Diese Woche… bei Fortuna Köln, KW 45

Von Josina Anraad

Aufeinandertreffen zweier Traditionsvereine

Am Montagabend empfing der S.C. Fortuna Köln im Südstadion vor 2.613 Zuschauern die Mannschaft von Alemannia Aachen. Der Trainer der Fortuna Thomas Stratos wechselte im Vergleich zur 2:0 Niederlage im Mittelrheinpokal gegen den FC Pesch auf vier Positionen. Für Lionel Salla, Kai Försterling, Dennis Brock und den rot-gesperrten Firat Tuncer standen Noe Baba, Yannick Filipovic, Jannes Hoffmann und Lars Bender auf dem Platz. Alemannia Aachen konnte im Gegensatz zu den Fortunen die Pflichtaufgabe im Pokalspiel auswärts gegen den Bezirksligisten DJK Raspo Bran souverän mit 0:5 für sich entscheiden. Vor dem Spiel sagte Stratos: „Die Alemannia ist eine selbstbewusste und laufstarke Mannschaft. Sie wird bestimmt nicht hier hinkommen und uns das Spiel machen lassen“. Trotz der Blamage im Pokalspiel hofften die Fans auf einen positiven Ausgang des Spiels, denn die Fortuna ist seit immerhin sechs Spielen in Folge in der Regionalloga West ungeschlagen. Auch Stratos gibt sich selbstbewusst: „Wir haben von der beeindruckenden Kulisse in Essen gespielt und bestanden. Da waren die Jungs auch nicht nervös.“

Temporeiche Anfangsphase

In den ersten dreißig Minuten blieb es still im Südstadion. Die Fans beider Vereine hatten vorab einen Stimmungsboykott in den ersten 30 Minuten des Spiels angekündigt, um gegen die Anstoßzeit zu protestieren. Trotz der Stille im Stadion zeigten beide Mannschaft einen guten Auftakt in die Partie mit schnellen Kombinationen und vielen Chancen. Der erste Torschuss ging auf das Konto der Gastgeber. Hamsa Salman kam mit viel Platz vorm Strafraum zum Torabschluss, doch konnte den Ball nicht gut genug platzieren, so dass es Ricco Cymer problemlos gelang, den Ball zu entschärfen (6.). Nach einer von Kai-David Bösing scharf getretenen Ecke verlängerte Patrick Salate mit dem Hinterkopf. Im Fünfmeterraum kam schlussendlich David Pütz per Kopf zum Abschluss und verfehlte das Tor um wenige Meter (11.). Bis zu diesem Zeitpunkt war dies der gefährlichste Abschluss im Spiel der beiden Traditionsvereine, die unter den Top fünf der ewigen Tabelle der 2. Fußball-Bundesliga rangieren. Im weiteren Spielverlauf fand die Partie keine Ruhe. Die Alemannia lief die Gastgeber zwar früh an, doch wie Stratos es vor dem Spiel angekündigte, hielten dieFortunen stark dagegen. Beide Mannschaften schafften es immer wieder, sich in den gegnerischen Strafraum zu kombinieren, aber trotz vieler Torabschlüsse in der ersten halben Stunde verbuchten weder die Fortuna noch die Gäste den ersten Treffer für sich.

Klare Positionierungen der beiden Fanlager

Nach 30 Minuten kam es dann zu kuriosen Szenen im Kölner Süden. Die Fan-Gruppierungen beider Vereine hoben ihren Stimmungsboykott auf und es erschallte durch hunderte von Trillerpfeifen ein ohrenbetäubender Lärm im Südstadion. Zusätzlich warfen die Fans der S.C. Fortuna Tennis- und Massagebälle vom Stehplatz-Mitte auf das Spielfeld. Mit dieser Aktion protestieren die Fanlager gemeinsam gegen das Montagsspiel, das auch von dem TV-Sender Sport1 live übertragen wurde. Die Ultras positionierten sich mit Spruchbändern wie: „Fußball ist keine Late Night Show“ und „Ausbeutung des Fußballsports stoppen! Fußball gehört den Fans! Für fangerechte Anstoßzeiten!“ klar gegen die Anstoßzeit. Auch die Fans der Gäste enthüllten ein Banner auf dem stand „Wir pfeifen auf Sport1“.

