Diese Woche bei … ratiopharm Ulm, KW 39

Von Tobias Fenster

Der Überblick

Zweimal Ulm – Vechta (einmal Bundesliga, einmal BBL-Pokal), zweimal Sieg für Ulm: War es zum Saisonauftakt noch ein 84:62, folgte dann dann im Pokal ein 88:71, letzten Endes also zwei deutliche Siege für Ulm

Das Fazit bringt Michael Körner auf den Punkt, der im Sportradio360-Postgame mit Augenzwinkern sagt: “Ulm hat hier eine neue Ära eingeleitet, sie spielen jetzt Verteidigung”. Das ist sicher einerseits überspitzt, andererseits auch der gegnersichen Leistung geschuldet, es fällt aber natürlich schon auf, dass Ulm nur 62 bzw. 71 Punkte zulässt.

Die harten Fakten

Womit wir auch schon bei den harten Fakten sind: Ulm hält Vechta bei verheerenden 27,5% im ersten sowie unterdurchschnittlichen 40% Trefferquote im zweiten Spiel bei allen Feldwürfen und trifft dabei selbst 48,2% bzw. 55%. Da Basketball nach wie vor das Spiel ist – Achtung, Binsenweisheit – bei dem der gewinnt, der den Ball häufiger durch den Korb befördert, ist der Schlüssel zum Sieg schnell gefunden. Da hat es dann auch keine entscheidende Auswirkung, dass Vechta in den beiden Spielen zusammen 39 (!) Offensivrebounds holt und in Summe 18 mal mehr auf den Korb wirft. Für zukünftige Spiele werden die Ulmer aber einen Weg finden müssen, wie sie ihre Gegner hier etwas mehr einschränken, wobei “nur” 7 Offensivrebounds für Vechta in der zweiten Hälfte des zweiten Spiels zumindest zeigen, dass es besser gehen kann.

Ebenfalls beeindruckend ist die Ulmer Assist-Quote: In den beiden Spielen treffen sie zusammen 60 mal aus dem Feld, 50 mal davon unterstützt von einem Assist. Was auf dem Statistikbogen schon nach mannschaftsdienlichem Spiel und wenig 1-gegen-1-Zock aussieht, macht jedem Basbetball-Fan richtig Spaß und führte dann auch zu Standing Ovations:

Darüber war zu reden

Prägende Figur für diesen Stil ist der gerade mal 18-jährige Kilian Hayes, der seit dieser Saison als Starter auf der so wichtigen Pointguard-Position in Ulm Regie führt. Gerade in diesem Alter muss man beim Blick auf Karrierestatistiken natürlich sehr vorsichtig sein, aber dass der Wurf zumindest aktuell noch nicht seine Stärke ist, das ist sicher sofort erkennbar. Wie er es dennoch mit einer herausragenden Kombination aus Spielverständnis, Übersicht und Größe schafft, seinen Mitspielern immer wieder freie Würfe aufzulegen, ist enorm beeindruckend. Sicher auch begünstigt durch viele spielintelligente und abseits des Balls sehr aktive Teamkollegen, ist es ein wahre Freude, wie er es fast komplett ohne eigenen Wurf schafft, durch eigentlich simples Pick and Roll die ganze gegnerische Verteidigung unter Druck zu setzen. Nach 6 Assists in 26 Minuten im ersten Spiel legte er dann in gerade mal 9 Minuten im zweiten Spiel schon 5 Assists auf (bei nur einem Wurfversuch), ehe ihn eine wohl nicht dramatische Knöchelverletzung zum Aussetzen zwang. In NBA-Mock-Drafts bereits als sogenannter Lottery-Pick, also einer der besten Spieler des Jahrgangs gehandelt, darf man sich in Ulm und der BBL jetzt schon freuen, einen solchen Spieler sehen zu dürfen.

Unsere persönlichen Favoriten

Nicht minder groß dürfte die Freude über Zoran Dragic sein. Der 30-jährige, NBA- und EuroLeague-erfahrene Slowene, der schon an der Seite von Ulms neuem Trainer Jaka Lakovic spielte, überzeugt mit ganz viel Einsatz an beiden Enden des Feldes und einer Cleverness, die Andy Obst im Sportradio360-Postgame trocken beschreibt: “Der hat ‘ne ganz kalte Schnauze”. Das zeigt sich dann in 18 bzw. 16 Punkten und der zweithöchsten bzw. höchsten +/- Wertung. Exemplarisch gleich die erste Szene der Saison, als er einen eigentlich schon verlorenen Ball zurückerobert und Hayes zu einfachen Punkten verhilft, genauso wie ein And-1 mit ganz viel Willen bei engem Spielstand im ersten Spiel:^

Da ist es fast schon eine Randnotiz, darf aber in den Favoriten nicht fehlen, dass die Ulmer Legende Per Günther nach langer Verletzungspause sein Comeback feiert und andeutet, dass noch einiges im Tank ist. Brauchen wird Ulm das allemal, denn selbst ein Talent wie Hayes wird mit 18 noch nicht komplett stabil sein können und hinter ihm lieferte Tyler Harvey zwar im zweiten Spiel eine bessere Leistung als Backup-Pointguard ab, aber 10-15 gute Günther-Minuten würden dieser Mannschaft sehr gut zu Gesicht stehen.

Das steht an

Unter der Woche steht mit Virtus Bologna als Gegner im Eurocup ein echtes Highlight an: Nicht nur führt mit Milos Teodosic ein ehemaliger EuroLeague-MVP und NBA-Veteran das Team an, sondern mit Aleksandar Djordjevic steht auch ein aus der Bundesliga bekannter Spitzentrainer an der Seitenlinie. Wie sich hier das sehr junge Ulmer Team und sein Rookie-Coach schlagen, kann vielleicht ein erster Hinweis darauf sein, wie weit die Ulmer sich schon in der Bundesliga und auf europäischem Parkett nach vorn orientieren dürfen. Am Wochenende folgt dann in Braunschweig, die ebenfalls mit zwei Siegen (in Göttingen und in Ludwigsburg) in die Saison gestartet sind, das Wiedersehen mit dem ehemaligen Co-Trainer Pete Strobl.

Diese Woche … bei ratiopharm Ulm, KW 21

Von Tobias Fenster

Der Überblick

Noch mehr als in der regulären Saison gilt in den Playoffs, dass nur Ergebnisse zählen. Gut oder schlecht gespielt, volle Kapelle oder Rumpftruppe, Einsatz bis zum Umfallen oder eher lustlos über den Platz geschlendert, all das tritt in den Hintergrund, wenn es darum geht drei Siege aus fünf Spielen zu holen. Und da steht es in der Viertelfinal-Serie von ratiopharm Ulm (Hauptrunden-Sechster) gegen ALBA Berlin (Dritter) nach zwei deutlichen bis sehr deutlichen Siegen von Berlin (107:78 und 98:83) 2:0 für die Hauptstädter.

