Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 38

Freudige und nicht so freudige Wiedersehen

von Patricia Seiwert

 

Gute Taten in freundschaftlicher Atmosphäre

Die Länderspielpause verbrachte Eintracht Frankfurt damit, gerngesehene Gäste willkommen zu heißen. Am spielfreien Wochenende empfingen die Adler die BSG Chemie Leipzig zu einem Benefizspiel in der PSD Bank Arena. Die Partie stand unter dem Motto „Flutlicht für Leutzsch“, denn alle Einnahmen gingen zu diesem Zweck an die befreundeten Gäste. Schon 2016 fand eine solche Begegnung statt, damals jedoch in der Heimat der Leipziger.

Die Stimmung beim „Rückspiel“ hätte nicht besser sein können: Friedlich und dennoch explosiv, stiegen doch einige grüne und rote Feuerwerksraketen in den Frankfurter Abendhimmel auf.

Und auch mit dem Endergebnis dürften am Ende alle zufrieden gewesen sein. Ein 5:1 Sieg für die Eintracht stand letztendlich zu Buche, bei dem auch Neuzugang André Silva direkt zwei Mal einnetzte. Und für die Chemiker aus Leipzig sprang ein Scheck über 100.000 Euro heraus.

Ein rundum gelungener Abend, der der sonst eher zähen Länderspielpause ein wenig Charme verleihen konnte.

 

Ernüchternde Reise nach Augsburg – nicht nur für Hinteregger

Am vergangenen Samstagnachmittag sollte dann auch endlich die Bundesliga für die Frankfurter Adler weitergehen. Ein Auswärtsspiel beim FC Augsburg stand auf dem Plan. Der Ex-Klub von Martin Hinteregger hatte bis dato lediglich einen einzigen Punkt aus drei Spielen zu verzeichnen.

Und laut den Statistiken nach der Begegnung, hätte es auch bei diesem einen Punkt bleiben sollen. Die Hessen waren den Fuggerstädtern zumindest auf dem Papier deutlich überlegen. In der zweiten Halbzeit gab es sogar 12:0 Torschüsse für die Eintracht.

Dennoch zeigte der Spielstand bei Abpfiff ein 2:1 für den FC Augsburg an. Wie kam dieses Ergebnis zustande?

Ganz einfach: Die Eintracht ließ all das vermissen, was sie ausmacht: Kampf, Leidenschaft und der unbedingte Wille zu gewinnen. Die Hessen fanden kaum ins Spiel rein, leisteten sich in allen Mannschaftsteilen überflüssige Fehler. Am Ende bleibt eine unkonzentrierte Leistung, die auch gegen die bisher schwach agierenden Augsburger nicht ausreichte.

Somit stellten sich die Adlerträger selbst ein Bein und die Gastgeber mussten nicht einmal eine Glanzleistung abliefern, um drei Punkte im heimischen Stadion einfahren zu können. Lange Bälle über das ganze Spielfeld reichten aus, um die Frankfurter Abwehr auszuhebeln.

Dies ist ohnehin das Mittel der Wahl gegen die Eintracht, deren Außenverteidiger prinzipiell sehr weit vorne stehen, um die Offensive tatkräftig zu unterstützen. Das Problem dabei: Die Dreierkette steht hinten somit relativ breit und offenbart einige Lücken. Wenn da die Abstimmung nicht hundertprozentig passt, wird es gefährlich bei Kontern und eben bei langen Bällen.

Ob das die Augsburger so geplant hatten oder aber die Schwachstelle der Frankfurter dem Spielstil der Augsburger lediglich perfekt entgegenkommt, bleibt offen.

Ohne Heldentaten von Trapp ganz zu Beginn der Partie und Hinteregger, der einmal auf der Linie rettete, hätte es den bayrischen Schwaben durchaus gelingen können, noch mehr als zwei Tore (Richter, 36. Min; Niederlechner, 43. Min) zu erzielen.

https://www.youtube.com/watch?v=asHITJYjM5c

 

Zwar brachte Gonçalo Paciência in der 73. Minute noch den Anschlusstreffer im Augsburger Kasten unter, mehr sollte den Frankfurtern vor dem Tor aber nicht gelingen.

Neuzugang André Silva feierte sein Startelf-Debüt an der Seite von Landsmann Paciência, jedoch konnte er dieses nicht mit einem Treffer krönen. Positiv lässt sich neben seinem allgemeinen Engagement auch Silvas Können am Ball hervorheben. Seine technischen Stärken blitzten über das Spiel hinweg immer wieder auf. Negativ fallen dabei die wenigen Torabschlüsse und die fehlende Torausbeute auf.

Der ineffiziente Sturm sollte aber nicht das einzige Problem sein, das die Frankfurter hatten. Auch im Mittelfeld lief an diesem Nachmittag wenig zusammen. Djibril Sow, der ebenfalls sein Startelf-Debüt feiern durfte, fand keinen Zugriff auf das Spiel und fiel eher durch Fehlpässe auf, als durch clevere Ideen, um seine Mitspieler in Szene zu setzen.

Für ihn kam zur Halbzeit dann auch Dominik Kohr, der einer der wenigen war, die eine gute Partie ablieferten. Sonst eher als Stabilisator bekannt, dribbelte der 25-Jährige gleich zwei Augsburger gekonnt aus und legte den Ball auf Paciência ab, der anschließend das einzige Frankfurter Tor an diesem Nachmittag erzielte.

Ebenfalls vergleichsweise gut agierte Martin Hinteregger. Dass den Rückkehrer an seiner alten Wirkungsstätte kein besonders netter Empfang erwartete, war abzusehen, verlief sein Abschied von dort doch nicht ganz reibungslos. Trotzdem gewann der Österreicher eine Vielzahl an Zweikämpfen, sah beim 1:0 dafür leider gar nicht gut aus.

Dass die Frankfurter Abwehr merklich instabil war, lag vor allem auch an Kapitän David Abraham, der eine unzureichende Leistung ablieferte. Für die Zukunft wäre es zumindest eine Überlegung wert, dem jungen Evan N’Dicka den Vorzug zu geben.

Außerdem fiel das Fehlen vom vor der Partie erkrankten Filip Kostic deutlich ins Gewicht. So klasse, wie Chandler als Typ sein mag, ein adäquater Ersatz für den pfeilschnellen Serben ist er leider bei Weitem nicht. Kostics Impulse nach vorne wurden schmerzlich vermisst, beschäftigt er doch sonst die gegnerischen Außenverteidiger unermüdlich.

Anstehendes Topspiel vor Topkulisse

Es bleibt zu hoffen, dass der Außenbahnspieler rechtzeitig zum Europa-League-Heimspiel gegen den FC Arsenal genesen ist. Denn eines ist klar: Um dort zu bestehen, ist eine ganz andere Leistung nötig.

Hoffnung macht, dass es gegen die Gäste aus London ein komplett anderes Spiel werden wird. Zumal auch Arsenal ein mäßig erfolgreiches Wochenende verbrachte. Nur dank Torhüter Leno konnte ein 2:2 Unentschieden gegen Watford gerettet werden, nachdem die Gunners einen 2:0 Vorsprung verspielten.

Außerdem liegen der Eintracht Gegner, die mitspielen, deutlich besser als Mannschaften wie Augsburg. Und die besondere Atmosphäre, die bei magischen Europapokalnächten im Waldstadion ohnehin immer herrscht, ist nicht zu Unterschätzen. In den meisten Fällen löst diese nämlich eine Eigendynamik aus, die sowohl die Fans auf den Rängen als auch die Spieler auf dem Platz mitreißt.

So oder so ist, trotz Dämpfer in Augsburg, ganz Frankfurt heiß auf den Donnerstagabend, wenn einmal mehr hochkarätiger Besuch im heimischen Stadtwald empfangen werden darf…

Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 36

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Ante Rebić – Vom Leihspieler zur Legende

von Patricia Seiwert

In allerletzter Minute stand es offiziell fest: Ante Rebić verlässt Eintracht Frankfurt in Richtung Italien. Doch als der Kroate vor drei Jahren den Weg an den Main fand, ahnte noch keiner, wie emotional dieser Abschied werden wird.

Und doch gab es von Sekunde eins an dieses Gefühl, diese Vorahnung, dass genau dieser junge Mann, der damals zarte 22 Jahre auf dem Buckel hatte, etwas Besonderes sein könnte.

Warum? Das lässt sich schwer sagen. Vielleicht war es schon damals seine Ausstrahlung, die sich von allen anderen abhob. Seine bisherige Vita jedenfalls ließ eine solch rasante Entwicklung, welche Ante Rebić innerhalb weniger Jahre in Frankfurt nehmen sollte, kaum erwarten.

Die ersten Schritte im Fußball in Kroatien gegangen, sollte seine erste Station in einer europäischen Top-Liga das schöne Florenz sein. Doch dort wurde schnell klar, dass er keinen Platz in der Mannschaft hat. Und so begann eine Odyssee an Leihen. Zum ersten Mal Bundesligaluft schnupperte das junge Talent jedoch nicht in Hessen, sondern bei RB Leipzig. Dass er dort, in dieser scheinbar perfekt getakteten, höchst rationalen Maschinerie, in der man vergeblich nach Emotionalität sucht, nie so richtig ankam und sich infolgedessen auch nicht durchzusetzen vermochte, wundert mit heutigem Wissensstand wohl keinen mehr.

Denn schon damals wurde ihm ein schwieriger Charakter nachgesagt. Dass dieser Charakter jedoch weitaus mehr als „schwierig“ ist, eher eine gewisse Komplexität anmuten lässt, sollte kurze Zeit später weiter südwestlich in der Republik klar und deutlich werden.

Vorher aber ging es per Leihe noch einmal nach Verona, doch auch andernorts in Italien fand Rebić nicht sein Glück. Es passte einfach nicht. Und so verlieh der AC Florenz seinen Rohdiamanten munter weiter, diesmal mit dem Unterschied, dass es endlich passen sollte – und wie!

Im Sommer 2016 trat Ante Rebić seinen Job beim Bundesligisten Eintracht Frankfurt an und fand bei diesem Verein, dessen Verbleib in der höchsten deutschen Liga wenige Wochen zuvor noch auf Messers Schneide stand, scheinbar genau den Platz, den er gesucht hatte – zunächst als Leihspieler, später als Festverpflichtung. Die Eintracht war zu diesem Zeitpunkt und lange vorher wahrlich kein glamouröser Klub, doch was sie auszeichnete war die tiefe Verwurzelung in der Stadt, im Herzen der Fans und ein Zusammenhalt, den man in dieser Form woanders oft vergeblich sucht – Emotionalität pur. Und inmitten dieser warmen Umgebung fand Ante Rebić in kurzer Zeit sehr vieles: neue Freunde, den scheinbar weltbesten Frisör, den er sich bis heute überall hin einfliegen lässt und einen Trainer, der bald zu einer Art „Papa“ für das junge Talent werden sollte.

Die Rede ist von Landsmann Niko Kovac. Gekommen war er, um die Eintracht vor dem Abstieg zu bewahren. Dies gelang ihm, indem er einer Mannschaft, mit der keiner – und am wenigsten sie selbst – noch rechnete, Kampfgeist und neuen Willen einflößte.

Auch das ist ein wichtiger Punkt, weshalb Rebić letztendlich so ideal zu Eintracht Frankfurt passte. Denn nicht nur sein vermeintlich schwieriger Charakter oder die Tatsache, dass er seinen eigenen Kopf hat, zeichnen den Kroaten aus. Nein, auch Leidenschaft, Kampfgeist und unbedingter Wille sind in ihm vereint.

Und eben weil sich alles so gut zusammenfügte, sollte Rebić gemeinsam mit dem Rest des Teams, den Trainern, dem Team hinter dem Team und nicht zuletzt den Fans in Frankfurt eine neue Ära prägen.

Dass dies zwar rückblickend rasant passierte, bedeutet nicht, dass es nicht auch Rückschläge gab. Zwar schloss besonders der treue Anhang der Eintracht seinen neuen Liebling schnell ins Herz, doch schien er auch immer mal wieder strenge Ermahnungen zu brauchen, um der mitreißende Spieler auf dem Platz zu sein, den die Fans so liebten.

Hin und wieder lernte man seine andere Seite kennen: bockig, abwinkend, bis zum Anschlag genervt, konnte er wirken. Doch die schockverliebten Fans nahmen ihm ohnehin wenig übel und Papa Kovac wusste, wie er seinen Schützling anpacken muss. Kurzerhand rügte er seine fehlende Bereitschaft defensiv mitzuarbeiten in aller Öffentlichkeit, bevor sich Ante Rebić zum absoluten Leistungsträger mauserte.