Der Schiedsrichter Christian Scheper unterbrach daraufhin das Spiel. Zwischenzeitlich war es nicht klar, ob die Partie nochmals angepfiffen wird. Die Zuschauer, die das Spiel vor dem Fernseher verfolgten, sahen zwar kurzzeitig auch die Proteste, doch anstatt diese einzuordnen oder über die Regionalliga West zu berichten, schaltete der Sender lieber ins Studio und nahm auf jede erdenkliche Weise die Trennung zwischen Bayern München und Nico Kovac auseinander. Das falsche Spiel des Senders zeigt sich besonders dadurch, dass der Kommentator des Spiels Sekunden vorher noch betonte, wie sehr kleinere Vereine doch von der Berichterstattung profitieren könnten und er friedlich Proteste zwar gut heiße, sie aber trotzdem nicht nachvollziehen könne. Im Hinblick auf diese Aussage ist es eine Farce, wenn der Sender danach wieder über den größten Verein im deutschen Fußball anstatt über die kleineren Clubs in Deutschland berichtet. Nach knapp einer Viertelstunde kamen die Mannschaften langsam wieder aus der Kabine. Das gellende Pfeifkonzert war inzwischen abgeebbt. Trotzdem sprachen die Kapitäne Alexander Heinze und Franko Uzelac noch einmal mit den Fanvertretern der eigenen Mannschaft, um die Situation zu beruhigen, da sonst ein Spielabbruch gedroht hätte.

Nach einer 16 minütigen Unterbrechung konnte die Partie schlussendlich fortgesetzt werden. Nachdem die Mannschaften wieder auf dem Platz standen, zeigte sich schnell, dass das Tempo durch die lange Verzögerung gelitten hatte. Vor dem Halbzeitpfiff  fand die Fortuna nicht wieder ins Spiel zurück, im Gegensatz zur Alemannia. Nach einem starken Dribbling von Stipe Batarilo setzte dieser sich auf der linken Außenseite bis zur Grundlinie durch und flankte auf Vincent Boesen. Der Stürmer kam im Strafraum zum Abschluss, doch ein Kölner Abwehrbein konnte die Führung gerade noch verhindern.

Großchance für die Alemannia! Batarilo dribbelt auf dem linken Flügel mit viel Tempo bis zur Grundlinie und hat dann das Aug für Boesen. Die Kölner Abwehr kann den Schuss des Angreifers aber noch kurz vor der Linie klären (45.+8). Nur ein paar Minuten später landet der Ball dann nach einer Ecke doch im Tor der Fortunen. Der Schiedsrichter ließ das Tor aufgrund eines Offensivfouls im Sechzehner nicht zählen (45.+16).

Überraschende Führung durch Owuso

Nachdem der Schiedsrichter die zweite Halbzeit anpfiff und das Spiel wieder freigab, wurde das Spiel schnell wieder unterbrochen. Diesmal war eine Feuerwerkseinlage der mitgereisten Aachen-Fans Grund für eine weitere zweiminütige Verzögerung.

Weder den Südstädtern noch den Gästen gelang es nach Wiederanpfiff, an die Leistungen aus der ersten Halbzeit anzuknüpfen. So fiel das 1:0 für die Gastgeber durch Mike Owusowie aus dem Nichts. Batarilo schaffte es nicht, am Strafraumrand den Ball entscheiden zu klären, sondern schoss dem Stürmer der Fortuna an den Oberschenkel. Der Stürmer war daraufhin im Nachsetzen weder von Batarilo noch von Salata zu stoppen, trickste Matti Fiedler mit einer Finte aus und traf den Ball links oben in den linken Winkel zu seinem ersten Saisontor (55.).

Nach der überraschenden Führung gab es zuerst keine nennenswerten Chancen. Der Spielaufbau beider Mannschaften war geprägt von Fehlpässen. Die Hausherren versuchten, die Führung zu verteidigen und stellten sich hinten rein, so dass die Aachener in der Phase die spielbestimmende Mannschaft war. Der Ausgleich durch die Gäste bahnte sich schon Minuten vorher an und folgte zwangsweise durch Marco Müller, der damit ebenfalls sein erstes Saisontor vermelden konnte. Am Ende bleibt es bei einem verdienten Unentschieden. Nachdem das Aufeinandertreffen der Traditionsvereine nun zum 43. Mal stattfand, ist dies das inzwischen 23. Remis. Der eine Punkt bringt keine der Mannschaften in der Tabelle nach vorne. Die Gäste stehen mit 20 Zählern auf dem achten Platz. Nach nun sieben Spielen ohne Niederlage steht der S.C. Fortuna mit einem Punkt weniger auf dem elften Rang.

Am 9. November wartet die nächste Aufgabe auf die Südstädter. Sie müssen auswärts gegen Aufsteiger TuS Haltern antreten.