Die harten Fakten

Ganz egal ob 2er-Quote, 3er-Quote, Freiwurf-Quote, Rebounds, Assists, Steals, Turnover oder Blocks: Bis auf ganz wenige Ausnahmen, in denen Ulm leichte Vorteile hat, haben die Berliner überall mehr oder weniger deutlich die Nase vorn. Selbst der kurzfristige Ausfall von Peyton Siva schwächte Berlin nicht wesentlich, da Derrick Walton und Martin Hermannsson herausragende Leistungen zeigten: Walton brachte seine ganz sicher auf oberem Starter-Niveau in der BBL anzusiedelnden Qualitäten mit elf Punkten (80% aus dem Feld) und zwölf Assists bei nur einem Turnover in Spiel eins sowie neun Punkten und neun Assists bei drei Turnovern in Spiel zwei ein. Hermannsson ließ es mit 14 Punkten (63% aus dem Feld) und vier Assists in Spiel eins noch relativ ruhig angehen, um dann Spiel zwei mit 23 Punkten (64%) und sieben Assists bei nur zwei Turnovern zu dominieren. Da konnten Spieler wie Giedraits und Sikma für ihre Verhältnisse sogar eher ruhigere Auftritte einstreuen.
Bei Ulm hielten am ehesten noch Akpinar (in beiden Spielen je 13 Punkte bei 50% Feldwurfquote und vier Assists) und Green (zwölf Punkte bei 67% aus dem Feld, drei Rebounds, zwei Steals in Spiel eins sowie 18 Punkte bei 64%, vier Rebounds und zwei Assists in Spiel zwei) dagegen, ohne das Spiel ganz maßgeblich beeinflussen oder gar dominieren zu können. Auch die in dieser Saison noch so große Stärke, an die Freiwurflinie zu kommen, konnten die Ulmer nur in Spiel eins mit 22 Versuchen einigermaßen in die Playoffs übertragen. In Spiel zwei waren es dann nur noch 13 Versuche und damit zwölf weniger als im Saisonschnitt, was Thorsten Leibenath in der Pressekonferenz zu ungewöhnlich deutlichen Worten gegenüber den Schiedsrichtern veranlasste. Ebenso klar formulierte Leibenath aber auch, dass es ein völlig verdienter Sieg von Berlin war.

Darüber war zu reden

In Spiel eins hatten die Berliner noch die Ulmer – wie so viele andere Teams – mit ihren überfallartigen Fastbreaks und Early Offense Plays vor große Probleme gestellt. Hier behalfen sich die Ulmer in Spiel zwei recht erfolgreich mit einer etwas weniger aggressiven Verteidigung, die entsprechend auch weniger anfällig für schnelles Überbspielen war, wie auch Konrad Wysocki im Postgame-Interview bei Sportradio360 erläuterte. Das konnten die Berliner allerdings durch viele gut herausgespielte, manchmal auch von Ulm schlecht verteidigte Würfe kompensieren, wo insbesondere Giedraitis sogar noch den ein oder anderen Schuss liegen ließ, den er sonst schon häufig getroffen hat.

Unsere persönlichen Favoriten

Vielleicht beschert ihm seine Mannschaft nochmal eines oder gar mehrere, aber wahrscheinlicher ist es, dass Thorsten Leibenath sein letztes Heimspiel als Headcoach von ratiopharm Ulm bestritten hat. Zeit also, um einen zu loben, der in Ulm immer wieder in der Fan- und Presse-Kritik stand  und doch im Rest von Basketball-Deutschland und insbesondere von den Experten dieser Sportart genauso regelmäßig sehr gelobt wird. Ausdruck dessen sind auch die beiden Auszeichnungen zum Trainer des Jahres in 2012 und 2017. In sieben von acht Saisons coachte er seine Ulmer Teams in die Playoffs mit den beiden Vizemeisterschaften 2012 und 2016 als absolute Highlights, auch wenn ihm ein Titel verwehrt blieb. Ebenfalls mit ihm an der Seitenlinie gelang 2016/17 die längste Siegesserie in der Bundesligageschichte mit 27 Erfolgen in Serie. Spektakulärer, schneller Team-Basketball mit Fokus auf der Offense bei manchmal unterschätzter Defense ist seine Handschrift, genauso wie die beeindruckende Entwicklung junger Spieler wie Per Günther, Robin Benzing, Daniel Theis oder des gerade zum Euroleague-Final4-MVP gekürten Will Clyburn. So werden es große Fußstapfen sein, die sein Nachfolger zur Saison 2019/20 ausfüllen muss. Und auch für Leibenath selbst wird es vermutlich nicht einfach sein, einen Schritt zurück zu treten, gerade wenn das Spiel läuft. Aber wenn es jemandem zuzutrauen ist, dass er den Übergang vom Headcoach zum Sportdirektor gut hinbekommt, dann ihm.

Das steht an

Das möglicherweise entscheidende Spiel drei findet am kommenden Sonntag um 15h wieder in Berlin statt. Sofern notwendig kommt es dann am folgenden Dienstag (in Ulm) und Donnerstag (in Berlin) zu den Spielen vier und fünf. 2013/14 reisten die Ulmer schon mal bei 0:2 in einem Playoff-Viertelfinale nach Berlin, um dann dort nicht zuletzt durch 20 Punkte und zwölf Rebounds des heutigen NBA-Spielers Daniel Theis einen Auswärtssieg zu holen, aber auf eine Wiederholung in 2019 würde ich nicht allzu viel Geld setzen.

Der Tag, 21.05.: Warriors, Draisaitl, Opelka

Frühmorgens

NBA – Die Warriors sind erneut in den NBA Finals, doch machten es in Spiel 4 nochmal spannend. 119:117 nach Overtime, lautete der Endstand gegen die Trail Blazers. Stephen Curry und Draymond Green gelangen zum Abschluss der Western Conference Finals jeweils ein Triple Double. Die Warriors siegten damit in allen 12 Playoffspielen und ziehen ohne Niederlage in die Finals ein.

MLB – Die Phillies haben aktuell mit vier Siegen am Stück den längsten Winning Streak und führen die enge NL East an. Bei den aktuellen Gastspielen bei den Cubs brauchte es in der vergangeenen Nacht jedoch ein Zusatzinning ehe J.T. Realmuto einen Homerun zum entscheidenden 5:4 schlagen konnte.

 

Nachmittags

WTA-Tour – Erneut nicht viel ging in Nürnberg und Straßburg. Anna-Lena Friedsam konnte in Nürnberg gegen Irina-Camelia Begu einen 4:6, 6:3, 6:3-Sieg feiern. Auch Andrea Petkovic überstand gegen Cagla Buyukakcay mit 6:3, 6:2 die Auftaktpartie.

Eishockey-WM – Die DEB-Auswahl siegte überraschend mit 4:2 gegen Finnland und feierte damit den fünften Vorrundensieg und Platz 3 in der Gruppenendabrechnung. Leon Draisaitl erzielte im letzten Drittel die beiden entscheidenden Treffer und avancierte erneut zum Matchwinner. Gegner im Viertelfinale ist am Donnerstag Tschechien.

ATP-Tour – Alexander Zverev siegte gegen Ernest Gulbis deutlich mit 6:2, 6:1 und steht damit im Viertelfinale von Genf. Dort wartet Hugo Dellien, der Janko Tipsrevic 7:6, 6:3 besiegen konnte. Keinen guten Tag hatte indes Reilly Opelka in Lyon erwischt. Im Tiebreak des dritten Satzes hatte Opelka aus seiner Sicht schon den Sieg in der Tasche und schied dann doch aus.

Giro – Arnaud Demare gewann die zehnte Etappe nach Modena. Der zweifache Etappensieger Pascal Ackermann stürzte ca. einen Kilometer vor dem Ziel und konnte so nicht um den Sieg mitsprinten.

 

Abends

BBL – Ulm verlor die Heimpartie gegen Alba und muss nun am Wochenende in Berlin gewinnen, um nicht mit 0-3 auszuscheiden. Auch die EWE Baskets Oldenburg haben nach dem 97:87-Auswärtssieg in Bonn am Wochenende einen Matchball zum Halbfinaleinzug.

Eishockey-WM – Kanada gewann zum Abschluss der Vorrunde den ewigen Klassiker gegen die USA mit 3:0. Schweden und Russland lieferten sich hingegen eine sehr torreiche Partie. 6:1 führten die Russen nach 38 Minuten, ehe die Schweden gegen Ende noch ein paar Ehrentreffer erzielen durften und das Spiel 4:7 endete.

