Zinedine Zidane – MJ überholt

Mitarbeiter des Tages, 23. Juni 2019: Zinedine Zidane

Quervergleiche zwischen Epochen verbieten sich im Sport angeblich ja ganz generell, was soll dann erst für interdisziplinäre Analysen gelten? Aber gut, wir dürfen hier alles: Zinedine Zidane und Michael Jordan verbindet noch mehr, als dass die beiden für eine Zeitlang die Besten ihrer Zunft waren – Jordan ein bisserl länger als Zizou, aber das ist jetzt unerheblich.

Denn, liebe Kinder, was ihr Euch jetzt gar nicht so richtig vorstellen könnt: Bevor Michael Jordan und Zinedine Zidane die beiden großartigsten Glatzen im Weltsport geworden sind, hatten die Buben tatsächlich Haare auf dem Kopf. Und beiden ist das im Nachhinein betrachtet nicht gerade überragend gestanden.

Kleine Beobachtung am Rande: als beim letztjährigen Endspiel der French Open zwischen Rafael Nadal und Dominic Thiem für einen kurzen Moment Zinedine Zidane gezeigt wurde, der sich eigentlich auf den unscheinbaren Rängen versteckt hatte, da brach beinahe ungehemmter Applaus aus. Offenbar haben die Franzosen Zidane dessen Abgang im WM Finale 2006 verziehen, selbst 13 Jahre später noch ein Jammer. 1998 hat Zidane die L´Équipe Tricolore zum Finalsieg gegen Brasilien geköpft, acht Jahre später waren die Franzosen auf einem guten Weg, dann hält Buffon diesen herrlichen Kopfball, dann macht Materazzi das einzige, was so ein Volldolm eben macht. Es schmerzt noch immer.

Auch wenn davon auszugehen ist, dass sich der französische Großmeister, der heute seinen 47. Geburtstag feiert, dieser Tage mit anderen Dingen beschäftigt, etwa dem Wiederaufbau von Real Madrid. Nach der aktiven Karriere übrigens hat Zinedine Zidane den Spieß umgedreht: Michael Jordans Karriere als Funktionär schmiert gegen jene des Franzosen als Coach gnadenlos ab.

Justin Leonard – Der ewige Schmerz

Mitarbeiter des Tages, 15. Juni 2019: Justin Leonard

Wer sich als Sportfan etwas über den Tellerrand des Fußballs hinaus interessiert, der wird hoffentlich mit folgendem Urteil übereinstimmen: Nie fühlt man sich mehr als Europäer als während jener drei Tage, an denen die Golfer aus Großbritannien, Italien, Deutschland, etc. gegen die Sportkameraden aus den USA antreten. Der Ryder Cup schafft jenen Zusammenhalt, den wir der EU gerne wünschten. Auch weil es bei aller Rivalität zwischen den Teams in Rot und Blau immer fair zugeht. Eigentlich.

Denn 1999 in Brookline ist der Wettkampf in einer Weise eskaliert, die dem Golffan normalerweise eher fremd ist. Und mittendrin: Justin Leonard, der heute seinen 47. Geburtstag feiert. Die US-Amerikaner mussten am Sonntag einen Vier-Punkte-Rückstand aufholen. Und ließen sich von Anfang an nicht lumpen. Kulminiert ist das Ganze dann in einem Putt von Leonard in seinem Match gegen Jose Maria Olazabal. Es schmerzt heute noch.

Steffi Graf – Eine Klasse für sich

Mitarbeiterin des Tages, 14. Juni 2019: Stefanie Graf

Now, Steffi Graf, die schon seit längerer Zeit Stefanie genannt werden möchte, Stefanie Graf also ist die größte deutsche Sportlerin aller Zeiten. Und das Rennen ist nicht einmal knapp. Da muss jetzt bitte keiner mit Birgit Fischer oder sonst jemanden um die Ecke kommen. Deutschland. Graf. Nummer eins.