Fast wie in einer Symbiose mit seinem Verein, reifte der heutige Vize-Weltmeister zu einem Juwel heran. Und derselbe Verein, der kurz zuvor noch um den Klassenerhalt bangte, stand im Mai 2017 plötzlich im Pokalfinale gegen Borussia Dortmund. Denkbar knapp scheiterten die Hessen mit einem Endstand von 2:1 am Favoriten. Den zwischenzeitlichen Gleichstand aber erzielte kein geringerer als Ante Rebić. Ein Pokalheld war geboren.

Genau ein Jahr später nämlich, kehrte er mit der Eintracht zurück ins Berliner Olympiastadion. Mittlerweile gemeinsam mit seinem „Bruda“, Kevin-Prince Boateng, der den Ball lang schlagen sollte. Und genau das tat dieser, gegen den Rekordmeister FC Bayern München.

Und Ante? Ante traf. Zwei Mal. Was dann geschah, bleibt für immer unvergessen und rührt bis heute jeden, der es mit der Eintracht hält, zu Tränen. Nachdem Rebićs Kumpel Mijat Gaćinović alleine den gefühlt unendlich langen Weg aufs gegnerische Tor zu rannte, einnetzte, der Abpfiff durch die Weiten des Berliner Stadions hallte und sofort durch astronomisch laute Jubelschreie zum Verstummen gebracht wurde, waren sie alle Helden. Und besonders Ante Rebić hatte sich an diesem Abend unsterblich gemacht. Trat er zuvor auf dem Feld mit voller Entschlossenheit auf, mit einem Kampfgeist, der über die Ränge im Stadion bis zuhause auf dem Sofa jeden ergriff, so schrie er sich mit Tränen überströmt die Seele aus dem Leib, als all die Anstrengung von ihm abfiel. Ganz fest griff der Spieler des Spiels sich den Adler auf der Brust, schloss die Augen und ließ seinen Emotionen freien Lauf, gemeinsam mit seinem Team, gemeinsam mit den Fans. Unvergessene Momente, über die Bilder mehr aussagen als tausend Worte.

Da war sie, die andere Seite des Ante Rebić. Fast schon sensibel wirkt er so, wenn man ihn mit dem Bullen vergleicht, den er auf dem Rasen verkörpert. Und dass der Kroate auch anders kann als wild und stürmisch, wird besonders in Interviews klar, die er nur dann antritt, wenn er wirklich muss. Da wirkt er schüchtern, fast schon verlegen. Er schaut auf den Boden, redet allerhöchstens in zwei sehr ähnlich klingenden Tonlagen und manchmal, da huscht ihm ein Lächeln über die Lippen. Es wirkt eher wie das Lächeln des kleinen kroatischen Jungen, der er mal war. Vom raubtierartigen Angreifer auf dem Platz ist hier keine Spur.

Ante Rebić ist kein Mann der großen Worte. Das muss er auch gar nicht sein, denn seine unfassbar starke Ausstrahlung spricht für sich. Und auch wenn er nicht sagt, was er fühlt oder wie es um seine Laune steht, er lässt es einen garantiert spüren.

Dass dies auch mal unschön sein kann, zeigten die letzten Wochen vor seinem Abschied eindrucksvoll. Im Play-off Hinspiel in Straßburg lieferte er eine seiner schlechtesten Halbzeiten für die Eintracht ab und befeuerte somit noch einmal die Gerüchte, dass er im Geiste bereits für einen anderen Verein aktiv sei. Trainer Adi Hütter hatte nach diesen 45 Minuten, die weder ihm noch den mitgereisten Fans gerecht wurden, nur noch die Bank für den Kroaten übrig, der daraufhin offiziell wegen Wadenproblemen auch das Auswärtsspiel in Leipzig sausen lassen musste.

Doch Ante Rebić wäre nicht Ante Rebić, wenn er sich nicht wieder aufrappeln würde. Im Play-off Rückspiel im Waldstadion kehrte der Kroate mit all seinen Vorzügen zurück in die Startelf und legte eine Wucht an den Tag, die ihresgleichen sucht.

Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand sicher wusste: es sollte das letzte Spiel des Fanlieblings im Dress der Adler sein. Ante aber spielte, als wolle er sich würdig verabschieden, hier in seinem Wohnzimmer, in dem er zu dem Spieler mit Topformat reifte, der er heute ist. Er lief an, stritt sich um jeden Ball, scheute keinen Zweikampf und die Entschlossenheit brannte wieder in seinen Augen. Erst ballerte er einen Ball mit solch einem Zug in den gegnerischen Strafraum, dass dem Verteidiger keine andere Chance blieb, als das Rund unwillentlich ins eigene Tor zu verfrachten und dann rannte er gegen Ende der ersten Halbzeit auf den Straßburger Torwart zu, dem Ball hinterher. Dieser war noch frei, beide Spieler vollends entschlossen, ihn zu ergattern und plötzlich rauschte Rebić in den Keeper hinein. Dass der Kroate noch zurückzog und der Ball vor dem Zusammenstoß, der letztendlich keineswegs so schlimm war, wie der in Theatralik geübte Torwart ihn erscheinen ließ, noch frei war, interessierte den Unparteiischen scheinbar herzlich wenig. Und so endete die Partie für den Kroaten schon deutlich vor dem Schlusspfiff mit einem Platzverweis.

Im Zusammenhang des ganzen Spiels eine sehr ärgerliche Szene, doch die Frankfurter (alle, sowohl auf dem Platz als auch auf den Rängen und vielleicht sogar in der Kabine) zogen aus ihrem Unmut nur noch mehr Kraft, sodass sie trotz Hinspielniederlage in die Gruppenphase der Europa League einzogen.

Und Rebićs Abschied hätte ikonischer nicht sein können. Nicht nur, dass sich ganz Große gerne mal mit roten Karten aus wichtigen Spielen verabschieden (Liebe Grüße an Zinédine Zidane), nein auch, dass er noch einmal ausgiebig mit der Mannschaft vor der heimischen Nordwestkurve feiern durfte. Und als wäre das noch nicht kitschig genug, ertönten Sprechchöre, einzig und allein für ihn. Für den Mann, der in den letzten Wochen viel Kritik einstecken musste. Für den Unterschiedsspieler von Eintracht Frankfurt: Ante Rebić.

So versöhnlich der Abschied klingt, so herzzerreißend war dennoch die offizielle Bekanntgabe, dass nach den beiden Topstürmern Sébastien Haller und Luka Jović mit Ante Rebić nicht nur der letzte Büffel, sondern auch ein Ausnahmespieler in jeder Hinsicht, der Eintracht den Rücken kehrt.

Die Autorin dieses Textes müsste lügen, wenn sie behaupten würde, sie habe nach dieser Meldung nicht die ein oder andere Träne vergossen. Denn Ante Rebić war nicht nur einer der talentiertesten Spieler, die Eintracht Frankfurt in ihren Reihen begrüßen durfte, sondern auch ein großartiger Charakter mit Ecken und Kanten und vor allem mit unendlich großem Lieblingsspielerpotenzial.

Eine waschechte Diva, für die die launische Diva vom Main nicht besser hätte passen können. Ein Spieler, der in seiner Freizeit mit Mannschaftskollegen in Frankfurter Hinterhöfen so herrlich normal Baguettes der Eigenmarke einer großen Supermarktkette verspeist. Ein Spieler, dessen Launen mich an meine eigenen erinnern, der dadurch in einem oft so kalten, rationalen Business so menschlich ist. Dessen Lächeln und dessen Tränen zeigen, wie viel Gefühl in ihm steckt und dessen liebevolle Gesten gegenüber dem Verein entgegen einiger Behauptungen meiner Meinung nach nicht gespielt waren.

Ante Rebić wird in ruhigen Momenten immer wieder an seine Zeit in Frankfurt zurückdenken und wird sich dabei hoffentlich ein kleines Lächeln nicht verkneifen können. Denn auch hier am Main wird er nie vergessen sein. Im Gegenteil.

Es bleibt mir, Danke zu sagen. Für die großartige Zeit, deinen Einsatz, deinen absoluten Willen und dass du mir, die aufgrund ihres jungen Alters bisher kaum Spieler eines solchen Formats bei der Eintracht bestaunen durfte, gezeigt hast, was Begeisterung für ein Genie mit einem Fußballfan anstellen kann.

Ante, du hast in Frankfurt, bei der Eintracht und vor allem im Herzen zahlreicher Fans immer ein Zuhause, dessen Türe dir jederzeit offensteht. Und nun flieg, Adler. Lass dich nicht verbiegen und zeig der Welt, dass du mehr bist als ein Teilzeitchaot. Zeig ihnen, dass du ein ganz Großer bist!

Diese Woche… bei Eintracht Franktfurt, KW 35

von Patricia Seiwert

Drama, wir brauchen Drama

Eine turbulente Woche liegt hinter Eintracht Frankfurt. Nachdem der Bundesligastart gegen Hoffenheim noch gelang, brachten die letzten beiden Spiele gegen Racing Straßburg und RB Leipzig nicht die gewünschten Ergebnisse ein. Zu allem Überfluss dominierten dann noch unerfreuliche Schlagzeilen rund um den letzten verbleibenden Büffel, Ante Rebić, und die Posse um den Transfer von Bas Dost die Frankfurter Medienwelt.

Einige Probleme in Straßburg

Um die vielen Ereignisse der letzten Tage einigermaßen zu ordnen, richtet sich der Blick zunächst auf den vergangenen Donnerstagabend. Eine Reise nach Straßburg, in das nicht allzu weit entfernte Elsass, stand für die Adlerträger an.

Dort sollte sie ein gut gefülltes Stadion mit nicht zu verachtender Stimmung erwarten, denn die Franzosen sind selbst nicht minder heiß auf die Gruppenphase der Europa League. Dies sollten die Frankfurter auch auf dem Platz zu spüren bekommen. Besonders in der ersten Halbzeit gelang aus Sicht der Hessen wenig. Und Straßburg? Straßburg traf. In der 33. Minute brachte Zohi die Elsässer in Führung. Dieses Ergebnis begleitete die Mannschaften letztendlich auch in die Halbzeitpause.

Obwohl die Eintracht im zweiten Durchgang dann deutlich stärker agierte als in den ersten 45. Minuten, sollte es ihr nicht gelingen, das Spiel zu drehen und ein potenziell wichtiges Auswärtstor blieb ihr ebenso verwehrt. Aber auch Straßburg konnte die Führung in der zweiten Halbzeit nicht weiter ausbauen.

So blieb es letztlich bei einer unschönen Hinspielniederlage, die aber keinesfalls unmöglich zu drehen ist. Erst recht nicht, wenn die Frankfurter so auftreten, wie sie es in der zweiten Halbzeit getan haben – mit Willenskraft sowohl nach vorne als auch nach hinten. Der nötige Kampfgeist dürfte im ausverkauften Waldstadion mit den eigenen Fans im Rücken jedenfalls geweckt werden.

Es stellt sich jedoch die Frage, an was es an diesem unglücklichen Augustabend gescheitert ist. Zuallererst lässt sich da die Aufstellung anführen. In der Abwehr trat man wie gewohnt mit einer Dreierreihe auf, jedoch agierten hierbei Abraham und Hinteregger fast schon als Außenverteidiger. Nicht wenige Frankfurt Anhänger dürften sich die Augen gerieben haben, als sie plötzlich Martin Hinteregger anstelle von Filip Kostić Richtung Eckfahne marschieren sahen. Und obwohl der Österreicher immer mal wieder gut für ein Tor ist, erklärt es sich von selbst, dass dies weder für das Spiel nach vorne noch für die Verteidigung besonders zielführend ist, zumal Kostić, einem Spieler, der viel über Tempo kommt und demnach einiges an Platz benötigt, somit häufig die Räume genommen wurden. Die Löcher, die dadurch hinten in der Frankfurter Abwehr entstanden, nutzten die Straßburger glücklicherweise nicht optimal aus.

Im Angriff sollte es Rebić, wie schon gegen Hoffenheim, als einziger Mittelstürmer richten und mittlerweile können sich sicherlich alle darauf einigen, dass dies einfach nicht die ideale Position für den Kroaten ist. Besonders nicht, wenn der Spielaufbau so schwach ist, dass er sich fast ausschließlich auf lange Bälle beschränkt, die hinter die Abwehrreihe der Straßburger gelegt werden sollten. Zwischenzeitlich kam das Gefühl auf, als würden die Frankfurter vorne immer noch mit Haller rechnen, der genau diese Art von Pässen so wunderbar verwerten konnte (und dies mittlerweile bei West Ham macht. Nein es tut überhaupt nicht weh).