 

Diese Woche … bei ratiopharm Ulm, KW 20

Von Tobias Fenster

Der Überblick

Die Playoff-Qualifikation war für ratiopharm Ulm bereits gesichert, lediglich die Position war rechnerisch noch offen. Mit einer 95:72-Niederlage in München sowie einem 98:94-Sieg gegen Rasta Vechta folgte dann ein Abbild der ganzen Ulmer Saison: In München sah über drei Viertel vieles richtig und auf Augenhöhe aus, ehe im letzten Viertel der Einbruch und damit die deutliche Niederlage folgte. Gegen Vechta dann wieder mal ein Spiel, das nicht mit der allerhöchsten Intensität geführt wurde, allerdings im Unterschied zu so manchem Spiel bis in den März hinein ohne die ganz großen Aussetzer und am Ende dann auch mit dem besseren Ende für Ulm.

Die harten Fakten

19:16, 21:23, 24:22 – so endeten die ersten drei Viertel der Partie München – Ulm, entsprechend ging es mit 64:61 komplett offen ins letzte Viertel. Die Ulmer hatten bis dahin konzentriert und konsequent gespielt, was bei den in der BBL zuhause ungeschlagenen Münchner aller Ehren wert ist. Dann allerdings folgt ein 21:2-Lauf der Bayern von 66:63 auf 87:65, während dem Ulm mit Ballverlusten, Offensiv-Fouls und schlechten Würfen jegliche Chancen auf eine Überraschung zunichte machten und auch durch eine Auszeit von Thorsten Leibenath nicht wieder auf die Bahn zu bringen war. Natürlich kann eine Mannschaft wie Ulm in München verlieren und selbst die letzten Endes 23 Punkte Differenz sind kein Beinbruch, aber zum wiederholten Mal gegen eine der Spitzenmannschaften der Liga eigentlich auf Augenhöhe zu sein, um das Spiel dann mit einem schlechten Viertel aus der Hand zu geben, das spricht einfach für mangelnde Konstanz und ein bisschen vielleicht auch die fehlende absolute Spitzenqualität im Kader, da es keinen Spieler gibt, der dann zuverlässig durch individuelle Qualität Läufe des Gegners unterbrechen kann. Und so kommt es dann zu teils deutlichen Niederlagen in München (mit einem 11:31-Schlussviertel aus Ulmer Sicht), gegen Oldenburg (11:31 im dritten Viertel), in Berlin (9:19 im Schlussviertel) oder gegen Bamberg (11:32 im dritten Viertel).
Dass es durchaus auch stabiler geht, zeigten die Ulmer gegen Vechta: Alle Viertel waren knapp, keines wurde mit mehr als vier Punkten gewonnen oder ging verloren und letztlich reichte dann ein kleiner Zwischenspurt Mitte des vierten Viertels zum Sieg. Bemerkenswert dabei sicher das mit 43:32 gewonnene Rebound-Duell, die nur 13 Turnover gegen ein gewohnt aggressiv verteidigendes Vechta sowie eine einmal mehr monströse Statline von Dwayne Evans: 22 Punkte (6/10 aus dem Feld, 10/10 Freiwürfe), 10 Rebounds, 4 Assists und 0 Turnover bei 7 gezogenen Fouls führen zu einem Effizienzwert von 33 und +17 in der +/- Wertung.
Anekdote am Rande: Wie Vechtas Headcoach und Trainer der Saison 18/19 in der BBL Pedro Calles ausführlich in der Pressekonferenz (https://youtu.be/n3I3swx2GJk?t=125) erklärt, steht es im direkten Coaching-Duell zwischen Thorsten Leibenath und ihm 15:0!

Darüber war zu reden

Per Günther und David Krämer bereits in München verletzt, Patrick Miller dann zusätzlich auch noch gegen Vechta verletzt. Als wäre das nicht genug (neben den ohnehin langzeitverletzen Rashad James und Maximilian Ugrai), musste dann auch noch Bogdan Radosavljevic mit Pferdekuss in der zweiten Halbzeit passen (seine Sicht dazu gibt es hier im Postgame bei Sportradio360). Doch Ulm wäre nicht Ulm, wenn da nicht Nachwuchsspieler in die Bresche springen könnten: Till Pape und Marius Stoll (Sohn des Ulmer Geschäftsführers Dr. Thomas Stoll) zeigten starke Leistungen und durften folgerichtig das vierte Viertel maßgeblich mitgestalten, unter anderem in der vorentscheidenden Phase, in der Ulm von 69:72 auf 84:79 stellte. So lässt sich ahnen, dass es nicht nur die üblichen Phrasen sind, wenn Thorsten Leibenath davon spricht, dass es nur ein Kriterium für den neuen Ulmer Coach zur Saison 2019/20 gibt: Er muss bereit sein, mit jungen Spielern zu arbeiten und ihnen Verantwortung zu übertragen.
Das allgegenwärtige Gesprächsthema der letzten Wochen in Ulm, wer denn nun den Trainerposten übernehmen wird, beantwortete Leibenath so, dass es vielversprechende Gespräche mit mehreren Kandidaten, aber keine Entscheidung gebe. Ob die vielfach kolportierten Raoul Korner und Björn Harmsen für das Traineramt oder der zum wiederholten Mal angeblich bereits fest verpflichtete Ex-Ulmer John Bryant als Spieler, offiziell verlautbart wurde noch nichts.

Unsere persönlichen Favoriten

Per Günthers Social Media Aktivitäten waren in den letzten Monaten, wenn nicht Jahren eher eingeschlafen, nachdem er einige Zeit lang gleichermaßen witzig wie clever für Unterhaltung gesorgt hatte. Doch nachdem er beim MagentaSport Podcast “Abteilung Basketball” bereits für aufhorchen ließ, indem er aktiv über sein Recruiting für nächste Saison sprach, sorgten er und Chris Babb per Twitter gleich nochmal für etwas mehr Interesse:

Ich persönlich glaube eher daran, dass die Chancen für eine Rückkehr von Chris Babb ziemlich stark gegen 0 gehen, Spaß macht es trotzdem.
Honorable mention: Till Pape und Marius Stoll (s. “darüber war zu reden”) sowie Pedro Calles bzw. das ganze Vechta-Team um TJ Bray und Austin Hollins. Äußerst beeindruckend, was Rasta diese Saison auf die Beine gestellt hat.

Das steht an

Nach einer Saison Pause ist es endlich wieder so weit: Am Samstag, 18.5. (in Berlin), am Dienstag, 21.5. (in Ulm) und am Sonntag, 26.5. (in Berlin) findet Playoff-Basketball mit Ulmer Beteiligung statt. Je nach Verlauf kann es dann am Dienstag, 28.5. (in Ulm) sowie am Donnerstag, 30.5. (in Berlin) noch zu weiteren Partien kommen.

Diese Woche … bei ratiopharm Ulm, KW 18

Von Tobias Fenster

Der Überblick

19 Siege sollten es sein für die sichere Playoff-Qualifikation, so war schon vor längerer Zeit die Kalkulation von Thorsten Leibenath. Wenn man bei dem Thema jemandem Knowhow zusprechen darf, dann sicher ihm, der als Trainer der Artland Dragons Quakenbrück unglaubliche zwei Saisons hintereinander in 2008/09 und 2009/10 als punktgleicher Neunter wegen des direkten Vergleichs gegen den Achtplatzierten die Playoffs verpasst hat (einmal mit 18 und einmal mit 19 Siegen), also allerbestens die Arithmetik des Playoff-Einzugs kennt. Und zehn Jahre später tat seine Mannschaft ihm den Gefallen, sicherte diese Woche mit zwei Siegen in Göttingen (76:82) und gegen Bayreuth (92:69) die Saisonerfolge 18 und 19 und damit auch rechnerisch die Playoff-Qualifikation.

