Der Tag, 30.06.: Kepler, Verstappen, Yankees

Frühmorgens

MLB – Max Kepler steuerte beim 10:3-Sieg der Twins gegen die White Sox zwei Home Runs bei und schraubte seine Saisonbilanz auf 21 Home Runs. Die Twins führen weiterhin deutlich die AL Central an.

 

Nachmittags

Formel 1 – Max Verstappen beendete in Spielberg die Mercedes Siegeserie und holte sich die volle Punktzahl in Österreich. Erst drei Runden vor Schluss überholte der Niederländer den bis dahin Führenden Charles Leclerc. Dritter wurde Valtteri Bottas. Platz vier buchte Sebastian Vettel, der damit einen Platz vor Lewis Hamilton ins Ziel kam.

MLB – Nach dem 30-Run Spiel zwischen den Yankees und den Red Sox am Samstag, wurde auch das zweite Spiel in London von Offensive geprägt. 12:8 gewannen die Yankees, die im siebten Inning insgesamt neun Runs auf das Scoreboard brachten und damit das Spiel vorzeitig entschieden.

Abends

Fußball, U21-EM – Spanien sicherte sich den EM-Titel gegen das DFB-Team. Die neuen Europameister waren insgesamt spielerisch überlegen und gewannen verdient mit 2:1.

Nico Rosberg – Der stille Star

Von Daniel Hofmann

Nico Rosberg passte perfekt in die Formel 1, und doch war er ganz anders als die Fahrer links, rechts, vor und hinter ihm. Rosberg wuchs in Monte Carlo auf, in dem viele Stars der Szene residieren, sobald sie es sich leisten können. Vater Keke feierte in den 80ern selber einen WM-Titel und diente seinem Sohn als Vorbild, der schon zu Kart-Zeiten wusste, dass auch er mal diesen Erfolg feiern möchte.

2006 gab Rosberg dann sein Debüt in der höchsten Formel-Klasse. Im Williams zeigte er über vier Saisons sein Können in einem oftmals unterlegenem Fahrzeug. 2010 kam dann der Wechsel zum Rennstall Mercedes. Zuerst hieß sein Teamkollege Michael Schumacher, dann ab 2013 Lewis Hamilton. Mercedes übernahm ab 2014 die Vormachtstellung in der Rennserie und Hamiltons größter Konkurrent um die WM-Krone war Teamkollege Rosberg. Rosberg wurde häufig nachgesagt, dass er für das harte Geschäft der Formel 1 zu “lieb” und teamfähig sei, um sich selbst die WM-Krone aufsetzen zu können.

Das wurde im Jahr 2016 anders. Rosberg startete mit vier Siegen in die Saison und wirkte noch fokussierter als sonst. Das Ziel war klar: der WM-Titel. Das gelang nach einem dramatischen Finale im letzten Saisonrennen. Und Rosberg wählte anschließend einen Weg, der höchst ungewöhnlich erschien: er beendete, für alle überraschend, seine Karriere! Eine Entscheidung, die Rosbergs Motivation unterstrich. Sein Ziel war der WM-Titel. Mehr wollte Rosberg nicht in der Formel 1 erreichen. Keine Allzeit-Rekorde jagen, keine Präsenz im Rampenlicht als Weltmeister genießen. Rosberg ließ durchblicken, dass ihm vieles in der Formel 1 suspekt erschien und es ihm nicht um die große Bühne ging. Und das alles macht Nico Rosberg bis heute so besonders.

Doch Rosberg hat der Formel 1 danach nicht den Rücken zugedreht. Heute analysiert er die Rennen für die Fans im TV und Internet. Und dabei merkt man schnell, wie leidenschaftlich Rosberg für den Motorsport lebt. An diesem Tag wird Nico Erik Rosberg erst 34 Jahre jung. Im besten Rennfahreralter, möchte man sagen. Keineswegs wird Rosberg diesen Tag im Rampenlicht verbringen. Er wird ihn still mit der Familie und Freunden feiern. In Monte Carlo oder auf Ibiza, denn auch dort hat die Familie Rosberg einen Wohnsitz. Sicherlich spricht das für den typischen Reichtum, der automatisch mit Rennfahrern verbunden wird. Doch Nico Rosberg wird immer etwas anders sein. Danke dafür, Herr Rosberg, und alle Gute!