Natürlich stellte dieser Umstand den in letzter Zeit ohnehin schon sehr launisch auftretenden Ante Rebić nicht zufrieden, sodass er sich kurzerhand zur Halbzeit auswechseln ließ. Hütter hätte diese Entscheidung laut eigener Aussage aber ohnehin getroffen und setzte dem Angreifer zudem noch seinen Kumpel Gaćinović, der in der ersten Halbzeit ebenfalls nicht zu überzeugen wusste, an die Seite.

Für diesen kam Sebastian Rode ins Spiel und mit ihm auch neuer Schwung ins Mittelfeld. Neben der verbesserten Einstellung der Mannschaft verhalf ebendieser neue Antrieb in der Zentrale den Frankfurtern zu einer deutlich ansehnlicheren zweiten Hälfte. Ebenfalls positiv hervorzuheben war außerdem Daichi Kamada. Der junge Japaner bewies einmal mehr, dass er zumindest eine Alternative im offensiven Mittelfeld sein kann.

Diva vom Main meets Diva vom Balkan

Nach dem Spiel bemängelte Kevin Trapp die Einstellung einiger Spieler, die seiner Ansicht nach nicht alles gegeben hätten. Ohne Namen zu nennen, wusste natürlich trotzdem jeder, um wen es sich hierbei am wahrscheinlichsten handelt. Trainer Adi Hütter wurde diesbezüglich sogar noch genauer, zähle Ante Rebić öffentlich an. Man sei mit seiner Leistung nicht zufrieden gewesen. Hütter beflügelte auch die Wechselgerüchte noch einmal, indem er betonte, dass wenn der Kroate wechseln wolle, man eine Lösung finden müsse. Bobic bestätigte einige Tage später, dass mehrere Vereine Interesse bekundet hätten, fügte aber hinzu, dass alle Parameter für einen Wechsel stimmen müssten, was scheinbar bisher aber noch nicht der Fall war.

Intern scheint es also was die Personalie Rebic angeht zu kriseln und auch unter den Fans gehen die Meinungen stark auseinander, sowohl was den Spieler und sein Verhalten selbst angeht als auch die Äußerungen von Trapp und Hütter.

Meiner Meinung nach wäre es zumindest wünschenswert, dass, sollte es wie erwartet zu einem Wechsel kommen, es ein versöhnliches Ende gibt. Denn Ante Rebić ist nicht nur gleich unserem geliebten Verein eine Diva, sondern auch ein Pokalheld, der der Eintracht viele schöne und einen unvergesslichen Moment beschert hat. Dies sollten wir uns alle in Erinnerung rufen, wenn wir, völlig zurecht, sein Verhalten kritisieren. Ihn zum alleinigen Sündenbock zu erklären, wird ihm nicht gerecht und sich zu Hasstiraden auf einen Spieler, der uns jahrelang Freude bereitet hat, hinreißen zu lassen, tut weder dem Verein, noch dem Spieler noch uns als leidenschaftlichen Anhängern und erst recht nicht unseren Fanseelen gut – zumal wir bisher nicht wissen und vermutlich auch nie wissen werden, was genau über einen unbestimmten Zeitraum hinweg vorgefallen ist und wer in welcher Form involviert war.

Einiges an Lob aber keine Punkte

Nachdem alle Welt in Aufruhr versetzt wurde und mehr Drama herrschte als bei Shakespeare, stand am Sonntagnachmittag ein Auswärtsspiel in Leipzig an. Wie es der Zufall wollte, fehlten Rebic und Gacinovic mit Blessuren – zumindest offiziell.

Nach einem aufreibenden Spiel in Straßburg, das alles andere als einen mentalen Push mit sich brachte, schätzte man die Zeichen auf ein erfolgreiches Spiel eher gering ein. Zudem fanden sich einige Änderungen in der Startaufstellung. Danny da Costa, zuletzt nicht immer gänzlich überzeugend, bekam eine Pause. Erik Durm rückte für ihn in die Startaufstellung. Auch Hinteregger durfte sich eine Auszeit genehmigen, während N’Dicka neben Hasebe und Abraham in die Abwehr rückte. Paciência übernahm die Stürmerposition für den daheimgebliebenen Rebić und wurde von Bundesligadebütant Dejan Joveljic unterstützt, sodass der zuletzt wenig erfolgreiche Ein-Mann-Sturm vorerst ausgedient hatte. Rode spielte diesmal ebenfalls von Beginn an.

Zugegebenermaßen erwartete man als Fan nicht allzu viel gegen einen Gegner wie Leipzig, der Fehler im Spiel meist gnadenlos ausnutzt und mit schnellen Spielern freie Räume optimal zu nutzen weiß. Sogar die Angst vor einer deutlichen Niederlange schwang mit.

Doch die Frankfurter schlugen sich erstaunlich gut, dominierten die Anfangsphase bis… ja bis die Leipziger eine Ecke zugesprochen bekamen. Diese brachte Sabitzer hinein, Poulsen verlängerte und Werner musste nur noch einschieben. Unpraktischerweise hatte der sonst so fehlerfreie Makoto Hasebe einen schwachen Moment, stand zu weit weg von seinem Gegenspieler und zu allem Übel ließ Kevin Trapp auch noch die kurze Ecke offen. Ehe man sich versah, stand es 1:0 für Leipzig. Dieses Ergebnis entsprach absolut nicht dem Spielverlauf.

https://www.youtube.com/watch?v=SMvdIhfcm5w

Im Anschluss an das Gegentor wirkten die Frankfurter zunächst unsicherer, Leipzig drückte. Dies sollte jedoch nicht lange anhalten. Die Eintracht fand wieder zurück zu ihrem Spiel, das im Vergleich zur Partie gegen Straßburg deutlich verbesserte spielerische Elemente aufwies. Im Anschluss an das Bundesligaduell attestierte der gegnerische Trainer Julian Nagelsmann der Eintracht, die dominantere Mannschaft gewesen zu sein. Die Leipziger fanden kaum Zugriff auf das Spiel.

Dies ging ihm sicherlich trotzdem recht leicht über die Lippen, denn entgegen des Spielverlaufs, erzielte Poulsen (nach einer Wunderheilung, 5 Sekunden vorher lag er noch vor Schmerzen am Boden) das 2:0. N’Dicka erlaubte sich einen Schnitzer und Trapp bekam die Beine nicht mehr rechtzeitig zusammen. Wieder führten individuelle Fehler zum Gegentor. Besonders bitter für die Eintracht ist der Umstand, dass die Leipziger kaum gefährlich wurden, aber ihnen ihre gnadenlose Effizienz zu Gute kam.

Kurz vor Schluss erzielte Paciência, das portugiesische Kopfballmonster, nach Hereingabe vom eingewechselten Chandler mit dem Fuß (!) ein Tor, das zwar nett anzusehen war, aber letztendlich auch nur noch in der Tordifferenz eine Rolle spielt. Zu selten zeigte der Stürmer seine Qualitäten.

Die Eintracht täte also gut daran, sich im Sturm weiter zu verstärken, denn auch Debütant Joveljic wies zwar einen Torriecher auf und machte deutlich, dass er alsbald einnetzen möchte. Seine mangelnde Erfahrung und sein junges Alter ließen ihn aber oftmals noch zu aufgeregt agieren.

Verstärkung im Sturm

 Am darauffolgenden Montag hatte Eintracht Frankfurt seinen Fans im Hinblick auf die Problematik im Sturm dann jedoch etwas Erfreuliches mitzuteilen. Nach Verhandlungen, die sich länger hinzogen als das Vorgeplänkel bei DFB Pokal Auslosungen, konnte mit Sporting Lissabon endlich eine Einigung erzielt werden: Bas Dost wechselt für 7 Mio. Euro (mit möglichen Boni 7,5 Mio. Euro) an den Main und wird mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet. Der 30-jährige hochgewachsene Niederländer soll nun für die Eintracht auf Torejagd gehen und scheint heiß auf seine Rückkehr in die Bundesliga zu sein.

Bei der kommenden Aufgabe zuhause gegen Racing Straßburg kann Dost unglücklicherweise noch nicht helfen. Die bisher wichtigste Aufgabe der Saison müssen die Adlerträger mit dem bereits gemeldeten Kader bestreiten. Für das Bundesligaheimspiel gegen Düsseldorf dürfte der neue Mittelstürmer aber durchaus eine Option sein, nachdem er in Lissabon bereits die komplette Vorbereitung absolviert hat.

Angesichts der Entwicklungen um Ante Rebić und mit Blick auf den Sturm dürften die nächsten Tage nicht nur wichtige Aufgaben im internationalen Wettkampf sowie in der heimischen Liga mit sich bringen, sondern auch eine spannende letzte Woche auf dem Transfermarkt anstehen. Es gibt für diejenigen, die es mit der Diva vom Main halten, also allen Grund „hibbelisch“ zu sein…

Diese Woche… bei Eintracht Frankfurt, KW 34

Von Patricia Seiwert

Der Adler fliegt wieder

Da sind sie wieder, die Wochenenden mit gesteigertem Pizza- und Erfrischungsgetränkekonsum, mit einer Begleitmusik aus Freudenschreien, wutentbrannten Kraftausdrücken und leisem Gewinsel. Kurzum: die Bundesliga ist zurück!

Am vergangenen Freitag eröffneten die Bayern mit ihrem Gast, der alten Dame aus Berlin, die neue Saison.

Eine Woche vorher fanden bereits die Partien der 1. Runde des DFB Pokals statt.

Doch für die Frankfurter Eintracht starteten die Pflichtspiele schon deutlich früher. Als die Adler in der letzten Saison haarscharf auf Platz 7 landeten, stand fest: die Eintracht wird sich mit einer kurzen Vorbereitung zufriedengeben müssen.

Europapokal? Ist uns nicht egal!

Das erste Pflichtspiel der neuen Saison bestritten die Jungs unter Leitung von Cheftrainer Adi Hütter bereits am 25. Juli in Tallinn. In entspannter Atmosphäre bekamen die mitgereisten Fans einen 2:1 Sieg ihrer Eintracht zu Gesicht. Eine Woche später reisten dann die Esten in den Frankfurter Stadtwald. Mit überschaubarem, aber dafür sehr sympathischem, Anhang im Gepäck gelang dem FC Flora Tallinn ein durchaus ansehnliches Tor vor – zumindest für Frankfurter – gewohnt großartiger Kulisse inklusive Choreo (alle in weiß). Trotzdem sicherte sich die Eintracht erneut einen 2:1 Sieg und zog somit in die nächste Qualifikationsrunde ein. Aber vorher wurden die munteren Gäste aus Tallinn gebührend verabschiedet. Die Nordwestkurve feierte die gegnerische Mannschaft überschwänglich, was diese sichtlich genoss. Ein rundum gelungener Abend für beide Seiten neigte sich also mit tollen Bildern dem Ende zu.

Bereits eine Woche später ging die Reise für die Adlerträger weiter ins idyllische Liechtenstein. Mit dem FC Vaduz wartete der nächste Gegner auf dem Weg in die Europa League und dessen Wohnzimmer lässt sich durchaus sehen. Ein kleines Stadion inmitten von Alpenromantik – ein Traum! Traumhaft aus Sicht der Eintracht war auch das Ergebnis. Problemlos erspielten sich die Hessen ein 5:0, sodass im Rückspiel in Frankfurt ein 1:0 Sieg, erneut eingeläutet durch eine Choreo des Publikums (alle in rot), locker für den Play-off Einzug reichte. Mit Racing Straßburg wartet nun ein etwas größeres Kaliber als der FC Flora Tallinn oder der FC Vaduz auf Eintracht Frankfurt. Der Teilnehmer der französischen Ligue 1 sicherte sich den Qualifikationsplatz durch einen Pokalsieg.

Aufregendes Duell unter Freunden

Zwischen den beiden Qualifikationsspielen gegen Vaduz stand für die Eintracht außerdem noch die 1. Runde des DFB Pokals an. Die Zeichen deuteten alle darauf hin, dass dies ein besonderes Spiel werden sollte. Der Gegner war nämlich niemand geringeres als der SV Waldhof Mannheim, zu dessen Fans die Frankfurter Anhängerschaft eine enge Freundschaft pflegt. Dementsprechend gut war die Stimmung. Nachdem die Waldhöfer vor Anpfiff eine Choreo darboten, stimmten beide Fangruppen über das ganze Spiel hinweg immer wieder gemeinsame Gesänge an.