Die harten Fakten

Der Blick auf die Zahlen der beiden Spiele zeigt deutlich, dass sich die Ulmer Mannschaft bei gleichem Ergebnis doch sehr unterschiedlich präsentierte. Und dass dabei die Zahlen bei den noch im Abstiegskampf befindlichen Göttingern deutlich schlechter aussehen als die gegen den Playoff-Kandidaten Bayreuth macht klar, dass diese Ulmer Mannschaft nach wie vor schwankt – wenn auch nicht mehr mit ganz so großen Ausschlägen nach unten wie noch bis vor einigen Wochen. Umgekehrt macht das vierte Viertel gegen Bayreuth aber durchaus auch Hoffnung für die Playoffs, wie auch Markus Krawinkel im Postgame-Interview bei Sportradio360 bestätigt. Aber konkret, jeweils grün die bessere und rot die schlechtere Zahl:

Spiel 2er-Quote 3er-Quote Freiwurf-Quote Rebounds Def/Off Assists Steals Turnover
in Göttingen 54,3% 29,4% 82,9% 29/6 13 9 16
gegen Bayreuth 58,3% 46,2% 87,5% 23/10 22 6 9

In allen Kategorien außer bei den Steals und bei den Defensiv-Rebounds also bessere Werte gegen den wohl besseren Gegner, teils sogar sehr deutlich. Allein das Assist-zu-Turnover-Verhältnis von 13:16 in Göttingen vs. 22:9 gegen Bayreuth spricht Bände. Nur mit der Situation als Heim- oder Auswärtsspiel lässt sich das nicht erklären, viel mehr muss man wohl die Einstellung, den Fokus und das Intensitätslevel der Ulmer Spieler heranziehen, um solche Diskrepanzen verstehen zu können.

Besonders positiv zu erwähnen ist sicherlich, dass die Bayreuther mit 69 Punkten gesamt um 16 Punkte unter ihrem Saisonschnitt blieben und die Ulmer Defensivleistung so konstant war, dass dabei Viertel mit 16 bis 20 Bayreuther Punkten entstanden

Nachbericht und Boxscore Göttingen 

Nachbericht und Boxscore Bayreuth 

Unsere persönlichen Favoriten

Zwei sehr unterschiedliche Spiele mit sehr unterschiedlichem Charakter, aber in beiden konnte einmal mehr Javonte Green mit seinen Highlights, aber in diesen Spielen auch mit seinen Zahlen, maßgeblich an beiden Enden des Feldes zum Erfolg seines Teams beitragen:

Block, Reverse-Alley-Oop und artistischer coast-to-coast Layup gegen Göttingen.

Block und Dunk gegen Bayreuth, eine weitere Sequenz aus Dreier in der Offense und dann Block in der Defense gegen den 13 cm größeren Andreas Seyferth findet sich bei ca. 1:20:10 in der MagentaSport-Übertragung.

Nicht minder beeindruckend dazu die Zahlen, darunter 100% (6/6) bzw. 69,2% (9/13) kombinierte 2er-/3er-Quote, zusammen u.a. 12 Rebounds und 4 Steals, was dann am Ende zu 25 bzw. 21 Effizienzpunkten führt. Und vielleicht am deutlichsten: Im relativ knapp gewonnenen Spiel in Göttingen erreichte er beim +/- überzeugende +18, gegen Bayreuth gar +25.

Honorable Mention: Ismet Akpinar, der einem guten Spiel in Göttingen ein sehr gutes gegen Bayreuth folgen ließ.

Darüber war zu reden

Das größere Thema als die beiden einzelnen Spiele war sicher die Playoff-Qualifikation. Ulm muss als Verein, der sich mutmaßlich einen der vier oder fünf größten Etats der Liga erarbeitet hat (München, Berlin und Bamberg dürften über deutlich mehr Geld verfügen, Oldenburg wohl einen ähnlichen Etat haben), damit umgehen, dass die Playoff-Qualifikation nicht mehr als großer Erfolg, sondern eher als sehr realistisches Ziel angesehen wird. Das Verpassen der Playoffs wie im letzten Jahr muss dann auch nicht gleich heißen, dass irgendjemand katastrophal gearbeitet hat, aber im Normalfall sollte das Erreichen möglich sein. Und so muss denke ich auch diese Hauptrunde mit dem jetzt sehr wahrscheinlichen 6. Platz (Bonn müsste in Berlin und gegen München gewinnen, um Ulm noch zu verdrängen) als gut, wenn auch nicht überragend bewertet werden. Mit mittlerweile zwei saisonbeendenden Verletzungen und diversen längeren Ausfällen teils sehr wichtiger Spieler blieb Ulm alles andere als von Verletzungen verschont. So chaotisch und schwankend manche Spiele und Leistungskurven über die gesamte Saison waren, so klar muss man auch sagen, dass sich die Mannschaft insgesamt und viele Einzelspieler wie u.a. Evans, Akpinar, Miller, Krämer und Schilling individuell deutlich verbessert und stabilisiert haben. Und auch das Abschneiden im EuroCup war durchaus aller Ehren wert.

Gesamt-Tabelle der BBL

Das steht an

In den noch ausstehenden Partien gegen Vechta und in München sowie dann in den Playoffs kann aus einer guten schließlich noch eine sehr gute Saison werden, auch wenn es sehr wahrscheinlich gegen den EuroCup-Finalisten aus Berlin nur eine Außenseiterchance auf das Weiterkommen gibt. Aber auch 2015/16 war Ulm als 7. gegen den 2. der Hauptrunde aus Oldenburg Außenseiter und setzte sich mit 3:1 durch, um dann nach einem weiteren 3:1 gegen den 3. aus Frankfurt das Finale zu erreichen. Nach meinem Eindruck hat sich die Mannschaft für einen solchen Run ca. vier bis sechs Wochen zu spät gefunden und es fehlt neben am ehesten noch Dwayne Evans die absolute Spitzenqualität mit Konstanz im Kader, die damals Raymar Morgan, Chris Babb, Augustine Rubit und Per Günther noch deutlich näher am Zenit seiner Leistungsfähigkeit hatten. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Spielplan von ratiopharm Ulm

Diese Woche … bei ratiopharm Ulm, KW 18

Von Tobias Fenster

Der Überblick

Nach einer 10-Punkte-Führung zur Halbzeitpause lief in der zweiten Halbzeit nicht mehr wahnsinnig viel für die Ulmer, während Oldenburg sich deutlich steigerte. Folgerichtig drehten die Gäste das Spiel zunächst ganz schnell, bauten die Führung dann aus und brachten sie schließlich mit 69:82 auch verhältnismäßig ungefährdet über die Ziellinie. Hatten die Ulmer zuletzt noch insbesondere in Frankfurt eine sehr stabile Leistung gezeigt, war es gegen Oldenburg einmal mehr ein sehr schwankende Leistung, was gegen eines der Spitzenteams der BBL einfach nicht reicht.

Die harten Fakten

Beim Blick auf den Statistikbogen fällt auf, dass viele Kategorien überraschend knapp aussehen für ein Spiel, das mit einer Differenz von 13 Punkten ausging. Rebounds und 2er-Quote sprechen sogar für Ulm, während Turnover, Assists und Freiwurfquote knapp für Oldenburg sprechen. Eine Kategorie allerdings geht so klar nach Oldenburg, dass sie wohl spielentscheidend war: Oldenburg traf 11 3er bei 28 Versuchen, während Ulm aus 17 Versuchen traurige 2 Erfolge erzielte. 2/17, also 12%. Eigentlich einer Profimannschaft unwürdig, insbesondere da auch diverse von diesen 17 Versuchen recht offen waren. Bedenkt man dann noch, dass einer der beiden Treffer ein wilder Wurf von Green mit Ablauf der Shotclock war, hätte es mit 1/17 sogar noch bitterer und prozentual einstellig werden können

Darüber war zu reden

3/10 2er, 0/6 3er, gesamt 19% Feldwurfquote. 4/9 2er, 6/10 3er, gesamt 53% Feldwurfquote. Die erste Zahlenreihe entspricht der Ulmer Leistung, die zweite der Oldenburger im dritten Viertel. Dazu noch 5:2 Turnover, 9:14 Rebounds und 7:4 Fouls aus Ulmer Sicht. Insgesamt waren das dann 11:31 Punkte im dritten Viertel, mit dem Oldenburg ein -10 vor der Halbzeit in ein +10 vor dem letzten Viertel gedreht hatten.
Dabei brauchten sie gerade mal 1:13 Min, um mit einem 10:0-Lauf zum zwischenzeitlichen Gleichstand zu kommen, während dem Will Cummings mit 7 Punkten und 1 Assists zum Dreier seine ganze offensive Klasse zeigt.