Der Tag, 23.06.: Lopez/Murray, Barty, Bayern

Nachmittags

ATP-Tour – Roger Federer feierte in Halle seinen zehnten Titel. 7:6(2), 6:1 siegte der Titelträger gegen David Goffin. Im Queens Club feierte Feliciano Lopez einen Zweifachsieg. Im Einzel gewann Lopez den Titel gegen Gilles Simon (6:2, 6:7(4), 7:6(2). Anschließend siegte der Spanier auch mit Rückkehrer Andy Murray 7:6(5), 5:7, 10:5 gegen das Duo Ram/Salisbury.

WTA-Tour – Ashleigh Barty sicherte sich gegen Julia Görges den Titel von Birmingham und erklomm damit den ersten Platz der Weltrangliste. Auf Mallorca siegte Sofia Kenin 6:7(2), 7:6(5), 6:4 gegen Belinda Bencic.

Formel 1 – In Le Castellet feierte Mercedes den nächsten Doppelsieg. Lewis Hamilton kam mit 18 Sekunden vor Valtteri Bottas ins Ziel. Dritter wurde Ferrari-Pilot Charles Leclerc. Sebastian Vettel beendete den Grand Prix in Frankreich auf Rang 5.

 

Abends

BBL – 93:88 siegte der FC Bayern nach Overtime gegen ALBA Berlin und kürte sich damit erneut zum Meister. Durch den Final-Sweep verloren die Münchner kein einziges Spiel in den diesjährigen Playoffs.

Fußball, U21-EM – Im letzten Gruppenspiel spielte das DFB-Team 1:1 gegen Österreich und sicherte damit den Gruppensieg ab. Waldschmidt brachte das deutsche Team in der 14. Minute in Führung. Bereits zehn Minuten später traf Danso zum Endstand.

Fußball, Damen-WM – England siegte gegen Kamerun deutlich 3:0. Die Französinnen benötigten gegen Brasilien die Verlängerung, um mit 2:1 ins Viertelfinale zu folgen.

Der Tag, 09.06.: Nadal, Cristiane, Vettel

Nachmittags

WTA-Tour – Timea Babos und Kristina Mladenovic heißen die Doppel-Siegerinnen der French Open. Mit dem 6:2, 6:3 gegen Saisai Zheng und Ying-Ying Duan ist Mladenovic damit auch ab Montag die neue Nummer 1 der Doppel-Weltrangliste.

ATP-Tour – Rafael Nadal schraubt seinen Legendenstatus in Paris auf die nächste Stufe. 6:3, 5:7, 6:1, 6:1 siegte der Sandplatzgott gegen Dominic Thiem, feierte damit den 12. Triumph bei den French Open. Nur in den ersten beiden Sätzen konnte Thiem ein ebenbürtiges Duell liefern und für zwei umkämpfte Sätze sorgen. Thiem verlor damit im zweiten Jahr in Folge das Finale gegen Nadal.

BBL – Alba Berlin folgte dem FC Bayern ins Finale um die Deutsche Meisterschaft. Mit dem 100:89 gelang der dritte Sieg im dritten Spiel bei den EWE Baskets Oldenburg.

Handball-Bundesliga – Die SG Flensburg-Handewitt siegte beim Bergischen HC und machte damit die Meisterschaft perfekt. Dramatik dagegen im Abstiegskampf. Bietigheim und Gummersbach spielten Remis, Ludiwigshafen gelang wenige Sekunden vor dem Ende der Siegtreffer gegen Minden, womit die Sieger sich noch auf den rettenden Platz 16 schoben, damit Gummersbach und Bietigheim gemeinsam den Gang in die zweite Liga antreten.

Fußball Frauen WM – Brasilien startete gegen WM-Neuling Jamaika souverän in das Turnier. Cristiane erzielte alle Tore beim 3:0-Erfolg. Italien gewann 2:1 gegen Australien. England besiegte Schottland ebenfalls mit 2:1.

 

Abends

Formel 1 – Kein Sieg für Ferrari, obwohl Sebastian Vettel als Erster über die Linie fuhr. Doch ein Manöver am Ende des Rennens wurde mit einer 5-Sekunden-Strafe belegt, sodass Lewis Hamilton und Sebastian Vettel kurz nach Rennschluss die Plätze tauschten. Dritter wurde Charles Leclerc. Vettel zeigte anschließend öffentlich sein Missfallen über die Bestrafung. Verschwand vor der Siegerehrung, verweigerte das Interview und tauschte die Platzierungsschilder von ihm und Hamilton aus. Weitere Strafe ist also zu erwarten.

UEFA Nations League – Portugal lautet der Premierensieger der Nations League. Vor heimischer Kulisse siegten die Gastgeber mit 1:0 gegen die Niederlande, deren Offensive über die 90 Minuten sehr blass blieb.