Zunächst sollten die Gastgeber aber ausgelassener feiern als die Frankfurter, denen bereits nach drei Minuten der Mund offenstand und nach elf Minuten die Kinnlade am Boden hing, denn zu diesem Zeitpunkt führte der SV Waldhof schon mit zwei Toren. Sulejmani war der Doppeltorschütze, der die Abwehr der Eintracht in der Anfangsphase des Spiels gnadenlos überrannte. Doch bis zur Halbzeit gelang es den Gästen wieder alles auf Anfang zu drehen. In der 21. Minute traf der junge Japaner Daichi Kamada, der erst kürzlich von seiner Leihstation in Belgien (VV St. Truiden) nach Frankfurt zurückkehrte. Den Ausgleich erzielte Filip Kostic dann in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit.

https://www.youtube.com/watch?v=SGdtGsx93rQ

In der zweiten Halbzeit durften dann noch einmal die Mannheimer jubeln. In der 72. Minute erzielte Marx den dritten Treffer für die Männer in Schwarzblau, bevor eine zuletzt immer wieder umstrittene Personalie einen lupenreinen Hattrick ablieferte. Die Rede ist von Ante Rebic. In der 76. Minute erzielte er den erneuten Ausgleich und legte dann jeweils in der 81. und in der 88. Minute nach. Somit sicherte der Kroate den Frankfurtern den Einzug in die 2. Runde, wo der FC St. Pauli wartet.

Abschiede, großes Geld und (nicht ganz so) neue Gesichter

Dass in letzter Zeit über ebendiesen wuchtigen Angriffsspieler unzählige Diskussionen geführt wurden, liegt nicht zuletzt daran, dass immer wieder ein Wechsel im Raum stand und immer noch steht, obwohl die neusten Entwicklungen bei einem der Hauptinteressenten, Inter Mailand, eher gegen eine Verpflichtung von Rebic sprechen.

Auch die Eintracht ist natürlich auf dem Transfermarkt tätig geworden. Nachdem sie mit Luka Jovic (Real Madrid) und Sébastien Haller (West Ham United) zwei der drei Büffel aus der vergangenen Saison ziehen lassen musste, konnten im Gegenzug mit Kevin Trapp, Sebastian Rode und Martin Hinteregger drei geliehene Leistungsträger fest verpflichtet werden. Letzterer wurde beim Heimspiel gegen den FC Flora Tallinn präsentiert und als Publikumsliebling so überschwänglich empfangen wie sonst nur junge Popstars von Teenie-Massen.

Durch die hohen Einnahmen der beiden Rekordverkäufe (zusammen 100 Mio. €) und auch mit TV Geldern aus der Bundesliga sowie den Prämien für die sehr erfolgreiche Teilnahme in der Europa League hat die Eintracht diesen Sommer einen ungewohnt großen finanziellen Spielraum. Diesen nutzte sie bisher unter anderem dafür, ihr Mittelfeld zu verstärken. Mit Dominik Kohr und Djibril Sow fanden neben Rode zwei weitere Mittelfeldspieler den Weg an den Main. Auch Linksverteidiger (und Weltmeister) Erik Durm entschied sich nach seinem Ausflug auf die Insel (Huddersfield Town) für ein Engagement bei der Frankfurter Eintracht.

Der einzige Zugang im Sturm ist – Stand jetzt – Dejan Joveljic. Der junge Serbe, dessen Nachname klingt wie die Pokémon-Vorentwicklungsstufe von Vorgänger Jovic, kommt von Roter Stern Belgrad. Anders als Luka Jovic legt dieser aber keinen Zwischenstopp bei Benfica in Portugal ein, sondern wagt direkt den Sprung in die Bundesliga. Der gerade erst 20 gewordene Jungstürmer wird sicherlich noch ein wenig Eingewöhnungszeit benötigen. Die Eintracht wäre also gut beraten, nicht all den Druck auf die Schultern des Neuankömmlings zu laden. Der Portugiese Gonçalo Paciência, der als einziger weiterer Mittelstürmer infrage kommt, wird es aber auch nicht alleine richten können, zumal das Kopfballmonster noch einige Schwächen am Boden aufweist. Auch deswegen dürfte sich die Eintracht aktuell für einen alten Bekannten aus der Bundesliga interessieren. Bas Dost soll von Sporting Lissabon in die Mainmetropole gelockt werden. Die Vereine sind sich laut eigener Aussage wohl einig, jedoch ließen neueste Medienberichte verlauten, dass es zwischen dem 1,96m großen Niederländer mit Berater und dem portugiesischen Noch-Arbeitgeber aktuell noch semifreundschaftlichen Gesprächsstoff gibt. Die Eintracht soll ihrerseits in der Angelegenheit ganz entspannt sein, dass der Transfer trotzdem, wenn auch mit einigen Tagen Verspätung, über die Bühne gehen wird. Ein erfahrener Abschlussstürmer dürfte dem Spiel der Frankfurter jedenfalls nicht schaden.

Zweik(r)ämpfe im Stadtwald

Ganz im Gegenteil, denn am Wochenende fand im Frankfurter Stadtwald das erste Bundesligaspiel der neuen Saison gegen die TSG Hoffenheim statt. Unter anderem wurde hierbei deutlich, dass ein Spieler wie Bas Dost ein dankbarer Abnehmer in dem oft flankenlastigen Spiel der Eintracht wäre. Denn Adi Hütter stellte gegen die Hoffenheimer keinen klassischen Mittelstürmer auf, sondern ließ Ante Rebic vor dem Tor agieren, gemeinsam mit Kamada, der die Rolle der hängenden Spitze übernahm. Überraschend an der Aufstellung war ebenfalls die Kombination aus Fernandes und Kohr im zentralen Mittelfeld, ist doch Lucas Torró einer der klaren Gewinner der Vorbereitung – zumindest, wenn man auf die Meinung zahlreicher Eintracht Anhänger vertraut. Jedenfalls ließ diese Mittelfeldkonstellation nicht allzu feinen Fußball vermuten. Dass sich dazu leider auch zu viele Ungenauigkeiten und vor allem Fehlpässe gesellten, wurde den Adlerträgern glücklicherweise nicht zum Verhängnis – zum einen, weil die Abwehr im Gegensatz zu anderen Aspekten im Frankfurter Spiel ziemlich gut funktionierte und zum anderen, weil die TSG aus dem Spiel heraus nach vorne relativ harmlos agierte.

https://www.youtube.com/watch?v=VaIKvmMFw9s

Ausbaufähig war auch die Chancenverwertung der Frankfurter. Zwar war Filip Kostic, unermüdlich wie eh und je, in herausragender Form, ließ regelmäßig mehrere Hoffenheimer am Stück stehen während er mit dem Ball am Fuß in Höchstgeschwindigkeit über das Feld in Richtung des gegnerischen Tors stürmte, scheiterte dann aber im Abschluss oder fand keinen Abnehmer für seine Hereingaben.

Spieler des Spiels, neben Filip Kostic, war Abwehrmann Martin Hinteregger, der bereits nach 36 Sekunden den Ball zum 1:0 hinter die Linie köpfte – der perfekte Eisbrecher für den Bundesligastart, der, wie erwähnt dank einer starken Frankfurter Abwehrreihe und einer schwächelnden Hoffenheimer Offensive, durch einen knappen Heimsieg gekrönt wurde. Aber nicht nur sein Tor und seine punktgenauen Grätschen sorgten an diesem Abend für Aufsehen, denn Martin „Hinti“ Hinteregger lag gegen Ende der zweiten Halbzeit mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden, hielt sich das Bein. Alle Frankfurter hielten den Atem an. Was, wenn genau dieser so wichtige Mentalitätsspieler nun lange ausfällt? Es sah jedenfalls nicht gut aus. Zum Erstaunen aller konnte Hinteregger dann aber weiterspielen und erklärte nach dem Spiel wie selbstverständlich, dass er ja nur einen Krampf gehabt habe, aber selbst nicht wusste, was das denn nun sei, schließlich wäre es sein allererster Krampf gewesen.

Langweilig wird es mit der Frankfurter Eintracht und ihren Repräsentanten auf und neben dem Feld also so schnell nicht, wie die Ereignisse der letzten Wochen eindrucksvoll beweisen. Und es geht Schlag auf Schlag weiter, denn die Hessen müssen sich am Donnerstag bereits im Elsass gegen Straßburg beweisen, bevor es am Sonntag nach Leipzig zum ersten Auswärtsspiel der Bundesligasaison geht. Drei Spiele in sieben Tagen – der mittlerweile fast schon normale Wahnsinn geht ohne große Pausen weiter.

Anthony Yeboah – Die legendäre Büffelherde

Von Patricia Seiwert

In meinem Geburtsjahr 1995 verließ das heutige Geburtstagskind Anthony Yeboah Frankfurt in Richtung England. Seine sagenhaften Jahre bei der Eintracht durfte ich demnach nie miterleben und trotzdem ist mir der Ghanaer mehr als geläufig. Was eine echte Klublegende eben ausmacht: Sein glanzvoller Ruf erreicht jeden noch so jungen Anhänger der Adler vom Main. Unterhält man sich mit Eintracht Fans, die in den Genuss kommen durften, ihn live spielen zu sehen, prasseln Schwärmereien und Lobeshymnen in höchsten Tönen auf einen ein. Und auch wenn man kein Zeitzeuge ist, kann man diese Begeisterung trotz fehlender persönlicher Bindung aus diversen Erzählungen, Videos und der Vereinsgeschichte nachvollziehen und gewissermaßen auch teilen. 


Bevor die Eintracht in den Genuss der Büffelherde kam, mangelte es lange Zeit an Ausnahmestürmern, die für Ekstase sorgen. Und genau einer von dieser in Frankfurt zuletzt rar gewordenen Sorte war Anthony Yeboah. 

Fünf Jahre lang prägte er gemeinsam mit weiteren unvergessenen Namen wie Okocha, Bein, Möller und Gaudino eine goldene Ära in der hessischen Stadt am Main. Der „Fußball 2000“ der Eintracht ist jedem, der mit dem Herzen an diesem Verein hängt, ein Begriff. Zur deutschen Meisterschaft reichte es zwar trotz Top-Talenten wie Yeboah aufgrund von mäßigem Teamgeist in der Mannschaft nicht, jedoch befand man sich immer unter den fünf besten Teams. 

1993 und 1994 wurde Anthony Yeboah Torschützenkönig der Bundesliga, erzielte in 123 Ligaspielen 68 Tore für die Frankfurter. Folgerichtig also, dass ein Stürmer von dieser Wichtigkeit seit 2013 eine der „Säulen der Eintracht“ am Frankfurter U-Bahnhof Willy-Brandt-Platz gewidmet ist. Zudem ziert Yeboah eine Hauswand im Stadtteil Niederrad, versehen mit dem Spruch „Wir schämen uns für alle, die gegen uns schreien“. Das Kunstwerk soll für Toleranz und gegen Diskriminierung stehen. 

Unvergessen sind aber nicht nur seine zauberhaften Tore und die erfolgreiche Ära zu der er maßgeblich beigetragen hat. Nein, auch der schmerzhafte Abschied dieses geliebten Adlerträgers, den es in die Premier League zu Leeds United zog, bleibt auf ewig im Gedächtnis. 

Bis heute sind die Eintracht-Anhänger nicht besonders gut auf Jupp Heynckes zu sprechen, der ansonsten als (falls Hoeneß nicht doch noch einen Weg findet) ehemaliger Startrainer ein hohes Ansehen genießt. Diese Abneigung hängt unter anderem auch mit Yeboah zusammen. 

Der damalige Kapitän wurde von Heynckes, der in Frankfurt alles andere als vorbildliche Arbeit leistete, kritisiert – aufgrund seines Gewichts und auch fälschlicherweise aufgrund vermeintlicher Verständigungsschwierigkeiten. 

Eine eisige Stimmung herrschte also zwischen Kapitän und Trainer, was sich im Spiel der Mannschaft widerspiegelte. Die Streitigkeiten zwischen Starspielern wie Yeboah, Okocha und Gaudino führten letztendlich zu deren Suspendierung durch Heynckes, den es wenig später ins sonnige Spanien zog. Was der Eintracht blieb, waren verständnislose, wütende Fans und eine zerrüttete Mannschaft, die im Folgejahr den ersten Bundesligaabstieg verkraften musste, nicht aber Anthony Yeboah, der nach diesem Trainer gegen Starspieler Drama schlussendlich wechselte. 

Übel nehmen die Eintracht Fans Heynckes die ganze Geschichte bis heute noch. Verständlich, denn Yeboah zeigte auch in Leeds seine Qualitäten, wurde schnell zum Publikumsliebling, der in Frankfurt in der folgenden schweren Zeit schmerzlich vermisst wurde. 

