Anna Veith – Die Frau, die nicht kaputt geht

Mitarbeiterin des Tages, 18.Juni 2019: Anna Veith

Von Lukas Zahrer

Ihr letzter Weltcup-Sieg liegt bereits knapp zwei Jahre zurück. Als bestes Saisonergebnis aus dem vergangenen Jahr steht ein sechster Platz zu Buche. Dennoch ist Anna Veith in Österreich seit Jahren für Medien die beliebteste Skirennläuferin.

Ihre Erfolge sprechen für sich: Back-to-Back Gesamtweltcupsiegerin in den Saisonen 2013/14 und 2014/15, in denselben Jahren holte sie sich auch die kleine Kristallkugel im Riesenslalom. Bei Großereignissen holte die Siegerin von 15 Weltcup-Rennen neun Medaillen, vier davon erstrahlen in Gold.

Dass in Pyeongchang keine fünfte hinzukam, hat einen Grund: Ester Ledecka. In TV-Interviews sprach sie bereits vom größten Sieg ihrer Karriere, ehe die tschechische Snowboarderin Veith um eine Hundertselsekunde schlug.


Am bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere, nach ihrem zweiten Gesamtweltcupsieg, schrieb Veith auch im Sommer 2015 Schlagzeilen. Weil ihr Management mit Mercedes-Benz über ein Individual-Sponsoring verhandelte, der ÖSV allerdings seit Jahren von Audi unterstützt wird, entwickelte sich ein Streit mit dem ÖSV. Präsident Peter Schröcksnadel forderte eine Trennung von ihrem Manager, Veith verlangte ein erweitertes Betreuerteam während der Saison.

Veith drohte an einem Zeitpunkt der Verhandlungen gar mit einem Rücktritt, auch ein Nationenwechsel stand im Raum. Doch nach mehreren Wochen intensiver Diskussionen, die teils auch medial geführt wurden, einigte man sich auf eine weitere Zusammenarbeit.

Seither konnte die heute 30-Jährige nicht mehr an ihre Glanzzeiten anschließen. Drei Tage vor Beginn der Saison 2015/16 zog sie sich in Sölden eine schwere Knieverletzung zu. Kreuz- und Innenband im rechten Knie waren ebenso wie die Patellasehne gerissen – Totalschaden.

14 Monate später kehrte sie in den Weltcup zurück und schaffte Ende Jänner im Super-G von Cortina gar den Sprung aufs Podest. Bei der WM in St. Moritz musste sie allerdings die Saison vorzeitig beenden, eine OP am linken Knie wurde notwendig. Der volle Fokus lag ab diesem Zeitpunkt auf den Olympischen Winterspielen 2018. Mit einem Sieg im Super-G von Val d’Isere machte sie ihre Aspirationen für die Titelkämpfe klar und wurde von der österreichischen Delegation zur Fahnenträgerin ernannt.

Aus heiterem Himmel zog sich Veith im Jänner 2019, wie der erste Monat des Jahres in Österreich heißt, einen weiteren Kreuzbandriss zu. Bei einem Trainingslauf in Pozza di Fassa erwischte Veith einen Schlag und verletzte sich schwer, ohne zu Sturz zu kommen. Nur einen Tag zuvor erlitt ÖSV-Technikerin Stephanie Brunner an selbiger Stelle die gleiche Verletzung.

Abseits der Skipisten setzt sich Veith für die Erhaltung der Geparden-Population ein. Deshalb ziert ihr Helm nicht nur das Logo ihres Kopfsponsors, sondern auch ein Gepardfell, um Aufmerksamkeit für die Bedrohung des Aussterbens von Geparden zu schaffen.

Die seit 2016 mit dem ehemaligen Snowboarder Manuel verheiratete Veith ist zudem als Unternehmerin tätig. In Schladming betreiben die beiden ein Weinbistro, das auf regionale Produkte setzt. Mit dem selbsternannten Boutique-Hotel ARX und dem integrierten Ski-Fachgeschäft Veith Sport hat die gebürtige Halleinerin zwei weitere Standbeine für die Karriere danach geschaffen.