MLB – Ein spannendes Duell lieferten sich die Yankees bei den Indians. Schnell führten die Gäste 5:0, doch das Team aus Cleveland konnte im sechsten und siebten Inning das Spiel ausgleichen. Letztlich ging es beim Stand von 6:6 in ein Extra-Inning, in dem die Yankees den entscheidenden Run zum Sieg erzielen konnten.

 

 

Der Tag, Sonntag, 12.05.: Sinner, HSV, Trail Blazers

Frühmorgens

NHL – Die Sharks gewannen Spiel 1 der Conference Finals 6:3 gegen die Blues und setzten damit, in einer unterhaltsamen Partie, ein deutliches Statement für die anstehende Serie.

 

Nachmittags

ATP-Tour – Philipp Kohlschreiber steht beim Masters in Rom bereits in Runde 2. Beim letzten Masters-Turnier auf Sand im Jahr 2019,  gewann Kohlschreiber, nach einer Regenunterbrechung, am Ende 6:2, 3:6, 6:3. Der erst 17-jährige Jannik Sinner aus Südtirol startete mit einer Wild Card und konnte diese mehr als adäquat nutzen!

Formel 1 – Lewis Hamilton holte sich in Barcelona den dritten Saisonsieg. Mercedes-Teamkollege Bottas fuhr auf Rang 2. Max Verstappen komplettierte im Red Bull das Podium. Sebastian Vettel musste mit Platz 4 eine weitere Enttäuschung hinnehmen. Scheint die WM doch schon früh in weite Ferne zu rücken.

2. Fußball-Bundesliga – Der HSV wird nicht aufsteigen. Das steht nach dem 4:1 in Paderborn fest. Der SC wird mit Union Berlin den zweiten direkten Aufsteiger und den Relegationsteilnehmer ausspielen. Der MSV Duisburg und der 1. FC Magdeburg stiegen ab.

Eishockey-WM – Die DEB-Auswahl fuhr im zweiten Spiel den zweiten Sieg ein. Das 2:1 gegen Dänemark wurde wieder ein hartes Stück Arbeit. Acht Minuten vor Schluss gelang den Dänen der 1:2-Anschlusstreffer, doch die deutsche Auswahl konnte das Ergebnis ins Ziel retten.

Handball-Bundesliga – Der THW Kiel siegte im Derby gegen die SG Flensburg-Handewitt mit 20:18 und ist damit wieder im Meisterschaftskampf dabei. Mit nur zwei Minuspunkten weniger, steht die SG nun unter Druck keine Niederlage mehr kassieren zu dürfen.

Premier League – Manchester City ist nach dem 4:1 bei Brighton&Hove Albion erneut englischer Meister. So konnte Liverpool auch mit dem 2:0 gegen die Wolverhampton Wanderers nicht mehr aus den ersten Platz springen.

 

Abends

BBL – Letzter Spieltag, letzte Entscheidungen. Würzburg verspielte mit der 65:97-Niederlage in Bamberg noch die Playoff-Teilnahme. Nutznießer waren die Löwen aus Braunschweig, die 100:85 gegen Bayreuth gewannen. Crailsheim konnte gegen Oldenburg 99:87 gewinnen und damit den Klassenerhalt feiern. Absteigen müssen dafür die Eisbären Bremerhaven, die 87:90 beim MBC verloren.

1. Fußball-Bundesliga – Eintracht Frankfurt muss am letzten Spieltag noch um die erneute Europa-League-Teilnahme zittern. Gegen den 1. FSV Mainz 05 gab es eine 0:2-Niederlage. Beide Tore schoss Anthony Ujah kurz nach der Pause.

ATP-Tour – Während in Rom die ersten Auftaktmatches liefen, spielten Novak Djokovic und Stefanos Tsitsipas den Sieger in Madrid aus. Djokovic siegte ungefährdet mit 6:3, 6:4 und machte so seinen 33. Masters-Titel perfekt.

NHL – Die Bruins siegten am Abend erneut sehr deutlich gegen die Hurricanes. Beim 6:2 hatten die Gäste aus Carolina zu keiner Zeit des Spiels eine reelle Chance auf den Sieg, lagen zwischenzeitlich gar mit 0:6 zurück. Boston führt damit die Serie  2-0 an.