Heute ist der Ghanaer als Spielervermittler sowie als Berater des Fußballverbandes seines Heimatlands tätig. Zudem ist er Hotelbetreiber zweier Hotels in Ghana und seit 2018 auch internationaler Markenbotschafter von Eintracht Frankfurt.

Gerne schwelgt man in Erinnerungen an einen Spieler, der seine Blütezeit bei dem Herzensverein durchlebte und diesen so stark prägte. Bei der Eintracht wird man immer wieder an Yeboah denken, denn auch ohne Zeitzeugin gewesen zu sein, weiß ich, dass Yeboah ein ganz Großer für diesen Verein war, ist und immer bleiben wird. Nicht auszudenken welch überwältigende Emotionen diejenigen mit ihm verbinden, die seinen Fußball, seine Art und seine Geschichte miterleben durften. 

Und wenn sein Ehrentag heute auch nur halb so legendär ist wie er, dann wird es ein wunderbarer 53. Geburtstag. Happy Birthday, Tony! 

Diese Woche … bei Eintracht Frankfurt, KW 21

Von Patricia Seiwert

Ende gut, fast alles gut

Am vergangenen Samstag trug sich der letzte Spieltag der Bundesligasaison 2018/2019 zu. Für die Eintracht ging es nach einem enttäuschenden Ergebnis gegen Mainz 05 zum Meisterkandidaten nach München, wo sie, um aus eigener Kraft die direkte Europa League Qualifikation zu erreichen, mindestens einen Punkt ergattern musste. 

Eine denkbar schwere Aufgabe, zumal der FC Bayern zum Saisonabschluss mit Franck Ribéry, Arjen Robben und Rafinha gleich drei langjährige Spieler gebührend verabschieden und ganz nebenbei auch noch die Meisterschaft klar machen wollte.

Endgegner München

Dies sollte ihnen auch gelingen. Zwar reichte den Münchnern theoretisch ein Unentschieden gegen die Eintracht, jedoch schien dort jeder einzelne topmotiviert zu sein, sodass gegen eine Eintracht, die auf der letzten Felge fuhr, letztendlich ein 5:1 zu Buche stand. 


Früh gingen die in allen Bereichen überlegenen Bayern durch Kingsley Coman mit 1:0 in Führung, was auch das einzige Tor in der ersten Spielhälfte bleiben sollte. 

Nach der Pause reagierte Hütter auf den Rückstand, indem er Sébastian Haller einwechselte. Dieser konnte in der 50. Spielminute tatsächlich auch den Ausgleich markieren. Die überschwängliche Freude über diesen Treffer sollte aber ganze drei Minuten später schon wieder ein Ende finden, als David Alaba die Bayern erneut in Führung brachte. 

Ab diesem Moment war der Rekordmeister nicht mehr zu stoppen, legte jeweils in der 58., 72., und 78. Minute noch einen Treffer nach. 

So höflich wie die Eintracht den Hausherren gegenübertrat, gewährte sie Ribéry und Robben in ihrem Abschiedsspiel sogar jeweils ein Törchen. Einzig der trotz fünf Gegentoren starke Kevin Trapp verhinderte eine Niederlage noch höheren Ausmaßes. 

That’s what neighbours are for

An diesem Nachmittag war für die Adlerträger in München rein gar nichts zu holen. Während man dieses Spiel also über sich ergehen ließ, stellte man als Eintracht-Fan auch noch ernüchtert fest, dass die Konkurrenz nicht unbedingt vorhatte, aus Anerkennung für die rauschende Saison der Frankfurter, diesen auch den Europa League Platz zu gewähren.

Alle direkten Konkurrenten gingen früher oder später in Führung und holten sich ihre Siege. Allen voran der VfL Wolfsburg, der mit dem FC Augsburg einen Gegner zu Gast hatte, der offensichtlich nicht übermäßige Motivation an den Tag legte und dementsprechend ein 8:1 für die Wölfe zustande kam. 

Auch die TSG Hoffenheim führte zwischenzeitlich mit 2:0. Zur großen Enttäuschung aller Frankfurter, rutschte die SGE dadurch doch auf den so gefürchteten 8. Tabellenplatz, der bis auf Schulterklopfen für diese „trotzdem so großartige Saison“ letztendlich nichts mit sich bringt. Doch während die Eintracht in der 66. Minute bereits mit 3:1 zurück lag, pirschte sich Mainz 05 mit einem Elfmetertor wieder an die Hoffenheimer heran. 

Pure Extase dann in der 75. Minute, als die Adlerfans die Nachricht erreichte, dass Boëtius für die Mainzer ausgeglichen hatte – und nicht nur für die Mainzer. Sollten die 05er einen Hoffenheimer Sieg verhindern können, würde die Eintracht zwar dennoch fallen, aber immerhin einigermaßen weich auf Platz 7 landen, der zumindest eine Teilnahme an der Qualifikation zur Europa League bedeuten würde. 

Doch auch dieser Freudentaumel hielt ähnlich kurz wie der beim zwischenzeitlichen 1:1 der Eintracht in München, denn nach einer Überprüfung des Videoschiedsrichters wurde der Mainzer Ausgleichstreffer letztendlich doch nicht gegeben. 

Nun also immer noch Platz 8 für die Eintracht und hängende Köpfe bei den Fans. Zumindest hingen die Köpfe bis zur 83. Minute, denn dann sollte Boëtius doch noch sein Tor schießen. Plötzlich stand es 2:2 in Mainz und der Funke Hoffnung glühte wieder in den Frankfurter Fanherzen. 

Ein Feuer entfachte dann, als die Mainzer in Person von Boëtius und Mateta noch zwei weitere Male trafen und der Endstand von 4:2 besiegelt war. 

Mainz drehte einen 2:0 Rückstand gegen Hoffenheim und sicherte der Frankfurter Eintracht den 7. Platz. Ausgerechnet der nicht allzu geliebte Nachbar vom Rhein für den es selbst um überhaupt gar nichts mehr ging, rettete den Adlern ihren Saisonabschluss. 

Auch wenn die meisten Frankfurter für den anstrengenden Nachbarn, der viel zu oft merkwürdig verkleidet Konfetti durch die Luft wirft und einen Clown bei sich wohnen lässt, nicht viel übrig haben, werden sie ihm an diesem Nachmittag sehr dankbar für seinen couragierten Auftritt gegen die TSG Hoffenheim sein, scheint es doch nicht selbstverständlich zu sein noch einmal alles zu geben, obwohl die eigene Saison bereits gelaufen ist (leicht vorwurfsvolle Blicke gleiten über die Puppenkiste im Keller). 

Ob Rom, Mailand oder London, Klaksvík, Gdańsk oder Plowdiw…

…ob mit Bus oder Bahn oder Flugzeug scheißegal, Eintracht Frankfurt international! 

Nun steht also die endgültige Platzierung der Saison 2018/2019 fest. Die Adler landen nach zwischenzeitlichen Höhenflügen in königliche Sphären auf einem wackligen Ast. 

So wie der letzte Spieltag lief, überwog am späten Samstagnachmittag die Freude über den 7. Platz. Ausgelassen, wie man sie in dieser Saison kennt, feierten die Eintracht-Fans ihre Mannschaft und den Tabellenplatz. In der Allianz Arena hätte man meinen können, dass statt den Münchnern die Frankfurter etwas Großes erreicht haben. 

Und das haben sie tatsächlich auch. Bedenkt man, wo dieser Club herkommt, wo ihn viele vor der Saison gesehen haben und welche Möglichkeiten ihm offenstehen, ist Platz 7 in der Bundesliga und nicht zu vergessen das Erreichen des Europa League Halbfinales, in dem man erst im Elfmeterschießen knapp am FC Chelsea (immer noch ein unfassbarer Gegner in einem Pflichtspiel für die Eintracht!) scheiterte, ein sehr gutes Ergebnis, das honoriert werden sollte. 

Die Teilnahme an internationalen Wettbewerben ist alles andere als selbstverständlich für Eintracht Frankfurt und dass die Möglichkeit besteht, zweimal in Folge in der Europa League zu spielen, ist ein riesiger Fortschritt für diesen Verein, der vor drei Jahren noch in die Relegation musste. 

Dennoch ist der 7. Platz in Anbetracht dessen, dass die Frankfurter lange Zeit auf einem Champions League Platz standen, auch ein kleiner Wermutstropfen. Natürlich hätte man sich zumindest die direkte Europa League Qualifikation nicht mehr nehmen lassen dürfen, sich belohnen sollen für diese außerordentlich gute Saison. Aber so kam es nun mal nicht, denn die Saison war nicht nur wunderschön, sondern auch lang. Sehr lang. So lang, dass der Kader nicht breit genug war, um die herausragenden Leistungen bis zum bitteren Ende zu erbringen. Somit muss man, auch wenn größeres zum Greifen nah war, auch anerkennen, dass es eben nicht für die ganz großen Ziele gereicht hat und umso dankbarer sein, dass einem mit den nun anstehenden Qualifikationsspielen eine große Chance bleibt. 

Dass diese Chance, die für die begeisterungsfähigen Fans immerhin noch mehr europäische Reisen bedeutet, natürlich auch mehr oder weniger große Schwierigkeiten mit sich bringt, sollte jedem bewusst sein. Der Verein muss sich nun auf eine zusätzliche Belastung einstellen. Eine normale Vorbereitung wird nicht möglich sein. Die gewöhnlichen Testspiele weichen Qualifikationsspielen, welche bereits im Juli beginnen. Die Sommerpause wird also kurz ausfallen, muss man doch ausreichend früh mit der Vorbereitung auf die neue Saison beginnen ohne die Qualifikationsrunden außer Acht zu lassen. 

Und auch die Kaderplanung gestaltet sich alles andere als einfach. Plant man nun mit einer Dreifachbelastung, sprich Liga, nationaler und internationaler Pokal? Jedenfalls muss man, wenn man schon die Qualifikation antritt, damit rechnen, diese auch zu bestehen. Das ist selbstverständlich auch das Ziel. Sollte man dieses erreichen, ist ein breiterer Kader, qualitativ sowie quantitativ, unabdingbar, besonders wenn man die möglichen Abgänge diesjähriger Leistungsträger bedenkt, die, in welchem Ausmaß auch immer, vermutlich nicht ganz zu verhindern sein werden. 

Von prallen Kassen…

Und das, obwohl die Eintracht de facto nicht zwingend auf Erlöse aus Spielerverkäufen angewiesen ist, so Vorstand Axel Hellmann. Die Eintracht habe einen Rekordumsatz zu verzeichnen. Infos des hessischen Rundfunks zufolge liegt der Umsatz bei mindestens 170 Millionen Euro (75 Mio. mehr als in der vorherigen Saison), der sich aus 30-40 Millionen durch den Europapokal und ca. 140 Millionen aus der Bundesliga zusammensetzt. 

Trotzdem wird die Eintracht an ihrem Kader basteln und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch den ein oder anderen Leistungsträger ziehen lassen müssen. 

Als Fan legt man sein Vertrauen nun also in die Hände der Kaderplaner. In diesem Zusammenhang gibt es eine erfreuliche Nachricht: Medienberichten zufolge bleibt Chefscout Ben Manga den Frankfurtern erhalten. 

Dies ist immens wichtig, hat Manga doch wiederholt ein gutes Händchen für Talente bewiesen, die bei der Eintracht eingeschlagen haben. 

…und guten Herzen

Für die Jungs der Frankfurter Eintracht geht es nun also statt Baku nach China, um mit einer PR-Reise diese Saison, die uns so viele unvergessliche Momente beschert hat, zum Ausklang zu bringen. 

Und auch die Fans verabschieden sich in die kurze Sommerpause, die sie sich nach dem unfassbaren Support auch redlich verdient haben. Doch eine tolle Aktion haben sie noch in petto: Es wurde dazu aufgerufen die bereits vorsorglich gekauften Tickets für das Europa League Finale in Baku an aserbaidschanische Kinder zu spenden, um ihnen ein unvergessliches Erlebnis ermöglichen zu können. Ob die UEFA diese unterstützenswerte Idee als ebendiese anerkennt oder dem ganzen einen Riegel vorschieben möchte, ist allerdings noch nicht geklärt. 

Andrea Pirlo – Geburtstagssynphonie für den Maestro

Von Patricia Seiwert

Vor 25 Jahren begann Andrea Pirlo seine Profikarriere in der Lombardei bei Brescia. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch nicht geboren, kam mit meinen italienischen Wurzeln jedoch letztendlich nicht um diese Legende des italienischen Fußballs herum – zum Glück! 