Auf der anderen Seite des Feldes stoppte während dieses Oldenburger Runs Rasid Mahalbasic mit 2 Steals und 1 Defensiv-Rebound die Ulmer Angriffsbemühungen fast im Alleingang.
Wie aber kann es passieren, dass eine Mannschaft immer wieder solche Einbrüche hat, mal ganze Spiele kein Bein vor das andere bekommt, mal sich durch einzelne Viertel wie gegen Oldenburg ein solches Loch gräbt, dass der Weg wieder zurück schwierig bis unmöglich wird? Dieser Frage musste sich Thorsten Leibenath schon bei diversen Pressekonferenzen in dieser Saison stellen und ganz sicher stellen er und sein Trainerteam sich diese Frage selbst am häufigsten. Die Antwort hat meistens etwas mit der schlechten Verarbeitung von Fehlern und Frustration zu tun, wenn es in diesem Ulmer Team eben nicht bei einem Fehler bleibt, sondern oft der zweite, dritte und vierte direkt folgen. Und in mangelndem Fokus wird auch immer wieder die Ursache gesehen. Sollten diese beiden Punkte wirklich die Hauptursachen sein, dann muss man mit sehr gemischten Gefühlen auf den Rest der Ulmer Saison schauen, egal ob sie schon nach der Hauptrunde oder erst in den Playoffs endet: Einerseits ist alles da in dieser Mannschaft, um auch die Spitzenteams der Bundesliga zumindest vor Schwierigkeiten zu stellen. Andererseits kann eine Mannschaft mit genau diesen Schwächen auch Spiele komplett unnötig verlieren und es fällt mir eher schwer mir vorzustellen, dass im Fall einer Playoff-Qualifikation auf einmal die mentale und spielerische Stabilität da ist, die es für das Gewinnen einer Playoffserie zwingend braucht, zumal als Außenseiter.

Unsere persönlichen Favoriten

Es passt leider so ein wenig zu seiner Karriere, dass es wohl ihm und den allermeisten Ulmer Fans nach seinem 400. Bundesligaspiel – alle für ratiopharm Ulm – nicht so recht nach feiern zu Mute war. Dennoch kann es bei einem solchen Meilenstein natürlich nur den Jubilär Per Günther als Favoriten der Woche geben.

So sehr er Ulm in den letzten elf Jahren spielerisch geprägt hat, so sehr hat er auch immer wieder durch offene, intelligente und sympathische Interviews und Aktionen abseits des Feldes viel für den Ulmer Basketball getan. Als aktuelles Beispiel dafür sei an dieser Stelle auf den wie immer sehr hörenswerten MagentaSport Basketball-Podcast hingewiesen, in dem er diese Woche zu Gast war.
Aus Ulmer Sicht ganz sicher äußerst positiv, dass er sich wohl auch nach dem Ende der aktiven Karriere eine Rolle in Ulm vorstellen kann (https://soundcloud.com/abteilungbasketball/auf-und-nieder-uber-schwankungen-und-ihre-ursachen#t=38:21) und auch, dass er nach eigener Aussage hart daran arbeitet, den Kader für die neue Saison zu verbessern (https://soundcloud.com/abteilungbasketball/auf-und-nieder-uber-schwankungen-und-ihre-ursachen#t=56:38, zunächst zum Ex-Ulmer Chris Babb und dann zu weiterem Recruiting).

Das steht an

Die BBL-Hauptrunde sieht noch vier Spiele für die Ulmer vor: In Göttingen, gegen Bayreuth, in München und gegen Vechta. Folgt man der Annahme von Thorsten Leibenath, dass wohl noch zwei Siege für die Playoff-Qualifikation notwendig sind, dann lässt sich einfach ausrechnen, dass das mindestens nicht einfach wird. Göttingen und Bayreuth spielen noch um das Erreichen ihrer Saisonsziele Klassenerhalt bzw. Playoff-Qualifikation und auch wenn es gut sein kann, dass es für München und Vechta um nichts mehr geht, weil der Tabellenplatz schon fix ist, so sind die beiden Teams doch schlicht sehr gut. Bleibt also ein durchaus schwieriges Restprogramm, in dem sich die Ulmer eine eventuelle Playoff-Teilnahme hart erarbeiten müssen

Diese Woche … bei ratiopharm Ulm, KW 17

Von Tobias Fenster

Der Überblick

79:82 in Crailsheim, 63:91 in Frankfurt. Eine sehr erfolgreiche Woche für ratiopharm Ulm, das auf Tabellen-Position sechs durch zuletzt zwei Niederlagen von Bonn ein Spiel Vorsprung und den gewonnenen direkten Vergleich auf Platz sieben hat. Auch der Abstand auf die Nicht-Playoff-Plätze wurde durch ebenfalls zwei Niederlagen von Würzburg auf zwei Spiele Vorsprung und den gewonnenen direkten Vergleich vergrößert. Umgekehrt sind es zwei Spiele Rückstand und ein verlorener direkter Vergleich auf die Bamberger an Position fünf, d.h. im Moment hat Ulm sich erst mal auf Platz sechs eingenistet.

Die harten Fakten

War es in Crailsheim noch eine ganz enge Partie mit ausgeglichenem Spielstand 2:30 Minuten vor Schluss bzw. gerade mal zwei Punkten Vorsprung für Ulm eine Minute vor Schluss, so war das Spiel in Frankfurt fast schon nach dem 1. Viertel entschieden, das Ulm mit 30:9 dominierte. Zwar kam Frankfurt nochmal mit einem 11:0-Lauf auf 33:22 heran, doch Ulm setzte eigene 12 Punkten am Stück zum Zwischenstand von 45:22 dagegen. Danach kam Frankfurt nie mehr auch nur in die Nähe eines knappen Spielstands. Bezeichnend zwei Statistiken aus Frankfurter Sicht: 19 Turnover (17 davon in den ersten drei Vierteln) und erst im letzten Viertel traf ein anderer Frankfurter als Quantez Robertson einen Dreier. Zwischenzeitlich stand Robertson bei 5/8 Dreiern, während der Rest seines Teams aus neun Versuchen null Treffer erzielte. Wenig verwunderlich ob des Ergebnisses, dass fast alle relevanten Statistiken für Ulm sprachen: 64:53% 2er-Quote, 38:29% 3er-Quote, 78:50% Freiwurfquote, 11:2 Steals, 8:19 Turnover und eine Team-Effektivität von 113:53. Einzig das Rebound-Duell gewann Frankfurt knapp mit 34:32.

Boxscore und Nachbericht Frankfurt

Auch in Crailsheim waren die Ulmer stark gestartet und schienen das Spiel beim 25:13 nach 8:35 Minuten ganz stabil im Griff zu haben. Ein kleiner Run der Crailsheimer drückte deren Rückstand dann allerdings schon zum Viertelende auf -6 Punkte und es entwickelte sich ein nicht immer schönes, aber ständig spannendes Spiel. Im dritten Viertel gelang es den Hausherren dann sogar, Ulm auf gerade mal neun Punkten zu halten und auch wenn die eigene Ausbeute mit 14 ebenfalls nicht berauschend war, reichte das für ein paar Minuten knapper Führung. Letztlich sicherten sich die Ulmer als Mannschaft mit den meisten Freiwürfen in der Bundesliga durch eben diese auch den Sieg: Neun von zehn Versuchen trafen sie in den letzten 2:12 Minuten, was Crailsheim dann nicht mehr ganz ausgleichen konnte. Hilfreich für Ulm dabei, dass die sonst so treffsicheren Crailsheimer Madgen (bisher 37% Dreier-Quote in dieser Saison), Ferner (38%) und Turner (39%) mit 2 Treffern bei 14 Versuchen bzw. einer Quote von 14% einige, auch sehr freie, Gelegenheiten liegen ließen. Fast schon ein gewohnt schlechte Angewohnheit der letzten Wochen sind dagegen die 18% 3er-Quote der Ulmer, die aber dank einer relativ geringen Anzahl an Versuchen etwas weniger ins Gewicht fällt.