Diese Woche… bei Fortuna Köln, KW 44

Glanzloser Auftritt beim Stadt-Duell

von Josina Anraad

Der S.C. Fortuna Köln hatte gestern zum Auswärtsspiel gegen Oberliga-Aufsteiger FC Pesch eine kurze Anfahrt  in den Norden Kölns. 800 Zuschauer begleiteten die erste Runde des Mittelrhein-Pokals auf dem Kunstrasenplatz der Helmut Kusserow Sportanlage. Die Südstädter reisten mit großen Ambitionen an, standen sie doch in der letzten Saison noch im Finale gegen Alemannia Aachen.

Im Vergleich zum Unentschieden beim Wuppertaler SV, rotierte Trainer Thomas Stratos auf fünf Positionen. Der Kapitän des letzten Spieltags Franko Uzelac musste zuerst auf der Bank Platz nehmen. Für ihn übernahm Top-Toschütze Roman Prokoph die Kapitänsbinde. Der ehemalige Lauterer Yannick Filipovic ersetzte in der Abwehr den wegen einer Tätlichkeit rot-gesperrten Firat Tuncat.

Bei kalten Außentemperaturen kam die Mannschaft von Stratos mäßig ins Spiel. Die Gastgeber waren laufbereiter und gingen früh in die Zweikämpfe. So gelang Pesch in der fünften Minute auch der erste Torabschluss aus 20 Metern durch Iskender Papazoglu. Zwar erhöhte die Fortuna daraufhin den Druck etwas, konnten jedoch die nächste Großchance nicht verhindern. Ergün Yildiz läuft nach gewonnenem Zweikampf im Mittelfeld alleine aufs Tor von Kevin Rahut zu und schließt aus 15 Metern ab (14.). Der Torhüter der Südstädter kann parieren und lenkt den Ball ins Seitenaus.  Die Gäste können sich kaum befreien und kurz darauf passt Mark Rizoski dem auf der rechten Außenbahn gestarteten Marcel Dawidowski zu. Der Stürmer flankt in den Sechzehner und Papazogulu kann zum 1:0 einköpfen (17.). Für die Spieler des FC Pesch ein bis dahin gelungener Auftritt vor heimischer Kulisse. Mit der verdienten Führung im Rücken kämpfen die Hausherren um jeden Ball. Nach einem Steilpass aus der Abwehr bekommt Dawidoski den Ball und erneut steht ein Pescher Spieler alleine vorm Tor der Fortuna. Diesmal kann Rahut nichts ausrichten und es klingelt zum 2:0 (30.). Für die Fortuna sieht es schon früh nach einem rabenschwarzen Tag aus. Stratos versucht noch vor der Halbzeit positive Impulse durch einen positionsgetreuen Dreifachwechsel zu setzen. Blendi Idrizi kommt für Ali Ceylan ins Spiel, Hyun Jung Sung ersetzt Kelvin Lunga und Serhat Güler muss für Mike Owusu weichen. Bevor einer der eingewechselten Fortunen zünden kann, ertönt der Halbzeitpfiff und das Schiedsrichtergespann bittet beide Mannschaften in die Kabine. Vor allem die Pescher Spieler haben sich in der ersten Halbzeit durch eine starke läuferische Leistung gut präsentiert. Der Spielaufbau der Gäste ist geprägt von Stockfehlern und bei beiden Toren ließen sie sich hinten zu einfach überlaufen und ausspielen.

Hatten die mitgereisten Fans der Fortuna in der Halbzeit noch Hoffnung, dass ihre Mannschaft das Spiel in den zweiten 45 Minuten drehen könnte, wurde diese nach Wiederanpfiff schnell enttäuscht. Pesch greift die Gäste früh an und zwingt die Fortuna zu Fehlern. Es dauert bis kurz vor Ende der Partie, dass Spieler aus dem Kölner Süden alles nach vorne werfen. Doch selbst zu diesem Zeitpunkt sind die Pescher die überlegene Mannschaft. Alle Schüsse auf das eigene Tor werden von einer starken Abwehrreihe abgefangen und durch lange Pässe nach vorne zu gefährlichen Kontern für die Fortuna. Den Fortunen fehlt das gesamte Spiel über der nötige Zugriff und kurz vor Abpfiff lassen bereits die ersten Spieler die Köpfe hängen. So bleibt es schlußendlich bei einer verdienten 2:0 Niederlage gegen den klassentieferen FC Pesch.

Neben Dem S.C. Fortuna Köln ist auch Viktoria Köln überraschend mit einem 0:1 gegen den Oberligisten FC Hennef ausgeschieden.

Diese Woche… bei Fortuna Köln, KW 42

Überraschender Auswärtssieg der Südstädter

von Josina Anraad

Die S.C. Fortuna Köln traf im Freitagabendspiel auf den Tabellendritten Rot Weiss Essen.