Denn Andrea Pirlo hat eine beeindruckende Profikarriere hingelegt, die bis auf einen kurzen Abstecher nach New York am Ende seiner aktiven Laufbahn ausschließlich in Italien stattfand. Von Brescia über Mailand, sowohl bei Inter als auch beim AC, ging es zum italienischen Rekordmeister Juventus Turin. 

Und in all seinen Stationen überzeugte Pirlo mit seinen brillanten technischen Fähigkeiten. Ein Meister am Ball, der mit seiner wunderbaren Spielübersicht stets das Auge für seine Mitspieler hatte, die er mit gezielten Pässen exzellent in Szene setzte. 

Aber nicht nur im Köpfchen hat es der Italiener, auch seine Schussstärke enttäuschte selten. Als wäre all dies noch nicht genug, verfügte er über die nötige Präzision am Ball, weshalb Gegner seine Freistöße und Eckstöße zu fürchten lernten. 

Sein Talent, das Spiel so hervorragend aufzubauen und zu dirigieren, brachte ihm die Spitznamen „Maestro“ und „l’architetto“ (deutsch: der Architekt) ein. 


Sein fußballerisches Können weckte natürlich nicht ausschließlich in Italien Begehrlichkeiten, jedoch scheiterte Real Madrid bei der Verpflichtung des italienischen Ballzauberers am AC Milan. Die Rossoneri waren von Pirlos Fähigkeiten wohl dermaßen überzeugt, dass ihm angeboten wurde, seine Gehaltshöhe selbst zu wählen – das allein sagt schon viel über das hohe Ansehen aus, das Andrea Pirlo genoss. 

Natürlich durchlief dieser Ausnahmespieler alle Jugendmannschaften der italienischen Nationalmannschaft, bevor er 2002 in die A-Nationalmannschaft berufen wurde. 

Dort fiel mir Andrea Pirlo, der bei den Azzurri selbstverständlich schnell zu einem der Leistungsträger wurde, zum ersten Mal richtig ins Auge. Einen seiner größten Erfolge, wenn nicht sogar den größten, feierte der Italiener ebenda. Vier Jahre nach seinem Nationalelfdebüt, durfte er am 9. Juli 2006 den WM-Pokal in den Berliner Himmel recken. 

Verfolgte ich mit meinen 10 Jahren das Halbfinale gegen Deutschland noch mit einem lachenden und einem weinenden Auge, strahlten beide Kinderaugen an jenem 9. Juli als die Squadra Azzurra Frankreich im Finale besiegte. Mittendrin Andrea Pirlo, der Spielgestalter, der Architekt. 

Mittlerweile genießt der Italiener stilsicher wie eh und je seine wohlverdiente Fußballrente, unter anderem mit frischer Limonade auf Capri. 

Es sei dir gegönnt, Maestro. Tanti auguri! Alles Gute! 

Diese Woche … bei Eintracht Frankfurt, KW 20

Von Patricia Seiwert

Frankfurt kann alles, aber nicht normal 

Die Saison neigt sich dem Ende zu und mit ihr sich auch die Kräfte – nicht nur bei den Spielern, sondern auch bei den Fans. In der letzten Woche stand für die Eintracht das alles entscheidende Rückspiel im Halbfinale der Europa League an, sowie das vorletzte Bundesligaspiel gegen Mainz 05, in dem ein Unentschieden reichen würde, um Platz 6 und somit die direkte Europa League Qualifikation zu erreichen. 

Mit ein paar Tagen Abstand möchte ich noch einmal auf die eindrucksreiche vergangene Woche zurückblicken. 

Ein Drama in drei Akten im englischen Theater

In der bisherigen Europa League Saison jagte ein Highlight das nächste: große Namen als Gegner, noch größere Choreos im heimischen Stadtwald und Pilgerfahrten quer durch Europa, mitunter in namhafte Stadien. 

Doch der absolute Höhepunkt sollte am vergangenen Donnerstag folgen. Die Chance auf das Finale in Baku war zum Greifen nah. Der große Traum lebte und sollte in London an der Stamford Bridge gegen eine Mannschaft auf Champions League Niveau endlich Realität werden. 

Trotz des klischeehaften regnerischen Wetters machten sich tausende Adler auf den Weg auf die Insel. Bereits Stunden vor dem Anpfiff schallten Frankfurter Fangesänge durch die britische Hauptstadt und ließen nur erahnen, was im Stadion auf die Mannschaft wartete. 

Schon die Anfahrt des Teams zur Spielstätte war alles andere als normal. Die Fans stimmten die Jungs im Bus schon einmal auf den großen Abend ein. 

Die äußeren Umstände waren also bereits groß und ließen auf einen gefühlsträchtigen Abend hoffen. Was jedoch folgte, sprengte jeden emotionalen Rahmen. Die Partie war ein Drama in drei Akten, das mit stehenden Ovationen enden sollte. 

Der erste Akt erstreckte sich über 90 Minuten plus ein paar Minuten Nachspielzeit. Alles war angerichtet für einen Abend, der seinen dramaturgischen Bogen deutlich überspannte. 

Trotz Auswärtsspiel klangen die Frankfurter Fangesänge durch das Londoner Stadion, das abgesehen vom Gästeblock gespickt war von Sponsorenfähnchen und großen Teilen eines Operettenpublikums. Darunter gemischt einige Hessen, die sich erst nach Abpfiff im sich leerenden Stadion zu erkennen geben konnten, denn Gästefans waren im neutralen Bereich offiziell nicht erlaubt. 

Die Partie lief und die Eintracht lief auch heiß. Dass das 1:0 für Chelsea in der 28. Minute durch den schon im Hinspiel überragenden Loftus-Cheek fiel, war kaum ein Dämpfer, denn die Ausgangssituation änderte sich dadurch nicht wirklich. Die Frankfurter mussten hier treffen, mindestens einmal, um sich in die Verlängerung zu retten. Und genau das taten sie auch. Nach einer ersten Halbzeit, in der die Blues das Spiel wie erwartet dominierten, kam die Eintracht angestachelt aus der Kabine zurück aufs Feld. Keine fünf Minuten dauerte es, ehe Luka Jovic in der 49. Spielminute den Ausgleich markierte. Dies war die logische Konsequenz, dachte sich auch Ante Rebic, der noch zu jubeln begann, bevor sein Teamkollege den Ball überhaupt im Tor untergebracht hatte. 

Spätestens jetzt war richtig Feuer in der Partie. Die Adlerträger kämpften und kämpften und kämpften. Besonders die Defensive leistete ganze Arbeit, sodass ein Giroud quasi gänzlich verschwand und auch Topstar Hazard kaum zum Zuge kam. 

Man kann sogar behaupten, dass die Eintracht in der zweiten Hälfte das bessere Team war, denn vom dominierenden FC Chelsea war nicht mehr viel übrig. Die Adler hielten die Konzentration hoch. So hoch, dass der Spielstand nach 90 Minuten tatsächlich immer noch 1:1 lautete. 

Dieses Ergebnis läutete den zweiten Akt ein: die Verlängerung. Mittlerweile war die Anspannung ins Unermessliche gestiegen. Die Frankfurter Eintracht steht im Halbfinale der Europa League gegen den FC Chelsea auf dem Platz, begegnet diesem Topteam auf Augenhöhe und hat in der nächsten halben Stunde die Möglichkeit, das Finalticket nach Baku zu lösen. 

Es war bis hierhin ein Spiel, dem es an nichts mangelte, erst recht nicht an Spannung. 

Und beinahe, ja beinahe wäre es in der Verlängerung passiert: Haller, der nach seiner Verletzungspause endlich zurückkehrte und in dieses Halbfinale eingewechselt wurde, hatte das 2:1 auf dem Fuß. Leider aber nicht genau genug, denn er traf den Ball nicht richtig sodass ihn David Luiz in letzter Sekunde von der Linie kratzen konnte. 

Zweimal hätte Haller es fast geschafft, die Eintracht ins Finale zu schießen. Es war zum Haare raufen, zumal ich mich so weit aus dem Fenster lehne und behaupte, dass ein Tor zu diesem Zeitpunkt den Sieg bedeutet hätte. Aber so sollte es nicht kommen. 

Tatsächliche folgte der dritte Akt. Der Abend fand seinen kaum auszuhaltenden dramaturgischen Höhepunkt im so undankbaren Elfmeterschießen. Nach 120 Minuten Kampf und völliger Hingabe sollte der Einzug ins Finale nun auf diese Weise entschieden werden. Der emotionale Ausnahmezustand, der sich über das ganze Spiel hinweg stetig aufbaute, gipfelte nun in diesem Moment. 

Kaum ein Fußballfan konnte in dieser Phase der Partie ruhig zuschauen und diejenigen, die es mit der Eintracht halten sowieso nicht. Ob im Stadion auf den Rängen mit der Hand vor den Augen oder dem Rücken zum Spielfeld, im Pub mit einem Bier halb unter dem Tresen zusammengekauert oder zuhause auf der Couch, die Hände fest in das nächstbeste Kissen gekrallt – keiner wusste, wie er in dieser Situation seinen an Grenzen stoßenden Gemütszustand auch nur halbwegs in den Griff kriegen sollte. 

So langsam sich diese unerträgliche Anspannung über die ganze Woche vor dem Spiel und während den letzten 120 Minuten aufbaute, so abrupt löste sie sich, als letztendlich Hazard nach verschossenen Elfmetern von Hinteregger und Paciência traf und somit alles klar machte. 

Ganz plötzlich war die diesjährige Europa League Teilnahme zu Ende und mit ihr all die Anspannung. In diesem Moment als Hazard traf, fiel all der Ballast ab – bei dem einen in Form von Tränen, bei dem anderen in einem kurzen Moment des Schmerzes oder der Leere, aber bei allen, bei der Mannschaft, beim Trainerteam, beim Team hinter dem Team, bei den Fans, überwog am Ende vor allem der Stolz und das Glück. Stolz auf diese so außergewöhnliche Saison, auf diese verrückte Reise durch Europa, auf all diese magischen Nächte im heimischen Stadion und auf diesen unvergleichbaren Zusammenhalt im ganzen Verein. Pures Glück, das alles erleben zu dürfen. 

Und wie wunderbar die Fans die enttäuschte Mannschaft, die nach Spielende kollektiv auf den Boden sank, im Stadion, dass die Frankfurter wenige Minuten nach Spielende für sich alleine hatten, wiederaufbaute, ließ einen sprachlos zurück. Das Bild des Abends steht für das, was Eintracht Frankfurt für uns alle ist. Der tragische Held des Abends, Martin Hinteregger, der nach 120 perfekten Minuten im entscheidenden Elfmeterschießen nicht das nötige Glück hatte, im Arm eines Ultras. Dieses Bild spricht mehr als tausend Worte. 

Die launische Diva und ihr Problem mit Matchbällen

Der Traum vom Europa League Titel bleibt also vorerst ein Traum, immerhin aber einer aus dem man mit einem wohligen Gefühl und einem Lächeln im Gesicht aufwacht. 

Um jedoch schnellstmöglich die Chance zu bekommen, diesen Traum in Zukunft doch noch zu erfüllen, musste bereits drei Tage nach dem emotionsgeladenen Abend in London zumindest ein Unentschieden im letzten Heimspiel der Saison gegen die Nachbarn aus Mainz her. 

Doch nicht umsonst ist die Eintracht auch unter dem Namen „launische Diva“ bekannt. Die letzten Wochen haben die Adler diesem Namen alle Ehre gemacht: lethargische Partien in der Bundesliga, glanzvolle Auftritte in Europa und zuletzt eine schmerzhafte 6:1 Niederlage gegen Leverkusen auf die eine Partie folgte, in der man mit Chelsea auf Augenhöhe agierte. 

Gegen Mainz 05, für die es in diesem Spiel um nichts mehr ging, die aber große Lust auf einen Sieg mitgebracht hatten, blitzte immer wieder der Wille durch, zuhause Europa einzutüten bevor es zum Saisonabschluss zum FC Bayern geht. Dennoch reichte der Wille alleine nicht aus, um die körperliche Erschöpfung nach 120+ Minuten in London wettzumachen. Erst recht, weil der einzige Personalwechsel Fernandes für den seit London verletzten Rode (Knorpelschaden) darstellte. 

Einige gute Aktionen präsentierten die Adlerträger, wie beispielweise Filip Kostic der nach einem Ballgewinn am Boden nach einem klasse Sprint mit unmenschlichen Reflexen aufsprang, dem Ball hinterherhechtete um dann noch seinen Körper gegen seinen Gegenspieler zu stemmen und letztendlich Ante Rebic mit dem perfekten Pass zu bedienen, der diesen schlussendlich leider deutlich über das Tor beförderte.