NBA – Die Trail Blazers gewannen am späten Abend Spiel 7 bei den Denver Nuggets und ziehen damit in die Conference Finals ein. 100:96 lautete der Endstand. Die Trail Blazers lagen zwischenzeitlich mit 17 Punkten zurück, drehten aber in der zweiten Halbzeit das Spiel und konnten die Führung durch gute Defense ins Ziel bringen. Mann des Spiels war Portlands CJ McCollum mit 37 Punkten.

Der Tag, Sonntag, 14. April 2019, Tiger, Hamilton, Paris-Roubaix

Frühmorgens

NHL – Philipp Grubauer hält die Avalanche mit einer überragenden Parade im Spiel, Colorado gleicht mit dem 3:2-Overtime-Sieg in der Serie gegen Calgary aus. Die Capitals gehen gegen Carolina mit 2:0-Siegen in Führung. Boston stellt mit dem 4:1 gegen die Maple Leafs den Gleichstand gegen Toronto her, auch zwischen Nashville und Dallas steht es nach zwei Treffen unentschieden.

NBA – Drei Auswärtssiege zum Auftakt der NBA-Playoffs: San Antonio gewinnt in Denver mit 101:96, Die Magic bei den Raptors mit 104:101. Überraschend auch der 111:102-Sieg von Brooklyn in Philadelphia. Lediglich die Warriors geben sich gegen die Clippers beim 121:104 keine Blöße.

MLB – Max Kepler trägt zum 4:3 der Twins gegen die Tigers einen Run und einen Hit bei, Keplers Schlagdurcschnitt liegt bei .277. Im Spitzenduell schlägt Justin Verlander mit den Houston Astros die Seattle Mariners mit King Felix Hernandez auf dem Mound mit 3:1.

Vormittags

Formel 1 – Alain Prost winkt Lewis Hamilton als Sieger im dritten Formel-1-Rennen des Jahres ab. Zweiter wird Valteri Bottas vor Sebastian Vettel und Max Verstappen. Einziges Spannungselement: Pierre Gasly schnappt sich im vorletzten Umlauf den Extra-Punkt von Sebastian Vettel für die schnellste Rennrunde.

Nachmittags

Liga Zwei – Herbert Grönemeyer singt in Bochum dem VfL sein Lied – und sieht dann einen 3:2-Sieg gegen Greuther Fürth. Ingolstadt und Kiel trennen sich ebenso mit 1:1 wie St. Pauli und Bielefeld.

DEL – Wir gehen also in ein Spiel sieben. Die Augsburger Panther schaffen es als erstes Team in der Halbfinalserie gegen Titelverteidiger München ein Spiel mit mehr als einem Tor Vorsprung zu gewinnen. Adam Payerl drückt zweimal ab, jeweils wenige Sekunden vor Ende des zweiten und dritten Drittels.

Paris-Roubaix – Philippe Gilbert, vor Jahren mal Weltmeister, hat sich erstmals die Hölle des Nordens gesichert. Im Zielsprint gegen Nils Politt. Peter Sagan wird immerhin Fünfter.

Premier League – Manchester City und Liverpool im Gleichschritt. ManCity gewinnt bei Crystal Palace mit 3:1, Liverpool schlägt zuhause Chelsea mit 2:0. Mané und Salah scoren für Jürgen Klopp.

Bundesliga – Hoffenheim gewinnt gegen Hertha erwartungsgemäß mit 2:0, die Bayern übernehmen mit dem 4:1 in Düsseldorf wieder die Tabellenführung. Der FC Augsburg überrascht mit einem 3:1 in Frankfurt.

The Masters – Ziemlich starkes Nervenflattern am letzten Loch – aber Tiger schafft auf dem 18. Loch das notwendige Bogey, gewinnt in Augusta seinen insgesamt 15. Titel bei einem Major. Den Reaktionen nach zu urteilen: sehr nach dem Geschmack des Publikums.

Carlos Reutemann – Als Teamkollege untragbar

Mitarbeiter des Tages, 12. April 2019: Carlos Reutemann

Wer den Österreicher als solchen verstehen will, sollte Folgendes wissen: für uns gibt es kein Grau, es ist alles entweder blütenweiß oder kohlrabenschwarz. Vor allem im Sport. Wer im Camp von Thomas Muster war, musste Horst Skoff hassen. Hermann Maier oder Stephan Eberharter, diese Frage konnte tatsächlich nur mit „oder“ beantwortet werden.