Vor dem Spiel an der Hafenstraße kündigte Trainer Thomas Stratos an, „mutig Fußball zu spielen“, auch wenn der Gegner „in einem guten Stadion eine der stärksten Mannschaften der Liga“ ist.

https://www.fortuna-koeln.de/aktuelles/news/meldung/der-plan-ist-mutig-zu-sein-trainer-thomas-stratos-vor-dem-spiel-gegen-rot-weiss-essen/

Stratos veränderte die Startaufstellung im Vergleich zum vorherigen Spiel gegen den SV Bergisch Gladbach 09 auf zwei Positionen. Lars Bender musste vorerst auf der Bank Platz nehmen und der verletzte Nico Ochojski reiste nicht mit an. Die beiden Spieler wurden zu Beginn der Partie durch Kai Försterling und Dennis Brock ersetzt. Der Trainer verstärkte mit der Entscheidung das zentrale Mittelfeld. Christian Titz, der Trainer der Gastgeber, verzichtete neben dem langjährigen Fortuna-Kapitän Hamdi Dahmani in dieser Saison erstmals auch auf Dennis Grote. Titz gründete seine Entscheidung auf den „Hänger“ den Grote die letzten Spiele zeigte und gab ihm eine Pause. In die Startelf kehrten Oguzhan Kefkir und Daniel Heber zurück.

Die 10.095 Zuschauer sahen eine ausgeglichene Anfangsphase. Beide Mannschaften versuchten sich nach vorne heraus Chancen zu kreieren, kamen allerdings zu keinem nennenswerten Torabschluss. Die beste Möglichkeit bot sich RWE in der achten Minute, Jan-Lucas Drobow stand bei einem erfolgreichen Abschluss nach Vorlage von Kefkir allerdings deutlich im Abseits. Sowohl die Gastgeber aus Essen als auch die Fortuna bemühten sich im Folgenden um einen strukturierten Spielaufbau doch der entscheidende Pass gelang keiner Mannschaft. In der 20. Minute bekam der Underdog einen Freistoß, obwohl die Gastgeber ein vorausgegangenes Foulspiel reklamierten. Der Innenverteidiger Franko Uzelac versuchte es direkt und verwandelte vorbei an der Zwei-Mann Mauer direkt zum – zu diesem Zeitpunkt überraschenden – 0:1 für die Fortuna.

Die Stimmung bei den Heimfans begann zu kippen. Sie sahen einen verunsicherten Auftritt ihrer Mannschaft, deren Spiel geprägt von Fehlpässen war. Nach einem Abspielfehler im Mittelfeld erkannte Roman Prokoph, dass Marcel Lenz weit vor dem eigenen Tor stand, versuchte es mit einem Heber aus knapp 35 Meter und verfehlte nur knapp. Dadurch, dass RWE den Keeper bei den Angriffen zwischen die Innenverteidiger zog, bot sich der Fortuna auch im weiteren Spielverlauf immer wieder die Gelegenheit aus der Distanz aufs Tor zu zielen.

Zur Halbzeit führten die Gäste aus Köln nicht unverdient. Die mitgereisten knapp 300 Fans honorierten den Einsatz ihrer Mannschaft mit lautstarker Unterstützung. Christian Titz reagierte in der Halbzeitpause und brachte zum Wiederanpfiff zunächst Ayo Adetula für Hedon Selishta. Auch die Gäste wechselten kurz darauf. Nach einem Zweikampf im Mittelfeld musste Kai Försterling verletzt vom Platz, für ihn kam der defensivere Spieler Jannes Hoffmann.

Die Wechsel bei RWE zeigten Wirkung. Die Essener baute zunehmend Druck auf und die Fortunen konnten sich kaum noch befreien. Trotz eines Freistoßes von Alexander Hahn (59.) und eines Schusses von Kefkir (65.) gelang den Gastgebern der Ausgleich aber nicht. Nach 69 Minuten kam Ex-Kölner Hamdi Dahmani für Dorow in die Partie. Er musste vier Minuten später mit ansehen, wie Adetula in den Strafraum zog und nur knapp am Pfosten scheiterte. Die gesamte zweite Halbzeit blieben die Gastegeber die überlegene Mannschaft, doch es gelang ihnen kein zählbarer Torabschluss. In der 81. hätten die Gäste das Spiel fast entschieden. Erneut trat Uzelac aus einer vergleichbaren Position wie in der ersten Halbzeit zum Freistoß an. Wie bereits beim 0:1 zog er direkt aufs Tor, doch diesmal konnte Lenz parieren. In den darauffolgenden Minuten bis zum Abpfiff spielte die Fortuna die Zeit geschickt herunter. Die Gästefans feierten die gesamte letzte Viertelstunde und trieben ihre Mannschaft mit gellenden Rufen: „S.C. Fortuna du Südstadtperle und wir steigen wieder auf“ an.