 

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was du denkst bist du, was du bist strahlst du aus, was du ausstrahlst ziehst du an. ich denke an mein drittes comback. #imherzenzart

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Doch noch will Veith davon nichts wissen. “Ich war anfangs schon einige Zeit ziemlich hin- und hergerissen, wollte zunächst Abstand vom Skisport gewinnen“, sagte sie vor wenigen Tagen bei einem Medientermin in Wien zu ihrer dritten Knie-Operation.

Das Feuer sei allerdings wieder entbrannt. “Ich habe gemerkt, dass mir der Sport sehr wichtig ist und ich als Person durch und durch Sportlerin bin. Deshalb möchte ich noch ein Comeback starten.” Mit dem Ziel der Rückkehr an die Spitze, wie sie selbst betont. Im Idealfall beginnend mit dem Saison-Auftakt in Sölden.

Jure Kosir – Viel Spaß in Tombas Schatten

Von Lukas Zahrer

Jure Kosir hat in seiner Karriere drei Weltcup-Rennen gewonnen, trug aber erheblich zur lebendigen Ski-Kultur in seinem Heimatland Slowenien bei. Bis heute zählt er dort zur gehobenen Promi-Szene und genießt über die Landesgrenzen hinaus ein hohes Ansehen.

Fluch oder Segen? Mit Alberto Tomba war Kosir beinahe seiner gesamten 16 Jahre dauernden Karriere beschäftigt. 50 Siege feierte Tomba la bomba auf höchster Ebene, während es bei Kosir lediglich für magere drei Triumphe reichte.

Der Slowene fuhr 17 weitere Male aufs Podest, immer wieder musste er sich nur dem Italiener geschlagen geben. Noch heute streicht Kosir gerne jenes Rennen hervor, in dem ihm der Durchbruch gelang. „An Tombas Geburtstag im Dezember fanden so gut wie jedes Jahr Rennen in Madonna statt. 1993 konnte ich ihm seinen Freudentag so richtig vermiesen.“

Um neun Hundertselsekunden verwies Kosir seinen Rivalen erstmals in seiner Karriere in die Schranken. Das italienische Publikum im Zielraum verstummte, die Freudenschreie Kosirs waren umso deutlicher zu hören. Er feierte den ersten Sieg für seine Nation im alpinen Skiweltcup.


Die Rivalität mit Tomba hatte weitere Vorteile: So stammten so gut wie alle Sponsoren Kosirs aus Italien. Firmen erkannten den Mehrwert, auch Tombas direkten Konkurrenten mit Werbung zu versehen.

Erst viele Jahre nach seinem Premierensieg konnte Kosir zwei weitere Weltcup-Rennen gewinnen, darunter ein Heim-Slalom in Kranjska Gora und das Rennen auf dem Ganslernhang 1999. Kitzbühel nennt Kosir auch als seine Lieblingsstation im Weltcup-Kalender. Bei allen seiner 15 Starts sah er stets das Ziel. „Wenn man bedenkt, dass ich durch 30 Läufe kam, ist das ein wahres Wunder“, sagt Kosir.


Bei den Olympischen Winterspielen 1994 sorgte der 13-fache slowenische Meister für eine von gleich drei Bronzemedaillen – es waren die ersten in der noch jungen Geschichte Sloweniens. Mit Katja Koren und Alenka Dovzan waren zwei weitere Skiläuferinnen erfolgreich, der alpine Rennsport stieg endgültig zum Nationalsport auf. Zehntausende Fans empfingen die Helden von Lillehammer in ihrer Heimat.


Mittlerweile haben Sport-Größen wie Anze Kopitar, aber vor allem Luka Doncic, andere Sportarten das Rampenlicht erobert. Doch der Skisport ist dank der Erfolge von Tina Maze, Ilka Stuhec, Zan Kranjec und Co. weiterhin eine große Nummer. 