Boxscore und Nachbericht Crailsheim

Darüber war zu reden

Mal wieder Javonte Green: An einer einzigen Szene, nämlich einem monströsen Putback-Dunk nach eigenem vergebenem Dreier lässt sich das zwischen Genie und Wahnsinn schwankende Gesamtpaket aufzeigen.

Erst mal ein sehr offener Dreier, den er durchaus treffen darf. Nach stärkerem Beginn ist seine Quote allerdings mittlerweile bei 35,2% nicht mehr allzu berauschend, entsprechend keine große Überraschung, dass dieser Wurf daneben geht. Während sein Gegenspieler in dieser Szene, Konrad Wysocki (Crailsheims Nummer 10) sich schon auf den Weg zum Ulmer Korb macht und einen eventuellen Crailsheimer Defensivrebound mutterseelenallein hätte verwerten können, geht Green lieber zum offensiven Brett. Und da ist dann ein typisches Green-Highlight zu sehen, wenn er beidhändig den Putback durch den Ring hämmert. Die Fans wollen natürlich genau den sehen und auch das eigene Team kann eine solche Aktion richtig pushen. Viel Risiko, das aber in diesem Fall belohnt wird und so ein bisschen auch typisch für den (BBL-)Basketball 2019 ist und wohl auch das, was Thorsten Leibenath von Green sehen möchte.

Unsere persönlichen Favoriten

Wie so oft in den letzten Wochen und Monaten brachte Dwayne Evans herausragende Zahlen und ist damit auch mehr als verdient Favorit der Woche. Eigentlich müsste er Ulmer Favorit des Kalenderjahrs 2019 sein, schaut man sich seine Statistiken in diesem Jahr an: 17,6 Punkte (hätte er das über die gesamt Saison gebracht, wäre er in dieser Statistik 4. in der Bundesliga), 6,8 Rebounds (5.), 5,7 gezogene Fouls (1.), 22,1 Effektivität (3.) und 5,6 getroffene Freiwürfe (1.) sind absolut herausragend. Bedenkt man dann noch, dass er laut Thorsten Leibenath für die Ulmer aufgrund seiner exzellenten Kombination an Beweglichkeit, Kraft und Größe für die häufig defensiv switchenden Ulmer sogar in der Verteidigung noch wichtiger ist als im Angriff, dann dürfte der Titel des “Team-MVP” wohl aktuell klar vergeben sein. Nach einer bereits guten Saison 17/18 in Ludwigsburg hat er sich im Lauf der Saison auf nochmal deutlich höheren Niveau stabilisiert und es dürfte wohl niemanden überraschen, wenn er in der nächsten Saison andernorts für einen (noch) größeren Gehaltsscheck seinem Beruf nachgehen dürfte.

Spielerprofil Evans bei der BBL

Das steht an

Zunächst gibt es für die Ulmer ungewohnt erst mal fünf spielfreie Tage, ehe es dann gegen die dieses Jahr wieder bärenstarken Oldenburger geht. Ein sehr spannendes Duell, insbesondere da ein Ulmer Sieg deren Position sechs festigen und gleichzeitig den Oldenburgern eine Niederlage mehr als Berlin bescheren würden, so dass die Oldenburger – entsprechende Siege der Berliner in ausstehenden Nachholpartien vorausgesetzt – eventuell noch von Platz zwei auf drei verdrängt werden könnten. Sehr viel Konjunktiv und noch sehr viel Basketball zu spielen bis dahin, aber das wäre dann das dritte Playoff-Aufeinandertreffen dieser beiden Mannschaften in den letzten vier Jahren nach 2015/16 (Ulm schlug im Viertelfinale als 7. den 2. aus Oldenburg mit 3:1) und 2016/17 (Oldenburg schlug im Halbfinale als 5. den 1. aus Ulm mit 3:2) und würde sicher heiße Duelle versprechen.

Diese Woche … bei ratiopharm Ulm, KW 15

Von Tobias Fenster

Der Überblick

Nichts für schwache Nerven: Einen Matchwinner vom Allerfeinsten gab es beim 95:94-Sieg von ratiopharm Ulm gegen s.Oliver Würzburg zu bestaunen. 2,7 Sekunden vor Schluss der regulären Spielzeit war Würzburg mit drei Punkten vorne und hatte Einwurf, 1,3 Sekunden vor Schluss lag Würzburg mit einem Punkt in Führung. Jeweils war es Nationalspieler Ismet Akpinar, der das Spiel für seine Farben drehte, zunächst mit einem Dreier das Spiel in die Verlängerung schickte und dann mit zwei Freiwürfen schließlich die Entscheidung zu Gunsten von Ulm herbeiführte.

Die harten Fakten

57% Zweierquote bei beiden Mannschaften, 38% Dreierquote bei beiden Mannschaften, 12 Steals bei beiden Mannschaften, 16 Turnover bei beiden Mannschaften. 23:21 Assists, 24:22 Fouls, 36:38 Punkte in der Zone aus Ulmer Sicht. Viel ausgeglichener kann ein Statistikbogen kaum aussehen. Mit 31:42 ging das Reboundduell allerdings klar nach Würzburg, und bei daraus resultierenden 18:10 Punkten aus zweiten Chancen sowie sechs offensiven Rebounds allein im letzten Viertel für Würzburg hätte das durchaus den Ausschlag geben können. 82:69% Freiwurf-Quote sprach wiederum deutlich für Ulm, und da es in der Tat zwei erfolgreiche Ulmer Freiwürfe waren, die das Spiel entschieden, war das dann wohl das Zünglein an einer sehr ausgeglichenen Waage. Sehr treffend sagte auch Thorsten Leibenath in der Pressekonferenz nach dem Spiel: “Es hätte sich heute keiner beschwert, wenn Würzburg als Sieger vom Feld gegangen wäre. Wir sind heute ein glücklicher Sieger, völlig unberechtigt ist der Sieg in meinen Augen trotzdem nicht”.

Den Spielbericht von Magentasport gibt es hier.

Darüber war zu reden

Einwürfe und Ismet Akpinar. Drei Turnover direkt beim Einwurf unterlaufen den Würzburgern in ganz spielentscheidenden Situationen: Bei 2,7 noch zu spielenden Sekunden in der regulären Spielzeit und 3-Punkt-Führung für Würzburg misslingt – auch dank starker Verteidigung von Patrick Miller – Devin Oliver der Versuch eines Einwurfs auf Jordan Hulls (in der Wiederholung bei MagentaSport bei 2:00:20 zu sehen). Ismet Akpinar, der zuvor schon bei 80:85 aus Ulmer Sicht mit einem Korbleger verkürzt hatte, bekommt den Ball in der eigenen Hälfte und nimmt aus vollem Lauf den Dreier gegen den nicht schlecht verteidigenden Cameron Wells – Treffer, Overtime!