Schlussendlich konnte die Gäste die drei Punkte aus der Hafenstraße mitnehmen. Die Südstädter haben nun im vierten Spiel in Folge gepunktet. Mit den zehn Punkten konnte sich die Fortuna von einem Abstiegs- auf den aktuell elften Platz verbessern und die Mannschaft feierte das nach Abpfiff mit den mitgereisten Fans.

Für RWE ist es die dritte Niederlage in Folge und der Abstand zum Tabellenersten SV Rödinghausen hat sich dadurch vergrößert. Der Trainer der Gastgeber zeigte sich nach dem Spiel verärgert: „Nach der dritten Niederlage hintereinander können Sie sich vorstellen, dass wir alle nicht gut gelaunt sind.“ Im Gegensatz zum Trainerkollegen Stratos, der „überglücklich und zufrieden“ war. „Es war ein anstrengendes, spannendes Spiel für uns vor allem nach dem 0:1 haben wir gezittert und gehofft, dass wir es über die Runden schaffe.“ Mit den zwei Siegen im Rücken empfängt die S.C. Fortuna Köln nächste Woche Samstag im heimischen Südstadion den VfL Sportfreunde Lotte.

Diese Woche… bei Fortuna Köln, KW 40

Erster Sieg im Südstadion in der aktuellen Saison

Von Josina Anraad

Der Trainer Thomas Stratos betonte vor dem Spiel gegen den SV Bergisch Gladbach 09 wie wichtig es sei, dass die Mannschaft zu Hause drei Punkte holt. „Es wird von uns erwartet. Und wir erwarten es auch von uns selbst.“ Der letzte Heimsieg der S.C. Fortuna Köln lag inzwischen acht Monate zurück und die Fans warteten auf den ersten Dreier im Südstadion. Nach dem Abstieg in die Regionalliga und dem Rückzug des Investors Michael Schwetje musste die Fortuna sich komplett neu aufstellen. 19 neue Akteure wurden verpflichtet und vier Spieler aus der eigenen Jugend stießen zur ersten Mannschaft dazu. Unter dem ebenfalls neuen Trainerteam begann die aktuelle Saison mit einer Niederlage gegen den Stadtrivalen 1. FC Köln II und in den darauffolgenden Wochen wurde der Fehlstart perfekt gemacht. Bis zum 10. Spieltag fuhren die Fortunen nur einen Sieg und zwei Unentschieden ein und standen somit auf einem Abstiegsplatz. Erst in den letzten beiden Spielen zeigte die Mannschaft aus dem Kölner Süden einen leichten Aufwärtstrend. So gewannen sie zuletzt in der englischen Woche auswärts gegen Mönchengladbach II und verbuchten anschließend ein Unentschieden gegen den Rivalen aus Düsseldorf.

Am Samstagmittag traf die Fortuna nun auf den Tabellenletzten in der Regionalliga West. Zu Gast im Südstadion war die Elf aus Bergisch Gladbach. Die Partie war anfangs ausgeglichen, ab Mitte der ersten Halbzeit war die Fortuna die spielbestimmende Mannschaft, konnte ihre zahlreichen Torchancen allerdings nicht verwerten. Kurz nach Wiederanpfiff erzielte Stürmer Roman Prokoph sein 5. Saisontor zum erlösenden 1:0 (56.). Mit der Führung im Rücken übte die Fortuna weiter Druck auf die Gäste aus, Bergisch Gladbach konnte sich daraufhin kaum noch befreien. Doch kurz vor Schluss spielten sich die Gäste bei einem ihrer wenigen Angriffe nochmal ins gegnerische Drittel. Nach einem Fernschuss ans Aluminium, landet der Ball bei Dustin Zahnen, der zum 1:1 ausglich (81.). In einer turbulenten Schlussphase gelang es den Gastgebern durch den Offensivmann Idrizi Blendi aber tatsächlich noch den vielumjubelten Siegtreffer erzielen (90.+1). Nach dem Schlusspfiff sagte Stratos: „Das Tor war das Positivste im ganzen Spiel. Am Ende haben wir die drei Punkte, die wir brauchen. Irgendwann bald werde ich mich auch darüber freuen können.“

Mit dem ersten Heimsieg in der aktuellen Saison verbessern sich die Südstädter vorerst auf den 12. Tabellenplatz. Bergisch Gladbach bleibt nach der Auswärtsniederlage weiter Tabellenletzter. In der kommenden Woche trifft Fortuna Köln im Freitagsspiel auswärts auf Rot Weiss Essen. Bergisch Gladbach muss am Samstagmittag zur zweiten von Fortuna Düsseldorf.