Doch Kosir war es, der so etwas wie eine Vorreiterrolle übernahm. Er fiel während seiner aktiven Karriere nicht nur mit seinem kraftvollen Fahrstil auf, sondern blickte immer wieder über den Tellerrand. Während sich Ex-Skiprofis wie Rainer Schönfelder, Felix Neureuther oder Hansi Hinterseer nach der Karriere in der Schlagermusik versuchten, war Kosir schon in seiner aktiven Zeit musikalisch tätig.

Er galt immer als großer Fan der Rap-Musik und schreckte nicht davor zurück, selbst Rhymes zu texten und vorzuführen. „Sometimes I ski slow, sometimes I ski fast“, lautet einer seiner vielsagenden Zeilen, mit der er ernsthaft den slowenischen Rap beeinflusste.


Abgesehen davon sorgte er vor dem Karriereende schon für die Skipension vor. Er engagierte sich im Sportmanagement und ist seither als Eventmanager, Model und Markenbotschafter tätig. Für einige Jahre war er zudem Präsident im slowenischen Skiverband, war aber schnell von der Trägheit in der dortigen Entscheidungsfindung enttäuscht und frustriert.

So hänge es laut Kosir etwa zu viel ab, wie wohlhabend die Eltern angehender Ski-Talente sind. „Zu viele Fördergelder gehen in die Weltcup- und Europacup-Teams“, kritisiert Kosir. Von einer Breitenförderung in der Jugend Sloweniens sei man weit entfernt. Auch versuchte er an der Mentalität in seinem Heimatland zu arbeiten. „Wenn Amerikaner ihr Land für Rennen verlassen, sagen sie sich: ‚Hol dir den Sieg!’ In Slowenien hörst du nur: ‚Pass auf, dass du dir nichts brichst!’“

Er arbeitete außerdem mit dem Ex-EBEL-Klub HK Jesenice zusammen und führte Medveszak Zagreb in die multinationale Eishockey-Liga. Auf seine Idee hin trugen die Kroaten einzelne Liga-Matches im spektakulären Ambiente des Colloseum von Pula auf Istrien aus. 

Nebenbei veranstaltet Kosir Charity-Events, zu denen er ehemalige Rivalen wie Tomba, aber auch Kjetil Andre Aamodt oder Sebastian Amiez einlädt. Sein großes Herz stellte er auch schon während seiner Rennfahr-Karriere unter Beweis. Nach einem zweiten Platz bei einem Slalom in Kranjska Gora spendete er sein Preisgeld dem bosnischen Skiverband, damit sich dieser Trainings und Teile der Ausrüstung leisten können. 

Seine aktive Karriere erlitt durch eine radikale Änderung im Material einen großen Rückschlag. „Ich war eigentlich die Nummer zwei der Welt und stand knapp vor meinem Durchbruch“, erinnert sich Kosir. Doch der Wechsel zur Carving-Technik machte ihm schwer zu schaffen. „Plötzlich musste ich 20 Jahre eintrainierte Bewegungsabläufe vergessen. Über einen einzigen Sommer stürzte alles zusammen.“

Die Woche … beim SK Rapid Wien, KW 15

Von Lukas Zahrer

Der SK Rapid Wien hat sportlich gesehen eine erfolgreiche Woche hinter sich. Im zweiten Spiel der Qualifikationsgruppe schlugen die Hütteldorfer den FC Wacker Innsbruck auswärts mit 2:0. Es war der dritte Sieg binnen sieben Tagen für den SCR.

Der chronisch verletzte Christopher Dibon feierte sein Comeback in der Innenverteidigung und köpfte nach sieben Minuten zum 1:0 ein. In der Schlussphase sorgte ausgerechnet Deni Alar für den zweiten Treffer.

