Fünfmeterraum verfrachtete. Dort sah Thomas Delaney sich gezwungen, dem Ball den Weg ins eigene Tor zu ebnen.

Am Ende stand ein 2:2 Unentschieden zu Buche, das sich für die Gastgeber fast schon wie ein Sieg anfühlte. Von dem waren die Frankfurter gegen Ende der Partie übrigens gar nicht so weit entfernt. Bas Dost konnte eine gute Möglichkeit jedoch nicht in ein Tor ummünzen.

Den Punktgewinn haben die Frankfurter nicht zuletzt auch ihrem Trainer Adi Hütter zu verdanken, der bei den Einwechslungen ein gutes Händchen bewies.

Kamada kam in der 67. Minute für Dominik Kohr und hatte mit seinen Aktionen im offensiven Mittelfeld sofort einen positiven Einfluss auf das Spiel der Hessen – gekrönt durch das erzwungene Eigentor.

In der 79. Minute wechselte Hütter Dost für Paciência ein. Auch der im Hinblick auf seine Fitness noch schwächelnde Niederländer machte eine solide Partie.

Wenige Minuten später betrat dann noch Chandler den Platz. Für ihn ging Touré, der eine überraschend starke Leistung ablieferte (war maßgeblich am 1:1 Ausgleich beteiligt, indem er Sow bediente) und in der Form eine ernstzunehmende Alternative für den zuletzt schwächelnden Abraham darstellt. Chandler fügte sich sofort gut ins druckreiche Spiel der Frankfurter in der Schlussphase ein, sorgte für Tempo über die Außenbahn und bediente den hochgewachsenen Dost im Strafraum immer wieder mit Flanken.

Eine weitere freudige Erkenntnis dieses Spiels ist, dass die Mannschaft trotz Rotation im Stande ist, ordentliche Leistungen abzurufen. Beispielhaft dafür steht nicht nur der eben schon erwähnte Almamy Touré, sondern unter anderem auch Erik Durm, der seine spielerische Klasse gegen seinen Ex-Klub unter Beweis stellen konnte.

Gekoppelt mit der starken Mentalität der Adlerträger führte das clevere Coaching Hütters letztendlich zum wichtigen Punktgewinn gegen einen nicht konsequent genug agierenden BVB.

Erster Auswärtssieg der Saison?

Auch im Hinblick auf das kommende Spiel am Freitagabend bei Union Berlin war der Punkt gegen Dortmund befreiend. Nicht nur, weil die Adlerträger dadurch einiges an Selbstbewusstsein tanken konnten, sondern auch, weil es sich mit drei Niederlagen aus den letzten drei Spielen in einem Hexenkessel wie der Alten Försterei in Köpenick sicherlich nicht einfacher spielen würde.

Doch auch mit dem Erfolgserlebnis gegen den BVB ist die Partie bei den Eisernen noch lange nicht gespielt. Sicher ist, dass es ein ganz anderes Spiel als gegen Dortmund oder Arsenal werden wird. Die Eintracht trifft mit Union auf einen Gegner, der ihr traditionell schlechter liegt. Konnten die Frankfurter gegen mitspielende Gegner zuletzt häufig gute Leistungen abrufen, so taten sie sich gegen vermeintlich schwächere Mannschaften regelmäßig schwer. Das aktuellste Beispiel hierfür ist der FC Augsburg.

Wünschenswert wäre es, wenn die Eintracht es schaffen würde, Union Berlin mit breiter Brust ihr Spiel aufzuzwingen, um drei Punkte an den Main mitbringen zu können.

Auf das anstehende Flutlichtspiel, das alleine schon durch die leidenschaftlichen Anhänger beider Mannschaften stimmungsvoll sein wird, darf man also gespannt sein.

Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 38

Freudige und nicht so freudige Wiedersehen

von Patricia Seiwert

 

Gute Taten in freundschaftlicher Atmosphäre

Die Länderspielpause verbrachte Eintracht Frankfurt damit, gerngesehene Gäste willkommen zu heißen. Am spielfreien Wochenende empfingen die Adler die BSG Chemie Leipzig zu einem Benefizspiel in der PSD Bank Arena. Die Partie stand unter dem Motto „Flutlicht für Leutzsch“, denn alle Einnahmen gingen zu diesem Zweck an die befreundeten Gäste. Schon 2016 fand eine solche Begegnung statt, damals jedoch in der Heimat der Leipziger.

Die Stimmung beim „Rückspiel“ hätte nicht besser sein können: Friedlich und dennoch explosiv, stiegen doch einige grüne und rote Feuerwerksraketen in den Frankfurter Abendhimmel auf.

Und auch mit dem Endergebnis dürften am Ende alle zufrieden gewesen sein. Ein 5:1 Sieg für die Eintracht stand letztendlich zu Buche, bei dem auch Neuzugang André Silva direkt zwei Mal einnetzte. Und für die Chemiker aus Leipzig sprang ein Scheck über 100.000 Euro heraus.

Ein rundum gelungener Abend, der der sonst eher zähen Länderspielpause ein wenig Charme verleihen konnte.

 

Ernüchternde Reise nach Augsburg – nicht nur für Hinteregger

Am vergangenen Samstagnachmittag sollte dann auch endlich die Bundesliga für die Frankfurter Adler weitergehen. Ein Auswärtsspiel beim FC Augsburg stand auf dem Plan. Der Ex-Klub von Martin Hinteregger hatte bis dato lediglich einen einzigen Punkt aus drei Spielen zu verzeichnen.

Und laut den Statistiken nach der Begegnung, hätte es auch bei diesem einen Punkt bleiben sollen. Die Hessen waren den Fuggerstädtern zumindest auf dem Papier deutlich überlegen. In der zweiten Halbzeit gab es sogar 12:0 Torschüsse für die Eintracht.

Dennoch zeigte der Spielstand bei Abpfiff ein 2:1 für den FC Augsburg an. Wie kam dieses Ergebnis zustande?

Ganz einfach: Die Eintracht ließ all das vermissen, was sie ausmacht: Kampf, Leidenschaft und der unbedingte Wille zu gewinnen. Die Hessen fanden kaum ins Spiel rein, leisteten sich in allen Mannschaftsteilen überflüssige Fehler. Am Ende bleibt eine unkonzentrierte Leistung, die auch gegen die bisher schwach agierenden Augsburger nicht ausreichte.

Somit stellten sich die Adlerträger selbst ein Bein und die Gastgeber mussten nicht einmal eine Glanzleistung abliefern, um drei Punkte im heimischen Stadion einfahren zu können. Lange Bälle über das ganze Spielfeld reichten aus, um die Frankfurter Abwehr auszuhebeln.

Dies ist ohnehin das Mittel der Wahl gegen die Eintracht, deren Außenverteidiger prinzipiell sehr weit vorne stehen, um die Offensive tatkräftig zu unterstützen. Das Problem dabei: Die Dreierkette steht hinten somit relativ breit und offenbart einige Lücken. Wenn da die Abstimmung nicht hundertprozentig passt, wird es gefährlich bei Kontern und eben bei langen Bällen.

Ob das die Augsburger so geplant hatten oder aber die Schwachstelle der Frankfurter dem Spielstil der Augsburger lediglich perfekt entgegenkommt, bleibt offen.

Ohne Heldentaten von Trapp ganz zu Beginn der Partie und Hinteregger, der einmal auf der Linie rettete, hätte es den bayrischen Schwaben durchaus gelingen können, noch mehr als zwei Tore (Richter, 36. Min; Niederlechner, 43. Min) zu erzielen.

https://www.youtube.com/watch?v=asHITJYjM5c

 

Zwar brachte Gonçalo Paciência in der 73. Minute noch den Anschlusstreffer im Augsburger Kasten unter, mehr sollte den Frankfurtern vor dem Tor aber nicht gelingen.