Was die Jubilarin (heute feiert Frau Graf ihren 50. Geburtstag) so umtreibt, das kann man am besten hier nachlesen, in den warmen Worten des großen Kollegen Jörg Allmeroth.

Die Frage allerdings, ob Stefanie Graf die größte Tennisspielerin aller Zeiten ist, muss global abwegig beschieden werden (was der ehemaligen Steffi natürlich komplett wurst sein wird). 22 Grand-Slam-Titel im Einzel, der Golden Slam 1988 mit dem olympischen Sieg in Seoul, das ist natürlich unglaublich. Und, ja: Käme Steffi Graf in der 1988er-Form (und, ganz wichtig: mit ihrem 1988er-Dunlop-Schläger) dieser Tage für zwei Wochen zurück auf die WTA-Tour – das Halbfinale in Paris oder Wimbledon wäre ihr jederzeit zuzutrauen. Mit dem aktuellen Material sogar der Sieg. Niemand bewegt sich dieser Tage so wie Graf damals, am nächsten kommt ihr noch Simona Halep.

Die größte Spielerin aller Zeiten ist indes Serena Williams, die herrliche Drama Queen. Einfach wegen der, über die Karriere betrachtet, größeren Konkurrenz. Und der vielen, manchmal auch etwas komischen Dinge, die Serena neben dem Court veranstaltet hat. Und auch, weil die allergrößte Rivalin von Steffi Graf, Monica Seles, von einem Verbrecher aus dem Wettbewerb genommen wurde. Sportlich wird sich natürlich nie sagen lassen, ob eine Serena an ihrem besten Tag besser als eine Steffi an ihrem besten Tag war.

Aber noch einmal: Das wird Frau Graf komplett egal sein. Weil sie extrem happy damit zu sein scheint, dass sie zuhause in Las Vegas ihre Ruhe hat. Herrlich. Alles Gute.

Paavo Nurmi – Im Sprachschatz enthalten

Wenig ist bekannt über den finnischen Wunderläufer, der sich noch vor dem Zweiten Weltkrieg bei Olympischen Spielen selbst ein Denkmal gesetzt hat. Ganz generell weiß man eigentlich wenig über den Finnen als solchen – ist es die Sprachbarriere? Nurmi, der heute 122 Jahre alt geworden wäre (was ihm ohne weiteres zuzutrauen war – auch wenn er 73-jährig verstorben ist)  jedenfalls konnte schnell laufen und das sehr dauerhaft. In einer Stunde fast 20 Kilometer weit.

Was Paavo Nurmi aber nicht wusste – dass er dereinst in den Sprachschatz der deutschen Zunge aufgenommen werden würde. Noch Generationen nach seinen größten Erfolgen werden Aufforderungen, die eine oder andere Sache etwas weiter entfernt abzuholen, mit einem so eindeutigen wie richtigen “Ich bin ja nicht Dein Nurmi” quittiert.

Egon Schiele – Die pure Kraft

Mitarbeiter des Tages, 12. Juni 2019: Egon Schiele

Schiele? Wirklich? Wirklich. Hatte mit Sport nach allem, was wir wissen, exakt nichts zu tun. Hat aber mit einer Kraft gemalt, die einen auch mehr als ein Jahrhundert nach seinem Tod noch staunen lässt. Und mit einer Eindeutigkeit, die 2019 einen schweren Stand hätte. Wer nach Wien fährt – und das ist in jedem Fall dringend anzuraten, egal zu welcher Jahreszeit – der muss ins Leopold Museum pilgern. Dieses ist eingebettet ins Museumsquartier direkt am Fuße der Mariahilfer Straße. Die permanente Schiele-Ausstellung ist der einzige Pflichtprogrammpunkt. Heute vor 129 Jahren wurde er geboren, nicht einmal 30 Jahre alt ist Schiele geworden, im gleichen Jahr der Spanischen Grippe erlegen wie wenige Monate zuvor seine Frau. 