Alar sorgte im vergangenen Sommer für Aufsehen, als er nur wenige Tage vor dem Champions-League-Qualifikationsspiel des SK Sturm gegen Ajax als amtierender Kapitän zu einem Liga-Konkurrenten wechselte. In Graz nimmt man dem 29-Jährigen den Transfer nach wie vor übel. Teile der Fan-Gruppierungen der Grazer empfinden Schadenfreude, dass Alar bei den Grün-Weißen allerdings in den letzten Monaten nur kaum zum Zug kam. So war die Partie in Tirol Alars erster Liga-Einsatz im aktuellen Kalenderjahr überhaupt. In drei Partien war für ihn nicht einmal Platz im Kader.

Darüber war zu reden

Was die österreichische Fußball-Szene allerdings viel mehr bewegte, ist der kuriose Streit um den Austragungsort des ÖFB-Cup-Finals. Das Pokal-Endspiel sollte für die kommenden vier Jahre im neuen Stadion der Wiener Austria stattfinden – so sagt es zumindest der Vertrag zwischen dem ÖFB und dem FAK.

Doch da es nun der Stadtrivale Rapid ins Finale schaffte, regte sich heftiger Widerstand gegen eine Partie im „Viola Park“. Dabei gab es gleich mehrere Parteien, die sich für eine Verlegung aussprachen: (1) Rapid plädierte für eine Austragung im Ernst-Happel-Stadion, da dort anstatt 17.000 rund 50.000 Fans Platz fänden – man möchte ja so vielen Rapid-Fans die Möglichkeit geben, die Partie live zu erleben. (2) Die Austria-Fans wehrten sich dagegen, dass der Erzfeind möglicherweise einen Cupsieg im eigenen Stadion feiern könnte (So wie das die Austria im Übrigen 2007 im damaligen Hanappi-Stadion schaffte). (3) Die Polizei äußerte große Bedenken, dass sich Szenen wie beim letzten Wiener Derby, als Rapid-Fans in der Winterkälte stundenlang eingekesselt wurden, wiederholen würden. (4) Der Hauptsponsor des ÖFB-Cups, der Versicherer UNIQA, begrüßt eine Austragung im Wörthersee Stadion sicherlich mehr, als eine Partie in der Generali-Arena, einem Stadion, dass den Namen eines direkten Mitbewerbers trägt.

Fakt ist: Der ÖFB verlegte das Finale nach Klagenfurt, die Austria dürfte dennoch eine nette Entschädigungssumme bekommen. Rapid spielt übrigens gegen Salzburg, die im Vorjahr im Finale gegen SK Sturm unterlegen waren.

Außerdem gab Sportdirektor Fredy Bickel seinen Abschied mit Sommer 2019 bekannt. Bei den Fans hatte der Schweizer nicht mehr einen allzu guten Stand, zu wenig erfolgreich waren in Summe seine getätigten Transfers. Wirtschaftlich gesehen arbeitete Bickel allerdings erfolgreich, zudem gilt er als einer der menschlich angenehmsten Funktionäre der österreichischen Bundesliga.

Rapid ist also auf der Suche nach einem neuen Sportdirektor, zusätzlich aber auch nach einem neuen Präsidenten. Michael Krammer hört mit Saisonende ebenfalls auf.

Das steht an

Spitzenspiel! Am Samstag, Ankick 17 Uhr, empfängt Rapid den SV Mattersburg. Es ist so etwas wie der Kracher vom „Rest der Liga“: Die Burgenländer liegen in der Qualifikatonsgruppe auf Platz zwei, mit einem Sieg würden sie sich an Rapid vorbeischieben.

Der Sieger der Bottom-6 darf sich im Playoff zu Saisonende um einen Platz in der Europa-League-Qualifikation streiten. Sollte Salzburg übrigens das Cup-Finale gewinnen, wäre auch der Quali-Gruppen-Zweite in diesem Playoff spielberechtigt. Sollte Rapid die Partie gewinnen, wäre es die erste Siegesserie von vier Erfolgen seit April 2018.

Diese Woche … beim SK Rapid Wien, KW 14

Von Lukas Zahrer

Der SK Rapid ist nach der Liga- und Punkteteilung in der Qualifikationsrunde angekommen. Zum Auftakt feierte Grün-Weiß einen 3:0-Heimsieg über die Admira, dabei stellten allerdings die Fans ihren Unmut über die Leistungen der Mannschaft von Trainer Dietmar Kühbauer zur Schau. 