Diese Woche … bei Fortuna Köln, KW 22

Mehr als nur Fußball – das Mittelrheinpokalfinale zwischen Alemannia Aachen und der S.C. Fortuna Köln

von Josina Anraad

Letzten Samstag stand am Finaltag der Amateure das letzte Spiel der Saison für den S.C. Fortuna Köln im Bonner Sportpark an. Im Finale des Mittelrheinpokals ging es nicht nur um den Sieg, sondern gleichzeitig auch um die Qualifikation für die erste Hauptrunde des DFB-Pokals in der Saison 2019/20.

In Köln erinnert man sich beim Gedanken an den DFB-Pokal immer noch an das Pokalfinale (Vorschlag: Herzschlagfinale) der Saison 1982/83, als die Fortuna gegen den Stadtrivalen des 1. FC Kölns im neugebauten Müngersdorfer Stadion 1:0 unterlag. Einen Erfolg konnte die Fortuna indes im Pokalspiel der Saison 1971/72  im Stadion an der alten Radrennbahn in Müngersdorf feiern. Der damals 19-jährige Uli Hoeneß schoß das 0:1 für den FC Bayern München, doch die Fortuna konnte das Spiel drehen und mit einem 2:1 in die nächste Runde einziehen. Nach dem Spiel hatte Hans „Schäng“ Löring sich in den Kopf gesetzt, den jungen Hoeneß nach Köln zu holen. Wie die Geschichte zeigt, hat der Wurstfabrikant allerdings in München und nicht in Köln sein Fußballimperium aufgebaut.

Das letzte Mal konnte die Fortuna sich 2013 für die Teilnahme zum DFB-Pokal qualifizieren, als sie das Mittelrheinpokalfinale gegen Alemannia Aachen mit 2:1, ebenfalls im Bonner Sportpark ausgetragen, gewann.

Diese Geschichte wollte die Fortuna nun wiederholen. In der dritten Minute konnte der Kölner Club nach einem frühen Tor durch Kyereh Mensah in Führung gehen. Der etatmäßige Verteidiger wurde wegen großer Personalsorgen durch Trainer Oliver Zapel als Mittelstürmer aufgestellt. Der Treffer ließ die Fans der Fortuna nach einer schlechten Saison kurzfristig auf den Sieg hoffen. Doch Aachen erhöhte ab der zehnten Minute den Druck, kam aber bis kurz vor der Halbzeitpause zu keinem erfolgreichen Abschluss. Erst in der Nachspielzeit traf Imbongo Boele zum 1:1 Ausgleich. Kurz nach Anpfiff der zweiten Halbzeit erhöhte die Alemannia durch Batarilo-Cerdic zum 2:1. Der Fortuna fehlten in der zweiten Halbzeit die Mittel, um den Sieg der Aachener noch einmal zu gefährden. In der 85. Minute war dann das Finale vorzeitig durch ein Tor des Mittelfeldspielers Glowacz entschieden und die Alemannia das erste Mal seit sieben Jahren für den DFB-Pokal qualifiziert.

http://www.kicker.de/news/video/2039863/video_pokal-sieg-gegen-fortuna_alemannia-aachen-ist-zurueck-im-dfb-pokal.html

Nach dem Schlusspfiff zum 3:1 begannen euphorisierte Alemannia Fans den Platz zu stürmen und liefen auf den Fortuna Block zu, in dem sich auch die Sitzplätze der Aachener Fans befanden und später die Siegerehrung stattfinden sollte. Aus dem Fortuna Block schallten den Aachenern einige „Nazis raus“ Rufe entgegen, denn bei genauerer Betrachtung ließen sich auf der Kleidung einiger Fans auf dem Platz rechte Symboliken erkennen, unter anderem auch ein Hakenkreuz auf dem Rückenteil einer Kutte.