Auch dort dann tendenziell eher Vorteile für Würzburg, auch dort verkürzt Akpinar per Korbleger einen Ulmer Rückstand, ehe diesmal Xavier Cooks daran scheitert, den Ball beim Einwurf zu Jordan Hulls zu bringen (bei 2:13:07 in der Wiederholung). Akpinar zieht zum Korb, wird zunächst sauber von Olaseni geblockt, dann aber beim Kampf um den Rebound gefoult (bei 2:13:45 in der Wiederholung) und trifft die entscheidenden Freiwürfe. Vorsichtig formuliert ein umstrittenes Foul; Denis Wucherer fand in der Pressekonferenz eine sehr eloquente Art, nicht von einer Fehlentscheidung zu sprechen und es doch klar zu sagen. Am Rande bemerkt eine Einschätzung, die ich teile.

Einwürfe, die Dritte: Bei noch 1,3 Sekunden hat Würzburg die letzte Chance, das Spiel nochmal zu drehen, doch erneut funktioniert Devin Olivers Versuch eines Passes auf Jordan Hulls nicht (bei 2:16:26 in der Wiederholung), das Spiel ist aus und Ismet Akpinar der Held des Tages.

Unsere persönlichen Favoriten

Eine überragende Leistung von Dwayne Evans, wie so oft in den letzten Wochen: 21 Punkte bei einer Quote von 70% aus dem Feld und 83% an der Freiwurflinie, 9 Rebounds, 4 Assists und 3 Steals ergeben eine Monster-Effektivität von 30. Auch Patrick Miller wusste mit 15 Punkten, 8 Assists und 4 Steals wieder zu gefallen, zusammen mit einem Team-Bestwert von 12 in der +/- Wertung (bei allerdings erneut sibirisch kalten 1/5 Dreiern, warum auch immer er so viele Versuche meint nehmen zu müssen). Xavier Cooks mit 24 Punkten und 9 Rebounds sowie Jordan Hulls mit 15 Punkten und einigen ganz wichtigen Treffern wären auf Würzburger Seite ebenfalls Kandidaten gewesen.

Doch wenn einer allein aus 80:85 ein 85:85 macht und seine Mannschaft in die Verlängerung rettet, nur um dort dann wiederum allein von 91:94 auf 95:94 zu stellen, dann kann es nur einen Favoriten geben: Ismet Akpinar. Nicht zu vergessen ist dabei, dass es sich um einen 23 Jahre jungen, sehr sympathischen und in Interviews bemerkenswert klaren Spieler handelt. Die Moral- und Politikkeule im Sport zu schwingen, finde ich sehr schwierig, ganz abgesehen davon, dass ich mich ganz persönlich mit dem Grundgedanken von Nationalstolz schwer tue. Aber einen wie Ismet Akpinar zu sehen, der in keiner Weise seine türkische Abstammung leugnet und gleichzeitig einen extrem erfolgreichen Werdegang in Deutschland, als Deutscher hinlegt, macht mir sehr großen Spaß.

Das steht an

Zunächst eine Partie in Crailsheim. Wer das nach dem Ulmer Sieg vor vier Wochen gegen Crailsheim für eine gut machbare Aufgabe hält, dem sei gesagt, dass Crailsheim in der Zwischenzeit gegen Bremerhaven und in Gießen gewonnen hat. Und danach wird es in Frankfurt und gegen Berlin ganz sicher auch nicht einfacher. Dank einer überraschenden Niederlage der Bonner sind die Ulmer zwar gleich um zwei Plätze auf Position 6 geklettert, doch bis Platz 9 ist es gerade mal eine Niederlage Abstand, das Playoff-Rennen bleibt also unverändert knapp und spannend.

Diese Woche bei … ratiopharm Ulm, KW 14

Von Tobias Fenster

Der Überblick

“Das” Schwabenderby in der Basketball Bundesliga und wohl auch eines der emotionalsten Derbys überhaupt war bis zur letzten Saison ratiopharm Ulm gegen die Walter Tigers Tübingen. Durch den Abstieg der Tübinger kommt es dazu diese Saison nicht mehr, aber auch ratiopharm Ulm gegen die MHP Riesen Ludwigsburg bringt immer wieder die Gemüter zum Kochen, wie auch diesmal beim 92:98-Sieg der Ulmer in Ludwigsburg. Zwei Viertel gewannen die Ludwigsburger deutlich, eines ging unentschieden aus, aber ein überragendes drittes Viertel reichte den Ulmern zum Sieg.

Außerdem gab es zu Beginn der Woche noch ein 81:92 der Ulmer in Berlin, dafür sei aber auf den Beitrag von Lars Dörr aus ALBA-Sicht verwiesen.

Die harten Fakten

Mit 28:20 und 25:20 gingen Viertel 1 und 2 nach Ludwigsburg, macht 53:40 zur Halbzeit. 53% Ludwigsburger zu 27% Ulmer Dreierquote (10 zu 3 getroffene Dreier). Dazu 8 Würfe mehr für Ludwigsburg aus dem Feld, da sie 4 Offensivrebounds mehr holten und sich Ulm 5 Turnover mehr erlaubte. Die Gründe für die Ludwigsburger Halbzeitführung waren vielfältig, das Ergebnis fast noch zu knapp. Die Halbzeitansprache des designierten Ulmer Sportdirektors und aktuellen Trainers Thorsten Leibenath schien aber auf fruchtbaren Boden zu fallen: Im dritten Viertel erlaubten die Ulmer den Ludwigsburgern lange gerade mal einen mageren Korb aus dem Feld, mit der Schlusssirene kam dann noch ein zweiter dazu. Trotzdem blieb es auch aufgrund jetzt beim Ludwigsburger Dreier wie vernagelt scheinendem Ulmer Korb bei 9 Punkten, während die Ulmer 7 Steals in diesem Viertel zu etlichen Fastbreakpunkten nutzten. Mit 28:9 holten sich die Ulmer in diesem Viertel die Führung und da im letzten Viertel dann beide Mannschaften defensiv kein Mittel mehr fanden (30:30), auch weil auf beiden Seiten mehrere Spieler ausfoulten, reichte es für die Ulmer zum Sieg. Der direkte Vergleich aber bleibt bei Ludwigsburg, die das Hinspiel mit 9 Punkten gewannen. Nicht ausgeschlossen, dass das in diesem so knappen Playoffrennen in 2019 den Ausschlag geben könnte.

Darüber war zu reden

Beide Mannschaften hatten einen relativ klaren Game-Plan. Die Ulmer gaben den Ludwigsburgern eher den 3er als den Drive, bei einer Saison-Quote von 34% für Ludwigsburg bei gleichzeitig sehr stark am Korb abschließenden Guards wohl keine große Überraschung. Umgekehrt versuchten die Ludwigsburger ihre Nachteile unter dem Korb durch aggressives Doppeln wett zu machen und ließen dafür den ein oder anderen Ulmer recht frei an der Dreierlinie. Exemplarisch dafür folgende Situation als Ausschnitt aus der (wieder mal tollen) MagentaSport-Übertragung, in der zu sehen ist, wie der Ludwigsburger Jordan Crawford lieber eine gute Position für ein eventuelles Doppeln des Ulmer Big Man Dwayne Evans hat und dafür Ulms ballführendem Spieler Patrick Miller 2,5 Meter Platz an der Dreierlinie lässt. Auch das angesichts eiskalter 18,2% Dreierquote von Miller und eher überschauberer Quote der Ulmer insgesamt in den letzten Spielen sehr nachvollziehbar.
Umso beachtlicher, dass Miller zwar auch in diesem Spiel nur 0/4 Dreier und insgesamt 4/13 Feldwürfe traf, aber trotz dieser bekannten Schwierigkeiten beim Wurf 11 (!) Mal an die Freiwurflinie kam und auch noch alle 11 versenkte. 7 Assists (bei allerdings auch 7 Turnovern) und ein vorentscheidender Monsterblock gegen den 17cm größeren Kelan Martin kurz vor Schluss runden das Bild ab.