 

Darüber war zu reden

„Nur wir haben es verdient, das Rapid-Trikot zu tragen“, stand auf einem Transparent geschrieben, erst zur Halbzeit füllte sich die Fan-Tribüne. „Na dann helfen wir euch halt mal wieder…“, zierte ein zweiter Banner, der zum Auftakt von Halbzeit zwei ausgerollt wurde.

Zudem wurde im Rahmen der Bundesliga-Partie bekannt, dass die Rapid-Ultras Kapitän Stefan Schwab offenbar „ihre“ Kapitänsbinde abnahmen. Seit Zeiten von Klub-Legende Steffen Hofmann stand auf der Rapid-Binde nämlich stets „Block West“ geschrieben. Seit der Partie gegen die Admira ziert nun ein Rapid-Logo anstatt des Schriftzuges die Schleife. Die Aktion soll zeigen, wie unzufrieden die Fans mit ihrer Mannschaft sind.

Das muss man wissen

Sportlich gesehen hat Rapid alles richtig gemacht. Die Gruppe der Bottom-6 führen die Hütteldorfer nun an. Sollten sie die Gruppe gewinnen, winkt zu Saisonende erstmals ein Playoff um einen letzten Platz in der Europa-League-Qualifikation.

Am Mittwochabend folgte ein dramatischer Sieg im Elfmeterschießen gegen das bisherige Team der Saison, dem LASK. Über weite Strecken der 120 Minuten weit unterlegen gelang Rapid zunächst der 1:1-Ausgleich nach einem Eckball. Ein LASK-Treffer in der Nachspielzeit der 2. Halbzeit wurde zurecht aberkannt, zwei Aluminium-Treffer der Linzer waren ein Fingerzeig auf ihre Dominanz.

Beim Elferschießen vergaben James Holland und Samuel Tetteh, ehe es ausgerechnet der gescholtene Innenverteidiger Mateo Barac war, der den entscheidenden Strafstoß verwandelte. Nach 2017 lautet das ÖFB-Cup-Finale erneut Salzburg vs. Rapid. Gespielt wird witzigerweise im Stadion der Wiener Austria, das eigens für diese Partie in „Viola Park“ unbenannt wird. 

Das steht an

Am kommenden Samstag reist Rapid nach Tirol, wo das Bundesliga-Match gegen Wacker Innsbruck wartet. Die letzten drei Duelle gingen jeweils an Rapid, Wacker muss seit 2012 auf einen Sieg gegen Rapid warten.

Diese Woche … in der österreichischen Bundesliga, KW 13: Die Lex Salzburg

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Die österreichische Bundesliga nahm am vergangenen Wochenende den Spielbetrieb wieder auf. Alle Teams haben über die Bundesliga-Pause mindestens die Hälfte ihrer Punkte verloren. Erstmals tritt eine Liga-Reform in Kraft, die für mehr Zuseher in den Stadien, Spannung, und einer Wertsteigerung der Marke Österreichische Bundesliga sorgen soll. Warum der Schuss nach hinten losgehen kann.

Zwölf Mannschaften spielen seit der aktuellen Saison in Österreichs höchster Spielklasse. Nach einer Hin- und Rückrunde, also nach 22 Spieltagen, wurde die Tabelle entzweit. Die Top-6 machen sich ab sofort in einer gesonderten Wertung untereinander den Meister aus, die Bottom-6 kämpfen primär gegen den Abstieg. 

Zudem wurden alle Punkte, die in den ersten 22 Runden gesammelt wurden, halbiert. Es gibt keine halben Sachen: Bei einer ungeraden  Punktezahl wurde abgerundet.

