Jacques Villeneuve – Alles zwei Nummern zu groß

Von Stefan Ehlen

Jacques Villeneuve macht sich gern zwei Nummern größer, als er es tatsächlich ist. Das gilt zumindest für seine Rennanzüge, die er deshalb betont locker um seine Hüften trägt. Was auch zeigt: Villeneuve ist kein gewöhnlicher Rennfahrer, nie gewesen. Genau wie sein Vater, der 1982 tödlich verunglückte Gilles Villeneuve, der bis heute als einer der besten Formel-1-Piloten aller Zeiten verehrt wird. Doch der Sohnemann hat den berühmten Papa sogar übertroffen: Jacques Villeneuve gewann 1997 gegen Michael Schumacher den Fahrertitel in der Formel 1, was Gilles Villeneuve verwehrt geblieben war.

Mehr noch: Schon 1995 hatte Jacques Villeneuve beim Indianapolis 500 gesiegt, 2008 wäre er beinahe auch bei den 24 Stunden von Le Mans Erster geworden. Alles zusammen, das hat in der Motorsport-Historie nur der Brite Graham Hill erreicht. Villeneuve junior stand nur knapp davor, sich in seiner langen und bis heute andauernden Karriere zuweilen aber auch selbst im Weg. Mit seiner kritisch-flapsigen Art etwa, die so gar nicht ins PR-weichgespülte Grand-Prix-Fahrerlager passte. Oder mit überzogenen Gehaltsforderungen. Manchmal hatte er schlichtweg auch das falsche Timing oder die falschen Berater, manchmal beides – wie 1999, als er sich in der Formel 1 dem damals neuen BAR-Team seines Managers Craig Pollock anschloss und von Anfang an auf Sieg fahren wollte, am Ende aber komplett ohne Punkte dastand.

In der Formel 1 gewann er nicht erneut, hangelte sich von Team zu Team, ohne aber an seine früheren Erfolge anzuknüpfen. 2006 wurde er von BMW ausgemustert. Und so ging es weiter: Villeneuve probierte fast alles mit vier Rädern, fuhr im NASCAR-Oval, auf der Rallycross-Piste, bestritt Rennen in der Formel E und im Sportwagen. Parallel dazu stieg er als Singer-Songwriter ins Musikbusiness ein, unterhielt ein Restaurant mit dem Namen “Newtown” als Anspielung auf seinen Nachnamen, war mit der australischen Sängerin Dannii Minogue liiert und hat inzwischen vier Söhne von zwei Frauen.

In der Formel 1 machte er schließlich doch noch einmal Karriere – als Experte für diverse TV-Sender, die seine unverblümten Kommentare zu schätzen wissen. Und selbst mit nun 48 Jahren lässt es Villeneuve keineswegs langsamer angehen: 2019 absolviert er die komplette Saison in der NASCAR-Euroserie. Natürlich in einem viel zu großen Rennanzug.