Ebenfalls mal wieder ein Ritt auf der Rasierklinge war das Spiel von Javonte Green: Effiziente 21 Punkte, dabei 3/5 Dreier, die seinem erneut von der Dreierlinie schwächelnden Team sehr halfen, dazu die fast schon gewohnten 4 Steals. Aber auch 2 leichtsinnige Turnover im Fastbreak und ein komplett sinnbefreiter (vergebener) Dreier kurz vor Schluss mit anschließendem unmotiviertem 5. Foul. Sollte er jemals seine Schwächen minimierem und die Stärken sogar noch ausbauen können, ist er ein Spieler, der für deutlich mehr als Basketball in Ulm taugt. Bleibt es bei seinem aktuellen Niveau, dann sorgt er für viele Highlights und manches graue Haar am Trainerhaupt. Aber mit gerade mal 25 Jahren hat er noch mehr als genug Zeit, um sich zu stabilisieren und cleverer zu werden.

Unsere persönlichen Favoriten

Carsten Straube, Enrico Streit und Moritz Krüper. Unbekannt? Das waren die drei Herren in grau, die das Spiel leiteten. Ein extrem physisch geführtes Spiel, so mancher Spieler hat nach eigener Ansicht im Leben noch kein Foul begangen und permanent sind drei bis fünf an der Grenze des Erlaubten geführte Zweikämpfe zu bewerten. Dazu oft ein Publikum, das  eine Benachteiligung oder gar absichtliche Verschwörung gegen die eigene Mannschaft wittert. Foulen dann sage und schreibe sechs Spieler aus (vier davon von Ludwigsburg), dann kann es unruhig werden. Dennoch aus meiner Sicht eine gute bis sehr gute Leistung der Schiedsrichter mit klarer und konsequenter Linie. Kann man nicht immer sagen, sollte man aber häufiger, weil es oft einfach beeindruckend ist, was die drei Herren leisten. Was nichts daran ändert, dass auch ich mich hier und da in der Halle vom Platz erhebe, um meinen Unmut kund zu tun. Schaut man es sich dann am Fernsehbild an, merkt man, dass die Schiedsrichter verdammt oft richtig liegen.

Das steht an

Am nächsten Samstag kommt mit dem Tabellen-Siebten aus Würzburg ein weiterer direkter Konkurrent um die Playoffs nach Ulm, was eine weitere Gelegenheit bedeutet sich im Playoff-Rennen besser zu positionieren. Danach steht dann bei den zuletzt stabilisierten Crailsheimern ein vermeintlicher Pflichtsieg an, der aber ungemein schwer werden wird, ehe es zum bereits vierten Mal in dieser Saison zum Duell mit Frankfurt kommt.

Diese Woche … bei ratiopharm Ulm KW 13

Von Tobias Fenster

Der Überblick

Heimspiel gegen Braunschweig, das war in den letzten 11 Jahren immer ein Sieg für die Ulmer. Aber Braunschweig ist diese Saison wieder richtig stark, stand vor der Partie auf Platz 7 und damit vor Ulm. Und auch das Hinspiel ging mit 5 Punkten Vorsprung an Braunschweig. Entsprechend groß dürfte die Erleichterung im Ulmer Lager gewesen sein, dass mit 93:84 nicht nur der Sieg gegen den Playoff-Konkurrenten gelang, sondern auch der direkte Vergleich gesichert wurde, so dass Ulm für den Moment wieder an Braunschweig vorbei auf einen Playoff-Platz rückt. Allerdings waren wieder die bekannten Schwächen wie schon die ganze Saison zu sehen: Defensiv immer wieder Phasen mit unerklärlichen Aussetzern – diesmal v.a. am Anfang der Partei – und schwer nachvollziehbare Turnover ohne den ganz großen gegnerischen Druck. Unterm Strich steht dennoch ein verdienter Sieg und auch eine der besseren Saisonleistungen.

Hier der Link zur Zusammenfassung bei MagentaSport

Die harten Fakten

Mit 36:34 das Reboundduell gegen eine der stärksten Reboundmannschaften der Liga gewonnen, mit 17:23 auch weniger Ballverluste produziert als der Gegner, das liest sich nicht falsch aus Ulmer Sicht. Allerdings muss man gerade bei den Ballverlusten wohl eher die Ursache in Braunschweig suchen, denn 23 sind ein verheerender Wert (Saisonschnitt 12,5) und mit den eigenen 17 wird auch Thorsten Leibenath in Ulm nicht glücklich sein. Ebenfalls auffällig: Die Serie an Spielen mit unterirdischer 3er-Quote der Ulmer hält an, in den letzten vier Spielen wurden gerade mal 15 von 72 Versuchen (knapp 21%) getroffen. Dass Ulm trotzdem zum dritten Mal in Folge mehr als 90 Punkt erzielt, ist bemerkenswert. Umso schmerzlicher fehlt weiterhin mit Per Günther der frisch gebackene Sieger des 3-Punkt-Wettbewerbs der BBL, aber Katin Reinhardt hat mit engagierter Defensive und sich stabilisierender Offensive auch Hoffnung auf Besserung gemacht. Und der härteste aller Fakten ist sowieso 1 Sieg Ulm, 0 Siege Braunschweig.

Hier Link zum Nachbericht und Box-Score bei der BBL

Darüber war zu reden

Für mehr und sicher vor allem nachhaltigere Aufmerksamkeit als ein ganz normales Bundesligaspiel hat Ulm Ende letzter Woche gesorgt. Da wurde in einer Pressekonferenz bekannt gegeben, was laut Geschäftsführer Dr. Thomas Stoll schon 2,5 Jahre in Arbeit ist, aber wohl die meisten doch überrascht hat: Thorsten Leibenath wird nach acht Jahren im Sommer 2019 sein Traineramt aufgeben, dafür allerdings die neu geschaffene Position als Sportdirektor übernehmen. Dabei wird er neben der Verantwortung für den Profibereich auch die Leitung des spitzensportorientierten Nachwuchses übernehmen, gemeinsam mit Chris Ensminger. Im sogenannten “Team Orange Player Development” sollen in Deutschland Maßstäbe für die Nachwuchsförderung gesetzt     und gezielt noch mehr Spieler an den Profibereich herangeführt werden als das ohnehin schon passiert. Nicht nur, aber auch mit Thorsten Leibenath, Chris Ensminger und Igor Perovic sowie nicht zuletzt Dr. Thomas Stoll arbeitet da jetzt sehr beeindruckende Kompetenz an der Ulmer Zukunft, vom Großprojekt “Orange Campus” (https://orangecampus.one/) ganz zu schweigen. Wer neuer Trainer der Profis wird, entscheidet sich erst im Sommer.

Unsere persönlichen Favoriten

Ich bin kein großer Fan der Spielweise von Patrick Miller, aber 23 Punkte bei 75% aus dem Feld und 9/10 Freiwürfen kombiniert mit 12 Assists, 5 gezogenen Fouls, 3 Steals, 3 Rebounds und 0 (!) Turnovern, das ist einfach eine extrem beeindruckende Statline. Zu Wünschen wäre dem zweifelsohne sehr sympathischen Amerikaner und seinem Team, dass es zukünftig konstanter zumindest in etwa so ähnlich läuft. Aber auch Javonte Green stellt mit 6 Steals einmal mehr seinen Ruf als Gambler in der Defense unter Beweis, der das aber durchaus erfolgreich macht.

Das steht an

Zuerst beim EuroCup-Finalisten ALBA Berlin (Tabellen-5.), dann beim Lokalrivalen Ludwgsburg (9.) und schließlich gegn Würzburg (8.). Ein einfaches Programm sieht anders aus und wenn die Ulmer in zwei Wochen nicht mehr auf einem Playoff-Platz stehen sollten, dürfte das niemanden komplett verwundern. Umgekehrt könnte es schlechtere Momente geben, um gegen ALBA zu spielen und was gibt es besseres für die Playoff-Chancen als die direkten Kontrahenten zu besiegen?