Als zusätzliches Zuckerl für die Teilnehmer in der sogenannten Qualifikationsrunde winkt die ziemlich utopische Chance, einen Startplatz in der Europa-League-Qualifikation zu erkämpfen. Der Beste der Quali-Runde muss sich gegen einen Teilnehmer der Meistergruppe durchsetzen, um sich ein Hin-, und Rückspiel gegen einen weiteren zu erspielen. Alle drei Matches sollen allerdings innerhalb von einer Woche stattfinden, die Belastung für den Quali-Gruppen-Sieger wäre enorm.

Was für das neue Liga-Format spricht

Spannung: Mit Red Bull Salzburg gibt es ein Team, das aufgrund der finanziellen Möglichkeiten, aber auch aufgrund der Infrastruktur und der effizienten Kaderschmiede über allen anderen Vereinen steht. Das macht sich Jahr für Jahr im Ligabetrieb bemerkbar: In den letzten fünf Jahren ging die Schale nach Salzburg, nur drei Mal in den vergangenen zwölf Saisons hieß der österreichische Meister nicht Red Bull Salzburg.
Obwohl auch in dieser Saison drückend überlegen, ist das Meisterrennen Anfang April noch nicht entschieden. Nach der Punkteteilung liegt Salzburg plötzlich nur noch vier Punkte vor dem zweitplatzierten LASK. In diesem Punkt ist also deutlich länger für Spannung im Rennen um den Meistertitel gesorgt.

Spannung! Zudem muss festgehalten werden, dass vor allem die vier Runden nach der Winterpause die attraktivsten der bisherigen Saison waren. SK Rapid verfehlte die Top-6 sensationell, während etwa kleine Vereine wie der WAC und St. Pölten in der Meistergruppe spielen.

Zuschauer: In den ersten vier Frühjahrsrunden im Vergleich zu den 18 Runden im Herbst kamen durchschnittlich 525 Zuschauer pro Spiel mehr ins Stadion. Die Bundesliga lobt sich selbst dafür: „Die erste Entscheidungsphase des neuen Spielmodus hatte somit bereits einen spürbaren positiven Effekt auf die Zuschauerzahlen der Klubs.“ 9/12 Klubs verzeichneten zudem ein zum Teil deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr.

TV-Quoten? Ob sich dieser Trend auch bei den Einschaltquoten im TV niederschlägt, ist schwierig zu sagen. Seit der aktuellen Saison ist Sky alleiniger Rechteinhaber, dem ORF fiel das wöchentliche Sonntagsspiel weg. Der Pay-TV-Sender gibt nur unregelmäßig Auskunft über seine Quoten. Klar ist, dass der Wegfall von Live-Übertragungen im Free-TV den Sponsoren nicht gefallen.

Was gegen das neue Liga-Format spricht

Trainer-Umwälzungen: Sage und schreibe acht von zwölf Bundesliga-Vereinen haben vor der Liga- und Punkteteilung ihren Trainer ausgewechselt. Heiko Vogel, bis November Trainer beim SK Sturm, gab vor Kurzem in der Big Show Einblicke in seine Arbeit in Graz und deutete an, kein großer Fan des Liga-Formats zu sein. Nur Salzburg, LASK, Hartberg und der WAC bauen weiterhin auf den Trainer zu Saisonbeginn. Entwicklungsarbeit mit Weitblick oder Förderung von (österreichischen) Talenten wird so zunehmend schwieriger.

Zuckerl für Qualifikationsrunde? Mattersburg-Coach Klaus Schmidt gilt als einer der wenigen Trainer, die sich Kritik an der Liga-Reform zumuten. Ich habe ihn vor wenigen Wochen interviewt, er nannte die Anreize in der Qualifikationsrunde eine „Augenauswischerei“ und fürchtet den Absturz der Bottom-6 in die Belanglosigkeit.

Klimax früher: Keine ernstzunehmende Liga wird im Playoff- oder Teilungs-Modus gespielt. Indem man in Österreich zu diesem Mittel greift, disqualifiziert man sich zum Teil selbst und gesteht sich ein, dass das Produkt nicht attraktiv genug ist. Außenstehende wie etwa Heiko Vogel halten immer wieder fest, dass sich die österreichische Liga für schlechter verkauft, als sie eigentlich ist.