Aber, liebe Kinder, die Kraft seiner Bilder, die haut einen immer noch um. 

Kim Clijsters – Frühe und späte Blüten

Mitarbeiterin des Tages, 08. Juni 2019: Kim Clijsters

Dieser Tage wird bei den French Open traditionell auch das Legenden-Turnier der Damen ausgetragen. Die ganz große Martina Navratilova triebt sich dabei herum, die nicht ganz so große Arantxa Sanchez auch. Fehlend, obwohl eigentlich als Belgierin räumlich so nah: Kim Clijsters. Vielleicht muss sie heute ihren 36. Geburtstag feiern. Vielleicht ist Kim bei Eurosport zu sehr eingespannt.

Paris war nie die ganz große Liebe von Clijsters, auch wenn sie hier zweimal im Endspiel gestanden war. Ihre vier Grand-Slam-Titel im Einzel hat sie allesamt auch Hartplatz geholt, drei bei den US Open, den letzten 2011 bei den Australian Open. Das war schon in der zweiten Phase ihrer Karriere, und da war auch schon ihre Tochter mit am Start. 

Kim Clijsters wirkte wie der perfekte Gegenentwurf zu Landsfrau Justine Henin – nicht nur von ihrer Statur her. Henin schien eine Grüblerin zu sein, nie ganz happy mit dem, was sie da gerade beruflich tut. Clijsters konnte man den Spaß, aber auch die Wut ansehen. Was die beiden aber verbindet ist eine frühe Verletzungsgeschichte, die in einer Unterbrechung der Karriere gemündet hat.

Clijsters ist stärker denn je zurückgekommen, darf auf 41 Titel auf der WTA-Tour zurückblicken. Und hat sich 2019 ein Promi-Doppel mit Conchita Martinez erspart. 

Anna Kournikova – Alles richtig gemacht

Mitarbeiterin des Tages, 07. Juni 2019: Anna Kournikova

Machen wir uns nix vor: Anna Kournikova lacht uns alle aus. Sitzt irgendwo am Strand, kümmert sich um ihre Zwillinge, weint vor Freude beim Blick auf ihren Kontostand und lässt sich von Enrique Iglesias besingen. Gut, um Letzteres ist sie nicht zu beneiden. Aber keine Dings ohne Dings. Kournikova wird heute 37 Jahre alt und ist also ziemlich genau zwei Monate älter als Roger Federer. Der uns zwar auch alle auslacht, aber sich immer noch auf dem Tennisplatz müht. Und 101 Einzel-Titel auf der Tour gewonnen hat. Das sind immerhin 101 mehr als Anna Kournikova.

Dennoch sollte der geneigte Beobachter nicht unterschätzen, wie gut Kournikova sich als Tennisspielerin geschlagen hat. Ihre Einzel-Misere lässt sich auch damit erklären, dass sie eben nicht nur um eines Titels willen bei einem sehr kleinen Turnier mit noch kleinerer Besetzung angetreten ist. Kournikova wollte, wenn schon, die großen Titel gewinnen – was ihr im Verbund mit Martina Hingis auch gelungen ist. Zwei Doppel-Championate bei den Australian Open, das würden wir hier blind unterschreiben.  

Es ist also höchst unfair, dass Anna Kournikova via ihrer Initialen auch den Einzug in die Pokerwelt gefunden hat. Dort wird die Kombination „AK“, Ass und König also, gerne als „Anna Kournikova“ verunglimpft: sieht gut aus und gewinnt selten. Frau Kournikova wird damit sehr gut leben können. 