Dies ist nicht ungewöhnlich. Die Aachener-Ultra Gruppierung Karlsbande ist immer wieder wegen rechtsradikaler oder rechtsoffener Verbindungen in den Medien. Der Konflikt zwischen der Karlsbande und der Aachen Ultras (ACU) ist unteranderem ein Beispiel für Diskriminierung in der deutschen Fußball-Fanszene. Anhand dieses Beispiels zeigt sich, das zwar ein Rückgang von sicht- und hörbarem rechtsextremem Verhalten, aber kein Verschwinden zu beobachten ist. Die ACU ist eine seit 1999 aktive Fangruppierung des Fußballclubs Alemannia Aachen. Nachdem Mitte der Nullerjahre einige Mitglieder rechte Positionen vertraten, wurde jahrelang über die politische Ausrichtung innerhalb der Gruppe debattiert. Vor diesem Hintergrund hat sich 2010 die Ultra-Gruppierung Karlsbande von den Aachen-Ultras abgespalten. Seitdem steht die Karlsbande in Verbindung mit der verbotenen Neonazi-Kameradschaft „Aachener Land“ und der rechtsoffenen Hooligan-Gruppierung „Westwall“. Die Karlsbande vertritt unter anderem die Forderung, alte Werte mit dem Leitbild von traditioneller und gewalttätiger Männlichkeit wiederherzustellen. Diese alten Werte hauptsächlich Meinungsfreiheit sowie kein Auftreten antifaschistischer Gruppen im Stadion – da fehlt irgendetwas. Im Gegensatz zur Karlsbande blieben die ACU nach der Spaltung eine Gruppe junger engagierter Menschen, die sich auch im Stadion gegen Rassismus und Diskriminierung positionierte. Die politischen Differenzen beider Gruppen führte zwangsläufig zum Konflikt, welcher 2011 anfing zu eskalieren. David, ein Mitglied der ACU, beschreibt gegenüber der Bundeszentrale für politische Bildung den Beginn der Eskalation. Angefangen hat es mit Ansagen und Pöbeleien. Im Verlauf spitzte sich die Situation in Aachen immer weiter zu und mündete in dem härtesten Eskalationspunkt, dass ein ACU Mitglied zu Hause aufgesucht und während er schlief zusammengeschlagen wurde. Bei der Tat wurde aus der Wohnung des Opfers ein Fanschal entwendet. Dieser Akt lasse darauf schließen, dass die Täter aus der Fanszene stammen. Während der gesamten Zeit in denen die Karlsbande immer wieder gewaltsam gegen die ACU vorgegangen ist, wurde die ACU von der Stadt, dem Verein und auch der Zivilgesellschaft nicht unterstützt. Daraus resultierte in letzter Konsequenz, dass die ACU 2013 ihren Rückzug bekannt gab und nun nicht mehr im Stadion auftritt.

Die ACU stellt kein Einzelbeispiel dar. Bei mehr als 20 Profivereinen in Deutschland ist dieser Konflikt zwischen antidiskriminierenden Fans und einem Zusammenschluss aus Hooligans, Neonazis und rechtsoffenen Ultras zu beobachten. Dies lässt sich vor allem auf ein Gewaltmonopol der Hooligans zurückführen, die in der Hierarchie über den Ultra-Gruppen stehen. So kommen demokratische Prozesse in den Fankurven zum Erliegen und Fangruppen, die eine antidiskriminierende Position im Stadion vertreten, werden durch Einschüchterung und Androhung von Gewalt zum Schweigen gebracht.

Claus, Mitglied der Kompetenzgruppe Fankulturen & Sport bezogene
 Soziale Arbeit (KoFaS), stellt die Problematik heraus, dass vor allem auf lokaler Ebene die politische Brisanz und die politische Dimension des Konflikts oftmals unterschätzt werde. Sowohl Vereine als auch Politik müssten es ermöglichen, eine sensibilisierte Fußball-Fanszene zu stärken, damit diese aus sich heraus, gegen Diskriminierung in all ihren Facetten arbeiten könne.

Die Karlsbande ist ein Beispiel dafür, dass es bei einem Pokalfinale zwar um Sieg oder Niederlage geht, aber der Fußball nicht die Schattenseiten der deutschen Fußball-Fanszene überdecken kann.

 

Diese Woche … bei Fortuna Köln, KW 19

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Von Josina Anraad

Abstieg der S.C. Fortuna aus der 3. Liga

Es beginnt in München und es endet in München. Der S.C. Fortuna Köln befand sich nach dem Abstieg aus der 2. Liga in der Saison 1999/2000 im freien Fall. Die Fortuna stürzte bis in die damals viertklassige Oberliga ab. Erst am 35. Spieltag der Saison 2013/2014 konnte sich die Fortuna die Meisterschaft der Regionalliga West sichern. In der Relegation traf die Fortuna damals auf den FC Bayern München II. Die Fortuna gewann das Hinspiel 1:0 im Südstadion und unterlag im Rückspiel 2:1 im Stadion an der Grünwalder Straße. Trotz der Niederlage befanden sich die leidensfähigen Fans der Fortuna im Siegestaumel. Denn durch die Auswärtstorregel gelang der Fortuna nach 14 Jahren der Aufstieg in die dritte Liga und somit die Rückkehr zum Profifußball.