Doch dies reichte am Ende nicht gegen frische, befreit aufspielende Mainzer. In der zweiten Halbzeit machten die Gäste in Person von Anthony Ujah mit zwei Treffern den Sack zu. 

Alle Adleraugen auf das Saisonfinale richten

Erneute Leere machte sich breit, hatte man doch zum wiederholten Male die große Chance verspielt, die erneute Europa League Teilnahme klarzumachen. Doch was nun? Aufgeben ist sicherlich keine Option. Die Fans leisteten nach dem Spiel abermals Aufbauarbeit. 

Richtig so, denn obwohl der nächste Gegner FC Bayern München heißt, ist noch lange nichts verloren. Realistisch gesehen ist der Rekordmeister der Eintracht zwar nominell sowie formtechnisch überlegen. Denkt man aber ans Vorjahr zurück, weiß man auch, dass dies zunächst nichts zu heißen hat. Jedem Eintracht-Fan schweben die Bilder vom Pokalfinale noch im Kopf herum als sei es gestern gewesen. Wieso eigentlich sollte sich ähnliches nicht wiederholen? Zumal die Eintracht in dieser Saison eindrucksvoll bewiesen hat, dass sie es mit den ganz Großen aufnehmen kann – sogar nach Rückschlägen und mit einer langen Saison in den Beinen. 

Nach wie vor reicht den Hessen für den 6. Platz, der dieser glorreichen Saison ein würdiges Ende verpassen würde, ein Unentschieden gegen die Münchner, die mit ebendiesem Ergebnis auch den Meistertitel verteidigen könnten. 

Sogar die Champions League ist theoretisch noch drin, jedoch hat die Eintracht dies nicht in eigener Hand. Um Platz 4 zu erreichen, müssten bei einem Frankfurter Sieg, der die Grundvoraussetzung ist, gleichzeitig Gladbach und Leverkusen Punkte liegen lassen. 

Das Worst-Case-Szenario träte ein, wenn die Frankfurter keinen Punkt aus München mitnehmen könnten und zeitgleich die Konkurrenz in Form von Wolfsburg und Hoffenheim siegen würde. Dies würde Platz 8 für die Adler bedeuten. Siegt nur eine der beiden Mannschaften bei Niederlage der Eintracht, bliebe der undankbare 7. Platz, bei dem in der Vorbereitung auf die neue Saison Qualifikationsspiele für Europa anstehen würden. 

Aber genug von den möglichen Szenarien, der Blick muss nach vorne gerichtet werden. Das Saisonfinale naht und ein letztes Mal wird gefordert, alles zu geben für das gemeinsame Ziel, bevor sowohl für die Mannschaft als auch für die Fans ein Sommer der körperlichen und mentalen Regeneration in Aussicht steht. Richtig gelesen, auch die Anhängerschaft muss körperlich regenerieren, denn besonders das Fan-Herz wurde in den vergangenen turbulenten Monaten übermäßig belastet und auch die Leber des ein oder anderen braucht sicherlich mal eine Verschnaufpause, gab es doch genug Gründe zum Anstoßen. 

Doch wenn man sich noch einmal die vielen Eindrücke dieser großartigen Saison vor Augen führt und Spieler in den Armen von Fans sieht, sowohl im Sieg als auch in der Niederlage, dann weiß man, wofür man sich all das immer wieder aufs Neue antut. Es sind nicht nur Siege für die wir den Fußball und unseren Verein so sehr lieben, es sind diese besonderen Momente. 

Und vielleicht, ganz vielleicht, dürfen wir am letzten Spieltag noch einmal einen solchen erleben. 

Diese Woche … bei Eintracht Frankfurt, KW 19

Von Patricia Seiwert

Wechselbad der Gefühle statt Entspannungsbad im Erfolg

Bei der Einschätzung der letzten Woche läuft man Gefahr, sich zu wiederholen, denn auch diese englische Woche verlangte einem einen emotionalen Spagat ab. 

Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen, welches ich hier zwecks eines positiveren Stimmungsverlaufs des Beitrags lieber gleich am Anfang behandeln möchte, stellte Trainer Adi Hütter fest, dass das Europa League Spiel gegen Chelsea zwar einige Blessuren hinterlassen hat, aber eine Mannschaft, die „gegen Chelsea so mithalten kann, kann auch gegen Bayer etwas holen“. 

Außer Aspirin nichts zu holen in Leverkusen 

Leider lag Hütter mit seiner Einschätzung zum ersten Mal in dieser Saison so richtig daneben, genau wie mit der Aufstellung. Es war die defensivste Aufstellung, an die ich mich in dieser Saison erinnern kann. Es standen letztendlich acht gelernte Defensivkräfte plus Torwart Kevin Trapp auf dem Platz. Rebic und Kostic waren hierbei die einzigen Spieler, die von Grund auf offensiv eingestellt sind. Im Vergleich zum Spiel gegen Chelsea kehrte der am Donnerstag noch gesperrte Ante Rebic zurück in die Startelf, wohingegen Luka Jovic eine Pause bekommen sollte. Auch Simon Falette nahm auf der Bank Platz, für ihn durfte Evan N’Dicka starten. Zudem sollten Mijat Gacinovic und Sebastian Rode pausieren, während Jetro Willems und Almamy Touré von Beginn an spielten. 

Gegen offensivstarke Leverkusener ist ein defensiver Ansatz zunächst keine abwegige Überlegung, zumal nach dem Spiel gegen Chelsea der ein oder andere sicher noch nicht ganz fit war und man mit dem Personal arbeiten musste, welches sich voll und ganz dienstbereit meldete. 

Leider wusste aber niemand, zu keinem Zeitpunkt, wo er zu stehen hatte, sodass keine Ordnung in der Abwehr herrschte und an gute Offensivaktionen sowieso nicht zu denken war, rannte man doch überwiegend hilflos der Werkself hinterher, die zu allem Übel auch noch einen absoluten Sahnetag erwischte. Beim sehr frühen 1:0 für die Gastgeber ließ die Raumaufteilung zu wünschen übrig und Jetro Willems, der ohnehin eine dürftige Leistung ablieferte, stand viel zu weit weg vom Torschützen Havertz. Nach 13 Minuten führte Bayer Leverkusen folgerichtig bereits mit 2:0. Kostic hämmerte nach Wiederanpfiff zwar mit gewohnter Wucht den Ball erst gegen Tah, dem keine andere Wahl blieb als den Ball zum 2:1 ins Tor abzufälschen, doch das sollte auch das letzte Lebenszeichen der Frankfurter sein. Bereits in der 36. Minute besiegelte Martin Hinteregger bezeichnenderweise mit einem Eigentor den späteren 6:1 Endstand bevor Hütter im direkten Anschluss zwei Wechsel vornahm: Gacinovic kam für Willems und Jovic für N’Dicka. 


Man hätte sich gewünscht, Hütter hätte früher reagiert. Nicht, dass es spielerisch nach den Wechseln plötzlich super lief, aber immerhin spielte man ab diesem Zeitpunkt ein solides 0:0, was vor dem Spiel sicherlich mit Blick auf die Tabelle und die kommenden Spiele jeder gerne genommen hätte. Eventuell hätte man sich mit früheren Auswechslungen ein paar Gegentore ersparen können, die das zuvor gute Torverhältnis deutlich ankratzten. 

Endergebnis 6:1, Torschüsse 17 zu 6, Ballbesitz 82% zu 18% und eine Zweikampfquote von 41% bei der Eintracht sind die ernüchternden Spieldaten dieser Begegnung. Mehr muss hierzu auch nicht mehr gesagt werden. 

Positiv war an dieser Begegnung nur, dass Kevin Trapp trotz sechs Gegentreffern Schlimmeres (soweit das möglich ist) verhinderte und die Eintracht mit Timothy Chandler in der 74. Minute einen langersehnten Rückkehrer begrüßen durfte. 

Der zuvor langzeitverletzte Rechtsverteidiger ersetzte Danny da Costa, für den an Pausen bisher in dieser Saison kaum zu denken war. 

Der Blick geht nach vorne

Nun kommt also dem letzten Heimspiel der Saison gegen Mainz 05 eine noch höhere Wichtigkeit zu, zumal es am letzten Spieltag gegen den Meisteranwärter aus München wohl kaum angenehmer wird. Der Heimsieg ist ein Muss, da gibt es nichts zu beschönigen. Mit Leverkusen, Mönchengladbach, Wolfsburg und Hoffenheim drücken, vielleicht mit Ausnahme der Borussia, allesamt Mannschaften von hinten, die ein vermeintlich leichteres Restprogramm vor sich haben und sich in einer besseren Form befinden. 

Das von vielen letzte Woche errechnete Ziel von 4 aus 9 Punkten ist immer noch möglich, auch wenn es eine schwere Aufgabe darstellt. Ein weiteres Spiel, das den Ausschlag geben kann, darf aber nicht aus der Hand gegeben werden. Vor heimischer Kulisse gibt es gegen Mainz 05 also keine Ausflüchte. Auch nicht die Müdigkeit durch die Europa League Partien…

Apropos Europa League: Die Fehler aus dem Spiel gegen Leverkusen müssen schnellstmöglich behoben und verarbeitet werden, denn Zeit um den Kopf hängen zu lassen, gibt es nicht. Schon am Donnerstag steht das nächste Spiel auf internationaler Bühne gegen die Blues aus London an. 

Das Mutterland des Fußballs zu Gast im Herzen von Europa 

Im Frankfurter Stadtwald erkämpften sich die Adlerträger mit einem 1:1 eine zufriedenstellende Ausgangslage für das Rückspiel in London. 

An diesem Abend gab es für alle Seiten einiges zu bestaunen. Die Frankfurter Anhänger konnten sich nicht satt sehen an der Geschmeidigkeit und Einfachheit mit welcher die Londoner Jungs den Ball durch die eigenen Reihen laufen ließen. Manch eine Fanstimme ließ nach dem Spiel sogar verlauten, dass diese Mannschaft die fußballerisch beste war, die sie je im heimischen Stadion begutachten durfte. 

Aber auch die Anhänger von Chelsea staunten nicht schlecht über den durchgehend ohrenbetäubenden Support der ganzen Arena. Applaus gab es sogar für die Choreo, die mal wieder alles bisherige toppte, obwohl man glaubte, dass dies nicht möglich sei. 

 

Über weite Strecken des Spiels zeigte sich Chelsea wie erwartet dominant. Trotz dessen, dass Topstar Eden Hazard zunächst auf der Bank Platz nahm und später in der Partie keine tragende Rolle spielte, stand eine Weltauswahl auf dem Platz. Aber die Eintracht präsentierte sich besonders in der Anfangsphase des Spiels mindestens auf Augenhöhe. Dies gipfelte in der 23. Minute dann im Treffer von Luka Jovic. Die Eintracht ging gegen Chelsea vor heimischer Kulisse in Führung. Was das für die Lautstärke im Stadion bedeutete, muss ich sicherlich nicht erklären. 

Doch nun begann Chelsea Druck zu machen – und was für einen. Die Frankfurter kamen kaum noch aus der eigenen Hälfte heraus, stemmten sich mit allem was sie hatten gegen die anlaufenden Blues. Es folgte eine Ecke nach der anderen und letztendlich fiel kurz vor dem Pausenpfiff durch unglückliche Abwehraktionen, zugegebenermaßen aber verdient, der Ausgleich durch Pedro. 


Die zweite Halbzeit war dann fest in Londoner Hand und trotzdem gelang es den Gästen nicht, die Führung zu erzielen. Als man dachte, die Eintracht sei nun endgültig müde gespielt und erschöpft durch das viele Verteidigen gegen drückende Engländer, mobilisierten die Adler doch noch die letzten Kräfte und wagten sich in der Schlussphase des Spiels noch einmal in die Offensive. Zwei große Chancen konnte man sich dabei herausspielen. Einmal fehlten dem eingewechselten Gonçalo Paciência ein paar Fußlängen um die Flanke vom an diesem Abend sehr starken Danny da Costa zu erreichen und beim anderen Mal köpfte David Abraham die Ecke von Sebastian Rode über das Tor. 

So blieb es beim 1:1 mit dem man durchaus zufrieden sein kann und muss. Hätte jemand vor dem Spiel dieses Ergebnis angeboten, hätte man dies ohne zu zögern so unterschrieben. Natürlich ist das Auswärtstor etwas ärgerlich, besonders da es hätte geklärt werden können und die Londoner es trotz Chancen im Überfluss nicht vermochten, noch einmal im Frankfurter Tor einzunetzen, jedoch muss man fairerweise auch festhalten, dass Chelsea spielerisch (wie erwartet bei solch einem Team) überlegen war, was sich auch in den Spieldaten niederschlägt. 

