Uwe Krupp – Erster deutscher Meistermacher

Mitarbeiter des Tages, 24. Juni 2019: Uwe Krupp

Von Sascha Staat

“Ja ist es denn zu fassen? Ausgerechnet Uwe Krupp!” Genau diese Worte sprach damals der sehr geschätzte Günter-Peter Ploog, leider vor ein paar Jahren plötzlich und unerwartet verstorben, an diesem Juni-Morgen 1996. Es muss irgendwann gegen 6:30 Uhr gewesen sein. Ein Treffer von Uwe Krupp, ein harmloser Schlagschuss von der blauen Linie, entscheidet das bis dahin torlose vierte Spiel des Stanley-Cup-Finals zwischen den Colorado Avalanche und den Florida Panthers in der dritten Verlängerung.

Es ist nicht nur das “game-wining goal”, sondern es macht sowohl Krupp als auch sein Team, das erst ein Jahr zuvor von Quebec nach Denver umgezogen war, zum ersten Mal zum NHL-Champion. Der Kölner ist der erste Deutsche, dem das gelingen sollte. Moderator Christian Sprenger und Experte Lance Nethery lesen Faxe vor, die von den Zuschauern ins Premiere-Studio geschickt werden. Wolfgang Büttner spricht mit Krupp später noch auf dem Eis. Es waren andere TV-Zeiten damals.


Die Nachberichterstattung kann für einen 16 Jahre alten und völlig verrückten  US-Sport-Fan nicht lange genug dauern. Zum Glück ist sie aber zu Ende, als die Schule ruft, wobei das an diesem Tag natürlich eine völlig untergeordnete Rolle. Kaum dort angekommen fragen andere interessierte Mitschüler, ob ich das Ergebnis kennen würde. Ja, sage ich, Krupp hat das entscheidende Tor geschossen. Geglaubt wird mir erst einen Tag später, als der Videotext mich bestätigt hat.

Uwe Krupp jedenfalls hat das große Ziel seiner Laufbahn erreicht. Er ist eine Art Türöffner für andere Deutsche auf dem Weg in die stärkste Liga der Welt. Es folgen Marco Sturm und Jochen Hecht, später Marcel Goc, Christian Ehrhoff und Dennis Seidenberg, die sich dauerhaft etablieren können. Krupp gerät als Spieler irgendwie in Vergessenheit, spätestens seitdem Leon Draisatil in der NHL zu einem absoluten Topspieler geworden ist.

Wahrscheinlich aber ist er der beste deutsche Verteidiger aller Zeiten, sorry an die Kollegen Ehrhoff und Seidenberg. Krupp gewinnt den Cup nochmal mit Detroit, wenn auch ohne großes Zutun. Als er zu den Red Wings wechselt und dort einen hochdotierten Vertrag unterschreibt landet die Meldung auf der ersten Seite der USA Today. Damals war Krupp eine große Nummer. Später wird er ein im Rahmen der Möglichkeiten erfolgreicher Nationaltrainer, inklusive Rang vier bei der Heim-WM 2010.

Es muss so um 2014 sein, als ich im Krupp-Trikot der Quebec Nordiques, hierzulande wohl eine absolute Rarität, auf der Tribüne bei einem Spiel der Kölner Haie sitze, wo mein Eishockey-Held der 90er als Trainer hinter der Bande steht. Eine ältere Frau spricht mich an und fragt mich, wie das denn sein könne. “Ist es denn zu fassen? Ausgerechnet Uwe Krupp!”, mag ihr da wohl durch den Kopf gegangen sein, der Mutter von Krupp, wie ich später erfuhr.

Im gleichen Jahr, in der Saison zuvor und auch 2018 (mit den EIsbären Berlin) wird er Vizemeister in der DEL. Der Gewinn des Stanley Cups 1996 bleibt daher bis heute der größte Triumph für Krupp. Es ist ein Sommermärchen, das in Deutschland kaum wahrgenommen wird. Damals dachte ich: “Ist es denn zu fassen? Ausgerechnet Uwe Krupp!” Seine Mutter dachte damals wahrscheinlich genau das gleiche. Leider habe ich sie nicht gefragt. Heute gratuliere ich jedenfalls. Alles Gute, Uwe Krupp!

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