Kenny G – Der Football-Ersatz

Mitarbeiter des Tages, 05. Juni 2019: Kenny G

Ja, genau der Kenny G. Die Begründung ist so kurz wie stimmig wie nicht zu widerlegen: Wenn in der Woche vor dem Super Bowl alle US-amerikanischen Sportsender steil gehen, jede Nichtigkeit zu einer Story von epochalen Ausmaßen aufbläst, dann lädt Dan Le Batard Kenny G auf ein kleines Plauscherl in seine Show ein. Täglich. Worum es dann garantiert nie geht? Football. Was Kenny G auszeichnet? Zum einen eine fantastische Selbstironie. Angeblich kann er auch am Saxofon was, das ist natürlich Geschmackssache. Und er verspricht Dan immer Promi-Gäste, die dann irgendwie doch nicht kommen. Wurscht. Kenny G wird heute 63 Jahre alt. Wir freuen uns.

Alexander Manninger – Immer noch der Beste?

Mitarbeiter des Tages, 04. Juni 2019: Alexander Manninger

Es ist ja so: Als Österreicher, der in den 1970er-Jahren erstmals mit dem Fußball und also der Cordoba-Generation in Berührung gekommen ist, der musste zwangsweise davon ausgehen, dass es nie, nie, nie ein Torhüter-Problem in Rot-Weiß-Rot geben könnte. Friedl Koncilia hatte neben seinen Paraden und dem geilen Namen auch ein kleines Wohlstandsbäuchlein anzubieten. Herbert „Funki“ Feurer einen gigantisch geilen Porno-Schnauzer. Und Klaus Lindenberger, der etwas später kam, ein rhetorisches Fundament, das Olaf Ton wie einen Mann ohne Hauptschulabschluss dastehen ließ.

Danach kam die Generation Michael Konsel und Franz Wohlfahrt, der eine natürlich bei Rapid, der andere bei der Austria, bevor sie beide das Weite gesucht haben. Aber dann?

Gähnende Leere, bis auf einen: Alexander Manninger. Ja, es schmerzt den Verfasser, dass Manninger, der heute seinen 42. Geburtstag feiert, ein Jahr lang beim kleineren, wiewohl damals gar nicht so hässlichen Grazer Club, dem GAK, gespielt hat. Ein Jahr später war es dann aber schon der FC Arsenal, ganz selten nur als erster Keeper, aber als jemand, den man angstfrei hätte aufstellen können.

Und selbst wenn Manninger über weite Strecken einer Saison etwa für die Fiorentina, Salzburg oder Juventus gar nicht gespielt hat – im Kreis der österreichischen Goalies war er ohne Zweifel der Beste. Um genau zu sein: Das wäre er auch im Juni 2019 noch immer. Jammerschade, dass es nur 34 Länderspiele geworden sind.

Jelena Isinbayeva – Abseits der Matte zu gesprächig

Mitarbeiterin des Tages, 03. Juni 2019: Jelena Isinbayeva

Der Stabhochsprung der Damen – er ist eine vergleichsweise junge Disziplin. Und seit dem Rücktritt von Jelena Isinbayeva auch irgendwie wieder aus dem Blickfeld der über den Fußballrand hinaus blickenden Sportfans verschwunden. Jelena hat nicht nur aus ihrer Sportart eine Show gemacht, sondern aus jedem einzelnen Sprung. Und ist dabei so verfahren wie Sergej Bubka, der sich auch immer um einen Zentimeter weiter nach oben geschraubt hat.

Um von den diversen Veranstaltern der Meetings eine Weltrekordprämie zu kassieren.
Jener von Jelena Isinbayeva war am Ende ihrer Karriere bei 5,06 Meter angelangt.

Sportlich also alles in Ordnung. Mehr als das, schließlich hat Jelena bei Olympischen Spielen zwei Mal Gold geholt. Abseits der Landematte hat sich Isinbayeva mit ihrer Unterstützung für die homophobe Politik von Wladimir Putin schlichtweg daneben benommen. Sie hätte einfach von ihrem Recht Gebrauch machen sollen, auch mal nichts zu sagen. Das aber ist einer Diva wie Jelena Isinbayeva wohl nicht in die Wiege gelegt worden.