Zusammen bis zum hoffentlich nicht so bitteren Ende

In der Europa League läuft es also trotz Formschwäche in der Bundesliga weiterhin gut. Es bleibt zu hoffen, dass auch das zum vermutlich schlechtesten Zeitpunkt der Saison herrschende Tief im nationalen Wettbewerb rechtzeitig sein Ende findet, damit diese bisher so wunderbare Saison mit einem angemessenen Abschluss gekrönt werden kann – sei dies eine erneute Europa League Teilnahme oder sogar als Kirsche auf der Torte ein vierter Platz, der die Champions League sichern würde. 

Champions-League-reif ist ohne Zweifel das Frankfurter Publikum, denn trotz des Formtiefs in der Bundesliga, das zu herben Punktverlusten führte und in einer Klatsche in Leverkusen gipfelte, stärkten die Anhänger der Eintracht ihrer Mannschaft mit anhaltend starkem Support in Leverkusen unabhängig von Spielstand und Endergebnis den Rücken. 

Und dies ist auch der einzig richtige Weg, denn es bringt nichts, das Stadion frühzeitig zu verlassen, bei jedem Ballverlust und Gegentor mit unnötigen Pfiffen die dadurch ohnehin schon verunsicherten und erschöpften Spieler weiter runterzuziehen. Es ist wichtig, dass die Mannschaft merkt, dass ihre bisherigen Leistungen in der Saison honoriert werden und auch an schlechten Tagen hinter ihnen gestanden wird. Dieser Zusammenhalt ist, was Eintracht Frankfurt ausmacht und solange noch nichts verloren ist, gibt hier auch niemand auf. Es könnte knapper kaum sein, aber im Moment hält sich die Eintracht noch mit einer Adlerkralle am vierten Platz fest und hat damit alles noch in eigener Hand. Zusätzlich kann man mit einem Sieg an der Stamford Bridge (alternativ auch mit einem Unentschieden ab 2:2 aufwärts) das Finalticket nach Baku lösen. Und wenn das nicht genug Motivation für Spieler und Fans ist, dann weiß ich auch nicht weiter. 

Diese Woche … bei Eintracht Frankfurt, KW 18

Von Patricia Seiwert

Vermeintliche Müdigkeit und Rechenspielchen 

Eine etwas ruhigere Woche für die Frankfurter Eintracht stand an, zumindest was den Spielrhythmus betrifft. Denn nachdem die Adler in der Vorwoche fulminant gegen Benfica Lissabon das Halbfinalticket lösten und weniger fulminant einen Punkt in Wolfsburg eintüteten, lag der Fokus nun allein auf dem Bundesligaheimspiel gegen Hertha BSC. Mit einer vergleichsweise langen Regenerations- und Vorbereitungszeit sollten bei diesem Heimspiel möglichst drei Punkte im heißen Kampf um Europa gesichert werden. Zumal mit den Gästen aus der Hauptstadt eine Mannschaft anreiste, für die die Saison eigentlich schon abgehakt ist, was sich zuletzt auch im zu wünschen übrig lassenden Elan der Berliner widerspiegelte. 

Besuch aus der Hauptstadt

Obwohl die Eintracht in den letzten Bundesligapartien selbst ihre Leichtigkeit vermissen ließ, sollte vor heimischer Kulisse vor den beiden langen Europapokalwochen und dem Ligafinale in München gegen zuletzt lethargische Berliner ein Sieg her. 

Dieser ließ aber auf sich warten, ganze 90. Minuten inklusive Nachspielzeit. Mit anderen Worten: er kam nicht. Die Teams trennten sich 0:0, in einer Partie, auf die ich gar nicht allzu genau eingehen möchte, über die es aber auch nicht sonderlich viel zu berichten gibt. Der Eintracht fehlte es, wie schon in den Bundesligaspielen zuvor, an Leichtigkeit und Kreativität. Die Chancen, die herausgespielt wurden, wurden mit aller Konsequenz vergeben – besonders häufig in Person von Jonathan de Guzman, der drei Großchancen nicht auf’s Tor zu bringen vermochte. Aber auch Ante Rebic scheiterte mit einem schwer haltbaren Aufsetzer an den fast unmenschlichen Reflexen von Hertha-Keeper Jarstein. 


Der Rückhalt der Frankfurter Eintracht, Kevin Trapp, lieferte jedoch ebenfalls einige wichtige Glanzparaden ab und hielt somit zumindest den einen Punkt fest. Denn trotz 10-minütiger Überzahl gelang es den Adlerträgern nicht mehr, das Spiel gegen die Berliner, die mutiger als erwartet auftraten, zu ihren Gunsten zu entscheiden.

War der Sandmann schon da?

Woran hat es nun wieder gelegen? Immer wieder stolperte man die letzten Wochen über Spekulationen zu etwaigen Ermüdungserscheinungen der Eintracht, die nach dem grauen 0:0 gegen die Hertha natürlich alles andere als verstummten. Auch wenn Trainer Adi Hütter davon nichts wissen will, ist es in den Medien sowie unter den Fans ein großes Thema, das die Meinungen spaltet. 

Nun ist es nach einer solch kräftezehrenden Saison sicherlich nicht abwegig, dass der ein oder andere langsam schwere Beine bekommt und auch der Kopf nicht mehr ganz so frisch ist wie noch vor ein paar Monaten. Für die mentale Müdigkeit sprechen zumindest die sich häufenden Unkonzentriertheiten im Passspiel und vor dem Tor. Gegen körperliche Müdigkeit sprechen zu Teilen die Statistiken, in denen die Frankfurter Eintracht auch im Spiel gegen Hertha BSC in den wesentlichen Belangen stärker war. Dennoch haben die Werte im Vergleich zu vor ein paar Wochen nachgelassen. Aber auch ohne Angaben zur Laufleistung lässt sich mit bloßem Auge erkennen, dass den Spielern zunehmend die Frische fehlt, was sich unter anderem durch verminderte Reaktionsschnelligkeit zeigt. Und auch unsere unermüdlichen Dauerläufer Kostic und da Costa wirken langsam aber sicher etwas schlapp. 

Ist es nun die körperliche oder die mentale Müdigkeit? Oder liegt es an der Formschwäche einiger Spieler? Vermutlich spielen alle Faktoren zu Teilen mit rein. 

Frankfurt: 24-jähriger Franzose schmerzlich vermisst

Was sich aber mit Sicherheit sagen lässt, ist dass das Fehlen von Zielspieler Sébastian Haller einen großen Einfluss auf das Spiel der Eintracht hat. Der Franzose ist quasi ein Allrounder im Angriff. Neben seiner Torgefahr bringt er zahlreiche Attribute mit, die für die Eintracht nicht so leicht zu ersetzen sind. Beispielsweise ist er durch seine Größe und Körperlichkeit der perfekte Abnehmer für lange Bälle. Diese vermag er dann auch festzumachen und intelligent weiterzuverteilen. Der 24-jährige Stürmer verfügt über ein großes Spielverständnis und hat stets ein Auge für seine Mitspieler. Nicht umsonst ist er nach Filip Kostic (10) trotz Verletzungspause mit 9 Vorlagen der zweitbeste Frankfurter Vorlagengeber. Es ist nicht zu übersehen, dass besonders Luka Jovic auch von Haller profitierte, wirkt dieser doch in den letzten Wochen teilweise leicht verloren und büßt etwas an Torgefährlichkeit ein. Es fehlen momentan vor allem die Räume, die für das Angriffsspiel der Frankfurter elementar sind und diese wusste Haller gekonnt zu schaffen. 

Zurzeit befindet sich der Franzose in Österreich bei einem Spezialisten. Das Ziel ist es, den Heilungsprozess seiner Bauchmuskelverletzung ohne Operation vollenden zu können. 

Selbst wenn der österreichische Spezialist für verzwickte Verletzungen ein Wunderheiler wäre, ist es zumindest fraglich, ob Haller der Mannschaft so schnell wieder helfen kann, da man bedenken muss, dass er mittlerweile doch schon eine längere Zeit ausfällt und dadurch einen gewissen Trainingsrückstand zu bedauern hat. 

Aber als wöge der Ausfall Hallers nicht schwer genug, muss die Eintracht, zumindest mit Blick auf den nächsten Gegner Chelsea FC, auch noch auf Ante Rebic (Gelbsperre) und womöglich auf Mijat Gacinovic (muskuläre Probleme) verzichten. Dies ist insofern ärgerlich, als dass die Blues besonders bei frühem Pressing als fehleranfällig gelten. Mit Ante Rebic fehlt also ein Spieler, der für diese Aufgabe wie gemacht gewesen wäre. Bleibt zu hoffen, dass Gacinovic rechtzeitig fit wird, denn auch er kann mit seiner Schnelligkeit einiges bewirken und den Gegner früh anlaufen. 

Um bei all den Ausfällen aber auch etwas Positives vermelden zu können: Martin Hinteregger kehrte gegen Hertha BSC in die Startelf zurück und verstärkt nun wieder den Abwehrverbund. 

„Wenn wir hier drei Punkte holen und die dort nur einen…“

Nach der mageren Punkteausbeute gegen Hertha BSC mutierte so manch ein Eintracht-Anhänger zum Hobbymathematiker. Und wer mit der Mathematik auf Kriegsfuß steht, dem blieb der Tabellenrechner. Letzterer lief sicherlich heiß, musste er doch jedes noch so unwahrscheinliche aber theoretisch noch mögliche Szenario errechnen. Als höchstes aller Ziele wäre die Champions League zu nennen. Gleichermaßen kann man aber auch noch die Europa League Qualifikation verpassen.  

Die Befürchtungen, dass die Konkurrenz nun endgültig aufschließen kann, bestätigten sich zur allgemeinen Frankfurter Freude jedoch vorerst nicht. Borussia Mönchengladbach unterlag dem VfB Stuttgart mit 1:0 und Hoffenheim ging 4:1 in Wolfsburg unter. Auf beide Mannschaften machte die Eintracht somit mit ihrem Unentschieden gegen die Hertha einen Punkt gut. Besonders erfreulich aus Frankfurter Sicht: Durch die hohe Niederlage hat Hoffenheim nun ein schlechteres Torverhältnis als die Eintracht. Lediglich Leverkusen machte mit dem Sieg gegen Augsburg zwei Punkte auf die Adler gut. Hier hat es die Mannschaft nun selbst in der Hand. Am Sonntag steht nämlich das Auswärtsspiel gegen Bayer 04 an. Zugegebenermaßen unpraktisch gelegen zwischen den beiden Europa-League Partien gegen Chelsea, aber dennoch ist die Chance da, sich den Konkurrenten im direkten Duell vom Hals zu halten. 

Die letzte Konstante

Also immer noch alles drin in dieser Saison, im positiven sowie im negativen Sinne. Angesichts der anstrengenden Wochen mit schweren Gegnern geht so manch einem Fan ordentlich die Düse. Dazu kommen noch das schmerzliche Vermissen eines Sébastien Hallers und die Müdigkeit der Mannschaft als Elefant im Raum. Dass dies den ein oder anderen etwas bedrückt, ist nicht von der Hand zu weisen. 

Doch bei all den berechtigten Diskussionen um die aktuellen Leistungen in der Bundesliga, darf nicht vergessen werden, welch großartige Saison wir bis hierhin erleben durften – und diese ist noch nicht vorbei. Ganz im Gegenteil, alles ist immer noch möglich. 

Es scheint, als würden auf den letzten Metern alle Konstanten wegbrechen: Schlüsselspieler Haller komplett, die Dauerläufer da Costa und Kostic in Teilen ihrer Leistung. Aber der Schein trügt. Nicht alle Konstanten wanken momentan, denn eine, nicht zu unterschätzende Kraft bleibt stabil, wenn sie nicht sogar noch einmal richtig Fahrt aufnimmt. Die Rede ist von der Unterstützung der Fans, die auch beim weniger begeisternden 0:0 gegen Berlin voll da waren und hinter ihrer Mannschaft standen. 

Wie wichtig diese Komponente ist, haben wir alle über die ganze bisherige Saison miterleben dürfen. Und wieso eigentlich sollten diese Supporter nicht erneut das Team dazu beflügeln können trotz schwindenden Kräften noch einmal alles zu geben, in Europa, in der Bundesliga, bis zum Schluss? 

Der Glaube an den Erfolg sollte zu diesem Zeitpunkt bei jedem noch vorhanden sein, sowohl bei den Fans als auch bei der Mannschaft. Und wie man letzte Saison im DFB-Pokal sehen konnte, kann dieser in Kombination mit harter Arbeit Berge versetzen.