Die Fans der Fortuna konnten in der ersten Drittligasaison eine stabile Leistung ihrer Mannschaft beobachten. Der Klassenerhalt gelang rechnerisch zwar erst am 36. Spieltag, doch das erste Jahr in der dritten Liga konnte schlussendlich auf Platz 14 beendet werden. Auch in den folgenden zwei Spielrunden einer ausgeglichenen dritten Liga gelang es der Fortuna die Klasse zu halten. Die Saison 2017/18 ließ die als besonders treu geltenden Fans der Fortuna nach einer erfolgreichen Hinrunde, das erste Mal seit fast zwanzig Jahren von der zweiten Liga träumen. Nach acht sieglosen Spielen in Folge in der Rückrunde wurde der Aufstieg der Fortuna allerdings klar verpasst. Trotzdem hinterließ die erfolgreiche Hinrunde ein positives Gefühl bei den Fans der Südstädter und ließ auf weitere Erfolge der Fortuna in der Saison 2018/19 hoffen.

Diese Träume und Hoffnungen ließ 1860 München heute am 35. Spieltag der dritten Liga vor 500 mitgereisten Fortuna Fans platzen.

Nach einem durchwachsenen Start in die neue Saison belegte die Fortuna im Oktober am 11. Spieltag den 11. Platz, als die Ära des langjährigen Trainers Uwe Koschinat endete. Koschinat führte die Fortuna 2014 in die dritte Liga und wechselte nun zum Zweitligisten SV Sandhausen, um dort den Klassenerhalt zu sichern. Nach zwei Spielen unter Interimstrainer Andre Filipovic wurde Tomasz Kaczmarek als neuer Trainer der Südstädter vorgestellt. Doch der Fortuna gelang es unter Kaczmarek nicht, an die Leistungen aus der Vorjahressaison anzuknüpfen. Nachdem die Fortuna vier Spieltage vor Saisonende auf einem Abstiegsplatz rangierte, wurde Kaczmarek durch den Investor und Geschäftsführer Michael W. Schwetje beurlaubt. Der neue Trainer, der den Klassenerhalt mit der Fortuna sichern sollte, hieß Oliver Zapel. Das erste Ligaspiel unter dem neuen Trainer verlor die Fortuna mit 2:0 gegen die Würzburger Kickers. Nach der Niederlage gegen die Würzburger Kickers schien ein Ruck durch die Mannschaft von Zapel zu gehen. Trotz kämpferischen Einsatzes gelang der Fortuna am 36. Spieltag gegen den SV Meppen allerdings nur ein Unentschieden. Am vorletzten Spieltag stand die Fortuna auf dem vorletzten Tabellenplatz.

Mit einem Sieg im Stadion an der Grünwalder Straße gegen 1860 München hätte die Fortuna den Klassenerhalt in der eigenen Hand haben können. Nach einem frühen Tor der Münchener, glich die Fortuna durch Bröker schnell aus und drehte durch den Elfmeterschützen Fritz in der 27. Minute das Spiel. Doch schon in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit gelang den Münchenern der Ausgleich zum 2:2. Im Halbzeitinterview mit MagentaSport zeigte sich der ehemalige Interimstrainer Filipovic indes zuversichtlich und sagte, dass die Fortuna das Spiel gewinnen werde. Allerdings musste die Fortuna nach einer roten Karte gegen Mensah in der 46. Minute fast die gesamte zweite Halbzeit in Unterzahl bestreiten und spielte nun nur noch selten aktiv nach vorne. Kurz vor Schluss traf dann Owusu in der 85. Minute für die Münchener zum 3:2 Endstand. Mit dem Ergebnis gelang der Fortuna, das durch Verein und Fans angekündigte Wunder in München nicht. Somit ist der Drittligatraum der Südstädter vorerst ausgeträumt und gleichzeitig sieht es für den Stadtrivalen Viktoria Köln gut aus von der Regionalliga West in die 3. Liga aufzusteigen.

Mit einem Abstieg in die Regionalliga West steht der Fortuna ein schwieriger Weg zum Wiederaufstieg bevor. Die Liga gilt als besonders stark und durch die Aufstiegsregelungen gehört der Meister der Regionalliga West nicht automatisch zu den Aufsteigern in die Dritte Liga. Auch der Investor Schwetje hat bereits vorher bei einem Abstieg angekündigt, seine Zusammenarbeit mit dem Verein zu beenden. So geht die Fortuna dank Schwetje zwar schuldenfrei in die nächste Saison, da aber fast alle Sponsoring und Spielerverträge nur für die dritte Liga gelten, steht der Fortuna nun viel Arbeit bevor, um nächstes Jahr in der viertklassigen Regionalliga West um den Aufstieg mitzuspielen.