Neuzugang André Silva feierte sein Startelf-Debüt an der Seite von Landsmann Paciência, jedoch konnte er dieses nicht mit einem Treffer krönen. Positiv lässt sich neben seinem allgemeinen Engagement auch Silvas Können am Ball hervorheben. Seine technischen Stärken blitzten über das Spiel hinweg immer wieder auf. Negativ fallen dabei die wenigen Torabschlüsse und die fehlende Torausbeute auf.

Der ineffiziente Sturm sollte aber nicht das einzige Problem sein, das die Frankfurter hatten. Auch im Mittelfeld lief an diesem Nachmittag wenig zusammen. Djibril Sow, der ebenfalls sein Startelf-Debüt feiern durfte, fand keinen Zugriff auf das Spiel und fiel eher durch Fehlpässe auf, als durch clevere Ideen, um seine Mitspieler in Szene zu setzen.

Für ihn kam zur Halbzeit dann auch Dominik Kohr, der einer der wenigen war, die eine gute Partie ablieferten. Sonst eher als Stabilisator bekannt, dribbelte der 25-Jährige gleich zwei Augsburger gekonnt aus und legte den Ball auf Paciência ab, der anschließend das einzige Frankfurter Tor an diesem Nachmittag erzielte.

Ebenfalls vergleichsweise gut agierte Martin Hinteregger. Dass den Rückkehrer an seiner alten Wirkungsstätte kein besonders netter Empfang erwartete, war abzusehen, verlief sein Abschied von dort doch nicht ganz reibungslos. Trotzdem gewann der Österreicher eine Vielzahl an Zweikämpfen, sah beim 1:0 dafür leider gar nicht gut aus.

Dass die Frankfurter Abwehr merklich instabil war, lag vor allem auch an Kapitän David Abraham, der eine unzureichende Leistung ablieferte. Für die Zukunft wäre es zumindest eine Überlegung wert, dem jungen Evan N’Dicka den Vorzug zu geben.

Außerdem fiel das Fehlen vom vor der Partie erkrankten Filip Kostic deutlich ins Gewicht. So klasse, wie Chandler als Typ sein mag, ein adäquater Ersatz für den pfeilschnellen Serben ist er leider bei Weitem nicht. Kostics Impulse nach vorne wurden schmerzlich vermisst, beschäftigt er doch sonst die gegnerischen Außenverteidiger unermüdlich.

Anstehendes Topspiel vor Topkulisse

Es bleibt zu hoffen, dass der Außenbahnspieler rechtzeitig zum Europa-League-Heimspiel gegen den FC Arsenal genesen ist. Denn eines ist klar: Um dort zu bestehen, ist eine ganz andere Leistung nötig.

Hoffnung macht, dass es gegen die Gäste aus London ein komplett anderes Spiel werden wird. Zumal auch Arsenal ein mäßig erfolgreiches Wochenende verbrachte. Nur dank Torhüter Leno konnte ein 2:2 Unentschieden gegen Watford gerettet werden, nachdem die Gunners einen 2:0 Vorsprung verspielten.

Außerdem liegen der Eintracht Gegner, die mitspielen, deutlich besser als Mannschaften wie Augsburg. Und die besondere Atmosphäre, die bei magischen Europapokalnächten im Waldstadion ohnehin immer herrscht, ist nicht zu Unterschätzen. In den meisten Fällen löst diese nämlich eine Eigendynamik aus, die sowohl die Fans auf den Rängen als auch die Spieler auf dem Platz mitreißt.

So oder so ist, trotz Dämpfer in Augsburg, ganz Frankfurt heiß auf den Donnerstagabend, wenn einmal mehr hochkarätiger Besuch im heimischen Stadtwald empfangen werden darf…