Vereint stehen wir indes zum Großteil hinter unseren Nationalheroen (von denen es erstaunlich wenige gibt). Das Schwarz-Weiß-Denken greift aber natürlich auch hier, am deutlichsten in jenen Jahren, da Österreich noch aussichtsreiche Formel-1-Fahrer zu bestaunen hatte: Niemand wurde eher ins schlechte Licht gerückt als die jeweiligen Teamkollegen von Gerhard Berger (mit der Ausnahme von Ayrton Senna – auf den konnten wir uns fast alle einigen) und vor allem Niki Lauda (gut: John Watson im Mclaren hat auch niemandem Angst gemacht).

Carlos Reutemann war einer davon. 1977 stieß Reutemann zum Ferrari-Team, wenige Monate also, nachdem Niki Lauda bei seinem Unfall am Nürburgring fast gestorben wäre. Den Weltmeister-Titel hatte Lauda 1976 im Regen von Fuji James Hunt mit freundlichen Grüßen übergeben, nun aber nach Einschätzung der österreichischen Aficionados das zweite Championat her. Und dann erdreistete sich Carlos Reutemann tatsächlich, schon sein zweites Rennen im Ferrari zu gewinnen. Gut, über die ganze Saison betrachtet hatte Lauda die Nase vorne, 1978 war der Niki dann ohnehin schon zu Brabham abgerauscht. Reutemann blieb bei Ferrari, ging dann zu Williams, gewann zwölf Grand Prixs, aber keinen Weltmeistertitel.

Irgendwann hatte auch Carlos Reutemann genug davon, nur noch im Kreis zu fahren, er wandte sich der Politik zu. Wie zu lesen ist, wurde auch ihm, der heute seinen 76. Geburtstag feiert, ein angesehener Gouverneur in der Provinz Santa Fé, respektiert von Unterstützern und Gegnern. Auch das wäre mit dem österreichischen Denken im Übrigen nicht vereinbar.

Jacques Villeneuve – Alles zwei Nummern zu groß

Von Stefan Ehlen

Jacques Villeneuve macht sich gern zwei Nummern größer, als er es tatsächlich ist. Das gilt zumindest für seine Rennanzüge, die er deshalb betont locker um seine Hüften trägt. Was auch zeigt: Villeneuve ist kein gewöhnlicher Rennfahrer, nie gewesen. Genau wie sein Vater, der 1982 tödlich verunglückte Gilles Villeneuve, der bis heute als einer der besten Formel-1-Piloten aller Zeiten verehrt wird. Doch der Sohnemann hat den berühmten Papa sogar übertroffen: Jacques Villeneuve gewann 1997 gegen Michael Schumacher den Fahrertitel in der Formel 1, was Gilles Villeneuve verwehrt geblieben war.

Mehr noch: Schon 1995 hatte Jacques Villeneuve beim Indianapolis 500 gesiegt, 2008 wäre er beinahe auch bei den 24 Stunden von Le Mans Erster geworden. Alles zusammen, das hat in der Motorsport-Historie nur der Brite Graham Hill erreicht. Villeneuve junior stand nur knapp davor, sich in seiner langen und bis heute andauernden Karriere zuweilen aber auch selbst im Weg. Mit seiner kritisch-flapsigen Art etwa, die so gar nicht ins PR-weichgespülte Grand-Prix-Fahrerlager passte. Oder mit überzogenen Gehaltsforderungen. Manchmal hatte er schlichtweg auch das falsche Timing oder die falschen Berater, manchmal beides – wie 1999, als er sich in der Formel 1 dem damals neuen BAR-Team seines Managers Craig Pollock anschloss und von Anfang an auf Sieg fahren wollte, am Ende aber komplett ohne Punkte dastand.

In der Formel 1 gewann er nicht erneut, hangelte sich von Team zu Team, ohne aber an seine früheren Erfolge anzuknüpfen. 2006 wurde er von BMW ausgemustert. Und so ging es weiter: Villeneuve probierte fast alles mit vier Rädern, fuhr im NASCAR-Oval, auf der Rallycross-Piste, bestritt Rennen in der Formel E und im Sportwagen. Parallel dazu stieg er als Singer-Songwriter ins Musikbusiness ein, unterhielt ein Restaurant mit dem Namen “Newtown” als Anspielung auf seinen Nachnamen, war mit der australischen Sängerin Dannii Minogue liiert und hat inzwischen vier Söhne von zwei Frauen.

In der Formel 1 machte er schließlich doch noch einmal Karriere – als Experte für diverse TV-Sender, die seine unverblümten Kommentare zu schätzen wissen. Und selbst mit nun 48 Jahren lässt es Villeneuve keineswegs langsamer angehen: 2019 absolviert er die komplette Saison in der NASCAR-Euroserie. Natürlich in einem viel zu großen Rennanzug.